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Flitterwochen mit dem Millionär

Catherine Mann

Flitterwochen mit dem Millionär

PROLOG

Madrid, Spanien: ein Jahr zuvor

Am liebsten hätte er sie mit Schmuck überschüttet.

Jonah Landis strich genüsslich über den nackten Arm der Frau, die neben ihm schlief. Dabei fragte er sich, welches der Familienerbstücke am besten zu ihrem dunklen Haar passen würde. Rubine? Smaragde? Oder eine Kette mit großen Perlen? Mit den Fingerknöcheln fuhr er von ihrer Schulter zu ihrem Schlüsselbein über ihre cremeweiße Haut, die von der Berührung mit seinen Bartstoppeln immer noch leicht gerötet war.

Normalerweise griff er nicht in die Familienschatztruhe, sondern zog es vor, von dem Geld zu leben, das er mit seinen Investitionen verdiente. Doch für Eloisa würde er eine Ausnahme machen.

Das Licht der frühen Morgensonne fiel durch die schmiedeeisernen Fenstergitter des Herrenhauses aus dem siebzehnten Jahrhundert, das er für den Sommer gemietet hatte. Die Leinenvorhänge, die über dem Bett drapiert waren, bewegten sich leicht in der sanften Brise. Zunächst war ihm gar nicht aufgefallen, dass Eloisa Amerikanerin war, als sie durch die Ruine der spanischen Burg geschlendert war. Sie wirkte, als wäre sie dort zu Hause. So exotisch. Und heiß wie die Sünde. Während sie sich Notizen machte und weiterging, hatte er völlig den Faden in dem Gespräch mit den übrigen Investoren verloren.

Die meisten bezeichneten ihn als den Impulsiven seiner Familie, allerdings kümmerte ihn nicht, was andere von ihm dachten. Sicher, er nahm regelmäßig Risiken auf sich, wenn es um Geschäfte ging – und in seinem Privatleben. Allerdings hatte er immer einen Plan, was sich bisher stets bezahlt gemacht hatte.

Vergangene Nacht allerdings hatte er zum ersten Mal überhaupt nichts geplant, sondern sich Hals über Kopf auf diese kühle, faszinierende Frau eingelassen. Er hatte keine Ahnung, ob seine Entscheidung sich auf lange Sicht bezahlt machen würde, aber er war sicher, dass sie einen verdammt guten Sommer miteinander verleben würden.

Und danach? Sie würden eben einen Tag nach dem anderen angehen.

Seufzend rollte sie sich zur Seite und legte einen Arm über seine Hüfte. „Habe ich verschlafen?“

Ihre dunklen Augen – die Jonah an eine stolze osmanische Herrscherin denken ließen – waren immer noch geschlossen. Er hatte auf den Meetings wegen der historischen Restaurierungsarbeiten schon viel Zeit mit dem Versuch zugebracht, das Geheimnis dieser Frau zu ergründen.

Er sah zu der Digitaluhr, die auf dem geschnitzten Walnusstisch stand. „Es ist erst sechs. Wir haben noch Zeit bis zum Frühstück.“

Eloisa schmiegte den Kopf tiefer in das Federkissen. Ihr schwarzes Haar breitete sich dabei wie ein verführerischer Fächer auf der weißen Baumwolle aus. „Ich bin immer noch müde.“

Das sollte sie auch sein. Sie hatten den größten Teil der Nacht damit verbracht, Sex zu haben … ein Nickerchen zu machen … zu duschen … um dann wieder ineinander verschlungen im Bett zu landen. Dass sie vorher etwas getrunken hatten, hatte die Sache nicht unbedingt weniger aufregend gemacht.

Er selbst hatte sich dabei auf zwei Drinks beschränkt, aber Eloisa schien schwerer angeschlagen gewesen zu sein als er. Er strich ihr langes schwarzes Haar zurück, das zart durch seine Finger glitt und sich genauso weich angefühlt hatte, als sie auf und unter ihm gewesen war.

Pochendes Verlangen erfüllte ihn erneut, obwohl er eigentlich erschöpft hätte sein müssen. Sie brauchte unbedingt noch etwas Ruhe.

Jonah richtete sich auf und spürte die kühle Morgenluft auf seiner Haut. „Ich rufe in der Küche an, damit jemand uns das Frühstück hochbringt. Wenn du irgendwelche Vorlieben hast, dann raus damit.“

Sie drehte sich auf den Rücken und streckte sich, die Augen immer noch geschlossen. Dabei rutschte die Bettdecke ein Stück herunter, sodass er ihre perfekt geformten Brüste sah. „Hm, ich mag alles“, murmelte sie schläfrig. „Ich hatte einen schönen Traum …“ Sie hörte auf zu sprechen und runzelte die Stirn, während sie unter ihren schwarzen Wimpern hervorblinzelte. „Jonah?“

„Ja, das ist mein Name.“ Er schlüpfte in seine seidenen Boxershorts und griff nach dem Telefon.

Sie blickte sich rasch in dem Raum um, als versuchte sie, sich zu orientieren. Dann griff sie nach der Decke und zog sie hastig wieder nach oben. Ihre Hand berührte jetzt beinahe ihr Gesicht und verharrte völlig bewegungslos.

„Was ist denn?“ Sie würde doch nicht schüchtern sein, nach dem, was letzte Nacht geschehen war.

„Äh, Jonah?“ Ihre Stimme klang mit einem Mal sehr hell.

Er setzte sich auf die Bettkante und wartete. In Gedanken beschäftigte er sich bereits mit mindestens fünf verschiedenen Möglichkeiten, Eloisa den Sommer über Zerstreuung zu bieten.

Sie streckte einen Arm aus und spreizte die Finger. Das Sonnenlicht, das durch das Fenster in den Raum fiel, beschien den schlichten goldenen Ehering, den er ihr vergangene Nacht übergestreift hatte. Eloisa blinzelte, und in ihren Augen spiegelte sich Entsetzen wider.

„Oh, mein Gott“, keuchte sie, während sie den glänzenden neuen Ring betastete. „Was haben wir getan?“

1. KAPITEL

Pensacola, Florida: Gegenwart

„Herzlichen Glückwunsch für die zukünftige Braut, meine kleine Prinzessin!“

Der Toast des Brautvaters hallte über das Deck des Raddampfers durch die schwüle Mailuft Pensacolas und wurde zu Eloisa Taylor auf das Dock getragen. Eloisa war völlig erschöpft von den Vorbereitungen für die Verlobungsfeier ihrer Halbschwester und tauchte die schmerzenden Füße in das kühlende Meerwasser des Golfs von Florida. Ihr Stiefvater hatte alles für Audrey gegeben, viel mehr, als ein einfacher Steuerbeamter sich eigentlich leisten konnte, doch nichts war ihm zu gut für seine kleine Prinzessin. Auch wenn er einen Montagstermin hatte buchen müssen, um die heutige Festveranstaltung bezahlen zu können.

Der Klang der klirrenden Gläser vermischte sich mit dem des leichten Wellenschlages. Das opulente Dinner war bereits vorbei, und niemand würde sie vermissen. Darin war sie gut – anderen Menschen zu helfen und sich dabei im Hintergrund zu halten.

Es war eine bittersüße Aufgabe gewesen, diese Verlobungsfeier zu organisieren, weil sie gezwungen war, an ihre eigene Hochzeit zu denken, die sie nicht gefeiert hatte. Nicht einmal ihre Familie hatte etwas davon gewusst. Eloisa dankte Gott für die Blitzscheidung, die sie von ihrer impulsiven Mitternachtshochzeit fast ebenso schnell wieder befreit hatte, wie sie geschlossen worden war.

Normalerweise gelang es ihr, die Erinnerungen daran zu unterdrücken, aber wie sollte sie das jetzt angesichts von Audreys glücklichem Gesichtsausdruck, den sie rund um die Uhr zur Schau trug? Nicht zu vergessen die geheimnisvolle Sprachnachricht, die sie heute Morgen von ihm bekommen hatte. Jonah. Sogar ein Jahr, nachdem sie das letzte Mal mit ihm gesprochen hatte, hatte sie ihn sofort an seiner erotischen Stimme erkannt.

Eloisa. Ich bin es. Wir müssen reden.

Sie strich den Pferdeschwanz zur Seite, den der Wind ihr ins Gesicht geweht hatte. Wohlig erschauernd dachte sie daran, wie es sich angefühlt hatte, als er sie gestreichelt hatte. Vergangenen Sommer hatte sie es sich gegönnt, dem Erbe ihres wahren Vaters auf die Spur zu kommen. Die Suche hatte sie allerdings zu einem Mann geführt, der im öffentlichen Leben stand und eine Bedrohung für ihre sorgsam behütete Welt bedeutete. Eine Bedrohung für Geheimnisse, die sie lieber im Verborgenen hielt.

Eloisa unterdrückte die Erinnerungen an Jonah. Es waren zu viele, wenn man bedachte, wie wenig Zeit sie mit ihm verbracht hatte. Seit ihrer Scheidung war die Sache Geschichte. Sie maß ihrer Ehe, die gerade mal vierundzwanzig Stunden gehalten hatte, keinerlei Bedeutung bei. Sie sollte seinen Anruf einfach ignorieren und die Nummer blockieren. Oder zumindest warten, bis ihre Schwester geheiratet hatte, bevor sie Jonah kontaktierte.

In einiger Entfernung tauchte ein Fisch kurz an der Wasseroberfläche auf, und die Schoten der Segelboote schlugen im Wind gegen die Masten. Diese gleichmäßigen und anheimelnden Geräusche beruhigten sie. Begierig nahm sie die wohltuenden, vertrauten Klänge in sich auf. Der Vollmond spiegelte sich in der smaragdgrünen Wasseroberfläche wider, und die Wedel der Palmen raschelten im Luftzug.

In der Ferne erklang ein leises Motorengeräusch. So viel zu ihrer spätabendlichen Einsamkeit. Sie zog die Füße aus dem Wasser, schüttelte die Tropfen ab und spähte über die Schulter. Eine Limousine kam näher. Waren das spät eintreffende Gäste? Immerhin war der Tanz nach dem Dinner bereits im vollen Gang.

Sie griff nach ihren Sandaletten und betrachtete die schwarze Stretch-Limo, die langsam am Pier entlangfuhr. Alles andere als ein normales Auto. Der markante Kühlergrill verriet ihr, dass ein exklusiver Rolls-Royce sich näherte. Getönte Scheiben verhinderten, dass man einen Blick in den Innenraum werfen konnte. Trotzdem fühlte sie sich plötzlich so aufgeregt wie ein Schmetterling, den man zu Studienzwecken eingefangen hatte. Hier in diesem privaten Bereich sollte es eigentlich sicher sein. Doch wann war etwas schon wirklich sicher – vor allem in der Dunkelheit?

Sie bekam Gänsehaut und einen trockenen Mund. Hastig zog sie die Schuhe an und schalt sich selbst dafür, so ängstlich zu sein. Allerdings stand Audreys Verlobter in dem Ruf, Verbindungen zur Unterwelt zu haben. Ihr Stiefvater sah allerdings nur den Einfluss und das Geld.

Natürlich hatte keiner dieser fragwürdigen Kontakte irgendeinen Grund, ihr etwas anzutun. Dennoch sollte sie jetzt auf das Schiff im Hafen zurückkehren. Als Eloisa aufsprang, gab der Fahrer der Limousine Gas.

Sie schluckte schwer und wünschte sich, neben ihrem Bibliotheksdiplom auch Kenntnisse in Selbstverteidigung erworben zu haben. Eigentlich bestand kein Grund für Verfolgungswahn, und sie begann, betont gelassen zu gehen. In etwa dreißig Metern wäre sie in Sicherheit und würde in der Menge der Tanzenden unter den Lichtgirlanden untertauchen können. Der Motor hinter ihr wurde lauter, und Eloisa schritt weiter und schneller aus. Ihr Atem beschleunigte sich. Der Absatz einer ihrer Sandaletten verklemmte sich zwischen den Planken des Fußweges, und sie stolperte nach vorne, als der Wagen genau vor ihr hielt.

Eine Tür wurde weit aufgerissen und versperrte ihr den Fluchtweg. Da sie nicht weiter nach vorne konnte, blieb nur der Weg in das Wageninnere oder auf der anderen Seite ins Wasser. Oder sie kehrte wieder um, was sie jedoch weiter von dem Boot fortbringen würde. Verzweifelt hielt sie nach Hilfe Ausschau. Würde einer der fünfundsiebzig Gäste, die ausgelassen zu einem alten Song von Kool and the Gang tanzten, sie überhaupt wahrnehmen?

Ein Bein wurde aus der Limousine geschwungen. Der Rest des dazugehörigen Mannes blieb ihren Blicken verborgen, doch dieser Typ mit den edlen Designerschuhen schaffte es, ihr Herz zum Rasen zu bringen. Bisher war sie nur einem einzigen Mann begegnet, der solche Schuhe trug.

Sie versuchte den Mann abzuschätzen, der aus dem Wagen kletterte. Sie flehte inständig, dass ihre Vermutung falsch war. Graues Haar? Ein Bierbauch? Etwas, das nicht an Jonah erinnerte?

Aber sie hatte kein Glück. Der muskulöse Mann war ganz in Schwarz gekleidet. Der oberste Knopf seines Hemdes unter dem Jackett war offen, die Krawatte lose um seinen Hals geschlungen. Sein braunes Haar war beinahe schulterlang und betonte das markante Kinn. Ein Kinn, das ihr noch vertrauter als die Schuhe war. In ihrem Magen ging es auf ein Mal turbulenter zu als bei den tanzenden Gästen an Bord.

Jetzt stand er vor ihr, und im Mondlicht schimmerte sein welliges kastanienbraunes Haar. Eine Sonnenbrille verbarg seine Augen vor ihr. Eine Sonnenbrille in der Nacht? Um unerkannt zu bleiben oder aus Eitelkeit?

Sie hätte wissen müssen, dass ihr Exmann sich nicht damit zufrieden geben würde, einfach nur anzurufen und eine Nachricht zu hinterlassen. Nein, nicht Jonah. Der einflussreiche, mächtige Mann, von dem sie sich vor einem Jahr hatte scheiden lassen, war zurück.

Jonah Landis nahm die Sonnenbrille ab, warf einen Blick auf seine Armbanduhr und lächelte. „Tut mir leid. Ich bin etwas spät. Haben wir die Party verpasst?“

Zur Hölle mit der Party. Jonah Landis wollte herausfinden, warum Eloisa ihm nicht die ganze Wahrheit erzählt hatte, als sie vor einem Jahr die Scheidung verlangt hatte. Außerdem wollte er wissen, warum seine leidenschaftliche Geliebte ihn so leidenschaftslos fallen gelassen hatte.

Der verdutzte Ausdruck auf ihrem Gesicht wäre unbezahlbar gewesen, wenn er sich nicht so wahnsinnig darüber geärgert hätte, dass sie ein Geheimnis vor ihm hatte verbergen wollen. Ein Geheimnis, das Schwierigkeiten bei den Scheidungsformalitäten bereitete, wie er jetzt erst herausgefunden hatte.

Als er ihr vor einem Jahr in Madrid begegnete, war er vom ersten Moment an von ihrer atemberaubenden Anziehungskraft überwältigt gewesen, sodass er einige aufschlussreiche Details übersehen hatte. Diese Frau bedeutete Ablenkung pur.

Der Wind presste das hellbraune Seidenkleid gegen ihren Körper und modellierte ihre hinreißende Figur. Das schwache Licht spielte seinen Augen einen Streich, denn so sah sie beinahe nackt aus. Ob sie sich wohl aus diesem Grund für dieses Kleid entschieden hatte? Vermutlich nicht. Eloisa schien ihre Anziehungskraft gar nicht wahrzunehmen, was sie umso begehrenswerter machte.

Ihr seidig glänzendes Haar war zu einem strengen Pferdeschwanz zusammengebunden. Die Frisur betonte ihre exotischen braunen Augen. Obwohl sie noch nicht einmal Lipgloss auftrug, stellte sie die meisten Models mit ihrer Schönheit in den Schatten.

Wenn er erst einmal ihre Unterschrift auf den Scheidungspapieren hatte – dieses Mal würden es die offiziellen sein –, würde er nie wieder etwas mit ihr zu tun haben. Das jedenfalls war sein Plan, denn er legte keinen Wert darauf, sich auf eine weitere Runde Heiß-Kalt-Behandlung mit ihr einzulassen. Damals hatte er die Zeichen missverstanden und nicht erkannt, dass sie betrunken gewesen war, als sie ihm das Jawort gegeben hatte. Aber deswegen hätte sie ihn nicht gleich vor den Kopf stoßen und von der Bildfläche verschwinden müssen. Nein, er war über Eloisa hinweg.

Zumindest hatte er das gedacht. Bis er eben erneut die umwerfende Wirkung verspürt hatte, von der er geglaubt hatte, sie sich im Nachhinein nur schöner vorgestellt zu haben, als sie tatsächlich gewesen war.

Er versuchte, diese enorme Anziehungskraft zu ignorieren und die Angelegenheit durchzuziehen. Er brauchte ihre Unterschrift und wollte es nicht den Anwälten überlassen. Vielleicht, um einen endgültigen Schlussstrich setzen zu können.

Eloisa zog vorsichtig ihren Absatz zwischen den Holzbohlen hervor und sah Jonah entschlossen an. „Was machst du hier?“

„Ich möchte dir auf der Verlobungsfeier deiner Schwester Gesellschaft leisten.“ Mit einem Ellbogen stützte er sich auf der geöffneten Wagentür ab. Der Chauffeur wartete vorne, wie er es ihm vorhin aufgetragen hatte. „Ich kann meine Ehefrau ja kaum allein zu so einem Ereignis gehen lassen.“

„Pst!“ Sie trat auf ihn zu und bewegte ihre Hand vor seinem Mund, als scheute sie sich davor, ihn zu berühren. „Ich bin nicht deine Frau.“

Er griff nach ihrer Hand und strich mit dem Daumen über ihren unberingten Finger. „Verdammt, dann muss ich mir diese ganze Hochzeitszeremonie in Madrid wohl eingebildet haben.“

Eloisa entzog ihm die Hand und wischte sie an ihrem Kleid ab. „Das ist Wortklauberei.“

„Wenn du die Party lieber verlassen willst, dann könnten wir einen Happen essen und über diese Wortklauberei sprechen.“ Er beobachtete sie dabei, wie sie mit der Hand über ihren Oberschenkel strich. Nur zu gut erinnerte er sich daran, wie sich ihre zarte Haut unter seinen Lippen angefühlt hatte, als er sie dort genüsslich geküsst hatte.

Schweigend sah sie ihn an, bis er ihr wieder in die Augen sah. „Du machst Scherze, oder?“

„Komm mit ins Auto und überzeuge dich selbst.“

Sie warf einen Blick auf das Boot zurück, dann wieder zu ihm. „Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist.“

„Hast du etwa Angst, ich könnte dich kidnappen?“

„Sei nicht albern.“ Ihr nervöses Lachen deutete darauf hin, dass ihr vermutlich genau so etwas durch den Kopf gegangen war.

„Was hält dich dann davon ab? Es sei denn, du willst dieses Gespräch dort weiterführen.“ Er nickte in Richtung des Bootes mit den Partygästen. „Ich habe gedacht, du ziehst es vor, wenn ich mich diskret verhalte.“

Erneut sah sie über ihre Schulter zurück. Zwar schien im Moment niemand sie bemerkt zu haben, aber wer wusste schon, wie lange noch? Im Gegensatz zu seiner rätselhaften Frau kümmerte es ihn kein bisschen, was die anderen von ihm dachten. Er hatte schon früh gelernt, dass einem im Leben zwei Möglichkeiten blieben. Lass die anderen dein Leben bestimmen oder übernimm selbst das Kommando. Ohne viel Nachdenken hatte er sich für die zweite Option entschieden.

Die Augenbrauen hochgezogen, wartete er.

„In Ordnung“, stieß sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und warf ihm einen wütenden Blick zu, als sie sich an ihm vorbeischlängelte und auf dem Ledersitz der Limousine Platz nahm, ohne Jonah zu berühren.

Er setzte sich neben sie, schloss die Tür und klopfte an die Glasscheibe, um dem Fahrer zu signalisieren, dass er losfahren sollte.

„Wohin fahren wir?“, fragte sie, als der Wagen sich in Bewegung setzte.

„Wohin willst du denn fahren? Etwas weiter unten am Pensacola Beach habe ich eine Penthouse Suite.“

„Was sonst.“ Sie blickte sich um, ließ den Blick auf dem Computer verweilen, bevor sie die Minibar und den Plasmafernseher betrachtete.

„Wie ich sehe, hast du dich nicht verändert.“ Ihm fiel jetzt erst wieder ein, wie kratzbürstig sie in Bezug auf Geld sein konnte. Damals war ihm das ganz erfrischend vorgekommen. Viele Frauen waren lediglich wegen des Reichtums seiner Familie und ihres politischen Einflusses hinter ihm her. Noch nie hatte eine Frau ihm ausgerechnet deswegen einen Korb verpasst. Natürlich hatte er zu der Zeit noch nicht gewusst, dass Eloisa über so viel Geld und Einfluss verfügte, dass im Vergleich dazu selbst der Reichtum seiner eigenen Familie blass wirkte. Beeindruckend und verwirrend zugleich, denn auch nach ihrer Hochzeit hatte sie es nicht für nötig gehalten, ihn darüber in Kenntnis zu setzen.

Er unterdrückte den aufsteigenden Zorn, der sich zu dem schwelenden Verlangen in ihm gesellen wollte. Wie zum Beweis, dass er sich unter Kontrolle hatte, strich er über eine Strähne ihres schwarzen Haares.

Ruckartig zog Eloisa den Kopf zurück. „Hör auf damit.“ Nervös machte sie sich an der Regulierung der Klimaanlage zu schaffen, bis der Luftstrom die Haare ihres Zopfes zerzauste. „Genug gespielt, obwohl du offensichtlich ein Experte auf diesem Gebiet bist. Ich will nur wissen, warum du hier bist. Und zwar jetzt.“

Zwar wusste er inzwischen viel über sie, sie hingegen verstand ihn so wenig. „Was ist denn falsch daran, wenn ich meine Frau sehen will?“

„Exfrau. Wir haben betrunken geheiratet.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Das passiert vielen Leuten, berühmten und normalen. Du brauchst dir nur die Hochzeitsregister in Las Vegas anzusehen. Wir haben einen Fehler gemacht, den wir am nächsten Morgen wieder ausgebügelt haben.“

„Denkst du, dass alles ein Fehler gewesen ist? Sogar der Teil der Nacht zwischen dem Jawort und dem Katzenjammer am Morgen danach?“ Er konnte nicht widerstehen, sie daran zu erinnern.

In ihren dunklen Augen flackerte es verräterisch. „Ich erinnere mich nicht.“

„Du wirst aber rot“, bemerkte er mehr als zufrieden mit sich selbst. Asche über sein Haupt. „Du erinnerst dich bestimmt noch an den guten Teil.“

„Sex ist völlig bedeutungslos“, meinte sie betont sittsam.

„Sex? Ich habe vom Essen geredet.“ Er drehte den Spieß um und genoss das Katz-und-Maus-Spiel zwischen ihnen. „Diese Meeresfrüchte sind einfach fantastisch gewesen.“ Im selben Augenblick dachte er an alles, nur nicht an den Meeresfrüchteauflauf in pikanter Soße, den sie gemeinsam gegessen hatten, bevor sie sich ein paar Drinks nach dem Dinner gegönnt hatten. Sich verheiratet hatten. Und ausgezogen. An dem Ausdruck in ihren Augen erkannte er, dass sie den gleichen Gedanken hatte.

Sie presste die Lippen zusammen. „Du bist ein Idiot, Jonah.“

„Aber ich gehöre ganz dir.“ Zumindest für den Moment.

„Nicht länger. Kannst du dich noch an den Morgen nach der Hochzeit erinnern? Jetzt bist du mein ehemaliger Idiot.“

Wenn es nur so einfach wäre, diese Frau Vergangenheit sein zu lassen. Bei Gott, er hatte wirklich versucht, im vergangenen Jahr Eloisa Taylor Landis zu vergessen. Oder vielmehr Eloisa Medina Landis? Er war darüber in einem Kirchenregister gestolpert – eine Kleinigkeit, die sie unerwähnt gelassen hatte. Woraufhin ihre Dokumente in Spanien ungültig geworden waren. Er war erschüttert gewesen und fühlte sich sogar jetzt noch bitterlich betrogen. Es musste ihm einfach gelingen, diese Frau endlich Vergangenheit werden zu lassen. Aber dieses Mal würde er derjenige sein, der fortging. „Da täuschst du dich aber, Eloisa. Die Ehe ist schon vorher in die Brüche gegangen.“ Wieder nahm er eine Haarsträhne zwischen die Finger und vermied es, ihre Schulter zu berühren.

Ganz leicht zog er daran, um auf sich aufmerksam zu machen. In ihren Augen blitzte Erkenntnis auf, wie als Antwort auf die Hitze, die er in sich spürte. Er betrachtete ihre einfache goldene Halskette und musste an die Juwelen denken, die er sich für sie ausgemalt hatte, während sie geschlafen hatte. Bevor sie aufgewacht war und klargestellt hatte, dass es für sie beide keinen gemeinsamen Sommer geben würde. Sie hatte gar nicht schnell genug aus seinem Leben fliehen können.

Ihr stockte der Atem, und er musste sich selbst daran erinnern, dass er hierhergekommen war, um die Sache zu beenden. Jetzt fragte er sich allerdings, ob es nicht wesentlich befriedigender sein würde, ein letztes Mal mit Eloisa zu schlafen. Damit sie immer daran denken musste, was sie hätten haben können, wenn sie genauso offen und ehrlich gewesen wäre wie er.

Mit den Fingerknöcheln strich er über ihre Wangen und brachte sie so auf sanfte Weise dazu, ihm ins Gesicht zu sehen. „Die Dokumente sind nie gültig gewesen. Das hat etwas damit zu tun, dass du wegen deines Namens gelogen hast.“

Sie wich seinem Blick aus. „Ich habe ganz bestimmt nicht gelogen.“ Sie setzte sich aufrecht hin und sah ihn unverwandt an. „Was meinst du damit, dass die Dokumente nicht gültig sind?“

Ihre Überraschung schien nicht gespielt zu sein, aber er hatte gelernt, ihr nicht zu trauen. Er würde weiterhin sein Spiel durchziehen, um sein Ziel zu erreichen – eine letzte Nacht in ihrem Bett, bevor er sie für immer verließ.

„Die Scheidung ist nicht rechtsgültig. Du, meine Liebe, bist immer noch Mrs Jonah Landis.“

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