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Farbenpunkte

Sophia Anna Csar

Farbenpunkte

Liebesroman


Für alle, die geringelte Strumpfhosen, gepunktete T-Shirts und orange Haare ebenso lieben wie ich.


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Vorwort

Lieber Leser! Liebe Leserin!

Du hast das Buch eines Autors aus einer Gruppe von Selfpublishing-Autoren erstanden. Wir nennen uns „Die Wächter der Apokalypse“ und bemühen uns, diesen Namen zu einem Markenzeichen für Qualität und Originalität zu machen. Vor allem die Qualität unserer Bücher liegt uns sehr am Herzen, weswegen wir keine Mühen scheuen, jedes Buch so fehlerfrei und perfekt wie möglich zu gestalten.

Wir hoffen, dass diese Mühe sich gelohnt hat und deinem Lesevergnügen nichts mehr im Wege steht!

Aus einem aktuellen Anlass heraus müssen wir jedoch auf einen Punkt hinweisen, den wir noch weniger akzeptieren als Rechtschreib- und Grammatikfehler:

RAUBKOPIEN.

Unsere Bücher sind nicht besonders teuer. Ehrlich gesagt, sind sie für die Arbeit, die wir darin investiert haben, geradezu billig.Deswegen würde es unser aller Verständnis übersteigen, wenn wir dieses Buch als Raubkopie auf einer Piratenseite wiederfinden würde.

Lieber Leser, bitte denke daran: Der Autor hat in diese Geschichte Arbeit gesteckt, die sich über Monate, eventuell sogar über Jahre hinweg gezogen hat. Viele andere Menschen haben ihre Arbeit dem hinzugefügt (Lektoren, Korrektoren, Coverdesigner, Berater), teilweise gegen ein Entgelt, teilweise nur für ein herzerfülltes Danke.

Es wäre weder dem Autor noch diesen unzähligen Helfern fair gegenüber, wenn du dieses Buch auf einer Piratenseite downloaden oder gar die illegale Verbreitung unterstützen würdest. Sollte dein Gewissen nicht genug Abschreckung sein, erinnern wir dich daran, dass Bücherpiraterie eine Straftat ist und wir vor rechtlichen Schritten nicht zurückschrecken werden.

Die Wächter schützen ihre Geschichten und ihre Rechte.

Sollte dir eine illegale Version dieses Buches in die Hände fallen, teile es bitte dem Autor oder einem Wächter mit.

Somit wünschen wir dir viel Spaß mit diesem (hoffentlich legal erstandenen) Buch!

Liebe Grüße

Die Wächter der Apokalypse

Farbenpunkte

Lebe dein Leben so glücklich und so bunt, wie es nur geht.

- Vera Rosenthal

Familienzusammenführung

Staunend lehnte sich Eva seitlich aus dem Taxifenster und sah zum Himmel auf. Oder zumindest versuchte sie es, denn das Hochhaus vor ihr schien den Wolken den Bauch aufzuschlitzen.

„Wie lange sind wir denn noch unterwegs?“, fragte sie den Taxifahrer. Der Fahrer warf ihr einen missmutigen Blick zu, dann ließ er einen Schwall Englisch los. Konzentriert lauschte sie, gab dann aber auf. Es war kein Englisch, dass sie je zuvor gehört hatte, zumindest kam es ihr so vor. Höflich bedankte sie sich, dann sah sie wieder aus dem Fenster.

Atlanta gefiel ihr, gefiel ihr wirklich. Es war auf jeden Fall anders als jede Stadt, die sie zuvor gesehen hatte. Aber jetzt war ihr zumindest klar, was US-Amerikaner so interessant an Europa fanden. Die Städte sahen tatsächlich anders aus. Mehr Hochhäuser, das war klar, aber hier gab es einfach überall glitzernde Werbetafeln. Die Straßen waren gigantisch und sie wollte sich lieber nicht vorstellen, wie sie da jemals von einer Straßenseite zur nächsten kommen sollte. Vielleicht rief sie sich besser ein Taxi für dieses gemeingefährliche Manöver.

Unruhig zog sie den Zettel mit der hin gekritzelten Adresse aus der Hosentasche und strich erneut über alle Reißverschlüsse ihrer Reisetasche. Sie war noch nie bestohlen worden und sie hatte nicht vor das zu ändern. Leise wiederholte sie den Namen der Firma. Als sie den Namen gesehen hatte, hätte sie sich sofort denken können, wer hinter der Firma stand. Nur eine würde auf die Idee kommen, eine Immobilienfirma „Yellow Rabbit“ zu nennen.

Nämlich eine, die mit pinken T-Shirts und grünen Elefanten darauf herumlief und geringelte und gepunktete Strumpfhosen unter zerrissene Jeans anzog. Und achtzehn Jahre älter war als Eva.

Eva grinste leicht.

Ihre Tante musste jetzt achtunddreißig Jahre alt sein, aber wenn Eva nach dem Firmennamen ging, dann hatte sie sich nicht wirklich verändert.

Nur, erinnerte sie sich gequält, dass sie jetzt um einige Millionen reicher war. Und um eine Familie ärmer. Eva strich sich die schwarzgefärbten Haare aus dem Gesicht und musterte skeptisch die eisblauen Strähnen darin. Irgendwie war die Farbe zu deprimierend und sie zog eine nachdenkliche Schnute. Blau und Schwarz - vielleicht Rot? Oder sie könnte einmal Blond mit Strähnchen ausprobieren.

„We are here“, nuschelte der Taxifahrer und blieb am Straßenrand stehen. Auffordernd wies er auf den Betrag und Eva fing hektisch in ihrer Handtasche zu kramen an. Wenig später drückte sie ihm die zusammengekniffenen Scheine in die Hand, stotterte ein: „Stimmt so“ heraus, bevor ihr einfiel, dass sie besser Englisch sprechen sollte und wälzte sich eilig aus dem Taxi. Ihre Reisetasche hängte sie sich über die Schulter und sah sich um.

Vor ihr erhob sich ein hohes gläsernes Gebäude, über dessen Front sich ein aufgerichteter, gelber Hase zog, ein Ohr abgeknickt, das andere lauschend aufgerichtet. Man sah nur die Silhouette, die schwarz umrundet war, Gliedmaßen und Ohren waren Schwarz angedeutet.

Eva musste grinsen und erinnerte sich an die vielen Kuscheltiere, die ihre Tante in ihrem Zimmer gehortet hatte. Ja, diese Firma wurde so eindeutig von ihr geleitet, wie sie jetzt gerade von Reportern belagert wurde.

Fassungslos betrachtete Eva die kleine Traube Reporter, die sich mit Kameras und Blitzlichtern um eine Gestalt in weiten, blauen Hosen, pinken Schuhen und einer gestreiften Strickjacke scharrten. Die Gestalt hatte ihre Kapuze tief ins Gesicht gezogen und trug darunter noch eine Kappe, deren Schirm einen dunklen Schatten in ihr Gesicht warf.

„Mrs. Rosenthal“, brüllte ein Reporter laut, „was sagen Sie zu der Behauptung, dass Ihr neues Projekt auf Naturschutzgebiet erbaut werden soll?“

„Schwachsinn“, murmelte Eva. Wenn ihre Tante nur noch halb so war, wie sie vor zwölf Jahren gewesen war, dann würde sie niemals irgendetwas tun, dass dem Naturschutz entgegen sprach.

Die Frau spannte einen farbenfrohen Regenschirm auf, auf dem ein Urwald abgebildet war und hielt ihn sich vors Gesicht. Die Reporter wichen eilig zurück, als sie sich einen Weg durch die Horde pflügte. Eva fasste ihre Tasche fester und hastete los.

„Tante“, brüllte sie auf Deutsch. „Tante Vera!“ Ihre Tante eilte weiter. Vermutlich hatte sie sie über das Gehetze ihrer anderen Verfolger nicht gehört.

Eva holte tief Luft und brüllte erneut. „Vera!“

Die Frau blieb stehen, der Regenschirm hob sich. Hektisch setzte Eva ihre Ellenbogen ein und stieß die Leute um sich herum zur Seite. „Vera!“ Keuchend grinste sie ihre Tante an. „Verdammt, bist du schwer zu finden.“

„Tja.“ Ihre Tante faltete den Regenschirm zusammen und drückte ihn ihrem Begleiter in die Hand, der Eva misstrauisch betrachtete. „Was genau hat mich verraten?“

„Ein gelber Hase?“ Eva zog eine Augenbraue hoch und schüttelte den Kopf. „Nur du kommst auf solche Ideen.“

„Mrs. Rosenthal...“ Die Reporter versuchten sich zwischen sie zu drängen.

„Ach, Klappe, ihr Vollpfosten“, knurrte Vera ärgerlich auf Deutsch und schob die Kapuze zurück, ihre Kappe nahm sie gleichzeitig mit einer fließenden Bewegung ab.

Wenn sie die flammenden Narben hätte verdecken wollen, dann wäre ihr Sidecut auf der anderen Seite gewesen, so aber leuchteten die Verbrennungsnarben von ihrer weißen Haut wie Signalfeuer. Sie zogen sich über ihren linken Mundwinkel, hinunter zum Kinn, hinauf bis über ihren Nasenrücken, über ihre Wangenknochen zu ihrem Haaransatz. Ihre halbe Augenbraue fehlte, das linke Ohr war teilweise so verbrannt worden, dass es nicht zu retten gewesen war. Darüber fehlten die Haare, sowohl durch Narben als auch dadurch, dass sie ausgerechnet dort ihren Sidecut hineingeschnitten hatte, und würden wohl auch nie nachwachsen. Zumindest waren sie in den vergangenen zwölf Jahren nicht nachgewachsenen. Ein Keuchen ging durch die Reporter, dann flackerten die Blitzlichter los.

Vera breitete die Arme aus. „Komm zu deinem Biest, Schöne.“ Sie grinste, wodurch ihre Narben sich zerknitterten und ihr Gesicht noch weiter verzerrten.

„Das Biest kommt zu dir, Schöne“, erwiderte Eva gelassen und schlang die Arme um ihre Tante.

„Herrgott nochmal, dich kann auch gar nichts vertreiben“, murmelte Vera zufrieden und umarmte ihre Nichte.

„Du und deine verdammten Tests“, gab Eva zurück.

„Ah, wo bliebe sonst mein Spaß?“ Vera ließ sie los und grinste zu ihr hinauf, bevor sie sie durch die Reporter hindurch in das Bürogebäude führte und geflissentlich die aufgeregten Fragen ignorierte. Als sie das Gebäude betraten, blieb die Horde zurück, auch wenn das aufgeregte Geschrei sie bis zum Aufzug verfolgte.

„Also, wie hast du mich gefunden, meine Lieblingsnichte?“ Vera drückte den Knopf für den Aufzug, der sich mit einem leisen 'Ding' ankündigte. Die beiden stiegen ein und Vera drückte auf 'C'. Sanft schwebte der Lift nach oben.

„Du hast deine Firma 'Yellow Rabbit' getauft“, erklärte Eva. „Was denkst du denn?“

„Es war nur das?“ Vera sah sie schockiert an.

„Du hast deinen Wohnbau in der Josefstadt 'Ballerina-Wald' genannt“, gab Eva trocken zurück und das Grinsen brachte ihre Wangen fast zum Schmerzen.

„Mhm, ja, das war vielleicht etwas zu viel des Guten“, brummte Vera. Die Aufzugstüren öffneten sich und sie kamen in einen großen Empfangsraum mit einem dunkelgrünen Teppich und hellen Möbeln. Hinter der Empfangsdame war eine Glaswand, die einen unglaublichen Blick auf die Stadt eröffnete. Beeindruckt schob Eva die Unterlippe vor.

„Sag meine Besprechungen für heute ab, Cindy“, sagte Vera zu ihrer Empfangsdame, die sichtlich verdutzt nach Luft schnappte, und führte Eva in ihr Büro. Auch hier war eine Wand völlig aus Glas, aber sie war etwas zurückgesetzt, sodass Vera einen Balkon hatte, auf dem mehrere Blumen und sogar ein kleiner Baum standen.

„Wow.“ Vorsichtig schob Eva die Glastür auf und ging auf den schmalen Balkon. Sie beugte sich über das eiserne Geländer und blickte hinunter.

„Beeindruckend, nicht wahr?“ Vera stellte sich neben sie und sah ebenfalls hinunter. Die Spitzen ihrer pinken Schuhe ragten über den Boden hinaus, was ihr Eva grinsend nachmachte.

„Also.“ Vera sah sie aus braunen Augen an. „Was kann ich für dich tun?“

„Warum bist du damals weggegangen?“, fragte Eva und sah ihre Tante gelassen an.

„Du bist wirklich gut“, murmelte Vera und neigte den Kopf von einer Seite zur anderen. „Du kommst sofort zur Sache. Das ist gut.“

„Ich weiß.“ Eva lächelte und stützte eine Hand in ihre Hand, während sie ihre Tante weiter anblickte und auf ihre Antwort wartete.

„Ich war vierundzwanzig, als ich die unfreiwillige Gesichtstransplantation hatte.“ Vera deutete grinsend auf ihre Narben und Eva entspannte sich etwas. Sie konnte sich nicht wirklich an die Zeit nach dem Unfall erinnern, aber sie wusste, dass ihre Tante darunter gelitten hatte. „Und naja, mit vierundzwanzig denkst du gerade so richtig über deine Zukunft nach. Mein Studium war fertig, ich war auf Arbeitssuche. Und dann sieht es richtig mies aus, wenn du mit so etwas im Gesicht zu einem Bewerbungsgespräch aufkreuzt.“ Vera seufzte leise. „Und dann kam dieses absolut umwerfende Angebot vom Bekannten eines Freundes eines Studienkollegen“ sie fuchtelte wild mit den Händen herum, um die Bekanntschaft zu erklären, „und zack! – das war es. Das war mein Neuanfang.“ Sie breitete die Arme aus. „Klar, am Anfang habe ich versucht Kontakt zu halten, aber die Entfernung ist nun mal groß. Und als ich dann so weit war, um die Firma aufzumachen, gab es keinen Kontakt mehr. Da warst du wohl so zwölf, dreizehn.“

Eva nickte. Die spärlichen Geburtstagskarten und Weihnachtsgeschenke waren an ihrem dreizehnten Geburtstag ausgeblieben.

„Ich glaube, ich habe euch einfach vergessen. So etwas passiert. Da drüben habt ihr mich auch vergessen. Und ich denke, ich wollte euch auch alle vergessen. Plötzlich sahen mich alle komisch an, wenn ich zu Weihnachtstreffen da war. So als ob ihnen allen der Appetit vergangen wäre, bloß weil sie mir ins Gesicht gesehen haben. Und gleichzeitig durften sie das nicht zeigen, weil wir ja eine große, glückliche Familie sind“, Vera verzog das Gesicht, „und weil ich ja eine Heldin war“, sie verdrehte die Augen und setzte das Wort unter Anführungszeichen. „Himmel, was hab ich schon getan? Geschlottert vor Angst hab ich.“

„Ich auch“, flüsterte Eva und legte ihrer Tante einen Arm um die Schultern.

„Ich weiß.“ Vera seufzte erneut und dieses Mal schwang ein tiefer Schmerz in dem Geräusch mit, der Eva zum Schaudern brachte. „Früher mochte ich den Sommer am liebsten, aber seitdem...“ Sie schüttelte den Kopf und Eva wusste nur zu gut, was ihre Tante meinte. „Die Hitze verfolgt mich immer noch in meinen Träumen. Ich bin dankbar dafür, dass ich meine Arme und Beine bewegen kann. Und ich bin dankbar dafür, dass du die deinen bewegen kannst. Das ist das Wichtigste.“

Eva nickte. „Das kann ich nur wegen dir und das weißt du auch.“

„Vielleicht.“ Vera hob und senkte die Schultern, schien unangenehm berührt zu sein, als sie ihre Nichte enger an sich zog und grinste. „Es ist schön, dass du hier bist. Ich habe euch vermisst. Dich ganz besonders.“

„Weil ich dir alle deine Geschichten über Katzen mit Regenbogenschwänzen abgenommen habe?“

„Nyancat gibt es wirklich.“ Vera kicherte fröhlich, die zuvor bedrückte Stimmung schien vergessen und nahm Eva an der Hand, die ablehnend das Gesicht verzog.

„Sie ist so etwas von nervtötend.“

„Soll vorkommen, ja.“ Vera nickte grinsend und wies sie zu einer kleinen Sofaecke. Entspannt setzte sich Eva auf ein oranges Sofa mit apfelgrünen Pölstern, die himmlisch weich waren, als hofften sie, dass Eva sofort auf ihnen einschlafen würde. „Willst du was trinken? Essen? Wann bist du überhaupt nach Atlanta gekommen?“

„Was zu trinken, bitte. Ganz egal was.“ Eva gähnte. Die Polster schienen plötzlich noch weicher und verführerischer zu werden, als sie für einen kurzen Moment ihre müden Augen ausrastete, bevor sie sie krampfhaft wieder öffnete. „Obwohl Koffein ganz gut wäre. Mein Flug ist gestern früh in Wien abgeflogen. Ortszeit fünf Uhr, glaub ich. Und ich musste zweimal umsteigen.“

„Direktflüge sind unverschämt teuer.“ Vera wackelte zustimmend mit dem Kopf und öffnete eine Kastentür aus dunklem Kirschholz hinter dem sich der Kühlschrank versteckte. Sie holte eine Flasche Eiskaffee aus dem Kühlschrank und goss zwei Gläser voll. Dann sank sie in einen der zwei dunkelroten Couchsessel und schob Eva ein Glas zu. „Ich hoffe, du magst Eiskaffee.“

„Sehr.“ Eva grinste. „Aber ich mag keinen echten Kaffee.“ Sie schüttelte sich. „Nur mit mehr Milch als Kaffee.“

Anerkennend prostete Vera ihr zu. „Guter Geschmack, mein Kind.“

Die beiden schwiegen für einen Moment, dann begann Eva wieder zu sprechen. „Ich bin jetzt zwei Semester hier in Atlanta.“

Vera riss die Augen auf. „Ist das dein Ernst? Was studierst du?“

„Ich bin am College of Law“, erklärte Eva und beobachtete die Reaktion ihrer Tante genau.

„Wow“, sagte Vera begeistert. „Das ist ja großartig! Wo wirst du wohnen? Bist du bei einer Gastfamilie?“

Eva schüttelte den Kopf. „Ich wollte mir hier direkt eine kleine Wohnung suchen. Ich habe ein Zimmer in einem Hotel reserviert, aber das ist nur eine Übergangslösung.“

„Kein Problem, du wohnst bei mir.“ Vera strahlte. „Ich habe nicht umsonst eine Immobilienfirma. Mein Haus ist groß genug für uns alle!“ Dann zögerte sie plötzlich. „Natürlich nur, wenn du willst.“ Sie betrachtete Eva etwas nervös und knabberte an ihrer Unterlippe herum, während sie auf ihre Antwort wartete.

Eva lächelte zögerlich. „Falle ich dir auch nicht zur Last? Das sind immerhin zwei Semester, also knapp ein Jahr.“

„Papperlapapp“, winkte Vera verächtlich ab. „Ich bin natürlich nicht oft Zuhause, aber Eustace ist auch am College.“

„Eustace?“, wiederholte Eva und zog die Augenbrauen hoch.

„Oh, du kennst Eustace nicht, richtig.“ Vera stand auf und holte ein Foto vom Schreibtisch. „Mein Sohn.“ Sie hielt ihr ein Foto hin. Der Jugendliche darauf war im ganzen Gesicht mit Schokolade beschmiert und sah missmutig in die Kamera, während ein kleines Mädchen mit strahlendem Lächeln und vergleichsweise sauber an einem Schokoladeneis schleckte. Kleine Handabdrücke auf T-Shirt und Hose des Jungen zeugten davon, dass er für sie offensichtlich als Serviette gedient hatte. „Und meine Tochter Ayleen.“

„Du hast Kinder?“, fragte Eva verdutzt und sie betrachtete das Bild verblüfft. Wenn Eustace am College war, dann müsste Vera ihn ungefähr mit zwanzig bekommen haben - und das hatte sie definitiv nicht.

„Ja.“ Vera grinste verschmitzt. Sie nahm erneut Platz, während Eva noch das Foto in ihrer Hand musterte. „Nicht biologisch. Es fällt mir schwer, Männer zu finden, die genug Manns sind, um es mit mir aufnehmen zu können.“ Sie kicherte vergnügt. „Eustace und Ayleen waren beide Pflegekinder, die ich bei mir aufgenommen habe. Aber Ayleens Eltern sind beide mittlerweile verstorben und ihre nächsten Verwandten waren nicht auffindbar, also konnte ich sie adoptieren. Und Eustace’ Mutter sitzt noch die nächsten fünfundzwanzig Jahre im Gefängnis, also konnte ich es so drehen, dass ich ihn ebenfalls adoptieren konnte. Aber sie hat ihn trotzdem mit diesem grauenhaften Namen gestraft.“

„War sie Narnia-Fan?“, fragte Eva und beugte sich mit glitzernden Augen vor.

„Das hab ich die Sozialarbeiterin auch gefragt. Und weißt du, was sie dann zu mir gesagt hat?“

„Was?“

„Ist das Ihre einzige Frage, wenn Sie dieses Problemkind in Pflege nehmen wollen?“, sagte Vera in Quietschestimme und schüttelte grinsend den Kopf. „Eustace ist ein Engel! Klar, er hat so seine Macken, aber die hab ich auch.“

„Oh ja, die hast du.“ Eva nickte grinsend.

„Mom!“ Die Tür flog auf und ein junger Mann polterte ins Zimmer. „Julie hat mich angerufen! Was zur Hölle...“

„Er kommt wie gerufen.“ Vera grinste Eva noch einmal an, dann wechselte sie ins Englische. „Come here, Darling, meet my niece.“

Der junge Mann starrte Eva verwirrt an. „Du bist auch auf dem Foto. Ganz schön kuschelig unterwegs.“ Eva wurde rot und bemühte sich, nicht den Kopf einzuziehen.

Eustace war riesig. Die eins neunzig hatte er auf jeden Fall geknackt und die stachelig hoch gegelten Haare verstärkten den Eindruck nur noch. Seine Schultern waren breit, mit sehnigen Muskeln, die aber selbst durch die schwarze Kapuzenjacke hindurch erkennbar waren. Überhaupt wirkte er neben ihrer Tante wie ein dunkler Schatten. Schwarze Cargohosen, schwarze militärisch anmutende Stiefel, schwarze Haare. Seine Haut war dunkel gebräunt und aus seinem Gesicht blitzten dunkle Augen.

„Er sieht ziemlich schwarz aus“, sagte sie auf Deutsch zu Vera, um ihre Einschüchterung zu überspielen. „Etwas düster unterwegs. Hast du ihm nicht beigebracht, dass Paradiesvögel cooler sind als Leichenbestatter?“

Eustace kniff die Augen zusammen und betrachtete seine Tante, die in gackerndes Gelächter ausbrach. „Was hat sie gesagt?“

„Doch, ich hab es probiert“, presste Vera heraus und ignorierte seine Zwischenfrage einfach. „Aber er wollte nicht hören. Ein richtiger kleiner Emo, nicht wahr? Mein abgebrochenes Psychologiestudium meint, dass das eventuell sein Versuch ist, sich von mir abzugrenzen. Du weißt schon – Loslösung von der Bezugsperson und so.“

„Ist ihm gelungen“, erwiderte Eva grinsend und beschloss, sich vorzustellen. „Hi, ich bin Eva“, sie wechselte wieder ins Englische. „Entschuldige, dass ich hier so reingeplatzt bin.“

„Meine Güte, du redest Blödsinn. Meine Lieblingsnichte ist immer willkommen“, mischte sich Vera händefuchtelnd ein. „Viel wichtiger – sie ist jetzt zwei Semester in Atlanta, also wird sie bei uns wohnen. Kannst du ihr ein bisschen die Stadt zeigen?“

„Ich wohne nur bei euch, wenn es euch wirklich nichts ausmacht“, mischte sich Eva erneut ein. Verlegen sah sie ihre Tante und den neuen Cousin an. „Ich kann mir leicht irgendwo eine Wohnung nehmen.“

„Schon in Ordnung“, brummte Eustace und streckte ihr die Hand hin. „Ich bin Liam.“

„Ich dachte, du heißt Eustace“, platzte Eva heraus. Eustace/Liam verzog das Gesicht.

„Der Name ist grauenhaft. Mein zweiter Vorname ist William und nachdem es in meiner Schule etliche Wills gegeben hat, habe ich nur die letzte Silbe genommen.“

Schmollend schob Vera die Unterlippe vor. „Eustace ist ein toller Name.“

„Find ich auch. Eustace Scrubbs ist großartig. Ein toller Drache“, pflichtete ihr Eva bei. Entsetzt sah Eustace sie an. „Oh mein Gott“, murmelte er. „Du bist eine kleinere Ausgabe von Vera.“

Eva brauchte einen kurzen Moment, um die amerikanische Aussprache von Veras Vornamen zu verstehen, dann grinste sie stolz. „Das nehme ich als Kompliment.“

Eustace seufzte, dann wandte er sich Vera zu. „Julie hat mich angerufen. Sie ist angefressen, weil Harry sauer ist und ihr auf die Nerven geht und sie dich nicht erreichen kann. Irgendetwas wegen deiner Kuschelorgie mit ihr", er deutete auf Eva, "der Presse und einem Nationalpark."

„Himmel.“ Vera runzelte die Stirn. Gelassen plumpste sie auf ihren Sessel zurück und Eustace ließ sich auf das apfelgrüne Sofa mit den roten Kissen fallen. „Ich habe eine Immobilienfirma“, sie betonte das Wort, als wäre es eine ansteckende Krankheit, „eigentlich habe ich diesen Medienrummel um meine Person nicht verdient.“

„Du bist schwer reich“, gab Eustace zu bedenken, als er seine langen Beine von sich streckte und auf dem zweiten Couchsessel drapierte.

„Ja, wie zig andere. Wer bin ich – Bill Gates?“

„Dem fehlen die Brüste“, murmelte Eva und trank hastig noch einen Schluck Eiskaffee.

„Er sollte über eine OP nachdenken.“ Vera rieb sich den Nasenrücken. „Dann wären diese Hyänen sofort verschwunden.“

„Schreckliche Vorstellung.“ Eustace verdrehte die Augen zum Himmel. „Ich will mir das nicht bildlich vorstellen.“

„Körbchengröße D“, sagte Eva nur und kuschelte sich tiefer in die Kissen, während sie ihre Tante angrinste. Eustace stöhnte gequält auf.

„Lassen wir das Thema besser.“ Vera kicherte. „Sonst verschrecken wir den Jungen noch völlig. Bei Brüsten kennt er sich nicht aus.“

„Mom“, stieß Eustace hervor und fuhr hoch. „Bitte!“ Eva war versucht nachzuhaken, da sie den unverkennbar sarkastischen Tonfall Veras nicht überhören konnte, doch dann beschloss sie, es sich nicht gleich am ersten Tag mit ihm zu verscherzen. Ihr Cousin war auf eine angenehme Art und Weise gut aussehend, obwohl seine Nase mindestens einmal gebrochen worden war. Aber aus irgendeinem Grund machte der Höcker auf seiner Nase sein Gesicht nur noch anziehender und Eva ertappte sich dabei, dass sie ihn anstarrte.

Wenn er nicht ihr Cousin wäre, würde sie ihn glatt als möglichen Kandidaten für Herzschmerz und Bettangelegenheiten auf die Liste schreiben. Eva spürte, dass sie in ziemliche Versuchung geriet, Eustace in Gedanken auszuziehen, also wandte sie sich hastig wieder ab, ein leichtes Grinsen auf dem Gesicht.

„Okay, okay.“ Vera grinste breit. „Aber ich sehe immer noch nicht ein, wieso die Mistviecher mich überhaupt belagert haben. Ich habe nur einen Nationalpark gekauft, der sowieso hätte aufgelassen werden sollen.“

"Und jetzt behältst du ihn als Nationalpark bei?", schloss Eva und Vera hob ihre Hand zu einem High-Five.

"Kluges Kind", lobte sie, als Eva schallend einklatschte. "Ich habe eine Kooperation mit einer Universität, die dort eine Feldstudie zu einer bedrohten Vogelart durchführt. Und es gibt dort jede Menge Hasen", fügte sie hinzu, als würde das alles erklären. Tat es eigentlich auch, doch Eustace sah mit schicksalsergebener Miene zur Decke.

"Meine Mom ist irre", murmelte er, seine Mundwinkeln zuckten jedoch verräterisch.

"Du hättest sie in ihrer Jugend sehen müssen", gab Eva zurück und deutete auf ihre Kleidung. "Sie trug giftgrüne Shorts und knallorange Strumpfhosen." Ihr Cousin sah sie für einen Moment verdattert an, dann brach er in Gelächter aus.

„Wie erkennen die Reporter mich überhaupt?“, warf Vera in den Erheiterungsausbruch ungerührt ein. Dass ihr Sohn sie für eine 'Irre' hielt, schien ihr ziemlich gleichgültig zu sein.

„Dein Auto sieht aus wie ein Fliegenpilz.“ Eustace sah sie mit einer hochgezogenen Augenbraue an und brachte sein Gelächter unter Kontrolle „Wer würde dich nicht erkennen?“

„Oh. Mein. Gott.“ Eva rutschte vom Sofa und fiel vor Vera auf die Knie. „Ist es“, sie senkte ehrfürchtig die Stimme, „ein VW-Käfer?“

Vera nahm ihre Hände fest in ihre und sah ihr grinsend in die Augen. „Ja“, sagte sie dann und Eva stieß einen Jubelschrei aus. „Du hast ihn wirklich gekauft!“ Sie fiel ihr um den Hals. „Machen wir eine Ausfahrt? Wie hast du die Sitze bezogen? In Rot? Und es sind große Punkte, oder? Keine winzig kleinen.“ Sie schüttelte sich, dann strahlte sie sie an.

„Große Punkte“, bestätigte Vera zufrieden, „und grüne und rote Sitze. Und wir fahren jetzt gleich.“ Sie warf einen Blick auf die achteckige Uhr. „Es ist sowieso Abendessenzeit.“

Jubelnd reckte Eva eine Faust in die Luft und tanzte quer durch das Büro. Dann flog sie Vera erneut um den Hals. „Ich bin so froh, dass du meine Tante bist.“

„Ich bin auch froh, dass du meine Nichte bist“, gab Vera schmunzelnd zurück.

Eustace stand auf und griff nach Evas Reisetasche, die er sich mühelos über die Schulter hängte. Eva schluckte ehrfürchtig, als sie sich erinnerte, wie sehr ihre Hände schon geschmerzt hatten. Mit Eustace legte sie sich besser nicht an – er würde Matsch aus ihr machen. Andererseits beruhigte sie die Zurschaustellung seiner Kraft etwas. Sie hatte noch nie viel für Muskelprotze übrig gehabt, obwohl das durchaus seinen Reiz hatte.

„Ich will euren kleinen Moment der Zweisamkeit nicht unbedingt stören, aber ich habe Hunger.“ Erwartungsvoll blieb er an der Tür stehen.

„Erinnert er dich nicht auch an ein Hundebaby, das Gassi gehen will?“ Vera schnappte sich ihre bunte Umhängetasche und nahm Eva an der Hand.

„Du hast Recht“, stimmte diese ihr zu und grinste fröhlich, während Eustace nur die Augen verdrehte. Er wirkte harmlos, obwohl er vermutlich aus Steinen Wasser pressen konnte. Also würde sie ihn gnadenlos sekkieren, wenn er ihr die Möglichkeit dazu gab.

„Wo bestellen wir? Mexikanisch wäre gut“, schlug er vor.

„Gerne“, stimmte Eva zu. Scharfes Essen war ihr immer Recht.

„Mach Schluss für heute, Cindy.“ Vera wandte sich an die ältere, etwas rundliche Frau. „Wenn irgendwelche Reporter anrufen, dann schreib Name und E-Mail Adresse auf, ich schicke in den nächsten Tagen eine Pressemitteilung an sie aus.“

„Natürlich.“ Cindy runzelte die Stirn und sah auf die Uhr. „Es ist erst halb sieben.“ Das letzte klang mehr wie eine Frage als wie eine Aussage.

„Meine Nichte ist heute aus Europa gekommen. Das gehört gefeiert. Nimm dir frei und mach dir einen schönen Abend mit deinen Enkelkindern, ja?“

Cindys Gesicht entspannte sich sichtlich und sie fing an ihre Sachen zusammen zu packen. „Das werde ich machen. Einen schönen Abend wünsche ich euch.“ Sie lächelte Eva freundlich zu, dann kündigte sich bereits der Lift an.

Vera drückte auf 'Z', dann schlossen sich die Türen erneut.

„Wieso Z?“, fragte Eva und betrachtete die verschiedenen Buchstaben.

„Zentrale“, erklärte Vera knapp. „C für Chefin. F für Fressen. N für Nerds. B für Besserwisser. V für Verstaubt. Ich kann natürlich noch weitermachen, aber ich denke, du verstehst das System, oder?“

„Wer sind die Besserwisser?“, wollte Eva wissen. Vera grinste breit. „Das Management. Unter Verstaubt findet man das Archiv und diverse Lagerräume. Nerds sind unsere Informatiker und Serverräume. Fressen ist logischerweise die Cafeteria und die Zentrale sind die Empfangsdamen. Ich dachte mir, Tratschtanten haben sie nicht verdient.“

„Was für ein Glück, dass du lauter deutsche Bezeichnungen genommen hast. Ich bezweifle, dass deine Besserwisser froh über ihre Bezeichnung wären.“

„Solange sie ihre Arbeit richtig machen“, erklärte Vera nur. „Sushi wäre auch gut.“

„Mexikanisch“, widersprach Eva.

„Aber...“, fing Vera zu jammern an.

„Mexikanisch“, erklärte Eustace und die drei verließen den Lift.

„Aber!“

„Nein.“

***

Wenig später ließ sich Eva beeindruckt in den roten Beifahrersitz des VW-Käfers fallen. „Der Käfer ist großartig“, meinte sie ehrlich, als Vera den Motor startete und nur ein sanftes Schnurren zu hören war.

„Ich habe ihn umbauen lassen. Eigentlich ist er gar kein VW mehr, er tut nur so als ob. Er hat den besten Hybridmotor, den es auf dem Markt gibt und eine komplett neue Elektronik. Ich stehe nicht so auf den Pannendienst.“ Vera schloss ihren i-pod an und wenig später drang Reggae aus den Lautsprechern.

„Du stehst immer noch auf das hier?“, Eva verzog das Gesicht ein wenig. Musik war wohl das einzige, in dem sie sich nicht komplett einig waren. Vera hob und senkte die Schultern.

„Mein Auto, meine Musik.“

„Na gut“, Eva seufzte, „man kann es schon hören.“

„Das denke ich auch.“ Vera grinste und warf ihrem Sohn durch den Rückspiegel einen Blick zu, während sie sich in den abendlichen Verkehr einfädelte. „Kannst du beim Mexikaner anrufen? Lass es nach Hause liefern, Eva will sicher ihr neues Zuhause sehen.“

„Schon dabei“, murmelte Eustace und wenig später hörte Eva fasziniert zu, wie er auf fließendem Spanisch bestellte.

„Du kannst Spanisch?“, fragte sie beeindruckt, nachdem er das Gespräch beendet hatte.

„Spanisch, Russisch und Französisch“, warf Vera ein und ein stolzes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.

„Meine Eltern waren ziemlich reich“, erklärte Eustace. „Ich war auf den besten Schulen, die es für Geld gibt.“

„Das muss cool sein“, sagte Eva verträumt. „So viele Sprachen sprechen zu können. Warum hast du nie Deutsch gelernt?“

Eustace zog die Nase kraus. „Deutsch hört sich an als würdest du dein Essen gerade auskotzen.“

„Gar nicht wahr“, fuhren Vera und Eva gleichzeitig auf.

„Doch“, widersprach Eustace und verschränkte trotzig die Arme. „Diese ganzen Wörter hören sich an, als würdet ihr versuchen mit Worten alleine einen Baum zu fällen. Hart, abgehackt.“ Er zuckte mit den Schultern. „Wer will schon sprechen, als hätte er eine Zunge aus Stein?“

„Russisch ist da noch schlimmer“, grummelte Eva widerspenstig.

„Nein, ist es nicht. Russisch hat mehr Klangfarben, als deine Steinzunge je aussprechen kann.“

„Kinder.“ Vera hob mahnend einen Zeigefinger. „Keine Streitigkeiten in meinem Auto.“

Eva stemmte einen orangen Doc Martens Schuh gegen die Ablage und schnaufte. „Englisch hat sich die ganzen Wörter aus anderen Sprachen zusammengestohlen. Eigentlich ist es gar keine Sprache, sondern nur ein Abklatsch von den besten Sprachen. Zum Beispiel 'Rucksack' oder 'Kindergarten'.“

Eustace imitierte ihre Haltung und stemmte seinen Stiefel gegen ihren Sitz. Eigentlich war es ziemlich fies gewesen, dass sie sich einfach vorne hingesetzt hatte, überlegte Eva. Ganz besonders, weil sie sich nicht wirklich wehren konnte, wenn sie vorne saß.

„Sind das deutsche Wörter?“, fragte Eustace etwas ratlos. Eva grinste zufrieden. „Oh ja, sind es. Solltest du eigentlich schon an der Schreibweise erkennen. Und weißt du, was das Beste am Deutschen ist? Es ist so gut wie einzigartig. Denn es ist die eine der wenigen europäischen Sprachen, die vom Germanischen abstammt.“

„Wenn du jetzt irgendetwas über Arier sagst, dann kotze ich“, brummte Eustace. Eva und Vera verspannten sich fast zeitgleich.

„Über das macht man keine Witze.“ Veras Stimme klang scharf und bestimmt und Eustace sackte sichtlich in sich zusammen.

„Sorry“, nuschelte er und schwieg. Eva sah zu Vera hinüber und bemerkte, dass diese die Lippen fest zusammen gekniffen hatte. Ihre Tante hatte immer schon sehr leicht sehr wütend reagiert, wenn sie mitbekommen hatte, dass jemand Scherze über den Nationalsozialismus gemacht hatte.

„Wenn du willst, können wir auch gerne Witze über Giftgasanschläge, 9/11 und Atombomben machen“, pflegte sie zu sagen. „Denn ist es nicht lustig, wenn Leute sterben?“ Und danach wurde man zirka einen halben Meter kleiner und betete dafür, dass sie endlich ihren tödlichen Laserblick von einem abwandte.

„Tantchen“, durchbrach Eva die wütende Stimmung, in der sich Vera befand. „Du hattest wirklich einen riesen Einfluss auf mich.“

Vera grinste. „Das, meine Liebe, war mir sofort klar, als ich dich in diesen Klamotten gesehen habe.“

Die beiden lachten los und Eustace schien sich hinten wieder zu entspannen.

„Also“, fragte Eva dann. „Wo wohnt ihr eigentlich?“

„Wo wohnen wir“, verbesserte Vera umsichtig. „Ein Stückchen außerhalb, in einem der Vororte. Eustace wird dir zeigen, wie du zur Uni kommst.“

„Klar“, stimmte Eustace zu, als er sich zu ihnen nach vorne beugte und zwischen ihnen hin und her grinste. Eva beugte sich zu ihm hinüber und schnüffelte.

„Was genau machst du da?“, erkundigte sich Eustace und betrachtete sie stirnrunzelnd aus den Augenwinkeln.

„Du hast zu viel Deo verwendet“, stellte Eva fest. Unter dem chemischen Geruch konnte sie den leicht salzigen Geruch seines Schweißes feststellen.

„Ich war trainieren und noch nicht duschen“, erklärte Eustace und schüttelte den Kopf. „Und ich wollte das Auto nicht voll stinken.“

„Wieso warst du nicht duschen?“, Vera runzelte die Stirn und bog in eine ruhigere Seitenstraße ab. Es war eine grüne Gegend mit kleinen Vorgärten und Einfamilienhäusern.

„Weil Julie ausgeflippt ist und ich so schnell wie möglich sehen wollte, was los war.“ Eustace hörte sich unverhohlen missbilligend an.

„Die Reporter.“ Vera schlug mit einer Hand auf das Lenkrad und fluchte. „Naja, wir können froh sein, dass die Reporter vor der Firma abgezogen sind. Vermutlich ist Paris Hilton shoppen gegangen.“

Eustace sah sie ungläubig an. „Ich bezweifle stark, dass die Reporter, die Paris Hilton vor die Linse kriegen wollen, auch dich fotografieren wollen.“

„Bin ich ihnen nicht hübsch genug?“ Vera schob schmollend die Unterlippe vor. „Das liegt am Alter“, murmelte sie. „Vermutlich habe ich schon lauter Falten und graue Haare.“

Eustace stöhnte. „Hast du nicht, okay? Also renn bitte nicht mit Gesichtsmasken herum, sobald wir daheim sind.“

„Macht sie das leicht?“ Eva fuhr herum und musterte Eustace mit großen Augen. Der verzog grinsend den Mund und nickte. „Du solltest sie mal mit Gurkenscheiben auf den Augen sehen, wenn sie trotzdem versucht fernzusehen.“ Eva wandte den Kopf ungläubig zu ihrer Tante. „Du bist vielleicht seltsam, Tantchen, aber nicht blöd. Zumindest dachte ich das.“

„Jede Frau will schön sein“, grummelte Vera geknickt. „Selbst Wahnsinnige wie ich. Oh, wir sind da.“ Sie machte eine schwungvolle Wendung und holperte die breite Einfahrt zur Garage hinab. Das Garagentor öffnete sich nach einem Knopfdruck auf eine kleine Fernsteuerung, dann stellte sie den Wagen in der geräumigen Garage ab.

Eva sah sich neugierig um, registrierte die zwei Motorräder, das schwarze, sehr schnell wirkende Auto und noch ein weiteres Auto, das unter einer Plane versteckt war.

„Du bist so schnell abgebogen, dass ich das Haus gar nicht gesehen habe.“ Sie runzelte irritiert die Stirn.

„Soll vorkommen.“ Eustace grinste und öffnete ihnen mit einer spöttischen Verbeugung die Tür auf der Rückseite der Garage. Und Eva riss die Augen auf.

Sie stand in dem herrlichsten Garten, den sie je gesehen hatte. Blumen blühten mit aller Kraft, die sie aufbringen konnten, alte und junge Bäume standen kreuz und quer, Efeu rankte sich an einigen der dicken Eichen empor und ein schmaler, gewundener Weg führte durch das hohe, wilde Gras auf ein helles Haus zu.

„Home, sweet Home“, murmelte Vera unverhohlen zufrieden, als sie ihr voran ging. Schweigend folgte ihr Eva, zu beschäftigt damit, sich umzusehen.

Das Haus fesselte ihre Aufmerksamkeit schließlich.

Wein bewuchs den hellen Sandstein, der die verbleibenden Sonnenstrahlen zu trinken schien und dessen Farbe sich in ein sanftes, warmes Gelb verwandelte. Auf den Fensterbrettern standen große, herrliche Geranien, die einen intensiven Duft verströmten und sich leuchtend von dem dunklen, glänzenden Holz der Fensterläden abhoben.

Das Haus wirkte eher als gehörte es aufs Land, nicht mitten in die Stadt und nicht einer Millionärin mit ausgefallenem Kleidungsstil.

Vera öffnete die Tür, deaktivierte die Alarmanlage an der unauffälligen Konsole und gestattete Eva den Blick in eine kleine Eingangshalle, aus der eine helle Birkenholzstiege in den ersten Stock führte. Rechts von ihnen führte eine Tür in die freundliche Küche mit hellen Küchenmöbeln und gelben und orangen Fliesen an der Wand. Der Boden bestand wie im Vorhaus aus aufgerautem Sandstein. Ein kleiner Tisch stand vor dem Küchenfenster und Eva musste unwillkürlich lächeln, als sie sich vorstellte in dieser Küche zu essen. Es war ein schöner Gedanke, ganz besonders, als sie das Kräuterregal entdeckte. Die Töpfe waren in gusseiserne Ringe eingefasst, die an einer Kette von der Decke hingen und verströmten einen angenehmen Duft.

Links von der Eingangstüre befand sich die Garderobe, wo sie Schuhe und Jacke abstreifte und sofort weiter wanderte. Aus der Küche führte eine Tür in das Wohnzimmer, doch was sie sofort anzog, waren die großen Türen, die sich auf der Rückseite des Hauses öffneten. Die Vorderseite mochte nahezu rustikal wirken, doch sobald man das Haus betreten hatte, fiel der Blick sofort auf die rückseitige Veranda, die man über eine gläserne Schiebetüre betreten konnte. Davor führte eine Tür in ein kuscheliges Wohnzimmer mit einer weiteren Schiebetür zur Veranda, sowie einem Kachelofen und wunderbaren Flickenteppichen, die Eva zurück in ihre Kindheit trieben.

Doch sie öffnete sofort die Schiebetür und trat auf die von der Tagessonne gewärmten Steinfliesen. Ein Tisch und einige Sesseln boten eine Sitzgelegenheit, zwei Korbsessel standen etwas entfernt, daneben befand sich ein geschlossener Sonnenschirm. Blumen umrahmten die Veranda, kleine rote Rosensträucher, auch wenn die meisten Rosen bereits ihre Blüten verloren hatten und welk noch versuchten einen Anschein der Pracht zu vermitteln. Eine rote Kletterrose schmiegte sich an der linken Ecke an die Hauswand und strebte in die Höhe.

Doch von der Veranda bot sich ein wunderschöner Ausblick auf einen Teich mit Schilf und Seerosen, der sanft und dunkel wirkte, als er die untergehende Sonne und das Grün der angrenzenden Bäume spiegelte.

„Dieses Haus ist unglaublich“, flüsterte Eva.

Eustace rückte einen Sessel zurecht und setzte sich rücklings darauf, die Unterarme auf der Lehne verschränkt. „Als mich Vera hierher holte, dachte ich, dass ich im Paradies gelandet war. Ich hatte Angst, dass sich alles in Luft auflösen würde.“ Er lachte leise, doch Eva nickte nur. Sie konnte sich gut vorstellen, wieso er das geglaubt hatte. Sie selbst konnte es fast nicht fassen.

Beeindruckt ließ sie den Blick über den wilden Garten wandern, dessen geschickte Anordnung von Sträuchern und Bäumen fast völlig den Blick auf die angrenzenden Häuser verbarg. Der Garten war größer als die anderen, an denen sie vorbeigefahren waren und sie konnte sich leicht vorstellen, wie schön es gewesen sein musste, hier als Kind spielen zu können.

„Apfelbäume.“ Sie lächelte, während tiefe Zufriedenheit sie durchströmte. „Ich wette, Vera macht selbstgemachtes Apfelmus. Habt ihr Ribiselstauden hier? Und Birnbäume? Und Kirschbäume. Ganz sicher Kirschbäume.“

Eustace nickte. „Und Zwetschgenbäume und einen Nussbaum.“ Er deutete auf den hinteren Teil des Gartens. „Vera macht jedes Jahr etwas grauenhaftes, das sie Nussgeist nennt.“

„Oh.“ Eva klatschte freudig in die Hände. „Das ist großartig! Ich liebe Nussgeist!“

Eustace musterte sie nachdenklich. „Wie alt bist du eigentlich?“

„Zwanzig, wieso?“

„Du darfst noch keinen Alkohol trinken“, tadelte er, obwohl sein Tadel nicht besonders ernst gemeint schien.

„Bloß weil die USA es schlimmer finden, wenn sich Jugendliche betrinken, als wenn sie mit Waffen herumspielen, heißt das nicht, dass andere Länder ihre Prioritäten nicht besser verteilt haben.“ Eva schüttelte den Kopf. „Obwohl ich es natürlich verstehe, dass betrunkene Soldaten doch etwas schlimmer sind als nüchterne Soldaten. Sie könnten ja einen moralischen Anfall bekommen und schwören, nie wieder eine Waffe anzurühren. Das wäre nicht besonders förderlich. Oder im Vollrausch aggressiv werden.“

Eustace schnaubte. „Die meisten trinken so oder so Alkohol.“

„Ich hoffe ja doch. Ansonsten müsste ich davon ausgehen, dass ihr Amerikaner völlig durchgedreht seid. Obwohl ich davon schon überzeugt bin, seitdem ich gesehen habe, was ihr als Bier bezeichnet.“

„Unser Bier ist völlig in Ordnung“, knurrte Eustace und richtete sich auf.

„Blödsinn“, Vera betrat die Veranda. „Amerikanisches Bier verdient die Bezeichnung 'Bier' nicht. Wenn ich könnte, würde ich mir richtiges Bier einfliegen lassen.“

„Warum tust du es nicht?“, fragte Eva amüsiert. „Du bist Millionärin oder sogar Milliardärin. Du kannst es dir leisten.“

Vera hob einen Zeigefinger: „Weil...“ Sie hielt inne und dachte nach. „Du hast Recht“, sagte sie dann verdutzt. „Das kann ich ja wirklich.“

Nach dem Essen – es gab Pozole sowie Tacos – zeigte ihr Vera ihr Zimmer. Es war im zweiten Stock und schien ein Gästezimmer zu sein. Der Boden war aus poliertem Birkenholz, reinweiße Gardinen bauschten sich vor den Fenstern, die, da es ein Eckzimmer war, zu zwei Seiten hinausgingen. Ein Fenster wies direkt auf den schimmernden Teich, das andere würde in der Früh einen prachtvollen Blick auf den Sonnenaufgang zeigen.

„Leider ist es nach Nordosten ausgerichtet, also wird es am Nachmittag nicht viel Sonne haben. Wenn du willst, kannst du auch das andere Zimmer haben.“ Vera deutete hinter sich, wo sich eine weitere Tür befand.

„Nein.“ Zufrieden stellte Eva die Tasche ab. „Das hier ist perfekt.“

„Okay.“ Vera lächelte erleichtert. „Wenn du das Zimmer anders einrichten willst, dann sag es einfach. Mein Schlafzimmer und mein Arbeitszimmer sind im ersten Stock, genau gegenüber von der Treppe. Dort sind auch die Bibliothek und Ayleens Zimmer. Eustace schläft auch hier oben“, sie deutete durch die Wände auf Evas Nebenzimmer, „und sonst gibt es hier noch ein Gästezimmer und einen Abstellraum. Dein Badezimmer ist gleich nebenan, das musst du dir übrigens mit niemandem teilen.“ Vera grinste. „Auf das habe ich viel Wert gelegt.“

Begeistert öffnete Eva die unauffällige Tür neben dem hellen Kleiderschrank und den leeren Bücherregalen und warf einen Blick hinein. Das Bad war ebenso hell und freundlich wie ihr Zimmer, aber in unterschiedlichen Rottönen gehalten. Beeindruckt musterte sie die High-Tech-Wellness-Dusche. „Sag bloß, das ist so eine mit Massagefunktion und Lichteffekten.“

Vera kicherte. „Ich liebe diese Dinger. Na gut, ich lass dich dann in Ruhe auspacken. Oh, eine Sache noch – sind das wirklich deine ganzen Sachen? Eine Reisetasche für ein ganzes Jahr?“

„Mehr kann man nicht mitnehmen.“ Eva zuckte mit den Schultern. „Ich habe nur Gewand mit, das ich nicht so einfach nachkaufen kann. Unterwäsche, Socken, normale T-Shirts werde ich mir noch besorgen müssen.“

Vera strahlte und klatschte begeistert in die Hände. „Eine Shoppingtour mit meiner Nichte! Wunderbar! Ich sag morgen meine Termine ab, dann machen wir die Stadt unsicher!“

„Kannst du das so einfach?“ Eva sah ihre Tante skeptisch an, die abwinkte. „Ich hatte seit zwei Jahren keinen Urlaub mehr“, erklärte sie gelassen. „Außerdem bin ich der Chef. Ich kann alles.“

Trällernd verließ Vera Evas neues Zimmer und ließ Eva überrascht zurück. Zwei Jahre durcharbeiten – das hätte sie ihrer Tante nicht zugetraut. Sie konnte sich noch lebhaft erinnern, wie sehr Vera lange, ausgedehnte Reisen geliebt hatte und von überall auf der Welt neue Rezepte, Fotos, Kleidung und allerlei seltsame Dinge mitgenommen hatte. Aber vielleicht konnte sie dieses Fernweh auch in ihrem Job ausleben. Mit dieser Überlegung wandte sich Eva ab und begann ihre Tasche in den hellen Birkenschrank einzuräumen.

Das Zimmer war schlicht und überraschend einfach. Sie hatte bunte Farbkleckse erwartet, aber es war in schlichtem Weiß und hellem Holz gehalten. Die Bettwäsche war duftig weiß und weich, der Schreibtisch vor dem Fenster war ebenfalls aus unbehandeltem Birkenholz mit einem schlichten Sessel davor. Das Bett war ein Einzelbett, auch wenn es etwas breiter war, als sie es gewöhnt war. Ein Flickenteppich in unterschiedlichen Weiß- und Blautönen lag auf dem glatten Boden und machte das Zimmer noch sympathischer.

Leise summend räumte sie ihre Sachen ein, hängte ihre Kleider sorgfältig auf, während sie spürte, dass sie langsam müde wurde. Sie sollte jetzt dringend schlafen gehen, das Bett lächelte verlockend zu ihr hinüber.

Die plötzliche Müdigkeit überrollte sie nahezu und sie nahm sich nur noch die Zeit ihre Reisetasche ganz unten in den Kleiderschrank zu stopfen, dann streifte sie ihre Hose ab und fiel ins Bett. Der frische Duft sauberer Bettwäsche umfing sie, dann schlief sie ein.

Feuerspeiende Prinzessinnen

 „Schläfst du immer in Unterwäsche?“, fragte eine tiefe Männerstimme, gefolgt von einem Scharren, das sich anhörte, als würde Holz über Holz schleifen.

Eva gab ein Krächzen von sich und klatschte sich mit den Handflächen ins Gesicht. Ihr Kopf fühlte sich schwer und kaputt an, ihre Lider schienen mit Gewichten beschwert worden zu sein.

„Was?“, brachte sie dann heiser heraus und leckte sich über die Lippen.

„Guten Morgen“, sagte die Männerstimme freundlich.

Mühsam blinzelte Eva und stellte ihre Augen auf den dunklen Schatten in ihrem weißen Zimmer scharf. Ihr Zimmer in Veras Haus, erinnerte sie sich. Vera, ihre Tante, die genauso verrückt war, wie sie es in Erinnerung hatte. Oder vielleicht noch etwas verrückter.

„Morgen“, nuschelte sie auf Deutsch, dann verbesserte sie sich: „Good Morning.“ Langsam richtete sie sich auf und sah Eustace desorientiert an. „Was tust du in meinem Zimmer?“

„Das Frühstück ist fertig“, erwiderte Eustace freundlich. „Und ich bewundere deine Unterwäsche.“

Eva wurde schlagartig bewusst, dass sie nur ein knappes T-Shirt und einen dürftigen Slip anhatte. Aber als wäre das nicht genug, waren ihre Beine weit gespreizt und sie hatte die Decke in der Nacht abgeworfen. Verdammt.

„Nun.“ Sie sah langsam an sich hinunter. Cool bleiben war hier die Devise. „Was sagst du zu dem Slip? Ich liebe die Erdbeeren einfach. Was meinst du?“

Eustace’ Lächeln tröpfelte von seinem Gesicht hinunter. Anscheinend hatte er sich eher einen entsetzten Aufschrei oder eine Ohrfeige erwartet. „Ganz entzückend“, sagte er ernsthaft. „Auch wenn ich mehr auf schwarze Spitze gehofft habe.“

Eva grinste und schloss gelassen die Beine, obwohl sie sich lieber unter ihrer Bettdecke versteckt hätte. „Oder auf gar nichts?“, fragte sie zuckersüß nach und erhob sich. Eustace hockte gelassen auf dem Sessel, den er sich vor ihr Bett gezogen hatte und grinste zu ihr hoch.

„Raus mit dir“, zischte Eva. „Und wenn du noch einmal ungefragt mein Zimmer betrittst, fängst du dir eine.“

„Da hab ich aber Angst.“ Eustace stand gemächlich auf und Eva musste den Kopf in den Nacken legen, um ihm in die Augen sehen zu können. „Hab dich nicht so, Cousinchen, das war nur Spaß.“

Eva blieb für eine Sekunde die Luft weg. Unverschämter Bengel. Hatte Vera ihm keine Manieren beigebracht? Das konnte sie sich nicht vorstellen. Freundlich lächelte sie zu ihm auf. Und dann rammte sie ihm das Knie in die Weichteile.  Eustace klappte stöhnend vornüber.

„Vera wird sicher die Notwendigkeit dieser Handlung verstehen“, erklärte sie liebenswürdig und ging duschen. Und sperrte die Tür hinter sich ab.

Wenig später kam sie mit nassen Haaren, Shorts, gepunkteten Strumpfhosen, ihren geliebten, geblümten Doc Martens und einem grünen T-Shirt in die gemütliche Küche, wo Eustace grinsend am Tisch saß und Unmengen von Pancakes in sich hineinschaufelte. Vera schien gerade einen Smoothie gemacht zu haben und goss die cremige, rote Mischung in drei Gläser.

„Guten Morgen“, wünschte ihr ihre Tante lächelnd und stellte ein Glas vor einen leeren Teller. „Findest du dir was zum Essen oder brauchst du etwas anderes?“

Ungläubig bestaunte Eva das Frühstück, unter dem sich der Tisch bog. Ein riesiger Stapel Pancakes – natur und mit Heidelbeeren – Nutella, Obst und Ahornsirup. Es sah herrlich aus.

„Du willst mich umbringen, oder?“, fragte Eva anklagend und begann die Pancakes auf ihren Teller zu laden.

„Du brauchst mehr auf den Hüften“, Vera tätschelte ihre Kehrseite stirnrunzelnd. „Mehr Hüfte, mehr Po, mehr Brüste.“

„Hey“, protestierte Eva und war froh, dass ihr Oberteil keinen tiefen Ausschnitt hatte. „Ich bin sehr glücklich mit mir und meinem Körper.“

„Kannst du auch“, gab Vera kopfschüttelnd zurück. Vera war nicht dick, aber mollig. Sie hatte eine große Oberweite, breite Hüften und einen runden Po. Kurzum – sie war kuschelig. Und bei Eva fühlte es sich einfach überall so an, als würden Knochen herausstehen. Zumindest hatte ihr Ex-Freund das zu ihr gesagt.

„Ich weiß“, brummte Eva und stopfte sich Pancakes in den Mund. „Ich bin ein Knochensack.“

„Naja, so schlimm auch nicht.“ Vera grinste. „In zwei Monaten hast du deine Rundungen.“

„Eigentlich“, Eva schluckte und beäugte ihre Tante, „eigentlich bin ich hier das Schönheitsideal.“

„Nur für Modeheinis.“

„Du hast genug Rundungen“, kam Eustace ihrer Tante ins Gehege und grinste über das ganze Gesicht. Sie schickte ihm einen finsteren Blick, den er strahlend erwiderte.

„Das ist allerdings wahr“, stimmte Vera ihm zu. „Aber mehr wären trotzdem nicht schlecht.“

„Sie hat auf jeden Fall genug Brüste, damit man was zum Angreifen hat“, erklärte Eustace. „Weniger wäre schade, aber eine Handvoll ist genau richtig.“

Eva beschloss nichts mehr zu sagen. Eine verdächtige, hektische Röte zog sich langsam über ihre Wangen. Ein weiterer Schwachpunkt von ihr – sie neigte dazu, knallrot zu werden, wenn ihr etwas peinlich war.

„Müssen wir über meine Brüste reden?“, fragte Eva und ihr Blick wanderte flehend zwischen den beiden hin und her. Ganz besonders von ihrem Cousin wollte sie keine Meldungen über ihre Brüste hören. Nicht, nachdem er sie halbnackt gesehen hatte. Außerdem schien er in seiner Fantasie ihre Brüste vergrößert zu haben, was sie noch weiter in Bedrängnis brachte. Die beiden grinsten nur und ließen das Thema fallen.

„Also – shoppen.“ Vera seufzte zufrieden und trank einen Schluck ihres Kräutertees. „Ich schlage vor, wir kleiden dich ganz neu ein. Ich hatte sowieso in letzter Zeit kaum die Muße zum Shoppen.“

„Okay“, Eva zögerte, „aber...“

„Du bist eingeladen“, sagte Vera schlicht. „Nimm es einfach als Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke der letzten sieben Jahre.“

Eva hob nervös die Schultern und sah ihre Tante verlegen an. „Das kann ich doch nicht annehmen“, protestierte sie.

„Keine Sorge, ich werde dich nicht mit Geschenken überhäufen, aber ein paar Kleinigkeiten werden mir noch gestattet sein.“

Eva spürte ein Lächeln an ihren Lippen zupfen. „Eine neue Garderobe ist für dich eine Kleinigkeit?“

„Wir sind noch nicht einmal beim Friseur und der Maniküre angekommen“, flüsterte Vera verschwörerisch und legte ihr einen weiteren Pancake auf den Teller.

 

***

 

Fünf Stunden später war Eva davon überzeugt keinen einzigen Schritt mehr tun zu können. „Vera“, krächzte sie und sah sehnsüchtig zu einem nahen Café. Die Energie des Frühstücks war schon vor drei Stunden aufgebraucht gewesen, nachdem Vera sie vom Friseur zur Maniküre weiter in Kleidergeschäfte geschleppt hatte.

„Hunger?“ Vera wirbelte herum und ihre Augen weiteten sich überrascht. „Du hast Recht, es ist schon nach drei! Auf zum Essenfassen!“ Mit energiegeladenen Schritten eilte Vera auf das Café zu und suchte einen kleinen Tisch aus. Wenig später stand eine Pizza vor Eva – der Boden dicker und flaumiger als der jeder Pizza, die sie in ihrem Leben gesehen hatte, der Käse schmolz und zog traumhafte Fäden und die Salami – Himmel, für die Salami würde sie töten.

„Ihr Amerikaner könnt Pizza machen“, nuschelte sie mit vollem Mund und biss einen Käsefaden ab.

„Oh ja“, stimmte Vera zu und nahm sich selbst noch ein Stück. „Kommst du morgen Abend mit zu einem Essen? Du kannst dein neues Kleid ausführen – das grüne am Besten. Das hat so einen schönen Kontrast zu deinen Haaren.“

Ein wenig unsicher zupfte Eva an ihren orangen Haaren herum. Es war ein dunkles Orange, das schon leicht ins Rote überging, aber es war immer noch Orange. Nicht gerade geeignet um bei einem Geschäftsessen Eindruck zu schaffen. Aber das grüne Kleid... Eva seufzte unwillkürlich bei dem Gedanken an das grüne Kleid. Tannengrün mit einer schwarzen Schärpe und aus einem glänzenden Stoff, der sich in bauschigen Falten an ihre schlanke Gestalt schmiegte.

„Ich weiß nicht“, sagte sie zögerlich. „Ein Geschäftsessen?“

Vera nickte unbekümmert. „Keine Sorge, alles Menschen, die Extremeres von mir gewöhnt sind. Eigentlich mehr Freunde von mir als Geschäftspartner. Harry Newfield, zum Beispiel. Er hat mit mir gemeinsam die Firma aufgebaut und ist das Mediengesicht, geht für mich zu Verkaufsverhandlungen und solchen Sachen. Seine Schwester Julie – sie ist ein wahrer Marketingprofi und kümmert sich um Rabbit’s PR. Und dann kommt noch ein langjähriger Investor Dean Harmon. Er hält acht Prozent meiner Aktien, fast so viel wie Harry mit seinen niedlichen zehn Prozent.“

„Du bist an der Börse?“, hakte Eva überrascht nach. Eigentlich hätte sie das ihrer Tante nicht zu getraut.

„Mir gehören immer noch zweiundfünfzig Prozent“, erklärte Vera gelassen. „Ich lass doch nicht irgendjemanden die Macht über mein Unternehmen an sich reißen.“

„Das hört sich eher nach dir an“, Eva entspannte sich. „Es wäre beunruhigend gewesen, wenn du deine Macht abgeben würdest. Freiwillig noch dazu.“

Vera kicherte nur. „Also komm doch mit, ja? Es wird auch nicht so langweilig werden, versprochen. Harry kommt gerade aus Kyoto, also wird er etliche Geschichten auf Lager haben.“

„Du hast Immobilien in Japan?“

„Ein paar, ja. Mit besseren Wänden, als es dort üblich ist. Diese Papierwände gehen mir auf den Geist. Ich habe mal eine Zeitlang in einem Appartment gewohnt und ich sage dir, ich wollte nie so viele Wörter für diverse Geschlechtsteile erfahren. Und ich wollte nicht wissen, dass Japanerinnen auf ihrem Höhepunkt das hohe „C“ erreichen.“

Eva prustete los, während Vera breit grinste. „Ich habe mich revanchiert und mir Videos mit kämpfenden Katzen angesehen. Volle Lautstärke und die Boxen auf die Wände gerichtet. Herrlich.“ Sie sah so zufrieden mit sich aus, dass Eva das Lachen nicht mehr halten konnte.

„Ich komm mit“, keuchte sie, „und zwar nur für solche Sachen.“

„Und für das Essen“, Vera hob einen Zeigefinger und grinste, „das Essen darf man nicht vergessen.“

 

***

 

Zufrieden räumte Eva die Ausbeute in ihren Kleiderschrank und zupfte nachdenklich an ihren Haaren herum. Sie waren kurz geschnitten worden, die kunstvoll zerzausten Haare gingen ihr gerade noch zum Kinn. Es gefiel ihr, die Haare so kurz zu tragen, denn bis jetzt hatte sie sich immer bemüht, ihre Haare so lang wie möglich werden zu lassen.

„Oh mein Gott“, murmelte Eustace, der die Tür ohne zu klopfen aufgerissen hatte und starrte auf ihren Kopf. „Du bist Mum nicht nur in die Arme gefallen, du bist gesprungen!“

„Was?“, schmollte Eva und fuhr sich etwas nervös durch die Haare. „Passt es mir nicht?“ Mit klopfenden Herzen sah sie zu Eustace auf, der schon wieder in völlig schwarzen Klamotten herumlief. „Die Farbe ist etwas extrem, oder?“ Sie reckte den Kopf und betrachtete sich im Spiegel.

„Es sieht gut aus“, Eustace grinste. „Du bist bei weitem nicht so selbstbewusst, wie du alle glauben lassen willst.“

„Ich habe nie gesagt, dass ich selbstbewusst bin“, nuschelte Eva und wanderte ins Badezimmer, wo sie ihre neuen Haarpflegemittel verstaute. „Ich bin ein feiges Huhn, das sich vor fremden Menschen fürchtet.“

Eustace setzte sich auf ihr Bett und streckte gelassen die Beine aus. „Du wirkst gar nicht so.“

„Ich bin aber so“, Eva kehrte zurück und musterte ihn mit finsterem Blick. „Und ich weiß nicht genau, was du auf meinem Bett willst. Betten sind privat.“

Eustace brach in Gelächter aus. „Betten sind privat“, äffte er sie nach. Eva verspürte das unbändige Bedürfnis ihn zu schlagen, aber sie atmete nur tief durch. Gewalt ist keine Lösung, Gewalt ist keine Lösung. Sie wiederholte das Mantra in ihrem Kopf, bis sie merkte, dass er sie interessiert betrachtete.

„Was genau murmelst du da vor dich hin?“

„Nichts“, grummelte Eva. „Weißt du, wann Vera wieder kommt?“

„Sie hat vorher angerufen. Wir sollen brav sein, bei ihr wird es später. Anscheinend geht alles den Bach hinunter, wenn sie einmal nicht im Büro ist.“

Eva nickte, dann suchte sie ihr Handy hervor. „Weißt du, wie spät es gerade in Österreich ist?“

„Ich habe nicht die geringste Ahnung, aber da dort die Sonne früher aufgeht“, Eustace deutete nach Osten, dann sah er auf die Uhr an ihrer Wand, „würde ich sagen, es ist eine unchristliche Zeit, um zu telefonieren.“

„Verdammt“, fluchte Eva und machte sich daran, ihren Eltern ein E-Mail zu schreiben.

„Wie sind deine Eltern so?“, fragte Eustace und legte sich bäuchlings auf ihr Bett, während er sie nachdenklich musterte.

„Cool.“ Eva hob die Schultern, „manchmal ein bisschen streng, aber sie sind fair. Und sie sind nicht so verrückt wie Vera.“

„Wie ist sie eigentlich mit dir verwandt?“, wollte Eustace wissen.

„Sie ist die jüngere Schwester meines Vaters, aber Papa ist fünfzehn Jahre älter als sie. Sie war eine Überraschung.“ Eva grinste und tippte eifrig weiter auf ihrem Smartphone. „Alle ihre Geschwister sind mindestens zehn Jahre älter als sie. Papa ist dreiundfünfzig, Tante Sissi ist fünfundfünfzig, Onkel Gerhard ist fünfzig oder neunundvierzig“, sie runzelte die Stirn. „Neunundvierzig“, verbesserte sie sich, „aber er wird im November fünfzig.“

„Wow“, murmelte Eustace, „große Familie, wie?“

Eva nickte. „Meine Mutter hat gar keine Geschwister, nur einen Haufen Cousinen, die ich aber nicht kenne und ihre Eltern, meine Großeltern, sind schon vor einiger Zeit gestorben. Aber die Wiesinger-Seite meiner Familie ist auch nicht besonders familienfreundlich. Die Rosenthal-Seite hat größeres Interesse an Familienfeiern. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie anstrengend Weihnachten jedes Jahr ist. Ich habe acht Cousins – Onkel Gerhard hat zwei Kinder, Maggie und Ralph, und Tante Sissi hat vier Kinder, Silvia, Stefan, Susanne und Sarah selber bekommen und zwei Kinder sind aus der ersten Ehe ihres Mannes dazu gekommen – Sabrina und Sonja. Mein Onkel mag Namen mit „S““, fügte Eva grinsend hinzu, „wie man sehr leicht merkt. Und Tante Sissi hat dann einfach beschlossen, die Tradition fort zu führen. Ursprünglich wollten sie gemeinsam nur zwei Kinder bekommen, aber dann ist Sissi ungewollt schwanger geworden und das waren dann auch noch Zwillinge.“ Eva kicherte. „Das waren dann Susanne und Sarah. Aber die Zwei sind glücklicherweise keine eineiigen Zwillinge, deswegen ist das nicht so schlimm. Ansonsten würden wir vermutlich alle wahnsinnig werden mit ihnen. Naja, eigentlich habe ich ja jetzt zehn Cousins.“ Sie grinste ihn an. „Ayleen und du werdet selbstverständlich sofort in den Familienstammbaum aufgenommen.“

„Was für eine riesige Familie“, Eustace sah sie mit großen Augen an und lächelte über ihre Bemerkung, „und Vera hat seit – wie lange? – keinen Kontakt mehr zu euch?“

Eva spürte den kleinen Stich der Schuld, wie immer, wenn sie daran dachte, dass Vera seit zwölf Jahren nicht mehr auf Familienfeiern gewesen war. Zuerst, weil sie sich von den Wunden erholen musste, dann, weil sie nach Atlanta gezogen war. Aber es war nicht ihre Schuld, wiederholte sie in Gedanken und hoffte, dass ihr Unterbewusstsein das auch einmal akzeptieren könnte. Denn eigentlich war es auch nicht ihre Schuld gewesen. Eigentlich hatte niemand daran Schuld gehabt.

„Der Unfall ist vor zwölf Jahren passiert“, Eva zwang sich dazu, die Worte auszusprechen. „Und ein halbes Jahr später ist Vera hierher gezogen. Und dann ist schön langsam der Kontakt abgebrochen. Es ist jetzt ungefähr sieben Jahre her, seitdem ich das letzte Mal etwas von ihr gehört habe.“

„Wow“, wiederholte Eustace. „Mum hat nie erzählt, dass sie so eine riesige Familie hat. Ich dachte immer, sie wäre so wie Ayleen und ich.“

Seine Worte taten Eva weh. Vera hatte nie von ihr erzählt?

Vera war immer ihre große Heldin gewesen. Bunt und lebenslustig, immer bereit mit ihr im Wald herumzukriechen, auf Bäume zu klettern und Dämme am Bach zu bauen. Oder Zeichentrickfilme anzusehen, bei denen ihr Papa immer eingeschlafen war. Oder auch wunderschöne Traumfänger und kleine Kastanientiere zu basteln, wenn es draußen stürmte und einer von Veras herrlichen Kuchen im Ofen darauf wartete von ihnen verputzt zu werden.

Sie hatte viel Zeit bei Vera verbracht, da sie den Hort gehasst hatte. Ihr Bruder Christoph wiederrum war begeistert gewesen, dass er mit seinen Freunden spielen konnte und hatte sich standhaft geweigert, den Hort zu verlassen. Aber Eva war es schwer gefallen, Freunde zu finden. Lieber lauschte sie Veras verrückten Geschichten von feuerspeienden Prinzessinnen und Drachen mit Schürzen, als sich dazu zu überwinden, mit fremden Menschen zu reden.

„Hast du überhaupt keine Familie mehr?“, fragte Eva und tauchte aus ihren Erinnerungen wieder auf.

Eustace grinste. „Anscheinend habe ich neun Cousins“, sagte er spitzbübisch und Eva musste zurück grinsen. „Zehn – du darfst meinen Bruder nicht vergessen.“

„Unglaublich“, Eustace wackelte mit dem Kopf hin und her. „Ihr vermehrt euch wie die Karnickel.“

„Tante Sissi macht das für uns. Wie man leicht merkt, sind die anderen ein bisschen vernünftiger, was Geburtenkontrolle angeht.“ Eva musste kichern, als sie sich daran erinnerte, wie Susanna ihre Mutter einmal gefragt hatte, warum sie nicht die Pille genommen hatte.

„Es muss cool sein“, sagte Eustace nachdenklich. Er formte mit seinen Händen einen Kreis. „Ihr seid eine richtige Familie, nicht nur durch Blutbanden. Das muss cool sein.“

Eva sah forschend zu ihm auf.

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