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Fluch der Meere, Teil 4 von 6 (Historical Serial)

Alfred Bekker, W. A. Hary

Fluch der Meere, Teil 4 von 6 (Historical Serial)

Cassiopeiapress Spannung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Fluch der Meere Teil 4 von 6 (Seriel)

Roman

Alfred Bekker und W.A. Hary schrieben als Ashley Parker

 

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

(c) 2004, 2005, 2009, 2010, 2014 by Alfred Bekker & Wilfried A. Hary

(c) der Digitalausgabe 2010 und 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

Dieser Roman erschien unter gleichem Titel in verschieden ausgestatteten Ausgaben bei den Verlagen Moments/Area, Ullstein, Weltbild und Club Bertelsmann. Eine Komplettlesung als Hörbuch erschien im Action-Verlag.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@AlfredBekker.de

 

 

 

Es war um Mitternacht. Der Mond stand hoch und hell als gelbliches Oval am Nachthimmel. Jeannet stand an der Reling der WITCH BURNING und blickte zum Ufer hinüber. Der Lärm von wilden Feiern und lautstarkem Vergnügen drang zu ihr herüber. Am Strand brannten Lagerfeuer, in den Häusern die Öllampen. Außer Jeannet Harris befanden sich nur noch drei Männer an Bord der WITCH BURNING. Keiner dieser Männer war glücklich darüber und das Versprechen der Kapitänin, sie hätten dafür garantiert in der nächsten Nacht Gelegenheit für einen Landgang, konnte sie nicht wirklich entschädigen.

Die erste Nacht im Heimathafen war einfach etwas, was man mit nichts vergleichen konnte.

Jeannet war nie ein Kind von Traurigkeit gewesen und hatte gerne mit den Männern am Feuer gesessen.

Aber im Moment stand ihr einfach nicht der Sinn danach.

Darüber hinaus musste in dieser Nacht noch etwas sehr Wichtiges erledigt werden. Etwas, was den Schutz der Dunkelheit erforderte. Jeannet hatte vor, den Großteil der Schätze von Bord bringen zu lassen. Jeannet dachte an die Zukunft. Die Beute von der Galeone ihrer königlichen Majestät Prinzessin Carla von Spanien sollte zumindest zum Teil in die Schatzkammer gebracht werden, die Jeannet angelegt hatte. Eine Schatzkammer, die eine Versicherung für schlechtere Zeiten darstellte. Schließlich würde sie ihre Männer auch dann bei Laune halten müssen, wenn die Aussicht auf Beute einmal geringer war. Und irgendwann --- auch wenn es ihr im Moment noch sehr schwer fiel, sich das vorzustellen --- gab es ja vielleicht auch einmal ein Leben, dass nicht auf den rutschigen Planken der WITCH BURNING und unter schwarzer Totenkopfflagge geführt wurde.

Es war eigenartig.

Seit sie Lord Cooper begegnet war, hatte sie zum ersten Mal seit langer Zeit überhaupt an diese Möglichkeit gedacht. Das konnte kein Zufall sein. Du machst dir nur dumme Illusionen!, schalt sie sich. Wir hatten eine kurze, heftige Begegnung, aber was wird sein, wenn er wieder in England ist und all diese wohlkultivierten Frauen ihn umgeben? Frauen, die wissen, wie man sich schön macht, wie man sich nach der Mode kleidet oder wie man eine interessante Konversation führt...

Jeannet seufzte.

Aber hatte er ihr gegenüber nicht gestanden, ebenso wie sie zu empfinden? Konnte ein derartiger Gefühlsblitz wirklich vollkommen einseitig gewesen sein? Jeannet hielt das für unwahrscheinlich. Das hätte ich gemerkt, dachte sie.

Außerdem gehörte zur Liebe auch Vertrauen.

Wir werden es sehen, dachte sie.

Wenn wir uns das nächste Mal treffen...

Jeannet lehnte gegen die Reling und ein sanfter Wind strich über die Bucht. Das Meeresrauschen betäubte die Sinne und entführte ihre Gedanken in das Reich ihrer Träume. Sie konnte Lord Coopers Stimme hören, wie er ihren Namen flüsterte. Eine Ahnung jenes prickelnden Gefühls durchflutete ihren Körper, das sie bei ihrer ersten Berührung empfunden hatte.

"Es ist Wahnsinn, Donald", flüsterte sie.

"Ein Wahn, dem ich mich gerne hingebe, Jeannet", war seine Antwort. Sie sah seine Augen vor sich, die sie mit einem warmen Blick betrachteten. In diesem Blick lag allerdings noch mehr. Ein Blitzen, ein Glühen, eine Ahnung von loderndem Feuer, das unter der gelackten Oberfläche dieses Mannes verborgen lag. Urgewalten, wie sie bisweilen aus Vulkaninseln hervorbrachen und sich dann unaufhaltsam ihren Weg bahnten. Wer sollte sich diesem Lavastrom zu widersetzen vermögen? Nicht einmal das Schicksal selbst, geschweige denn irgendwelche Konventionen von Standesdünkel und Politik.

Nebel war im Verlauf der Nacht aufgezogen. Wie eine Wand umgaben sie die Insel und hatten sich wie ein immer enger werdender Ring um New Antikythera herumgelegt. Inzwischen war auch die Bucht davon betroffen.

Der Wind ließ nach, trieb nach die ersten dicken Schwaden auf den Strand vor dem Hafen zu, ehe er fast vollkommen aufhörte.

Der Mond wurde zu einem verwaschenen Fleck.

Jeannet hatte kaum bemerkt, wie die Zeit vergangen war.

Zu sehr war sie in ihrer Traumwelt gefangen gewesen.

In ihren Gedanken war sie weit entfernt. Bei Lord Cooper, dem Mann, von dem sie wusste, dass sie ihn bis an ihr Lebensende niemals würde vergessen können, was auch geschah und welche Barrieren sie auch immer trennen mochten.

Die Männer, die an Bord geblieben waren, bemerkten recht rasch ihre innere Verfassung und dass es besser war, sie jetzt nicht anzusprechen.

Am Heck des Schiffes hatten sie sich neben das Ruder gesetzt und spielten Karten. Jeannet nahm ihre Stimmen kaum noch wahr, aber ein einziges Geräusch aus dem Nebel heraus genügte, um sie aus ihren Gedanken herauszureißen. Von einer Sekunde zur nächsten war sie wieder vollkommen gegenwärtig.

Ihre Hand ergriff instinktiv den Griff des Degens.

Schauerlich, was mir in den Jahren auf See so alles zur Gewohnheit wurde, ging es ihr durch den Kopf.

Das Geräusch, das sie gehört hatte, wiederholte sich.

Ruderblätter wurden ins Wasser geschlagen. Die Dolden ächzten dabei.

Wenig später tauchte eines der Beiboote aus dem Nebel auf.

Ben Rider befand sich darauf, zusammen zwei anderen Männern. Albrecht Schneider aus Nürnberg war der größere. Er war tatsächlich Schneider gewesen, bevor er sein Glück als Landsknecht in den Diensten verschiedener Armeen versucht hatte. Später war er bei den oberitalienischen Kriegen der Habsburger in spanische Gefangenschaft geraten und zum Ruderdienst auf einer Galeere verurteilt worden. CONCEPCIÓN hatte dieses Schiff geheißen, bevor eine als Jeannet Witch bekannte Piratin sie gekapert hatte. Albrecht Schneider hatte sich Jeannets Mannschaft angeschlossen. Er war einer jener Männer, denen sie absolut vertraute.

Bei dem anderen Mann handelte es sich um einen grauhaarigen Mann aus Yorkshire. Er hieß Randolph Pitt. Man hatte ihn zu Unrecht wegen Diebstahls verurteilt, woraufhin ihn eine lange Flucht bis in einen verwunschenen irischen Hafen namens Port Kavanaugh geführt hatte, der als Piratennest verschrieen war. Dort war er an Bord der WITCH BURNING gegangen und seitdem Mitglied der Mannschaft. Auch ihm brachten sowohl Jeannet als auch Ben Rider großes Vertrauen entgegen.

Albrecht und Randolph waren außer Rider und Jeannet die einzigen an Bord, die die Lage des Schatzverstecks genau kannten.

"Ich denke, dass ich früh genug zurückgekehrt bin", rief Ben Rider zu der an der Reling stehenden Jeannet Witch hinauf.

"Ich hoffe, Ihr hattet Euren Spaß", erwiderte Jeannet.

Albrecht und Randolph grinsten.

Womit genau sich die beiden auf der Insel die Zeit vertrieben hatten, wollte Jeannet gar nicht so genau wissen. Die Hauptsache war, dass sie ihr hier und jetzt zur Verfügung standen.

"Beginnen wir!", forderte sie.

 

*

 

Das Aufladen der Schätze, die man von Bord der spanischen Galeone geholt hatte, dauerte allein schon eine gute Stunde.

Immer wieder trugen die Männer schwere Kisten mit Gold und Geschmeide herbei und ließen sie mit einem Flaschenzug hinab gleiten. Zwei Rettungsboote wurden benötigt. Sonst wäre das Gewicht zu groß geworden.

Albrecht und Randolph ruderten. Das zweite Boot war im Schlepptau.

Der Wasserstand war in den vergangenen Stunden stark gesunken. Die Ebbe zog das Boot hinaus in Richtung der Felsen, die den Ausgang der Bucht bildeten.

Den Männern erleichterte dies ihre Ruderarbeit.

Denn bei den Felsen lag ihr Ziel.

Es gab dort eine Grotte, die Jeannet als Versteck diente. Man konnte nur bei niedrigstem Wasserstand mit einem Boot in sie hineinfahren und musste sich dann sehr beeilen, um all das zu tun, was dort zu erledigen war. Denn sobald der Wasserstand wieder stieg wurde es gefährlich. Normalerweise lag der Eingang zur Grotte nämlich unterhalb des Wasserspiegels.

Während die beiden Boote auf die Felsmassive zusteuerten, wurde geschwiegen. Das Rauschen des nahen offenen Meeres vermischte sich mit dem Schlagen der Ruderblätter. Die WITCH BURNING war bald nur noch ein schattenhafter Schemen im Nebel. Ein Umriss, der an Scherenschnitte erinnerte, wie man sie auf so manchem städtischen Jahrmarkt kaufen konnte.

Vom Schiff aus konnte man die Boote vermutlich überhaupt nicht mehr sehen. Verschluckt von der grauen Nebelsuppe. Aber selbst bei gutem Wetter war vom Ufer der in der Bucht ankernden Schiffe aus nicht sichtbar, wenn ein Boot die Einfahrt zur Grotte benutzte. Ein Betrachter an Land hatte lediglich den Eindruck, dass das Boot plötzlich hinter ein paar aus dem Wasser ragenden Felszacken verschwand. Fuhr er dann später selbst mit dem Boot hinaus, um nachzusehen, war es unwahrscheinlich, dass er den Grotteneingang fand. Er lag erstens die meiste Zeit über einem Meter tief unter dem Wasser und war zweitens bei Ebbe nur für eine Stunde passierbar. Selbst in dieser Zeit war er für ein in die Bucht einfahrendes Schiff nicht erkennbar. Weit ins Wasser hineinragende Felsformationen versperrten die Sicht und hielten den Betrachter zum Narren.

Und vom Land aus war die Grotte vollkommen unzugänglich. Selbst für geübte Kletterer, von denen es unter den Menschen der Insel ohnehin nicht viele gab, entstammten doch die meisten eher Seemanns- und Fischerfamilien aus den flachen Küstenregionen der Normandie oder Südenglands.

Die Grotte war ein perfektes Versteck.

So mancher Inselbewohner hatte gewiss schon darüber nachgedacht, wie es kam, dass Jeannet und ihre Schätze irgendwo auf dem Meer vor aller Augen verschwanden, sie aber später ohne ihre Schätze zurückzukehren pflegte.

Die wenigen, die das hatten beobachten können, brachten dies mit den Legenden um Jeannet Witch in Verbindung, nach denen die Piratenanführerin eine wahrhaftige, mit übernatürlichen und vom Teufel entliehenen Kräften ausgestattete Hexe war.

Jeannet wiederum tat nicht das Geringste, um diese Legenden zu entkräften.

Warum auch?

Verhinderte der Aberglaube dieser Leute doch, dass sie sich an ihrem Schatz vergriffen.

Die Boote erreichten schließlich den Eingang zur Grotte.

Ben Rider entzündete Fackeln und befestigte sie am Bug des Zugbootes. Ihr flackernder Schein ließ Schatten auf den kalten Höhlenwänden tanzen. Schatten, die immer neue Formen bildeten und wie Gespenster aus dem Reich des Todes wirkten.

Aber es war nicht die Unterwelt, in die sie einfuhren, sondern das größte Schatzversteck weit und breit. Wahrscheinlich wäre so mancher Fürst neidisch auf das gewesen, was Jeannet Witch und ihre Piratenmeute hier angehäuft hatten.

"Jeannet, ich muss Euch etwas sagen", raunte Ben Rider ihr schließlich zu. "Im Hafen gibt es Gerüchte."

"V

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