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Familienunternehmen im Wandel

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Schriften des Notarrechtlichen Zentrums Familienunternehmen

Herausgegeben von den Direktoren des

Notarrechtlichen Zentrums Familienunternehmen

der Bucerius Law School

Professor Dr. Anne Röthel

Professor Dr. Dr. h.c. mult. Karsten Schmidt

Band 3

Geleitwort

Die Gründung des Notarrechtlichen Zentrums Familienunternehmen an der Bucerius Law School geht auf eine Initiative der Deutschen Notarrechtlichen Vereinigung zurück. Sie wollte nach Errichtung einer ganzen Reihe erfolgreicher notarrechtlicher Institute an deutschen Universitäten in Hamburg gemeinsam mit der Hamburgischen Notarkammer und der Bucerius Law School ein Forum speziell für unternehmensrechtliche Fragestellungen schaffen. Dazu wurde statt des Begriffs „Institut” ganz bewusst die Bezeichnung „Zentrum” gewählt, um die Zusammenführung der Aspekte gerade für Hamburg so wichtiger familiengetragener Unternehmen deutlich zu machen. Nach einem eingehenden Meinungsaustausch unter den Beteiligten fand dann im November 2012 das Gründungssymposion statt. Es folgte im Oktober 2013 die zweite Jahrestagung „Die Konfliktvermeidung in Familienunternehmen”.

Nunmehr kann der dritte Tagungsband vorgelegt werden, der die Vorträge der Jahrestagung am 31. Oktober 2014 wiedergibt, die unter dem Thema „Familienunternehmen im Wandel” stand. Wie im Vorjahr fand zu Beginn ein Podiumsgespräch mit einem Hamburger Familienunternehmer statt. Gast war diesmal Eugen Block, Gründer der auf dem gastronomischen Sektor erfolgreichen Block-Gruppe. Die nachfolgenden großartigen Referate sind in diesem Band dokumentiert. Anschließend gab es jeweils eine lebhafte Diskussion mit interessanten Stellungnahmen aus dem Auditorium.

Abermals gilt ein großer Dank allen an der Vorbereitung und Durchführung der Tagung Beteiligten, den Direktoren des Zentrums, seinem Kuratorium, dem wissenschaftlichen Beirat, dem geschäftsführenden wissenschaftlichen Assistenten und vor allem natürlich den Referenten sowie den Diskussionsleitern.

Nach dieser dritten Jahrestagung darf konstatiert werden: Das Notarrechtliche Zentrum Familienunternehmen der Bucerius Law School ist etabliert. Erwähnt sei, dass im Juni 2014 in seinem Rahmen ein Werkstattgespräch mit drei Jungunternehmerinnen zum Thema „Unternehmensnachfolge aus der Perspektive der nachfolgenden Generation” vor vollem Haus stattgefunden hat.

Wir freuen uns auf die nächste – vierte – Jahrestagung am 13. November 2015 in Hamburg. Die Partnerin für das Podiumsgespräch ist bereits gefunden.

Prof. Dr. Hans-Joachim Priester, Notar a. D. Prof. Dr. Rainer Kanzleiter, Notar a. D.
Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Vorsitzender der Deutschen
Notarrechtlichen Zentrums Familienunternehmen Notarrechtlichen Vereinigung e.V.

Vorwort

Im Sommer 2012 wurde an der Bucerius Law School – Hochschule für Rechtswissenschaft – in Hamburg das Notarrechtliche Zentrum Familienunternehmen eingerichtet. Seine Gründung ist einer gemeinsamen Initiative der Deutschen Notarrechtlichen Vereinigung e.V., der Hamburgischen Notarkammer sowie der Bucerius Law School zu verdanken. Weitere Unterstützung erfährt das Zentrum durch die Johanna und Fritz Buch-Gedächtnisstiftung, Hamburg.

Das Notarrechtliche Zentrum Familienunternehmen versteht sich als ein Ort der Diskussion und der Begegnung. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die rechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen Familienunternehmen wirken, systematisch sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln. Zum Selbstverständnis des Notarrechtlichen Zentrums Familienunternehmen gehört es, diese Fragen grundlagenorientiert und mit Blick auf die Bedeutsamkeit auch der juristischen Nachbarwissenschaften zu erschließen.

Familienunternehmen verfolgen langfristige Interessen – und müssen doch wandlungsfähig sein. Wie alle Unternehmen unterliegen sie den Dynamiken sich ständig verändernder Märkte. Hinzu kommen Veränderungen in der Zusammensetzung der Unternehmerfamilie. Häufig sind Erfolg und Fortbestand eines Familienunternehmens daran geknüpft, wie Familienunternehmen diesen Wandel rechtlich bewältigen und gestalten. Die 3. Jahrestagung des Notarrechtlichen Zentrums Familienunternehmen am 31. Oktober 2014, die dieser Band dokumentiert, war den damit verbundenen Herausforderungen gewidmet.

Wie schon in den Vorjahren begann die Tagung mit einem lebhaften und einsichtsreichen Podiumsgespräch. Der Hamburger Familienunternehmer Eugen Block, Gründer der Block-Gruppe, machte im Gespräch mit Prof. Dr. Hans-Joachim Priester anschaulich, welche inneren und äußeren Gründe ein erfolgreiches Familienunternehmen immer wieder zu Wandel, Umstrukturierung und Veränderung zwingen können. Für diese Einblicke danken wir sehr.

Dr. Konstantin Mettenheimer, Chairman Deutschland, Edmond de Rothschild, Frankfurt am Main, erörterte unter dem Titel „Private Equity und Familienunternehmen” die Bedingungen, unter denen die auf den ersten Blick unkonventionelle Verbindung von eher kurzfristig orientierten Finanzinvestoren und langfristig denkenden Familienunternehmern glücken kann. Prof. Dr. Norbert Zimmermann, Notar aus Düsseldorf, widmete sich den Rahmenbedingungen von Rechtsformwechseln in Familiengesellschaften, und Prof. Dr. Rainer Hüttemann, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, erläuterte schließlich, ob sich Stiftungen als Nachfolgeinstrument eignen. – Allen Referenten gilt unser herzlicher Dank.

Das Erscheinen des Tagungsbandes ist willkommene Gelegenheit, den Förderern und Initiatoren des Zentrums für ihre wertvolle Unterstützung zu danken, ohne die es das Notarrechtliche Zentrum Familienunternehmen der Bucerius Law School nicht gäbe. Schließlich danken wir den aus ganz Deutschland angereisten Tagungsteilnehmern, die im kleinen und im großen Kreis zum Gelingen der Tagung beigetragen haben und das Notarrechtliche Zentrum zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs haben werden lassen.

Hamburg, im März 2015

Prof. Dr. Anne Röthel Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Karsten Schmidt
Direktorin des Notarrechtlichen Direktor des Notarrechtlichen
Zentrums Familienunternehmen Zentrums Familienunternehmen

Inhalt

Geleitwort

Vorwort

KONSTANTIN METTENHEIMER/BENEDICT VON SCHMELING

Private Equity und Familienunternehmen – Familienunternehmen im Wandel

NORBERT ZIMMERMANN

Rechtsformwechsel?

RAINER HÜTTEMANN

Stiftungen als Nachfolgeinstrument

Private Equity und Familienunternehmen – Familienunternehmen im Wandel

KONSTANTIN METTENHEIMER/BENEDICT VON SCHMELING*

I. Einleitung

Mittelständische deutsche Familienunternehmen sind in einigen Industrien führend, teilweise sogar Weltmarktführer. Deswegen stehen sie oftmals mit nationalen und internationalen, kapitalmarktorientierten Unternehmen im Wettbewerb. Um konkurrenz- und damit überlebensfähig zu sein, müssen Unternehmen ständig investieren. Es gilt neue Märkte zu erschließen, Technologien weiterzuentwickeln sowie Kapazitäten auszubauen und effizient zu gestalten. All diese Vorhaben haben einen hohen finanziellen Preis.

Im Folgenden werden beispielhaft einige traditionelle Finanzierungsmöglichkeiten aufgeführt. Im Anschluss daran folgt eine Vorstellung von Private Equity als eine nicht neue, aber durchaus interessante Alternative zu klassischen Finanzierungsquellen. Dabei werden zuerst Venture Capital und Buyout Capital definiert. Nach einem Investitionsüberblick für Deutschland und einer Erläuterung der Kostenstruktur und Renditeerwartungen folgt eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile von Private Equity-Beteiligungen für Familienunternehmen. Es werden ebenfalls Beispiele für sowohl geglückte, als auch gescheiterte Private Equity-Investitionen gegeben. Am Ende wird Private Equity als Investitionsmöglichkeit für professionelle Anleger angeschnitten.

II. Einige Beispiele von Finanzierungsmöglichkeiten für Familienunternehmen

1. Gewinnthesaurierung

Die gesündeste und logischste Form der Finanzierung ist die Innenfinanzierung durch Gewinnthesaurierung. Hierbei finanzieren sich Unternehmen, indem sie einbehaltene Gewinne für Expansions- und Investitionszwecke nutzen. Diese Finanzierungsmöglichkeit besteht nur für liquiditäts- und ertragsstarke Unternehmen, welche trotz Konjunkturzyklen und Wirtschaftskrisen ausreichende Mittel bilden können. Falls diese Gegebenheiten erfüllt sind, profitiert ein Unternehmen bei dieser Art der Finanzierung von einem geringfügigen Aufwand. So müssen beispielsweise keine Informationen über das Unternehmen veröffentlicht oder weitergegeben werden. Ebenfalls ist das Unternehmen völlig unabhängig von den Kapitalmärkten und es fallen keinerlei Kosten an.

2. Eigenkapital durch den Kapitalmarkt – Aktienemission

Eine Aktienemission stellt eine Eigenkapitalfinanzierung durch den Kapitalmarkt dar. Hierbei erhalten Kapitalgeber Anteile an dem Unternehmen in Form von Aktien. Eine anteilige Gewinnbeteiligung erhält der Aktionär in Form von Dividenden. Dadurch werden Investoren am Unternehmensrisiko beteiligt. Das eingenommene Kapital unterliegt keinem Verwendungszweck. Außerdem hat diese Finanzierungsform den Vorteil, dass sie die Eigenkapitalquote des Unternehmens erhöht und dadurch das Insolvenzrisiko gesenkt wird. Aber eben diese Veränderung der Eigenkapitalstruktur kann für bisherige Inhaber nachteilig sein, da ggf. ein Kontrollverlust über das Unternehmen droht und zusätzliche Offenlegungs- und Informationspflichten geschaffen werden müssen. Zu bedenken ist bei dieser Art der Finanzierung ebenso der Kostenaufwand: Einmalig fallen hohe Kosten für eine Aktienemission an, und fortlaufend sind die Kosten der regelmäßigen Informationsoffenlegung an die Aktionäre zu berücksichtigen1.

3. Mezzanine-Kapital

Eine weniger traditionelle und weniger verbreitete Finanzierungsform ist das Mezzanine-Kapital. Für diesen Begriff gibt es keine eindeutige Definition. Grundsätzlich verbindet Mezzanine-Kapital Eigenschaften von sowohl Fremd-, als auch Eigenkapital. Diese Kombination vereint öffentliche und nicht-öffentliche Finanzierungsprodukte des Kapitalmarkts. Fremdkapitalnahes Mezzanine ist beispielsweise ein nachrangiges Darlehen, ein partiarisches Darlehen oder eine typische stille Beteiligung. Eigenkapitalnahes Mezzanine sind beispielsweise Genussscheine und eine atypische stille Beteiligung. Mezzanine-Kapital wird im Insolvenzfall typischerweise nach den Gläubigern und vor den Eigenkapitalgebern bedient. Durch Mezzanine-Kapital kann ein Unternehmen eine Finanzierung beschaffen, ohne dabei den Einfluss der Eigentümer auf das Unternehmen durch die Abgabe von Stimmrechten zu verringern. Mezzanine-Kapital bringt zudem den Vorteil, dass ein Markt außerhalb des Bankensektors existiert. Zu beachten ist, dass Mezzanine-Kapital eine höhere Rendite fordert (10%-16% p.a.) als klassische Fremdkapitalgeber, und z.T. auch Anspruch auf Gewinne oder Wertsteigerungen hat2. Dies ist durch die Flexibilität der Finanzierung und die relative Nachrangigkeit zu begründen.

4. Fremdkapital

Bei einer Fremdkapitalzuführung wird der Kapitalgeber Gläubiger des Unternehmens und übernimmt damit weder eine Beteiligung am Unternehmensrisiko, noch eine Beteiligung am Gewinn. Durch die Zuführung von Fremdkapital steigt der Verschuldungsgrad, was Steuerersparnisse mit sich führen kann, weil die Zinsen grundsätzlich Betriebsausgaben sind. Verschuldung ist jedoch nur zu einem gewissen Grad ein Vorteil (Tax Shield). Die Beschreibung der Nachteile einer Fremdfinanzierung ist nicht Gegenstand dieses Beitrags.

Bei einer Finanzierung durch Fremdkapital bleibt die Gesellschafterstruktur erhalten und damit auch die unternehmensinternen Entscheidungswege und die Entscheidungsträger. Fremdkapital steht, anders als Eigenkapital, zeitlich nur begrenzt zur Verfügung und Tilgung sowie Zinsen müssen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten beglichen werden.

a) Anleihen

Eine Option der Fremdkapitalbeschaffung ist die Emission von Anleihen. Hierbei erhält das Unternehmen Fremdkapital am Kapitalmarkt, wobei die Anleihe den Rückzahlungs- und Zinsanspruch des Anlegers verbrieft. Die dadurch aufgenommenen finanziellen Mittel unterliegen keinem Verwendungszweck. Der Kostenaufwand einer Anleiheemission ist hoch und das Unternehmen verpflichtet sich zur Offenlegung von Informationen. Die benötigte Kapitalsumme sollte wesentlich sein, um den Aufwand zu rechtfertigen. Die Konditionen einer Anleihe sind stark vom Zustand des Unternehmens und dem Markt abhängig.

b) Bankdarlehen

Eine zweite Möglichkeit der Fremdkapitalbeschaffung ist ein Darlehen von einem Kreditinstitut. Dieses unterliegt im Gegensatz zu einer Anleihe einem vertraglich festgelegten Verwendungszweck. Informationen werden lediglich gegenüber dem Kreditgeber offengelegt. Die Vergabe von Krediten und die damit verbundenen Konditionen sind vom Zustand des Unternehmens, dem regulatorischen Umfeld sowie der Marktstimmung abhängig3.

5. Zusammenfassung empirischer Ergebnisse

Die untenstehende Graphik zeigt die bevorzugten Finanzierungsinstrumente mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Im Jahr 2012 wurden hierzu 209 Unternehmen durch Deloitte befragt.

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Abb. 1: Bevorzugte Finanzierungsinstrumente von mittelständischen Unternehmen in Deutschland4

Laut dieser Studie halten:

60% Innenfinanzierung für eine sehr starke Finanzierungsform

67% Eigenfinanzierung über den Kapitalmarkt für eine sehr schwache Finanzierungsform

48% Fremdfinanzierung über Banken für eine sehr starke Finanzierungsform

66% Fremdfinanzierung über den Kapitalmarkt für eine sehr schwache Finanzierungsform

47% Mezzanine-Finanzierung für eine sehr schwache Finanzierungsform.

III. Einführung in Private Equity

Eine Alternative zu den klassischen Finanzierungsmöglichkeiten ist die Investition eines Private Equity-Fonds in ein Familienunternehmen. Private Equity bezeichnet grundsätzlich alle Investitionen, bei denen Eigenkapital in nicht börsennotierte Unternehmen investiert wird. Durch seine Investition erwirbt der Kapitalgeber Anteile am Unternehmen. Diese Anteile hält der Private Equity-Investor in der Regel an mehreren Unternehmen und in der Form eines Fonds für einen begrenzten Zeitraum von vier bis sieben Jahren. Durch das Erwirtschaften von Überschüssen während der Beteiligungsphase und dem anschließenden Erlös aus dem Verkauf der Anteile erzielt der Private Equity-Investor Rendite. Bei Private Equity unterscheidet man zwischen Venture Capital und Buyout Capital5.

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Abb. 2: Private Equity in der Übersicht6

1. Venture Capital

Venture Capital ist eine Unterform von Private Equity, die ausschließlich in junge Unternehmen investiert, die noch nicht bzw. noch nicht lange am Markt etabliert sind. In erster Linie wird Venture Capital durch Wachstumschancen von jungen Unternehmen und daraus resultierende Renditechancen motiviert. Venture Capital finanziert Unternehmen in der Vorgründungsphase, Gründungsphase und der frühen Erweiterungsphase. Bei dieser Form der Private Equity-Finanzierung erwirbt der Investor aufgrund des hohen unternehmerischen Risikos meistens lediglich eine Minderheitsbeteiligung.

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Abb. 3: Venture Capital in der Übersicht7

a) Vorgründung (Seed)

Eine Seed-Finanzierung ist i.d.R. eine Minderheitsbeteiligung an einem in der frühen Entwicklungsphase befindlichen Unternehmen.

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