Logo weiterlesen.de
Feuchtigkeits- und Schimmelschäden

Inhaltsverzeichnis

  1. Hinweis zum Urheberrecht
  2. Impressum
  3. Vorwort
  4. 1   Biologie der Pilze
    1. 1.1   Aufbau der Pilze
    2. 1.2   Voraussetzungen für den Schimmelpilzbefall
  5. 2   Gesundheitliche Gefahren
    1. 2.1   Mykotoxikosen
    2. 2.2   Mykosen
    3. 2.3   Allergien
    4. 2.4   Mykophobie
  6. 3   Gefahren für die Bausubstanz
  7. 4   Schadenursachen
    1. 4.1   Schäden am Gebäude
    2. 4.2   Betriebs- und nutzungsbedingte Schäden
    3. 4.3   Elementarschäden
    4. 4.4   Leitungswasserschäden
    5. 4.5   Löschwasserschäden
  8. 5   Feuchteschäden und Versicherungen
    1. 5.1   Sachversicherungen
    2. 5.2   Haftpflichtversicherungen
  9. 6   Anhaltspunkte für einen Feuchteschaden
    1. 6.1   Sick-Building-Syndrom
    2. 6.2   Schimmel- oder Modergeruch
    3. 6.3   Verfärbungen
    4. 6.4   Verformungen und Aufquellungen
    5. 6.5   Schimmelbefall
    6. 6.6   Weitere Anzeichen
  10. 7   Untersuchung von Feuchteschäden
    1. 7.1   Auswahl eines Gutachters oder Sachverständigen
    2. 7.2   Vorgeschichte und Umfeld
    3. 7.3   Sichtbefund
    4. 7.4   Leckortung
    5. 7.5   Feuchtemessungen
    6. 7.6   Raumklima und bauphysikalische Untersuchungen
    7. 7.7   Mikrobiologische Untersuchungen
      1. 7.7.1   Raumluftuntersuchungen
      2. 7.7.2   Untersuchung von Materialien
        1. 7.7.2.1   Kontaktproben
        2. 7.7.2.2   Materialproben
        3. 7.7.2.3   Eigene Probenahme
      3. 7.7.3   Schimmelpilzspürhund
    8. 7.8   Chemisch-physikalische Untersuchungen
    9. 7.9   Anforderungen an ein Gutachten
  11. 8   Sanierung von Feuchteschäden
    1. 8.1   Kleiner Schaden
      1. 8.1.1   Vorbereitung der Sanierung
      2. 8.1.2   Sanierungsmaßnahmen
      3. 8.1.3   Feinreinigung
    2. 8.2   Großer Schaden
      1. 8.2.1   Schutzmaßnahmen
      2. 8.2.2   Sofortmaßnahmen
      3. 8.2.3   Beauftragung von Fachfirmen
      4. 8.2.4   Sonderfall Fäkalschaden
      5. 8.2.5   Sonderfall holzzerstörende Pilze
      6. 8.2.6   Sonderfall Löschwasserschäden
      7. 8.2.7   Feinreinigung
      8. 8.2.8   Sanierungskontrolle
    3. 8.3   Vorbeugende Maßnahmen bei drohendem Befall
      1. 8.3.1   Silikat- und Kalkfarben
      2. 8.3.2   Fungizide Farben
      3. 8.3.3   Calcium-Silikatplatten
      4. 8.3.4   Sanierputze und andere Spezialputzsysteme
    4. 8.4   Sanierung bei Schäden durch Glykol
    5. 8.5   Hochwasser- und Überschwemmungsschäden
      1. 8.5.1   Sonderfall: Schäden mit Beteiligung von Heizöl
      2. 8.5.2   Sanierung
  12. 9   Feuchteschäden und Recht
    1. 9.1   Hausbau, Modernisierung, Sanierung – Streitigkeiten zwischen Unternehmer und Bauherr
    2. 9.2   Hauskauf und merkantiler Minderwert
    3. 9.3   Mieter, Vermieter und Mietminderung
    4. 9.4   Versicherungsrecht
  13. Literatur und Informationsquellen
  14. Schimmelpilze, Pilze und Insekten im Zusammenhang mit Feuchteschäden
  15. Abkürzungsverzeichnis
  16. Glossar
  17. Der Autor
  18. Stichwortverzeichnis
  19. Arbeitshilfen Online

[1]

Hinweis zum Urheberrecht

Abbildung

Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

Vorwort

Feuchteschäden stellen neben Bränden die größte Gefahr für heutige Wohngebäude dar. Dies ist vor allem auf die rasante Entwicklung bei der Errichtung, den Materialien und dem Innenausbau zurückzuführen. Während bis vor etwa 100 Jahren sogar hochherrschaftliche Gebäude kaum mehr Komfort als heutige Notunterkünfte boten, müssen wir heute selbst zur Verrichtung unserer Notdurft nicht mehr kalte, ungeheizte Räume aufsuchen oder, wie noch vor wenigen Jahrzehnten üblich, das Haus verlassen. Auch das zum Kochen und Waschen benötigte Wasser steht uns im Haus im Überfluss zur Verfügung.[2]

Nicht nur die komfortable Versorgung mit Wasser aller Art macht das Leben in unseren Häusern angenehm, sondern auch der Umstand, dass wir alle Räume zu jeder Jahreszeit problemlos auf sommerliche Temperaturen aufheizen können. Zugige Fenster und Eisblumen an den Scheiben gehören zum allergrößten Teil ebenfalls der Vergangenheit an. Viele Gebäude sind zudem mit Klimaeinrichtungen ausgestattet, die bei hohen Temperaturen ein Kühlen der Räumlichkeiten ermöglicht.

Die genannten Errungenschaften bringen jedoch auch Risiken mit sich. Viele Häuser waren, als sie gebaut wurden, nicht für eine Wasserversorgung oder Warmwasserheizungen konzipiert. Und nicht in allen Fällen ist die Integration einer Wasserversorgung in ein altes Gebäude reibungslos gelungen. Die Beheizung unserer Häuser und der immer ausgeprägtere Dichtheitswahn bezüglich der Gebäudehülle führen allerdings nicht nur bei uns zu mehr Behaglichkeit. Häufig finden nun auch andere Lebensformen günstige Bedingungen in unseren Wohnungen, zu den bekanntesten dürften heutzutage Schimmelpilze gehören.

Dieses Fachbuch gibt Hilfestellung dabei, die Ursachen von Schimmelbefall und anderen Feuchteschäden näher zu betrachten. Darüber hinaus werden Untersuchungsmöglichkeiten und Sanierungsverfahren aufgezeigt. Neben einfachem Schimmelbefall können zahlreiche andere Bedrohungen der Bausubstanz oder der Gesundheit durch Feuchteschäden auftreten. Auch diese werden dargestellt.[3]

Ein solches Buch schreibt niemand alleine. Daher möchte ich für konstruktive Beiträge und Diskussionen insbesondere meinen Institutskollegen danken. Weiterhin haben mir viele Geschäftspartner, andere Sachverständige, meine Familie und auch Geschädigte auf vielfältige Art bei der Erstellung dieses Werks geholfen, viele vermutlich, ohne im Detail um ihren Beitrag zu wissen.

Mein besonderer Dank gilt zudem Frau Angela Steinfurth vom Labor Goritas für zahlreiche Telefondiskussionen in den letzten Jahren sowie Herrn Dr. Wolfgang Helfer vom Labor Mykochem für die kritische Durchsicht einiger Teile dieses Buches und seine sehr fachkundigen Beiträge zu inhaltlichen Fragen.

Stefan Tewinkel

München, im November 2015

1   Biologie der Pilze

Pilze sind keine Pflanzen, auch wenn der Bundesgerichtshof (BGH) einige Arten in einem vielbeachteten Grundsatzurteil vom 27.6.2012 (IV ZR 212/10) als pflanzliche Holzzerstörer bezeichnet. Sie sind auch keine Tiere, obwohl mit diesen fast mehr Gemeinsamkeiten bestehen als mit Pflanzen. Vielmehr stehen Pilze als eigenständige Gruppe neben den Pflanzen und Tieren, sie gibt es schon seit vermutlich über einer Milliarde Jahre. Sie leben nicht von Salzen und anderen mineralischen Nährstoffen, sondern benötigen wie Tiere und Menschen organische Nahrungsmittel. Sie können Tiere und Pflanzen bzw. Teile davon regelrecht auffressen. Als sogenannte heterotrophe Destruenten bevorzugen sie jedoch hauptsächlich abgestorbenes Tier- und Pflanzenmaterial. Pilze beseitigen darüber hinaus unsere Exkremente und andere organische Reststoffe. Daraus bilden sie Humus, damit sind sie ein unverzichtbarer Bestandteil einer sich immer wieder erneuernden Welt. Ein Leben ohne Pilze wäre also gar nicht möglich.[4]

Ihre Vielfalt ist nahezu unendlich. Man kennt heute etwa 100.000 Arten, nimmt aber an, dass es über eine Million Arten gibt. Viele von ihnen werden als nutzbringend für den Menschen angesehen, darunter die zahlreichen Speisepilze, deren Formen und Farben vom Riesenbovist als besonders ertragreichem Pilz bis zum Saitenstieligen Knoblauchschwindling, der in kleinen Mengen als Würzpilz Verwendung findet, reichen. Selbst Schimmelpilze, beispielsweise Penicillium roqueforti oder Penicillium camemberti, werden vom Menschen zusammen mit den Käse-, Schinken- oder Wurstsorten, die sie besiedeln, verzehrt. Als sogenannte Edelschimmel werten sie unsere Lebensmittel auf. Schimmelpilze der Gattung Penicillium haben sich zudem bei der Entwicklung des ersten Antibiotikums Penicillin einen festen Platz in der Medizingeschichte gesichert. Bei der Herstellung von edelsüßen Weinen hilft der in diesem Fall als „Edelfäule“ bezeichnete Schimmelpilz Botrytis cinerea. Ohne Hefepilze, die übrigens gelegentlich auch in der Bausubstanz unserer Gebäude zu finden sind, gäbe es weder Pizza noch Bier. Die Hartgesottenen mögen sich auch noch an den sogenannten Magic Mushrooms erfreuen, eine weltweit verbreitete Gruppe, die aufgrund ihrer halluzinogen wirkenden Inhaltsstoffe ein gewisses Interesse erfährt. Für die menschliche Ernährung weniger bedeutend, aber dennoch nützlich sind dagegen die Zunderschwämme. Hierbei handelt es sich um baumschädigende Pilze, die jedoch nicht nur als „Zunder“ beim Anzünden eines Feuers verwendet werden können, sondern aus denen sich sogar Hüte herstellen lassen.[5]

Pilze kommen weltweit vor. Sie besiedeln alle Landmassen inklusive der Antarktis und auch in den Meeren leben zahlreiche Spezies, hier meist einzellige Arten, die gelegentlich den anderen Meeresbewohnern zu schaffen machen. Insgesamt kann man davon ausgehen, dass Pilze jede ökologische Nische auf irgendeine Art und Weise besiedeln können. Einige Arten sind stark auf ihren jeweiligen Lebensraum spezialisiert. Erfahrene Pilzsammler können beispielsweise anhand der Höhenlage, der Baumarten in einem Wald oder dem Bodenbewuchs schnell abschätzen, mit welchen Pilzarten an einem Ort zu rechnen ist. Gleichermaßen lässt sich in Gebäuden aufgrund der verwendeten Bausubstanz oder der Art des Feuchteschadens abschätzen, welche Schimmelpilze oder andere Organismen zu erwarten sind.

1.1   Aufbau der Pilze

Im Großen und Ganzen lassen sich bei Pilzen drei Hauptbestandteile unterscheiden.

Fruchtkörper

Den offensichtlichsten Bestandteil eines Pilzes stellt der Fruchtkörper dar. Das ist bei Speisepilzen der Teil, der auf unserem Teller landet. Er beinhaltet die Fortpflanzungsorgane, also die sporenbildenden Strukturen. Fruchtkörper können die unterschiedlichsten Formen und Größen annehmen. Neben den bekannten Hutformen bei Blätterpilzen oder Schwammpilzen gibt es Knollen-, Krusten-, Keulen- und Becherformen. Die Größe variiert zwischen mikroskopisch klein und Durchmessern von über einem Meter.[6]

Mycel

Das Mycel oder Pilzgeflecht ist der vermutlich wichtigste Teil eines Pilzes. Während der Verlust eines Fruchtkörpers, so wie der Verlust einer Blüte oder einer Frucht bei einer Pflanze, ohne Weiteres verkraftet werden kann, stellt das Mycel den eigentlichen Pilz dar. Das Pilzmycel durchzieht mit seinen meist farblosen, wurzelähnlichen Hyphen kaum sichtbar und ähnlich einem Wurzelwerk das vom Pilz besiedelte Substrat. Es kann große Flächen einnehmen, so gilt das Mycel eines Hallimasches (Armillaria ostoyae) in Nordamerika als größtes Lebewesen weltweit. Es erstreckt sich über eine Fläche von fast zehn Quadratkilometern. Das Gewicht wird auf bis zu 31.000 Tonnen geschätzt. Das Alter soll, je nach zugrunde gelegter Ausbreitungsgeschwindigkeit des Pilzgeflechts, mehrere tausend Jahre betragen!

Sporen

Die Ausbreitung von Pilzen erfolgt über Sporen, dabei besteht kein Zusammenhang zwischen der Fruchtkörpergröße und der Sporengröße. Viele Hutpilze haben sehr kleine Basidiosporen, die in geradezu unglaublichen Mengen freigesetzt werden. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass etwa die Hälfte aller Schwebteilchen in unserer Luft Pilzsporen sind. Deren Durchmesser reichen von 2 bis 100 µm, also 0,002 bis etwa 0,1 mm.[7]

Hinweis

Bei Schimmelpilzen gibt es Sporen, die schon fast mit bloßem Auge wahrnehmbar sind, die meisten haben jedoch einen Durchmesser von weniger als 10 µm. Damit sind sie sehr gut flugfähig und auch lungengängig!

Sobald die Sporen reif sind, werden sie freigesetzt. Gelangt eine Spore dann auf einen geeigneten Nährboden, beispielsweise eine feuchte Tapete, wächst aus ihr ein kleiner Zellstrang, die Hyphe. Durch Verzweigung der Hyphen bildet sich schließlich ein Geflecht, das Mycel.

1.2   Voraussetzungen für den Schimmelpilzbefall

Wer Schimmelpilzbefall verstehen und – falls erforderlich – richtig bekämpfen will, muss bestimmte Parameter kennen, die die Ansiedlung von Pilzen begünstigen und mit folgenden Faktoren zu tun haben:

  • Feuchtigkeit

  • Temperatur

  • Licht und Atmosphäre

  • pH-Wert

  • Nährstoffe

Jeder Pilz hat hierbei unterschiedliche Ansprüche.

Feuchtigkeit

Wie alle Lebewesen benötigen Schimmelpilze Wasser. Eine erhöhte Feuchtigkeit ist damit im Allgemeinen die Grundvorrausetzung für das Auftreten eines Schimmelpilzbefalls. Pilze mit hohem Feuchtigkeitsbedarf werden als hydrophil bezeichnet, Pilze mit mittlerem Feuchtigkeitsbedarf als mesophil und solche mit vergleichsweise geringem Feuchtigkeitsbedarf als xerophil. Ganz ohne Feuchtigkeit wächst jedoch kein Pilz.

Die zur Verfügung stehende Feuchtigkeit wird meist in Form des sogenannten aw-Werts angegeben. Ein aw-Wert von 1 entspricht einem tropfnassen Zustand, hilfsweise kann auch von 100 % relativer Luftfeuchtigkeit an der Bauteiloberfläche gesprochen werden. Pilzwachstum findet typischerweise ab einem aw-Wert von ca. 0,7 statt, also ab einer relativen Luftfeuchte an der Bauteiloberfläche von 70 %. Erreicht die relative Luftfeuchte 80 %, sind für fast alle innenraumrelevanten Schimmelpilzarten Wachstumsbedingungen erreicht.[8]

Temperatur

Schimmelpilze wachsen bei Temperaturen zwischen 0 und 50 °C, einige wenige Arten können diesen Bereich unter- oder überschreiten. Die im Innenraum wachsenden Schimmelpilze sind typischerweise mesophile Arten mit einem Wachstumsoptimum bei 25 bis 35 °C, insgesamt mögen es unsere Schimmelpilze also eher warm. Feuchte Hitze über 60 °C tötet den Pilz in der Regel ab, nicht jedoch die Sporen. Noch höhere Temperaturen werden gelegentlich zur Pilzbekämpfung eingesetzt, beispielsweise bei einem Hausschwammbefall.

Licht und Atmosphäre

Da Pilze keine Photosynthese betreiben und nur wenig Sauerstoff brauchen, sind die Faktoren Licht und Atmosphäre meist von untergeordneter Bedeutung. Allerdings kann durch Veränderungen in der Zusammensetzung der Atmosphäre die Sporenproduktion einiger Pilze angekurbelt oder auch gehemmt werden. Neuere Forschungen zeigen zudem, dass intensives Licht eine Rolle spielen kann. So soll blaues Licht im Wellenlängenbereich um 450 nm das Wachstum von Schimmelpilzen der Gattung Penicillium hemmen.

pH-Wert

Der pH-Wert gibt an, ob es sich um ein saures, neutrales oder basisches Milieu handelt. Liegt der pH-Wert unter 7, handelt es sich um ein saures Milieu, bei einem pH-Wert von 7 um ein neutrales und bei einem pH-Wert von über 7 um ein basisches Milieu. Der saure Zitronensaft hat beispielsweise einen pH-Wert von 2,4, der pH-Wert von Seife liegt bei 9 bis 10.[9]

Schimmelpilze bevorzugen ein schwach saures Milieu mit einem pH-Wert von 4,5 bis 6,5, wie er bei den meisten organischen Oberflächen gegeben ist. Bei einem pH-Wert von weniger als 2 oder mehr als 8 findet kein Wachstum mehr statt. Durch Ausscheidungsprodukte können Schimmelpilze den pH-Wert jedoch selbst regulieren.

Hinweis

Viele mineralische Baustoffe, beispielsweise die meisten Putzsorten sowie einige Farben, haben einen sehr hohen pH-Wert und wirken damit auf natürliche Weise einer Schimmelpilzansiedlung entgegen.

Nährstoffe

Pilze können sich auf verschiedene Weisen ernähren. Viele leben in einer Gemeinschaft mit einem Wirt, meist einem Partner, der Photosynthese betreibt. Eine derartige Symbiose findet beispielsweise mit Flechten statt, aber auch mit zahlreichen Pflanzen, bei denen sich das eigene Wurzelgeflecht und das des Pilzes miteinander verbinden. Der Pilz versorgt die Pflanze mit Wasser und Mineralstoffen, im Gegenzug erhält er organische Stoffwechselprodukte der Pflanze, beispielsweise Zuckerstoffe. Andere Pilze leben parasitisch, das bedeutet, sie besiedeln noch lebende Organismen wie Pflanzen, Tiere oder andere Pilze und können diese sogar zum Absterben bringen.

Ein großer Teil der Pilze zählt zu den sogenannten Destruenten, sie ernähren sich von toter, organischer Materie. Hierzu zählen viele Schimmelpilze. Um in Gebäuden gedeihen zu können, brauchen sie also in jedem Fall ein organisches Substrat, das sie besiedeln können. Auf blanken Steinen beispielsweise können Pilze nicht wachsen. Sie haben jedoch insgesamt nur sehr geringe Ansprüche an ihre Umgebung. In Innenräumen findet man sie häufig auf Lebensmitteln, Pappe, Holz, Raufasertapete, Tapetenkleister oder Dispersionsfarbe. Außerdem besiedeln sie Dämmstoffe, Teppichböden, Textilien, Leder und sogar geringste Staub- und Schmutzablagerungen. Auf ihnen bildet sich gelegentlich ein sogenannter Biofilm aus Algen, Bakterien und anderen Mikroorganismen, der dann wiederum von Pilzen besiedelt wird. Staub- und Schmutzablagerungen können dazu führen, dass gelegentlich sogar Fliesen oder Metallteile zu schimmeln beginnen. Auf rein mineralischen Baustoffen können Schimmelpilze nicht leben. Es gibt jedoch Arten, beispielsweise den Echten Hausschwamm, die mineralische Baustoffe durchwachsen können.[10]

Hinweis

Die Art der zur Verfügung stehenden Nährstoffe kann bereits erste Anhaltspunkte für die Einordnung der Schimmelpilze geben. So findet sich beispielsweise der Schimmelpilz Stachybotrys chartarum sehr häufig auf durchnässten Gipskartonplatten.

2   Gesundheitliche Gefahren

Dass es giftige Pilze gibt, ist allgemein bekannt. Tödliche Vergiftungen durch Hutpilze, zum Beispiel den hochtoxischen Grünen Knollenblätterpilz (Amanita phalloides), sind geradezu legendär. Allerdings handelt es sich hierbei um Vergiftungen, die auf den Verzehr nicht unerheblicher Mengen dieser Pilze zurückzuführen sind. Beim Grünen Knollenblätterpilz sind es immerhin 30 Gramm (g) Pilzbiomasse, die als tödliche Dosis für einen erwachsenen Menschen gelten.[11]

2.1   Mykotoxikosen

Bei den meisten Schimmelpilzen ist es technisch sehr schwierig, derart große Mengen aufzunehmen. Dennoch kommt es gelegentlich auch bei Schimmelpilzen zu ernstzunehmenden Vergiftungen, den sogenannten Mykotoxikosen. Der wohl bekannteste Mykotoxinproduzent dürfte der Schimmelpilz Stachybotrys chartarum sein. Ihm wurden die sogenannten Cleveland-Babys angelastet: In der Stadt Cleveland in den USA erkrankten einige Babys 1993 und 1994 schwer, eines starb, was mit Schimmelbefall in den Wohnungen der jeweiligen Familien nach einem Hochwasser in Verbindung gebracht wurde. Zwischenzeitlich wird dieser Zusammenhang kritisch hinterfragt. Weiterhin gab es in den 1920er Jahren einige schwere Erkrankungen und Todesfälle bei Kühen und Pferden, die auf diesen Pilz bzw. seine Toxine zurückgeführt wurden. Die Tiere hatten massiv befallenes Stroh gefressen. Als unstrittig gilt auf jeden Fall, dass einige Stämme von Stachybotrys chartarum tatsächlich Toxine produzieren können, die sogenannten Satratoxine. Ob dieser Pilz ohne orale Aufnahme toxisch wirken kann, ist aber noch immer umstritten.

Insgesamt sind mehrere hundert verschiedene Mykotoxine beschrieben. Für den Menschen gefährlich sind Toxine, die bei Schimmelbefall an Lebensmitteln entstehen. Hier sind beispielhaft die auf verschimmelten Nüssen zu findenden Aflatoxine oder die auf befallenem Getreide entstehenden Fusarium-Toxine zu nennen.[12]

2.2   Mykosen

Insgesamt hängen Gesundheitsgefahren durch Schimmelpilze sehr stark von der individuellen gesundheitlichen Konstitution und in geringerem Umfang von dem Ausmaß der Exposition ab. Nur sehr wenige Schimmelpilze gelten als humanpathogen; hierbei handelt es sich um Spezies, die eine sogenannte Mykose auslösen können, also eine Infektion durch Schimmelpilze. Die typischen Mykosen der Haut, beispielsweise Fußpilz oder Pilzerkrankungen an Schleimhäuten bzw. Geschlechtsorganen, zählen allerdings nicht dazu.

Unter den Schimmelpilzen gilt hauptsächlich Aspergillus fumigatus als gefährlich hinsichtlich einer Mykose, die dann als Aspergillose bezeichnet wird. Da dieser Pilz vorzugsweise das Lungengewebe besiedelt, treten schnell unabsehbare Komplikationen auf, die oft zum Tod führen. Die richtige Diagnose kann in den meisten Fällen erst der Pathologe stellen, nachdem der betroffene Mensch verstorben ist. Eine Infektion ist bei halbwegs gesunden Menschen nicht zu erwarten, hierfür ist eine erhebliche Schwächung des Immunsystems Voraussetzung.

2.3   Allergien

Sehr viel häufiger treten dagegen Schimmelpilzallergien auf. Die Symptome reichen von Augenjucken und -tränen über Fließschnupfen und trockenen Husten bis zu heftigsten asthmatischen Anfällen bei starker Exposition. Auch die Haut kann mit Jucken, Rötung und Quaddelbildung reagieren. In sehr seltenen Fällen lässt sich in der Untersuchungspraxis geradezu zusehen, wie Menschen selbst in nur leicht mit Schimmel belasteten Räumen deutlich erkennbare Symptome entwickelten.[13]

Hinweis

Wirklich ernsthafte Erkrankungen durch Schimmelpilze müssen als extrem selten angesehen werden. Allerdings sind sehr vereinzelt Todesfälle aufgetreten, nachdem Menschen stark verschimmelte Nahrungsmittel zu sich genommen haben oder beispielsweise beim Umsetzen eines Komposthaufens sehr hohen Sporenkonzentrationen ausgesetzt waren.

2.4   Mykophobie

Ein neueres Krankheitsbild, das unter anderem 2013 auf der Schimmelpilztagung des Berufsverbandes Deutscher Baubiologen e. V. (VDB) und des Bundesverbandes Schimmelpilzsanierung e. V. (BSS) in Bonn vorgetragen wurde, ist die sogenannte Mykophobie, also die Angst vor Schimmelpilzen allgemein. Da über Schäden durch Schimmelpilze sehr viel häufiger gemutmaßt wird, als dass sie nachgewiesen werden, ist dieses Krankheitsbild deutlich auf dem Vormarsch. Mykophobie sollte jedoch nicht davon ablenken, dass es tatsächlich ernstzunehmende Gesundheitsgefährdungen durch Schimmelpilze gibt.

Eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Schimmelpilzexposition und den gesundheitlichen Beschwerden liegt im Übrigen für keines der vorgenannten Krankheitsbilder vor. Dementsprechend gibt es auch keine gesundheitlich begründeten Grenzwerte bei einem Schimmelbefall.

Bakterien und Co

In neuerer Zeit wird der Begriff „Schimmel“ immer häufiger nicht nur als Synonym für einen Befall durch Schimmelpilze verstanden. Vielmehr umfasst er inzwischen auch Belastungen durch Hefen, Bakterien und Algen. Bakterien treten nahezu bei jedem Schadenfall auf, besondere Aufmerksamkeit wird den Fäkalbakterien oder Fäkalkeimen gewidmet. Unter dem Begriff Fäkalkeime werden typischerweise Fäkalstreptokokken oder -enterokokken sowie der Keim Escherichia coli, oft als E. coli abgekürzt, zusammengefasst. Gelegentlich werden auch coliforme Bakterien dieser Gruppe hinzugefügt, sie kommen auch in der Umwelt vor und gelten ohne Fäkalstreptokokken und E. coli nicht als zuverlässige Fäkalindikatoren. Fäkalstreptokokken und E. coli leben normalerweise ausschließlich im Darm. Gelangen sie beispielsweise über eine Wunde in den Blutkreislauf, kann dies zu schweren Infektionen führen. Ihr Auftreten ist daher immer kritisch zu bewerten.[14]

Weiterhin werden neuerdings immer häufiger Belastungen durch Aktinomyceten diskutiert. Hierbei handelt es sich um Bakterien, die ähnlich wie Pilze ein Mycel bilden und teilweise die Bezeichnung „Strahlenpilze“ führen. Aktinomyceten sind ausgesprochene Geruchsbildner und nicht selten für das verantwortlich, was gemeinhin als Schimmelgeruch bezeichnet wird. Aufgrund ihrer schimmelpilzähnlichen Eigenschaften wird das Auftreten von Aktinomyceten auch ähnlich kritisch wie das von Schimmelpilzen bewertet.

Darüber hinaus besteht bei einem Wasserschaden, insbesondere wenn er durch Überschwemmungen verursacht wurde, die Gefahr des Kontakts mit anderen Mikroorganismen. Beispielhaft seien hier die Kryptosporidien genannt. Dabei handelt es sich um einzellige Parasiten, die etwa bei dem Hochwasser 2013 in Halle zu zahlreichen schweren Infektionen führten. Das Krankheitsbild umfasst ausgeprägte Durchfallerkrankungen und grippeähnliche Symptome.[15]

In der Biostoffverordnung (BioStoffV) werden für biologische Arbeitsstoffe Risikoeinstufungen vorgenommen, darunter fallen Viren, Pilze, Bakterien und humane Endoparasiten, die beim Menschen Infektionen, sensibilisierende Wirkungen oder Vergiftungen hervorrufen können. Die Arbeitsstoffe werden gemäß ihrem Infektionsrisiko in die Risikogruppen 1 bis 4 eingeordnet:

Definitionen laut § 3 Biostoffverordnung

Risikogruppe 1: „Biostoffe, bei denen es unwahrscheinlich ist, dass sie beim Menschen eine Krankheit hervorrufen.“

Risikogruppe 2: „Biostoffe, die eine Krankheit beim Menschen hervorrufen können und eine Gefahr für Beschäftigte darstellen könnten; eine Verbreitung in der Bevölkerung ist unwahrscheinlich; eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung ist normalerweise möglich.“

Risikogruppe 3: „Biostoffe, die eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen können; die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung kann bestehen, doch ist normalerweise eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung möglich.“

Risikogruppe 4: „Biostoffe, die eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen; die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung ist unter Umständen groß; normalerweise ist eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung nicht möglich.“[16]

Auch Schimmelpilze werden in derartige Risikogruppen in den „Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe“ (TRBA 460) einsortiert. In der Risikogruppe 1 finden sich die Arten, bei denen keine Infektionsgefahr besteht, etwa Alternaria alternata sowie verschiedene Schimmelpilze der Gattung Aspergillus wie Aspergillus versicolor und Aspergillus niger. Der Risikogruppe 2 sind insgesamt nur zwei der in Deutschland typischerweise in Gebäuden zu erwartenden Schimmelpilze zugeordnet, dies sind die Arten Aspergillus fumigatus und Aspergillus flavus. Auch das in Zusammenhang mit Fäkalschäden auftretende Bakterium Escherichia coli sowie die obengenannten Kryptosporidien fallen in die Risikogruppe 2. In den Risikogruppen 3 und 4 finden sich keine Schimmelpilze oder andere bei der Gebäudesanierung zu erwartenden Mikroorganismen. Mikroorganismen der Risikogruppe 4 kommen normalerweise in Deutschland ohnehin nicht vor.

Hinweis

Die Biostoffverordnung berücksichtigt keine Allergien und auch keine Giftstoffe, die von Pilzen gebildet werden. Eine Risikoabschätzung allein auf Grundlage der Einstufung in eine Risikogruppe muss daher als kritisch angesehen werden.

3   Gefahren für die Bausubstanz

Schimmelpilze stellen hauptsächlich ein hygienisches Problem dar, manchmal auch ein optisches, wenn beispielsweise ein Befall durch holzverfärbende Pilze, sogenannte Bläuepilze, vorliegt. Bläuepilze werden hinsichtlich Hygiene und Holzfestigkeit als unkritisch angesehen. Sie „fressen“ lediglich Zellinhaltsstoffe wie Zucker, Eiweiße und Stärke. Die Holzstruktur sowie die mechanischen Eigenschaften des Holzes werden dadurch allenfalls unwesentlich verändert. Aufgrund der Schwarzfärbung des befallenen Holzes kann jedoch ein optischer Mangel gegeben sein. Typische Bläuepilze sind beispielsweise Aureobasidium pullulans sowie die in der Außenluft am häufigsten vorkommende Schimmelpilzgattung Cladosporium.[17]

Abbildung

Abb. 1: Durch Pilze verfärbtes Holz

Ernsthafte Probleme verursachen dagegen die sogenannten holzzerstörenden Pilze, durch sie verliert betroffenes Holz erheblich an Festigkeit. Es wird morsch bzw. springt würfelförmig auf. Eine einfache Messerklinge dringt dann ohne großen Kraftaufwand tief in das Holz ein. Holzzerstörende Pilze bilden zudem nicht selten ausgesprochen voluminöse Fruchtkörper und Mycelstrukturen.

Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist der sogenannte Echte Hausschwamm (Serpula lacrymans). Die Art ist übrigens in Mitteleuropa nur als Gebäudeschädling bekannt, eine Wildform gibt es bei uns nicht. Sie wurde jedoch in Wäldern im Himalaya und in anderen entlegenen Weltgegenden gefunden.

Abbildung

Abb. 2: Befall mit Echtem Hausschwamm

Der Hausschwamm und einige andere Schwämme oder schwammartige Pilze führen zu einer massiven Holzzerstörung bis hin zum vollständigen Querschnittsverlust der befallenen Teile. Sind tragende Holzbalken betroffen, kann es zu gravierenden Schäden kommen, sogar zum Einsturz von Geschossdecken. Der Echte Hausschwamm kann von feuchten Stellen ausgehend auch trockenes Holz befallen. Im Gegensatz dazu können die Nassfäulepilze nur stark durchfeuchtetes Holz angreifen, allerdings auch ausgeprägte Schäden verursachen.[18]

Die häufigste Schadenform durch holzzerstörende Pilze ist die sogenannte Braunfäule. Hierbei wird der Zelluloseanteil der befallenen Holzteile zerstört und es kommt zum Würfelbruch. Typische Vertreter der Pilze, die Braunfäule verursachen, sind der Echte Hausschwamm, Brauner Kellerschwamm (Coniophora puteana), Porenschwämme (Gattung Antrodia) sowie Blättlinge (Gattung Gloeophyllum). Bei der Weißfäule wird dagegen auch der Ligninanteil des Holzes zerstört. Lignine sind organische Verbindungen in der pflanzlichen Zellwand, durch die die Zellen verholzen. Weißfäule an in Gebäuden verbautem Holz wird beispielsweise durch den Ausgebreiteten Hausporling (Donkioporia expansa) oder Sternsetenpilze (Gattung Asterostroma) verursacht. Das Holz macht einen faserigen Eindruck, es erscheint streifig zersetzt. Abgebaute weiße und gesunde Holzfasern sind nebeneinander zu finden.

Abbildung

Abb. 3: Schäden an der Bausubstanz durch den Ausgebreiteten Hausporling