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Fearless

Zu diesem Buch

Eine zweite Chance auf Für immer

Ausgerechnet in der Nacht, in der Maren ihre glückliche Scheidung feiern will, trifft sie auf den Mann, der ihr Leben auf den Kopf stellt: Dante Amato. Er ist jung, sexy und ein Selfmade-Millionär. Er weiß genau, was er will – und er will sie! Das zeigt er Maren deutlich. Die Leidenschaft und die Hingabe, mit der er sie umgarnt, wecken dabei Gefühle in Maren, die sie längst vergessen glaubte. Dante schafft es, ihre Mauern einzureißen. Doch in dem Moment, in dem sich Maren vollständig fallen lässt, enthüllt Dante ein Geheimnis, das alles verändert …

1. KAPITEL

Maren

Ich hätte Nein sagen sollen.

Diese gesamte Sache war Saiges Idee, und obwohl wir seit inzwischen zehn Jahren beste Freundinnen sind, habe ich anfangs wirklich an einen Witz geglaubt, als sie darauf bestanden hat, eine Scheidungsparty für mich zu schmeißen.

Allerdings war das ein Irrtum.

Saige hat das vollkommen ernst gemeint.

Und jetzt sitze ich hier gemütlich in einer Ecke der schicksten Bar in Seattle im lächerlich vornehmen Hotel Noir und werde in wenigen Sekunden die Kerze auf meinem Scheidungskuchen auspusten.

Meine einzige Bedingung war, dass Saige die Feier nicht wie einen Junggesellinnenabschied aufzieht. Kein Partybus, keine Trinkröhrchen in Penisform. Keine Stripper. Nur ein niveauvoller Abend mit meinen Freundinnen, ein Kuchen und der beste Champagner, den man für Geld kaufen kann, denn seien wir doch mal ehrlich, das habe ich mir verdient.

»Worauf wartest du denn? Blas die Kerze aus!«, brüllt mir Saige ins linke Ohr und erhebt breit grinsend ihre Champagnerflöte. Am dunklen Fenster hinter ihr gleiten Regentropfen hinab, und über die leise Lounge-Musik aus den Lautsprechern an der Decke hinweg höre ich ein Donnergrollen. »Na los! Scheiß auf Nathan!«

Ich betrachte die dreistöckige Vanillebuttercremetorte mit Goldstaubfondant und der flackernden Kerze. Mein Blick fällt auf den Schriftzug: »Scheiß auf Nathan«.

»Zur Auswahl standen ›Scheiß auf Nathan‹ oder ›Alles Gute zur Scheidung‹«, erklärt Saige.

»Du hättest auch einfach eine Torte ohne Aufschrift bestellen können.« Unsere Freundin Tiffin schlägt die Beine übereinander und hebt ihr Glas an die Lippen.

»Aber wo bliebe denn dann der Spaß?«, tut Saige ihren Einwand ab. »Blas jetzt endlich die verdammte Kerze aus, Maren. Es ist vorbei. Auf Nimmerwiedersehen, du fremdgehendes Arschloch. Weiter geht’s. Sein umtriebiger Penis soll vertrocknen und einen langsamen, qualvollen Tod sterben.«

Ich schüttele mir die dunklen Haare von der Schulter, hole tief Luft und puste. Die Flamme erlischt schon beim ersten Versuch. Tiffin, Lucia, Saige, Marissa und Gia klopfen auf den Tisch und prosten mir jubelnd zu.

Meine Mädels. Gemeinsam haben wir Geburtsvorbereitungskurse besucht und an Kuchenbasaren und Elternabenden teilgenommen. Wir sind zusammen mit unseren Partnern ausgegangen und haben Pyjamapartys und Zeltnächte im Garten veranstaltet. Unsere Kinder sind befreundet und einige von uns sind Nachbarn, entweder gewesen oder immer noch. Doch in diesem Moment zählt einzig und allein, dass sie mich in meinen besten Momenten gesehen und während meiner schlimmsten Zeit zu mir gehalten haben.

»Danke.« Ich lege die Hände über mein Herz, das immer noch ein wenig stolpert, sobald ich meinen linken, inzwischen nackten Ringfinger berühre. Viel zu oft erwische ich mich dabei, dass ich glaube, ich hätte meinen Ehering verloren. Dass ich ihn zum Spülen abgenommen hätte. Doch dann fällt es mir wieder ein. Wenn man etwas dreizehn Jahre lang getragen hat, gewöhnt man sich nicht über Nacht an das Gefühl, dass es fort ist. Es braucht seine Zeit, genau wie die Tatsache, dass ich jetzt für eine Person weniger kochen muss oder allein im Bett schlafe und auch Nathans Seite des großen begehbaren Kleiderschranks im Schlafzimmer »geerbt« habe. »Es bedeutet mir unglaublich viel, dass ihr heute hier seid.«

Ich straffe die Schultern und hebe das Kinn. Heute Abend will ich nicht in Selbstmitleid ertrinken, sondern meine gescheiterte Ehe zu den Akten legen und meine Zukunft mit offenen Armen willkommen heißen. Ich werde nach vorn schauen und mein neues Leben Schritt für Schritt annehmen.

»Wir haben dich lieb.« Gia prostet mir noch einmal zwinkernd zu. »Wir feiern hier nicht deine Scheidung, sondern deine Freiheit. Vergiss das nicht.«

Ich sitze am Ende unserer halbkreisförmigen Nische. Alles in dieser Hotelbar ist nachtschwarz, die Wandleuchter spenden gerade genügend Licht, damit wir die Hand vor Augen sehen. Leute gehen vorbei, hauptsächlich Anzugträger und Geschäftsreisende; sie alle wirken wie Schatten. Wenn ich Saige darum gebeten hätte, die deprimierendste schicke Bar in ganz Seattle zu finden, hätte sie einen Volltreffer gelandet.

»Was ist los, Schatz?« Saige legt einen Arm um meine Schultern und ich werde von einer Wolke teurem Parfüm und Champagneratem eingehüllt.

»Gar nichts.« Ich zwinge mich zu einem matten Lächeln und trinke einen Schluck aus meinem Glas.

Saige blinzelt und neigt den Kopf. »Du lügst.«

»Ich bin einfach nur müde. Dash hat Beck gestern Abend einen gruseligen Film schauen lassen und dann hatte Beck Albträume. Ich war die ganze Nacht auf und …«

»Stopp.« Saige legt mir eine Hand auf den Mund. »Hier bist du nicht Mommy. Hier bist du Maren. Und heute Abend bist du eine Frischgeschiedene mit Knackarsch und nur einer Sache im Sinn.«

Ich ziehe ihre Handfläche von meinen Lippen. »Was die eine Sache betrifft, bin ich mir nicht so sicher, aber ich habe in letzter Zeit eine Menge Kniebeugen gemacht und freue mich, dass es dir aufgefallen ist.«

Saige verdreht die Augen. »Hör auf, so Maren-haft zu sein.«

»So Maren-haft?«, wiederhole ich, eine Braue hochgezogen.

»Ja. So bescheiden und etepetete und perfekt. Lass dich mal ein bisschen gehen, tu was Verrücktes. Amüsier dich.«

Saige blickt sich suchend in der Bar um, obwohl mir völlig schleierhaft ist, wie sie hier überhaupt etwas erkennt. Ich kann es ganz sicher nicht.

»Der dort«, sagt sie und deutet auf einen Umriss am Ende des Tresens, der ein Mann zu sein scheint. Ich kann den Anflug eines Profils ausmachen, aber das war’s auch schon. »Du solltest die heutige Nacht mit ihm verbringen.«

Lachend trinke ich von meinem Champagner. »So funktioniert das nicht. Ich funktioniere nicht so.«

»Da hast du es.« Saige legt den Kopf in den Nacken. »Hör einfach mal für zweieinhalb Sekunden deines perfekten kleinen Lebens lang auf, Maren zu sein, und vertrau mir. Der Typ da drüben ist echt heiß. Er ist mir schon beim Betreten der Bar aufgefallen. Und seit einer halben Stunde blickt er immer wieder zu dir herüber, aber du bist viel zu verkopft, um zu bemerken, was um dich herum vorgeht. Das könnte der Anfang eines gegenseitig sehr befriedigenden Arrangements sein.«

»Jetzt übertreibst du aber.«

Ich blicke verstohlen zu ihm hinüber, doch er hat das Gesicht nach vorn gerichtet, die Ellbogen auf den Tresen gestützt und scheint sich nicht für mich zu interessieren.

Saige bildet sich das ein.

Ist doch offensichtlich.

Ich trinke aus meiner Champagnerflöte und lasse meinen Blick einen Moment länger auf ihm ruhen, in der Hoffnung, dass sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnen werden und ich dann sein Profil erkennen kann. Je intensiver ich ihn anstarre, umso deutlicher werden seine Gesichtszüge. Sogar von hier aus kann ich sehen, dass er attraktiv ist. Er scheint groß zu sein, denn seine Knie streifen die Unterseite der Theke. Die dunkle Anzugjacke spannt sich um seine breiten Schultern. Die Haare sind gepflegt und gut geschnitten. Der Mann wirkt wie jeder andere Anzugträger hier, und trotzdem ist er der Einzige, der allein trinkt.

»Lauf doch mal wie zufällig an ihm vorbei.« Saige stupst mich mit der Schulter an. »Oder besser, geh rüber und bestell dir noch einen Drink. Stell dich neben ihn, sag Hallo. Lächle ihn an. Bau die Falle auf und platzier den Köder. Und dann gehst du wieder.«

Heftig schüttele ich den Kopf. »Das kann ich nicht. Er wird mich durchschauen. Diese Nummer ist doch total offensichtlich.«

»Wen interessiert’s? Es geht doch nur um eine Nacht«, beharrt Saige. »Du musst jemanden abschleppen. Du brauchst zur Abwechslung mal einen Penis, der nicht zu einem lügenden Arschloch gehört.«

Ich blicke hinab auf mein leeres Champagnerglas und nicke. Nathan war bei allem mein Erster.

Meine erste Liebe.

Mein erster Freund.

Mein erster Verlobter.

Mein erster Ehemann.

Der erste und einzige Vater meiner Kinder.

Der Erste, der mir das Herz gebrochen hat.

Und obwohl ich nicht der Typ dafür bin, voller Selbstmitleid herumzusitzen und wehmütig an unsere glorreichen Tage zurückzudenken, bin ich ganz sicher nicht in der Lage, mich von einer schüchternen Hausfrau zu einer aufreißerischen Sexbombe zu verwandeln, nur weil ich eine Kerze auf einer Scheidungstorte ausgepustet habe.

»Ich weiß, du meinst es gut.« Ich lege Saige eine Hand auf die Schulter. »Aber ich … kann das nicht.«

Saige zieht einen Schmollmund und plötzlich erscheint wieder dieses Funkeln in ihren Augen. Sie hat große Schwierigkeiten damit, ein »Nein« zu akzeptieren. Das weiß ich aus Erfahrung. Letztes Jahr hat ihr Ehemann ihr verboten, nach Paris zu fliegen, also hat sie Paris nach Seattle geholt. Und zwar mithilfe seiner Kreditkarte und Chanel, Dior und einer eintausend Dollar teuren Torte in der Form des Eiffelturms.

Sie schlägt die Hände zusammen. »Bitte, bitte, bitte?«

»Betteln funktioniert nicht mal bei meinen Kindern. Wieso glaubst du, dass du damit bei mir Erfolg hättest?«

Ihr Blick aus den himmelblauen Augen hält meinen fest, und aus dem Augenwinkel erkenne ich, wie Tiffin neben mir den Kuchen anschneidet. Diese Frauen haben sich meinetwegen schick gemacht und sich meinetwegen in den Regen von Seattle hinausgewagt. Saige hat meinetwegen diesen Kuchen bestellt und diese Feier organisiert. Es wäre unglaublich unhöflich von mir, hier einfach langweilig herumzusitzen.

Verstohlen sehe ich noch einmal hinüber zu dem Mann an der Bar, aber diesmal schaut er zu mir herüber.

Ach du Scheiße.

Ich reiße den Blick los und bin sehr dankbar, dass die Dunkelheit meine brennenden Wangen verdeckt.

»Er hat rübergesehen, nicht wahr?« Saige verzieht den Mund zu einem zufriedenen Lächeln. »Ich hab es dir doch gesagt.«

»Hör auf.« Ich winke ab. Sie freut sich diebisch, aber mich nervt das ganz fürchterlich.

»Na los!«, fordert sie mich auf, im gleichen strengen Tonfall, den ich bei meinen Jungs anschlage, wenn ich ihnen zum zwanzigsten Mal sage, dass sie ihre Legos aufsammeln oder den Müll rausbringen sollen. »Geh rüber zu ihm. Jetzt

Ich umklammere den Stiel meines Glases und mein Herz pocht so heftig, dass ich womöglich gleich in Ohnmacht falle, wenn ich mich nicht beruhige. Schon allein der Gedanke, da rüberzuschlendern und etwas anzubieten, das bisher ausschließlich Nathan vorbehalten war, macht mir höllische Angst.

Normalerweise reiße ich in einer Bar keine fremden Kerle auf.

Obwohl natürlich nichts falsch daran wäre.

Ich habe lediglich nicht die geringste Ahnung, wie man das anstellt.

Saige kaut auf der Unterlippe herum und betrachtet intensiv mein Outfit. »Was?«, frage ich und folge ihrem Blick. Meine weiße Bluse steckt in einem schwarzen Bleistiftrock, dazu trage ich Lederstilettos. Bluse und Rock stammen noch von dem Bewerbungsgespräch mit dem Unternehmen, bei dem ich mich vorhin vorgestellt habe, denn leider fehlte mir die Zeit, mich umzuziehen, aber glücklicherweise hatte ich genügend Voraussicht, die High Heels ins Auto zu legen.

»Einen Moment.« Saige knöpft mir die obersten beiden Blusenknöpfe auf. »Viel besser.«

Dann klopft sie mir auf den Hintern und schiebt mich praktisch davon. Hinter mir höre ich die Mädels lachen und mich anfeuern.

Jetzt bleibt mir keine Wahl.

Ich muss das durchziehen.

Die Kehle ist mir wie zugeschnürt – vermutlich könnte ich nicht mal schlucken, wenn ich wollte, also seufze ich ergeben und mache den ersten Schritt. Angesichts der kitschigen Symbolik dieses Moments muss ich kichern.

Mein Ausschnitt steht weit offen und zum ersten Mal seit langer Zeit werden meine Brüste regelrecht zur Schau gestellt. Ich schwinge beim Gehen leicht mit den Hüften, lecke mir über die Lippen und halte den Kopf aufrecht, den Blick geradewegs auf das Ziel gerichtet und in der Hand das warme Glas, das ich bereits seit zehn Minuten umklammere.

Alles passiert wie in Zeitlupe, und je näher ich dem Tresen komme, desto entfernter klingen die Geräusche. Das Klirren der Gläser, das Lachen der Gäste. Die Stimmen der Cocktailkellnerinnen, die ihre Runden drehen und Bestellungen aufnehmen. Alles verblasst zu einem leisen, fernen Summen.

Bei jedem Schritt zittern meine Knie, aber ich gehe weiter. Schließlich bin ich nicht so weit gekommen, um jetzt einfach …

Ach du Scheiße.

Er ist ziemlich jung.

Und sehr, sehr attraktiv.

Beinahe auf eine lächerlich übertriebene Art gut aussehend.

Aber er ist wirklich jung.

Ich bleibe wie angewurzelt stehen, mache auf dem Stiletto-absatz kehrt und marschiere schnurstracks an unseren Tisch zurück. Vor meinen Augen dreht sich alles und meine Wangen brennen. Ich bin gleichzeitig peinlich berührt und erleichtert, als ich mich setze.

»Was? Warum kommst du zurück?« Saige verschränkt die Arme vor der Brust. »Was soll der Scheiß, Maren?«

Meine Freundinnen werfen mir enttäuschte Blicke zu.

»Er ist sehr jung«, sage ich und zwinge mich zu einem Lachen.

»Wie jung? Einundzwanzig, zweiundzwanzig?« Saige hat die Brauen hochgezogen und die Lippen zusammengepresst, was immer ein schlechtes Zeichen ist.

Ich zucke mit den Schultern. »Keine Ahnung. Ich habe ihn nicht gefragt. Ein Blick hat genügt, um mir darüber klar zu werden, dass ich viel zu alt bin, um Mittzwanziger in einer Bar aufzureißen. Also bin ich auf schnellstem Weg gegangen.«

Stöhnend schlägt sich Saige die geballte Faust vor die Stirn. »Maren. Du bist fünfunddreißig. Selbst wenn er fünfundzwanzig sein sollte, bist du immer noch nicht alt genug, um seine Mutter zu sein. Und selbst wenn du alt genug wärst, um seine Mutter zu sein … wen zum Teufel interessiert’s?«

»Ich wüsste nicht mal, worüber ich mit ihm reden soll«, verteidige ich mich. »Wir haben vermutlich null Gemeinsamkeiten. Wahrscheinlich benutzt er eine dieser albernen Dating-Apps und verkündet immer gleich alles auf seinen Social-Media-Profilen und hat lächerlich hohe Ansprüche an Frauen, weil die Generation Y der Meinung ist, dass ihr nur das Allerbeste zusteht.«

Saige legt mir die Hände auf die Schultern. »Maren, ich hab dich wirklich gern, aber momentan gehst du mir richtig auf den Keks.«

Ich lache. »Was? Warum denn?«

»Du solltest rübergehen, ihn dir ansehen, Hallo sagen und im besten Fall einen One-Night-Stand anleiern«, erklärt sie. »Es ging nicht um die Auswahl deines nächsten Ehemanns.«

»Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde das witzig«, verkündet Marissa in ihrem texanischen Akzent, den man ihr auch nach ihrem Umzug hierher immer noch anhört. »Hat jemand Lust auf Tequila?«

»Ich!«, meldet sich Tiffin sofort. »Ich komme mit dir.«

Die beiden gleiten aus der Nische und gehen hinüber zum Tresen. Sie lassen Gia und Lucia zurück, die in ein Gespräch vertieft sind, und mich, die sich jetzt Saiges Predigt anhören muss.

»Du hast dich nicht mal vorgestellt. Nach einem Blick auf ihn hattest du dir dein Urteil gebildet und bist hierher zurückgerannt, als wäre er unter deinem Niveau«, wettert Saige weiter.

»Was?« Ich verschränke die Arme vor der Brust. »Das stimmt doch gar nicht. Wenn überhaupt, dann bin ich unter seinem Niveau! Er ist superattraktiv. Ich bin definitiv nicht das, wonach er sucht. Das kann ich dir versprechen.«

»Das weißt du doch gar nicht!«

»Oh doch.«

Ein Mann wie er hat vermutlich noch nie in seinem Leben Cellulitis und Kaiserschnittnarben gesehen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er nicht mit einer Exhausfrau in ihren Dreißigern Schrägstrich alleinerziehenden Mutter Schrägstrich frisch Geschiedener mit emotionalem Ballast schlafen will.

»Geh wieder rüber!«, verlangt Saige.

»Nein.«

»Maren!«

»Nein«, wiederhole ich, diesmal mit mehr Nachdruck.

»Du brauchst das«, behauptet sie. »Ich kenne dich. Du fährst heute Abend nach Hause, verkriechst dich in deinem großen leeren Haus und kehrst in die Rolle der aufopfernden Mutter zurück. Und das ist ja auch in Ordnung. Eines Tages wirst du dir jedoch wünschen, du hättest dich getraut, als du die Chance dazu hattest.« Ich beiße mir auf die Lippe und wende den Blick ab.

»Du siehst scharf aus«, fährt sie fort. »Und du bist Single. Du brauchst Sex genauso sehr wie jeder andere Mensch. Keine Ahnung, wo dieses mangelnde Selbstbewusstsein bei dir herkommt, aber ich weiß zu einhundert Prozent, dass es nicht an dir liegt.«

»Es liegt nicht an meinem Selbstbewusstsein. Ich bin vernünftig«, widerspreche ich. »Man versucht nicht, jemandem einen Honda zu verkaufen, wenn er eigentlich nach einem Ferrari sucht. Das ist Zeit- und Energieverschwendung.«

Saige verdreht die Augen. Und macht ein würgendes Geräusch. »Du bist noch mal mein Ende. Du verstehst überhaupt nichts. Gar nichts.«

»Du zwingst mir das auf«, behaupte ich.

Ihr fällt die Kinnlade herunter. »Erst letzte Woche hast du dich bei mir darüber beschwert, dass du deine Zwanziger an schlechten Sex mit Nathan verschwendet hast, oder etwa nicht?«

Ich nicke. Es stimmt, das habe ich gesagt.

Mit zweiundzwanzig habe ich unmittelbar nach meinem Collegeabschluss geheiratet, mit dreiundzwanzig wurde ich Mutter, und dann noch einmal mit siebenundzwanzig. Meine Zwanziger waren beglückend und anstrengend. Mein Sexleben bestand aus der Missionarsstellung im Dunkeln unter der Bettdecke.

»Und außerdem hast du dich während des letzten halben Jahres im Fitnessstudio abgeschuftet«, fügt Saige hinzu, »weil du behauptet hast, gut auszusehen wäre die beste Rache.«

»Ist es auch.«

»Aber all das ist jetzt bedeutungslos, nehme ich an.«

Ich weiß, was sie da tut. Sie übergießt mich mit einem Cocktail aus umgekehrter Psychologie und Schuldgefühlen. Und es funktioniert sogar.

»Wir sind wieder da!« Gia stellt ein Tablett mit Tequilagläsern, Limettenvierteln und Salzstreuer auf unseren Tisch. »Dann wollen wir mal, Ladys.«

»Ja, ich bin es nämlich mehr als leid, den beiden dabei zuzuhören, wie sie sich ankeifen«, sagt Marissa und greift nach dem Salzstreuer.

»Genau.« Gia zwinkert mir zu. »Ihr beiden solltet euch darauf einigen, dass ihr in dieser Sache unterschiedlicher Meinung seid. Maren will nicht mit dem heißen Typen ins Bett und egal, was Saige sagt, sie wird ihre Meinung nicht ändern. Da entgeht Maren etwas, aber sie kann damit leben. Stimmt’s, Maren?«

»Stimmt genau.« Ich nehme ein Tequilaglas, stoße Saige mit dem Ellbogen an und reiche es ihr. Sie weiß, dass ich sie trotzdem gern habe, und ich weiß, dass sie momentan sehr frustriert mit mir ist.

»Außerdem ist er jetzt weg«, wirft Tiffin ein und deutet auf den leeren Platz an der Bar, der bis eben von einem der attraktivsten Männer belegt war, die mir jemals unter die Augen gekommen sind.

Saige lässt die Schultern hängen und reißt Marissa den Salzstreuer aus der Hand, eine stumme Geste ihrer Niederlage. Wir stoßen an. Der Tequila rinnt mir leicht brennend die Kehle hinab und ich fühle mich warm und entspannt, als er in meinen Blutkreislauf übergeht.

Ich werfe einen Blick in die Runde, auf meine besten Freundinnen, die mit mir durch die Hölle gegangen sind. Im Lauf der nächsten Stunde stopfen wir uns mit Kuchen voll, tauschen Horrormuttergeschichten aus und beschweren uns über unsere Ehemänner – aktuelle oder ehemalige.

Nach einer Weile macht sich Erschöpfung in mir breit, sicherlich ein Resultat der langen Nacht mit Beck, und während einer kurzen Gesprächspause überprüfe ich auf meinem Handy die Uhrzeit.

»Ich bin nur ungern die Erste, aber …« Ich hänge mir meine Handtasche über die Schulter. »Es ist schon spät.«

Marissa blickt auf ihre Uhr. »Oh, wow. Es ist kurz vor elf. Ich habe meinem Mann gesagt, ich bin um zehn zu Hause. Ups.«

Saige winkt ab. »Nur, damit ihr’s wisst, ihr beiden seid echt langweilig.«

»Ruf mich morgen an, ja?« Ich umarme meine beste Freundin und gebe ihr einen Kuss auf die Wange. »Danke noch mal für die Party. Ich schwöre, ich hab mich gut amüsiert.«

Dann verabschiede ich mich von den anderen Frauen und verlasse die Bar. Der Regen lässt allmählich nach. Eine ganze Reihe Taxen steht am Straßenrand und wartet auf die Bargäste, um sie sicher nach Hause zu bringen.

Ich verschwende keine Zeit und gehe zum nächstbesten Taxi. Nachdem ich dem Fahrer meine Adresse heruntergerattert habe, klettere ich auf den Rücksitz und lege die Wange an die kühle, von außen regennasse Scheibe. Während wir in die Vorstadt hinausfahren, erscheint vor meinem geistigen Auge das markante, schattenhafte Gesicht des Anzugträgers in der Bar und ich frage mich, wie der heutige Abend wohl ausgegangen wäre, hätte ich auf Saige gehört und meine Bedenken ignoriert.

Doch das spielt jetzt keine Rolle mehr, denn ich werde es nie erfahren.

* * *

Nachdem ich meine Schuhe ausgezogen habe, lasse ich die Füße in den üppigen Wohnzimmerteppich sinken. Das Haus ist heute Abend gespenstisch ruhig.

Nathan und ich haben uns vor einem halben Jahr getrennt und teilen uns das Sorgerecht, aber der abrupte Wechsel zwischen einem lauten, wilden Haushalt und ohrenbetäubender Stille alle paar Tage war für mich keine leichte Umstellung. Zumindest bisher nicht. Wenn meine Jungs nicht hier sind, fehlen sie mir unglaublich, aber ich weiß, dass sie sich auf die gemeinsame Zeit mit ihrem Vater freuen. Die würde ich ihnen niemals wegnehmen, auch wenn er ein Lügner und Betrüger ist. Außerdem könnte ich das gar nicht, selbst wenn ich es wollte. Nathans blaublütige Familie, alter Geldadel, hat mir kurz nach unserer Verlobung einen Ehevertrag aufgedrängt, und jung, naiv und bis über beide Ohren verliebt, wie ich damals war, habe ich natürlich unterschrieben. Unser geteiltes Sorgerecht war schon in Stein gemeißelt, bevor ich überhaupt mit dem ersten Greene-Baby schwanger war.

Ich hole das Handy aus der Tasche und lege es mit dem Schlüsselbund auf den Tisch im Foyer. Das Klirren des Metalls auf dem Marmor schallt durch das Erdgeschoss.

Während ich ins Obergeschoss hochgehe, knöpfe ich mir die Bluse auf und öffne den Reißverschluss meines Rocks. Ich ziehe mich aus und lege meine Kleidung sorgfältig über eine Sessellehne in meinem Schlafzimmer.

Auf der tadellos aufgeräumten Kommode liegt ein personalisierter Notizblock mit meinem Monogramm, zwischen einer goldenen Uhr und einem Paar Rosenquarzohrringen, die parallel nebeneinander ausgerichtet sind. Ich kann die Augen kaum noch offenhalten, dennoch schalte ich eine Lampe ein und lese mir die morgige To-do-Liste durch:

  1. Personal Trainer – 8 Uhr.
  2. Gerald wegen der Reparatur der Hintertreppe anrufen. Zedernholz?
  3. Formulare für die Zeitarbeitsfirma ausfüllen – Abgabe bis Montag!
  4. Friseurtermin ausmachen. Auch Enthaarung???
  5. Tante Margaret anrufen – Geburtstag. 59? Mom fragen.
  6. Pullover zu Neiman’s zurückbringen. Quittung suchen!

Nachdem ich einen weißen Satinschlafanzug mit dunkelblauen Punkten aus der obersten Kommodenschublade geholt habe, mache ich mich im Bad bettfertig. In Gedanken gehe ich noch einmal die Liste für morgen durch, nicke meinem Spiegelbild zu und versichere mir, dass ich sowieso viel zu beschäftigt für Gelegenheitssex mit einem heißen Mittzwanziger bin.

Als ich fertig bin, schalte ich die Lampe auf der Kommode aus und gehe mit dem Handy ins Bett. Ich liege immer noch auf der linken Seite, wie schon seit Jahren, und lasse die rechte vollkommen unberührt. Rasch schicke ich eine SMS an Saige, danke ihr noch einmal und ermahne sie, nicht zu lange in der Bar zu versumpfen.

Sie antwortet mit einem Teufelsemoji.

Lachend beschließe ich, dass ich weder die Zeit noch die Energie habe, ihren Code zu entschlüsseln, also schalte ich das Handy auf Stand-by und lege es auf den Nachttisch.

Und da höre ich es vibrieren.

»Saige«, stöhne ich. Gähnend drehe ich mich um und presse das Gesicht ins Kopfkissen. Wenn ich sie ignoriere, wird sie irgendwann aufhören, mir Nachrichten zu schicken.

Doch mein Handy vibriert erneut.

»Um Himmels willen!« Ich halte es mir vors Gesicht und muss die Augen zusammenkneifen, weil mich das helle Display blendet. Ich werde ihr schreiben, dass ich versuche, einen Schönheitsschlaf zu halten und dass sie vielleicht dasselbe tun sollte, da sie mich ja morgen früh zu meinem Personal Trainer begleiten will.

Zwei Nachrichten erscheinen, mit der Vorwahl von Seattle und einer Nummer, die ich noch nie zuvor gesehen habe.

In der ersten steht: HI, MAREN. ICH BIN DANTE.

In der zweiten: BIST DU WACH?

Mit heftig pochendem Herzen setze ich mich auf.

WER BIST DU? WOHER HAST DU MEINE NUMMER?, antworte ich. Ich bin mir zu neunundneunzig Komma neun Prozent sicher, dass Saige irgendwie ihre Finger im Spiel hat, aber falls das hier der Typ aus der Bar ist, dann war er lange fort, bevor ich gegangen bin.

Ich bin verwirrt.

Drei Punkte hüpfen über den Bildschirm. So müde ich vorhin auch war, so hellwach bin ich jetzt.

Eine Sekunde später leuchtet seine Nachricht auf: DARF ICH DICH ANRUFEN?

2. KAPITEL

Dante

Drei Sekunden, nachdem ich meine letzte Nachricht abgeschickt habe, klingelt mein Handy. Ich grinse. Wie es aussieht, habe ich mir völlig umsonst Sorgen gemacht, dass ich vielleicht zu aufdringlich rüberkommen könnte. Sie will das offensichtlich genauso sehr wie ich.

Ich räuspere mich und beantworte den Anruf mit einem tiefen und verführerischen »Hallo?«

Vor einer Stunde ist eine Blondine in der Bar meines Hotels an mich herangetreten und hat mir irgendwas von ihrer »sagenhaften Single-Freundin« erzählt, die mich schon den ganzen Abend über beobachten würde, hat mir ihre Nummer zugesteckt und mir geraten, sie besser nicht zu verlieren.

Wie sich herausgestellt hat, war die besagte Freundin genau die Frau, auf die ich selbst schon ein Auge geworfen hatte. Die dunkelhaarige Schönheit mit dem eleganten Schwung in ihrem Gang und der Art von Aura, die alle Männerblicke im Raum auf sich zieht.

»Was zum Teufel stimmt nicht mit dir?«, faucht mir eine Frau ins Ohr. »Weißt du eigentlich, wie spät es ist? Und wer ruft überhaupt mitten in der Nacht wildfremde Frauen an? Saige hat dich dazu angestiftet, richtig?«

Mein Lächeln verblasst. »Falls du mit Saige die Frau mit den irre blonden Haaren meinst, dann ja. Sie hat mir deine Nummer gegeben, aber mich nicht angestiftet. Ich bin erwachsen. Ich habe dir geschrieben, weil ich das wollte.«

Einige endlose Sekunden lang herrscht Schweigen, dann höre ich sie ausatmen. »Hör zu, ich fühle mich geschmeichelt. Dante, richtig?«

»Ja.«

»Ich fühle mich geschmeichelt, Dante, aber du musst das nicht tun.«

»Was tun?« Ich unterdrücke ein Grinsen, um die Belustigung aus meiner Stimme herauszuhalten.

»Du musst nicht so tun, als wärst du an mir interessiert, nur weil dir meine Freundin irgendeine mitleiderregende Geschichte über mich erzählt hat«, erklärt sie. »Ich bin nicht der Typ für Mitleidssex. Oder jemand, der mit Fremden ins Bett geht. Oder mit Männern, die halb so alt sind wie ich.«

»Du bist vierundfünfzig?«

»Was? Nein!«, antwortet sie, ohne zu zögern, und dann ist sie erneut still, als ob sie gerade mein Alter nachrechnet. »Du bist siebenundzwanzig?«

»Ja.« Nach ihrem Alter frage ich nicht. Für mich spielt das keine Rolle. Sie ist eine wunderschöne, geradezu alterslose Frau. Als ich sie heute Abend zum ersten Mal sah, war es dunkel, doch ihr Lachen hat mich gefesselt. Es war das Erste, was mir an ihr auffiel. Sie hat dieses lebensfrohe Lachen, das die dunkle Bar wie ein Blitz durchzuckte, und ein hübsches Lächeln, das beinahe zu breit für ihr Gesicht ist. Glänzende, dunkle Wellen fielen ihr über die schmalen Schultern und ich habe mich den ganzen Abend über dabei ertappt, wie ich mich ihr ständig zugewandt habe, immer in der Hoffnung, noch einen weiteren Blick auf sie zu erhaschen, bis ich wegen eines Anrufs in mein Hotelzimmer zurückkehren musste.

»Nimm’s mir nicht übel«, sagt sie. »Du bist trotzdem zu jung für mich.«

»Doch, das nehme ich dir übel«, entgegne ich. »Das klingt total lächerlich, und das weißt du auch, nicht wahr?«

»Lächerlich oder realistisch?«, schießt sie zurück. »Du bist praktisch noch ein Baby, Dante. Du wärst mit mir völlig überfordert, das kann ich dir versprechen.«

»Das käme auf einen Versuch an«, erwidere ich.

»Einen Versuch? Mit dir?« Sie lacht. »Der ›Versuch‹ würde aber bedeuten, dass wir miteinander schlafen müssten. Und das halte ich für keine gute Idee.«

»Warum nicht?«

»Zum einen wäre es extrem leichtsinnig«, zählt sie auf. »Vielleicht bin ich ja eine Serienmörderin?«

»Bist du eine?«, frage ich.

»Nein. Aber vielleicht bist du ja ein Serienmörder?«

Ich lache. »Nein. Bin ich nicht.«

»Das hat Ted Bundy mit Sicherheit auch behauptet«, hält Maren dagegen.

Von meinem nächsten Satz hätte ich nie im Leben erwartet, dass ich ihn mal sagen würde: »Zu Ted Bundys Verteidigung: Ich glaube nicht, dass ihn jemals eine Frau gefragt hat, ob er ein Serienmörder ist. Du weißt schon, nicht zu Beginn, wenn sie sich anfreundeten.«

»Ach du liebe Güte, wir freunden uns nicht an«, erwidert Maren. »Das hier … das ist kein Gespräch unter Freunden. Das ist das, was passiert, wenn ich versuche zu schlafen und ein Fremder aus einer Bar mein Handy mit Nachrichten bombardiert, weil er verzweifelt versucht, noch vor Mitternacht zum Zug zu kommen, bevor er am nächsten Morgen bei irgendeinem stinklangweiligen Geschäftsmeeting aufschlagen muss und dann zurück nach Kansas City fliegt, wo seine Verlobte in ihrem luxuriösen Stadthaus auf ihn wartet.«

Ich atme langsam aus und lasse die Schultern sinken. Dann reibe ich mir die Nasenwurzel und räuspere mich. »Maren, Maren, Maren.«

Ihr Name fühlt sich gut auf meiner Zunge an, was eine komische Beobachtung ist, aber ich mag den Klang. Er geht mir leicht von den Lippen.

»Was?«, will sie wissen.

»Machst du das bei jedem Mann?«

»Was denn?«

»Ich muss zugeben, deine Vorstellung meiner Biografie ist sehr kreativ, wenn auch ein wenig klischeebehaftet, aber ich kann dir garantieren, dass du dich in allen Bereichen irrst. Erstens wohne ich hier in Seattle. Ich bin nur vorübergehend im Hotel Noir eingezogen, weil meine Wohnung renoviert wird. Und zweitens habe ich morgen früh kein ›stinklangweiliges Geschäftsmeeting‹. Tatsächlich habe ich morgen frei. Und schließlich wartet in Kansas City auch keine Verlobte auf mich. Ich bin Single, und zwar ein glücklicher.«

Nach kurzem Schweigen meint Maren: »Okay, ich hab mich also geirrt. Das ändert trotzdem nichts an der Tatsache, dass ich nicht mit dir schlafen werde.«

»Das ist sehr schade«, gebe ich zu. »Ich hatte mir das in Gedanken schon alles ausgemalt …«

Sie bleibt still. Ich merke, dass sie gern mehr darüber hören möchte, aber zu stolz ist, um danach zu fragen.

»Ich dachte, ich könnte vielleicht vorbeikommen«, fahre ich fort. »Und du würdest mich an der Haustür begrüßen und nichts weiter als einen seidenen Morgenmantel tragen. Ich würde ihn aufknoten und dir von den nackten Schultern streifen, deinen Rücken gegen die nächste Wand pressen und dich küssen. Aber es wäre keiner dieser hastigen Vorspielküsse. Ich würde meine Lippen erst hart auf deine pressen und danach ganz sanft, so, als wäre nichts weiter wichtig. So, wie eine Frau es verdient, geküsst zu werden. Dann würden meine Fingerspitzen deinen Bauch berühren und immer tiefer wandern, bis hinunter zwischen deine Schenkel. Mit einem Finger würde ich tief in dich hineingleiten und auf das Stöhnen warten, das mir verrät, dass deine Knie kurz davor sind, nachzugeben und mein Name dir atemlos auf den Lippen liegt.«

Am anderen Ende herrscht weiterhin Stille. Sie lauscht mir wie gebannt.

»Während meine Finger tief in dir versunken sind, verlässt mein Mund deine Lippen und wandert zu deinem Ohr, dann deinen Hals hinab bis zu deinem Schlüsselbein. Du reibst deine Hüften an mir, dein Körper bettelt um mehr, um echte Erlösung. Deine Hände greifen nach meinem Gürtel, streifen über die Ausbuchtung in meiner Hose und spüren, was du mit mir machst …«

»Oh Gott!«, bricht Maren atemlos ihr Schweigen.

»Nicht Gott«, widerspreche ich. »Nur ein Mann aus einer Bar, mit dem du nichts zu tun haben willst.«

Und mit diesen Worten lege ich auf.

Ich hatte das nicht geplant und ganz sicher auch nicht vorbereitet. Es hat sich in diesem Moment einfach richtig angefühlt. Sobald das Gespräch beendet ist, spüre ich einen Funken Bedauern.

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