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Fahim

Titel:

Fahim

Jenseits aller Vernunft

von Thomas Herzberg

 

Alle Rechte vorbehalten

Coverbild: © mademoh - Fotolia.com

Version 1.4

 

Die komplette Geschichte ist frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und/oder realen Handlungen sind rein zufällig.

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Unter meinem Pseudonym "Thore Holmberg":

Ansonsten:

  

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Inhalt:

Kiel-Mettenhof – ein Hochhaus-Ghetto, in dem für gewöhnlich keine Helden geboren werden. Gewalt, Zerstörung und Armut bestimmen das Leben des jungen Fahim. Als der Bundesnachrichtendienst ihn als »Aushilfsagenten« rekrutiert, nimmt sein ansonsten tristes Dasein eine überraschende Wende. Zuletzt hängt es allein an diesem jungen Türken, ob die Bewohner im nicht weit entfernten Hamburg auch in Zukunft ruhig schlafen können ...

Ein emotionaler Krimi/Thriller für junge und junggebliebene Leser.

Kapitel 1:

»Woher hast du das Geld, Fahim?« Seine Mutter schüttelte ihn wie in Rage.

»Woher hast du es? Du hast es geklaut, richtig? Du wirst deinem Bruder ins Gefängnis folgen, das ist sicher! Ihr Zwei brecht mir noch das Herz« zeternd und weinend lief sie davon. Das Letzte was Fahim hörte war das laute Knallen der Wohnzimmertür und das Bersten der darin eingerahmten Glasscheibe. Seine Mutter schien diesmal wirklich wütend zu sein.

Er war später als sonst von der Schule nachhause gekommen. Die neuen Turnschuhe und die neue Jacke waren seiner Mutter natürlich sofort aufgefallen. Von der Jeans hatte sie gar nichts bemerkt, sonst wäre der Anschiss sicherlich noch größer ausgefallen.

Fast fünfhundert Euro hatte Fahim in dem Klamottenladen gelassen. Als er eintrat, musterte ihn die Verkäuferin wie ein ekliges Insekt, das es schnellstmöglich zu Zertreten galt. Keinen Zentimeter hatte er sich zwischen den Regalen bewegen können, ohne dass dieses armselige Möchtegern-Popsternchen ihm auf Schritt und Tritt gefolgt wäre. Erst als er an der Kasse ein Bündel 50-Euro-Scheine hervorholte, entspannte sich ihre Miene merklich. Seine alten Klamotten hatte Fahim zwar noch in einer dieser riesengroßen Plastiktüten mitgenommen, diese jedoch um die nächste Ecke bereits in einem Müllcontainer versenkt. Aufgeblasen war er danach durch die Einkaufsstraße stolziert, immer darauf bedacht, dass man das Label seiner neuen Jeans gut erkennen konnte.

Als er im Telefonladen wenig später den Zweitausweis seines Bruders zückte, musterte ihn auch dieser Verkäufer misstrauisch.

»Den Bart habe ich mir letzte Woche abrasiert«, stotterte Fahim plump. »Herpes«, fügte er noch hölzern hinzu. Wieder blickte er in ein angeekeltes Gesicht, nahm jedoch zufrieden zur Kenntnis, dass der Mann das neue Samsung Galaxy aus dem Regal hinter sich fischte. Unbeholfen fummelte er jetzt am Gehäuse des Handys und versuchte es zu öffnen. Fahim nahm es ihm aus der Hand und erläuterte dem verdutzten Verkäufer ein paar simple Handgriffe, die ihm seine Arbeit in Zukunft deutlich erleichtern sollten. Selbst in vollständiger Dunkelheit, mit nur einer Hand, konnte er fast sämtliche Handys komplett zerlegen und ebenso wieder zusammenbauen. Ein Talent, das ihm gelegentlich sogar die respektvollen Blicke seiner Mitschüler einbrachte.

Viel peinlicher und unangenehmer war da die Geschichte, welche er über sein erstes Handy hätte berichten können: Murat, sein großer Bruder, überließ ihm damals ein ausrangiertes Gerät, das Fahim stolz in die Schultasche steckte. Seine Mitschüler rannten bereits seit Jahren hochwichtig herum. Hatten anscheinend immer und überall unglaublich wichtige Dinge zu besprechen, die nicht bis nach der Schule warten konnten. Seit einigen Monaten war natürlich nur derjenige richtig »In«, der ein Gerät bei sich trug, das auf der Rückseite von einem angebissenen Apfel verziert wurde.

Noch heute schmerzte es, wenn Fahim sich an den Augenblick zurückerinnerte, als seine Mitschüler feststellten, dass es sich bei seinem Handy nur um eine Art Attrappe handelte - sich nicht mal eine SIM-Karte darin befand. Selbst Wochen später äfften sie ihn noch nach: »Oh ja, Fahim ... na klar ... ja Mutti.« Darauf folgte grundsätzlich ausgelassenes Gelächter.

Jetzt aber hatte er ein richtiges Handy - und auslachen konnte ihn deswegen keiner mehr, ganz sicher. Wenn man ehrlich war, dann ging es doch im Schulalltag um nichts anderes mehr: Wer hat welches Handy, wer hat beim Sims seinem Werwolf schon das Kochen beigebracht oder wer geht diese Woche mit wem?

Fahim besuchte den Förderschulteil einer Gemeinschaftsschule und war selbst auf diesem, alles andere als erfolgreich. Es ist ein seltsamer Mix aus zumeist sämtlichen Schulformen. Bei genauerem Hinsehen sollte jeder noch so beschränkte Politiker doch schon im Vorwege feststellen, dass eine solche Einrichtung nicht funktionieren kann. So war es mittlerweile gang und gäbe, dass private Sicherheitsdienste die einzelnen Schultrakte voneinander zu trennen versuchten. Die Polizei hatte im letzten Jahr einen Bürocontainer auf dem Schulhof aufgestellt, um Präsenz zu demonstrieren. Nachdem die Fenster dieser hoheitlichen Festung zum x-ten Mal zerschlagen wurden, hatte man sie durch einfache Gitter ersetzt. Als dann, nur drei Tage später, der komplette Container abbrannte, gab die Polizei auf. Sie beschränkte sich wieder auf Streifenwagen, welche eine schnelle und in der Regel unbeschadete Flucht der Beamten ermöglichten.

Das neue Handy piepte und informierte seinen stolzen Besitzer darüber, dass er nun endlich telefonieren könnte. Aber wen sollte Fahim anrufen? Seine Mutter sollte er wohl kaum mit der frohen Kunde überraschen. Murat, sein Bruder, saß im Gefängnis und anrufen konnte er ihn dort auch nicht. Murat selbst durfte einmal in der Woche telefonieren, nutzte diese Gelegenheit aber selten. Mutter weinte nach seinen Anrufen immer stundenlang und bombardierte Fahim mit Moralpredigten. Den Text dieser Vorträge konnte er bereits mitsingen: »Sei fleißig in der Schule … aus dir soll doch etwas werden … du sollst es einmal besser haben als wir.« Die Häufigkeit diese Gebete wirkte inflationär und sie langweilten ihn nur noch.

Frustriert schob er das Handy in seine Tasche zurück. Freunde hatte er keine. Feinde aber auch nicht, denn jeder hatte Angst vor den Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Das klang irgendwie cool … so wissenschaftlich … so wichtig. Es bedeutet allerdings nur, dass man fremd ist und auch fremd bleibt, bis man entweder stirbt, oder in seine Heimat zurückkehrt. Wobei das doch eigentlich das Gleiche ist. Auch in der Türkei wären sie nur Fremde und man würde sie dort womöglich noch schlechter behandeln als hier, in Deutschland. Fahim hatte einen deutschen Personalausweis und war hier geboren. Sein Vater hatte er nie wirklich kennen gelernt, denn er war bereits zwei Jahre nach seiner Geburt von einem Auto überfahren worden - direkt vor der eigenen Haustür. Bei dem Fahrer, einem wohlhabenden Kieler Rechtsanwalt, wurden seinerzeit 1,8 Promille Blutalkohol festgestellt. Für mehr als eine Bewährungsstrafe und ein lächerliches Schmerzensgeld, welches wie Butter in der Sonne dahinschmolz, reichte es damals jedoch nicht.

Ohne ihren Ernährer war die Familie fortan auf soziale Transferleistungen angewiesen. Hartz 4, nannte man es heute - was es allerdings auch nicht besser machte. In Kiel-Mettenhof nannte man solche Familien schlicht Känguru-Sippen: große Sprünge mit leerem Beutel.

Fahim blieb vor einem Schaufenster stehen und schaute sich die Designertaschen und Geldbörsen an. Alles war auf Englisch beschrieben und sogar die Preise wurden in Euro, aber auch US-Dollar angegeben. Englisch gehörte nun wirklich nicht zu seinen Stärken. Wobei er lange überlegen musste, um seine schulischen Stärken zu ergründen. Sport! In Sport war er wirklich gut. Laufen konnte er und springen.

Neben ihm tauchten zwei Mädchen auf. Sie tuschelten aufgeregt über die angebotenen Accessoires. Fahim bemerkte ihre Blicke ... sie musterten ihn von der Seite. Er drehte sich ein wenig, damit die beiden freie Sicht auf das Label seiner Jeans bekamen. Unauffällig griff er in seine Jackentasche und navigierte sich blind durch das Menü seines neuen Edelhandys. Jetzt klingelte es in seiner Tasche. Ein weiteres Mal war das metallische Schellen zu hören - und nochmal. Mit bewusst gelangweiltem Gesicht und einer coolen Bewegung fischte er nun das Gerät aus der Tasche. Die beiden Mädchen scannten sofort das Handy. Im Augenwinkel konnte Fahim erkennen, dass sie anerkennend nickten.

»Joa Alter, was geht?« er wartete einen kurzen Moment, um seinem Kumpel, dem ersten Klingelton in der Liste, die Gelegenheit für eine Antwort zu geben.

»Ja logisch, Alter! Hast du Scheiße gefressen, Alter? Ich bin dabei! Bis später, Peter … ja klar, Mustafa … den mach ich platt, Murat.« Routiniert schob Fahim das Handy in seine Tasche zurück.

»Der Klingelton ist aber uncool«, kommentierte das erste der Mädchen schnippisch.

»Habe ich neu. Muss eben noch ein paar Coole aus dem Netz runtersaugen. Mach ich heut` Abend« erwiderte Fahim ebenso banal und baute sich vor den beiden auf. Nun musterten die beiden den Rest seines Aufzuges. Ohne dass sie ein Wort gesagt hätten, erkannte er, dass auch dieser Scan zufriedenstellend ablief und sich ihr Interesse an ihm zumindest nicht verringert hatte.

Klingeltöne aus dem Netz saugen. Er musste still in sich hineinlachen. Sie hatten nicht einmal Internet. Zuhause angekommen war damit zu rechnen, dass ihm seine Mutter bestenfalls den Staubsauger in die Hand drücken würde. Seit letzter Woche schon versuchte sie ihn zum Aufräumen seines Zimmers, zu bewegen. Bisher erfolglos. Wenigstens hatte er, seitdem Murat im Gefängnis saß, die kleine Bude für sich allein.

»Und … was geht Mädels?«

»Wir müssen weiter. Lisa soll auf ihre kleine Schwester aufpassen. Du darfst uns morgen auf ein RedBull einladen. Um Eins, hier!« Ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren, entschwanden die beiden Grazien. Fahim war völlig platt. Wenn die beiden tatsächlich auftauchen sollten, dann wäre das sein erstes Date, und dann gleich mit zwei Puppen. Wenn er einen Freund hätte, dann könnte er diesen ja mitbringen. Ob er den ersten Klingelton - nein! Ein Typ wie er würde es auch leicht mit Zweien aufnehmen.

Kapitel 2:

Minutenlang hatte Fahim danach wie versteinert in der Küche gesessen. Noch immer hörte er seine Mutter im Wohnzimmer weinen. Eine gute Ausrede musste her – und zwar schnell. Eine Ausrede, welche seine Mutter schlucken würde und welche er notfalls auch zu beweisen imstande wäre. Aber welche? Nachdem er einige Minuten vor sich hin gegrübelt hatte und ihm sein Kopf immer leerer statt voller erschien, da erinnerte er sich an seine neuen »Freunde«.

Zwei Wochen war es nun her, dass ihn die beiden Männer auf dem Heimweg nach der Schule zum ersten Mal ansprachen. Misstrauisch hatte Fahim ihre feinen Anzüge gemustert. In seinem Umfeld verfügte man über ein automatisches, praktisch angeborenes Alarmsystem.

Sicher Bullen, dachte er zuerst. So ganz falsch lag er mit seiner Vermutung auch nicht, wie sie ihm schon einen Tag später verrieten. Am Anfang dachte er, dass es sich um Murat, seinen Bruder drehte. Er saß zwar wegen Drogenhandels und Hehlerei, aber wer wusste schon, was er noch alles angestellt hatte.

Die Männer luden ihn dazu ein, sie am nächsten Tag im Charly`s zu treffen, einem Bistro, in dem viele Jugendliche nach der Schule herumhingen. Fahim selbst hatte den Laden noch nie betreten, weil Jugendliche mit Migrationshintergrund dort eher missbilligend beäugt wurden. Und Kohle hatte er ohnehin nie in der Tasche. Vielmehr saßen dort die Musterschüler der Jahrgangsstufen, welche er nur vom Hörensagen kannte. Deren Eltern Beamte, Lehrer oder Ärzte waren.

Die Kellnerin schaute Fahim an, als stammten seine Begleiter, die beiden Schlipsträger, aus Men in Black und sie hätten mit ihm, den ersten Außerirdischen gleich mitgebracht. Anders als vielleicht erwartet, bestellte er jedoch nur eine heiße Schokolade und nicht etwa ein intergalaktisches Venusbier.

Lautlos schleichend näherte sich Fahim der Wohnzimmertür. Scherben lagen verstreut auf der billigen Auslegeware davor. Sein Vater hatte sie kurz vor seinem Tod noch verlegt, das war fünfzehn Jahre her. Kaum eine Stelle war zu finden, an der die ursprüngliche Farbe noch zu erkennen war. Die Armut kotzte Fahim an - aber damit sollte es nun vorbei sein - endlich. Er war Siebzehn. Alt genug, um die Familie zu ernähren. Es war schließlich seine Aufgabe sich um seine Mutter zu kümmern. Wer würde es denn auch sonst tun?

»Mama, bitte weine nicht mehr.« Er setzte sich neben sie und nahm sie in den Arm. Fest drückte er sie an sich und bemerkte, dass diese Nähe für ihn vielleicht noch wichtiger war als für seine Mutter.

»Ich habe das Geld nicht gestohlen, Mama. Das schwöre ich.«

»Und woher hast du es dann?«, erwiderte sie schluchzend, »ist es vom Himmel gefallen ... hat Allah es dir geschickt?«

»Ein Mann hat es mir gegeben, ein guter Mann - so ... wie ein Onkel.«

Erneut sackte seine Mutter zusammen und weinte bitterlich. Fahim ging in die Küche und holte ein paar Taschentücher. Als er ins Wohnzimmer zurückkehrte, hatte sich seine Mutter wieder ein wenig gefangen. Er schaute ihr direkt in die Augen, was seine Mutter nur sehr selten von ihm kannte.

»Mama, ich lüge nicht, das schwöre ich, bei meinem toten Vater.«

Diese Worte hatten eine beeindruckende Wirkung. Seine Mutter sagte zwar nichts, eilte jetzt aber hinaus, um wenig später mit Handfeger und Schaufel zurückzukehren. Sie war keine Frau großer Worte und wusste, wann sie Dinge einfach zu akzeptieren hatte. Fahim hatte noch nie seinen toten Vater für einen Schwur missbraucht, er sprach also die Wahrheit. Fast fröhlich fegte sie nun die Scherben zusammen.

»Dein Onkel Ali ist Glaser. Er wird uns helfen.«

»Willst du denn nicht wissen, warum mir der Mann das Geld gegeben hat?«

»Nein.«

Fahim nippte vorsichtig an der heißen Schokolade. Nun blickte er auf und versuchte die beiden Männer so offen wie möglich anzusehen. Er hatte sich seit der ersten Begegnung natürlich viele Gedanken gemacht. Was wollten sie von ihm? Ob es um Murat ging? Was hatte sein Bruder denn noch alles angestellt? Diese Männer sahen nicht so aus, als ob sie wegen Kaufhausdiebstählen ermitteln würden. Sie hatten ihn nach der Schule angesprochen. Wenn es also um etwas mit der Schule ginge, dann wäre er, wie immer, nur in das Büro des Rektors gerufen worden. Warum sollten sich solche Männer die Mühe machen ausgerechnet auf ihn zu warten?

»Wie geht es dir Fahim - was macht die Schule?« Fahim zuckte regelrecht zusammen, als der erste Mann ihn freundlich ansprach.

»Woher kennen Sie meinen Namen?«

Der zweite Mann schaltete sich ein: »Fahim, jetzt beruhige dich erstmal. Du hast nichts verbrochen und wir sind nicht von der Polizei. Also bleib entspannt ... oder wie man es bei Euch so sagt.«

Erst jetzt bemerkte Fahim, wie steif und gerade er dagesessen hatte. Bewusst ließ er die Schultern hängen und versuchte eine möglichst lockere Haltung einzunehmen.

»Gut ... aber was wollen Sie dann von mir ... geht es um Murat ... was hat er getan?«

»Wenn es um deinen Bruder ginge, dann würden wir mit ihm und nicht mit dir sprechen. Er sitzt in Neumünster, das wissen wir.«

Einer der Männer legte seinen Ausweis in die Mitte des Tisches und ließ ihn dort, mit einem vielsagenden Lächeln einfach liegen. Fahim zog ihn an sich heran und musterte das Papier kritisch. Das Foto war wohl schon vor einigen Jahren entstanden. Heute zumindest sah der Mann deutlich älter aus als auf dem Bild.

»Bundesnachrichtendienst«, las Fahim flüsternd vor. »Hat das etwas mit der Tagesschau zu tun?«

Die beiden Männer sahen sich an und lachten herzhaft.

»Du hast wahrscheinlich schon mal von der CIA gehört ... dem Mossad ... MI6?«

Fahim nickte.

»Der Bundesnachrichtendienst ist das entsprechende Pendant in Deutschland.«

»Pongdong«, fragte Fahim plump.

»Nein, Pendant. So nennt man ein vergleichbares Gegenstück. Was der MI6 in England ist, das ist der Bundesnachrichtendienst in Deutschland.«

»OK«, Fahim nickte bestätigend. »Sind Sie Doppelnull-Agenten?«

Die beiden Männer schüttelten lachend die Köpfe.

»Und ich? Soll ich Agent werden - bekomme ich eine Waffe?«

»Jetzt beruhige dich wieder. Nichts ist wie im Fernsehen. Meistens wälzen wir langweilige Akten und erschossen haben wir auch schon ewig Keinen mehr.«

Fahim nickte stumm. Er ließ seinen Gedanken freien Lauf - sah sich selbst als Geheimagent, im Anzug, von schönen Frauen umgeben: »Mein Name ist Bond, Fahim Bond.«

»Es wird langsam Zeit«, grob riss ihn einer der Männer aus seinen Träumen. »Das Einzige, was wir von dir wollen, sind Informationen aus deiner Schule. Über einige deiner Mitschüler und ihre Eltern. Was genau du zu tun hast, das wirst du noch früh genug erfahren.«

Der Traum vom Dasein als Geheimagent platzte jäh. Das klang wohl eher nach: »Mein Name ist Bo ... Bimbo«, dachte Fahim.

»Aber ich m...«

»Ruhe jetzt, Fahim! Fürs Erste reicht es. Wir treffen uns übermorgen. Vorerst wieder hier. Gleicher Ort, gleiche Zeit.«

Die beiden Männer standen auf. Einer von ihnen legte eine Zeitschrift auf den Tisch. Deutlich war zu erkennen, dass sich ein dünner Umschlag darin befand. Der Andere schob 20 Euro daneben: »Iss doch noch ein Stück Kuchen, Fahim.«

Kapitel 3:

 

Schnell waren die Scherben zusammengefegt. Fahim holte den Staubsauger, blickte in das erstaunte Gesicht seiner Mutter und begann die Reste aufzusaugen. Als er sich dann noch saugend in sein Zimmer vorarbeitete, da hätte sich seine Mutter wohl am liebsten direkt bei Allah bedankt.

Er musste Gutwetter machen. Schon am nächsten Mittag wollte er die beiden Mädels treffen. Seiner Mutter würde er eben eine kleine Notlüge auftischen müssen.

Lisa hieß die Eine. Den Namen der Anderen kannte er nicht. In jedem Fall sah Lisa ohnehin besser aus. Was würde ihm da der Name der Anderen helfen. Zwei Freundinnen auf einmal. Ob das möglich war. Bis jetzt hatte er nicht mal eine gehabt - was halfen ihm da gleich zwei?

Der Staubsauger röchelte. Anscheinend war der Beutel voll und schrie danach ausgewechselt zu werden. Ungeschickt fummelte Fahim am Gehäuse herum.

»Wie verdammt geht diese scheiß Kiste nur auf«, murmelte er kopfschüttelnd.

Siemens stand auf der Klappe. Wenn Samsung oder Apple draufgestanden hätte, wäre das Problem sicher leichter zu bewältigen gewesen.

Seine Mutter eilte hinzu und öffnete mit nur einem Handgriff den Sauger. »Ist der Beutel schon wieder voll?«, bemerkte sie traurig.

»Wo sind denn Neue?«, fragte Fahim und wollte schon loslaufen.

»Es sind keine Neuen mehr da. Diese Dinger kosten viel Geld. Im Moment können wir uns das nicht leisten. Dann saugen wir eben am Monatsanfang erst wieder«, schloss seine Mutter ein wenig verzweifelt.

»Wenn meine Mutter staubsaugen will, dann saugt sie.«

Schon kurz darauf fiel die Tür hinter ihm ins Schloss. Bis er den nahegelegenen Supermarkt erreicht hatte, murmelte er permanent: »S71 ... S71 ... S71« so hatte er es auf dem Staubsaugerbeutel abgelesen.

 

Als Fahim, zwei Tage nach dem ersten Treffen, wieder auf dem Weg ins Charly`s war, gingen ihm die Dinge erneut durch den Kopf. Sie in eine logische und für ihn verständliche Reihenfolge zu bringen, fiel ihm schwer: Diese Männer wollten ihm offensichtlich nichts Böses, das stand fest. Informationen wollten sie. Er sollte seine Schulkollegen ausspionieren, aber warum? Was könnte an diesen Schwachköpfen so aufregend sein, dass es diese Männer interessieren würde.

Nachdem die Beiden vor zwei Tagen das Bistro verlassen hatten, fiel Fahims Blick auf die Zeitschrift und den Umschlag darin. Als er ihn herauszog, konnte er bereits durch das schmale Sichtfenster erkennen, dass sich Geld darin befand. Ein grüner Schein ... 100 Euro. So viel Geld hatte Fahim noch nie auf einmal besessen. Mit zitternden Fingern riss er den Umschlag ungeschickt auf, um festzustellen, dass sich nicht nur einer, sondern gleich drei dieser Scheine in dem Umschlag befanden. Diese Informationen schienen den Männern viel Geld wert zu sein.

»Kannst Du deinen Kram überhaupt bezahlen?« hatte ihn die unfreundliche Kellnerin kurz darauf mürrisch aus seinen Gedanken gerissen. Dann jedoch war ihr ungläubiger Blick an den drei Hundertern in seinen Händen kleben geblieben.

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