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Falsch gedacht

Caro Sodar

Falsch gedacht

Inklusive Bonusstory: Bloß nicht denken





BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Kurzbeschreibung

 

 

Hugo ist auf dem Weg zur Comicmesse und hat noch einen speziellen Auftrag von zwei Freundinnen im Gepäck. Er soll die Versöhnung der alten Schulfreunde, Andreas und Florian, herbeiführen. Dumm ist nur, dass die beiden schon viele Jahre kein Wort mehr miteinander reden und dementsprechend nicht an einer Versöhnung interessiert sind. Und noch dümmer ist, dass er heimlich in Andreas' Freund verliebt ist. Das Ganze kann eigentlich nur im Chaos enden oder etwa nicht?

 

** Sidestory zu Geheimnisse.**

 

 

 

 

 

Falsch gedacht

 

 

 

 

Caro Sodar

 

 

                                          

 

Freundschaftsdienst mit Folgen

 

 

„Sie haben ihr Ziel in tausendfünfhundert Metern erreicht“, wurde Hugo von seinem Navi mitgeteilt. Die ganze Strecke von Leipzig nach Köln - und das waren immerhin fast fünfhundert Kilometer - hatte er sich den Kopf darüber zerbrochen, wie er die Bitte der Mädels erfüllen sollte. Natürlich wollte er auch, dass es Florian endlich wieder besser ging, aber dass der Job des Vermittlers mit ihm richtig besetzt war, hielt er für ein Gerücht.

Florian hatte vor knapp drei Monaten bei einem Sportunfall seinen Unterschenkel und sein linkes Augenlicht verloren, was ihn in eine tiefe Krise stürzte. Weder seine Schwester Maja, noch seine beste Freundin Ella, hatten es bisher geschafft, ihn aufzumuntern. Er ließ einfach niemanden an sich heran und nun mussten sie tatenlos zusehen, wie sich Florian quälte und es ihm immer schlechter ging.

So wurde die Idee geboren, Hugo um seine Mithilfe zu bitten. Weil er ja auf jeden Fall zur ‚Intercomic’, der bekannten Comicmesse in der Kölner Stadthalle, fahren würde, könnte er das ja direkt mit einem Besuch bei seinem alten Schulfreund Andreas verbinden. Dann sollte er Andreas von dem Unfall erzählen, woraufhin dieser - da waren sich beide Frauen einig - sofort zu Florian eilen würde, um ihm beizustehen.

Er hatte mehrfach versucht, den beiden Mädels diese „geniale Idee“ auszureden, weil sich Andi und Florian nicht nur seit über fünfzehn Jahren nicht mehr gesehen, geschweige denn gesprochen hatten, sondern weil Andi schon allein bei der Erwähnung von Florians Namen rote Wangen bekam und abblockte.

Wie sollte er ihn also davon überzeugen, dieses Mal zuzuhören?

Da ihm in den letzten fünf Stunden kein guter Plan eingefallen war, könnte er wahrscheinlich noch ewig im Auto vor Andis Wohnhaus sitzen und würde trotzdem keine Erleuchtung erhalten.

Er seufzte, zog den Zündschlüssel ab und stieg aus dem Wagen. Während er die Straße überquerte und auf das Haus zuging, dachte er noch kurz über sein zweites Problem nach, das dieser Besuch mit sich brachte.

Andreas war seit knapp einem Jahr mit seinem Partner Constantin zusammen. Die beiden hatten sich bei einem Bericht für den Radiosender, bei dem Andi arbeitete, kennengelernt. Constantin ist Junior Professor und hatte für Andreas seinen Lehrstuhl in Münster aufgegeben und zog zu ihm nach Köln.

Da Hugo selten im Großraum Köln unterwegs war und Andreas nicht nach Leipzig kam, begegnete er Constantin bisher erst einmal. Aber dieses eine Mal hatte gereicht, um sich hoffnungslos in ihn zu verlieben.

Für ihn war Constantin der absolute Traummann, mit seiner großen, schlanken, aber dennoch kräftigen Figur, den hellbraunen, leicht gelockten Haaren und den dunkelblauen, strahlenden Augen. War er sich bisher gar nicht bewusst gewesen, einen speziellen Typ von Traummann zu haben, änderte sich seine Meinung nach dieser Begegnung grundlegend. Dass ihm die angenehme und warme Stimme zusätzlich ein Gefühl von ‚nach Hause kommen‘ vermittelte, trug leider auch nicht dazu bei, seine Schwärmerei in den Griff zu bekommen.

Aber wieso musste er ausgerechnet beim Partner seines Freundes diese Gefühle haben? Das fragte sich Hugo zum wiederholten Mal. Sicher, er hatte schon Beziehungen, sowohl zu Frauen, als auch zu Männern. Weder die eine noch der andere konnten ihn lange fesseln. Der Sex mit Männern gefiel ihm zwar besser, da er es gern etwas rauer und härter mochte. Dafür war die Geborgenheit, die einem eine Frau vermitteln konnte, auch nicht zu verachten.

Leider interessierten ihn seit besagtem Tag, an dem er Constantin kennengelernt hatte, beide Geschlechter nicht mehr die Bohne.

Ach, was soll’s, selbst wenn er nicht mit Andi liiert wäre, würde nichts aus ihnen werden, rief er sich zur Ordnung und erinnerte sich daran, dass seine Begeisterung für Constantin von diesem nicht erwidert wurde. Im Gegenteil, scheinbar war sein Eindruck von Hugo, dass er eine unbrauchbare Niete wäre, der außer einem netten Gesicht nichts zu bieten hatte. Er war zwar freundlich gewesen, ließ aber deutlich erkennen, dass er ihn für einen oberflächlichen Modelheini hielt.

Das hatte schon eine gewisse Art von Ironie, wenn man bedachte, dass Hugo nur nebenbei modelte, hauptberuflich aber Comics zeichnete und die dazu passenden Texte entwarf. Sein Metier war die blutige Horrorschiene, speziell die Zombifraktion. Die Serie ‚Zombies jagen Versage’ wurde bereits sehr erfolgreich verlegt und seine Leserschaft stieg stetig an. Momentan arbeitete er am fünften Teil, den er nur ungern unterbrochen hatte, um sich auf der Messe sehen zu lassen, wie es mit seinem Verlag abgesprochen war.

Hugo hatte bereits als Kind mit dem Zeichnen begonnen und seine Schulhefte mehr mit Skizzen als mit den Hausaufgaben gefüllt. Es brauchte als Erwachsener jedoch eine Weile, bis er genug Mut gesammelt hatte und schließlich seine Geschichten veröffentlichte. Von da an war seine Karriere ein Selbstläufer. Die Verlage rissen sich um seine Zeichnungen und auch die Texte dazu konnte er frei gestalten. Daran hatte sich auch bis heute nichts geändert.

Hugo war, was man bei seinem guten Aussehen gar nicht für möglich halten könnte, äußerst menschenscheu und auch ein wenig schüchtern. Modeljobs suchte er danach aus, ob es sich um Studioaufnahmen oder aber um Locations handelte, die still und abgelegen waren. Für die Veröffentlichung seiner Comics benutzte er ein Pseudonym, welches ein Anagramm seines Namens ‚Hugo Feldmann’ darstellt:  ‚Hean Mondflug’. Unter seinem Künstlernamen gab es kein brauchbares Foto von ihm, weil er peinlichst genau darauf achtete, die Model- und Comicwelt nicht zu vermischen.

Der Splitter-Verlag, bei dem Hugo unter Vertrag stand, hatte eine große Leserschaft. Und diesen treuen Lesern wollte man gerade auf der ‚Intercomic’ etwas Besonderes bieten. So beschloss man, dem jährlich stattfindenden Preisausschreiben eine besondere Überraschung hinzuzufügen. Neben den üblichen Comicpaketen und Sonderheften mit Signierung, griff man den größten Wunsch der Fans auf - einmal Hean Mondflug persönlich zu treffen - und verloste als Hauptgewinn ein Abendessen mit dem scheuen Künstler. So viele Teilnehmer wie in diesem Jahr hatte der Verlag noch nie. Gewonnen hatte schlussendlich eine junge Leserin aus dem hohen Norden, die auf Verlagskosten morgen in Köln eintreffen würde.

Hugo wünschte sich, er wäre bereits wieder zuhause und hätte sich nicht vom Verlag zu diesem Treffen überreden lassen. Vor knapp zehn Jahren hatte er die alte Villa seines Opas in Markkleeberg, einer Kreisstadt, nicht weit von Leipzig entfernt, geerbt. Er stand damit finanziell gut da und konnte sich voll und ganz seinen blutigen Fantasien hingeben. Bestimmte Modeljobs nahm er nur an, um weiteres Futter für seine Stories zu bekommen.

Dieses Traumhaus, das er schon als Kind geliebt hatte, erhielt von seinem Opa den Namen „Haus Blutbuche“, weil dieser ein so großer Sherlock Holmes-Fan gewesen war.

Von einem verwunschenen Garten umgeben führte eine halbrunde Steintreppe mit drei Stufen zur Terrasse hinauf und gab den Blick in einen schönen Wintergarten frei.

In der ersten Etage befand sich ein Atelier mit deckenhohen Bundglasfenstern, was natürlich direkt zu Hugos Zeichenraum wurde. Falls er zu faul oder zu geschafft war, um den Raum zu verlassen, pennte er einfach auf der gemütlichen Couch, die einen Großteil des Raumes einnahm.

Vor der Begegnung mit Constantin war er mit seinem Leben sehr zufrieden gewesen. Es gab keine großen Überraschungen, aber dafür auch keine schwerwiegenden Enttäuschungen. Die meisten Tage verbrachte er über seinen Zeichnungen, hin und wieder ging er im Rosenthal spazieren. Ein paar Mal hatte er überlegt, sich einen Hund anzuschaffen, diesen Gedanken aber immer wieder verworfen. Wenn ihm die Decke auf den Kopf fiel, ging er ins ‚Werk 2’ und tanzte sich dort die halbe Nacht die Seele aus dem Leib.

Vor Andis Wohnhaus angekommen, schlüpfte er hinter einem jungen Mädchen durch die Eingangstür, die diese gerade geöffnet hatte.

Bereits im ersten Stock schallte ihm ziemlich laute Musik aus Andis Wohnung entgegen. Hä, seit wann hörte der denn Rammstein? Weil auf sein Klingeln hin nicht reagiert wurde - verständlicherweise, keine Klingel konnte gegen „Bück dich“ ankommen - klopfte er kräftig gegen die Tür. Grinsend wartete er, bis diese geöffnet wurde.

Die Tür schwang auf und Constantin stand in einer über und über mit Farbe beschmierten Latzhose - unter der er kein T-Shirt trug - vor Hugo und musterte ihn erstaunt.

„Ähm, Hugo, richtig? Du bist Andis Freund“, begann er das Gespräch.

Was sollte das denn? Wieso tat dieser Arsch so, als müsste er überlegen, wer vor ihm steht? Seine Laune sank gewaltig und er verschränkte die Arme in Abwehrhaltung vor der Brust.

 „Genau, ich bin Hugo. Schön, dass du dich erinnerst“, erwiderte er ironisch.

„Ja, sicher“, antwortete Constantin gönnerhaft. „Was kann ich für dich tun?“

‚Wenn er weiter diesen arroganten Ton anschlägt, fängt er sich gleich eine‘, meckerte Hugo in Gedanken. Langsam wurde er richtig sauer.

„Mich zu Andi lassen vielleicht?“, patzte er sein Gegenüber an.

„Andi? Was sollte der hier machen?“

Ganz ruhig bleiben, nicht aufregen. Wahrscheinlich hatte er zu viel Farbe geschnüffelt und war nicht ganz bei sich.

„Andi, dein Freund. Der Kerl mit den Sommersprossen und den blauen Augen. Klingelt da was bei dir?“

Jetzt verschränkte Constantin ebenfalls die Arme vor der Brust und ein kalter Ausdruck erschien in seinem Gesicht.

„Ex-Freund! Scheinbar bist du nicht auf dem Laufenden.“

Das gab es doch wohl nicht. Verdammter Andreas! Wieso hatte er das nicht erzählt?

„Oh, das tut mir leid. Das wusste ich nicht“, ruderte er zurück.

„Kein Problem, Oberflächlichkeit und Geheimniskrämereien sind ja eure Spezialität.“

„Wow, so viele Beleidigungen und das in nur…“, mit diesen Worten schaute er prüfend auf seine Uhr. „…drei Minuten. Das nenne ich effizient.“ Er klatschte in die Hände, schaute in die dunkelblauen Augen seines Gegenübers und lächelte. Constantin schluckte und Hugo hatte schon Angst, dass er gleich die Tür vor der Nase zugeschlagen bekam, als er hörte: „Willst du einen Kaffee?“

 

Nickend folgte er der einladenden Handbewegung und betrat die Wohnung. Der Boden war überall mit Folie ausgelegt, die Fenster, trotz des ungemütlichen Wetters draußen, gekippt.

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