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Familienglück

Über die Autorin

Die Journalistin und freie Autorin Lisa Rogak lebt in New Hampshire, nachdem sie die halbe Welt bereist hat. Sie schreibt über Hunde, Katzen, Reisen, Wein, Technik und jedes andere Thema, das ihr über den Weg läuft. Mehrere ihrer vierzig Bücher waren New York Times-Bestseller.

LISA ROGAK

FAMILIENGLÜCK

Wundersame Geschichten aus dem Tierreich

Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch
von Ulrike Strerath-Bolz

INHALT

  1. Einleitung

  2. Die Windhündin und das Rehkitz, die Fuchswelpen, die Häschen und, und, und …

  3. Die Henne und die Entenküken

  4. Die Katze und das Eichhörnchen

  5. Der Boxer und das Zicklein

  6. Der Springer Spaniel und die Lämmer

  7. Der Kelpie und die Hühnchen

  8. Der Golden Retriever und die Kaninchen

  9. Die Katze und die Entchen

  10. Die Henne und das Falkenküken

  11. Der Border Collie und die Vietnamesischen Hängebauchschweine

  12. Der Teichrohrsänger und das Kuckuckskind

  13. Der Schäferhund und die Kätzchen

  14. Die Eule und das Gänseküken

  15. Die Ziege und der junge Wolf

  16. Das Huhn, die Gans und ihre drei Entchen

  17. Der Deutsch Kurzhaar und die Eule

  18. Das Löwenäffchen und die Seidenäffchen-Zwillinge

  19. Der Jagdhundmischling und das Känguru

  20. Die Deutsche Dogge und das Rehkitz

  21. Der Schäferhund-Dobermann-Mischling und der kleine Dachs

  22. Der Border Collie und die Hyänen- und Tigerkinder

  23. Die Löwin und das Antilopenkalb

  24. Der Foxhound und die jungen Füchse

  25. Die Kuh und die Lämmer

  26. Der Rüde und das Affenbaby

  27. Die Dalmatinerhündin und das Lamm

  28. Die Katze und die Küken

  29. Die Promenadenmischung und das Buschbaby

  30. Der Airedale Terrier und die Meerschweinchen

  31. Die Sau und das Kätzchen

  32. Der Pointer-Rhodesian-Ridgeback-Mischling und das Lamababy

  33. Die Boxerhündin und das Schweinchen

  34. Die Schimpansendame und die Welpen

  35. Die Füchsin und die Kätzchen

  36. Die Schäferhündin und die Königstiger

  37. Die Bulldogge und die Eichhörnchen

  38. Der Orang-Utan und die Löwenjungen

  39. Der Pavian und das Buschbaby

  40. Der Labrador und das Entchen

  41. Die Henne und die Rottweilerwelpen

  42. Der Chihuahua und das Seidenäffchen

  43. Der Pfau und das Gänseküken

  44. Der Labrador und das Zwergflusspferd, die Tigerjungen, das Stachelschwein und, und, und …

  45. Der rote Kater und das Löwenjunge

  46. Der Akita und das Löwenjunge

  47. Das Kaninchen und die Kätzchen

  48. Die Pointer-Hündin und das Pumajunge

  49. Das Schwein und das Lamm

  50. Die Deutsche Dogge und das Schimpansenbaby

  51. Die Schildpattkatze und die Rottweilerwelpen

  52. Danksagung

  53. Bildnachweis

  54. Anmerkungen

EINLEITUNG

Koko ist eine Gorilladame, die per Zeichensprache mit den Menschen kommuniziert, die in der Gorilla Foundation in Woodside, Kalifornien, für sie sorgen. Sie kennt nicht nur etwa tausend Zeichen der amerikanischen Zeichensprache, sondern versteht auch mehr als 2000 gesprochene englische Wörter. Im Jahr 1984 bat sie um ein kleines Kätzchen, um das sie sich kümmern konnte, und man erfüllte ihr diesen Wunsch. Ihre menschlichen Gefährten beobachteten voller Bewunderung, wie Koko mit dem Kätzchen umging, das sie All Ball getauft hatte, denn sie behandelte es so zärtlich, als wäre es ihr eigenes Kind. Als All Ball von einem Auto überfahren wurde, betrauerte Koko ihren allzu frühen Verlust sehr. »Schlimm, traurig, schlimm«, teilte sie in der Zeichensprache mit. Und: »Kummer, weinen, Kummer, traurig.«

Fast jeder hat schon einmal von der Gorilladame Koko und ihrem Kätzchen gehört oder gelesen, aber es gibt unzählige weitere herzerwärmende Geschichten dieser Art. Sie zeigen nicht nur, zu was Tiere imstande sind, sondern sie dienen auch als leuchtendes Beispiel für die Fürsorge und das Mitgefühl, die wir Menschen anstreben können. Diese Beziehungen zeigen, dass der Instinkt, zu lieben und zu versorgen, tatsächlich existiert und dass er in einigen außergewöhnlichen Fällen über die Grenzen der eigenen biologischen Art hinausgeht.

Tatsächlich können wir alle nachfühlen, was Koko erlebt und in Worte gefasst hat. Und vielen anderen Tieren würde das auch so gehen. Kokos Geschichte ist nur die Spitze des Eisbergs im Hinblick auf die unglaublichen Beziehungen und Bindungen der Elternschaft über biologische Grenzen hinaus. Jede Woche tauchen neue solcher Meldungen in den Nachrichten oder im Internet auf, und oft verbreiten sie sich wie ein Lauffeuer.

»Es ist nicht ungewöhnlich, dass Tiere über ihre eigene Spezies hinaus Junge aufziehen«, erklärt Dr. John C. Wright, Autor des Buches Ain’t Misbehavin‘: The Groundbreaking Program for Happy, Well-Behaved Pets and Their People, renommierter Experte für angewandte Verhaltensforschung bei Tieren und Professor für Psychologie an der Mercer University in Macon, Georgia.

»Der Instinkt, der sie dazu veranlasst, für ein anderes Tier zu sorgen, kann hormonell oder einfach altersbedingt sein. Wenn sie jung sind, ist ihr Verhalten formbar, und sie sind offen für praktisch jede Erfahrung, Gelegenheit oder Gemeinschaft. Genau wie die Menschen sehnen sich die weitaus meisten Tiere nach Gesellschaft.«1

Bei anderen Tieren, vor allem bei Vögeln, ist der Trieb zur Aufzucht von Jungen auf beiden Seiten (also bei Eltern und bei Jungen) besonders stark ausgeprägt. Gleichzeitig ist es tief in den Genen eines frisch geschlüpften Vogels verankert, sich sofort an das Erste zu binden, was er sieht, wenn er die Augen aufmacht – sei es ein Tier, eine Pflanze oder ein Mineral.

Diese Prägung ist ein Phänomen bei Gänsen, Truthähnen und Enten, wie der berühmte österreichische Verhaltensforscher Konrad Lorenz in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts feststellte und in wissenschaftlichen Aufsätzen beschrieb. Lorenz zufolge sind diese Vögel darauf programmiert, das erste große, sich bewegende Objekt, das sie in den ersten kritischen Stunden und Tagen nach dem Schlüpfen sehen, als wichtigste Elterngestalt zu betrachten. Und obwohl Sie in den folgenden Geschichten lesen werden, dass Katzen, Hunde und Vögel anderer Arten ihnen als Elternersatz dienen können, stellte Lorenz darüber hinaus fest, dass frisch geschlüpfte Vögel auch zu Stiefeln, Bällen und in einem Fall sogar zu einer elektrischen Eisenbahn eine Bindung herstellen können.

»Wenn Sie einem Vogel ein Ei unterschieben und der Instinkt stark genug ist, wird er sich darum kümmern«, erklärt Graham Appleton vom British Trust for Ornithology. »Für das Küken wird alles, was zum richtigen Zeitpunkt da ist, zur Mutter, und es wird die richtigen Laute von sich geben, um Futter zu bekommen. Der Instinkt der Eltern wird dazu führen, dass das Neugeborene gefüttert wird. Der Instinkt bringt das Gössel dazu, den Eltern zu folgen und alles nachzuahmen, was sie tun«, fährt er fort und beschreibt einen Fall, in dem ein Pfau ein Gänsejunges adoptierte. »Das ist natürlich eine seltsame Situation und vermutlich ein bisschen verwirrend für den kleinen Vogel. Er hat einen eigenen Instinkt, aber es wird faszinierend sein, zu sehen, ob er zum Beispiel schwimmen lernen wird, was ein Pfau ja nicht kann.«2

Die Erfahrungen von Zoologen und Mitarbeitern in Wildreservaten und anderen Zentren weltweit lassen den Schluss zu, dass Elternschaft über die Grenzen der eigenen Art hinaus bei Tieren in Gefangenschaft – seien sie nun bedroht oder nicht – häufiger vorkommt als in freier Wildbahn. Im Fall von Orang-Utans und anderen Primaten in Gefangenschaft (bei allen Bemühungen, diese gefährdeten Arten zu erhalten und sie in pädagogischer Absicht dem Publikum vorzustellen) unterscheiden sich die Lebensbedingungen dieser Tiere doch extrem von dem natürlichen Lebensraum, an den sie gewöhnt sind. Daraus kann man ableiten, dass sich auch ihre Fähigkeiten und ihr Verhalten als Eltern anders darstellen.

»Obwohl wir uns bemüht haben, unseren Orang-Utans die beste Unterkunft zu bieten, können wir doch nicht die Bedingungen reproduzieren, unter denen sie in Freiheit leben«, war sich die 2007 verstorbene Molly Badham, die Gründerin des Twycross Zoo in Leicestershire (Großbritannien), im Klaren. »In ihrer natürlichen Umgebung leben die männlichen Tiere allein und schließen sich nur zur Paarung den Weibchen an. Weibliche Orang-Utans mit Jungen sind oft mit anderen Weibchen in einer Art Kindergartengruppe unterwegs«,3 also in einer Umgebung, die es den frischgebackenen Müttern erlaubt, von den erfahreneren Tieren zu lernen und herauszufinden, was von ihnen erwartet wird und wie sie sich zu verhalten haben. In Gefangenschaft leben männliche und weibliche Tiere in der Regel zusammen, sodass sie fast jedes Jahr Junge bekommen – die Tragzeit ist etwa so lang wie beim Menschen.

Daher ist es wichtig, dass die menschlichen Betreuer dieser Tiere genau aufpassen und wissen, wann es Zeit ist, einzuschreiten und Hilfe anzubieten, um die Unterschiede in den Lebensbedingungen auszugleichen. Zum Glück gibt es reichlich Tiere, die bereit sind, einzuspringen und die Rolle einer Kinderfrau, einer Lehrerin oder eines Babysitters einzunehmen oder die Menschen einfach zu unterstützen, wo es nötig ist. Molly Badham bevorzugte Hunde, vor allem Deutsche Doggen, als Ersatzeltern für ihre Schimpansen, Orang-Utans, Meerkatzen und andere Primaten, die von ihren Müttern oft nicht angenommen wurden. »Wir fanden bereitwillige Pflegeeltern in unseren Deutschen Doggen, die sehr tolerant allen Waisenkindern gegenüber waren, die in ihr Revier eindrangen«, sagte sie. »Vielleicht lag es daran, dass alle unsere Hunde gerettet worden waren und deshalb große Zuneigung zu anderen Tieren fassten, die Hilfe brauchten.«4

Aber nicht nur Hunde erweisen sich als gut geeignet, um verwaiste Tierkinder aufzuziehen. In diesem Buch werden Sie einige ziemlich unglaubliche Verbindungen kennenlernen, darunter ein Pfau, der sich um ein Gänsejunges kümmert, und ein Schwein, das dabei hilft, ein Kätzchen aufzuziehen und zu säugen. In den meisten Geschichten geht es allerdings tatsächlich um – weibliche oder männliche – Hunde, die als Ersatz- und Pflegeeltern dienen. Vielleicht fragen Sie sich, woher das kommt. Möglicherweise liegt es daran, dass der Hund das weltweit wohl am weitesten verbreitete Haustier ist. Aber die Wahrheit ist wohl noch viel schlichter: Es liegt hauptsächlich daran, dass die Zucht und die jahrtausendelange Erziehung den Hund zum besten Gefährten des Menschen gemacht haben, der je nach Rasse viele verschiedene Aufgaben übernehmen kann.

»Hunde sind durch den Menschen genetisch modifiziert worden, sodass sie sehr gemeinschaftstauglich und aufgeschlossen sind«, erklärt Dr. Stanley Coren, Professor für Psychologie an der University of British Columbia und Autor zahlreicher Bücher über Hunde, darunter auch The Intelligence of Dogs: A Guide to the Thoughts, Emotions, and Inner Lives of Our Canine Companions. »Allgemein gesagt, geht es um das, was wir Neotenie nennen, womit schlicht und einfach gemeint ist, dass wir unsere Hunde so gezüchtet haben, dass sie im Grunde genommen ein Leben lang Welpen bleiben.«5

Interessanterweise, so erklärt Coren, sind Hunderassen mit stärker welpenähnlichen körperlichen Merkmalen – lange, hängende Ohren und große Augen – und weniger Ähnlichkeit mit Wölfen – schmale Augen, spitze Stehohren – eher bereit, als Ersatzeltern für ein Junges aus einer anderen Art zu dienen. »Wenn es sich dabei aber um einen weniger neotenisierten Hund handelt, dann in der Regel in der Verbindung zu einem sehr jungen Tier«, führt der Psychologe aus. »Zum Teil liegt das daran, dass sehr junge Säugetiere Pheromone ausscheiden, die ihnen einen charakteristischen ‚Babyduft‘ verleihen. Einer der Zwecke dieser Pheromone ist die Erregung von Beschützerinstinkten oder jedenfalls die Unterdrückung feindseliger Instinkte innerhalb der eigenen Art. Weil zwischen allen Säugetieren eine gewisse Ähnlichkeit besteht, können wir feststellen, dass auch andere Tiere darauf reagieren.«6

Einige der Eltern-Kind-Beziehungen, von denen Sie hier lesen werden, halten lebenslang, wie im Fall des Schweins und des Kätzchens; andere sind von wesentlich kürzerer Dauer, wie Sie in der Geschichte von der Löwin und dem Antilopenbaby sehen werden. Natürlich leben die meisten Tiere ohnehin kürzer als wir Menschen, sodass ihre Kindheit eher in Wochen und Monaten gemessen werden kann als in Jahren. Wesentlich häufiger tun die erwachsenen Tiere gerade so viel, dass das Junge überlebt, bleiben noch ein Weilchen in der Nähe, um zu sehen, ob es allein zurechtkommt, und treten dann wieder in den Hintergrund, sodass es sein naturgegebenes Leben weiterführen kann. Das Ziel besteht darin, dem Jungen die Rückkehr in die Wildnis zu ermöglichen.

Der wichtigste Punkt, den wir uns klarmachen sollten, ist, dass die Tiere, von denen Sie in diesem Buch lesen, in vielen Fällen eher untypisch reagierten: Sie überwanden ihren natürlichen Raubtierinstinkt, der normalerweise bei einer Begegnung mit dem anderen Tier zu Verletzungen und oft zum Tod geführt hätte. Es ist tatsächlich ganz einfach: Der laute Ruf des Mutter- oder Vatertriebs war stärker.

Jedes dieser Tiere handelte als Mutter- oder Vaterersatz für ein Junges, das dringend Eltern brauchte, und indem es das tat, wurde es auch zur ...

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