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Fluch der Meere, Teil 6 von 6 (Historical Serial)

Alfred Bekker, W. A. Hary

Fluch der Meere, Teil 6 von 6 (Historical Serial)





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Fluch der Meere Teil 6 von 6 (Seriel)

Roman

Alfred Bekker und W.A. Hary schrieben als Ashley Parker

 

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

(c) 2004, 2005, 2009, 2010, 2014 by Alfred Bekker Wilfried A. Hary

(c) der Digitalausgabe 2010 und 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

Dieser Roman erschien unter gleichem Titel in verschieden ausgestatteten Ausgaben bei den Verlagen Moments/Area, Ullstein, Weltbild und Club Bertelsmann. Eine Komplettlesung als Hörbuch erschien im Action-Verlag.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@AlfredBekker.de

 

 

Die Überraschung war auch für die Besatzung der SWORD FISH groß, als ihr eigener Captain als Kurier der örtlichen Zollbehörde von Vigo an Bord kam. Nur die beiden Eingeweihten, John Kane und Geoffrey Naismith, ahnten, wie ihr Captain das geschafft hatte. Die Prinzessin bekam sowieso zunächst nichts davon mit, weil sie sich in ihrer Kabine versteckt hielt.

Bis Lord Cooper sich umgezogen hatte und an ihrer Tür klopfte.

"Ja?", rief sie bang.

Er trat lächelnd ein und verbeugte sich artig. Damit niemand mithören konnte, schloss er hinter sich die Tür.

"Ich habe mit Eurem Verbindungsmann sprechen können und er hatte einen großartigen Plan: Ich gelte als der Sonderbotschafter Ihrer Majestät, der Königin von England, der in dringender Angelegenheit auf dem Weg zu König Philipp II. ist und Ihr werdet mich als meine holde Gattin nach Madrid begleiten! Inzwischen ist bereits ein Kurier unterwegs, um Euren Vater in Kenntnis über Euer Kommen zu setzen. Niemand in Vigo wird auf die Idee kommen, dass Ihr in Wahrheit die Prinzessin seid!"

"Das ist wahrlich genial!", rief die Prinzessin gut gelaunt und entließ den Lord sogleich wieder, damit sie sich in aller Eile zurecht machen konnte.

Sie als holde Gattin des Sonderbotschafters? Die Vorstellung gefiel ihr außerordentlich gut und sie genoss es jetzt schon. Deshalb war sie gewissermaßen in Rekordzeit bereit und verließ ihre Kabine, um nur wenig später am Arm ihres angeblichen Gatten über das Reep an Land zu gehen.

Zwar wurde alles weiträumig abgeriegelt wie bei einem Staatsempfang, aber es hatten sich dennoch genügend Schaulustige eingefunden, die aus sicherem Abstand den beiden begeistert zu jubelten. Es kam ja schließlich nicht alle Tage vor, dass ein so hoher Würdenträger der englischen Krone gemeinsam mit seiner Gattin spanischen Boden betrat - dachten sich die Menschen.

Ach, am liebsten hätte Carla den Arm des Lord niemals mehr los gelassen. Sie fühlte sich an seiner Seite nicht nur sicher und geborgen, sondern einfach rundherum... glücklich!

Als sie in seinem Gesicht forschte, konnte sie allerdings keinerlei Gefühlsregung erkennen. Offensichtlich, weil er sich meisterlich zu beherrschen wusste, wie sie sich einbildete.

Eine große Kutsche wartete auf sie beide. Noch während sie einstiegen, wurde bereits eine zweite Kutsche mit allem beladen, was der Prinzessin gehörte. Aber diese Kutsche musste auch Dinge aufnehmen, die Lord Cooper auf seiner Mission benötigte.

Sie mussten mit der Abfahrt warten, bis alles verladen war und da erschien Comandante Fernando Garcia auch noch persönlich, um sich ehrerbietend vor dem Lord und seiner angeblichen Gattin zu verbeugen und ihnen gute Reise zu wünschen.

Prinzessin Carla lächelte flüchtig, als sie ihn sah und nickte ihm kaum merklich zu, um ihn ihres Wohlwollens zu versichern, während Lord Cooper mit den Gedanken nicht ganz dabei war.

Er dachte nämlich an Jeannet: Alles wird gut!, redete er sich ein. Wir werden immer wieder voneinander getrennt sein, teilweise wahrscheinlich für Monate, aber es wird danach jedesmal ein glückliches Wiedersehen geben. Ja, alles wird gut! Und dann dachte er an die Dokumente und Karten, die ihm der Comandante überlassen und die er an Naismith und Kane weiter gegeben hatte. Das Leuchten in deren Augen war ihm nicht entgangen. Sie hatten begriffen, was für eine großartige Sache das war. Jetzt ließen sie sich allerdings nicht blicken, weil ihnen der Lord befohlen hatte, zurückhaltend zu bleiben. Es durften in der Zeit seiner Abwesenheit immer nur wenige der Besatzung das Schiff verlassen, stets abwechselnd. Er legte Wert darauf, dass die SWORD FISH sofort startklar war, sobald er zurückkehrte. Egal, wie lange er unterwegs sein würde.

Die beiden Offiziere hatten vollstes Verständnis dafür. Sie würden alles Nötige überwachen und die Besatzung war diszipliniert genug, dass keinerlei Zwischenfälle zu befürchten waren. Nicht auszudenken, wenn nur einer der Besatzung sich außerhalb des Schiffes beispielsweise in einen Streit verwickeln ließe und man deshalb vielleicht das Schiff überprüfte, ohne dass der Comandante dies rechtzeitig verhindern konnte. Wenn dabei die geheimen Dokumente und Karten gefunden werden würden...

Lord Cooper richtete im wahrsten Sinne des Wortes seinen Blick nach vorn, um nicht länger über unangenehme oder gar bedrohliche Eventualitäten nachzudenken und sich lieber auf die Begegnung im Königspalast mit Philipp II. zu konzentrieren.

Endlich setzte sich die Kutsche eskortiert von einem schwer bewaffneten Reitertrupp in Bewegung.

Die beiden Fahrgäste in der leicht schwankenden Kutsche sprachen lange Zeit kein einziges Wort. Bis sie die Stadt längst hinter sich hatten und sich in freier Landschaft befanden. Da sagte die Prinzessin auf einmal: "Wie wollen wir meinem Vater alles erklären? Mit der... Wahrheit?"

"Was Eure Rettung und alles danach betrifft... dürfte die Wahrheit sicherlich am besten sein", antwortete er zögerlich. "Andererseits müssen wir uns überlegen, wie wir Eurem Vater glaubhaft machen können, dass Ihr so ohne Weiteres mit einem Siedlerschiff das Land verlassen konntet, obwohl so intensiv nach Euch gesucht wurde."

Sie nickte ernst. "Darüber habe ich mir allerdings ebenfalls bereits Gedanken gemacht. Wollt Ihr das Ergebnis Euch anhören?"

"Ich bitte sogar darum, Prinzessin."

"Nun gut, Mylord: Mein Vater weiß längst, dass ich ein beträchtliches Vermögen mitgenommen habe. Ich berichte ihm, mich als Edelfrau getarnt und Bettler von der Straße bestochen zu haben, die dann als meine Dienerschaft auftraten, ohne auch nur ahnen zu können, wer ich in Wahrheit bin. Sie begleiteten mich unerkannt bis nach Vigo, wo ich mit dem Captain eines Schiffes verhandelte. Hier kann ich dann mit der Wahrheit fortfahren, denn diesen Captain kann niemand mehr zur Rechenschaft ziehen, weil er schon lange nicht mehr lebt. Die angebliche Dienerschaft schickte ich weg und ich weiß selber nicht, um wen es sich handelte. Sicher werden sie nicht mehr länger als Bettler herumlaufen, weil sie von dem leben können, was ich ihnen zum Abschied schenkte. Sie wissen auch jetzt noch nicht, wem sie gedient haben und wer sie so fürstlich dafür belohnte - und werden es nie erfahren."

"Das klingt vortrefflich und es kommt vor allem nicht der geringste Verdacht auf, den Comandante betreffend. Außerdem kann Euer Vater niemandem vorwerfen, nicht aufmerksam genug gewesen zu sein. Ich muss Euch wirklich loben, Prinzessin, für Euren Erfindungsreichtum."

"Vielen Dank, Mylord, aber das Lob gehört ganz Euch. Wenn ich bedanke, dass ich diese Kutsche als Eure Gattin betrat..."

"Oh, wie schon erwähnt, das war nicht meine Idee, sondern die des Comandante."

"Soll ich das so meinem Vater berichten?"

"Ja, denn es wäre ganz im Sinne von Fernando Garcia. Wenn Euer Vater Einzelheiten zu hören wünscht, sagt ihm, ich hätte in meiner Eigenschaft als Sonderbeauftragter der Königin von England persönlich ein entsprechendes Gespräch mit dem Comandante geführt. Ich wiederum berichte auf Befragen, die Empfehlung der Königin von England hätte den Comandante dazu bewogen, sich höchstselbst mit mir Gesandtem zu beschäftigen. Er habe mich zu sich gebeten und dabei hätte ich ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit die Wahrheit gesagt, nämlich dass Ihr Euch bei mir an Bord befinden würdet, um möglichst ohne Aufsehen zurückkehren zu können in den Palast ihres Vaters, dem großherrlichen König von Spanien. Als erfahrener Comandante und treuer Untertan seines Königs habe er sofort gehandelt und das einzig Richtige getan: Ihr seid als meine Gattin ausgegeben worden, damit Eure Heimkehr wie gewünscht inkognito erfolgen konnte. Alles andere hätte zu unnötigen Verzögerungen geführt."

"Ach, ich sehe schon, in welch idealem Maße wir uns ergänzen!", schwärmte die Prinzessin unwillkürlich.

Da glaubte er, der rechte Zeitpunkt sei endlich gekommen, um die Prinzessin allmählich darauf vorzubereiten, dass von einer Liaison mit ihm ihr Vater unmöglich zu überzeugen war: "Diese Auffassung teile ich, Prinzessin, mit Verlaub gesagt!" Seine Stimme klang warm - beinahe zu warm!

Carla hing darum zunächst andächtig an seinen Lippen, als er fortfuhr: "Wahrlich, wenn Ihr mir erlaubt, offener zu sein, Prinzessin: Ich habe selten in meinem Leben eine Hochwohlgeborene kennengelernt mit Eurer Schönheit und... Intelligenz. Dies außerdem gepaart mit einem übervollen Herzen. Es gibt wahrlich auf dieser Welt keinen einzigen Mann, der nicht Euretwegen mit Freuden sein Leben opfern würde, genauso wie ich. Aber Ihr seid die Prinzessin von Spanien, während ich nur ein Emporkömmling bin, der die Gunst der Königin von England erlangte und nur somit zu Ehre und Ansehen kam."

Carla zog unwillkürlich ihre hübsche Stirn ein wenig kraus. Schlagartig war alles Glück aus ihrer Brust verschwunden und hatte eisiger Kälte Platz gemacht. Sie spürte sogar eine Gänsehaut auf ihrem Rücken, als wäre die Temperatur im Innern der Fahrgastkabine schlagartig unterhalb des Gefrierpunktes gesunken.

Gern hätte sie ihren Blick von dem jetzt unnatürlich blass wirkenden Gesicht des Lords abgewendet, aber es gelang ihr einfach nicht, sich auch nur zu regen.

Der Lord hingegen war deshalb so blass, weil er deutlich sah, wie schwer seine Worte die Prinzessin getroffen hatten. Unbarmherzigen Peitschenhieben gleich waren sie offenbar auf diese niedergegangen.

Er hatte sie keineswegs verletzen wollen, doch er hatte lange überlegt, welche Formulierung die Richtige gewesen wäre. Hatte er sich letztlich geirrt und die falsche Strategie gewählt? Oder war es nur der falsche Zeitpunkt?

Seine Lippen bebten vor Furcht, wiederum das Falsche zu sagen, aber Carla glaubte, es sei deshalb, weil er selber darunter litt, niemals ihre Liebe wirklich erwidern zu dürfen:

"Denkt an Eure Stellung - und an Euren Vater! Ihr seid durch die Erlebnisse auf Eurer Flucht zur Frau gereift, die ihren Vater mit großem Stolz erfüllt. Das wird er verstehen und er wird auch verstehen, dass er seine Heiratspläne unter solchen Umständen nicht aufrecht erhalten darf. Er wird mich als Euren Retter ehren und sogar als denjenigen lieben, der ihm seine verlorene Tochter persönlich zurück brachte... Allerdings nur so lange, wie der gebührliche Abstand zwischen der Prinzessin von Spanien und einem im Grunde unbedeutenden Diener der englischen Königin gewahrt bleibt. Wenn auch nur der geringste Verdacht entsteht, ich würde mich gar erdreisten, mehr zu erwarten..."

"Ihr wäret des Todes!", ächzte die Prinzessin mit erstickter Stimme. Sie kämpfte mit ihren Tränen, zunächst erfolgreich, aber dann brachen sie aus ihr heraus wie eine Sturzflut.

Ach, wie gern hätte Lord Cooper sie jetzt tröstend in die Arme genommen und wie gern hätte sie das auch gehabt, aber er hatte vollkommen Recht: Es durfte nicht sein!

Mit tränenverschleiertem Blick schaute sie ihn an.

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