Logo weiterlesen.de
Finden, fördern, freisetzen

Stefan Vatter

Finden, fördern, freisetzen

Wirksam führen – die Wiederentdeckung des apostolischen Dienstes

Zu diesem Buch

Sie sind Gottes weise Strategen und kühne Eroberer. Loyale Radikale, die Kirchengemeinden fördern und freisetzen, ihre himmlische Leuchtkraft und göttliche Salzwirkung zu entfalten. Um sein Reich zu etablieren, setzen sie ihr Leben aufs Spiel: die Apostel. Doch es ist still geworden um apostolisch begabte Männer und Frauen. Der fünffältige Dienst (Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer) ist zum einfältigen Dienst verkümmert.

Stefan Vatter ist überzeugt: Wir müssen den apostolischen Dienst neu entdecken! Wir brauchen Männer und Frauen, die ihre apostolische Begabung und Berufung von Gott begreifen und annehmen. Dieses Buch greift das Phänomen apostolischer Wirksamkeit auf. Es beschreibt, was die Bibel darüber lehrt, was den Dienst der Apostel durch die Jahrhunderte auszeichnete und was sie der Gemeinde und Gesellschaft zu bringen haben.

Ein Buch für alle, die verstehen und erleben wollen, wie Gott seine Gemeinde baut und unsere Gesellschaft wirksam mit dem Evangelium durchdringt.

Über den Autor

Stefan Vatter, geboren 1965, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, war nach seinem Studium der Theologie 20 Jahre Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Kempten. Heute berät er international Kirchengemeinden, Organisationen und Unternehmen und ist als Autor und Redner bei Seminaren und Konferenzen tätig. Außerdem ist er u. a. Vorsitzender der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung (GGE) im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden

Wenn Sie in Bezug auf den apostolischen Dienst interessiert sind …

  • mehr zu erfahren,

  • selbst zugerüstet zu werden,

  • Gemeindeberatung oder Seminare in Anspruch zu nehmen,

  • mit anderen Bewegungen diesbezüglich in Verbindung zu treten,

dann können Sie sich gerne an den Autor wenden, um weitere Informationen zu erhalten:

sv@stefanvatter.de

www.stefanvatter.de

Für Kirsten, Sarah und Rebekka

Mein besonderer Dank gilt …

■ meiner Mutter Ruth und meinem Vater Dieter, die immer an mich geglaubt haben

■ den zahlreichen Kollegen, Freunden und Weggefährten des Glaubens, die mir wertvolle Impulse und Rückmeldungen für dieses Buch gaben

■ Horst Stricker und der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Kempten, in der ich seit über 20 Jahren mitwirken darf – wir haben gemeinsam in dieser Zeit so viel mit Gott erlebt

■ dem hervorragenden Team der Geistlichen-Gemeinde-Erneuerung; es ist eine große Freude, gemeinsam in Deutschland für den Höchsten unterwegs zu sein

■ in besonderer Weise meiner geliebten Frau Kirsten und meinen beiden Töchtern Sarah und Rebekka, die mir ein Vorgeschmack des Himmels auf Erden sind. Ihr habt mich genial dabei unterstützt, dieses Buch zu schreiben.

Stimmen zu diesem Buch

»Ein solcher Beitrag über den Dienst des Apostels war längst überfällig … Stefan Vatter stellt nicht nur Erfahrungen zusammen, die er als Gemeindepastor und in apostolischer Verantwortung sammeln konnte, sondern er zeigt das weite biblische Spektrum zum Thema auf. Das Buch ist anschaulich und gut strukturiert verfasst. Ich teile voll und ganz das Anliegen des Autors, dass die Neuentdeckung und eine gesunde Praxis des apostolischen Dienstes für einen umfassenden geistlichen Aufbruch in unserem Land unerlässlich ist.«

Dr. Heinrich Christian Rust, Hauptpastor der Braunschweiger Friedenskirche

»Hier schreibt ein Praktiker, dem die biblische Wahrheit lieb und teuer ist und der in seiner Gemeindearbeit konsequent auf Mission, Evangelisation und Wachstum gesetzt hat.«

Prof. Dr. Johannes Reimer, Professor für Missiologie

»Ein wertvoller Beitrag aus der Praxis für die Praxis. Die geballte Information wird dem Leser das Verständnis über das treue Sorgen Christi für seine Gemeinde öffnen, das Herz mit aktuellen Erwartungen weiten und dankbaren Respekt gegenüber solchen Dienstbegabten schüren. Uns bleibt dann noch das Gebet, damit der Herr Jesus auch solche Dienstbegabten weiter und reichlicher in den Dienst für Gemeinde und Menschen stellt.«

Ingolf Ellßel, Vorstand der Weltpfingstbewegung

»Man fragt sich beim Lesen unwillkürlich, warum ein solches Buch über den apostolischen Dienst nicht schon viel früher erschienen ist. Wenn die Gemeinde ›auf der Grundlage der Apostel und Propheten aufgebaut ist, wobei Christus der Eckstein ist‹ (Eph 2,20), dann ist es lebenswichtig, diesen Dienst zu kennen.«

Dr. Horst Afflerbach, Leiter der Theologischen Akademie Wiedenest

»Ich freue mich sehr, dass es jetzt in Deutschland ein umfangreiches Buch über den Dienst des Apostels gibt. Ich wünsche jedem Leser viele inspirierende Erfahrungen beim Studium der spannenden Lektüre und erhoffe mir, dass das Buch eine weite Verbreitung findet.«

Peter Wenz, Senior Pastor des Gospel Forum in Stuttgart

»Gediegene Auseinandersetzungen mit dem Apostelbegriff und Apostelamt sind, wenn sie gleichermaßen theologisch fundiert sein sollen, aber auch für den Leser verständlich und aufbauend, ausgesprochen rar. Stefan Vatter ist es gelungen, ein solches Buch zu schreiben.«

Dr. Wolfhard Margies, Senior Pastor der »Gemeinde auf dem Weg«, Berlin

»Apostelamt, Apostolizität und Apostolat: hoch belastete Streitthemen jahrhundertelanger konfessioneller Auseinandersetzungen! Jenseits der hoch kontroversen theologischen Diskussion um Ämter und Kirchenverfassungen richtet dieses Buch sein Augenmerk auf das biblische Herzensanliegen dahinter. Es geht um eine Wiederentdeckung des apostolischen Grundcharakters des christlichen Lebens. Und um die Positionierung und Befähigung jener, die aus ihr heraus gründend und gestaltend Verantwortung übernehmen. Ein dringendes Anliegen, dem in diesem leidenschaftlichen Buch mit großer Praxisnähe und Erfahrung Rechnung getragen wird.«

Dr. Johannes Hartl, Leiter des Gebetshauses Augsburg

»Das Buch ist aus einer zwanzigjährigen Praxis heraus mit biblischer und theologischer Kompetenz geschrieben. Dieses Buch ist zum Standardwerk über den apostolischen Dienst für unsere Zeit geworden. Ich empfehle es Leitern und Leiterinnen in Verantwortung zur Inspiration, wie auch jüngeren Christen, die nach Gottes Ruf für ihr Leben suchen. Es wird Orientierung zum Leben und Arbeiten in Gemeinde und Gesellschaft geben, damit eine Entwicklung über den Status quo hinaus geschieht.«

Keith Warrington, Jugend mit einer Mission

»Menschen, die Gemeinden und (Frei-)Kirchen geistesgegenwärtig führen und leiten, Mitarbeiter gewinnen und motivieren, Perspektiven in einem großen Gottvertrauen entwickeln und überzeugend gestalten, sind selten. ›Apostolische Väter‹ nennt Stefan Vatter sie in diesem kenntnisreichen und darum lesenswerten Buch. Menschen, die aufgrund ihrer charakterlichen Eigenschaften und geistlichen Begabungen in der Lage sind, die unterschiedlichen Berufungen Einzelner in einer Gemeinde oder in einem Gemeindebund zusammenzuführen. Stefan Vatter entfaltet das alles theologisch, dankenswerter Weise sehr praktisch-theologisch, als den apostolischen Dienst.«

Christoph Stiba, Generalsekretär im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden

»Stefan Vatter legt mit dem Band eine sorgfältige biblische und praktische Reflexion zur Frage des apostolischen Dienstes vor, die ihresgleichen sucht. Und dieser Dienst ist unverzichtbar für eine Kirche, die durch Jesus Christus zur ›Hoffnung der Welt‹ werden will. Sie braucht Apostel, die als geistliche ›Architekten‹, Förderer und Freisetzer die eigentliche Berufung der Ortsgemeinde für diese Generation neu ergreift. Finden, fördern, freisetzen leistet einen unverzichtbaren und lange überfälligen Beitrag dazu.«

Lothar Krauss, Vorstandsmitglied Willow Creek Deutschland

»Wie ein Altbau, der nach einer frischen Sanierung in einem neuen Glanz erscheint und die Blicke der Passanten auf sich zieht, erstrahlt diese zweite Auflage. Das Buch ist nach der Überarbeitung der Hammer geworden. In der Bibel verwurzelte Werte und Prinzipien zum apostolischen Dienst werden durch den Autor in filigraner Sprache herausgearbeitet und zu neuer Schönheit und Verständlichkeit erweckt. Ein Buch mit hoher Aktualität und Praxisnähe.«

Stefan Hänsch, Leitender Pastor ICF Berlin

»Ein lebendiges und kluges Buch. Eine Lektüre, die Kopf und Herz ergreift. Diese sorgfältige biblische Grundlegung hat Seltenheitswert. … Nicht nur der ›fünffältige Dienst‹ im Allgemeinen, sondern der Dienst der Apostel im Besonderen wird hier kenntnisreich auf biblischem Niveau aktualisiert. Wertvolle sprachliche, theologische und kirchengeschichtliche Abklärungen beseitigen den Nebel, der dieses Thema bis heute unscharf und nebensächlich erscheinen lässt. Nicht zuletzt bietet das Buch viele hilfreiche praktische Anregungen. Eine wahre Fundgrube für Zukunftsperspektiven.«

Horst Stricker, Pastor i. R. in Kempten

Inhaltsverzeichnis

Zu diesem Buch

Über den Autor

Impressum

Stimmen zu diesem Buch

Vorwort zur zweiten Auflage

Einführung: Aus den Nebelbänken in die Sonne treten

1. Der Ursprung des apostolischen Dienstes

1.1 Der Apostel – eine Begriffsklärung

A. Der Flottenkommandant in der Antike

B. Der Bote Gottes im Judentum

C. Der bevollmächtigte Gesandte im Neuen Testament

D. Erste Definition eines Apostels und seines Dienstes

1.2 Gott als apostolische Trinität

A. Gott, der Vater – die apostolische Initiative

B. Gott, der Sohn – die apostolische Berufung

C. Gott, der Heilige Geist – die apostolische Bevollmächtigung

D. Der apostolische Dienst als trinitarisches Wirken

E. Finden, fördern, freisetzen als trinitarisches Wirken

1.3 Apostel im Neuen Testament

A. Jesus, der Apostel

B. Die zwölf Urapostel

C. Weitere Apostel zur Zeit des Neuen Testamentes

D. Die Vielfalt neutestamentlicher Apostel

E. Frauen im apostolischen Dienst?

1.4 Apostel in der Kirchengeschichte

A. Apostel nach den Aposteln des Neuen Testamentes

B. Apostolische Sukzession (Nachfolge)

C. Bekannte Apostel der Kirchengeschichte

D. Beispiel einer apostolischen Bewegung des Frühmittelalters (Iroschotten) Die apostolische Missionsstrategie iroschottischer Mönche

E. Apostel zur Zeit der Reformation

Exkurs: Das apostolische Charisma aus katholischer und evangelischer Sicht

F. Apostolische Bewegungen neuerer Zeit

2. Wesen und Kennzeichen eines Apostels

2.1 Apostel und Charisma

A. Ohne Charisma keine Wirksamkeit

B. Charisma als göttliche Wirkungskraft

C. Charisma und Charakter

2.2 Der Charakter eines Apostels

A. Der Apostel als Diener

B. Die Herzenshaltung der Demut

C. Die Charakterschulung der Geduld

D. Charakterkriterien für Apostel

2.3 Anforderungen an apostolisch Berufene

A. Berufung als heilige Beschlagnahmung

B. Im Spannungsfeld von Herrlichkeit und Leid

C. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit

2.4 Kennzeichen echter Apostel

A. Gesunde Gemeinden als Frucht eines Apostels

B. Übernatürliche Zeichenwirkung eines Apostels

C. Apostel als geistliche Förderväter

Exkurs: Merkmale apostolischer Vaterschaft – Dr. Wolfhard Margies

2.5 Kennzeichen falscher Apostel und der Umgang mit ihnen

A. Mit Weisheit prüfen

B. Falsche Apostel erkennen

C. Umgang mit falschen Aposteln

3. Apostolisches Wirken in Reich Gottes, Gemeinde und Welt

3.1 Apostolisches Wirken und das Reich Gottes

A. Jesus Christus und das Reich Gottes

B. Apostel und das Reich Gottes

C. Apostolischer Reich-Gottes-Horizont in der Gemeinde

D. Apostel und die Vollendung des Reiches Gottes

3.2 Apostolisches Wirken in der Gemeinde

A. Apostel als weise und strategische Baumeister

B. Apostolische Baukunst in Stabilität und Dynamik

C. Apostel pflanzen und begießen

3.3 Apostolisches Wirken in der Welt

A. Apostel helfen Gemeinden, die im Eimer sind

B. Apostel verbinden Alltags-Welt und Gemeinde-Welt

C. Apostolische Daniels für Verantwortungsträger unserer Zeit

D. Apostolische Gebete für die Welt

Exkurs: Initiative Gebet – »Suchet der Stadt Bestes und betet für sie«

3.4 Apostolische Proklamation in Welt und Gemeinde

A. Verkündigung als Proklamation

B. Apostel scheuen die Konfrontation nicht

C. Apostel sind keine Harmoniebeauftragten

Exkurs: Die apostolische Flotte – ein Beispiel apostolischer Predigtauslegung

4. Der Apostel im Team

4.1 Miteinander von Aposteln und Gemeindeleitung

A. Wer ist wer im Zoo?

B. Gemeindliche Einbindung eines Apostels

C. Apostolische Einbindung eines Apostels

D. Glorreiche Apostel, armselige Gemeindeleitung?

E. Apostolische Hilfe für Gemeindeleitungen

F. Gemeinsames Wirken in der Gemeinde

Exkurs: Gemeinde – demokratisch oder direktiv?

4.2 Der Apostel im fünffältigen Dienst-Team (A-HELP)

Akronym: A-HELP

A. Die fünf Dienstgaben stellen sich vor

B. Das Epheser-4-Team

C. Wirkkraft des fünffältigen Dienstes

D. A-HELP auch für die Welt

E. Freisetzung und Vervielfältigung

F. Eine göttliche Zumutung

G. Aufgabe des Apostels im fünffältigen Dienst

H. Kurztests: Selbst- und Fremdeinschätzung

I. Eine himmlische Gemeindearchitektur

5. Wege zu einer apostolisch geprägten Gemeinde

5.1 Finden, fördern und freisetzen der apostolischen Gabe

A. Wie apostolisch ist unsere Gemeinde?

B. Schritte zu einer Gemeinde mit apostolischem Charisma

C. Wie vollzieht sich eine apostolische Berufung?

D. Wie erkenne ich eine apostolische Begabung?

E. Apostolische Begabungen unter den Generationen

F. Hindernisse überwinden – Zeit zum Auftauchen?

G. Kein Öl im Motor der Gemeinde?

5.2 Apostolische Gemeindeentwicklung

A. Aufgabenfelder einer apostolischen Gemeindeentwicklung

B. Förderung in Liebe und Wahrheit

C. Worauf schauen wir – Illusion oder Vision?

D. Gemeinde – wozu?

E. Das höchste Ziel apostolischer Gemeinden

F. Kraftquellen apostolischen Gemeindelebens

Exkurs: Warum unsere Gemeinde wächst

5.3 Gelebter apostolisch-fünffältiger Gemeindebau

A. Fünffältig - aber in aller Einheit (Dr. Heinrich Christian Rust)

B. Fünffältiger Dienst in Brüdergemeinden (Dr. Gerd Goldmann)

C. Die Praxis des fünffältigen Dienstes in einer lokalen Gemeinde (Peter Wenz)

Ausblick

Finden, fördern, freisetzen

Voller Segen oder homöopathischer Streifschuss?

Abbildungsnachweis

Literaturverzeichnis

Training zur Förderung des apostolischen und des fünffältigen Dienstes

Mehr von Stefan Vatter

Mehr aus dem Neufeld Verlag

Über den Verlag

Vorwort zur zweiten Auflage

Als ich vor drei Jahren begann, das Buch Finden, fördern, freisetzen zu schreiben, habe ich nicht mit solch einer breiten Resonanz gerechnet. Vielen Dank für die zahlreichen Rückmeldungen und Anregungen, die in dieser zweiten Auflage mit berücksichtigt worden sind! Sie halten in Ihren Händen eine sehr stark erweiterte Auflage mit über 100 zusätzlichen Seiten und zahlreichen neuen Grafiken. Es ist mir ein Vorrecht, dass erfahrene geistliche Persönlichkeiten aus unterschiedlichen konfessionellen Richtungen wertvolle Umsetzungsbeispiele und Anregungen für diese Neuauflage mit eingebracht haben. Darüber hinaus finden Sie nun auch mehrere Kurztests bezüglich des apostolischen, wie auch des fünffältigen Dienstes, für sich selbst oder Leitungskreise. Deutlich erweitert wurde auch der Teil des apostolischen Wirkens in den Lebensfeldern der Gesellschaft, wie beispielsweise der Berufswelt oder unter Führungskräften.

Dass wir in Zeiten massiver Umbrüche leben, ist kein Geheimnis. Als Christen müssen wir uns neu orten und ausrichten. Die gute Nachricht ist: Gott hat weder die Welt, noch unser Land aufgegeben. Ganz im Gegenteil: Er hat etwas vor. Er befähigt und begabt Männer und Frauen. Ein Teil seiner gnadenvollen Zuwendung äußert sich im Geschenk apostolischer Befähigungen, denen wir in diesem Buch nachspüren werden. Die Gesellschaft verändert sich entweder mit oder ohne uns. Apostel sind dazu berufen, der Gemeinde zu helfen, aus dem »ohne uns« ein »mit uns« zu machen. Es ist in den unterschiedlichsten konfessionellen Ausrichtungen angekommen: Kirche mit Zukunft und gesellschaftlicher Wirkung braucht Leiter mit apostolischem Profil. Dieses Buch geht der apostolischen Leiterbegabung nach und versucht das hinter der apostolischen Gabe stehende Phänomen aufzugreifen, darzustellen und fruchtbar zu machen.

Ein persönliches Wort an den Leser

Ich lade Sie ein, auf das zu blicken, was Gott gegenwärtig unter uns tut. Entdecken Sie, wo Gottes Herrlichkeit wirkt. Lassen Sie sich nicht von den Wirren unserer Zeit gefangen nehmen. Freuen Sie sich an den Taten Gottes und lassen Sie Ihr Herz und Ihre Seele fröhlich sein. Das gefällt Gott und ehrt ihn. Ein Teil seines Wirkens kommt in diesem Buch zur Sprache. Gott hat begonnen, zu Männern und Frauen unterschiedlichen Alters, sozialer Herkunft und konfessioneller Prägung über das Wesen, den Charakter und die Wirkung des apostolischen Dienstes zu sprechen. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Dieses Buch ist eine Art Materialisierung, des über Jahrhunderte verschollenen oder konfus gefüllten Begriffs des Apostels in seiner biblisch bevollmächtigten Wirkung. Unabhängig davon, wie Ihre Gabe und Berufung gelagert ist, kann dieses Buch Sie inspirieren, das Land Ihrer Berufung zu konkretisieren und einzunehmen. Wenn Gott Sie zu einem apostolischen Dienst berufen haben sollte, können Sie nur kraftvoll darin wirken, wenn Sie sich dafür entscheiden, diesen Dienst auch kennen zu lernen und in diesen hineinzuwachsen. Auch eine Gabe, die vom Himmel kommt, muss auf Erden wachsen. Gott sieht in Ihnen all die Möglichkeiten, die Sie noch nicht sehen können. Sagen Sie nicht: »Ich bin zu jung« oder »Ich bin zu alt« oder »Ich bin zu unbegabt« oder »Ich bin zu beschäftigt«. Er liebt es, ganz normale Menschen zu gebrauchen. Er ist es, der uns immer wieder findet, fördert und freisetzt. Lassen Sie sich nicht abhalten aufzustehen und all das zu tun, wozu Sie berufen sind. Haben Sie den Mut der zu sein, den Gott in Ihnen vorgesehen hat. Sie sind seine Spezialität.

Stefan Vatter

Kempten, Oktober 2016

Einführung: Aus den Nebelbänken in die Sonne treten

Als geistliche Architekten und kühne Strategen waren sie unterwegs. Sie veränderten die Grundfesten der Welt und starben für ihre Überzeugungen. Sie schrieben das einflussreichste und meist gedruckte Buch der gesamten Menschheitsgeschichte. Ohne sie würde es kein Neues Testament und keine Kirchen geben. Sie erschütterten die Grundfesten ihrer Zeit. Einst machten sie die frühe Kirche zu einer Mobilisierungsbewegung des Evangeliums für die ganze Welt. Sie hatten einen einzigartigen Auftraggeber mit einem einzigartigen Auftrag. Jesus nannte sie: Apostel!

Durch die Entwicklung der Kirchengeschichte hindurch scheinen sie verschwunden zu sein. Sie spielen in der kirchlichen Wirklichkeit heute keine Rolle mehr. Die Kirche wurde zur apostelfreien Zone. Wo sind sie geblieben? Braucht die Kirche sie nicht mehr? Kann es sein, dass der Kirche ihre Apostel geraubt wurden? Ist ihre Botschaft möglicherweise zu explosiv? Selbst viele Christen sind ratlos, wenn sie erklären sollen, was Apostel eigentlich sind.

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie das Wort Apostel hören? Welches Bild taucht vor Ihrem inneren Auge auf? Ich sitze vor meinem Computer, gebe im Suchprogramm Apostel ein und erhalte über 5 700 000 Treffer – das englische apostle zeigt mehr als 28 100 000 Treffer an.1 Ich frage mich:

■ Was sind Apostel?

■ Wozu brauchen wir sie?

■ Sieht Gott heute noch Apostel vor?

■ Wenn ja, welche Rolle spielen sie in unserer Zeit?

■ Wie wirken sie?

■ Bin ich ein Apostel?

Vor einigen Jahren war ich bei meinen Eltern in Freiburg im Breisgau zu Besuch. Ganz Freiburg lag unter einer zähen und dichten Wolkendecke, während der Wetterbericht oberhalb von 800 Metern strahlenden Sonnenschein verkündete. Ich bin in Freiburg aufgewachsen und kenne diese Wetterlagen, und doch erstaunt es mich immer wieder, welche Wirkung dichter Nebel auf mich hat. Ich zweifle, ob auf den Bergen die Sonne wirklich strahlend, ganz ohne Wolken scheint, während ich unten im Tal keine 50 Meter weit sehen kann. Etwas ungläubig setzte ich mich ins Auto, um auf einen nahe gelegenen Berg zu fahren. Während des Fahrens beschleicht mich ein dumpfes Empfinden, die Höhe des Berges könnte nicht ausreichen, um mich aus der Nebelbank hinauszuführen. Dann wird es plötzlich heller, und auf einen Schlag bin ich wie in einer anderen Welt. Wie gut, dass ich mich auf den Weg gemacht habe, so denke ich, und genieße den weiten Ausblick und die Wärme der Sonnenstrahlen.

Bildlich gesprochen möchte ich Sie in diesem Buch auf eine Bergtour mitnehmen. Raus aus dem Nebel, der auf dem apostolischen Dienst liegt, und hinauf auf den Berg mit wärmendem Sonnenlicht und weiter Perspektive. Erfahren Sie die befreiende Wirkung des apostolischen Dienstes! Entdecken Sie Sinn, Zweck und Ziel dieses Dienstes für Ihr persönliches Leben, für die Gemeinde Jesu, für das Reich Gottes und für die Welt.

Apostolischer Dienst im Nebel

Ein evangelischer Pastor schrieb mir vor kurzem: »In unserem Kirchenkontext ist der apostolische Dienst nicht nur vernebelt, sondern regelrecht vermint.« Über dem Dienst des Apostels liegt ein nebliger Schleier, eine Art Tabu. Viele halten ihn für eine historisch begrenzte und heute nicht mehr relevante Erscheinung. Der Dienst eines Apostels ist im wahrsten Sinne des Wortes schleierhaft.

»Wenn irgendjemand in unserer heutigen Zeit den Titel ›Apostel‹ für sich beansprucht, zieht er im selben Moment den Verdacht auf sich, von unangemessenem Stolz und dem Wunsch nach eigener Anerkennung angetrieben zu sein und von einem übereifrigen Ehrgeiz und dem Wunsch nach deutlich mehr Autorität in der Gemeinde erfasst zu sein, als eine Person rechtens besitzen sollte.«2

Unter der Bezeichnung Apostel oder apostolischer Dienst hat sich in den letzten Jahrzehnten manches Skurrile gesammelt. Der über Jahrhunderte fast in Vergessenheit geratene apostolische Dienst wurde nun überhöht und seine Wiederentdeckung, beispielsweise als Schlüssel großer Erweckungen oder besonderer Autorität und Machtfülle, dargestellt.3 Es gab immer wieder den Anschein, es gehe beim Dienst des Apostels mehr um Macht und Ansehen, als um ein segensreiches Wirken für Kirche und Welt. Auch aus der frühen Kirchengeschichte haben wir Hypotheken, die uns den Blick für einen apostolischen Dienst trüben. Zum Einen wurde mancherorts zwischen der besonderen apostolischen Berufung, wie sie die zwölf von Jesus eingesetzten Apostel besaßen, und dem folgenden apostolischen Dienst des Neuen Testamentes eine scharfe Trennlinie gezogen. Dies führte zu der Ansicht, der apostolische Dienst hätte mit den zwölf Aposteln aufgehört zu existieren. Zum Anderen führte die Vorstellung einer apostolischen Sukzession (Nachfolge) zu umfangreichen Kontroversen. Ab dem 16. Jahrhundert entwickelte sich dann noch die Lehre, dass der Dienst von Aposteln ausschließlich für das Zeitalter des Neuen Testamentes bestimmt gewesen sei. Derartige Denkweisen, Kontroversen und Lehren umhüllen den apostolischen Dienst mit zusätzlichen Nebelschwaden.

Freilich gab es in der jüngeren Kirchengeschichte immer wieder Ansätze, das apostolische Mandat neu aufzunehmen. Man denke nur an die apostolischen Gemeinschaften und Kirchen, die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Die theologische Diskussion und Auseinandersetzung wurde aufgrund des kirchengeschichtlich verdrehten Verständnisses erst in letzter Zeit aufgenommen. Die evangelischen Kirchen, Freikirchen und charismatisch-pfingstlichen Gemeinden orientierten sich eher an einem Leitungsprofil, welches sich auf das Lehramt und das seelsorgerliche Hirtenamt (Pastor) konzentrierte und allenfalls noch von Evangelisten oder auch ansatzweise von Propheten sprach. Das Apostelamt blieb auf die ersten zwölf Apostel beschränkt oder wurde höchstens noch als ein überregionaler Leitungsdienst charakterisiert. Dieses Buch durchbricht diese protestantisch gebotene Zurückhaltung und greift das Thema entschlossen auf. Hier sollen nicht Einzelfragen und detaillierte Auseinandersetzungen um kirchengeschichtliche Entwicklungen beziehungsweise Fehlentwicklungen skizziert werden, sondern Ursprung, Wesen und Wirksamkeit der apostolischen Gabe.

Dunstwolke: Wortverwirrung

Wir benötigen eine zuverlässige Grundlage, die uns vor Extremen bewahrt, diesen Dienst aus Unkenntnis heraus abzulehnen, ihn institutionell zu okkupieren oder mit einer übertriebenen Autorität zu überhöhen. Es wäre fatal, aufgrund irreführender Vorstellungen über den apostolischen Dienst, den Segen echten apostolischen Wirkens zu verleugnen oder diesen durch den Begriff Missionar zu relativieren. Apostel kann mit Gesandter oder dem lateinischen Begriff Missionar wiedergegeben werden. Dies darf aber nicht dazu führen, den Missionar mit dem Apostel gleichzusetzen. Wenn jemand als Missionar beispielsweise in ein Entwicklungsland geht, um dort Hilfsdienste zu leisten, ist das sehr wertvoll, aber nicht zwangsläufig ein apostolischer Dienst. Dies ist nicht wertend zu verstehen. Vielmehr geht es darum, unterschiedliche Dienste nicht mit der gleichen Begrifflichkeit zu benennen. Ein Missionar kann, muss aber nicht ein Apostel sein. Auch Hirten, Lehrer, Propheten oder Evangelisten sind Missionare. Jeder Christ ist ein Missionar, da jeder Christ dazu berufen ist, das Evangelium in die Welt zu tragen (Mt 28,18ff). Die katholische Kirche spricht hier von einem sogenannten Laienapostolat, was diesen allgemeinen, allen Christen geltenden Missionsauftrag, nicht aber einen biblisch apostolischen Dienst meint.4 Den Apostel als Missionar zu bezeichnen, beschreibt die Gabe des Apostels nur unzureichend und hüllt seine Gabe weiterhin in eine Dunstwolke. Es lohnt sich, hier genauer hinzusehen.

Aus den Nebelbänken treten

Einen der wichtigsten Wegweiser, der uns aus den Nebelbänken rund um den apostolischen Dienst ins Licht führt, finden wir in einer bedeutsamen Anweisung des auferstandenen Jesus an seine Gemeinde. Die Himmelfahrt Jesu markiert den Anfang seiner Herrschaft zur Rechten des Vaters. Von dieser erhobenen Position aus setzt Christus nach seiner Auferstehung zum Bau seiner Gemeinde fünf Zurüstungsgaben ein, zu welchen auch die Gabe des Apostels gehört: »Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer« (Eph 4,11). Wer hat gesetzt? Er, der Auferstandene! Es war Gottes Initiative und Idee. Es handelt sich hier nicht um einen pfingstlerisch-charismatischen Gedankenentwurf, sondern um die Setzung und Anweisung des Auferstandenen. Ein maßgeblicher Teil der Strategie Gottes zum Bau seiner Gemeinde und Manifestation seiner Königsherrschaft in der Welt.5

Während der Dienst des Hirten und Lehrers in der Gemeindepraxis breite Akzeptanz gefunden hat, finden wir in den meisten Gemeinden in Bezug auf die Bedeutung des apostolischen Dienstes ein lückenhaftes und geringes Verständnis vor. Der apostolische wie auch fünffältige Dienst spielt im Leben der meisten Christen und Gemeinden kaum eine Rolle. So werden Personen mit einem apostolischen Gabenspektrum als Prediger, Evangelisten, Lehrer oder Missionare bezeichnet, selten aber als Apostel. Darüber hinaus sprechen wir von einer Fülle von Positionen und Titeln, die man im Neuen Testament so nicht findet: Prälat, Dekan, Gemeindeleiter, Senior-Pastor, Kardinal, Superintendent oder Papst. Die Rolle der Apostel wurde durch andere Dienste ersetzt, die dann, aber mit apostolischen Aufgaben überfordert sind. Echte Apostel können durch nichts anderes ersetzt werden. Wo sie fehlen, fehlt nicht weniger als der genetische Code, das innere Skelett. Bei Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrern ist bereits der Name Programm. Der Prophet prophezeit, der Evangelist evangelisiert, der Hirte weidet, der Lehrer lehrt. Und der Apostel? Er fällt hier aus der Reihe. Apostel ist keine Bezeichnung, die sich uns auf Anhieb schon vom Begriff her selbst erklärt. Was haben wir uns unter dem Dienst des Apostels vorzustellen?

Weckruf zur Sonne

Dieses Buch ist ein »Weckruf zur Sonne«, die von Gott überreichten Geschenke anzunehmen, auszupacken und zum Einsatz zu bringen. Wir brauchen in den Gemeinden eine neue Kultur der Leiterschaft, welche geistliches Leben ermöglicht und nicht verhindert; Menschen nicht mit unwirksamen Aktivitäten beschäftigen, sondern sie fördert, ihre von Gott gegebene Berufung zu entwickeln; Leiter, die nicht fragen: »Wie kann ich dich für meine Vision nutzen?«, sondern die fragen »Wie kann ich dir nutzen, mit dem, was Gott dir anvertraut hat?« Es ist lieblos, Menschen zu führen ohne zu wissen, was Gott ihnen anvertraut hat. Diese wichtige Art von Führung entfaltet sich im apostolischen Dienst. Wobei der Apostel nicht als der zentrale Leiter aller Dinge zu verstehen ist. Die Letztverantwortung einer Kirchengemeinde liegt beispielsweise in der Hand der jeweiligen Gemeindeleitung (Ältestenschaft). Dies schließt nicht aus, dass ein Apostel auch Teil der Gemeindeleitung oder Ältester sein kann. Wenn wir in das Neue Testament hineinschauen, sehen wir, dass Apostel zu dem ganz normalen Bestandteil eines jeden Gemeindeleitungsteams gehören.

Dieses Buch ist kein Ruf nach einem starken Mann oder einer starken Frau, der/die alles richten wird. Vielmehr geht es um das Finden, Fördern und Freisetzen von Gott geschenkter Gaben, die unter uns und auch in Ihnen schlummern. Jesus nannte seine ersten Führungskräfte Apostel. Erstaunliches ist durch sie in Gang gekommen. In diesem Buch geht es um das, was Gott uns zeitlos in außergewöhnlicher Weise für die gesunde Führung und Leitung im 21. Jahrhundert zu sagen hat. Lassen Sie ausgetretene Pfade und zeitgeistige Management-Gurus hinter sich und entdecken Sie die von Gott geschenkte Wirksamkeit des apostolischen wie auch fünffältigen Dienstes. Wenn Gott sagt: »Das braucht ihr!«, dann brauchen wir es.

Die Schwäche der Kirche steht in einem direkten Zusammenhang mit dem Fehlen und der Nichtbeachtung des apostolischen Dienstes. Der apostolische wie auch der fünffältige Dienst sind vielleicht die Dienste, die in der Zukunft am meisten gefördert und beachtet werden müssen, um als Gemeinde der Zukunft leben zu können. Das Fehlen des fünffältigen Dienstes bewirkt zum Beispiel, dass in den Gemeinden meist 20% der Christen 80% der Dienste verrichten. Wer ein Haus baut, würde bei gesundem Menschenverstand niemals auf die Idee kommen, dabei auf einen planerisch fähigen Architekten zu verzichten.

»Doch in der Welt der Kirche ist das längst institutionalisierte Realität: Bauen ohne Baumeister, Hausbau ohne Architekt, Pläne ohne Strategen, evangelistische Aktionen ohne Masterminds, Grundlagenarbeit ohne Gottes Tiefbau-Spezialisten. Gottes Baumeister (1Kor 3,10), wie Paulus die Apostel nennt, werden in diesen Fragen routinemäßig ignoriert; sie spielen in den Pastoren-Treffen (der Name sagt wohl alles), Allianzen, Konferenzen und Tagungen der kirchlichen Szene so gut wie keine Rolle.«6

Mir scheint, dass manche Kirchen sehr viel »Mammut« haben – den Mut auszusterben. Christsein ist Bewegung, nicht Stillstand. Jesus hat seine Gemeinde nicht dazu berufen, Monument zu sein, sondern ein lebendiges Movement, durch das er sichtbar wird. Man kann es nicht deutlich genug sagen: Viele Gemeinden werden nur weiter kommen, wenn sie den apostolischen Dienst bei sich an prominenter Stelle verankern. Das aber kann einem Erdbeben gleichkommen, weil damit zum Beispiel der Führungsanspruch eines einfältigen Dienstes, der sich nur auf einen Hirten oder Lehrer beruft, in Frage gestellt wird. Eine Gemeinde in die befreiende Wirksamkeit eines fünffältigen Dienstes zu führen, bedeutet meist eine grundsätzliche DNA-Veränderung. Was haben wir zu verlieren, wenn unsere Gemeinde von Gott aus Stagnation und Bedeutungslosigkeit geführt wird? Um die Gemeinde Jesu in ihre Bestimmung führen zu können, ist die Gabe des apostolischen Dienstes unverzichtbar. Dieses Gabengeschenk Gottes muss erkannt, geweckt, gefördert und eingesetzt werden.

Apostel sind dazu begabt, Potenziale in Menschen zu finden, diese zu fördern und für Gemeinde und Welt freizusetzen. Das größte Opfer des Apostelraubs sind die Berufungen der einzelnen Nachfolger von Christus. Die Potenziale der Menschen bleiben oft auf der Strecke. Ganze Kirchengemeinden wurden zu Friedhöfen von Berufungen. Achten wir das, was Gott uns zugedacht hat, und verfallen wir nicht in die Ablehnung der Pharisäer, von denen es heißt: »Aber die Pharisäer und Schriftgelehrten verachteten, was Gott ihnen zugedacht hatte« (Lk 7,30).

Einfältigkeits-Kirchen mit einfältigem Dienst

Unsere Gemeindekultur ist meist nicht von einem fünffältigen, sondern vielmehr von einem einfältigen Dienst geprägt. Hirten (Pastoren) sollen oft das apostolische Spektrum mit abdecken und beispielsweise die Gabenpotenziale Einzelner zur Entfaltung bringen oder die Gemeinde in eine gesellschaftliche Wahrnehmbarkeit führen, was in den meisten Fällen zu einer Überforderung der Pastoren inklusive der Gemeindeleitung und zu einer Frustration im Gemeindeleben führt. Wie viele sind unter dem Gewicht des einfältigen Dienstes erdrückt worden, da sie Aufgaben übernehmen mussten, die nie für sie bestimmt waren? Die Zahl der hierdurch ausgebrannten und frustrierten Pastoren ist Legion. Die Zukunft der Gemeinden wird stark davon abhängen, wie weit es gelingt, auch die Hirten- und Lehrerdienste neu zu entfalten und von den Diensten der Evangelisten, Propheten und Apostel ergänzen zu lassen. Männer und Frauen, die etwas für das Reich Gottes bewegen wollen, finden in »Einfältigkeitsgemeinden« nur schwer Platz. Sie gehen sonntags in die Gemeinde, aber ihr Herz ist kaum dabei. Oft müssen sich apostolisch begabte Männer und Frauen in einem Gemeinderahmen bewegen, der ihrer Berufung keinen Platz lässt. Viele einst dynamische Gemeinden sind zu starren Kirchen geworden, in denen nur noch einzelne Amtsträger das geistliche Leben zu gestalten haben. Die apostolische Weite und der Raum zur Entfaltung fehlen. Anstatt aufzublühen, verwelken sie. Jüngere wandern oft aus und suchen nach neuartigen Gemeindeformen.7 Auch die einfallslose Kopiererei von erfolgreichen Gemeindemodellen weist auf das Fehlen apostolischer Kreativität in den eigenen Reihen hin.

Kein Chauffeur-Wissen

Nachdem er 1918 den Physik-Nobelpreis erhalten hatte, ging Max Planck auf Tournee durch ganz Deutschland. Wo auch immer er eingeladen wurde, hielt er denselben Vortrag zur neuen Quantenmechanik. Mit der Zeit wusste sein Chauffeur den Vortrag auswendig. »Es muss Ihnen langweilig sein, Herr Professor Planck, immer denselben Vortrag zu halten. Ich schlage vor, dass ich das für Sie in München übernehme, und Sie sitzen in der vordersten Reihe und tragen meine Chauffeur-Mütze. Das gäbe uns beiden ein bisschen Abwechslung.« Planck war amüsiert und einverstanden, und so hielt der Chauffeur den Vortrag zur Quantenmechanik. Nach einer Weile meldete sich ein Physikprofessor mit einer Frage. Der Chauffeur antwortete: »Nie hätte ich gedacht, dass in einer so fortschrittlichen Stadt wie München eine so einfache Frage gestellt würde. Ich werde meinen Chauffeur bitten, die Frage zu beantworten.

Was lehrt uns diese Geschichte? Es gibt zwei Arten von Wissen. Zum einen Wissen im Sinne einer tiefgründig erarbeiteten Fähigkeit, echte Kompetenz. Es stammt von Menschen, die ihre Kenntnisse unter einem großen Einsatz von Zeit in der Praxis erlernt und durchlitten haben. Zum anderen gibt es das »Chauffeur-Wissen«. Chauffeure, die kaum oder nur kurz auf der Baustelle einer Gemeinde gearbeitet haben und ihr Wissen nie in die Praxis umsetzen mussten.

Dieses Buch soll Ihnen nutzbares Wissen im Sinne von soliden biblischen Grundlagen, praktisch nachvollziehbaren Umsetzungen und brauchbaren Einsichten rund um den apostolischen Dienst vermitteln. Ziel ist es, dass Sie den Dienst des Apostels in seiner Wirksamkeit und Bedeutung für unsere Gemeinden und unsere Welt neu in den Blick bekommen und sich davon inspirieren lassen. Das Buch ist so geschrieben, dass auch interessierte Christen ohne theologische Vorbildung den Ausführungen gut folgen können. Weiterführende Reflexionen und Quellenangaben finden sich in den Fußnoten. Das Buch erfüllt nicht den Anspruch, alle Fragen zum apostolischen Dienst für heute in seiner Breite und Tiefe behandeln zu können. Wohl aber soll der Ursprung des apostolischen Dienstes (Kap. 1), sein Wesen und Kennzeichen (Kap. 2), zentrale Wirkungsweisen (Kap. 3), die Chancen eines apostolischen Teams (Kap. 4) und die Wege zu einer apostolisch geprägten Gemeinde (Kap. 5) biblisch fundiert und praxisnah aufgezeigt werden.

Der Impuls, dieses Buch zu schreiben, ist Ergebnis eines jahrzehntelangen Weges, auf dem mich vier Fragen beschäftigt haben, die ich mir als Christ in dieser Welt und Pastor einer Gemeinde immer wieder stellte.

  1. Was gefällt Gott?

  2. Wie bauen wir Gemeinde mit Zukunft?

  3. Wie sind wir gesellschaftlich relevant?

  4. Wie erhalten wir uns die Freude an Gott?

Im Laufe der letzten Jahre entdeckte ich Zug um Zug, dass eine sinnerfüllte Beantwortung aller vier Fragen etwas mit dem apostolischen wie auch mit dem fünffältigen Dienst zu tun hat. Wenn Sie ein Haus gebaut haben und das Haus steht, können Sie sich darüber Gedanken machen und an Andere weitergeben, welche Faktoren dafür entscheidend waren. In diesem Buch werden Entwicklungsfaktoren für einen gesellschaftlich relevanten Gemeindebau begründet, entfaltet und veranschaulicht.

In diesem Buch geht es nicht darum, den Dienst des Apostels mit einem besonderen Etikett zu versehen und als Schlüssel erwecklichen Wirkens zu überhöhen, es wird kein kirchliches Amt des Apostels eingeführt, das sich über andere kirchengemeindliche Dienste und Autoritäten wie eine Gemeindeleitung stellt, und Machtmenschen erhalten hier keine Plattform, um ihre Selbstverliebtheit (Narzissmus) mit einem geistlichen Begriff besser tarnen zu können.

 

Vielmehr geht es in diesem Buch darum, …

■ ein substanzielles (Wort Gottes), glaubensvolles (Geist Gottes) und lebendiges Bild über Sinn, Zweck und Ziel des apostolischen wie auch fünffältigen Dienstes zu entwerfen.

■ ein Gespür für echtes apostolisches Wirken zu bekommen und dieses von irreführenden Imitaten unterscheiden zu können.

■ die gestaltende Kraft des apostolischen Dienstes und dessen entlastende und fördernde Kraft für Pastoren, Gemeindeleitungen und Gemeinden zu entdecken.

■ Personen mit einer apostolischen Gabe in ihrem Wirken in die Gesellschaft hinein zu unterstützen und als Gemeinde zu lernen, davon zu profitieren.

■ Inspirationen und Impulse zu geben, wie Apostolizität der Gemeinde Jesu heute verstanden und gelebt werden kann.

■ diesen Dienst als Segensgabe Gottes zu verstehen, einzuordnen und in das Gemeindeleben integrieren zu können.

■ für Gemeindeleitungen Hilfestellung zu geben, apostolisch begabte Menschen in ihrer Gemeinde zu erkennen, zu fördern und einsetzen zu können.

■ apostolische Männer und Frauen zu unterstützen, ihre Gabe zu entdecken und zum Wohl der Gemeinde Jesu und unserer Gesellschaft einzubringen.

■ sich selbst zu fragen: »Was hat Gott mir in Bezug auf den apostolischen oder fünffältigen Dienst anvertraut?« und »Was bedeutet das für mein Christsein in dieser Welt und für die Gemeinde Jesu?«

www.google.de/www.google.com (abgerufen am 23.7.2016).

Grudem 1994:911.

Beispielsweise sieht Bill Hamon (2000:74) eine neue Reformation durch die Wiederbelebung des apostolischen Dienstes kommen, Peter Wagner (2002:69ff) die Transformation ganzer Städte und John Eckhardt (1999:27) sieht im Apostel den Reformer zur Wiederherstellung aller Dinge (Apg 3,21). Tim Taylor (2010) spricht von der Entwicklung einer apostolischen Strategie mittels acht Schlüsseln zur Transformation der sieben Sphären unserer Gesellschaft.

Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil im Jahre 1965 wurde das Dekret Apostolicam Actuositatem, das sogenannte Laienapostolat verabschiedet. Darin wird herausgestellt, dass alle Christen von Christus mit dem Apostolat betraut wurden. Apostolat wird hier als Ausdruck des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen verstanden in dem Sinne, dass jeder Christ als Missionar von Christus gesandt wird, das Evangelium in die Welt zu tragen (Rahner 1998:389ff). Laienapostolat wird hier nicht im Sinne eines apostolischen Dienstes verstanden (Demel 2009). Edward Schillebeeckx gibt die römisch-katholische Lehre treffend wieder, indem er vier Aspekte von Apostolizität unterscheidet: die Apostel des Neuen Testamentes, die apostolische Überlieferung, die christliche Glaubensgemeinschaft (Laienapostolat) und die katholisch kirchlichen Ämter (Sukzession) (1985:140f).

Es wäre verfehlt, aus dem fünffältigen Dienst eine geschlossene Ämterliste abzuleiten oder ein festes Modell einer Gemeindeorganisation zu entwerfen. Das Amt eines Ältesten (1Tim 3), eines Bischofs (Apg 20,28) oder die unterschiedlichen Charismen (1Kor 11,28ff) würden hier keine Berücksichtigung finden. Wohl aber ist der fünffältige Dienst eine göttliche Befähigung seine Gemeinde in innere Stärke und gesellschaftliche Strahlkraft zu führen.

Simson: Link: www.apleben.eu (abgerufen am 28.6.2016).

Zahlreiche Bewegungen, die unter Namen wie emergent, missional, transformatorisch etc. agieren, sind Ausdruck einer verständlichen Suche danach, wie Gemeinde, Reich Gottes und Welt sich zueinander verhalten und wie wir darin leben und das Evangelium verkündigen sollen.

1.  Der Ursprung des apostolischen Dienstes

»Es ist Gottes Ehre, eine Sache zu verbergen; aber der Könige Ehre ist es, eine Sache zu erforschen« (Spr 25,2).

»Überall in seiner großartigen Schöpfung hat Gott Dinge versteckt, die der Mensch entdecken und sich daran freuen soll. All diese Dinge sollen wir wie ein Schwamm aufsaugen.«8

Es ist ein Privileg der Königskinder Gottes, entdecken und erforschen zu dürfen, was Gott an Schätzen seiner Weisheit und Erkenntnis verborgen hat (Kol 2,3). In diesem Buch sprechen wir über einen Schatz, der in der Geschichte der Kirche vielerorts über Bord geworfen wurde und dass Gott uns die Ehre erweist, ihn wieder heben zu dürfen. Wir befassen uns mit dem Geheimnis des apostolischen und des fünffältigen Dienstes. Es lohnt sich, dieses Geheimnis zu entdecken. Beginnen wir zunächst mit dem Ursprung des apostolischen Dienstes.

1.1  Der Apostel – eine Begriffsklärung

Das Wort Apostel ist keine undefinierbare »Worthülse«. Hinter diesem Ausdruck stecken nicht »Schall und Rauch«, sondern wirksame Tat. Der Begriff Apostel meint sichtbare Verwirklichung und kann als »Tatwort« bezeichnet werden.9 Der Begriff Apostel fußt im hebräischen Denken und beschreibt eine unmittelbare Realisierung göttlichen Willens. Apostel betitelt ein Phänomen, dem Gott selbst Dynamik verleiht. Die hinter dem Begriff Apostel stehende Wirksamkeit ist wesenhaft mit dem dreieinen Gott verbunden. Hier ist nicht eine Ansammlung gewisser Merkmale in einem Überbegriff zusammengefasst, sondern es manifestiert sich etwas von der Herrlichkeit Gottes. Doch woher kommt das Wort und wie können wir seine Bedeutung näher beschreiben?

A.  Der Flottenkommandant in der Antike

Der griechische Begriff Apostel stammt aus der Seeschifffahrtssprache der Antike. Als Apostel wurde die mit einem bestimmten Auftrag ausgesandte Flotte oder Flottenexpedition verstanden.10 »Wenn eine Flotte an Schiffen Rom verließ, um irgendwo eine neue Kolonie zu gründen, wurde sowohl die Flotte, der Admiral als auch die neugegründete Kolonie mit dem Wort ›Apostel‹ versehen.«11 Die Apostel der Antike waren delegierte Gesandte einer Autoritätsperson mit der Mission, neue Territorien für das Reich und den König, dem sie dienten, zu erobern, um dort die Kultur ihres Landes zu etablieren und den Machtbereich ihres Königs auszuweiten. Sie waren für die Ausbildung und das Training der Flotte verantwortlich. Dazu wurden sie mit allem ausgestattet, was sie zur Erfüllung ihrer Mission brauchten.

Der Apostel segelte mit dem Auftrag, das Reich seines Königs auszubreiten.

B.  Der Bote Gottes im Judentum

Im Spätjudentum finden wir den Begriff Schaliach, der so viel wie Bote Gottes meint. Die Scheluchim (Mehrzahl) waren in der Regel durch Handauflegung ordinierte Rabbiner, die zu zweit ausgesandt wurden, allerdings nicht im Sinne einer neutestamentlichen außerjüdischen Missionierung.12 Dass der Schaliach immer auch Repräsentant seines Auftraggebers war, geben die Rabbiner treffend in dem Sprichwort weiter: »Der Abgesandte eines Menschen ist wie dieser selbst.«13 Der Sendende ist im Gesandten gegenwärtig. Dies bedeutet eine völlige Identifikation des Gesandten mit seinem Sender. Der Auftrag des Gesandten ist aufgrund seiner Identifikation mit dem Sender nicht einfach auf eine andere Person übertragbar. Es handelt sich nicht um irgendeinen Job, sondern um eine Berufung und Bevollmächtigung, die vom Sender selbst kommt. »Der Bevollmächtigte ist rechtlich und persönlich der Repräsentant seines Auftraggebers. Er ist durch die ihm erteilte Sendung berechtigt und verpflichtet, in selbstständiger Entscheidung dessen Interessen zu vertreten. Die Sendung gilt nur in seiner Abwesenheit und erlischt im Augenblick der Rückkehr des Gesandten zu ihm.«14 Im besonderen Maße gelten Mose, Elia und Elisa als Scheluchim Gottes, da durch sie Zeichen und Wunder geschahen und sich das Wesen Gottes in ihrem Handeln offenbarte.15

Einige Gelehrte halten den alttestamentlichen Schaliach, vor allem Mose, für eine Art Wegbereiter des neutestamentlichen Apostels.16 Der Prophet Jesaja unterstreicht diesen Gedanken, indem er die zukünftigen Gesandten für die Heidenvölker, zu denen auch die Apostel gehören dürften, ankündigt und damit eine Brücke schlägt zwischen dem Schaliach des Alten und dem Apostel des Neuen Testamentes:

»Und ich will ein Zeichen unter ihnen aufrichten und einige von ihnen, die errettet sind, zu den Völkern senden, (…) und zu den fernen Inseln, wo man nichts von mir gehört hat und die meine Herrlichkeit nicht gesehen haben; und sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkündigen« (Jes 66,19).

C.  Der bevollmächtigte Gesandte im Neuen Testament

Als Jesus einige seiner Jünger in den apostolischen Dienst rief und sie Apostel nannte (Lk 6,13), knüpfte er an das jüdisch-hebräische Verständnis des Schaliach an (Joh 13,16), ging aber dann deutlich darüber hinaus. Es gilt zu beachten, dass Jesus mit dem Begriff Apostel eine neue Beauftragung in der Heilsgeschichte setzt, die es so im Alten Testament nicht gab. Apostel, wie wir sie vom Neuen Testament her kennen, gab es im Alten Testament nicht. Jesus rief aus dem Kreis seiner Jünger zwölf zu sich, nannte sie Apostel, gab ihnen Vollmacht über unreine Geister, Krankheiten und Gebrechen und sandte sie aus, die Botschaft vom Reich Gottes zu verkündigen (Mt 10,1ff; Mk 3,13ff). Im Neuen Testament bekam dann der Begriff Apostel (gr. apostolos) eine weitreichendere Bedeutung und wurde ein Terminus technicus (Fachbegriff), hinter dem Segnungen Gottes stehen, die es im Verlauf dieses Buches zu entdecken gilt.17

So können wir zunächst festhalten:

■ In der Antike war ein Apostel eine zur Eroberung ausgesandte Flotte, die mit ihrem Admiral bevollmächtigt war, neue Kolonien für den König zu gründen.

■ Das Spätjudentum betonte im Begriff des Schaliach (Boten) eine hohe Identifikation zwischen Sender und Gesandtem.

■ Ein Apostel Jesu Christi des Neuen Testamentes ist jemand, der von Gott für einen bestimmten Auftrag berufen, bevollmächtigt und gesandt wird.

Die Definition eines Begriffes kann hilfreich sein, muss aber mit dem dazu gehörenden Leben gefüllt werden. Es geht nicht darum, unserem religiösen Wortschatz eine neue Vokabel zu verleihen, sondern die dahinterstehende Offenbarungsrealität und Wirksamkeit zu erfassen. Arthur Katz schreibt zutreffend: »Wie für viele Schlüsselbegriffe der Bibel gilt auch hier, dass wir die Definition des Wortes apostolisch nicht im Lexikon oder Wörterbuch finden. Um es zu verstehen, müssen wir zunächst selbst von der geistlichen Tiefe und Kraft, für die dieser Begriff steht, gepackt und erfüllt werden.«18 Inhaltlich wird der Dienst des Apostels durch das Leben Jesu, seine Berufung und Bevollmächtigung der zwölf Jünger, den Dienst des Paulus und der darauf folgenden Apostel deutlich. Dieser Spur werden wir in den folgenden Kapiteln nachgehen.

D.  Erste Definition eines Apostels und seines Dienstes

Die meisten Christen und Gemeinden haben eine gewisse Vorstellung von dem Dienst eines Evangelisten, Hirten oder Lehrers. Auch der prophetische Dienst wurde in den letzten Jahrzehnten zunehmend erkannt und in zahlreichen Büchern biblisch-theologisch ausführlich behandelt.19 Doch wie kommt es, dass wir mit dem Dienst des Apostels so wenig anzufangen wissen? Warum ist ausgerechnet dieses Gabengeschenk des auferstandenen Christus (Eph 4,11) und des allmächtigen Gottes (1Kor 12,28) wie unausgepackt liegen geblieben? Wozu hat Gott diesen Dienst gegeben? Was geht uns verloren, wenn die Gabe des Apostels nicht in der Gemeinde und der Welt zur Geltung kommt?

Jesus Christus wird im Wissen um die Bedeutung des antiken Flottenadmirals und des alttestamentlichen Boten Gottes nicht zufällig seine Jünger Apostel genannt haben. Davon ausgehend soll zunächst eine erste Definition des apostolischen Dienstes gegeben werden. Auch wenn die drei folgenden Schlüsselmerkmale eines apostolischen Dienstes zum Teil etwas vorgreifen, seien sie hier des besseren Verständnisses wegen erwähnt. Im Verlauf des Buches werden diese und andere Merkmale eines apostolischen Dienstes begründet, erweitert und durch zahlreiche Beispiele belebt.

Definition des apostolischen Dienstes

■ Sein Auftrag besteht darin, in neues Land aufzubrechen, um Gemeinden zu gründen, zu fördern und die Botschaft Gottes in der Welt zu proklamieren.

■ Als Gesandter des Königs handelt er aus einer Reich-Gottes-Perspektive mit dem Ziel, alle Lebensbereiche des Menschen mit dem Evangelium zu durchdringen.

■ Er denkt visionär und strategisch. Er spürt Potenziale einer Mannschaft auf und findet Wege, diese zum Wohl der Gemeinde, des Reiches Gottes und der Gesellschaft einzusetzen.

1.2  Gott als apostolische Trinität

Die Schöpfung ist ein sichtbarer Hinweis auf den unsichtbaren Schöpfer. »Seit der Erschaffung der Welt sind seine Werke ein sichtbarer Hinweis auf ihn, den unsichtbaren Gott, auf seine ewige Macht und sein göttliches Wesen« (Röm 1,20; NGÜ). Jede Wirklichkeit dieser Welt ist entweder wesenhaft mit ihm verbunden oder steht im Konflikt zu ihm. Teil der Schöpfung, die das Wesen Gottes zum Ausdruck bringt, ist auch die von Gott gegebene Kirche. Miroslav Volf weist darauf hin, dass nicht nur die Kirche, sondern auch die Gaben und Ämter der Gemeinde Jesu ein zeichenhaftes Abbild der Trinität Gottes sind.20 »Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen« (1Kor 12,4ff). Auch in der Gabe des Apostels spiegelt sich das Wesen des dreieinigen Gottes wider. Wobei gewiss in den Dienst-Setzungen durch den Herrn sein Wesen nur unvollkommen und bruchstückhaft sichtbar wird. »Aber im Prisma der berufenen Diener bricht sich doch göttliches Licht.«21 Es ist eindrucksvoll nachzuspüren, in welchem Zusammenhang der Dienst des Apostels mit dem Wesen der Trinität steht.22

A.  Gott, der Vater – die apostolische Initiative

Das Alte Testament offenbart Gott als einen Gott der Sendung (2Mo 3,14; 2Chr 24,19). Gott ist von seinem Wesen her ein Sendender, das heißt ein apostolischer Gott. Er ist der Urheber des apostolischen Dienstes. Gott will das Heil der Welt. Durch die Sendung seines Sohnes ermöglicht er Erlösung, durch die Sendung des Heiligen Geistes Bevollmächtigung. Gott sandte seinen Sohn als Apostel (Hebr 3,1) und den Heiligen Geist als die Urkraft jeder apostolischen Aktivität (Joh 14,26). Die Entstehung des apostolischen Dienstes ist Initiative Gottes. »Darum spricht die Weisheit Gottes: Ich will Propheten und Apostel zu ihnen senden« (Lk 11,49). Wesen, Funktion und Inhalt dieses Dienstes gehen auf Gott zurück. »Die apostolische Berufung hat ihren Ursprung tief im Innern des Herzens Gottes.«23 Der Dienst des Apostels ist allein von ihm ausgegangen und auf seinen Willensentschluss zurückzuführen.

»Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens Apostel …« (1Kor 12,28).

Apostolisches Handeln ist Teil der missio dei, der Mission Gottes, seiner unmittelbaren Tätigkeit.24 Wenn nicht Gott selbst der Sendende ist, kann dem Gesandten, wie auch immer er sich nennen mag, keine Tragweite zugesprochen werden. Was nicht von Gott ausgesandt wurde, kann auch nicht die Absicht Gottes erfüllen. Die Bedeutung kommt dem apostolischen Dienst aus der Sendung und Bevollmächtigung Gottes zu. Wo kein vollmächtiger Sender ist, kann es auch keinen bevollmächtigten Gesandten geben. Ohne göttliche Autorisierung gibt es keinen apostolischen Dienst, der die Vollmacht hat, Gemeinden zu bilden, die gesellschaftsverändernde Komponenten von Licht und Salz in sich tragen. Der Zusammenhang von göttlicher Sendung und Vollmacht verdichtet sich im Wesen des Apostels. Apostel und ihr Dienst basieren auf der Initiative Gottes. Sollte Gott seine Initiative beendet haben?

B.  Gott, der Sohn – die apostolische Berufung

Jesus ist nicht nur der Begründer, sondern auch das einzigartige Vor- und Abbild eines jeden Apostels. Er ist der Apostel und der bevollmächtigte Gesandte Gottes. Er ist der Erzapostel, der Musterapostel schlechthin. In ihm erkennen wir das vollkommene Bild eines Apostels. Daher heißt es:

»Darum, ihr heiligen Brüder, die ihr teilhabt an der himmlischen Berufung, schaut auf den Apostel und Hohepriester, den wir bekennen, Jesus« (Hebr 3,1)

Allein im Johannesevangelium spricht Jesus achtzehn Mal darüber, dass er vom Vater gesandt worden ist, und gebraucht dafür den griechischen Begriff apostellein (beziehungsweise den aramäischen Begriff dafür). Jesus verweist damit auf seinen Dienst als Apostel. Er ist sich seines apostolischen Dienstes, vom Vater gesandt zu sein, vollends bewusst und betont mehrfach seine apostolische Sendung. So beispielsweise, wenn er sagt: »Diese Werke, die ich tue, bezeugen von mir, dass mich der Vater gesandt hat« (Joh 5,36). Jesus war als Apostel von Gott beauftragt und bevollmächtigt, die Werke dessen zu tun, der ihn gesandt hat.

Jesus, der Apostel Gottes, beruft Menschen zu Aposteln und führt so durch sie sein apostolisches Wirken auf der Erde weiter. »Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch« (Joh 20,21). Die apostolische Berufung der Jünger wie auch der Begriff des Apostels gehen auf die missio christi, die Mission Christi zurück. »Und er setzte zwölf ein, die er auch Apostel nannte, dass sie bei ihm sein sollten und dass er sie aussendete zu predigen und dass sie Vollmacht hätten, die bösen Geister auszutreiben« (Mk 3,14f). Die Jünger wandten sich später an den Auferstandenen mit der Bitte, dass er zeigen möge, wen er in den apostolischen Dienst berufen wolle. »Herr, der du alle Herzen kennst, zeige an, welchen du erwählt hast von diesen beiden, damit er diesen Dienst und das Apostelamt empfange« (Apg 1,24f). »Von seinem Sohn Jesus Christus«, so schreibt der Apostel Paulus, »haben wir empfangen Gnade und Apostelamt« (Röm 1,3.5). Paulus sieht sich »durch den Willen Gottes« (1Kor 1,1) oder »nach dem Befehl Gottes« (1Tim 1,1) zum Apostel berufen und betont ausdrücklich, »nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater« (Gal 1,1) zum Apostel bestimmt worden zu sein. An keiner Stelle des Neuen Testamentes wird Menschen das Mandat oder die Fähigkeit zugesprochen, Menschen mit dem Apostelamt zu befähigen. Die Befähigung der zwölf Jünger zum apostolischen Dienst sowie der Begriff des Apostels liegen ebenso wie die Erwählung späterer Jünger zum Apostelamt allein in der Hand Christi. Als Apostel des himmlischen Vaters beruft Christus Apostel, die seinen apostolischen Dienst auf Erden fortsetzen.

C.  Gott, der Heilige Geist – die apostolische Bevollmächtigung

Der Heilige Geist ist Teil der apostolischen Trinität. Er ist von seinem Wesen her selbst apostolischer Natur. »Das Resultat der Ausgießung des Geistes Gottes war eine Aktivierung wahren apostolischen Dienstes, was uns zeigt, dass der Geist, der diese Resultate hervorbringt, selbst auch apostolischer Natur sein muss.«25 Der Heilige Geist sendet (Apg 13,2) und wurde selbst gesandt (1Petr 1,12). Auch in Jesus Christus erweist er sich als ein von Gott gesandter und zugleich selbst sendender Geist:

»Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn« (Lk 4,18f).

Jesus verweist darauf, dass ohne die Salbung des Heiligen Geistes sein Dienst nicht möglich gewesen wäre.26 Der Geist Gottes – die göttliche Salbung – setzt apostolische Berufungen und Wirksamkeiten frei. »Als sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir aus Barnabas und Paulus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe« (Apg 13,2). Kein Mensch kann in einen apostolischen Dienst gestellt sein, wenn er nicht vom Heiligen Geist gesandt wurde.

Es ist unmöglich, die Rolle eines Apostels losgelöst von seiner Beziehung zum Heiligen Geist zu sehen. Apostel sind untrennbar mit dem Heiligen Geist verbunden und vollkommen abhängig von ihm, da er sie aussondert und sendet, ihnen Quelle und Begleiter ist. Aus der Abhängigkeit vom Heiligen Geist bekommen die Apostel ihre Dynamik und Weisung (Apg 16,6f). Dem Apostel ist für seinen Dienst keine andere Kraftquelle gegeben als die, die ihm von Gottes Geist erschlossen wird. Der Geistbesitz ist unerlässliche Voraussetzung zur Ausübung jeglicher apostolischer Funktion. Ohne die wirksame Kraft des Heiligen Geistes zu empfangen, hätten die ersten Apostel hilflos dagestanden (Apg 1,8). Der Heilige Geist ist die Kraft, die dem apostolischen Wirken des ersten Jahrhunderts ihren Rückenwind gab. Anders lässt sich die enorme Ausbreitung des frühen Christentums nicht erklären. Die Sendung des Heiligen Geistes ist als Initialzündung für den apostolischen Dienst unentbehrlich. Von ihm, seiner missio spiritu, der Mission des Geistes, kommt die Kraft apostolischer Wirksamkeit. Wo er zur Geltung kommt, werden auch apostolische Wirkungsweisen freigesetzt. Der Heilige Geist ist die Quelle apostolischer Vollmacht.

D.  Der apostolische Dienst als trinitarisches Wirken

Der existenzielle Bezug zwischen dem Wesen Gottes und dem apostolischen Dienst ist unverkennbar. Da der Apostel ein von der Trinität Gesandter ist, ergibt sich aus seiner Berufung eine kontinuierliche Abhängigkeit zu seinem Sender. Wie ein Radio nur senden kann, wenn es empfängt, kann der Apostel nur durch das von Gott Empfangene wirken. Der Dienst des Apostels ist untrennbar mit der Initiative Gottes, der Berufung Jesu Christi und der Bevollmächtigung des Heiligen Geistes verbunden. Wo immer Gott ist, da ist er ganz. Apostolischer Dienst, seine Relevanz und Tragweite ergeben sich aus der Trinität, die sendet, beauftragt und bevollmächtigt. Selbstverständlich gilt dies auch für andere Berufungen. Gott bevollmächtigt, beauftragt und sendet auch Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer und nicht zuletzt jeden Christen (Mt 28,18ff). Jeder Christ spiegelt – wie auch jeder Apostel, Prophet, Evangelist, Lehrer oder Hirte – mit seiner Gabe einen Teil des Wesens Gottes wider (1Petr 4,10; Eph 4,11). Christus ist das vollkommene Bild all dieser Dienste. Christus ist par excellence der Apostel (Hebr 3,1), Prophet (Lk 4,24ff), Evangelist (Lk 4,18), Lehrer (Mt 9,35) und Hirte (1Petr 5,4). In vergleichbarer Weise sind auch diese Dienste trinitarisch zu verankern und zu begründen. In diesem Buch liegt der Fokus auf dem Aposteldienst, weshalb die Akzente der Trinität unterstrichen werden, die sich im Dienst des Apostels zeichenhaft abbilden.

E.  Finden, fördern, freisetzen als trinitarisches Wirken

Der Titel des Buches Finden, fördern, freisetzen ist nicht zuletzt Ausdruck trinitarischen Wirkens, denn der himmlische Vater suchte bereits Adam im Garten Eden und fand ihn (1Mo 3,9). Hier erkennen wir die Initiative Gottes, uns zu finden. Jesus Christus fördert uns, Frucht zu bringen (Joh 15,16). Hier erkennen wir die Berufung Jesu, uns zu einem sinnerfüllten Leben zu fördern. Der Heilige Geist setzt uns frei, in der Welt kraftvolle Repräsentanten des himmlischen Vaters zu sein (Apg 1,8). Hier erkennen wir die Bevollmächtigung des Heiligen Geistes uns freizusetzen. Das Finden des himmlischen Vaters, die Förderung Jesu Christi und die Freisetzung des Heiligen Geistes spiegeln den trinitarischen Dreiklang von Finden, fördern, freisetzen wider. Dieser größere Zusammenhang geht selbstverständlich weit über die im Buch gesetzte Fokussierung des apostolischen oder fünffältigen Dienstes hinaus. Folgende Tabelle greift den trinitarischen Dreiklang des Findens, Förderns und Freisetzens auf.

Vater – finden Initiative

Sohn – fördern Berufung

Heiliger Geist – freisetzen Bevollmächtigung

Finden im Sinne von:

Potenziale aufspüren, ermitteln, bewusst machen, erkennen, entdecken, benennen, definieren und erklären.

Fördern im Sinne von:

Fähigkeiten aufbauen, zur Seite stehen, vormachen, fruchtbar machen, begleiten, schützen und herausfordern.

Freisetzen im Sinne von:

Berufungen leben, umsetzen, freilassen, freigeben, laufen lassen, entfachen und entzünden, in Gang bringen.

»Adam, wo bist du?« (1Mo 3,8)

»Ich habe euch bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt.« (Joh 15,16)

»Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und ihr werdet meine Zeugen sein.« (Apg 1,8).

Ziel ist es:

Die von Gott anvertraute Bestimung zu entdecken!

Ziel ist es:

Die von Gott geschenkte Berufung zu entfalten!

Ziel ist es:

Die von Gott gegebenen Begabungen zu entfachen!

Fazit

■ Apostolisch bevollmächtigte Sendung ist trinitarische Sendung.

■ Die missio dei setzt die Initiative, die missio christi die Berufung, die missio spiritu die Bevollmächtigung des apostolischen Dienstes.

■ In dem nicht voneinander zu trennenden Miteinander von Initiative, Berufung und Bevollmächtigung zum apostolischen Dienst spiegelt sich das Wesen der Trinität wider.

■ Wer diesen trinitarischen Ausgangspunkt verlässt, kann zu keiner sinnvollen Füllung des apostolischen Dienstes gelangen.

1.3  Apostel im Neuen Testament

Vor mir liegt eine christliche Zeitschrift, auf deren Titelseite ein Dinosaurier abgebildet ist. Neben dem Saurier steht in großen Lettern: »Sind die Apostel ausgestorben?« und im Untertitel: »Wir haben die Epistel – wer braucht schon Apostel?«27 Waren die Apostel eine Art geistliche Dinosaurier, die dazu bestimmt waren, in einer Art vorherbestimmter Eiszeit auszusterben? Hat der Vater im Himmel seine Apostel-Initiative beendet? Beruft der Sohn Gottes heute keine Apostel mehr? Hat sich die Bevollmächtigung des Heiligen Geistes zum apostolischen Dienst mit dem Schreiben der neutestamentlichen Briefe erledigt? Und wenn es heute noch Apostel gibt – wo sind sie?

A.  Jesus, der Apostel

Zunächst gilt es zu beachten, dass Jesus ausdrücklich als Apostel bezeichnet wird. »Richtet daher eure ganze Aufmerksamkeit auf Jesus, liebe Geschwister! Auch ihr gehört ja zu denen, die geheiligt und zur Teilhabe an der himmlischen Welt berufen sind. Seht auf ihn, den wahren Apostel und Hohepriester, zu dem wir uns alle bekennen« (Hebr 3,1; NGÜ). Alle Teilhaber der himmlischen Berufung werden dazu aufgefordert, auf Jesus den »Apostel und Hohepriester« zu sehen und ihn als solchen zu bekennen. Clemens von Rom († um 97) führt an, dass Paulus den Hebräerbrief geschrieben habe. Da Paulus darin »den Herrn als Apostel des Allmächtigen« betitelt, habe er sich aus Ehrfurcht, wie sonst in seinen Briefen, nicht mehr als Apostel Paulus genannt.28 Diese Ehrfurcht ist angebracht, denn Christus ist das einzigartige Urbild eines Apostels. Als Sohn Gottes ist er als Apostel gesandt worden, um den Menschen Gott zu offenbaren. Als Mensch ist er Hohepriester geworden, um den Menschen mit Gott zu versöhnen. Seine ganze Aufmerksamkeit auf ihn zu richten bedeutet eben auch, seinen apostolischen Dienst zu achten und davon zu lernen. Die Bezeichnung Apostel für Jesus kommt in der Bibel nur an dieser Stelle vor.29 Des Öfteren wird aber durch die Verbform von Apostel (gr. apostolos) betont, dass Jesus vom Vater gesandt (aposteilen) ist (Mt 15,24; Joh 3,17; Gal 4,4). Als Apostel bleibt Jesus das einmalige Vorbild eines jeden Apostels.30 Er zeigt alle Qualitäten, die sich der himmlische Vater von Aposteln wünscht. Jesus ist der Apostel schlechthin. »Die bedeutendste Aussage der Heiligen Schrift über dieses Amt ist, dass Jesus es selbst erfüllte.«31

B.  Die zwölf Urapostel

Wie der Vater Jesus zum Apostel gesetzt hatte, setzte Jesus nun zwölf seiner Jünger zu Aposteln. Ihre Berufung erfolgte in drei Phasen. In der ersten Phase lernen sie zunächst Jesus kennen. Jesus findet die Jünger. Johannes berichtet, wie Jesus am Tag nach seiner Taufe Johannes, Andreas, Petrus, Philippus und Nathanael (Bartholomäus) zum ersten Mal begegnete (Joh 1,35ff). Die Evangelien beschreiben, dass sie in dieser ersten Phase ihren Lebensunterhalt »weiterhin mit ihrer regulären Arbeit verdienten, obschon sie Jesus in der Hinsicht nachfolgten, dass sie seine Lehre gerne hörten und ihn als ihren Lehrer anerkannten.«32 Erst im zweiten Jahr des öffentlichen Wirkens Jesu ereignete sich eine Begebenheit, in der Jesus Petrus und die anderen oben genannten dazu berief, ihm nachzufolgen und von nun an Menschenfischer zu sein (Lk 5,8ff). Kurz darauf berief Jesus auch Matthäus in die Nachfolge (Mt 9,9). Dies kann als zweite Phase ihrer Berufung gelten. Jesus fördert die Jünger. Nach einem weiteren halben Jahr, etwa zur Mitte seines öffentlichen Wirkens, verbrachte Jesus eine ganze Nacht über im Gebet, um am darauffolgenden Tag eine der wichtigsten Entscheidungen seines Dienstes zu vollziehen: Die dritte Phase, die Freisetzung von zwölf Jüngern in den apostolischen Dienst.33 »Es begab sich aber zu der Zeit, dass er auf einen Berg ging, um zu beten; und er blieb die Nacht über im Gebet zu Gott. Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger und erwählte zwölf von ihnen, die er auch Apostel nannte« (Lk 6,12f). Gott selbst gab seinem Sohn die Inspiration und Weisung, wen er aus der Gruppe seiner ständigen Nachfolger zum apostolischen Dienst bestimmt hatte. Jesus suchte weder nach Bewerbern noch nach Freiwilligen. Vielmehr rief er die zu sich, die der Vater wollte, sicherlich nicht jene, die sich selbst vorgeschlagen hätten oder von Menschen dazu bestimmt worden wären. Von der Berufung seiner zwölf Apostel bis zur Kreuzigung waren es nun keine zwei Jahre mehr. Mit der Berufung der zwölf Apostel begann Jesus, sein irdisches Werk in die Hände anderer zu geben. Nun war es an der Zeit, seine zukünftigen Repräsentanten zu bestimmen. Sie sprachen mit seiner Vollmacht und verkündigten seine Botschaft. Ihre intensive Ausbildungsphase würde augenblicklich beginnen.

»Die Namen aber der zwölf Apostel sind diese: zuerst Simon, genannt Petrus, und Andreas, sein Bruder; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und Johannes, sein Bruder; Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der Zöllner; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus; Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn verriet« (Mt 10,2ff).

Aus diesen zwölf Jüngern wurden »die Zwölf«, die mit dem Namen »Apostel« versehen wurden (Lk 17,5; 22,14; 24,10). Für Judas wurde Matthias nachgewählt, »damit er diesen Dienst und das Apostelamt empfange« (Apg 1,25). Um in den Kreis der verbleibenden elf Apostel aufgenommen werden zu können, musste die entsprechende Person von Anfang an Wegbegleiter Jesu und Zeuge seiner Auferstehung gewesen sein (Apg 1,21f). Die so genannten Urapostel, mit dem für Judas hinzugewählten Matthias, waren so in sich geschlossen, dass sie im Neuen Testament des Öfteren einfach als »die Zwölf« beschrieben werden (Mt 26,20).34

Es fällt auf, dass unter den von Jesus ausgewählten Aposteln kein einziger dem religiösen Adel oder dem gesellschaftlichen Establishment angehörte. Kein Rabbi, Schriftgelehrter, Pharisäer, Sadduzäer oder Priester ist unter ihnen zu finden. Kein Philosoph, Gelehrter, Fürst oder politischer Verantwortungsträger. Jesus entschied sich für zwölf ganz normale Menschen. Wie weit von der Wirklichkeit entfernt sind hier die Darstellungen der Apostel in zahlreichen Kathedralen, wenn sie beispielsweise als überlebensgroße Marmorstatuen oder auf Gemälden als eine Art römische Gottheit abgebildet werden. Solche Verzerrungen nehmen ihnen ihr völlig normales Menschsein und lassen sie unnahbar als nicht von dieser Welt erscheinen. Jesus »scheint bewusst Männer ausgesucht zu haben, deren bedeutendstes Merkmal ihre Normalität war.«35 Gerade die Erwählung der Zwölf Apostel bezeugt, dass weder außergewöhnlicher Intellekt noch politischer Einfluss oder ein besonderer sozialer Status, sondern allein das Wirken Gottes die ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Finden, fördern, freisetzen" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen