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Finding It – Alles ist leichter mit dir

CORA CARMACK

Finding It – Alles ist leichter mit dir

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Sonja Häußler

Zu diesem Buch

Kelsey Summers lebt den Traum vieler junger Frauen: Mit Papas Kreditkarte im Gepäck macht sie nach ihrem Collegeabschluss eine Rundreise quer durch Europa. Sie will an nichts denken müssen, sich einfach frei fühlen und genießt vor allem eins: Party, Party, Party. Doch so sehr sich Kelsey auch bemüht, ihre Vergangenheit zu verdrängen, muss sie sich bald eingestehen, dass es ihr auch hier nicht gelingt, der Einsamkeit und dem Schmerz zu entkommen, die schon so lange in ihr herrschen. Als sie auf einer Party in Budapest dem Amerikaner Jackson Hunt begegnet, sieht sie in ihm zunächst nur eine weitere Eroberung. Aber Jackson ist nicht wie die anderen Männer, die Kelsey bislang auf ihrer Reise getroffen hat. Er scheint in ihr Innerstes blicken zu können, sie zu verstehen, wie es niemand je zuvor überhaupt versucht hat. Als er ihr vorschlägt, sie auf dem Rest ihres Trips zu begleiten, zögert Kelsey nicht lange, zumal Jacksons dunkle Augen ihr Herz rasen lassen. Mit jedem Moment, den Kelsey gemeinsam mit Jackson verbringt, scheint die Last ihrer Vergangenheit leichter zu werden. Aber Kelsey merkt bald, dass auch Jackson ein Geheimnis hat, das er mit aller Macht zu verbergen versucht – und das ihre Liebe zerstören könnte, bevor sie überhaupt eine Chance hatte zu entstehen …

1

Jeder verdient in seinem Leben ein großes Abenteuer, ein einmaliges Erlebnis, an das man immer wieder zurückdenken und sagen kann: »Damals … damals habe ich wirklich gelebt.«

Man kann aber kein Abenteuer erleben, wenn man sich Sorgen um die Zukunft macht oder in der Vergangenheit gefangen ist. Abenteuer existieren nur im Jetzt. Und sie ereilen uns immer, aber auch wirklich immer zu einem völlig unerwarteten Zeitpunkt und in der allerunwahrscheinlichsten Verpackung. Ein Abenteuer ist wie ein offenes Fenster, und der Abenteurer ist die Person, die bereitwillig auf den Sims steigt und springt.

Meinen Eltern erzählte ich, dass ich nach Europa gehen wolle, um die Welt zu sehen und persönlich zu wachsen. Nicht, dass Dad über das zweite oder dritte Wort hinaus zugehört hätte. Denn genau da ließ ich einfließen, dass ich sein Geld ausgeben und ihn so gründlich wie möglich verärgern wolle. Er hat es gar nicht mitbekommen. Meinen Dozenten erzählte ich, dass ich Erfahrungen sammeln wolle, um eine bessere Schauspielerin zu werden. Meinen Freunden erzählte ich, dass ich dort ständig auf Partys gehen wolle.

In Wirklichkeit war es von allem ein bisschen. Vielleicht auch nichts davon.

Manchmal verspürte ich einfach dieses seltsam nagende Gefühl – wie das hartnäckige Summen einer Stechmücke –, dass ich im Leben etwas verpasste.

Ich wollte etwas Außergewöhnliches erleben, etwas, das mehr war als das Übliche. Ich weigerte mich zu glauben, dass meine besten Jahre schon hinter mir lagen, jetzt wo ich das College abgeschlossen hatte. Und wenn Abenteuer nur im Jetzt existierten, war das der einzige Ort, an dem auch ich existieren wollte.

Nachdem ich fast zwei Wochen mit dem Rucksack durch Osteuropa gereist war, war ich genau darin schon fast ein Profi.

Ich schritt über das alte Kopfsteinpflaster, wobei die Absätze meiner Stilettos in den Ritzen zwischen den Steinen stecken blieben. Ich hielt mich an den beiden ungarischen Männern fest, die ich früher am Abend kennengelernt hatte, und wir folgten den anderen beiden aus unserer Gruppe. Genau genommen hatte ich sie wohl gestern Abend kennengelernt, denn jetzt war es fast schon Morgen.

Ihre Namen konnte ich mir beim besten Willen nicht merken, und dabei war ich noch nicht einmal betrunken. Na ja, ein bisschen vielleicht.

Ich nannte Tamás dauernd István. Oder war das András? Ach, na ja. Sie sahen alle heiß aus mit ihren schwarzen Haaren und dunklen Augen. Und sie konnten exakt vier Worte Englisch, soweit ich das beurteilen konnte.

Amerikanerin. Schön. Trinken. Und tanzen.

Was mich betraf, waren das die einzigen Worte, die sie kennen mussten. Wenigstens erinnerte ich mich noch an Katalins Namen. Ich hatte sie vor ein paar Tagen kennengelernt, und wir hatten seitdem fast jeden Abend zusammen abgehangen. Davon hatten wir beide etwas. Sie zeigte mir Budapest, und ich bezahlte den Spaß, den wir dabei hatten, mit Daddys Kreditkarte. Nicht, dass er das merken würde oder es ihn scherte. Und wenn doch, dann sagte er immer, dass die Leute ihr Geld falsch ausgäben, wenn sie dadurch nicht glücklicher würden.

Danke für deine Lebensweisheiten, Daddy.

»Kelsey«, sagte Katalin. Sie hatte einen starken, exotischen Akzent. Verdammt, warum konnte ich nicht selbst so einen haben? Als ich jünger war, hatte ich einen leichten texanischen Einschlag, aber meine Jahre am Theater hatten mir den so gut wie ausgetrieben. »Willkommen in den Ruinenbars«, sagte sie.

Ruinenbars.

Ich hörte kurz auf, Istváns Haar zu zerzausen (beziehungsweise das Haar von dem Jungen, den ich István nannte), um zu sehen, wo wir waren. Wir standen auf einer leeren Straße, die von verfallenen Gebäuden gesäumt war. Ich wusste, dass der Schein bekanntlich trügen konnte, aber diese Straße stammte direkt aus einer Zombie-Apokalypse. Ich fragte mich, was wohl »Gehirne« auf Ungarisch hieß.

Katalin hatte gesagt, wir würden ins alte jüdische Viertel gehen.

Oy vey.

Hier sah es ganz bestimmt nicht so aus, als gäbe es hier irgendwo Bars. Ich sah mir das zwielichtige Viertel an und dachte, wenigstens habe ich mich letzte Nacht flachlegen lassen. Wenn ich schon in kleine Stücke gehackt werde, kann ich wenigstens mit einem Bumsen zur Hölle fahren. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich musste lachen und hätte fast meinen Begleitern von diesem Gedanken erzählt, aber ich war mir ziemlich sicher, dass das beim Übersetzen falsch rüberkommen würde. Vor allem weil ich allmählich auch an Katalins Englischkenntnissen zweifelte, wenn sie das hier als »Bars« bezeichnete.

Ich zeigte auf ein schäbiges Gebäude, an dem weit und breit keine Adresse zu erkennen war, und sagte: »Trinken?« Dann stellte ich die Handlung pantomimisch dar, nur um sicherzugehen.

Einer der Jungs sagte: »Igen. Trinken.« Ich hatte genug Ungarisch aufgeschnappt, um zu wissen, dass igen »ja« bedeutete.

Juhu, ich sprach praktisch schon fließend.

Wachsam folgte ich Katalin, die auf eines der baufälligen Gebäude zuging. Sie trat in einen dunklen Durchgang, und mich überlief eine Gänsehaut. Der größere meiner ungarischen Adonisse legte mir den Arm um die Schulter. Ich versuchte es mit Raten und sagte: »Tamás?« Seine Zähne schimmerten wie weiße Perlen, als er lächelte. Ich betrachtete das als ein Ja. Tamás stand für groß. Und absolut sexy. Das speicherte ich ab.

Seine Hand wanderte nach oben und strich mir mein blondes Haar aus dem Gesicht. Ich neigte den Kopf nach hinten, um ihn anzusehen, und in meinem Bauch flackerte ein Funken von Erregung auf. Was spielte Sprache schon für eine Rolle, wenn mich dunkle Augen ansahen, sich starke Hände auf meine Haut pressten und Hitze den Raum zwischen uns erfüllte?

So gut wie keine.

Heute würde es eine super Nacht werden, das fühlte ich.

Wir folgten dem Rest der Gruppe in das Gebäude, und ich spürte, dass die tiefen Bässe von Technomusik den Boden unter meinen Füßen zum Vibrieren brachten. Interessant.

Wir drangen tiefer in das Gebäude ein und gelangten in einen großen Raum. Mehrere Wände waren hier eingerissen worden, und niemand hatte sich die Mühe gemacht, die Betonbrocken wegzuräumen. Lichterketten und Laternen erleuchteten das Gebäude. Überall waren Möbel verstreut, die alle nicht zusammenpassten. Sogar ein altes Auto stand da, das zu einer Essnische umfunktioniert worden war. Es war mit Abstand der verrückteste, verwirrendste Laden, in dem ich je gewesen war.

»Gefällt?«, fragte Katalin.

Ich drückte mich enger an Tamás und erwiderte: »Ich liebe es.«

Tamás führte mich an die Bar, wo die Getränke spottbillig waren. Ich zog einen Zweitausend-Forint-Schein heraus. Für weniger als zehn US-Dollar kaufte ich Shots für uns alle fünf.

Wahnsinn. Vielleicht sollte ich für immer in Osteuropa bleiben.

Ich würde das ernstlich in Erwägung ziehen, wobei Europa einen einzigen Nachteil hatte. Aus unerfindlichen Gründen – die keinen Sinn für mich ergaben – bekam man Zitronenscheiben zum Tequila anstatt Limette. Die Barkeeper schauten mich immer an, als hätte ich gerade Elefantenschweiß im Glas bestellt, wenn ich Limette verlangte. Sie begriffen einfach nicht, dass mein Lieblingsgetränk magische Eigenschaften hatte. Wenn mich schon mein Akzent nicht als Ausländerin verriet, dann die Wahl meines Getränks auf jeden Fall.

Limette oder nicht – Tequila war einfach mein Lieblingsgetränk, deshalb kippte ich ihn jetzt gierig hinunter.

Als Nächstes spendierte mir Tamás ein Glas Gin Fizz Lemon, ein Getränk, das ich erst vor ein paar Wochen kennengelernt hatte. Es machte den Mangel an Margaritas in diesem Teil der Welt beinahe erträglich. Ich stürzte das Glas hinunter wie eine Limo an einem glühend heißen Tag in Texas. Tamás’ Augen weiteten sich, während ich mir genüsslich die Lippen leckte. István spendierte mir ein weiteres Glas, und Säure und Süße vermischten sich prickelnd auf meiner Zunge.

Tamás gab mir durch Gesten zu verstehen, dass ich das Glas ebenfalls auf ex trinken sollte. Es war eigentlich nicht das richtige Getränk dafür, aber wie sollte ich es ihm verwehren? Ich kippte das Getränk hinunter und erntete eine Runde Applaus.

Gott, ich liebe es, wenn die Leute mich mögen.

Ich zog Tamás und István am Arm von der Bar weg. Nebenan war ein Raum, dessen eine Wand aus Mangel einer Tür auf grobe Weise entfernt worden war. Überall lagen noch die Mauerreste herum, und der Raum war mit tanzenden Menschen vollgestopft.

Dort wollte ich sein.

Ich zog meine Jungs in diese Richtung, und Katalin und András blieben dicht hinter uns. Wir mussten über einen Haufen Betonbrocken steigen, um dorthin zu gelangen. Ich warf einen Blick auf meine hochhackigen türkisfarbenen Schuhe und wusste, dass ich das auf keinen Fall schaffen würde, ohne meinen Sex-Appeal einzubüßen. Ich drehte mich zu István und Tamás um und musterte sie von Kopf bis Fuß. István war der Muskulösere der beiden, deshalb legte ich ihm den Arm um den Hals. Wir brauchten nicht dieselbe Sprache zu sprechen, damit er verstand, was ich wollte. Er schob seinen Arm unter meine Beine und zog mich an seine Brust. Gut, dass ich enge Jeans angezogen hatte und keinen Rock.

»Köszönöm«, sagte ich, auch wenn eigentlich er derjenige hätte sein sollen, mir zu danken, so wie er meine Brust anglotzte.

Ach, na ja. Glotzen machte mir nichts aus. Mir war immer noch angenehm warm vom Alkohol, und die Musik blendete die Welt um mich herum völlig aus. Meine beschissenen Eltern und meine ungewisse Zukunft waren Tausende von Meilen entfernt, jenseits des Ozeans. Meine Probleme könnten genauso gut auf dem Grund besagten Ozeans liegen, so unbedeutend waren sie für mich in diesem Moment.

Die einzigen Erwartungen, die hier an mich gestellt wurden, waren die, die ich selbst angeregt hatte und die ich nur allzu willig erfüllen würde. Meine neuen »Freunde« wollten möglicherweise nur Geld und Sex von mir. Das war besser, als wenn überhaupt niemand etwas von mir wollte. Außerdem … jeder wollte doch immer etwas von jemand anderem. Da war es mir lieber, wenn es dabei offen und ehrlich zuging.

István legte die Arme um mich, und ich schmiegte mich an ihn. Mein Vater sagte immer, dass ich nichts zu schätzen wüsste. Wobei er das eher schrie als sagte. Aber es fiel mir nicht schwer, den männlichen Körper an sich zu schätzen. István war Fußballer, und ich spürte nur harte Muskeln und Kanten, die von meinen Händen ungeniert erforscht wurden.

Als er meine Füße auf die Tanzfläche stellte, hatten meine Hände diese herrlichen Muskeln gefunden, die von seinen Hüften an abwärts verliefen. Ich biss mir auf die Lippen und sah ihn von unten durch gesenkte Wimpern an. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war ich auf der Schlossallee gelandet und konnte jetzt über »Los« gehen und meine zweihundert Dollar kassieren.

Oder Forint. Wie auch immer.

Tamás presste seine Brust an meinen Rücken, und ich gab mich dem Alkohol, der Musik und dem Gefühl hin, zwischen zwei Prachtexemplaren von Männern festzustecken.

Mein Zeitgefühl ging zwischen streichelnden fiebrigen Händen und verschwitzten Körpern verloren. Es folgten weitere Getränke und noch mehr Tanz. Jeder Song verschwamm mit dem nächsten. Hinter meinen geschlossenen Augen tanzten Farben. Und für diese kurze Zeit war es ein perfekter Moment.

Ich durfte eine Zeit lang komplett leer sein. Eine leere Leinwand. Unberührter Schnee.

Das Gepäck an der Tür abgeben und einfach sein.

Und es war vollkommen. Denn es gab keinen Raum zum Unglücklichsein, wenn man zwischen zwei Waschbrettbäuchen eingezwängt war.

Neues Lebensmotto – da haben wir es.

Ich gab István ein paar Geldscheine und schickte ihn noch mehr Getränke holen. In der Zwischenzeit drehte ich mich zu Tamás um. Er drückte sich schon weiß Gott wie lange an meinen Rücken, und ich hatte ganz vergessen, wie groß er war. Ich lehnte mich zurück, um ihm in die Augen zu schauen, während seine Hände über meinen Rücken nach unten bis zu meinem Hintern strichen.

Ich grinste und sagte: »Da ist aber jemand froh, mich ganz für sich allein zu haben.«

Er zog meine Hüften an seine und sagte: »Schöne Amerikanerin.«

Klar. Es hatte keinen Sinn, Energie auf kesses Geplänkel zu verschwenden, das er nicht mal verstand. Ich hatte eine ganz gute Vorstellung davon, wie ich meine Energie besser einsetzen konnte. Ich schlang ihm die Arme um den Hals und neigte meinen Kopf zum internationalen Zeichen für »Küss mich!«.

Tamás vergeudete keine Zeit. Wirklich … gar keine. Der Typ beschleunigte innerhalb von Sekunden von null auf hundert. Seine Zunge steckte so tief in meinem Hals, dass es sich anfühlte, als würde ich von einer Kreuzung aus Eidechse und Gene Simmons geküsst werden.

Wir waren beide ziemlich betrunken. Vielleicht merkte er nicht, dass er Gefahr lief, mit seiner rekordverdächtigen Zunge meinen Würgereflex auszulösen. Ich wich zurück und entzog mich seinem Zungenangriff, abgesehen davon, dass sich seine Zähne an meiner Unterlippe festklammerten.

Ich war ein wenig Knabberei gegenüber nicht abgeneigt, aber er zog dermaßen an meiner Lippe, dass ich fast ein Fischmaul hatte. Während er dastand und an meiner Unterlippe saugte, ertappte ich mich dabei, im Kopf zu zählen, wie lange es noch dauern würde.

Als ich bei fünfzehn (FÜNFZEHN!) Sekunden war, blieb mein Blick an einem Kerl auf der anderen Seite der Bar hängen, der mit einem riesigen Grinsen im Gesicht mein Dilemma beobachtete. Stand Breitmaulfroschgrinsen im Lexikon? Wenn nicht, sollte ich ein Foto für Wikipedia schießen.

Ich riss mich zusammen und zog meine arme misshandelte Lippe mit einem leisen Plopp von Tamás’ Zähnen weg. Mein Mund fühlte sich an, als hätte ich ihn an ein Staubsaugerrohr gehalten. Während ich die Finger an meine taube Lippe presste, fing Tamás damit an, meine Mundwinkel, meine Wangen und meinen Kiefer mit feuchten Küssen zu bedecken.

Seine Zunge glitt wie eine Schlange über meine Haut, und der ganze wohlige Alkoholnebel, für den ich so hart gearbeitet hatte, verschwand urplötzlich.

Ich war mir auf einmal schmerzlich bewusst, dass ich in einem verlassenen, zu einer Bar umfunktionierten Gebäude stand, mit einer Speichelspur auf der Wange, und von einem Typen am anderen Ende des Raumes unverblümt ausgelacht wurde.

Und dieser Typ war so verdammt attraktiv, dass dadurch alles noch viel schlimmer wurde.

Manchmal war das Jetzt einfach das Allerletzte …

2

Mein belustigter Stalker hatte olivfarbene Haut, dunkle Augen und ultrakurz geschnittenes Haar. Er hatte dieses muskulöse, militärische Aussehen an sich, bei dem mir sofort ein Dutzend schmutziger Assoziationen durch den Kopf schossen, auf welche Weise er in mein Territorium einfallen würde. Außerdem war er groß und hatte eine Ausstrahlung an sich, bei der sogar Tyra Banks alles stehen und liegen lassen würde, um ihn anzuglotzen.

Leider gab es im Moment eher für ihn etwas zu glotzen. Warum musste ausgerechnet ein so heißer Typ Zeuge davon werden, wie mein Gesicht vor Scham brannte? Und als könnte er meine Gedanken lesen, lachte er noch mehr.

Ich riss mich von Tamás los und hob die Hand, um zu verhindern, dass er mir folgte.

»Pinkeln!«, stieß ich knapp hervor.

Das Wort sagte ihm nichts, deshalb griff er erneut nach mir.

»Hee!« Ich gebot ihm Einhalt und probierte es mit »Toilette?«.

Er zog die Augenbrauen zusammen und hielt sich die Hand ans Ohr. Deshalb brüllte ich: »Toilette!«

Die Lautstärke half nichts, aber dafür blieben etwa ein Dutzend Leute, die offenbar Englisch konnten, stehen und starrten mich an. Und mein verräterischer Blick wanderte zu dem Kerl auf der anderen Seite des Raumes. Wenn er noch heftiger lachte, würde ihm gleich ein Lungenflügel explodieren.

Verdammt!

Wahrscheinlich hätte er absolut keine Probleme, mein Englisch zu verstehen.

Ich drehte mich um und floh. Vermutlich wurde dadurch die Szene, die ich soeben gemacht hatte, exponenziell größer, aber ich war jetzt nur noch erpicht darauf, hier wegzukommen und meine Verlegenheit mit einem weiteren Drink wegzuspülen.

Ich versuchte, über den Schutthaufen zu steigen, der sich auf dem Weg zur Bar befand, aber der Boden bewegte sich unter mir, und ich fühlte mich auf diesen Absätzen tausend Kilometer groß. Ich war beschwipster, als mir bewusst gewesen war, und ich blinzelte, um die Welt um mich herum wieder gerade zu rücken. Ich musste mich vorbeugen und mich mit der Hand auf einem Betonklotz abstützen, um nicht hinzufallen.

»Was ist? Sind keine Einheimischen mehr da, um dich zu tragen?«

Ich drehte den Kopf zur Seite, und meine schlimmsten Befürchtungen wurden wahr. Der charismatische Soldat. Von Nahem war er sogar noch toller, was durch seine tiefe Stimme zusätzlich unterstrichen wurde. Und wie es sich anhörte, war er ebenfalls Amerikaner. Sein Gesichtsausdruck war halb spöttisch, halb herablassend, doch seine Augen ließen meinen Magen weiterhin Salto schlagen.

Oder … es lag vielleicht am Alkohol.

Oder an beidem. Einigen wir uns doch einfach auf beides.

»Ich brauche niemanden, der mich trägt. Alles ist vollkommen in … Huch!«

Ich hatte versucht aufzustehen, aber mein Knöchel knickte um, und die Umgebung geriet in Schieflage. Als hätte jemand einen Film vorgespult, saß ich plötzlich auf dem Schutthaufen und hatte mir die Handballen auf dem rauen Beton aufgeschürft. Ich fragte mich gerade, ob ich mich mit Lichtgeschwindigkeit bewegte oder ob die Welt langsamer geworden war, als ich plötzlich nach oben gezogen wurde.

Ein kräftiger Kiefer kam in Sicht, dann weiche, volle Lippen. Und danach Augen, die so stechend waren, dass sie mich an meine Kindheit erinnerten. Als religiös erzogenes Kind hatte ich früher immer das Gefühl gehabt, dass irgendwo da draußen ein Gott war, der mich beobachtete und alles sah – auch das, was ich lieber verheimlichen wollte.

»Du erinnerst mich an Gott«, murmelte ich idiotischerweise und wünschte mir noch im selben Augenblick, ich könnte diese Worte wieder zurücknehmen.

Er lachte. »Na, das ist mir jetzt neu.«

»Ich meinte …« Ich weiß nicht, was ich meinte. Gott, war ich betrunken! »Lass mich runter. Nicht nötig, dass du mich trägst.«

Als er zu sprechen anfing, spürte ich, wie seine tiefe Stimme zwischen seiner und meiner Brust vibrierte. »Mir ist egal, was du für nötig hältst und was nicht.«

Das war ja mal wieder typisch. Wie jedes andere Mädchen liebte ich Männer – aber warum schienen diese alles dauernd besser zu wissen?

Ich verdrehte die Augen und sagte: »Na schön, dann trag mich eben. Das ist in Ordnung für mich.«

Ich lehnte meinen Kopf an seine Schulter und schmiegte mich gemütlich an seine Brust. Gerade schlang ich ihm die Hand um den Nacken, als er meine Füße auf der anderen Seite des Schutthaufens zurück auf den Boden stellte. Ich zuckte zusammen bei der harten Landung, und Schmerz durchzuckte mich von den Knöcheln bis zu den Knien.

Seufz! Ich hätte meine vorlaute Klappe halten sollen. Ich versuchte meine Enttäuschung zu verbergen, zuckte mit den Achseln und wandte mich zur Bar. Da stand er auf einmal so schnell vor mir, und meine Reflexe waren so langsam, dass ich mit dem Gesicht fast gegen seine Brust geprallt wäre.

Moment mal … warum um alles in der Welt sollte ich mich davon abhalten?

»Was ist los? Kein Dankeschön?«, fragte er.

Ich starrte ihn in Grund und Boden, weil ich mich jetzt nüchterner fühlte als noch vor ein paar Sekunden. »Normalerweise bedanke ich mich nicht bei Leuten, die etwas gegen meinen Willen tun. Wenn es dir also nichts ausmacht …«

Ich drängte mich an ihm vorbei und winkte dem Barkeeper, der glücklicherweise Englisch sprach. Ich bestellte einen Tequila und setzte mich auf einen Barhocker.

»Bring ihr auch noch ein Wasser dazu«, fügte mein Stalker hinzu, während er sich neben mich setzte.

Ich musterte ihn. Heiß. Er war eindeutig heiß. Aber ich hatte noch nie einen Kerl in einer Bar getroffen, der versucht hatte, mich weniger betrunken zu machen. Dadurch wurde es irgendwie schwerer, ihm über den Weg zu trauen.

Verkorkst, ich weiß. Aber ich hatte schon vor langer Zeit herausgefunden, dass man ganz schön hereinfallen kann, wenn man nicht gleich am Anfang abcheckt, was die Leute von einem wollen. Außerdem: Wenn ich die Anspannung seiner Kieferpartie richtig interpretierte, war er wütend, und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, warum er da neben mir saß, wenn ich ihn so nervte.

»Du bist schrecklich aufdringlich, Fremder«, sagte ich.

Und irgendwie gefährlich. Wer hätte gedacht, dass gefährliche Fremde so heiß sein konnten?

»Du bist schrecklich betrunken, Prinzessin.«

Ich lachte. »Ich habe doch gerade erst angefangen, Süßer. Wenn ich erst mal erzähle, dass ich meine Wangen nicht mehr spüre, und ein wenig anhänglich werde, dann weißt du, dass ich schrecklich betrunken bin.«

Er zog die Augenbrauen nach oben, als ich anhänglich sagte, bemerkte aber nichts weiter. Mein Tequila kam, zusammen mit einem Becher Wasser. Letzteres funkelte ich an und schob es von mir weg, dann griff ich nach dem Tequila.

Auf dieser Reise ging es um Abenteuer, darum, das Leben zu genießen – ohne »Gepäck«, ohne Verpflichtungen und ohne sich über irgendetwas Gedanken machen zu müssen. Nur im Jetzt zu leben. Es ging eindeutig nicht darum, Wasser zu trinken.

Ich kippte den Shot hinunter.

Jetzt.

Ein paar Sekunden lang breitete sich Wärme in meinem Bauch aus, und ich war geerdet. Ich gewöhnte mich allmählich an die Zitronenscheiben, die zwar süßer waren als Limetten, aber trotzdem meiner Zunge einen kleinen sauren Kick gaben. Ich signalisierte dem Barkeeper, mir noch einen zu bringen, aber die tiefe Stimme meines Begleiters durchschnitt den herrlichen Nebel, der sich gerade um mich herum aufbaute.

»Wenn du versuchst, die Erinnerung an diesen Kuss auf der Tanzfläche wegzutrinken, wird das nicht funktionieren. Das ist die Art von Kuss, die an einem kleben bleibt.«

Ich schauderte und sagte: »Das brauchst du mir nicht zu sagen.« Ich wischte mir wieder über die Wange, obwohl der Sabber längst abgewischt war.

Der Wasserbecher wanderte wieder zu mir, angeschoben von seinem Zeigefinger. Ich blinzelte zu ihm auf. Seine dunklen Augen waren stahlgrau und hart. Aber ein Anflug von einem Lächeln lag in seinem Blick, der sich in seinem Mund jedoch nicht wiederfand.

Und was für ein faszinierender Mund das war.

»Weißt du, du könntest mir eigentlich helfen, einen anderen Weg zu finden, um die Erinnerung an diesen schlechten Kuss auszulöschen«, sagte ich. Er drehte sich um und lehnte sich mit dem Rücken an die Bar. Sein Arm streifte meinen, und ich erschauerte. Er war zwar ein wenig lästig, aber er war groß, warm und männlich – und verdammt, den ganzen Rest brauchte ich erst gar nicht aufzuzählen. Um mich war es ohnehin schon geschehen. Meinem Körper war es total egal, was für eine Art von Spannung da zwischen uns herrschte. Spannung war Spannung.

Er beobachtete mit kühlem Blick die Tanzfläche auf der anderen Seite des Raumes. Mit dieser starken, stoppeligen Kieferpartie und diesen herrlichen Muskeln war er der Inbegriff von groß, dunkel und gefährlich.

Mein Wortschatz schrumpfte auf ein einziges Wort zusammen: Mjam.

»Das könnte ich schon …«, sagte er und warf mir einen Seitenblick zu.

Oh bitte! Bitte, lass uns das tun.

»Aber es macht so viel mehr Spaß, mir deinen Blick vorzustellen, als er dich abgeschleckt hat.«

Verdammt!

Seine Schultern bebten, als er lautlos lachte. Großartig. Jetzt lachte er mich schon wieder aus.

Ich streifte mit meinem Arm den seinen und sagte: »Mir würden da schon ein paar Sachen einfallen, die mehr Spaß machen würden.«

Er hörte auf zu lachen. Dann riss er seinen Blick von der Tanzfläche los und ließ ihn über meinen Körper gleiten, wobei er bei meinen Absätzen anfing. Ich wusste doch, dass es sich gelohnt hatte, sich auf diese Stilettos zu wagen. Als sein Blick an meinen Hüften angelangt war, strich er sich mit dem Daumen über die Unterlippe, und ich war bereit, mich auf der Stelle auf ihn zu stürzen. Ich drückte meine Schultern nach hinten, und wie unter einem Zauberbann heftete sich sein Blick auf meine Brust.

Bingo!

Victoria’s Secret sei Dank. Ein siegessicheres Grinsen schlich sich bereits in mein Gesicht, da wandte er seinen Blick wieder kommentarlos der Tanzfläche zu.

Was zum …?

Er sah mir nicht mehr ins Gesicht. Nicht einmal meinen Körper hatte er besonders lange betrachtet. Irgendwie beleidigte mich das. Meine Mädels, Marilyn und Monroe, waren definitiv beleidigt.

Hab ich’s nicht gesagt? Genau das meinte ich damit, dass man einem Typen nicht trauen kann, der will, dass man nüchtern ist. Ich war schon zu lange wach und hatte zu viel getrunken, um herauszufinden, was er wirklich wollte. Obwohl er ein klasse Typ war (und zwar von der Spezies »absolut umwerfend«), versaute er mir den Rausch. Ganz zu schweigen davon, dass Alkohol und Unsicherheit eine sehr schlechte Kombi waren.

»Gut, war interessant mit dir«, sagte ich. »Ich geh dann mal zurück …«

»Zu dem Dementor auf der Tanzfläche? Echt?«

Ich machte ein paar Schritte und warf ihm über die Schulter hinweg ein Lächeln zu. »Hast du etwas Besseres zu bieten?«

Ich hatte erwartet, dass er mich wieder kühl mustern würde. Stattdessen funkelten seine Augen, und sein Kiefer spannte sich an. Er stieß sich von der Bar ab, als wollte er mir folgen. Ich geriet ein wenig ins Straucheln und bekam ein Flattern im Bauch. Fast hätte ich mich ihm an den Hals geworfen. Fast.

Er war nicht annähernd so desinteressiert, wie er mich glauben lassen wollte, und das machte ihn so interessant. Ich biss mir auf die Unterlippe und beobachtete mit Genugtuung, wie sich sein Blick auf meinen Mund heftete.

Lächelnd machte ich ein paar Schritte zurück zu ihm und beugte mich vor, bis meine Brust die seine streifte. Er neigte den Kopf zu mir herunter, und auch wenn er seinen Gesichtsausdruck mit Bedacht neutral hielt, sah ich seinen Adamsapfel hüpfen – und dann noch einmal –, als er schluckte.

Ich stützte mich auf seiner harten Brust ab, während ich an ihm vorbeigriff, um den vergessenen Wasserbecher hinter ihm zu nehmen. Ich biss mir auf die Lippen, um nicht allzu breit zu grinsen, als ich den Becher zwischen uns zog. Dann drehte ich den Kopf zur Seite und sah ihn an, während ich mit den Lippen den Strohhalm umschloss und einen langen Schluck nahm.

Er räusperte sich, den Blick auf meinen Mund fixiert. Tief in meinem Bauch kitzelte mich die Erregung, und ich sagte: »Lass es mich wissen, falls du deine Meinung änderst.«

Ich drehte mich um und stolzierte zurück auf die Tanzfläche, wobei ich meine Hüften ein wenig mehr als gewöhnlich wiegte. Dieses Mal schaffte ich es allein über den Schutthaufen, auch wenn ich sehr vorsichtig sein und aufpassen musste, wohin ich meine Füße setzte. Erst als ich wieder auf der Tanzfläche stand und Tamás, den schrecklichen Küsser sah, bereute ich meinen fulminanten Abgang.

Als ich István entdeckte, stürzte ich deshalb schnurstracks auf ihn zu.

Tamás stand offiziell nicht mehr auf meiner To-do-Liste.

Ich schlang die Arme um Istváns Hals und drehte mich dann herum, sodass ich mit dem Rücken zu ihm stand. Schon ein paar Sekunden später ertappte ich mich dabei, wie meine Gedanken wieder zu meinem »Freund« an der Bar schweiften. Seine Blicke durchbohrten mich.

Juhu, er hatte eindeutig Interesse!

Ich lächelte und nahm einen Schluck von meinem Wasser.

Zeit für eine kleine Show.

Den Blick auf den geheimnisvollen Fremden gerichtet, strich ich mit der Hand über Istváns Brust. Ich schüttelte meine blonden Locken und presste mich an ihn. Ich wickelte und wand meinen Körper um ihn herum, wobei ich für mein Publikum ein wenig zusätzlichen Nachdruck in meine Bewegungen legte.

Von hier aus konnte ich sehen, wie sich seine Hand auf der Bar zur Faust ballte.

Ich schmiegte meinen Rücken an Istváns Brust und fasste mein eigentliches Ziel ins Auge. Ich ließ meine Hand über meinen Körper wandern und warf ihm ein durchtriebenes Lächeln zu.

Das würde ein Kinderspiel werden.

Eine von Istváns Händen glitt um meine Taille herum zu meinem Bauch, und ich ließ meinen Kopf nach hinten an seine Schulter sinken. Ich schloss die Augen, und meine flatternden Augenlider wurden fast zu schwer, um sie wieder zu heben. Meine Muskeln prickelten angenehm.

Da war wieder dieses Summen. Halleluja! Der Tequila zeigte seine Wirkung.

So … genauso wollte ich mich immer fühlen. Dahintreiben, nicht mehr an die Erde mit ihren Anforderungen und Problemen gebunden sein. Ich wollte aufs Meer hinaustreiben, hinaus in den Kosmos, vergessen, wer ich war.

Es war perfekt.

Aber ich wusste, wie es noch besser werden konnte. Ich schlug die Augen auf und musste blinzeln, damit nicht mehr alles verschwommen war und ich die Bar ins Auge fassen konnte.

Der geheimnisvolle Fremde war nicht mehr da.

Ich blickte zu der Wand, an der ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte, aber dort war er auch nicht. Ich suchte nach seinen breiten Schultern und seiner olivfarbenen Haut, konnte ihn aber nirgends entdecken. Er war in der Menge verschwunden und mit ihm die interessanteste Option dieses Abends.

Verdammt! Ich hatte zu sehr auf unnahbar gemacht. Ich hätte mich einfach auf ihn stürzen sollen, als ich an der Bar sein Interesse gespürt hatte.

Ich machte ein finsteres Gesicht und kämpfte gegen meine Enttäuschung an. Ich wollte mich wieder an István schmiegen, doch plötzlich fühlte sich die Hitze seiner Hände auf meinen Hüften und sein Atem an meiner Schulter weit weniger aufregend an. Ich holte tief Luft und drehte mich zu ihm um.

Er musste wohl gedacht haben, das wäre das Signal zum Weitermachen, denn er beugte sich vor, um mich zu küssen. Ich wich zurück, und seine Lippen streiften stattdessen mein Kinn.

Ich machte einen Schritt nach hinten und schüttelte den Kopf. Was war los mit mir?

Ich blickte auf den Becher Wasser, den ich noch immer in der Hand hielt, und beschloss, dass ich vielleicht einfach noch etwas zu trinken bräuchte.

Allein zu reisen war nicht einfach. Es gab zu viel Stille, zu viel Zeit, die man allein mit seinen Gedanken verbrachte. Manchmal fühlte sich das sehr nach Arbeit an. Und das Gegenmittel zu Arbeit war Spielen.

Als István und ich an der Bar angelangt waren, lächelte er und sagte: »Trink, schöne Amerikanerin.«

Klar. Vielleicht wäre es doch ganz nett gewesen, wenn er noch ein paar Worte auf Englisch gekonnt hätte.

Ich bestellte noch eine Runde Shots, und zu jedem anderen Zeitpunkt, selbst gestern, verdammt, hätte ich prickelnde Dinge mit der Zitronenscheibe und dem Salz angestellt, aber dazu war ich im Moment nicht in der Lage. Das wäre zu anstrengend.

Schon in dem Moment, als ich das Glas an den Mund setzte, wusste ich, dass es keine gute Idee war. Auf einmal hatte ich ganz viel Speichel im Mund, und mein Magen fühlte sich an, als wäre er irgendwie meinen Brustkorb hinaufgerutscht. Aber ich trank trotzdem.

Nach dieser Runde würde ich aufhören, für eine Weile eine ruhige Kugel schieben. Ich hatte das total im Griff.

Zumindest dachte ich das.

Fünf Minuten später schlug der Shot nicht nur voll bei mir ein – er überrollte mich praktisch wie ein Bulldozer, der danach wendete und mich erneut plattmachte. Als ich versuchte zu gehen, fühlte ich mich wie eine dieser schlaffen aufblasbaren Gummipuppen, die mit den Armen ruderten. Der Boden neigte sich zu mir herauf, ganz egal wie vorsichtig ich mich vorwärtsbewegte. Die Luft schien sich mit jedem Basston zu kräuseln. Neonlichter schossen durch den Raum. Die tanzenden Menschen, die schräge Einrichtung dieses Clubs und der Lärm – all das bewirkte, dass der Harlem Shake gegenüber dem Inneren meines Kopfes alt aussah.

»Ich glaube … ich glaube, ich muss mal an die Luft.«

»Tanzen?«, fragte István.

Um Himmels willen, nein! »Nicht tanzen. Ich muss nur …« Ich drängte mich durch die Menge zu dem Vorraum, durch den wir hereingekommen waren. Wie eine Flipperkugel wurde ich zwischen den hereinströmenden Menschen und den Wänden hin- und hergeworfen, bevor ich den Ausgang erreichen konnte. Ich stürzte in die kühle Nachtluft hinaus und nahm einen tiefen Atemzug frische Luft.

Das war mein Verderben.

Ich musste mich mit einer Hand am Gebäude abstützen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, und übergab mich dann heftig und ausgiebig auf die Straße. Es war so demütigend. Die Straße war ruhig, leer und immer noch nicht von Zombies befallen.

Hinter mir waren Schritte zu hören. Warme Hände hielten mein Haar nach hinten, das zu beiden Seiten meines Gesichts herunterhing.

Okay, die Straße war wohl doch nicht ganz leer.

Meine Augen hatten sich mit Tränen gefüllt, und meine Kehle war rau, als ich über die Schulter blickte und mit István oder vielleicht auch Katalin rechnete.

Stattdessen war es der Kerl, der vorhin einfach verschwunden und jetzt im denkbar schlimmsten Augenblick wieder aufgetaucht war. Und dieser Anflug eines Lächelns, den ich in seinen Augen gesehen hatte, war längst verschwunden.

Abgrund, tu dich auf!

3

Ich wollte den Mund nicht öffnen, aus Angst, wieder reihern zu müssen … vom Alkohol und weil das alles so peinlich war.

Die Welt drehte sich, doch sein Gesicht – die gerade Nase und der kantige Kiefer – stand still, fast so, als wollte das Universum, dass dieser Moment für immer in mein Gehirn eingebrannt würde.

»Alles okay bei dir?«, fragte er schroff.

Nein. Von okay war ich ganz weit entfernt (ich befand mich eher im Universum deftiger Kraftausdrücke). »Mir geht es gut.« Ich stieß mich von der Wand ab, an der ich mich abgestützt hatte, und wankte auf die Straße hinaus.

»Wohin gehst du?«

»Weg.« Einfach nur … weg.

Die Nachtluft war kühl und fühlte sich auf meiner schweißüberströmten Haut einfach toll an.

»Warte«, sagte er und kam mir hinterher.

»Echt jetzt?«

Eigentlich hätte er längst das Weite suchen sollen. Das ist doch das, was man tut, wenn sich jemand total zum Affen macht. Man schaut weg und geht einfach weiter.

Er blieb vor mir stehen, hinter ihm die Straßenlaterne, sodass sein Gesicht im Schatten lag. »Ich lasse dich nicht allein herumlaufen.«

Ach so. Er war also einer von denen.

Konnte er einen Wink mit dem Zaunpfahl nicht verstehen? Mein Kopf drehte sich, und mein Mund schmeckte nach etwas, das so widerlich war, dass ich keinen Namen dafür fand. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal wollte, dass mich ein heißer Typ in Ruhe ließ – aber anscheinend gab es für alles ein erstes Mal.

»Ich sagte doch schon, dass es mir gut geht.«

»Auch Leuten, denen es jeden Tag gut geht, passieren schlimme Dinge.«

Der geheimnisvolle Fremde war also in Wirklichkeit ein Märchenprinz mit Igelfrisur. Das sollte eigentlich nicht attraktiv sein. Normalerweise konnte ich so etwas nicht ausstehen. Doch entgegen aller Erwartungen spürte ich, wie ich schwach wurde – mein Wille löste sich langsam auf.

Ich gab den Bartstoppeln die Schuld. Dem verwegenen Look konnte ich nie widerstehen. »Hör mal, ich durchschaue diese ganze Sache mit dem Beschützerinstinkt. Typen wie du sind eben so. Und damit du mich nicht missverstehst – irgendwie ist das heiß. Aber ich brauche keinen Babysitter. Lass den Ritter in der schimmernden Rüstung also für heute Abend stecken.«

Ich fand, dass ich entschlossen und sehr erwachsen klang (aber andererseits war ich betrunken). Er verdrehte die Augen, was mir signalisierte, dass er mich nicht besonders ernst nahm.

»Und ich habe dir bereits gesagt, dass es mir egal ist, was du zu brauchen glaubst.«

»Also, was jetzt? Willst du mir hinterherlaufen, egal, ob ich das will oder nicht?«

Er schürzte die Lippen, und ich entdeckte einen Anflug von Heiterkeit in der geschwungenen Linie seines Mundes. Was für ein verlockender Mund!

»Genau das werde ich tun. Jemand muss dich nach Hause bringen.«

Nicht einmal ein mickriges Prozent von mir glaubte, dass »nach Hause bringen« etwas anderes bedeuten könnte, als das bemitleidenswerte betrunkene Mädchen in der Jugendherberge abzusetzen, damit sie sich dort in ihrer Übelkeit und ihrem Elend suhlen konnte.

Das konnte ja wohl nicht angehen, oder?

Ich machte einen Schritt von ihm weg. »Ich gehe noch nicht nach Hause. Du kannst also ruhig losreiten und dir ein anderes Burgfräulein suchen.«

Er lächelte, doch es wirkte ein wenig angespannt. Er strich sich mit der Hand über sein kurzes Haar, und ich zwang mich, noch weiter wegzugehen.

»Du bist echt ein harter Brocken«, rief er mir nach.

Das brachte wiederum mich zum Lächeln. Ich blieb stehen, drehte mich um und ging rückwärts weiter. Dann streckte ich die Arme aus und rief: »Darauf kannst du Gift nehmen.« Meine Worte hallten durch die Straße.

Wenn es ein Museum gäbe, in dem alle Leute ausgestellt wären, die »ein harter Brocken« sind, wäre ich das verdammte Hauptausstellungsstück. Ich wollte es gerade sagen, doch dann stellte sich heraus, dass rückwärtszulaufen in meinem derzeitigen Zustand nicht gerade die beste Idee war. Ich stolperte und konnte mich gerade noch abbremsen, doch mein Bauch fühlte sich an, als wäre ich trotzdem gefallen. Ich sah den Typen nicht an, weil ich wusste, dass ich wahrscheinlich doppelt so bescheuert aussah, wie ich mich fühlte, was ziemlich viel war.

Ich holte tief Luft, um mich wieder zu fangen, weil ich Angst hatte, mich wieder übergeben zu müssen.

Das Lustige an Alkohol ist: Wenn er einem gut bekommt, fühlt man sich wirklich toll. Wenn er einem nicht gut bekommt, fühlt man sich so schlecht wie nie. Nicht nur wegen der Übelkeit, sondern insgesamt. Ich mochte vielleicht ein harter Brocken sein, aber ich kannte mich selbst gut genug, um zu wissen, dass ich mit Sicherheit an einem absoluten Tiefpunkt ankommen würde, wenn ich jetzt zu meiner schmuddeligen Herbergsmatratze zurückkehren würde. Die Bettfedern würden mir in den Rücken stechen, ich würde unter durchgewetzten Decken liegen und der Schnarch-Kakofonie meiner Zimmergenossinnen lauschen.

Hinter den meisten Jugendherbergen steckt die Idee, dass man dort andere Leute kennenlernen kann, und doch sind es die einsamsten Orte der Welt. Alles daran ist flüchtig – die Gäste, die Beziehungen, das heiße Wasser. Ich fühlte mich dort wie eine Pflanze, die versucht, in Beton Wurzeln zu schlagen.

Nee. Ich sollte die Wirkung des Alkohols durch Spazierengehen lindern, bevor ich zu Hause ankam, wenn ich einen Zusammenbruch in Kinderstar-Dimension vermeiden wollte. Und dieses Mal würde ich es mit Vorwärtsgehen versuchen.

Nach wenigen Schritten war mein Begleiter an meiner Seite. Ich machte ein finsteres Gesicht und versuchte, schneller zu gehen, aber meine Stilettos ließen das nicht zu. Außerdem fürchtete ich mich davor, mit dem Gesicht voran auf dem Kopfsteinpflaster aufzuschlagen, so wie der Abend bisher gelaufen war.

Und obwohl ich es vor niemandem zugeben würde, war ich heimlich ein bisschen froh, Begleitung zu haben.

»Wie heißt du?«, fragte ich.

Er zog eine seiner dunklen Augenbrauen nach oben. »Du hast ganz schön lange gewartet, mich das zu fragen.«

Ich zuckte mit den Schultern. »Namen sind an einem Ort wie diesem nicht unbedingt das Wichtigste.« Ich deutete auf die Bar, die wir gerade verlassen hatten. »Und ehrlich gesagt, ist mir das auch völlig egal.« Das redete ich mir zumindest ein. Und ihm ebenfalls.

»Warum dann fragen? Wenn Namen nicht wichtig sind und es dir egal ist?«

»Na ja, erstens sind wir nicht mehr in besagter Bar. Zweitens folgst du mir, und ich stelle Fragen, um die Stille zu füllen, damit es nicht peinlich wird. Außerdem lenkt mich Reden von dem Gedanken ab, dass du wahrscheinlich ein Serienmörder bist und mich deshalb verfolgst.«

»Vom Ritter in schimmernder Rüstung zum Serienmörder.«

»Vielleicht hast du ja nur den netten Kerl gespielt. Und du siehst eindeutig so aus, als könntest du gefährlich werden.«

»Bist du immer so ehrlich und direkt?«

»Nicht einmal annähernd. Aus mir spricht der reine Alkohol. Er fährt meine Filterkapazitäten herunter.«

Das Lächeln war in seine Augen zurückgekehrt, und vielleicht lag es daran, dass ich betrunken war, aber der Kerl ergab absolut keinen Sinn. Das hätte mich beunruhigen sollen. Vielleicht stimmte tatsächlich etwas nicht mit ihm. Aber im Moment hatte mein Gehirn alle Hände voll zu tun, dafür zu sorgen, dass ich mich aufrecht hielt und atmete.

»Ich verrate dir meinen Namen, wenn du mir etwas von dir erzählst«, sagte er.

»Was denn zum Beispiel? Meine Pin-Nummer?«

»Ganz egal, was. Noch etwas Ehrliches.«

Anscheinend konnte ich nicht mehr in einer geraden Linie gehen. Mein Weg schien seinen zu kreuzen. Wahrscheinlich weil ich betrunken war. Oder seine Muskeln waren magnetisch. Beides vollkommen plausible Möglichkeiten. Mein Arm streifte seinen, und das Gefühl stieg mir sofort zu Kopf, elektrisch und schwindelerregend, deshalb sagte ich das Erste, was mir einfiel. »Ganz ehrlich? Ich bin müde

Er lachte kurz auf. »Das liegt daran, dass bald die Sonne aufgeht.«

»Nicht auf diese Art müde.«

»Auf welche Art dann?«

»Die abgrundtiefe Art. Die Art von müde, die nicht durch Schlaf kuriert werden kann. Einfach müde vom … Dasein.«

Er schwieg für ein, zwei, drei Schritte. Dann wurde er langsamer, und ich fühlte, wie er mich anblickte. Ich bemühte mich, ihn aus den Augenwinkeln anzusehen. »Das merkt man dir nicht an«, sagte er.

»Ich lasse mir nicht gerade viel anmerken.«

Drei weitere Schritte in Schweigen.

»Das ist bestimmt auch sehr ermüdend«, sagte er.

Warum erzählte ich ihm diesen ganzen Quatsch?

Ich blickte zu ihm hinüber. Meine Stilettos waren offenbar nur sicher, wenn ich sie im Auge behielt, denn sie rutschten zwischen zwei Steine auf der Straße. Zum zweiten Mal an diesem Abend verdrehte sich mein Knöchel, und ich taumelte seitwärts. Ich streckte die Hand nach seiner Schulter aus, um das Gleichgewicht wiederzuerlangen, aber ich fiel von ihm weg und war zu langsam. Glücklicherweise war er schneller. Er drehte sich und packte mit einer Hand meinen Ellbogen, während er die andere um meine Taille legte. Er zog mich in eine aufrechte Position, und ich spürte, wie eine hartnäckige Röte meinen Hals hinaufkroch. Ich hatte kein Problem damit, die alberne Blondine zu spielen, aber es missfiel mir, dass ich diesen Stereotyp momentan unabsichtlich erfüllte.

»Wie geht es deinen Backen?«, fragte er.

Ich blinzelte und war mir seiner Hand auf meiner Taille und der kräftigen Finger, die ohne Weiteres auf meinem Körper nach unten wandern konnten, überdeutlich bewusst. Allein diese Idee brachte mein Herz zum Rasen, sodass meine Gedanken kaum nachkamen.

»Spürst du sie noch?«, fügte er hinzu.

Ach, diese Backen. Enttäuschung brachte die sehnsuchtsvolle Flamme in mir zum Erlöschen.

Die Hand, die meinen Ellbogen festhielt, wanderte nach oben und strich mir wie zur Erinnerung über die Wange. Und die Flamme loderte erneut auf.

»Sie, ähm«, ich schluckte, »fühlen sich nur ein bisschen schwer an, sonst nichts.«

Sein Blick fixierte mich ein paar Sekunden lang. Hinter diesem Starren verbarg sich so vieles, mehr als es bei einem Kerl, den ich erst heute Abend kennengelernt hatte, sein sollte (wenn vor seinen Augen zu reihern als kennenlernen zählte – seinen Namen hatte ich ja immer noch nicht herausbekommen).

Er richtete mich auf, dann verließen seine warmen Hände meine Haut.

Ich widerstand dem Bedürfnis, ihn wieder zu mir zu ziehen, und sagte: »Jetzt du.«

»Meinen Backen geht es gut.«

Ich lächelte. »Ich meinte deinen Namen.«

Er nickte und ging weiter. Ich folgte ihm, wobei ich jetzt mehr darauf achtete, wohin ich meine Füße setzte.

»Die meisten Leute nennen mich Hunt.«

Ich machte ein paar schnelle Schritte, um ihn einzuholen.

»Soll ich dich auch so nennen? Bin ich ›die meisten Leute‹?«

Er schob die Fäuste in seine Taschen, seine Schritte wurden noch länger. Er blickte sich kurz zu mir um, bevor er sich wieder auf die schmale gepflasterte Straße vor uns konzentrierte.

»Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was du bist.«

Was sollte das denn wieder heißen? Er wusste nicht, was für eine Art von Mädchen ich war? Denn dann würde ich ihm klipp und klar sagen, was für eine Art von Mädchen ich war.

Nach der Haltung seiner Schultern zu urteilen und der Tatsache, dass er mich kaum ansah, nahm ich an, dass er auf etwas Ernsteres hinauswollte.

Ich wusste nicht, was ich antworten sollte, deshalb versuchte ich es erst gar nicht. Ich hatte schon genug von mir preisgegeben.

Wir gingen nebeneinanderher. Eigentlich wusste ich nicht, wohin wir gingen; er schwieg und folgte mir, wenn ich an beliebigen Stellen abbog. Ich ließ meine Gedanken von der gewichtigen gotischen Architektur zu meinem nächsten Reiseziel, zu meinem Zuhause und dann wieder zu dem Mann neben mir schweifen.

Hunt.

Was für ein Name war das denn? Klang irgendwie nach Raubtier.

Ich sollte wirklich Angst haben – immerhin lief ich mit einem vollkommen Fremden in einer dunklen, unbekannten Stadt herum. Aber ich sollte so vieles – und tat es doch nicht. Und wenn ich zu ihm hinüberblickte, konnte ich nicht ein Fünkchen von der in einer solchen Situation angebrachten Angst aufbringen. Dad hatte mir immer vorgeworfen, eine Art Todessehnsucht zu haben. Vielleicht hatte er ja recht.

Am Himmel machte sich ein heller Streifen breit, und wir traten aus einer engen Straße hinaus ins Freie. Ein gewundener Fluss teilte die Stadt in zwei Teile, und darüber ging die Sonne auf.

Es gab viel zu viel zu sehen, und ich blieb stehen, um alles in mich aufzunehmen. Der Himmel verfärbte sich rosa und violett, der Fluss glitzerte in weichem Gold. Ich konnte mich nicht mehr an seinen Namen erinnern, aber es war derselbe Fluss, der nur ein oder zwei Blocks von meiner Jugendherberge entfernt lag. Obwohl ich willkürlich umhergewandert war, waren wir mittlerweile ziemlich nahe an meiner Unterkunft.

Ich schluckte, weil mich die Vorstellung, in die triste Herberge zurückzukehren, immer noch nervös machte. Anstatt in Richtung Bett zu gehen, zeigte ich deshalb Richtung Norden. »Ein Stückchen in diese Richtung ist ein Club, der bis sechs aufhat.«

Er sah mich streng an. »Ich finde, du hast für heute genug gefeiert.«

Das Urteil in seinem Tonfall war mir unangenehm, vor allem weil ich wusste, dass er recht hatte. Wenn auch nur noch ein weiterer Tropfen Alkohol über meine Lippen käme, würde ich mich sofort wieder übergeben müssen.

Aber in meinem Hinterkopf war dieses Summen, das mir sagte, dass ich etwas unternehmen musste. Es war immer sicherer, etwas zu tun, anstatt nachzudenken. Ich wandte mich von Hunt ab und rannte auf der Straße in Richtung Flussufer.

»Wohin gehst du?«, rief Hunt mir nach.

Ich drehte mich um, ging wieder rückwärts und sagte: »Ich habe absolut keine Ahnung.« Ich zuckte mit den Schultern und hob meine Mundwinkel zu einem Lächeln.

Da kam er auf die Straße geschossen und packte mich am Ellbogen. Mit einem kräftigen Ruck drehte er mich um und zog mich auf den Gehweg auf der anderen Seite der Straße.

»Bist du verrückt geworden? Lauf nie wieder auf eine verdammte Straße, ohne zu schauen, wo du hingehst!«

Ich entzog meinen Ellbogen seinem Griff und trat einen Schritt von ihm weg. »Mach dich mal locker. Alles okay. So früh am Morgen ist sowieso kein Mensch auf der Straße.«

Da belehrte mich das Universum eines Besseren. Ein Sportwagen preschte vorbei, so schnell, dass uns eine Windböe erfasste. Hunt sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. Sein Kiefer war vor Wut zusammengepresst, und ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich ihn lieber von mir stoßen oder meine Lippen auf seine pressen wollte.

»Sag es nicht«, sagte ich und wandte mich ab, bevor er »Hab ich’s dir nicht gesagt?« sagen konnte. »Ich bin ein harter Brocken. Schon kapiert.«

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