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Fette Vögel gehen öfter fremd

Über den Autor

Gunther Müller, geboren 1980 in Dresden, hat in Frankfurt am Main studiert. Mehr als jedes Seminar faszinierten den Politologen, Sozialwissenschaftler und Sozialpsychologen die kuriosen, skurrilen und bizarren Fragestellungen, Methoden und Erkenntnisse der Wissenschaft.

GUNTHER MÜLLER

Fette Vögel
gehen öfter
fremd

Skurrile Erkenntnisse
aus der Welt
der Wissenschaft

vogel

Inhalt

  1. Einleitung
  2. 1 Die verrücktesten Methoden

    1. Die Studie, die zeigt,

      wie man Mundgeruch bei Hunden misst

    2. dass Kuhfladen nach Vanille schmecken

    3. dass Raben Dick Cheney mögen

    4. wie kitzelig Pinguine sind

    5. wie Brüste hüpfen und falsche BHs funktionieren

    6. dass Urin im Tank super ist

    7. dass scharfe Soßen manchmal besser wirken als Elektroschocks

    8. wie man Walblas mit einem Hubschrauber sammelt

    9. ob Arschgeweihe wirklich ein Blickfang sein können

    10. wie sich Wissenschaftler selbst beklatschen

    11. was passiert, wenn man Geld vernichtet

    12. wie man Rattenzungen trainiert

    13. dass Menschen lieber das essen, was ihnen schmeckt

    14. welche Pornos Frauen am liebsten schauen

    15. dass Glück eine psychische Krankheit ist

    16. dass Achterbahnfahrten gut gegen Asthma sind

    17. dass unser Gähnen für Hunde ansteckend ist

    18. dass fetischistische Wachteln sexuell erfolgreicher sind

    19. wie man die Penisvorhaut traumafrei aus dem Reißverschluss befreit

    20. was Mann beim Pinkeln stört

    21. wie man die Orgasmushistorie einer Frau an ihrem Schritt erkennt

  3. 2 Die verrücktesten Fragestellungen

    1. Die Studie, die zeigt,

      dass Bienen Gefühle bekommen, wenn man sie schüttelt

    2. ob Katzen mit dunklem oder mit hellem Fell gefährlicher für Allergiker sind

    3. dass Heavy-Metal-Musik wie eine Schlägerei wirkt

    4. dass Wissenschaft eigentlich doch nicht witzig ist

    5. dass jedes Kätzchen seine Lieblingszitze hat

    6. wer tatsächlich der weltbeste Springer ist

    7. dass Schwertschlucken Halsschmerzen verursacht

    8. dass das Wort »Scheiße« ein wirksames Schmerzmittel ist

    9. dass Menschen gute Schnüffler sind

    10. dass Hühner auf schöne Menschen stehen

    11. dass auch junge Ratten Komatrinker sind

    12. dass Ratten und Studentinnen einen identischen Geschmack haben

    13. wie Walrosse schlafen

    14. dass eine leere Flasche die bessere Waffe in Kneipenschlägereien ist

    15. welche Spirituose den stärkeren Kater verursacht

    16. welche Tierart am häufigsten platt gefahren wird

    17. dass Sperma ein natürliches Antidepressivum ist

    18. ob man unter dem rechten Arm anders mieft als unter dem linken

    19. was mehr nervt: schreiende Babys, kindliches Gequengel oder mütterliche Babysprache

    20. dass Zebrastreifen eine Art natürliche Barcodes sind

    21. dass es auch eine pawlowsche Kakerlake gibt

    22. wie häufig Spielkonsolen derbe fluchen

    23. dass auch Pilze Jetlag haben

    24. was passiert, wenn der Mond einem Bakterium in der Sonne steht

    25. dass Mistkäfer wahre Gourmets sind, wenn es um Fäkalien geht

    26. dass auch Kirchen eine Feinstaubplakette nötig haben

    27. wie sich echter Kot anfühlt

    28. dass auch Mumien das Recht auf Patientenverfügungen haben

    29. dass schöne Männer nicht unbedingt bessere Liebhaber sind

    30. dass Frauen das Beobachten von Affensex antörnt

    31. dass Cola doch nicht unfruchtbar macht

    32. dass eine einfache Unterhose die wohl beste Verhütungsmethode für Männer ist

  4. 3 Die verrückte Pop-Wissenschaft

    1. Die Studie, die zeigt,

      dass Pu der Bär und seine Freunde psychisch massiv gestört sind

    2. unter welcher psychischen Störung Anakin Skywalker leidet

    3. warum Rudolph so eine rote Nase hat

    4. dass Gollum doch nicht unter Schizophrenie leidet

    5. dass Jar Jar Binks von terrestrischen Pilzen befallen ist

  5. 4 Die verrücktesten Erkenntnisse

    1. Die Studie, die zeigt,

      dass man Mezcal immer mit Wurm trinkt

    2. dass Malariamücken auf Bier stehen

    3. dass die Herzen gestresster Menschen im gleichen Takt schlagen

    4. dass Fische pupsen, um zu kommunizieren

    5. dass selbst Tauben faule Aufschieber sind

    6. dass Wale auch nur das singen, was gerade angesagt ist

    7. dass Prostitution etwas für Affen ist

    8. dass pessimistische Hunde öfter Pantoffeln zerfetzen

    9. wie man als Moslem im Weltraum korrekt betet

    10. dass Blasendruck das Denkvermögen erhöht

    11. dass ausgerechnet Ethikstudenten ihre Bibliothek beklauen

    12. welches Lebewesen den größten Selbsthass hat

    13. was ein wirkliches Phantomglied ist

    14. dass Bier vor radioaktiver Strahlung schützt

    15. dass Mehrsprachigkeit zu multipler Persönlichkeit führt

    16. dass Dummheit ansteckend ist

    17. wie man in einer Paarbeziehung sein eigenes Gesicht verliert

    18. warum man bärtige Männer lieber nicht knutschen sollte

    19. dass Countrymusik tödlich sein kann

    20. dass die englische Sprache tödlich ist

    21. wie nackte Körper zu Gedächtnisfehlern führen

    22. dass auch in der Schriftart Poesie steckt

    23. dass Wodka etwas für Feinschmecker ist

    24. dass Alkohol anfälliger für Manipulationen macht – auch wenn man gar keinen getrunken hat

    25. dass »Teddybären« menschliche Fingerabdrücke haben

    26. dass der eigene Partner ein hartes Psychotropikum ist

    27. dass das muslimische Gebet gefährlich sein kann

    28. dass fette Vögel öfter fremdgehen

  6. Dank

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Einleitung

Der aufregendste Satz in der Wissenschaft, derjenige, der neue Entdeckungen ankündigt, ist nicht »Heureka« (Ich hab’s gefunden!), sondern »Das ist aber komisch …!«

Isaac Asimov

Wissenschaftliche Entdeckung und wissenschaftliches Wissen wurden nur von denen hervorgebracht, die danach gestrebt haben, ohne den praktischen Nutzen dahinter zu sehen.

Max Planck

Das ist die Grundlage der Wissenschaft: Stell eine unsachliche Frage und du bist auf dem Weg zu der richtigen Antwort.

Jacob Bronowski

Wissenschaft gilt allgemein als eine Art geistiger Brennstoff, der uns Menschen in die Zukunft treibt. Die ständige Suche nach objektiver Wahrheit und die möglichst fehlerfreie Erforschung der Realität führen uns zu den Ursachen, Gründen und Gesetzmäßigkeiten, mit denen wir die Welt und uns selbst erfassen, erklären und verstehen können.

Mittels Beobachtung, Experiment und anderen systematischen und kontrollierbaren Verfahren treibt der Mensch sein Streben nach Wissen voran. Wissenschaft schaut dabei gelegentlich über den Tellerrand, das ist bekannt, das ist man gewohnt.

Manchmal ist Wissenschaft aber eben einfach nur verrückt, schießt über das Notwendige und Nützliche hinaus. Bisweilen wird eben auch neugierig und experimentierfreudig jenseits des Tellers geforscht. Denn besonders in augenscheinlich Banalem und mutmaßlich Unwichtigem verbleiben die größten Täuschungen, Unklarheiten und Vorurteile. Auch dort sucht der Mensch als Wissenschaftler nach Vollständigkeit, Systematik und Klarheit. Die Berichte von dieser Forschungsfront, an der Grenze zum erkenntnistheoretisch Verrückten und wissenschaftstechnisch Skurrilen, wirken dann gelegentlich auch etwas absurd – zu Unrecht.

Angesichts ihrer Begriffsvielfalt müssen wissenschaftliche Studien nicht nur nach ihren Gegenstandsbereichen und ihrem methodischen Vorgehen, sondern auch nach der ganz besonderen Art und Weise ihrer Durchführung unterschieden werden. Zwischen ereignislosem Wissenschaftsalltag und perversen Exzessen der Forschung sind »verrückte Studien« eine grundlegende Form der Wissensgewinnung. Alle in diesem Buch gesammelten wissenschaftlichen Studien haben das Prädikat »verrückt« verdient. Die verrückte Wissenschaft ist eher lachhaft als pompös und eher skurril als alltäglich. Sie fürchtet nicht die Probe der Lächerlichkeit. Wenn man Lächerlichkeit als einen Prüfstein der Wahrheit sieht, dann verträgt verrückte Wissenschaft es auch, in diesem Licht zu erscheinen.

Wissenschaft ist grundsätzlich die Bereitschaft, über etwas zu spekulieren und dies dann objektiv und methodisch zu überprüfen. Neben der Grundlagenforschung, die sich auf das Hervorbringen von Innovationen konzentriert, und der angewandten Forschung, die nach praktischen Anwendungsmöglichkeiten sucht, gibt es Forschung ohne Konvention. Sie sucht und findet, oft belächelt, jenseits gängiger Pfade und fern der gehypten Großforschungsprojekte auch in der Kuriosität und Skurrilität nachvollziehbare und gesicherte Erkenntnisse. »Verrückte Wissenschaft«, dieser Art des Forschens ist dieses Buch gewidmet.

Verrückt ist es beispielsweise, Forschungsgegenstände aufzugreifen, die zunächst abwegig anmuten und weder kurz- noch langfristig verwertbar erscheinen. Verrückte Wissenschaft erweist sich durch diese vermeintliche Sinn- und Zweckfreiheit und ihre Ferne zum medial begleiteten Mainstream als die tatsächlich freie Forschung. Frei von allen Entstehungs-, Begründungs- und Verwendungszusammenhängen, frei von Werten und Zwängen steht sie für die Idee des kreativen und gleichwohl methodischen Forschens.

Das freie, aber dennoch sach- und methodenverständige Spiel mit Forschungsfeldern und -objekten ist das, was entscheidende Impulse für großartige Ideen auslösen kann. Forschungsprojekte, die anfangs unangebracht oder zu radikal erscheinen, sind genau die Vorhaben, die den Verstand schärfen und geschmeidig halten.

Es gibt keinen Ort, keine Banalität im Universum, den bzw. die man nicht sorgfältig, gewissenhaft und klug mit den Instrumenten der Wissenschaft dokumentieren, bemessen und analysieren kann. Verrückte Wissenschaft vermag auf vielleicht vollständige Weise das erkennbare Universum abzubilden – mitsamt seinen Verrücktheiten und Zufälligkeiten. Deshalb wohnt gewissermaßen die Verrücktheit der Forschung inne.

Und dort, wo der Mensch mit Wissenschaft spielen darf, entfaltet er auch sein ureigenstes Wesen. Spekulieren und frei forschen, das liegt in unserer Natur, ist eines der wesentlichen Merkmale menschlichen Seins. Was hier zwischen kurioser Forschungsfrage und skurrilem Forschungsergebnis zum Vorschein kommt, ist das tatsächliche Wunder der Realität.

Warum aber versetzen uns die Fragestellungen, Methoden und Ergebnisse der verrückten Wissenschaft in heitere Stimmung? Wissenschaft ist das Aufbegehren der kleinen Erkenntnisfortschritte gegen das übergroße Unwissen. Dieses Verhältnis zwischen den menschlichen Forschungsbemühungen und der Übermächtigkeit des Unwissens begründet auch den Humor dieser Studien. Forschung ist deshalb immer auch etwas existenziell Komisches. Den Forschungsimpuls kann man genauso wenig unterdrücken wie den Lachimpuls. Unwissen provoziert Forschung, genau wie Tabus oder Verbote Humor provozieren. Es ist nicht anders, als würde man das eben beschriebene tragisch-komische Missverhältnis zwischen Wissen und Unwissen auf humorige Weise in einen Vorteil verwandeln wollen. Das Fragen und das Abenteuer der Wissenschaft ist nun mal das Fragen, nimmt der Übermacht des Ungewissen die Schwere. Dadurch fällt die Unwissenheit nicht mehr so stark ins Gewicht – und genau das ist komisch.

Die zum Teil rigoros trockene, kryptische Sprache und Darstellungsweise der Wissenschaft birgt die Gefahr, der unzulässigen Herabsetzung des Humors zu unterliegen. Ernsthaftigkeit ist heute die gebräuchlichste Sichtweise auf die Methoden und Ergebnisse der Forschung. Humor gilt in diesem Bereich, insbesondere in Deutschland, zu Unrecht als nicht angebracht. Unter der Oberfläche der Erscheinungsformen mannigfacher wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstände liegen nicht nur Erkenntnis und Wissen, sondern dort findet man eben auch Witz. Das klingt zunächst paradox; denn die wohl planmäßigste und zielgerichtetste Aktion im Verhaltensrepertoire des Menschen, die Wissenschaft, trifft hier auf die vielleicht unwillkürlichste und unkontrollierbarste Regung des Menschen, das Lachen. Und wenn wir nicht mehr über ernste Sachen lachen können, worüber dann?

Manchmal sind es die entdeckten Zusammenhänge, manchmal die verschiedenen analytischen Verfahren und manchmal ist es auch das Forschungsobjekt selbst, was uns schmunzeln lässt. Es gibt Kombinationen aus origineller Theorie, Methode und Forschungstechnik, die auf eine besondere Weise einfach witzig sind – auch im ursprünglichen Wortsinn, nämlich schlau und findig.

Es ist stets witzig und befreiend, wenn der Widerspruch zwischen Glaube und Tatsächlichem aufgelöst wird. Die Besonderheit des Untersuchungsobjekts, eine herausragende Methode oder ein unerwartetes Forschungsergebnis in der Wissenschaft ähnelt den Pointen bei Witzen. Die Pointe verhält sich zum Witz wie das »Heureka!« zum Experiment.

Dabei darf man aber keinen humoristischen Fehlschluss begehen und diese unterschiedlichen Ebenen vermischen. Es wäre ein Trugschluss, würde man von der Witzigkeit oder Skurrilität einer Studie auf deren wissenschaftliche Qualität schließen. Die hier vorgestellten Studien kitzeln zwar den Verstand, sind aber alle in wissenschaftlichen Fachmagazinen erschienen. All das hier versammelte Amüsement hat wissenschaftliche Qualität sowie theoretische und praktische Relevanz.

Es ist also nicht ernsthaft verrückt, der verrückten Wissenschaft ein Buch zu widmen. Auch wenn die Lektüre weder das Gehirn vergrößert noch zu unglaublicher Intelligenz führt, dann doch wenigstens zu einem Lachen. Denn wenn die folgenden wissenschaftlichen Studien eine offensichtliche Gemeinsamkeit haben, dann ist das ihr Unterhaltungswert. Und die durch das Lachen ausgelöste Hechelatmung führt zumindest zu einer besseren Sauerstoffversorgung des Gehirns. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass es diese verrückten Studien sind, die uns erst zum Menschen machen. All die skurrilen wissenschaftlichen Arbeiten, die hier zusammengetragen wurden, sind Sinnbild dafür, worauf der Forschergeist basiert – nämlich der leidenschaftlichen Freude an der Forschung.

Dieses Buch legt nun erstmals eine Auswahl verrückter Studien vor, stellt deren Erkenntnisinteressen, Methoden und Funktionen dar und kommentiert sie mit zwinkerndem Auge. Es möchte damit endlich die Kluft zwischen der weitverbreiteten Beschäftigung mit der Mainstream-Wissenschaft und dem Fehlen einer die verrückten Arten und Weisen des Forschens überschauenden Darstellung schließen. Dieses Buch ist eine Wissenschaftskunde der verrückten Art, eine Encyclopaedia curiosita.

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1 Die verrücktesten Methoden

In diesem Kapitel sind die wohl verrücktesten wissenschaftlichen Herangehensweisen an einen Forschungsgegenstand versammelt, die es gibt. Lassen Sie sich überraschen, wie kreativ Forscher Elemente aus Theorie, Methode und Forschungstechnik miteinander kombinieren, um ungewöhnliche Erkenntnisse zu gewinnen. Lesen Sie, mit welchen abgefahrenen Methoden Wissenschaftler ihr Ziel erreichen.

Die Studie, die zeigt, wie man Mundgeruch bei Hunden misst

Es gibt tatsächlich eine Studie, die sich damit beschäftigt, eine praktische Methode zur Messung von Mundgeruch bei Hunden zu entwickeln. Hundemundgeruch wissenschaftlich zu erfassen, ist nicht einfach. Die gängigen Analysemethoden, die selbst kleinste Bestandteile unangenehmer chemischer Verbindungen in der Atemluft aufspüren, sind kaum praktikabel für den Einsatz bei unseren vierbeinigen Freunden. Hunde halten schwerlich still und müssten auch auf spezielle Atemtechniken abgerichtet werden, die man für bestimmte Diagnosen braucht. Dies ist kaum machbar. Techniken wie die Gaschromatografie, mit deren Hilfe die Konzentration flüchtiger Schwefelstoffe gemessen wird, liefern bei Hunden keine brauchbaren Werte. Aber auch andere Methoden zur Bestimmung der Ursachen von Mundgeruch sind für den Einsatz bei Hunden ungeeignet.

Aus diesem Grund erarbeiteten die Forscher ein »sensorisches Messverfahren«, bei dem, jetzt kommt’s, ausschließlich die Nasen speziell geschulter Prüfer zum Einsatz kommen – um direkt am Maul des Hundes zu schnuppern.

Irgendwie seltsam, wenn der Mensch mit seinen fünf bis zehn Millionen Riechzellen einem Hund ins Maul schnuppert, der über fast zweihundert Millionen davon verfügt. Das Riechorgan Nase als Instrument der Wissenschaft? Jedenfalls, so die Wissenschaftler, sei dies der einfachste Weg, um Hundemundgeruch zu messen.

Um individuelle Unterschiede bei der Wahrnehmung von Hundemundgeruch zu minimieren, wurden die Prüfer von einem Nasenspezialisten für den richtigen Umgang mit ihrem »Instrument« geschult. Das Ziel war es, ihnen genaues Schnuppern beizubringen und so Schwankungen bei den Ergebnissen zu verringern. So sollte sichergestellt werden, dass die Geruchsbewertungen mit den oben genannten objektiven Messverfahren im Einklang stehen und auch durch andere Forscher beliebig häufig wiederholbar sind.

Die Prüfer hatten zahlreiche anstrengende Trainingseinheiten zu durchlaufen, um systematisch Genauigkeit und Wiederholbarkeit zu verbessern. Die Teilnehmer schnupperten dazu an speziell ausgewählten Hunden, die unterschiedlich stark aus dem Maul dufteten. Dabei gingen alle Riecher nach demselben Schema vor: Öffnen der rechten Maulspalte und die Nase direkt an der Zahnreihe des Hundes platzieren. Die wahrgenommene Stärke des Geruchs wurde dann auf einem Bewertungsbogen notiert. Weiterhin sorgten die Experimentatoren dafür, dass durch bestimmte Verhaltensregeln, wie etwa das Händewaschen nach jeder Probe oder das Tragen eines nicht parfümierten Kittels, der Geruchssinn der Prüfer so wenig wie möglich beeinflusst wurde.

Insbesondere weil die Anwendung herkömmlicher Verfahren zur Bestimmung des Mundgeruchs bei Hunden nicht möglich ist, ist dieses Vorgehen in den Augen der Wissenschaftler eine durchaus pfiffige Alternative zu Gaschromatografie, Massenspektrografie und anderen Methoden.

Quelle: Simone, A./Jensen, L./Setser, C./Smith, M./Suelzer, M. (1994): Assessment of oral malodor in dogs, in: Journal of Veterinary Dentistry, Nr. 11, S. 71–74.

Die Studie, die zeigt, dass Kuhfladen nach Vanille schmecken

Tatsächlich gibt es eine Methode, mit der man Vanilleduft und -geschmack aus Kuhmist gewinnen kann. Wir danken der Wissenschaft sehr für die Erkenntnis, dass tierische Exkremente eben nicht nur stinken, sondern auch schmackhafte Inhaltsstoffe aufweisen. Wissenschaftler haben damit bewiesen, dass es neben süß, sauer, bitter, scharf und umami wohl eine sechste Geschmacksqualität namens »scheißig« gibt. Scherz beiseite: Eine experimentierfreudige Eisdiele in Cambridge verkauft wirklich Eis mit Vanillin, das aus Kuhfladen gewonnen wurde. Die Sorte heißt: Yum-a-Moto Vanilla Twist. Sieht zwar nicht so aus, ist aber quasi Kot. Lecker.

Die chemische Verbindung namens Polyphenol wird oft als Vanillegewürz verwendet, weil sie Vanillin enthält. In der Landwirtschaft wird Vanillin hauptsächlich aus den Kapselfrüchten der Gewürzvanille gewonnen, die in Mexiko und Madagaskar heimisch ist. Das Aroma kommt aus der Samenschote und der Bohne der Vanille. In der industriellen Aromaherstellung gewinnt man Vanillin als naturidentisches Produkt aus dem Zellstoff Lignin.

Japanische Forscher konnten mit einer neuen Methode nun unter anderem erfolgreich Vanillin aus Tierkot herstellen. Dabei ist die Methode außerdem einfacher, effizienter und umweltverträglicher als bisherige Verfahren. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel der Kohlendioxidausstoß erheblich reduzieren.

Es ist unter Chemikern lange bekannt, dass Viehexkremente eine große Menge an unverdaulichen Ballaststoffen wie Lignin enthalten. Die Wissenschaftler haben damit endlich eine praktikable Methode entwickelt, Gülle auch tatsächlich zu einem nützlichen Rohstoff für eine Branche zu machen, die wohl kaum unpassender erscheinen könnte. Die Verwendung von Kot in der Lebensmittelindustrie – der in sich widersprüchliche Begriff »Scheißgeschmack« bekommt damit eine ganz neue Bedeutung.

Mit dem Kot pflanzenfressender Tiere, darunter Rinder, Ziegen und Pferde, wurde die neue Technik erfolgreich in einem Reaktor mit fünf Milligramm Kapazität erprobt. Aber auch mit Exkrementen eines Tigers (!) wurde das Verfahren ausprobiert. Vanillin konnte im Reaktor bei zweihundert bis zweihundertfünfzig Grad Celsius gewonnen werden. Aus einem Gramm Kot kann man auf diese Weise konstant fünfzig Mikrogramm Vanillin erzeugen. Noch ist unklar, wie dies genau geschieht. Die Forscher gehen davon aus, dass Vanillinsäure sich unter den Bedingungen innerhalb des Reaktors zu Vanillin umwandelt. Mit Tigerkot, in der Untersuchung das einzige Exkrement eines fleischfressenden Tieres, war man nicht erfolgreich. Nur die Pflanzenfresser nehmen ausreichend große Mengen an Nahrung mit hohem Ligningehalt zu sich. Die Verdauungsenzyme und Mikroben der Pflanzenfresser können Lignin nicht verarbeiten, ihr Verdauungstrakt ist deshalb eine wunderbare Ligninquelle.

Kot hat sich damit zu einem Nahrungsmittelzusatzlieferanten gemausert. Tierkot könnte eine wesentlich bedeutendere Rolle in einer nachhaltigen Gesellschaft der nahen Zukunft bilden – einer geschmackvollen Zukunft.

Quelle: Yamamoto, Mayu/Futamura, Yasuhiro/Fujioka, Kouki/Yamamoto, Kenji (2008): Novel production method for plant polyphenol from livestock excrement using subcritical water reaction, in: International Journal of Chemical Engineering 2008, S. 1–5.

Die Studie, die zeigt, dass Raben Dick Cheney mögen

Die Tatsache, dass Tiere Mitglieder der eigenen Spezies erkennen und sich untereinander unterscheiden können, gilt nicht nur unter Wissenschaftlern als alter Hut. Tiere können auch andere Spezies erkennen, was etwa nützlich ist, um im Angesicht eines Fressfeindes Alarm zu schlagen. Dass Tiere Individuen anderer Spezies auch einzeln unterscheiden können, war bisher jedoch unbewiesen. Das hatte man in freier Wildbahn, fern des Labors, noch nicht erforscht.

Gerade in einer von Menschen dominierten Umgebung herrschen Umstände, die die Entwicklung dieser Fähigkeit begünstigen. Krähen, die den Menschen schon vor langer Zeit in seine Dörfer und Städte folgten, sind geistig ziemlich auf Zack. Sie sind in der Lage, einzelne Menschen voneinander zu unterscheiden und sogar für lange Zeit starke positive oder negative Einstellungen ihnen gegenüber zu entwickeln.

Um diese Fähigkeit experimentell nachzuweisen, haben Wissenschaftler versucht, Krähen zu fangen – und zwar maskiert. Auf diese Weise verbanden die Forscher bei den Krähen die bedrohliche Erfahrung einer kurzen Gefangenschaft mit dem Vorhandensein einer bestimmten Maske. Man wollte durch das Fangen der Krähe also nur erreichen, dass diese die vom Forscher getragene Maske mit einer unangenehmen Erfahrung in Verbindung bringt. Nachdem die Forscher die Krähen wieder freigelassen haben, beobachteten sie die Reaktionen der Tiere auf spätere Konfrontationen mit genau diesen Masken. Das ist sicher etwas seltsam anzusehen, wenn Maskierte den Campus entlangflanieren und sich ab und an einen schwarzen Vogel schnappen.

Sehr pfiffig: Zum Einsatz kamen dabei im Handel erhältliche Gummimasken. Eine der Masken wurde zum Fangen der Krähen verwendet, die andere nicht. Der Einsatz von Masken ist sinnvoll, da sich darunter verschiedene Versuchsleiter verbergen können. Forscher sind beschäftigte Menschen, Arbeitsteilung deshalb wichtig. Die neutrale Maske, die man nicht zum Einfangen benutzte, mit der also keine Krähe negative Erfahrungen machte, war eine Nachbildung des Gesichts von Dick Cheney. Wir erinnern uns, ein neokonservativer US-Spitzenpolitiker der Bush-Ära, zuweilen gar Vizepräsident, und Mitarchitekt des globalen Krieges gegen den Terror.

Tatsächlich reagierten die Krähen nach ihrer Freilassung unterschiedlich auf die beiden Masken, die sie von allen Richtungen her erkennen und auseinanderhalten konnten. Während sich die Krähen vor dem Fang neutral gegenüber beiden Gesichtern verhielten, reagierten sie danach aggressiv und verängstigt auf die mit Gefahr verbundene Maske. Nicht aber auf Dick Cheney, die neutrale Maske. Es ist also nicht so, dass die Krähen Dick Cheney wirklich mochten, sie schimpften bloß nicht, wenn sie ihn sahen. Sie reagierten hingegen sehr stark und nachdrücklich auf die andere Maske.

Die Forscher konnten damit zeigen, dass Krähen Individuen einer anderen Spezies voneinander unterscheiden können und sich Gesichtsmerkmale bestimmter Menschen längere Zeit merken. Durch weitere Experimente konnten die Forscher außerdem eindeutig beweisen, dass es eben nur das Gesicht und dessen Merkmale sind, die das Unterscheidungskriterium für die Vögel liefern. Hüte, bunte Armbänder, verschiedene Körperhaltungen oder andere Eigenschaften einer Person haben keinen Einfluss auf die Krähen.

Übrigens: Dieses Forschungsergebnis weckte das Interesse des US-Militärs, das regelmäßig selbst abstruseste Forschungsbemühungen finanziert. Man wollte Krähen dazu nutzen, Top-Terroristen wie Osama Bin Laden zu fangen. Dick Cheney jedenfalls kennen die Vögel ja nun schon mal.

Quelle: Marzluff, John/Walls, Jeff/Cornell, Heather/Withey, John/Craig, David (2010): Lasting recognition of threatening people by wild American crows, in: Animal Behaviour, Nr. 79, S. 699–707.

Die Studie, die zeigt, wie kitzelig Pinguine sind

Das klingt doch süß: Forscher kitzeln Pinguine, um herauszufinden, wie die Tiere in engen Gruppen überhaupt schlafen können. Noch nie zuvor haben sich Wissenschaftler für die Berührungsempfindlichkeit von schlafenden Königspinguinen interessiert. Bisher wusste man nichts darüber, ob und wie die niedlichen Tiere reagieren, wenn sie mit dem einen oder anderen Körperteil aneinanderstoßen. Da Pinguine soziale Vögel sind, sind solche Erkenntnisse ganz praktisch. Man kann dann mehr darüber sagen, wie sich solche Berührungen auf die ganze Gruppe auswirken. Bei so vielen Tieren auf einem Haufen kommt es natürlich ständig zu Rempeleien. Kann man überhaupt vernünftig schlafen, wenn einem ständig jemand über die Füße watschelt?

Die Forscher wollten wissen, wie stark die Berührung sein muss, damit ein Pinguin reagiert. Die Kolonien sind so dicht besiedelt, dass sich während der Fortpflanzungszeit durchaus mehrere Tausend Tiere auf einem halben Quadratkilometer drängen können. Dabei fällt auf, dass sich die Pinguine ihren Weg am liebsten durch schlafende Artgenossen hindurch bahnen, weil wache Pinguine ihr Revier (Durchmesser 0,4 Meter) mit Picken und ähnlichem Abwehrverhalten verteidigen. Viel einfacher ist es da, schlafende Kollegen zu streifen. Diese Vorliebe ist nicht ohne Folgen für die schlafenden Tiere, denn etwa alle drei Minuten latscht jemand durch ihr Revier. Sind Pinguine besonders unempfindlich bei Berührungen, damit sie gut schlafen können?

Um die unfreiwilligen Kitzelreflexe auszulösen und die Berührungsschwelle zum Aufwachen eines Pinguins zu ermitteln, ließen sich die Forscher einiges einfallen. Es wurden hundertzwanzig Königspinguine unter Laborbedingungen an zwei Hautzonen, nämlich dem oberen Rücken und den Füßen, gekitzelt. Genau an den beiden Körperstellen, die auch unter natürlichen Bedingungen ständig gestreift werden.

Die Testpinguine waren an die Anwesenheit der Forscher gewöhnt. Die Vögel wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen von je sechzig Tieren aufgeteilt, wobei die eine Gruppe am Rücken, die andere an den Füßen gekitzelt wurde. Die Forscher wählten als »Kitzelopfer« in zufälliger Reihenfolge schlafende oder ruhende Pinguine aus. Dazu hatten die Forscher einen besonderen Apparat dabei. Ein mit einem Druckmessgerät ausgestatteter Hebelarm kam zum Einsatz. Mit dem Ding konnten sie langsam den Druck steigern, bis der Pinguin schließlich aufwacht. Im Minutentakt wurde der Druck erhöht, den letzten Wert notierten die Forscher.

Unfreiwillig geweckt wurden die Frackträger, wenn man mit einem Druck von achthundert Gramm ihnen in den Rücken pikste. Drückte man auf die Füße, gingen die Augen schon ab achtunddreißig Gramm auf. Königspinguine sind also an den Füßen wesentlich empfindlicher. Das ist bei uns ja in der Regel nicht anders, oder?

Die Forscher erklären sich das damit, dass die Pinguine dadurch Räuber besser wahrnehmen können, die es auf ihre Brut abgesehen haben. Und so merken sie auch, wenn sich ihre Küken davonmachen. Die recht unempfindliche Rückenpartie hat für das Tier dagegen eindeutig den Vorteil, auch in engen Kolonien ordentlich schlafen zu können.

Die Untersuchung ergab auch, dass die Geschlechter unterschiedlich empfindlich sind: Männliche Pinguine sind eindeutig kitzeliger als die Weibchen. Die Forscher erklären sich das mit der sozialen Rolle der Männchen innerhalb einer Kolonie. Männchen sind die Verteidiger der Brutreviere und daher mit einer sensibleren Außenwahrnehmung ausgestattet. Also besser keinen schlafenden Pinguin an den Füßen kitzeln.

Quelle: Dewasmes, G./Telliez, F. (2000): Tactile arousal threshold of sleeping king penguins in a breeding colony, in: Journal of Sleep Research, Nr. 9, S. 255–259.

Die Studie, die zeigt, wie Brüste hüpfen und falsche BHs funktionieren

Wissenschaftler hängen am Busen der Erkenntnis. Und Forscher haben mit multidimensionalen biomechanischen Messungen festgestellt, wie Brüste bei Bewegung hüpfen – zuweilen schon mal um die zwanzig Zentimeter in der Vertikalen. Dabei können Sie ein Gewicht von bis zu zehn Kilogramm erreichen. Insgesamt betrachtet sind die Hälfte Auf-und-ab- und je ein Viertel Von-Seite-zu-Seite- und Vor-und-zurück-Kompressions-Bewegungen. Das allgemeine Muster der Bewegung gleicht einer Acht. All das gilt nur für D-Cup-Brüste. Was haben sich die Forscher bei dieser Studie bloß gedacht?

Man wollte sich natürlich nicht einfach nur anschauen, wie sich Brüste bewegen. Es ging den Forschern eher darum, einen neu entwickelten Sport-BH zu testen. Dieser vermag es, die Brust der Trägerin gleichzeitig anzuheben und zu verdichten und so Unbehagen bei Fitnessübungen sowie Beschwerden von Frauen mit großen Brüsten zu verringern. Nur aus diesem Grund hat man die Daten der Brustbewegungen von zwanzig auf einem Laufband joggenden Frauen mit großen Brüsten (durchschnittliche Körbchengröße: DD) unter die Lupe genommen. Wissenschaft ist damit doch kein B-Movie.

Die Studie hat außerdem noch eine entscheidende methodische Innovation hervorgebracht. Denn damit es auch wirklich wissenschaftlich zuging, liefen die weiblichen Probanden mit drei nach dem Zufallsprinzip verteilten BH-Typen: dem neu entwickelten experimentellen Prototyp-BH, einem handelsüblichen Sport-BH sowie, und jetzt kommt’s, einem Placebo-BH. Der Placebo-BH sah aus wie ein echter BH, ihm fehlte jedoch die entsprechende Funktion.

Die übermäßige vertikale Bewegung der Brust bei körperlicher Aktivität hindert besonders Frauen mit großer Oberweite daran, Sport zu treiben. Je größer die Brust, desto größer die unangenehmen Brustbewegungen. Das zwingt viele sportlich aktive Frauen dazu, Sport-BHs zu tragen, entweder mit Verkapselungs- oder Kompressionstechnik. Doch derlei Unterstützung ist zwar oft hilfreich, nicht aber komfortabel. Der neu entwickelte BH basiert auf biomechanischen Studien, bei denen Frauen unter Wasser liefen. Die aquatischen Auftriebskräfte reduzierten die Gravitationskräfte und damit auch die Bewegung der Brüste. Dieser Auftriebseffekt lässt sich auf einen speziellen BH übertragen.

Der neben den funktionsfähigen Büstenhaltern eingesetzte »falsche« BH war baugleich mit dem neu entwickelten BH, jedoch aus sehr elastischem Gummimaterial – er wirkte also sehr viel weniger unterstützend. Das gefakte Wäschestück ist somit eine in der Wissenschaft übliche »falsche Fährte«. Man will halt sichergehen, dass sich die Testpersonen die Wirkung nicht nur einbilden.

Die Bewegung der Brust erfasste man so: Die Wissenschaftler platzierten jeweils zwei Infrarot-Leuchtdioden direkt über den beiden Brustwarzen; weitere Markierungen gab es an Brustbeinende, linker Ferse, Beckenkamm, Dornfortsatz, zwölftem Brust- und fünftem Lendenwirbel. Damit konnte man die Bewegung der Brust erfassen. Die Bewegungserfassungsdaten wurden dann anschließend mit einem Computer analysiert.

Die dem neuen BH-

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