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Flaschenpost

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© 2017 Monika Maria Schäfer

Verlag und Druck: tredition GmbH, Grindelallee 188, 20144 Hamburg

ISBN

Paperback:978-3-7439-4821-1
Hardcover:978-3-7439-4822-8
e-Book:978-3-7439-4823-5

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Flaschenpost

Emilio saß an diesem Morgen ganz zufrieden auf seinem Lieblingsplatz auf dem Steg, der zu dem kleinen Yachthafen führte. Er hatte sehr früh mit seiner täglichen Arbeit als Hafenarbeiter begonnen und konnte sich diese kleine Pause erlauben. Emilio genoss diese Zeit. Die Sonne schien ihm warm auf die Schultern, ein lauwarmer Wind streichelte seine Haut, während er die Beine vom Steg ins Wasser baumeln ließ. Er liebte diese Jahreszeit. Er sagte zu sich und zu jedem, den er traf: „Mallorca im Mai ist Balsam für jeden Körper und jede Seele!“ Emilio liebte seine Insel. Er hatte sie noch nie verlassen und lebte, seit seine Eltern bei einem Sturm im Meer ums Leben kamen, bei seiner Tante mitten im Inland der Insel, in einem kleinen Haus. Er fuhr täglich mit seinem Mofa zu dem kleinen Yachthafen, um dort seine Arbeit zu verrichten. Er verdiente nicht sehr viel Geld dabei, jedoch reichte es, sein Benzin und genug Lebensmittel für sich und seine Tante zu kaufen. Wenn er seine Arbeit gut machte, steckten ihm die Besitzer der Yachten manchmal einige Euros in seine Tasche. Dieses Geld steckte er abends immer in seine rostige Dose, die er unter seinem Bett versteckt hielt. Er nannte sie immer ‚meinen Schatz‘. Mit der Zeit war sein Schatz schon zu einem schönen Wert gewachsen. Er wusste noch nicht wofür er das Geld ausgeben würde, aber er sagte sich immer, wenn es soweit wäre, dass er es brauche, würde ihm der Zweck dafür schon einfallen. Jedoch fehlte ihm an diesem Morgen gar nichts und er konnte sich nicht vorstellen, dass sich sein Leben jemals ändern würde.

Emilio kannte viele der reichen Yachtbesitzer und die meisten waren freundlich zu ihm. Ihm war in den vergangenen Jahren bewusstgeworden, dass die Besitzer der kleineren Yachten, meist am freundlichsten waren.

Er kannte Don Petro, der in Italien ein großes Weingut besaß. Seine Yacht war sehr groß und er war manchmal sehr unfreundlich. Lord William, dessen Schiff weniger groß, aber umso bunter war, hatte in Irland eine Schafzucht. Emilio freute sich immer, wenn er kam. Lord William trug immer große Hüte, und Emilio hatte ihn noch nie in kurzen Hosen gesehen. Jedoch fiel ihm auf, dass Lord William immer sehr blass war, wenn er auf der Insel eintraf, aber wenn er sein Schiff wieder im Hafen verankerte, um nach Irland zurückzukehren, waren seine Arme und sein Gesicht mit Sommersprossen übersäht, was Emilio sehr schön fand. Lord Williams Lebensart war sehr ruhig und auf seinem Schiff fanden fast nie Feste oder Partys statt. Emilio hatte versucht, einige Informationen über Irland, wo der Lord zu Hause war, zu bekommen.

Er hatte sich in der öffentlichen Bücherei einen Bildband angeschaut und fand die Insel faszinierend, aber weil er dachte, dass es dort zu oft regnet, wollte er nicht dorthin, denn Emilio liebte die Sonne, die Wärme und das blaue Mittelmeer. Dann war da noch die schöne weiße Yacht von Herrn Martin, einem recht dicken Mann aus Deutschland. Herr Martin hatte in Deutschland viele Geschäfte, in denen hochwertige Backwaren und Fleischspezialitäten verkauft wurden. Emilio dachte sich, dass Herr Martin entweder sehr viele Köstlichkeiten verkaufen musste oder dass seine Spezialitäten sehr teuer waren, denn seine Yacht war besonders wertvoll und schön. Jedoch kam Herr Martin nur zwei bis drei Mal im Jahr mit seiner netten Frau nach Mallorca, um mit seiner Yacht für ein paar Tage aufs Meer zu fahren. Er brachte dann immer das sehr leckere Brot mit, das es nur in Deutschland gibt und manchmal hatte er auch Wurst und Bier für Emilio dabei. An diesen Tagen fühlte Emilio sich sehr reich beschenkt, und das Abendessen mit seiner Tante wurde dann zu einem Festmahl.

Weiter hinten, am letzten Steg, lag das Boot von Vincenco, der von sich sagte, er sei ein Lebenskünstler. Emilio mochte Vincenco sehr und schaute mindestens einmal pro Woche nach, ob Vincenco auf seinem Boot war. Er wusste nicht genau, womit Vincenco sein Geld verdiente, aber das spielte für ihn auch keine Rolle. Vincenco konnte fast alles, was Emilio nicht konnte. Er konnte schöne Melodien auf seiner Gitarre spielen, er malte wunderschöne Bilder von dem Ort, an dem er gerade war, er konnte Schmuck und Raumdekorationen herstellen, aus dem, was er am Strand oder an der Straße fand. Emilio konnte Dinge, die Vincenco nicht konnte, zum Beispiel das Boot streichen oder das zu reparieren, was am Boot nicht funktionierte. Daher half Emilio seinem Freund Vincenco bei diesen Aufgaben und er bekam dafür manchmal etwas Geld oder auch mal ein Schmuckstück oder ein Bild, das er dann seiner Tante zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenkte. Aber das Beste war, dass Vincenco Spanisch sprach und somit konnten sich Emilio und er sehr gut unterhalten. Es kam auch vor, dass Emilio bei Vincenco auf dem Boot übernachtete, wenn ihre Gespräche am Abend zu lange dauerten, denn Emilio musste ja jeden Morgen früh seine Arbeit im Yachthafen verrichten, auch, wenn Vincenco lange in seiner Koje schlafen konnte.

Emilio wurde plötzlich bewusst, dass er vor lauter Träumen fast seine Arbeit vergaß, er sollte sich beeilen, denn der Steg und das Wasser um die Yacht von Señor Paulo mussten heute auf jeden Fall picobello sauber sein, denn Señor Paulo reiste heute an, das hatte Emilios Chef am Vortag extra betont. Also stand Emilio auf, nahm seinen kleinen Wagen mit all seinen Werkzeugen und machte sich auf den Weg. Er wusste nicht so genau, ob er sich auf die Anreise von Señor Paulo freuen sollte, denn der Herr war, in Emilios Augen, in seinem Wesen kompliziert. Emilio wusste von Señor Paulo nur, dass er Bücher schrieb und diese auch verkaufte, aber da Emilio nicht gut lesen konnte, waren ihm diese Bücher völlig unbekannt. Er hatte allerdings schon einmal erlebt, dass viele Frauen auf Señor Paulo warteten, damit er seinen Namen in die Bücher schrieb, die diese Frauen dabeihatten. Emilio schüttelte bei diesem Gedanken leicht den Kopf, er verstand so vieles nicht, was er in diesem kleinen Yachthafen erlebte. Er machte nun seine Arbeit fertig und als er den Steg gefegt, den Unrat aller Art um Paulos Boot eingesammelt und in der großen Tonne entsorgt hatte, hörte er die wütende Stimme von Don Petro am anderen Ende des Hafens. Er hörte auch, dass Don Petro nach ihm rief, doch wollte er das eigentlich nicht hören, aber er bemerkte, dass Don Petro ihn gesehen hatte. Emilio konnte nicht vor ihm fliehen, und da seine Schicht im Hafen für heute noch nicht beendet war, musste er zu Don Petros Yacht gehen. Er gab ihm mit Gesten zu verstehen, dass er sich auf den Weg zu seiner Yacht begab. Allerdings hatte er keine Eile, er nahm seine Sachen und schlenderte gemütlich zu Don Petro, um zu erfahren, warum dieser so schlecht gelaunt war. Als er kurz vor der Anlegestelle ankam, schrie Don Petro ihm entgegen: „Emilio, du Nichtsnutz, schau dich um, wie es hier aussieht, was machst du nur den ganzen Tag?“ Emilio wunderte sich immer wieder, dass Don Petro nur Spanisch sprechen konnte, wenn er wütend war und Emilio anschrie, sonst sprach er nur Französisch oder Italienisch, je nachdem welche Frauen gerade auf seiner Yacht zu Gast waren. Don Petro gestikulierte wild und er zeigte auf den ganzen Unrat, der vor seiner Yacht im Wasser und auf dem kleinen Steg lag, der zur Yacht führte. Emilio sagte zu ihm: „Ich wünsche Don Petro einen guten Tag und frage mich, warum Sie so aufgeregt sind?“ Don Petro polterte los: „Schau dich doch um, siehst du nicht den ganzen Dreck, der hier herumliegt. Nachher bekomme ich wichtigen geschäftlichen Besuch und dann darf das hier nicht so unordentlich sein. Wozu bezahle ich so viel Geld, wenn alles hier so schmutzig ist?“ Emilio erwiderte etwas eingeschüchtert: „Gestern habe ich hier alles saubergemacht und dann feierten Sie ein Fest und nun ist alles wieder schmutzig, weil Ihre Gäste nicht wissen, dass man Flaschen und Gläser nicht einfach ins Meer wirft!“ Don Petro hob seine Hand und Emilio befürchtete, dass er ihn schlagen wollte, deshalb rief er schnell: „Aber Don Petro, in einer halben Stunde ist alles wieder sauber, ich verspreche es Ihnen.“ Don Petro knurrte nur: „Das hoffe ich für dich!“ Dann ging er in Richtung der kleinen Kaffeebar, die am Eingang des Hafens zum Verweilen einlud. Als Emilio nur noch seinen Rücken sah, streckte er ihm die Zunge raus und fluchte vor sich hin, aber es änderte nichts an der Tatsache, dass er Petros Unrat beseitigen musste. Er fluchte bei jeder Flasche, die er aus dem Meer zog, motzte bei jeder Scherbe, die er aus den Ritzen des Stegs entfernen musste. Aber am lautesten schimpfte er beim Anblick der Lebensmittel, die nun völlig verdorben im Wasser schwammen. Er konnte diese reichen Menschen nicht verstehen und er fragte sich, was das für ein Fest war, bei dem Essen und Flaschen ins Meer geworfen wurden. Was wusste dieser Mensch schon über den Wert von Nahrung? „Nein!“, dachte sich Emilio, „dann bin ich lieber arm, als so wie er!“ Als er alles sauber hatte, spürte er, dass dieser Ärger ihm die gute Laune etwas verdorben hatte, und da sah er, dass Don Petro schon wieder zu seiner Yacht kam. Er packte schnell alles zusammen, um nicht mehr auf Don Petro zu treffen. Doch das gelang ihm nicht, denn Don Petro war schon fast bei ihm und rief ihm zu: „Emilio, warte!“ Emilio blieb stehen und erwartete wieder einen Zornausbruch von Don Petro, doch der strahlte über das ganze rote Gesicht und steckte Emilio einen Geldschein in die Tasche. Emilio bedankte sich und wollte weitergehen, als Don Petro zu ihm sagte: „Danke, dass du alles so schöngemacht hast, nachher kommen wichtige Geschäftsmänner zu mir und da ist der äußere Eindruck besonders wichtig. Vergiss das nie mein Junge, es zählt das, was man sieht!“ Emilio nickte stumm und dachte sich, dass in seiner Welt andere Dinge wichtiger waren und wieder spürte er, dass seine Welt eine andere, als die von Don Petro war. Darüber war er sehr froh. Don Petro klopfte ihm leicht auf die Schulter und erklärte ihm: „Morgen früh musst du wiederkommen, denn wenn alles gut läuft, feiern wir heute Abend hier wieder ein Fest!“ Emilio verabschiedete sich recht schnell und er überlegte, was ihm wohl lieber war, ob alles ‚gut läuft' bei Don Petro, oder ob das Fest ausfiele. Aber darüber brauchte er sich erstmal keine Gedanken zu machen, das hatte Zeit bis zum nächsten Tag. Danach machte Emilio für diesen Tag seinen letzten Rundgang durch den Hafen. Diesen Teil seiner Arbeit mochte er ganz besonders, denn dabei hatte er die Möglichkeit mit vielen Menschen zu reden. Leider sprachen nicht alle seine Sprache, aber Emilio lächelte die Menschen an und bekam viele Lächeln zurück. Er erinnerte sich an den Satz „Lächeln und Musik sind die Ausdrucksmöglichkeiten, die alle Menschen verstehen, selbst in allen unterschiedlichen Sprachen.“ Emilio liebte es, über die Menschen und das Leben nachzudenken. Gerade fiel ihm die Frage ein, warum manche Menschen in ein Land oder zu einer Insel reisten, ohne die Sprache zu sprechen oder zu verstehen, die in diesem Land beheimatet war. Darüber wollte er sich bei der nächsten Gelegenheit mit Vincenco unterhalten, der wusste bestimmt eine Antwort auf diese Frage.

Während Emilio seine tägliche Arbeit unter der warmen Sonne Mallorcas verrichtete, saß Katharina in ihrer Küche im wolkenverhangenen, kühlen Deutschland und trank einen Kaffee. Ihre Gedanken führten sie ins sonnige Mallorca, wo sie mit ihrem Mann, ihrem Schwiegervater und dessen Frau zehn wunderschöne Tage erlebt hatte.

Wieder zu Hause, musste sie sich wieder ihrer Krankheit stellen, und ihre Pflichten im und um das Haus erfüllen. Katharina war gerne nach Hause zurückgekehrt, wo sie ihre Kinder und ein schöner Garten erwartet hatten. Sie genoss die heimische Natur und die Menschen, die diese mit ihr teilen, jedoch fehlte ihr die Sonne und die Wärme Mallorcas. Sie dachte an den Sandstrand, an dem sie jeden Tag spazieren gingen, sie erlebte in ihren Gedanken die Wanderung durch den Olivenhain, den sie selber als ‘Paradies‘ bezeichnete, sie amüsierte sich wieder über die Albernheiten, die der 79-jährige Schwiegervater vollkommen verliebt mit seiner neuen Frau austauschte. Katharina freute sich bei jedem Gedanken daran, wie glücklich und dankbar ihr Schwiegervater in diesem Urlaub war. Ihre Gedanken gingen zu dem unvergleichlich schönen Sonnenuntergang, den sie mit diesen geliebten Menschen, an einem der schönsten Plätze der Insel, am Cap Formentor, erleben durfte. Katharina dachte an die Schifffahrt, die sie gemacht hatten, und dann fiel ihr wieder ihre Flaschenpost ein. Sie hatte auf dem Schiff viele kleine Wunschzettel in eine Flasche gesteckt und diese dann ins Meer geworfen. Sie fragte sich, wo diese wohl gerade war. Mit diesen Gedanken fühlte sie sich gleich besser. Sie wusste, dass sie alle Kraft bekommen würde, gesund zu werden. Sie war nicht unheilbar krank, aber ein Problem plagte sie schon lange und selbst zwei Operationen waren nicht ausreichend, sie gesunden zu lassen. Katharina wusste, dass sie zu Hause ein schönes Leben hatte. Sie war nicht reich an materiellen Gütern, aber sehr zufrieden. Sie hatte ein Haus mit einem Garten, der mit einer großen Vielfalt von Blumen gesegnet war. Gerade im Mai, hatten sich die Pflanzen zu einer wunderschönen Pracht entwickelt. Sie ließ es zu, dass die Blumen sich entfalteten, und somit schenkte der Garten ihr und ihrem Mann jede Menge Blumen. Augenzwinkernd nannte sie die Pflanzen, die andere als ‚Unkraut‘ bezeichneten, ‚Geschenke‘. Während ihres Urlaubs hatte die Natur ihrem Garten einige Geschenke gemacht. Da wartete auch etwas an Arbeit auf sie. Katharina trank ihren Kaffee aus und stellte sich den Aufgaben. Seit einiger Zeit hatte sie es sich zur Gewohnheit gemacht, ihre Arbeit, egal welche sie machte, einem Motto zu unterstellen. An diesem Morgen sagte sie sich: „Beginne dein Werk mit Mut, dann wird alles gut!“

Sie wollte sich den Tag nicht mit trüben Gedanken vermiesen, denn das taten schon genug Menschen, die sie kannte. Zwischen dem Wäschewaschen und dem Kochen, fand sie täglich Zeit für ein Telefonat oder einen Spaziergang mit einer ihren lieben Freundinnen. Durch ihre Genesungszeit hatte sie viel Zeit, die sie mit ihren geliebten Tätigkeiten ausfüllen durfte, und sie fühlte sich ganz entspannt. Katharina war sich dem Wert dieser Lebensphase sehr bewusst und genoss diese auch, wenn es ihr gut ging. Leider spürte sie auch immer wieder Schmerzen, die sie dann an ihre Krankheit erinnerten.

Heute jedoch wanderten ihre Gedanken immer wieder zu ihrer Flaschenpost. Flaschenpost hatte sie schon als Kind geliebt. Sie war sehr natürlich und behütet aufgewachsen und träumte immer schon gern. Früher hatte sie immer gern am Bach gespielt und sich immer gewünscht, irgendwann einmal eine Flaschenpost zu finden. Doch leider war das nie geschehen. Im Jahr vor ihrem Urlaub hatte sie ihre erste Flaschenpost geschrieben, die ihre Freundin für sie auf die Reise geschickt hatte. Und nun hatte sie während ihrer Schifffahrt auf dem Meer wieder eine geschrieben. Es war eine hellblaue Plastikflasche, in die Katharina viele verschiedene Zettel gesteckt hatte. Auf jedem Zettel hatte sie einen Herzenswunsch oder einen Spontanwunsch notiert. Sie hatte ihre E-Mail-Adresse angegeben, damit sich auch die materiellen Wünsche erfüllen könnten. Sie konnte sich nicht mehr an alle ihre Wünsche erinnern, aber dass sie sich für ihre Freundinnen, ihre Familie und für sich selber Glück und Gesundheit gewünscht hatte, das wusste sie noch. Katharina hatte im Laufe ihres Lebens gelernt, auf die Kraft des Wünschens zu vertrauen, auch, wenn andere sie deshalb belächelten. Sie hatte ebenso erkannt, dass auch Befürchtungen im Grunde genommen, negative Wünsche waren. Daher erinnerte sie sich, dass sie ihre Wunschzettel genau so formuliert hatte, dass es keine Missverständnisse gab, in dem, was sie wollte. Sie wollte gerade versuchen, sich an den Inhalt ihrer Wunschzettel zu erinnern, als sie von ihrer Freundin besucht wurde.

Helene sah an diesem Morgen etwas betrübt aus und als Katharina ihr die Tür öffnete, fragte Helene sofort: „Katharina hast du eine Tasse Kaffee und ein paar Minuten Zeit für mich?“ Diese Frage beantwortete Katharina mit einer Umarmung, führte Helene in die gemütliche Küche und fragte gleich: „Was ist los?“ In Helenes Augen schimmerten Tränen, aber Katharina sah ihrer Freundin auch an, dass es Tränen des Ärgers und nicht Tränen der Trauer waren. Helene nahm den Kaffee in beide Hände und schimpfte gleich los: „Stell dir vor, was bei mir passiert ist! Ich habe doch diese wunderschönen Blumen im Vorgarten und die tolle Tonkugel, die mir meine Nachbarin geschenkt hat?“ Katharina nickte zustimmend, wollte ihre Freundin im Redefluss jedoch nicht unterbrechen. „Und heute Morgen waren die ganzen Blumen ausgerissen, lagen zertrampelt auf der Straße und die Kugel lag zerschmettert daneben!“, stammelte Helene tränenüberströmt weiter. „Oh, mein Gott, wer macht denn sowas?“, fragte Katharina, ohne eine Antwort zu erwarten. Helene klagte weiter: „Ich hätte ja Verständnis gehabt, wenn sich jemand die Blumen abgeschnitten hätte, das wäre zwar nicht rechtens gewesen, aber dann würden sie nächstes Jahr wieder blühen, aber so sind sie für immer zerstört. Ich frage mich, warum Menschen so etwas tun.“ Wieder traten ihr die Tränen in die Augen, Katharina umarmte sie und sagte nur: „Ich kann das auch nicht verstehen. Ich kann da nur als Ursache ‚Neid‘ sehen oder ‚Unachtsamkeit‘.“ Helene schaute sie an: „Ich hab keine Erklärung dafür, ich bin so unendlich sauer. Für die Polizei ist das eine Bagatelle und ich solle einmal überlegen, welcher Schadenswert entstanden sei, sagte der ‚super nette Polizist' am Telefon.“ Sie zeichnete mit ihren Fingern virtuelle Anführungszeichen in die Luft und schniefte nochmal. „Klar, gemessen am Weltelend haben meine Elfenstängel und die Kugel keinen Wert, aber für mich hatten sie einen riesigen Wert. Weiß denn dieser ‚Herr Staatsdiener‘ überhaupt, wie lange es braucht, bis der Elfenstängel diese Größe erreicht hat und wie lange jemand arbeitet, bis eine solche Kugel zu einem solchen Kunstwerk entsteht? Ach Katharina, ich glaube vielen Menschen in dieser Welt fehlt es an der Fähigkeit, achtsam sein zu können.“ Katharina nahm nun ihre Hand und dann spürte Helene diese Wärme, die ihr nur wahre Freundinnen geben konnten. „Weißt du Helene, ich denke in der letzten Zeit viel nach, und das Thema ‚Achtsamkeit‘ ist mir auch sehr wichtig. Ich bin froh, dass wir es schätzen können, wie reich uns die Natur beschenkt. Ich bin auch dankbar, dass ich den Kaffee oder Tee mit lieben Menschen zusammen genießen kann, den Menschen für uns in fernen Ländern ernten. Wir wissen, dass viele Hände gute Arbeit geleistet haben, wenn wir im Restaurant ein leckeres Menü verspeisen dürfen. Aber gerade das, was dir geschehen ist, ist doch ein Indiz dafür, dass es Menschen gibt, die aus uns unverständlichen Gründen nicht verstanden haben, was Achtsamkeit bedeutet. Ich befürchte, dass dieser Mensch aus Unwissenheit oder ganz niederen Beweggründen gehandelt hat. Leider macht das deine Pflanzen und deine Kugel nicht mehr heil, aber es lehrt uns, dass wir schon etwas sehr Wertvolles im Leben gelernt haben, nämlich achtsam und dankbar zu sein.“ Helene hörte ihrer Freundin staunend zu und sagte nur: „Du findest im schlimmsten Mist noch einen Funken Gold!“ Katharina meinte dazu nur: „So ist es, hast du die Scherben der Kugel und das, was von den Pflanzen übrig ist, mitgebracht?“ Helene nickte und stand auf: „Ich habe alles im Auto, soll ich es holen?“ Katharina: „Ich habe sehr gute Blumenerde und mein Mann hat einen super guten Kleber, da gucken wir mal, ob wir da etwas retten können, du hast Glück, mein Tagesmotto heißt: ‘Beginne dein Werk mit Mut, dann wird alles gut!‘“

Helene nahm die traurigen Reste ihrer Pflanzen und ihrer Kugel, Katharina seufzte: „Okay, das wird wohl eine andere Kugel werden als vor dem Attentat.“ Dabei lachte sie und Helene konnte auch wieder lachen. Zuerst ordneten sie die Scherben der Kugel und bemerkten, dass es zum Glück wenige größere Teile waren, die sie gut zusammenfügen konnten. Die kleinen Bruchstücke konnten sie dann später geschickt einsetzen. Die beiden Frauen arbeiteten konzentriert und plauderten über die Themen ‚Achtsamkeit‘, ‚Eigentum‘ und ‚Neid‘. Nach einiger Zeit war die Kugel repariert. Man erkannte zwar die Klebestellen, aber die Kugelform war vollkommen erhalten. „So, jetzt ist deine Kugel wieder zu einer ganzen Kugel zusammengesetzt und erstrahlt durch ihre, doch sehr eigene Kunstform. Und nun widmen wir uns deinen Schätzchen, den Elfenstängeln. Nimm die Reste, und komm mit mir in den Garten, dort haben wir alles, was den Pflänzchen helfen kann.“ Helene raffte die Zweige zusammen und folgte ihrer Freundin in den Garten zu dem Pflanztisch. Sie wunderte sich immer, wie organisiert Katharina war. Mit einem Griff zog Katharina kleine Pflanztöpfchen hervor und nahm dann einen Eimer, den sie mit ihrer Komposterde füllte. Helene schnitt die Zweige etwas auseinander, um intakte Wurzelteile erkennen zu können. Es waren leider nur noch wenige Teile, die ihr stabil genug erschienen, um weiterzuwachsen. Aber es war es wert, es zu versuchen. Sie steckte die Wurzelteile in die gute Erde und gab etwas Pflanzendünger dazu. Danach räumten die beiden Frauen alles zusammen und brachten es zu Helenes Auto. Dann umarmten sie sich und Helene sagte zu Katharina: „Danke, dass es dich gibt, nun sieht die Welt nicht mehr so traurig aus. Ich hoffe sehr, dass die Elfenstängel sich wieder entwickeln und weiterwachsen dürfen!“ Katharina versprach: „Ich bitte das Universum für dich darum.“ Helene verabschiedete sich dankbar von ihrer Freundin. Die Reparatur der Kugel und die Rettung der Pflanzen hatten ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen und Katharina begann das Essen zu kochen, denn ihr Mann kam gleich von der Arbeit nach Hause und sie genoss es, mit ihm gemeinsam zu essen. Am Abend, als die Küche wieder ordentlich sauber war, und nachdem Katharina und ihr Mann einen kleinen Spaziergang gemacht hatten, konnte Katharina diesen Tag dankbar verabschieden.

Während Katharina im kühlen Deutschland Helenes Kugel reparierte und seltenen Pflanzen das Leben rettete, ging Emilio noch einmal durch seinen Yachthafen und sorgte für Ordnung. Er fischte das eine oder andere an Unrat aus dem Meer, er bemerkte eine fehlerhafte Stelle am Holz des Stegs zu Vincencos Yacht. Die konnte er jetzt nicht reparieren, wollte das Holz aber am nächsten Tag mitbringen. Es war kein Problem für ihn, diese kleine Stelle auszubessern und das Schöne daran war, dass er in der Nähe von Vincencos Boot arbeiten konnte. Insgeheim hoffte Emilio, dass Vincenco bald mal wieder nach Mallorca kam.

Inzwischen war es sehr warm geworden und Emilio durfte sich auf den Heimweg machen. Er kaufte in der kleinen Stadt, die vor dem Hafen liegt, einige Lebensmittel, und dann fuhr er nach Hause zu seiner Tante, dort hatte er auch noch einiges zu tun. Er war mit diesem Tag zufrieden, besonders, wenn er an den Geldschein dachte, den Don Petro ihm in seine Tasche gesteckt hatte. Emilio fiel auf dem Heimweg ein, dass er ja am nächsten Tag erst später zum Hafen konnte, denn am Vormittag, wollte er seine Tante zum Markt in die kleine Stadt begleiten. Er mochte diese Ausflüge zum Markt, denn er wusste, dass er und seine Tante dort einige Köstlichkeiten kauften, aus denen seine Tante dann herrliche Gerichte zaubern würde. Er lächelte bei dem Gedanken an die dampfenden Schüsseln, die ihn in den nächsten Tagen erwarten würden. Er fuhr mit seinem Mofa in die kleine Straße ‚Carretta Maria‘ als er sah, dass seine Tante schon auf der Straße auf ihn zu warten schien. Sie wirkte traurig. Emilio beschlich sofort ein ungutes Gefühl. Es ging ihm nicht schnell genug, seine Tante zu erreichen. Angekommen, sprang er von seinem Mofa, lehnte dies nur an die Hausmauer und lief auf seine Tante zu. Sofort bemerkte er ihre Tränen, aber er stellte auch sofort fest, dass es sich nicht um Tränen der Trauer handelte, sondern eher um Tränen der Enttäuschung oder gar um Tränen der Wut. Er umarmte seine geliebte Tante, die ihm unter Tränen berichtete: „Oh Emilio, heute ist ein schlimmer Tag, Minousch, unsere Katze, ist heute Morgen einfach auf den Küchenschrank gesprungen und hat deine geliebte Tasse kaputt gemacht und dann, als ich mit ihr schimpfte, sprang sie auf die Fensterbank und warf den einzigen Blumentopf herunter, der mir noch von deiner Mutter geblieben ist. Ich bin so traurig, mir ist, als sei mein Herz so zerbrochen, wie diese zwei Gefäße, die uns an deine Mama erinnern!“ Emilio nahm seine Tante noch fester in den Arm: „Tante, das sind Dinge; ja, sie sind oder waren uns wertvoll, weil wir glauben, dass sie uns mit Mama verbinden. Aber es sind nur Dinge, die Erinnerungen in uns wachrufen. Diese Erinnerungen leben aber auch ohne die Tasse oder den Blumentopf in uns weiter. Und nun lass uns reingehen und mich mal schauen, was ich noch retten kann.“ Seine Tante putzte sich noch einmal die Nase, trocknete ihre Tränen, umarmte Emilio und dann gingen beide ins Haus. Emilio sah die Scherben seiner Tasse an, und verstand, dass da nichts mehr zu retten war, er nahm sich eine davon weg und warf die anderen in die Mülltonne. Er würde sich morgen auf dem Markt einfach eine neue Tasse kaufen. Er dachte noch einmal an den Tag, an dem ihm seine Mama diese Tasse geschenkt hatte. Er musste acht Jahre alt gewesen sein und er war damals mächtig stolz. Doch inzwischen war er erwachsen und konnte mit dem Verlust der Tasse umgehen. Seine Tante war aber sehr traurig, dass der geliebte Blumentopf zerbrochen war. Emilio wusste, dass er ihn reparieren konnte, aber richtig heil wurde er dadurch nicht. Er dachte darüber nach, dass es wohl seiner Tante auch so gehen würde, seit seine Mama, ihre Schwester, tot war; irgendwie repariert, aber nicht richtig heil.

Als die beiden das leckere Essen, das seine Tante gekocht hatte, verzehrt hatten, schickte er seine Tante zu ihrer Freundin, denn er wollte den Blumentopf zusammenkleben und dazu brauchte er Ruhe. Gleichzeitig wusste er, dass er den Geldschein, den er von Don Pedro bekommen hatte, nicht in die rostige Dose stecken würde. Nein, den nahm er morgen mit zum Markt, dort würde er seiner Tante sagen, dass sie sich einen ganz besonders schönen Blumentopf aussuchen könnte. Er wusste schon genau, wo die beiden diesen Topf finden würden. Mit dieser Freude erfüllt, machte er sich an die Arbeit und nach einer Stunde war der bunte Topf repariert, aber die Blumen konnte er noch nicht in ihn hineinpflanzen. Nach getaner Arbeit ging er in den Garten, um sich in seinen Lieblingsstuhl zu setzen und ein Glas kühlen Pfefferminztee zu trinken. Er dachte nach und spürte, dass er glücklich war, er wusste, dass ihm seine eigene Zufriedenheit zum Glück ausreichte.

Während Emilio die letzten warmen Sonnenstrahlen des Tages genoss, zog Katharina sich eine wärmende Strickjacke an. Sie wollte einen kleinen Spaziergang durch den nahegelegenen Wald machen. Es war kühl draußen, obwohl es fast Juni war. Katharina wusste ja, dass es in Deutschland oft keinen richtigen Sommer gab, aber heute fiel es ihr schwer, diese Tatsache zu akzeptieren. Die Wiesen standen in sattem Grün, die Blumen blühten in bunter Pracht, aber es war einfach zu kühl. Sie sehnte sich nach der Sonne und der Wärme, die ihr einfach so gutgetan hatten. Sie spürte auch wieder ihre Schmerzen. Katharina ging am Waldesrand vorbei und sagte sich nun selber, dass sie sich nun wieder auf das Gute konzentrieren sollte, was sie umgab. Sie achtete auf ihr Gehen, lenkte ihre Achtsamkeit auf den Abendgesang der Vögel, auf das Summen der Blätter im Wind. Mit jedem Atemzug wurde ihr wieder bewusst, dass sie ein schönes Leben führen durfte. Sie hatte eine wunderbare Familie und viele wertvolle Freundinnen. Sie war schon lange verheiratet und ihr Mann war ihr treu. Sie spürte nach ihrer Krise, die sie vor einem Jahr durchlebten, dass sie und ihr Mann wieder zu einem guten Team gereift waren. Zwar vermisste sie etwas Leidenschaft und auch etwas mehr Interesse von ihrem Mann ihr gegenüber, aber sie dachte, damit klarzukommen. Und somit fühlte sie sich zufrieden. Sie dachte noch ein wenig über ihre Wünsche nach, die sie noch an sich und ihr Leben hatte, und sofort fiel ihr wieder ihre Flaschenpost ein. Mit dem Gedanken an die Schifffahrt, ans Meer und an die Möwen ging sie zufrieden nach Hause. Bei dem Gedanken, dass sie sich auf einem Zettel in der Flaschenpost, mehr Aufmerksamkeit von ihrem Mann gewünscht hatte, lächelte sie und fragte sich, wie ihn dieser Wunsch je erreichen würde, denn sie hatte dieses Thema schon sehr oft mit ihrem Ehemann besprochen, ohne jedoch eine Veränderung zu spüren.

Der nächste Morgen begann wieder so wie jeder normale Morgen Ende Mai auf Mallorca, mit strahlend blauem Himmel und noch angenehmer Wärme. Emilio war früh aufgestanden, um mit seiner Tante zu frühstücken und dann mit dem Bus in die kleine Stadt zum Markt zu fahren. Sie hatten große Körbe dabei, damit sie ihre Einkäufe gut und sicher heim transportieren konnten. Der Marktbummel hatte für die beiden immer den gleichen Rhythmus, zuerst gingen sie zu dem Verkäufer, der guten Schinken anbot, danach stand der Gemüseverkäufer auf der Liste. Meistens waren dann schon die Körbe der beiden gefüllt und sie konnten nur noch ein paar Gewürze und Backwaren einkaufen. Heute führte Emilio seine Tante noch zu dem schönen Verkaufsstand, bei dem man schöne bunte Keramikartikel einkaufen konnte. Seine Tante war darüber erstaunt, aber Emilio erklärte ihr, dass er sich eine neue Tasse kaufen wolle. Damit war sie einverstanden und freute sich darauf, die schönen Geschirrteile bestaunen zu dürfen. Als die beiden am Stand angekommen waren, fand Emilio ganz schnell eine Tasse und er freute sich, seiner Tante endlich eine Freude machen zu können. Er umarmte sie und flüsterte ihr zu: „Tante, suche dir hier einen Blumentopf aus. Ich möchte ihn für dich kaufen.“ Seine Tante erwiderte: „Emilio, das geht doch nicht, die sind doch viel zu teuer!“ Emilio zeigte ihr seinen Geldschein: „Dieses Geld gebe ich heute aus und das reicht auf jeden Fall für die Tasse und selbst für den größten Blumentopf, den es hier gibt. Also such dir den aus, der dir am besten gefällt und jetzt überlege nicht zu lange, wir müssen uns beeilen, um den Bus zu erreichen, denn ich habe ja einen Job.“ Die Tante brauchte nicht lange nachzudenken, denn sie hatte ihren Lieblingstopf schon gefunden. Der Verkäufer packte den Topf und die Tasse gut ein und Emilio und seine Tante verabschiedeten sich. Seine Tante umarmte ihn und gab ihm einen Kuss auf die Wange: „Emilio, ich freue mich so sehr über diesen wunderschönen Blumentopf, ich werde die schönsten Geranien in ihm pflanzen und ihn in Ehren halten. Danke dafür!“ Emilio erwiderte den Kuss und war etwas rot geworden vor Freude. Er dachte sich: „Es wäre doch schön, etwas mehr Geld zu haben, wenn man damit so viel Freude machen kann.“ Aber gleich darauf fiel ihm ein, dass Kleinigkeiten dann gar nicht mehr so wertvoll wären, wenn man sich alles immer kaufen könnte und da wusste er, dass er gerade reich genug war. Zufrieden konnte er nun nach Hause zurückkehren, um nach dem Essen zu seiner Arbeit zum Hafen zu fahren.

Während Emilio seinen Morgen auf dem quirligen Markt verbrachte und seiner Tante eine große Freude bereitete, entdeckte Katharina den Wert des Müßiggangs. Sie fühlte sich an diesem Morgen nicht gesund genug, um aktiv zu sein. Sie kochte sich eine Tasse Tee. Zum ersten Mal in ihrem Leben wollte sie den grünen Tee ausprobieren. Eine liebe Bekannte hatte ihr eine Packung davon geschenkt. Während das kochende Teewasser wieder leicht abkühlte, gab Katharina die getrockneten Teeblätter, die mit Blüten gemischt waren, in ihre schöne Teekanne. Dann goss sie das gut temperierte Wasser auf die Teeblätter, die sich gleich darauf entfalteten. Sie gaben dem Wasser gleich ihr Aroma und ihre zarte grüne Farbe ab. Katharina betrachtete die schöne Verpackung des Tees. Sie stellte sich vor, wie viele Menschen dazu beigetragen hatten, dass sie diesen Tee nun genießen durfte. Mit jedem Schluck fühlte sie Dankbarkeit. Der Tee belebte ihre Sinne und gab ihr etwas Energie, die sie aktiver werden ließ, damit sie mit ihrer Arbeit beginnen konnte.

Sie zog ihre Gartenschuhe an, nahm ihre Schere und begann im Garten die Pflanzen abzuschneiden, die etwas zu groß geworden waren. Die Arbeit im Garten machte ihr Freude, strengte sie aber auch an. Sie spürte bald den Schmerz im Kopf, der sie zur Ruhe zwang. Sie sagte sich, dass dieser Tag eben ein Ruhetag sein dürfe, sie nahm dieses Gefühl an und erlebte einen Tag mit Ruhen und Lesen.

Nach dem Marktbesuch half Emilio seiner Tante alle Lebensmittel in die Schränke und die Vorratskammer zu räumen, er aß eine Scheibe Brot mit dem köstlichen Schinken, und trank in Ruhe eine Tasse Kaffee mit seiner Tante. Sie saßen zusammen auf der kleinen Terrasse und Emilio sagte zu seiner Tante: „Weißt du eigentlich, wo der Kaffee herkommt, den wir hier trinken? Und wie viele Leute dafür hart gearbeitet haben? Ach Tante, ich bin so dankbar, dass wir uns das alles leisten können. Genieße du den Tag, ich muss nun fahren, im Hafen erwartet mich eine Menge Arbeit. Aber ich mach sie gerne, denn wir können als Menschen nur leben, wenn immer jemand etwas erschafft, was ein anderer nutzen kann. Ich wünsche dir, liebe Tante, einen schönen Mittag und warte heute Abend nicht mit dem Essen auf mich. Ich hoffe, dass Vincenco endlich kommt und dann reden wir noch miteinander und ich komme später nach Hause.“ Er gab seiner Tante einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Seine Tante umarmte ihn und verabschiedete ihn mit den Worten: „Pass gut auf dich auf, mein Junge, und nochmals vielen Dank für den wunderschönen Blumentopf.“

Emilio sprang auf sein Mofa und fuhr knatternd und winkend in Richtung Hafen. Er war gut gelaunt und freute sich auf seine Arbeit, aber nicht auf das Zusammentreffen mit Don Petro. Er befürchtete schon wieder den ganzen Unrat, der sich um Don Petros Yacht im Meer befand. Es war zwar ein Teil seiner Aufgaben, diesen Unrat aus dem Wasser zu fischen und den Steg zu säubern, aber er hatte einfach kein Verständnis für die Verschwendung aller Dinge, die er nach Don Petros Festen im Wasser fand. Emilio wollte diese Aufgabe als erstes erfüllen, um dann ganz in Ruhe den Steg zu Vincencos Yacht zu reparieren. Im Hafen angekommen, nahm er seinen Wagen mit all den Utensilien, die er zum Verrichten seiner Arbeiten brauchte und ging pfeifend in Richtung seiner heutigen Wirkungsstätte. Er sah Don Petro schon von weitem, weil dieser ihm zuwinkte. Emilio glaubte in Don Petros Gesten gute Stimmung zu erkennen. Er erwiderte das Winken und ging weiter, ohne jedoch seinen Schritt zu beschleunigen. Don Petro zeigte ihm mit großen einladenden Bewegungen an, dass er näherkommen sollte. Emilio ließ sich jedoch nicht zur Eile auffordern, er dachte sich, dass Don Petro auf ihn wartete, egal wie lange er für den Weg zu ihm brauchen würde. Als er nahe genug war, rief ihm Don Petro zu: „Hallo Emilio, wo bleibst du denn heute? Hast du dir einen schönen Morgen gegönnt? Egal! Nun bist du da und ich bin heute so zufrieden, dass ich die ganze Welt umarmen könnte. Komm mit mir zu meinem Boot. Heute feiern wir beide zusammen, du brauchst heute bei mir nichts zu arbeiten.“ Emilio schaute ihn völlig überrascht an: „Don Petro, was ist so Wunderbares geschehen? Aber es tut mir leid, ich kann jetzt nicht mit Ihnen feiern! Ich habe viel zu tun!“ „Papperlapapp, Emilio du hast jetzt nur die eine Aufgabe, mit zu meinem Steg zu kommen, ein Glas Wein mit mir zu trinken und dich mit mir zu freuen. Ich habe gestern das Geschäft meines Lebens gemacht. Ich hatte Gäste aus der ganzen Welt und alle kaufen meinen Wein. Ich werde noch mehr Geld verdienen, mir neue Weinberge kaufen und mein Name wird bald in der ganzen Welt bekannt sein. Es war gestern so toll, alle waren so zufrieden, sie mochten meinen Wein und meine Yacht und es gefiel ihnen, wie schön es hier ist, und dass es an meiner Yacht schön ist, verdanke ich dir!“ Emilio wusste, dass jeder Widerspruch zwecklos war, und er freute sich auch sehr über die anerkennenden Worte, deshalb willigte er dem Vorschlag zu Don Petro mitzukommen, ein. „Ich komme mit zu Ihrer Yacht, aber Don Petro, ich trinke gern ein Glas Limonade mit Ihnen, aber keinen Wein, denn ich muss heute noch viel arbeiten.“ Don Petro schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter und dann gingen die beiden zu Don Petros Steg. Don Petro war sehr gut gelaunt und fragte Emilio nach seinem Leben und ob er eine Freundin habe. Emilio beantwortete alle Fragen höflich, aber insgeheim hoffte er, dass er möglichst bald mit seiner Arbeit am anderen Steg beginnen konnte. Er verstand Don Petros Einstellung nicht wirklich. Er fragte sich, warum viel mehr Geld und noch viel mehr Arbeit ihn so glücklich machten. Er wusste auch genau, dass sich Don Petros Stimmung schnell

ändern konnte. Nach einer halben Stunde, die sie mit Plaudern verbracht hatten, stand Emilio auf, nahm seine Geräte, die er zum Arbeiten braucht, und verabschiedete sich von Don Petro. Er säuberte so schnell wie möglich das Wasser an diesem Steg, fegte das Holz blitzblank und eilte dann zu der Anlegestelle, die zu Vincencos Boot führte. Beim Vorbeigehen begutachtete er die anderen Yachtbuchten, fischte hin und wieder etwas Unrat aus dem Wasser und dachte noch viel über die Unterhaltung mit Don Petro nach. Er verglich sein eigenes Leben mit dem des reichen Mannes und fand, dass es ihm selber viel besser ging als Don Petro. Emilio musste keine Angst haben, dass seine Aufträge auf einmal weniger wurden, oder dass es zu wenig Zinsen für sein Geld gab, denn von diesen Sorgen hatte Don Petro ihm berichtet.

Endlich kam er bei Vincencos Anlegestelle an und musste feststellen, dass Vincencos Boot nicht da war. Er schaute sich den Steg an, wo das Holz abgebrochen war. Ihm wurde bewusst, dass er da viel zu tun hatte, aber dafür war er ja hier und er hatte keine Eile. Er nahm das mitgebrachte Brett aus seinem Wagen, schnitt es passend, setzte es ein und begann, es festzuschrauben. Emilio liebte den Duft des Holzes, das Geräusch seiner Einschraubhilfe und als er seine Arbeit vollendet hatte, war er sehr stolz und glücklich. Wieder konnte Emilio sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Er setzte sich auf den Steg, ließ seine Beine ins Wasser baumeln und schaute auf das blaue Meer, das im Sonnenschein wunderschön glitzerte. Er wünschte sich so sehr, dass Vincenco heute käme.

Er musste wohl etwas eingeschlafen sein, denn plötzlich sah er Vincencos Boot am Horizont auftauchen. Sein Herz klopfte vor Freude ganz schnell. Er beeilte sich, das Meer an diesem Steg zu säubern. Er fischte Seetang, alte Plastiktüten und Schilfreste aus dem Wasser und als er sich vom Steg hinunter ins Meer beugte, erblickte er eine kleine blaue durchsichtige Plastikflasche, die am Pfosten des Stegs festhing. Er nahm sie aus dem Wasser und schaute sie sich genau an. Im Innern der Flasche befanden sich Zettel. Emilio staunte. Das war ihm ja noch nie passiert, er hatte eine Flaschenpost gefunden. Also heute erlebte er wirklich viel Gutes. Zögerlich versuchte er die Flasche zu öffnen. Der Verschluss war ziemlich fest verschlossen und man sah der Flasche an, dass sie wohl schon länger im Meer lag. Aber nun hatte sie den Weg zu ihm gefunden. Er konnte es kaum erwarten, zu lesen, was auf den Zetteln stand.

Katharina hatte sich nach ihrer Gartenarbeit auf ihre Couch gelegt, um sich etwas auszuruhen. Heute konnte sie einfach nichts weiterarbeiten. Sie konnte nicht an ihrem Buch weiterschreiben, das sie nach ihrem Schreibseminar in dem kleinen Künstlerhaus ‚Naturjuwel‘ zu schreiben begonnen hatte. Ihr Kopf tat einfach zu weh. Es halfen ihr zu diesem Zeitpunkt keine Medikamente und auch die erlernte Akupressur hatte keinen Erfolg. Somit gönnte sie sich Ruhe.

Sie dachte wieder einmal über ihr Leben nach. Sie dachte auch an Bekannte, die ziemlich viel Geld verdienten, die aber auch sehr viel arbeiteten. Diese Bekannten hatten immer viel zu tun, selbst an den Wochenenden fanden sie keine Zeit zu einem gemeinsamen Spaziergang oder einem ruhigen Treffen zu einer Tasse Kaffee. Wenn Katharina sich mit der, ihr gut bekannten Frau unterhielt, hörte sie immer die gleichen Sätze. Die Unternehmergattin klagte ständig darüber, dass die Zinsen bei der Bank zu gering, die Steuern beim Finanzamt zu hoch und die Auftragslage oft zu unsicher war. Katharina hörte ihr immer zu, konnte ihre Probleme nicht wirklich verstehen und riet ihr öfter, vielleicht ab und zu etwas weniger zu arbeiten, etwas weniger zu wollen und einfach mal zufriedener zu sein. Sie dachte sich dann immer: „Besitz belastet!“, und war zufrieden mit dem, was sie hatte und dankbar, das alles wertschätzen zu können. Katharina gönnte sich am späteren Nachmittag noch einen Spaziergang durch den nahegelegenen Wald und am Abend waren ihre Kopfschmerzen verschwunden und sie konnte diesen gelebten Tag wieder dankbar abschließen.

Emilio hatte inzwischen die kleine Plastikflasche geöffnet. Leider waren die kleinen Zettel etwas feucht geworden. Er breitete sie auf dem warmen Steg aus und erkannte, dass man noch lesen konnte, was darauf stand. Die Zettel waren nicht in Spanisch geschrieben, Emilio glaubte zu wissen, dass es deutsche Worte waren. Er wollte die Zettel trocknen und sich dann helfen lassen, die Zettel zu lesen. Er war so beschäftigt mit den kleinen Zetteln, dass er erst bemerkte, dass Vincenco zu ihm gekommen war, als dieser schon direkt neben ihm stand und ihn begrüßte: „Hallo Emilio, was ist denn das heute für ein Empfang? Normalerweise stehst du winkend am Steg, wenn ich einlaufe.“ Emilio sprang auf, und umarmte Vincenco mit den Worten: „Ich bin so froh, dass du da bist, ich hab so sehr auf dich gewartet, schau dein Steg ist repariert und alles ist wunderschön sauber. Aber schau was ich gefunden habe, eine Flaschenpost mit vielen Zetteln, die hier in der Sonne trocknen müssen. Kannst du mir helfen, diese Zettel zu lesen?“ Vincenco erwiderte die Umarmung mit ganzer Kraft: „Emilio, mach mal langsam, sei nicht so aufgeregt, natürlich helfe ich dir, diese Zettel zu lesen. Aber nun setze dich zu mir und lass dich anschauen. Du siehst gut aus! Geht es dir gut? Was gibt es hier Neues?“ Emilio ließ sich gerne von seinem Freund umarmen und spürte seine Kraft, die ihm immer so guttat. Er setzte sich neben Vincenco auf den Steg, die beiden ließen ihre Beine ins Wasser baumeln und betrachteten erst mal schweigend das glitzernde Meer. Emilio erzählte von seinen Begegnungen und Erlebnissen mit Don Petro, er berichtete von dem Marktbesuch mit seiner Tante und von seinem Leben daheim. Aber er ließ die Zettel aus der Flaschenpost nicht aus den Augen. Vincenco hörte ihm zu, fragte ab und zu nach, aber als er von den Schimpftiraden des Don Petro hörte, sagte er zu Emilio: „Das musst du dir nicht gefallen lassen, du leistest hervorragende Arbeit und wenn er dich das nächste Mal so blöd behandelt, wehrst du dich, dann soll er doch seinen Mist selber machen, der feine Herr!“ Emilio war froh, dass Vincenco ihm Mut machte und antwortete ihm: „Vincenco, das sagst du so einfach, ich brauche den Job hier, ich kann nichts anderes und wenn Don Petro sich bei der Hafenaufsicht über mich beschwert, bin ich den Job hier los.“ Vincenco nahm Emilio in den Arm: „Emilio, du kannst so viel, lass dir nicht einreden, dass du nur zur Hafenarbeit taugst. Du bist sehr geschickt im Umgang mit Holz, du kannst mit allen Menschen gut und freundlich umgehen, du magst Tiere und neben all dem bist du einfach ein super lieber Mensch. Für dich gäbe es überall Jobs.“ Emilio war ganz gerührt über diese Worte und entgegnete: „Ich mag die Arbeit hier, aber du hast recht, das nächste Mal werde ich Don Petro gegenüber nicht mehr so nett sein, er soll auch mal wissen, dass man mit viel Geld nicht automatisch unfreundlich und unfair sein darf! Aber nun erzähle mir, was du erlebt hast und wo du warst.“ Vincencos Augen glänzten, als er von seinem Besuch in Portugal erzählte. Dort hatte er Bilder gemalt und am Abend in dem kleinen Hafenstädtchen Musik gemacht und alle Bilder verkauft, ganz nebenbei erwähnte er, dass er eine wunderschöne Frau kennengelernt hatte. Diese junge Frau konnte aber nicht mit ihm nach Mallorca kommen und somit konnte sich leider keine tiefere Bindung entwickeln. Vincenco fand das nicht wirklich schlimm, denn auf Mallorca gab es ja auch schöne Frauen. Er erzählte Emilio: „Weißt du Emilio, ich finde es toll, wenn schöne Frauen bei mir sind, wenn ich schöne Stunden mit ihnen erleben darf, aber da ich einfach nicht immer an einem Ort bleiben kann und will, werde ich keiner Frau die Ehe versprechen. Ich bin ehrlich zu meinen Freundinnen, das erspart mir und den Frauen eine Menge Ärger. Aber nun bleibe ich eine längere Zeit hier auf Mallorca, und vielleicht finden wir beide eine hübsche liebe Frau, denn es wird nun auch mal Zeit, dass auch du die Liebe kennenlernst.“ Emilio lachte ihn an und meinte dazu: „Ich freue mich so sehr, dass du da bist, mein Freund, aber bevor wir für mich eine Frau suchen, kümmern wir uns um die Flaschenpost.“ „Okay, das machen wir, aber vor der Flaschenpost kommt noch unser gemeinsames Begrüßungsessen. Ich habe einige Köstlichkeiten mitgebracht, die ich mit dir zusammen genießen will. Wann bist du mit deiner Arbeit fertig?“, fragte Vincenco. Emilio schaute sich um: „Ich gehe noch eine Runde durch den Hafen, schaue nach, ob alles in Ordnung ist, bringe mein Werkzeug weg und bin dann in etwa zwei Stunden bei dir. Ich bleibe heute einfach bei dir auf dem Boot, dann können wir so lange reden, bis wir einschlafen. Bitte nimm du die Zettel der Flaschenpost mit, sie sind mir sehr wichtig.“ Vincenco freute sich auf den schönen Abend, der ihn erwartete und begann in seinem Boot alles vorzubereiten, damit er mit seinem Freund gut essen und reden konnte. Er hatte die Zettel der Flaschenpost gelesen und wusste auch, dass diese in Deutsch verfasst waren. Er konnte ein wenig Deutsch, aber nicht genug, um alles zu verstehen, was auf den kleinen Zetteln stand. Inzwischen fand er die Flaschenpost genauso spannend wie Emilio, er wusste auch, dass es ihnen mit Sicherheit gelingen würde, die Zettel zu lesen und zu verstehen. Emilio machte seine Arbeit fertig, telefonierte kurz mit seiner Tante, um zu berichten, dass er am Abend nicht nach Hause komme, duschte sich und eilte zu Vincencos Boot, gut gelaunt und voller Vorfreude auf das, was ihn erwartete.

Während die beiden jungen Männer Vorbereitungen für ihren gemeinsamen Abend trafen, lag Katharina in ihrem Bett und las in einem Buch. Sie empfand beim Lesen, dass ihr derzeitiges Leben zwar angenehm, aber auch etwas glanzlos war. Sie wünschte sich sehr, dass ihr Mann öfter mal mit ihr ausgehen würde und dass einfach die Routine, die sich in ihr Leben eingeschlichen hatte, durch etwas Besonderes unterbrochen würde. Sie war nicht unzufrieden mit ihrem Leben und sie mochte auch die Ruhe, die ihr sehr gut tat, aber da waren Wünsche in ihrem Kopf, die, wenn sie sich erfüllten, ihr Leben etwas verändern würden. Wie immer, wenn sie an ihre Wünsche dachte, dachte sie an ihre Flaschenpost. Sie wusste natürlich nicht, dass zu diesem Zeitpunkt zwei junge Männer auf Mallorca ihre Wünsche lasen. An diesem Abend erfreute sie sich einfach an der Erinnerung an den Tag, an dem sie die Flaschenpost von dem kleinen Schiff aus auf die Reise geschickt hatte. Mit diesem Gedanken konnte sie gut und schnell einschlafen.

Die Sonne stand schon tief, als Emilio endlich zu Vincencos Boot kam. An einer neuen Anlegestelle war Monsieur Olivier angekommen, ein netter Franzose mit einer schönen Yacht. Emilio musste ihm noch alles erklären, was er am Abend wissen sollte. Da Emilio aber lieber zu Vincenco eilen wollte, versprach er Monsieur Olivier am nächsten Morgen gleich zu ihm zu kommen, um mit ihm zu reden und alles Wichtige, was den Hafen betraf, zu klären. Vincenco saß auf seinem Boot und ließ sich die Abendsonne auf das Gesicht scheinen. Er hatte den Tisch mit vielen Köstlichkeiten gedeckt, die er aus Portugal mitgebracht hatte. Er wollte Emilio mit Bacalhau, dem getrockneten und gesalzenen Kabeljau, mit Broa, dem Maisbrot und einem Hartkäse von den Azoren verwöhnen. Außerdem hatte er portugiesischen Wein und eine kleine Flasche Madeira bereitgestellt. Der Abend sollte ein kulinarisches Fest werden. Emilio freute sich, als er diese ganzen Köstlichkeiten erblickte. Er hatte einen kleinen Mandelkuchen gekauft, denn er wusste, dass Vincenco diesen ganz besonders gern mochte. Die beiden jungen Männer umarmten sich noch einmal ganz herzlich und beteuerten immer wieder, wie froh sie über das Zusammensein waren. Dann drängte Vincenco zum Essen. Beide ließen es sich schmecken, Vincenco trank viel Wein, Emilio löschte seinen Durst lieber mit Wasser oder Limonade. Als es dunkel wurde und beide satt waren, nahm Emilio die Zettel der Flaschenpost und legte sie auf den Tisch. Vincenco schaute sie sich an und begann sie zu sortieren. Er konnte leider nicht alle lesen, aber er wusste, dass er und Emilio mit dieser Flaschenpost eine Aufgabe bekommen hatten. Emilio erkannte auf einem Zettel eine E-Mail-Adresse, das gefiel ihm sehr, denn somit könnten sie sogar mit der Flaschenpostaufgeberin Kontakt aufnehmen. Vincenco hatte schnell herausgefunden, dass es eine Frau war, die die Flaschenpost ins Meer geworfen hatte. Vincenco gelang es, einiges zu lesen, von dem, was auf den Zetteln stand und konnte es für Emilio ins Spanische übersetzen. Vincenco legte seinen Arm über Emilios Schulter: „Ich habe längst einen Plan, was mit dieser Flaschenpost geschehen soll. Wir schauen uns erstmal alle Zettel an und dann erkläre ich dir, was ich mir vorstelle. Ich glaube, ich kann die Zettel besser lesen, als ich zuerst gedacht habe.“ Emilio strahlte seinen Freund an: „Ich bin froh, dass du so schlau bist, Vincenco! Ich glaube, wir haben mit der Flaschenpost eine schöne Aufgabe gefunden, im wahrsten Sinne des Wortes.“ Wieder lachten die beiden. Bald gähnte Vincenco, er hatte einen langen Tag hinter sich und der Wein machte ihn müde. „Emilio, lass uns morgen an der Flaschenpost weiterarbeiten, wir beide brauchen jetzt Schlaf. Wir trinken noch einen kleinen Schluck von dem köstlichen Madeira und dann legen wir uns hin. Es ist spät und du musst ja morgen früh zur Arbeit. Einverstanden?&

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