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Fire&Ice 1 - Ryan Black

Allie Kinsley

Fire&Ice 1 - Ryan Black

XXL Leseprobe


Ich danke dir C., weil du mich liebst, wie ich bin.


BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Fire&Ice

 

Band 1

Ryan Black

Allie Kinsley

 

 

Bereits erschienen:

 

FireIce 1 - Ryan Black

FireIce 2- Tyler Moreno

FireIce 3 - Shane Carter

FireIce 4 - Dario Benson

FireIce 5 - Brandon Hill

FireIce 5.5 - Jack Dessen

FireIce 6 - Chris Turner

FireIce 6.5 - Gregor Zadow

FireIce 7 - Logan Hunter

FireIce 8 – Jonas Harper

FireIce 9 – Luce Suarez

FireIce 10 – Joey Parker

Protect Me – Brian

Protect Me – Ash

Sweet like Candy

Divided like Destiny

Yearn for Adam

Copyright © 2013 Allie Kinsley

All rights reserved.

Cover: www.nickputzmann.com

1 Talin

SKY

"Endlich zurück!", rief Maya ihrer besten Freundin Sky zu.

Ja, dachte Sky, endlich zurück in Talin!

Das jährlich für zwei Wochen stattfindende Mittelalterfestival besuchten die zwei Freundinnen mit ihrer Gruppe, den Setarips, seit acht Jahren. Immer das gleiche Team, nur Sky war die letzten zwei Jahre nicht mit von der Partie gewesen. Sie freute sich, endlich wieder mit ihren Freunden unterwegs sein zu können. Die letzten zwei Jahre waren die Hölle für sie gewesen.

Denk jetzt nicht daran! Sie nahm sich fest vor, diesen Teil ihrer Vergangenheit fest zu verschließen und die Zukunft zu genießen.

Gregor, der selbst ernannte Anführer ihrer Gruppe, rief: "Meine Damen und Herren, nehmen wir es in Angriff! Wir fangen mit dem großen Zelt an, alle bitte hierher!"

Wie die Jahre zuvor arbeiteten alle Hand in Hand, und ihre Unterkunft für die nächsten 14 Tage stand in drei Stunden. Das Lager umfasste ein großes, schwarzes Schlafzelt mit Platz für bis zu 20 Personen, ein Vorzelt und eine schwarze Jurte mit gut 15 Metern Durchmesser. Als alles aufgebaut war, verteilten Maya, Alexa, Zoey und Nina die Kerzen, Decken und Truhen im Zelt, um es gemütlicher zu machen. Jack und Taylor besorgten Holz und Stroh vom Ausgabeplatz. Gregor kümmerte sich bereits um das Lagerfeuer.

Sky setzte sich ein wenig abseits auf eine kleine Decke und sog einfach die Atmosphäre des Lagerlebens in Talin in sich auf.

Immer wieder hatte sie das Gefühl, beobachtet zu werden, doch wenn sie sich umsah, war da niemand, nur das schlechte Gefühl, das etwas nicht stimmte. Ihr Herz raste und es fiel ihr schwer, ihre Atmung unter Kontrolle zu halten. Die Angst, dass alles wieder von vorne beginnen könnte, verfolgte sie ständig.

Nach einigen Minuten setzte sich Fabio, ihr bester Freund aus Sandkastenzeiten, zu ihr und die beklemmenden Gedanken verflogen.

"Geht's dir gut?"

"Klar!", antwortete sie. Es klang nicht ganz so überzeugend, wie sie es wollte, aber sie war einfach zu weit abgedriftet mit ihren Gedanken.

"Sky ..."

"Nein, ehrlich Fabio. Mir geht es gut, besser als gut! Ich war nur für einen Moment in Gedanken, aber ich möchte jetzt nur noch vorwärts schauen!", unterbrach Sky ihren besten Freund in seiner Ansprache.

"Okay, Kleines, aber bitte melde dich bei mir, wenn ich dir helfen kann! Nicht erst wieder, wenn es schon fast zu spät ist!"

Den Seitenhieb auf ihre Fähigkeit, um Hilfe zu bitten, konnte sie ihm nicht verübeln. Sie lehnte sich an ihn und gemeinsam genossen sie es, dem Treiben auf dem Zeltplatz zuzusehen.

Sie liebte es, sich in seine Arme zu kuscheln, viel zu lange hatte sie auf seine Gesellschaft verzichten müssen.

RYAN

"Ryan, Ryan, wir sind hier."

Er sah Alex, seinen besten Freund aus Deutschland, von Weitem winken. Er parkte seinen schwarzen Porsche Cayenne am Straßenrand des großen Walls, der das Lager in zwei Hälften trennte, und lief die restlichen 200 Meter zu dem Platz, an dem er die nächsten zwei Wochen verbringen würde.

Sein gesamter Jahresurlaub! Seit er vor elf Jahren im Alter von 18 die Firma seines Vaters übernommen hatte, gönnte er sich kaum noch einen freien Tag.

Er hatte seinem Vater kurz vor dessen Tod versprochen, alles in seiner Macht stehende zu tun, um das Unternehmen zu erhalten. Er tat es gern. Er liebte die Verantwortung und er liebte es, niemandem unterstellt zu sein. Natürlich genoss er auch die Annehmlichkeiten, die es mit sich brachte, einer der erfolgreichsten Jungunternehmer Bostons zu sein. Geld und Frauen waren Dinge, für die er gerne schuftete.

Trotzdem war er froh darüber, für zwei Wochen alles hinter sich lassen zu können. 14 Tage einfach nur einer unter 5000 anderen Mittelalterverrückten zu sein.

Keiner, der ihn als Unternehmer erkannte. Keine falschen Freunde, die nur auf dem Trittbrett seines Erfolges mitfahren wollten. Keine geldgeilen Weiber, die alles tun würden, um ihn an sich zu binden, um sich von ihm aushalten zu lassen. Er konnte hier nur er selbst sein. Einfach nur Ryan und nicht Ryan Black, der Top-Jungunternehmer und begehrteste Junggeselle Bostons sein.

Er erreichte Alex und seine Gruppe und fiel ihnen in die Arme. Einige Schulterklopfer, Umarmungen und ausgetauschte Floskeln später, versuchte er, sich einen Überblick zu schaffen.

Sein Fazit: völliges Chaos!

"Mensch Alex, seit wann seid ihr hier?", fragte er.

"Hmm. Ungefähr drei Stunden, die Jungs und ich wollten aber erst mal auf unser Wiedersehen anstoßen", sagte Alex und grinste dabei. Chris drückte Ryan auch gleich ein kühles Bier in die Hand.

Für die meisten der Gruppe war die Zeit in Talin die einzige Möglichkeit, auszuspannen. Daher hielt niemand was davon, sich von irgendetwas stressen zu lassen.

Da es aber bereits dunkel wurde, mussten sie jetzt das Lager errichten.

"Es hilft alles nichts Jungs, wir müssen mit dem Aufbau beginnen."

Allgemeines Gemurmel und Murren war zu hören, doch alle tranken schnell ihr Bier aus und machten sich an die unangenehme Arbeit.

Ryan sah sich auf dem Lagerplatz um und betrachtete die Lager der anderen Gruppen. Die tolle Zelte und die reich verzierten Tische waren ebenso ein Blickfang, wie die keinen Truhen, Töpfe, die Felle und die Waffen. Große und kleine Gruppen, die alle schon größtenteils mit dem Aufbau ihrer Lager fertig waren.

Am linken Rand des Lagerlatzes entdeckte er eine Gruppe, die zu Abend aß. Sie grillten über einem Lagerfeuer. Der rauchige Geruch des Fleisches, der ihm das Wasser im Mund zusammen laufen ließ, und die lauten Stimmen, hatten seinen Blick unwillkürlich angezogen.

Die blonde junge Frau in ihrer Mitte fiel ihm sofort ins Auge.

Die will ich später noch kennenlernen, dachte Ryan und machte sich mit den Anderen an die Arbeit.

SKY

Sie sah, wie der schwarze Porsche auf den Lagerplatz fuhr.

Was für ein Angeber, dachte sie, als der Wagen direkt am Straßenrand hielt. Als der Fahrer ausstieg, verschlug es ihr fast die Sprache.

Groß, breit, dunkel, schön und unglaublich sexy. Er bewegte sich mit der Eleganz eines Panthers und strahlte dabei starkes Selbstbewusstsein aus. Er stand oben auf dem Wall und überblickte den Zeltplatz mit der Arroganz und Dominanz eines Alphamännchens.

Gefährlich, flüsterte ihr Unterbewusstsein.

Sie konnte keine Einzelheiten seiner Züge erkennen und als Gregor zum Essen rief, war sie froh darüber, denn sie hatte schon fast nach einer Ausrede gesucht, um in seine Nähe zu kommen, damit sie ihn näher betrachten konnte.

Ein gemeinsames Abendessen mit all ihren Freunden wusste sie erst seit Kurzem richtig zu schätzen. Solche Annehmlichkeiten waren ihr in den letzen zwei Jahren verwehrt geblieben.

Sie aßen Gegrilltes, Folienkartoffeln und Brot. Nach dem Essen saßen sie noch lange um ihr Lagerfeuer, tranken und lachten gemeinsam.

Fabio setzte sich hinter sie und zog sie erneut in seine Arme. Sie saß zwischen seinen gespreizten Beinen und lehnte mit dem Rücken an seiner breiten Brust.

Er war Vieles für sie. Ein Freund, ein Gefährte, ein Bruder und ihr Ritter in strahlender, weißer Rüstung. Er half ihr immer wieder, nicht nur physisch, sondern vor allem auch emotional und dafür liebte sie ihn unermesslich.

Sky genoss die Zeit in seinen Armen und unter seiner Fürsorge, denn diese würde bald wieder vorbei sein. Sie war fest entschlossen, ins Ausland zu gehen.

Ein neues Leben anfangen und auf eigenen Beinen stehen. Sie hatte den Anderen bereits von ihrem Plan erzählt. Dass sich ihr Vorhaben in den letzten Wochen jedoch konkretisiert hatte, wusste bislang nur Maya.

Sie würde es ihren Freunden am Ende dieser zwei Wochen sagen müssen, aber die Zeit in Talin wollte sie ihnen und sich selbst nicht verderben. So genoss sie einfach den Abend in den Armen ihres großen, wenn auch nicht leiblichen, Bruders und inmitten ihrer Freunde. Sie würde die nächsten zwei Wochen nur im Hier und Jetzt leben.

RYAN

Zweieinhalb Stunden später war auch Ryans Gruppe mit dem Aufbau ihres Lagers fertig. Tyler, von allen nur Ty genannt, hängte gerade noch das Banner mit ihrem Gruppennamen über den Eingang.

"FireIce", murmelte er ihren Gruppennamen, den sie sich vor zehn Jahren aufgrund einer Feuershow in Russland gegeben hatten.

Es war ihr erster offizieller Auftritt gewesen und die Kombination aus dem russischen Winter und der Feuerspuckershow hatte bei der ganzen Truppe bleibenden Eindruck hinterlassen. Chris hatte damals FireIce gemurmelt und Alex meinte, dass dies der perfekte Name für ihre Gruppe sei. Alle waren begeistert und niemand hatte ihn bis heute angezweifelt.

"Jedes Jahr aufs Neue der Hammer, oder?", fragte Alex und riss Ryan damit aus seinem gedanklichen Trip in die Vergangenheit.

"Ja", antwortete er, noch ganz gefangen in seinen Erinnerungen.

"Wie sieht’s aus, Großer, sollen wir mal schauen gehen, was dieses Jahr so zur Jagd zur Verfügung steht?", fragte Alex und grinste ihn schelmisch an.

Großer, dachte er und lächelte in sich hinein, weil Alex mit seinen 1,86 Metern nur drei Zentimeter kleiner war und er somit eigentlich nicht wirklich als größer durch ging.

"Nein, sorry Alex, ich hab meine Beute schon vor dem Aufbau ausgemacht", gab er grinsend zurück.

Alex riss die Augen auf, sagte aber nichts über die fixe Art seines Freundes. Er kannte ihn ja bereits seit über 25 Jahren und Ryan war schon immer sehr entschlussfreudig gewesen.

"Gut, dann ziehe ich mit Chris, Ty und den Anderen los, wir sehen uns später am Feuer", sagte Alex und ging zu ihren Freunden.

Als Ryan sich abermals nach der süßen Blonden umdrehte, sah er gerade noch, wie sie in Richtung Waschwagen abbog. Allein.

Meine Chance, dachte er und lief ihr schnell hinterher. Als er um die Ecke bog, sah er sie an einem ihm unbekannten Lager Platz nehmen.

Schlechte Bedingungen. Er blieb stehen und hoffte, dass sie bald wieder aufbrach.

Sie lachte leise mit den Fremden. Ihr Lachen war bezaubernd. Unaufdringlich, sanft, faszinierend. Alles an ihr faszinierte ihn. Ihre Haaren waren blond, fast taillenlang, ihre Figur schlank. Sie hatte einen schönen runden Hintern und volle Brüste. Von Nahem konnte er all das noch viel besser erkennen, als bei dem kurzen Blick, den er vor dem Zeltaufbau auf sie werfen konnte.

Ja, er begehrte sie, er hatte sein Ziel für dieses Jahr entdeckt.

Als hätte sie sein Mustern gespürt, schaute sie auf und fand seinen Blick über das Lagerfeuer hinweg.

Ihr Gesicht war makellos, herzförmig. Wunderschöne, große und ausdrucksstarke Augen in dem strahlendsten Blau, das er jemals gesehen hatte, blickten zu ihm herüber Eingerahmt von dichten, langen, schwarzen Wimpern. Die Form der Augen war leicht katzenhaft.

Sie hatte eine süße, kleine Nase, deren Ende sich leicht nach oben bog. Hohe Wangenknochen und volle rosafarbene Lippen rundeten das Gesamtbild ab. Eben dieser perfekte Mund verzog sich zu einem schüchternen Lächeln, ehe sie den Blick senkte.

"Ryan, Ryan!" Die helle Stimme riss ihn aus seiner Starre und schon im nächsten Moment hing eine dünne Brünette um seinem Hals. Er kannte sie, ihm wollte nur nicht einfallen, woher.

"Oh Ryan, ich habe mir so gewünscht, dich dieses Jahr wiederzusehen", sagte sie.

Fuck! An seinem Hals hing die Frau des Vorjahres und hoffte auf eine Wiederholung.

"Okay, hey, hi", antwortete Ryan und entfernte sacht ihre Arme von seinem Hals. Er sah sich um, konnte die kleine, blonde Göttin aber nirgends mehr finden.

Shit, dieses dünne Vorjahresflittchen hat mir meine Beute vertrieben.

Er war sauer, aber immerhin wusste er, wo er sie suchen musste. Die Brünette fing wieder an, an ihm herum zu tatschen. Er packte ihre Hände und schob sie ein Stück von sich.

"Hey, hör mal, schön, dich wiedergesehen zu haben", sagte Ryan und betonte dabei die Vergangenheitsform ganz besonders: "Aber ich muss jetzt echt los."

Sie lächelte und versuchte, sich bei ihm einzuhaken. Schnell entzog er ihr seinen Arm und fügte etwas schärfer hinzu: "Ohne dich!"

Das saß und er sah, wie ihre kleinen, braunen Augen sich langsam mit Wasser füllten. Bevor sie ihm eine Szene machen konnte, drehte er sich um und lief zurück zu seinem Lagerplatz.

SKY

Als sie Mr. X, wie sie den Fahrer des schwarzen Cayenne nannte, über das Lagerfeuer ihres langjährigen Freundes Andy hinweg erspähte, konnte sie ihren Blick nicht von ihm wenden. Er war wunderschön.

Kinnlanges, rabenschwarzes Haar, das seidenweich aussah, sodass sie sich vorstellte, wie es wäre, mit den Fingern hindurch zu fahren.

Dunkle, fast schwarz wirkende Augen mit dichten, dunklen Wimpern, auf die viele Frauen neidisch wären. Eine lange, gerade Nase, schmale Lippen und einen Dreitagebart, der ihn rau und sexy aussehen ließ.

Seine funkelnden Augen fixierten sie über das Feuer hinweg und sie erwiderte das Lächeln, das sich über seine Lippen ausbreitete, sofort. Hastig senkte sie den Blick, sie wollte keine neuen Bekanntschaften mit Männern schließen. Und schon gar nicht mit welchen, die so gefährlich anziehend waren wie dieses Exemplar.

Sky hörte eine schrille Stimme nach einem Ryan rufen und als sie aufsah, hing eine wunderschöne Brünette an Mr. X’ Hals.

Als diese wieder sprach, wusste sie endlich den Namen des schönen Mannes auf der anderen Seite des Lagerfeuers: Ryan. Der Name war sexy wie der Mann selbst.

Er schien sich nicht wohl in den Armen der Frau zu fühlen, aber so, wie sie Männer im Allgemeinen kannte, hatte er sich das sicher selbst eingebrockt.

Sie nahm Andy kurz in den Arm, um sich von ihm zu verabschieden, winkte den Anderen flüchtig zu und ging zurück in ihr eigenes Lager.

Schnellen Schrittes ging sie den dunklen Weg entlang. Immer wieder hörte sie Schritte hinter sich und das Knacken von Ästen.

Du bildest dir das nur ein!, dachte sie, beschleunigte aber noch einmal und war froh, als sie ihren Lagerplatz endlich erspähte.

Sky und ihre Freunde hatten es sich zum Ritual gemacht, am Abend des Aufbaus bei einem Glas Wein am Lagerfeuer zu sitzen und gemeinsam zu singen.

Wie jedes Jahr packten Taylor und Gregor ihre Gitarren aus. Sie sangen alle neue und alte Lieder, verschiedenster Musikrichtungen. Von aktuellen Stücken, bis zu mittelalterlichen Gesängen war alles vertreten.

Die Freunde saßen nicht mehr lange zusammen. Alle hatten einen langen Tag und eine anstrengende und weite Anreise gehabt. Weit vor Mitternacht gingen sie gemeinsam ins Schlafzelt.

Wie früher lag Sky zwischen Maya und Fabio. Und genau wie früher zog Fabio sie einfach an sich, bettete ihren Kopf auf seiner Brust und schlief nach wenigen Minuten ein.

Auch Sky konnte sich des warmen, vertrauten Gefühls nicht erwehren und schlief schneller ein als an jedem anderen Tag seit zwei Jahren.

RYAN

Ryan versuchte, so schnell wie möglich zu seinem Lager zu kommen, was sich als deutlich schwieriger erwies, als er dachte.

Er traf haufenweise Freunde und alte Bekannte auf seinem Weg zurück. Und ebenso Frauen, mit denen er in den vergangenen Jahren mehr oder weniger kurze Affären oder One-Night-Stands gehabt hatte.

Er lachte und trank mit ihnen allen und obwohl er immer so schnell wie möglich weiterhetzte, benötigte er doch über drei Stunden für seinen Rückweg.

Es war schon nach Mitternacht, als er an dem Lager vorbeikam, in dem er die schöne Blondine zum ersten mal entdeckt hatte.

Sie war nirgends zu sehen und Ryan verfluchte die Brünette vom Vorjahr für ihre Anhänglichkeit. Nur wegen ihr war ihm die Blondine durch die Lappen gegangen, da war er sich sicher.

Nun ja, vielleicht ganz gut so, dachte er, so konnte er sich zumindest voll ausschlafen und morgen früh gestärkt auf die Jagd gehen.

Er freute sich bereits. Ihre schüchterne Art hatte ihn endgültig davon überzeugt, dass sie die Richtige für diesen Urlaub war. Mit ihrem Bild vor Augen legte er sich in sein leeres Zwei-Mann-Zelt. Shane, sein bester Freund aus Amerika, würde erst morgen anreisen.

Morgen ... ja, morgen kann die Jagd beginnen.

2 Das Marktfest

 

 

 

SKY

 

Sie erwachte am nächsten Morgen von den leisen Hintergrundgeräuschen des Lagerlebens. Ihr war heiß und sie fühlte sich wie erdrückt. Irgendetwas Schweres lag ihr über Bauch und Beine. Zögernd öffnete sie ein Auge und blinzelte gegen die Helligkeit an. Sky versuchte, ihre Beine zu befreien, erntete dafür aber nur ein verärgertes Knurren. Sie drehte ihren Kopf, um den Ursprung des Geräuschs zu orten, und sah direkt in die verschlafen blinzelnden Augen von Fabio.

"Guten Morgen", grummelte er und versuchte, sein Gesicht wieder in ihren Haaren zu vergraben, so wie sie es früher schon als Kinder getan hatten. Sie hatte sich aber verändert und fühlte sich in diesem Moment nur erdrückt.

"Geh runter von mir, du bist zu schwer und hast mindestens 40 Grad Fieber", knurrte sie ihren besten Freund an.

"Na, du hast ja mal wieder prächtige Laune, Morgenmuffel!", antwortete dieser und rollte sich auf die andere Seite.

Hinter ihr erklang Gekicher.

Der Rest der Truppe war ebenso wach geworden und amüsierte sich prächtig über die morgendliche Vorstellung.

"Ja, ja, lacht ihr nur, ihr wurdet ja nicht unter einem 200 Kilogramm schweren Bären begraben!", sagte Sky und konnte sich ein Lächeln auch nicht mehr verkneifen.

Langsam krochen alle aus ihren Schlafsäcken, wuschen sich und richteten sich für ihren ersten Tag im Mittelalter her.

Taylor hatte bereits das Lagerfeuer entfacht, als Sky aus dem Zelt trat. Sie frühstückten alle gemeinsam an dem länglichen Holztisch. Wurst und Käse hatten sie von zu Hause mitgebracht. Das Brot, wie immer bei dem Bäcker auf dem Markt gekauft.

Die Gruppe besprach gerade, wie sie den Rest des Tages verbringen wollten, als Skys Nacken kribbelte.

Sie wandte sich um und sah direkt in die dunklen Augen von Ryan. Er stand 20 Meter entfernt von ihr auf dem Wall, auf dem der Weg zu den Toiletten- und Waschwagen entlang führte.

Er sah sehr gut aus in der grauen Jogginghose und dem gleichfarbigen, ärmellosen T-Shirt. Er sah sie unverwandt an, fixierte sie nahezu und Sky wurde von Sekunde zu Sekunde unruhiger. Sie kannte diesen Blick, den Blick eines Raubtiers, das seine Beute ausgemacht hat. Sie rutschte angespannt auf ihrem Stuhl hin und her. Fabio, der schon immer ein gutes Gespür für ihre Gefühlslagen hatte, sah sie fragend an, legte aber dann ohne ein weiteres Wort seinen Arm auf die Stuhllehne.

Sie vergrub beinahe augenblicklich ihr Gesicht in seiner Schulter. Suchte Schutz vor den Blicken des Fremden, die sie zu sehr an jene aus ihrer Vergangenheit erinnerten.

Erst als sie hörte, dass Ryan weggerufen wurde und sie seinen Blick nicht mehr auf sich spüren konnte, richtete sie sich auf und frühstückte weiter.

Sie ignorierte die fragenden Blicke der Anderen, so gut es ging, wusste aber, dass Fabio ihr später keine Ruhe mehr lassen würde, bis sie mit der Wahrheit rausrückte.

 

RYAN

 

Er entdeckte das schöne Mädchen mit den blonden langen Haaren auf dem Weg zu seiner Morgenroutine. Sie sah wunderschön aus. Sie trug ein dunkelblaues Leinenkleid mit Trompetenärmeln und einer feinen Schnürung am Rücken. Ihr Haar war zu einem dicken Zopf geflochten und die herausgeschlüpften Strähnen glänzten in der warmen Morgensonne.

Als hätte sie seinen Blick gespürt, wandte sie sich um und sah ihm direkt ins Gesicht. Ihre himmelblauen Augen leuchteten und er hätte den Blick nicht mal von ihr nehmen können, wenn er gewollt hätte.

Ryan bemerkte zwar, dass sie immer nervöser wurde, verstand aber nicht weshalb.

Der Mann zu ihrer Rechten legte ihr den Arm auf die Rückenlehne, als würde er sie für sich beanspruchen, und zu Ryans Ärger kuschelte sie sich sofort an seine Schulter.

Hinter sich hörte er Alex rufen: "Ryan, Alter, komm schon, Mann, wir wollen doch rechtzeitig zum Frühstück zurück sein."

"Was ist los mit dir?", fragte Alex.

"Ich muss sie haben!"

Das entlockte Alex nur ein Grinsen. "Oh, oh, vielleicht sollte ich die Kleine warnen, dass der Tiger angebissen hat", sagte Alex und griente.

Ryan schnaubte verärgert. "Bloß nicht, ich glaube, es läuft sowieso schon auf eine verdammt anstrengende Jagd hinaus. Als Erstes muss ich herausfinden, wie sie zu dem Typen steht, an den sie sich gerade so geklammert hat."

Alex schüttelte den Kopf und ging voran in Richtung der sanitären Anlagen.

 

SKY

 

Der Tag verging träge und so gern sie Fabio mochte, versuchte sie, ihn doch ein wenig auf Abstand zu halten. Er suchte ihre Nähe, spürte vermutlich ihre Unsicherheit, denn er kannte sie einfach in- und auswendig. Zumindest die alte Sky. Denn er bemerkte nicht, dass sie das Drängen seinerseits noch unbehaglicher fühlen ließ.

Daher nutze sie die Gelegenheit, als Fabio zur Toilette ging, um Maya zu bitten, mit ihr auf den Markt zu gehen. Gregor, der ihr Gespräch mitbekommen hatte, nickte, um ihnen zu verstehen zu geben, dass nichts weiter für die Gruppe geplant war und sie Zeit hatten, sich den Markt anzusehen.

Auf dem Markt waren viele verschiedene Stände, an denen alles angeboten wurde, was das Mittelalterherz höherschlagen ließ. Von Speisen und Getränken über Kleidung, Taschen, Schmuck, Ton- und Holzartikel jeder Art.

Maya und Sky hatten sich einen Becher Honigmet von ihrem Lieblingshändler besorgt und standen an einem Stand mit Silberschmuck.

"Oh, sind die nicht wunderschön?", fragte Maya und hielt ihr zwei silberne Ohrringe mit kleinen, roten Steinchen entgegen. Sky nickte, war aber völlig versunken in den Anblick einer atemberaubenden Halskette. Sie besaß feine, silberne Glieder, ein tropfenförmiger, dunkelblauer Stein hing als Anhänger herunter und würde wunderbar zu ihrem neuen Kleid passen.

So kam es, dass sie Ryan erst bemerkte, als er direkt neben sie trat.

"Sie würde dir sehr gut stehen und deine Augen betonen, wie es dein Kleid tut." Ryan lächelte sie an, während sie allein aufgrund seiner Nähe in eine Starre verfiel.

"Mein Name ist Ryan ... darf ich deinen erfahren?"

Sie starrte ihn weiter an, bis Maya sie anstieß und ihr zuraunte: "Mund zu, du sabberst gleich!"

Sie schüttelte innerlich den Kopf über sich selbst. Was hatte dieser Mann nur an sich, dass sie sich benahm wie ein Teenie?

"Sky", murmelte sie leise und senkte den Blick auf den gepflasterten Weg des Marktes.

"Sky? Was für ein außergewöhnlicher Name. Sehr schön, wirklich. Wie die Frau, die ihn trägt", sagte Ryan mit einer Stimme so dunkel und rau, dass er fast schon erregt klang. Sie mochte die Art, wie er sprach, und diese Tatsache ängstigte sie noch mehr.

"Skyler Evé Alister, dass ich dich mal wieder hier treffe!"

Sky hasste die Stimme, die hinter ihr erklang, und trotzdem war sie ihr im Moment mehr als willkommen. Dass Susanne ihren Namen wie immer nicht richtig aussprach, störte sie wenig.

"Hallo Maya, jetzt kommt doch rüber, setzt euch zu uns. Wer ist der neue Mann an deiner Seite?", fragte Susanne und hatte ihren Blick schon auf Ryan fixiert.

Aha, daher weht der Wind also.

Nun ja, sie konnte es Susanne durchaus nicht verübeln. Sie war eine große, schlanke und äußerst attraktive Brünette und würde perfekt zu Ryan passen. Für Sky war es in Ordnung. So würde sie ihn bestimmt schnell wieder los, was eigentlich auch voll zu ihrer Entscheidung zu einer männerfreien Zukunft passte.

Trotzdem empfand sie einen leisen Stich der Eifersucht, als Ryan Susanne musterte und ihr dann ein Raubtierlächeln schenkte.

Ich will ihn ja gar nicht!, dachte sie und sagte auf dem Weg zu dem Tisch: "Susanne, das ist Ryan. Ryan - Susanne." Und gleich darauf: "Maya, komm, lass uns noch nach einer Tasche schauen."

Sie packte ihre Freundin am Ärmel und zog sie schnell Richtung Gassenausgang.

 

RYAN

 

Was soll das denn jetzt?, dachte Ryan, als Sky ihre Freundin den Markt hinunterführte.

"Sky, kommst du heute Abend auf das Marktfest?", rief Ryan ihr hinterher.

Sie sagte nichts. Entweder, sie hatte ihn nicht gehört oder sie stellte sich taub. Maya, wenn er den Namen richtig mitbekommen hatte, schaute kurz über die Schulter, nickte und zwinkerte ihm einmal zu.

Wer hätte das gedacht? Er grinste in sich hinein. Da bekomme ich sogar noch Hilfe von der Gegenseite.

Nun grinste er nicht nur innerlich, sondern ließ das Grinsen über sein Gesicht huschen.

"Hallo Ryan, ich komme heute Abend auch, wollen wir dann etwas zusammen trinken gehen?", gurrte Susanne ihm ins Ohr.

Zu jeder anderen Zeit hätte er sie als leichte Beute für zwischendurch mitgenommen. Aber dieses Jahr hatte er sein Ziel schon gesetzt und er hatte das Gefühl, dass Susanne und Sky nicht die besten Freunde waren.

Er hielt noch höflich ein paar Minuten Small-Talk mit Susanne, vielleicht würde einer seiner Freunde sie später haben wollen. Sie war ja durchaus ein sehr hübsches Exemplar der weiblichen Gattung. Dann verabschiedete er sich und ging zurück zu dem Schmuckhändler.

Diese Kette ist das optimale Abschiedsgeschenk nach unseren zwei Wochen, dachte er, denn er war fest davon überzeugt, dass es wie immer sein würde.

Ryan bekam, was er wollte, dicke Tränen am Ende und ein Auf Nimmerwiedersehen, da er zurück in sein wahres Leben ging.

Er kaufte die Kette, ließ sich eine schöne Geschenkverpackung dazu geben und machte sich erneut auf die Suche nach Sky. Auf dem Markt fand er sie aber leider nicht mehr wieder.

 

Zurück in seinem Lager, bemerkte er den großen Trubel sofort. Wo so ein Chaos herrschte, konnte sein bester Freund Shane nicht weit sein.

Er saß inmitten seiner nicht ausgepackten Sachen, eine Flasche Bier in der einen Hand und auf seinem Schoß eine kleine, süße Rothaarige balancierend.

Wusste der Teufel, wo er die in der kurzen Zeit aufgegabelt hatte.

Die Gruppe hatte sich um ihn versammelt und er gab Geschichten aus seinem Nachtleben in Amerika von sich. Ryan grinste.

Shane entdeckte ihn und sprang auf. Dabei wäre die Kleine beinahe zu Boden gestürzt, sie konnte sich aber gerade noch so an Alex abfangen. Shane rannte auf Ryan zu, sie umarmten sich und klopften sich freundschaftlich die Schultern.

"Hey Ryan, schön dich zu sehen!"

"Hallo Shane, hat alles geklappt?"

Shane musste noch einen Tag länger in Amerika bleiben, da am Abend zuvor noch ein wichtiger Geschäftstermin anstand.

"Gut, gut, danke", antwortete Shane und strahlte über beide Ohren, als die kleine Rote sich wieder an ihn schmiegte.

"Aber lass uns später weiter reden. Ich werde jetzt erstmal alles aufräumen, Lissy hilft mir", sagte Shane mit einem verschmitzten Grinsen, das Ryan sofort sagte, dass er für die nächsten Stunden nicht im Zelt erwünscht war.

Er wollte sie für sich, zumindest vorerst, später würde er sie teilen. Aber Ryan hatte sowieso kein Interesse und setzte sich erst mal zu seiner Gruppe ans Lagerfeuer.

"Ich heiße Lucy", hörte er das Mädchen noch zicken, aber Shane schob sie nur mit einem gemurmelten "Klar, sicher, Lucy" vor sich her ins Zelt.

Ryan genoss die Gespräche um ihn herum und malte sich währenddessen den Abend mit Sky aus.

Dieses Mädchen war genau sein Ding!

Klein, schlank, mit tollen Kurven an den richtigen Stellen. Ihr Gesicht war wunderschön und ihre schüchterne Art machten ihn derart an, dass er merkte, wie allein bei dem Gedanken daran, sie zu verführen, seine Hose eng wurde.

Ja, heute Abend, dachte er, seufzte dann und schüttelte die Gedanken ab, bevor die ganze Gruppe sehen konnte, wie erregt er war.

 

SKY

 

"Maya, ich will da nicht hin!", bettelte sie.

Ihre ganze Gruppe war schon dabei, sich für die Auftaktparty der Mittelalterwochen zurechtzumachen. Zoey ließ sich gerade die Haare von Maya flechten und grinste Sky frech an.

"Nur weil er da ist. Mensch Sky, da werden noch tausende andere Personen sein.

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