Logo weiterlesen.de
Fluch der Meere, Teil 1 von 6: Historical Serial

Alfred Bekker, W. A. Hary

Fluch der Meere, Teil 1 von 6: Historical Serial

Cassiopeiapress Spannung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Fluch der Meere Teil 1 von 6 (Seriel)

Roman

Alfred Bekker und W.A. Hary schrieben als Ashley Parker

Ein CassiopeiaPress E-Book

(c) 2004, 2005, 2009, 2010, 2014 by Alfred Bekker & Wilfried A. Hary

(c) der Digitalausgabe 2010 und 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

Dieser Roman erschien unter gleichem Titel in verschieden ausgestatteten Ausgaben bei den Verlagen Moments/Area, Ullstein, Weltbild und Club Bertelsmann. Eine Komplettlesung als Hörbuch erschien im Action-Verlag.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@AlfredBekker.de

Prolog

Das Königreich England zählte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung kaum mehr als vier Millionen Einwohner. Heutzutage vergleichbar mit einer Stadt wie Frankfurt/Main mit Einzugsgebiet. In Frankreich hingegen lebten zur selben Zeit immerhin zwanzig Millionen. England war mithin ein kleines Land, und es lag für damalige Begriffe sogar am Rand der bewohnten Welt.

Der Aufstieg Englands im Zeitalter von Königin Elisabeth (sie herrschte von 1558 bis 1603), der Tochter vom großen Heinrich VIII., war eng mit der Tatsache verbunden, dass sich die maritime Randlage in Vorzüge zu verwandeln begann. Allerdings nicht von allein. Königin Elisabeth musste es aktiv betreiben. Sie wusste haargenau: Die atlantische Welt war die Welt der Zukunft, doch sie wurde rigoros monopolisiert von der spanischen Handelsschifffahrt - noch!

Ein offener Konflikt mit dem politisch befreundeten Spanien unter König Philipp II. hätte unweigerlich zu ihrem Sturz geführt, denn sie brauchte ihn als Verbündeten gegen das ihr feindlich gesinnte Rom. Genauso wie er sie brauchte, denn England war von enormer Bedeutung für die Sicherung der Verbindungslinien zwischen Spanien und den Niederlanden.

Königin Elisabeth fand einen anderen, höchst inoffiziellen Weg. Unter ihrer Herrschaft wurde dies die hohe Zeit der englischen Freibeuter, die insgeheim das Wohlwollen von Königin Elisabeth ernteten, sofern sie bevorzugt spanische Handelsschiffe überfielen und dadurch deren Majorität untergruben!

Viel später, im zwanzigsten Jahrhundert etwa, hätte man eine solche Vorgehensweise wohl als eine Art "Kalten Krieg" bezeichnet...

*

 

In der Neuen Welt

Im Jahre des Herrn 1564

 

Die WITCH BURNING hatte beigedreht. Das Piratenschiff lag nun seitlich neben der SWORD FISH, einem Kriegsschiff Ihrer königlichen Majestät Elizabeth I. von England.

Ein Fallreep verband beide Schiffe. Die Segel waren sowohl auf Seiten der Engländer als auch auf Seiten der Piraten so sehr gerefft, dass beide Schiffe kaum noch Fahrt hatten. Sie dümpelten gemeinsam in Richtung Süden dahin, wo einige Dutzend Seemeilen entfernt die Küste von Darien lag, wie die schmale Landbrücke genannt wurde, die den Atlantik vom Pazifischen Ozean trennte.

Es wehte ein nur lauer Wind aus Westen, der überdies stetig nachgelassen hatte.

Ein Wind, der vom Pazifik her über die Mangrovensümpfe Dariens strich.

Lord Coopers rechte Hand legte sich um den Griff des mächtigen Degens, den der Gesandte seiner jungfräulichen Majestät Elisabeth an der Seite trug.

Er blinzelte gegen die tiefstehende, milchig gewordene Sonne und sah den grinsenden Piratengesichtern entgegen. Grobe Kerle, gekleidet in geraubte Uniformteile und Kleidungsstücke aus aller Herren Länder waren sie. Zusammengewürfelt aus allen europäischen Nationen. Sie waren gut bewaffnet. Degen, Schwerter, Harkebusen, Musketen und Armbrüste sah Lord Cooper.

"Wo bleibst du, Gesandter der jungfräulichen Königin?", rief einer der Männer mit rauer Stimme. "Traust du dich etwa nicht, deine gelackten Schuhe auf die Planken der verfluchten WITCH BURNING zu setzen?"

Ein grölendes Gelächter folgte.

Die wilde Piratenmeute amüsierte sich köstlich.

Lord Cooper nahm das gelassen hin. Er suchte mit den Augen die Reihen der wilden Gesellen ab.

Wo ist sie?, dachte er.

Jeannet...

Die Frau, von der er wusste, dass er sie niemals würde vergessen können. Mochten auch Standesunterschiede und die Staatsräson sie trennen.

"Ihr sucht Eure Piratenanführerin, Sire?", fragte Geoffrey Naismith. Der Zweite Offizier der SWORD FISH hatte die Gedanken seines Kommandanten exakt erraten. "Ihr wundert Euch, dass sie nicht an Deck ist, um Euch zu begrüßen..."

Lord Cooper wandte den Kopf in Naismith' Richtung. Der süffisante Unterton gefiel Cooper nicht. Naismith war feinfühlig genug, um das zu bemerken.

Naismith hob beschwichtigend die Hände.

"Vergebt mir, Sire! Aber Eure Sympathie für die Kommandantin der WITCH BURNING war nicht zu übersehen!"

"Hütet Euch!", knurrte Lord Cooper düster.

Naismith lächelte.

Der Wind frischte etwas auf und wehte ihm das bis über die Schultern reichende gelockte Haar ins Gesicht.

"Missversteht mich nicht! Jeder würde Euch dieses Vergnügen gönnen, selbst wenn es Euch vielleicht mit der Mission im Dienst der jungfräulichen Königin in Konflikt bringen könnte. Trotz der Männerkleidung, die diese junge Frau stets trug, wirkte sie, als wäre darunter einiges zu finden, das Euer Herz vielleicht höher schlagen ließ."

Die Art, mit der sein Zweiter Offizier sich zu äußern wagte, gefiel Lord Cooper ganz und gar nicht. Unwillkürlich ballte er die Hände zu Fäusten. Aber dies war nun wirklich der schlechteste Zeitpunkt, um einen Ehrenhändel unter Gentlemen auszutragen.

Es ist deine eigene Schuld, ging es ihm durch den Kopf. Du hättest vorsichtiger sein müssen. Außerdem solltest du immer und überall damit rechnen, dass der Hof seine Augen und Ohren selbst hier, weit draußen in den feuchtheißen Gewässern der Neuen Welt hat. Lord Coopers mächtiger Brustkorb hob und senkte sich. Vielleicht ist Naismith Auge und Ohr der Königin oder einer ihrer Schranzen. Wer weiß?, überlegte er. Würde er es sonst wagen, derart selbstbewusst gegenüber seinem Kommandanten aufzutreten?

Einer der Piraten trat an die Reling.

Es war Ben Rider, der Erste Offizier der WITCH BURNING und Jeannets Stellvertreter.

"Warum zögert Ihr, Cooper?", rief er. "Unsere Kommandantin erwartet Euch!"

Naismith hielt ihn zurück.

"Wartet, Sire!"

"Weshalb?"

"Das ist eine Falle!"

"Für Eure Annahme gibt es keinen Anlass! Diese Piraten mögen Euch nicht gefallen, aber Ihr mögt Euch bitte daran erinnern, dass sie Verbündete Englands sind!"

"Von Jeannet ist weit und breit nichts zu sehen, Sire."

"Aye."

"Wahrscheinlich hat dieser Halsabschneider Ben Rider längst das Kommando übernommen und Jeannet den Haien zum Fraß vorgeworfen oder als Sklavin verkauft! Ihr wisst doch, wie käuflich diese Hundesöhne sind! Wenn Ihnen jemand ein paar Golddublonen mehr für ihre Dienste gibt, dann wechseln sie bedenkenlos die Seiten."

Cooper lächelte dünn.

"Jeannet ist eine starke Kommandantin. Ich glaube nicht, dass sie sich so einfach im wahrsten Sinn des Wortes ausbooten lassen würde!"

Cooper trat als erster auf die rutschigen Planken des Fallreeps, das beide Schiffe miteinander verband.

Naismith fluchte vor sich hin und folgte ihm zusammen mit einem halben Dutzend Bewaffneter.

Mehr als dieses Gefolge ließen die Männer der WITCH BURNING allerdings nicht zu.

Die anderen schickten sie mit lautstarken Beschimpfungen zurück. Aber erst auf Coopers Zeichen hin gehorchten sie.

Ben Rider baute sich breitbeinig vor Lord Cooper auf.

Eine Hand umfasste den Degen, der Daumen der anderen klemmte hinter einem breiten Gürtel. Eine Filzklappe bedeckte Riders rechtes Auge. Er blickte abschätzig an Cooper hinunter und spuckte dann aus.

"Bringt mich zum Kapitän!", forderte Cooper.

"Folgt mir, Cooper. Aber Eure Männer bleiben hier an Deck."

Naismiths Hand griff zum Degen.

"Was habe ich Euch gesagt, Sire!", stieß er erregt hervor.

Der Zweite Offizier der SWORD FISH ließ seine Waffe allerdings stecken, als ein halbes Dutzend Harkebusen, Pistolen und Armbrüste plötzlich in seine Richtung zeigten.

"Es ist schon in Ordnung", erklärte Cooper an Naismith gerichtet.

Er nickte Rider zu und folgte ihm unter Deck.

Sie stiegen eine schmale Treppe hinab. Die Bretter knarrten bei jedem Tritt. Anschließend ging es durch einen engen Korridor. Schließlich erreichten sie die Tür zur Offiziersmesse.

Rider klopfte.

"Lord Cooper ist hier!", rief er.

Eine helle, freudig erregte Stimme antwortete.

"Dann mag er hereinkommen!"

Lord Cooper hätte diese Stimme unter tausenden sofort erkannt. Zweifellos gehörte sie niemand anderem als Jeannet Harris, der gefürchtesten Piratin, die je die Gewässer der neuen und der alten Welt befahren hatte.

Die Tür öffnete sich knarrend.

Rider trat zur Seite.

Lord Cooper ging in die Kapitänskabine. Hinter ihm ließ Rider die Tür wieder ins Schloss fallen.

"Jeannet!", stieß Lord Cooper hervor.

Der Anblick, der sich ihm in diesem Augenblick bot, raubte dem großen, breitschultrigen Mann beinahe den Atem. Keine Piratin in Männerkleidern und einem breiten Waffengurt stand vor ihm, sondern eine bildhübsche junge Frau in einem grünweißen, mit kostbaren Stickereien besetzten Kleid, das die vollendeten Formen ihres weiblichen Körpers vorteilhaft betonte. Das rötliche, dichte Haar war kunstvoll aufgesteckt. Wertvolles Geschmeide trug sie um den Hals. Geschmeide, das sie mit Sicherheit spanischen Seglern abgenommen hatte.

Sie lächelte.

"Nun, Lord Cooper, hat es Euch etwa die Sprache verschlagen --- oder erkennt Ihr mich tatsächlich nicht mehr wieder?"

"Nun..."

"Eigentlich hatte ich gedacht, dass unsere letzte Begegnung einen etwas nachhaltigeren Eindruck auf Euch gemacht hätte!"

"Wie könnte ich Euch vergessen, Jeannet!"

"Da bin ich beruhigt! Ich dachte schon, in den langen Monaten, die wir getrennt waren, hättet Ihr Euch Frauen zugewandt, die nicht in Männerkleidern herumlaufen und Musketen abfeuern!" Ihre grünen Augen, die Cooper stets an die Farbe und den Geruch von Seetang erinnert hatten, blitzten herausfordernd.

"Während meiner Passage nach England und der Zeit am Hof habe ich nur an Euch gedacht, Jeannet!"

"Und doch ist Eure Begrüßung viel scheuer und zurückhaltender, als erwartet. Fast so, als hättet Ihr unseren leidenschaftlichen Abschied schon ganz und gar vergessen..."

Cooper schluckte.

Sie trat auf ihn zu, raffte dabei etwas ihr Kleid zusammen. Dennoch raschelte der Saum über die Holzplanken. Amüsiert stellte Cooper dabei fest, dass ihre Füße bloß waren.

Sie drehte sich einmal herum. Das Kleid schwang dabei mit ihr und ergab zusammen mit ihrem schlanken, wohlgeformten Körper ein anmutiges, harmonische Bild. "Das ist die neueste Mode aus Spanien", lachte sie. "So etwas trägt man jetzt in Madrid und Toledo."

"Geraubt von spanischen Galeonen", murmelte Lord Cooper.

"G

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Fluch der Meere, Teil 1 von 6: Historical Serial" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen