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Es sind doch nur Worte...

Impressum

Es sind doch nur Worte…

K.Y. Laval

Copyright: 2014 K.Y. Laval

published by: BookRix GmbH & Co. KG, München

Deutschland

 

K.Y. Laval: tanateros69@gmail.com

 

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****

 

Es sind doch nur Worte…

I

Celeste stieg die Treppe, die zum Erdgeschoß der Klinik führte, hinunter und wandelte durch die Gänge. Dabei fielen ihr die Sprüche, die an den Wänden hingen, auf. Sie schenkte jedem einzelnen ihre volle Aufmerksamkeit, bevor sie sich dem nächsten zuwandte. Zu geschriebenen Worten hatte sie immer schon eine besondere Affinität gehabt. Wie oft waren sie in dunklen Stunden ihr einziger Trost gewesen. Die einzigen Begleiter auf ein wenig zu vielen steinigen Pfaden. Und sie hatte es auch schon erlebt, dass sie die richtigen Worte zum rechten Zeitpunkt geradezu beflügeln konnten. Irgendwann einmal hatte sie damit angefangen ihre Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen und sie zu Papier zu bringen. Sie verlieh ihnen Gestalt, Namen und eine Stimme und ließ den Figuren in ihren Geschichten freien Lauf. Meistens war es so, dass sich die Handlung nach und nach von selbst ergab. Bald erkannte Celeste, dass die handelnden Personen und ihre Geschichten die Fähigkeit hatten, sie in einen anderen Bewusstseinszustand zu versetzen. So entdeckte Celeste ihre Leidenschaft fürs Schreiben.

„Der Vogel kämpft sich aus dem Ei. Das Ei ist die Welt. Wer geboren werden will, muss eine Welt zerstören… von Hermann Hesse, Werk: Demian, stand an der Wand geschrieben.

„Oh ja! Wie recht du damit hast“, sagte Celeste laut. Ihre Worte hallten durch die Gänge. „Oh ja, wie oft schon musste ich eine Welt zerstören“, sagte sie wieder laut, diesmal selbstgefällig und sarkastisch.

„Was meinst du damit?“

Celeste fuhr herum. „Entschuldige bitte, ich habe nicht bemerkt, dass da noch jemand ist.“

Die junge Frau lächelte unsicher und verlegen. „Ich wollte dich nicht erschrecken“, meinte sie schuldbewusst.

Celeste lachte. „Du hast mich nicht erschreckt. Ich habe nur gedacht, ich wäre alleine“, antwortete sie ruhig. Sie wollte das um ein paar Jahre jüngere Mädchen nicht noch mehr verschrecken.

Die junge Frau lächelte wieder. Diesmal war es ein erleichtertes Lächeln. „Was meinst du denn nun damit?“

Celestes Blick wanderte von der jungen Frau zurück zu dem Spruch an der Wand. „Ich meinte damit, dass ich eine schlechte Angewohnheit ablegen musste.“

„Und warum bist du dann hier?“

„Aus einem anderen Grund.“

Die junge Frau runzelte die Stirn. „Darf ich fragen, was das für ein Grund ist?“

„Wegen meines Kontrollzwangs bin ich hier.“

„Da bin ich aber froh.“ Die junge Frau sah erleichtert aus.

Celeste konnte die Angst förmlich von ihr abfallen sehen. Sie musste lachen. „Weswegen hast du denn gedacht, dass ich hier bin?“

„Ich weiß auch nicht.“ Sie lächelte wieder verlegen. „Ich habe einfach Angst bekommen…der Tonfall, den du angeschlagen hast, hat mir Angst gemacht“, verbesserte sie sich.

„Ich wollte dich nicht erschrecken. Es tut mir leid“, entschuldigte sich Celeste.

„Du hast keine Schuld. Das ist eben mein Problem. Darum bin ich hier.“

Nun runzelte Celeste die Stirn. „Das habe ich jetzt nicht ganz verstanden. Was ist dein Problem?“

„Ich leide unter Angststörungen und unter sozialer Phobie“, antwortete die junge Frau mit gesenktem Kopf.

Celeste blickte sie erstaunt an. „Das hätte ich jetzt ganz und gar nicht gedacht.“

Die Stirn der jungen Frau legte sich in Falten. „Was meinst du?“

„Na, du sagst, du leidest an Sozialphobie. Sozialphobiker sprechen doch von sich aus niemanden an. Zumindest keine Fremden“, fügte Celeste hinzu. „Oder irre ich mich da?“

Die junge Frau überlegte. „Doch ja“, antwortete sie, „Du hast schon recht. Normalerweise tu ich das auch nicht. Ich weiß auch nicht, warum ich dich angesprochen habe.“

Celeste lachte. „Da machst du einen riesen Fortschritt und bemerkst es nicht einmal.“

Nun lachte die junge Frau auch. Es war kein schüchternes Lachen mehr, es klang sogar ein kleines bisschen nach Unbeschwertheit.

„Was machst du denn heute nach der Klinik“, fragte Celeste.

„Was meinst du mit nach der Klinik?“

„Gehst du dann gleich nach Hause, oder hast du Lust vorher mit mir noch einen Kaffee im Lazarus zu trinken?“

„Ich kann nicht nach Hause“, antwortete die junge Frau. „Ich bin stationär hier.“

„Das macht doch nichts. Wir können ja trotzdem auf einen Kaffee gehen“, munterte Celeste sie dazu auf.

Das Gesicht der jungen Frau bekam nun einen ernsten Ausdruck. Sie schien sich vor der Antwort zu drücken. „Ich kann nicht“, flüsterte sie schließlich.

Celeste musterte das Mädchen aufmerksam. „Es sind die Leute, habe ich recht?“

Das Mädchen nickte. „Und es ist, weil es…“, drückte sie herum, „…Wenn wir das Café verlassen, ist es bereits dunkel.“

„Okay, das verstehe ich. Dann lassen wir den Kaffee eben.“ Celeste lächelte die junge Frau mitfühlend an.

Sorgenfalten sammelten sich auf der Stirn des Mädchens. „Es tut mir leid“, flüsterte sie mit weinerlicher Stimme.

„Wie heißt du denn eigentlich“, fragte Celeste, um die junge Frau schnell auf andere Gedanken zu bringen.

Die junge Frau nahm den schnellen Themenwechsel dankbar an. „Amber“, antwortete sie sichtlich erleichtert. Offenbar war es kein Anliegen, das Celeste ihr gegenüber geäußert hatte, sondern nur ein Vorschlag. Nun lag eine dringende Bitte in Ambers Augen.

„Ein hübscher Name für ein hübsches Mädchen“, sagte Celeste und lächelte Amber wieder an. „Ich heiße Celeste. Freut mich.“ Sie reichte Amber die Hand. Amber hielt Celeste ihre nun stark zitternde Hand entgegen. Celeste entging das Zittern nicht, doch es gelang ihr erfolgreich diesen Umstand Amber gegenüber zu verbergen. Sie wollte das Gespräch bewusst nicht in Richtung dieses ihr offenbar sehr unangenehmen Themas lenken. Eben so wenig war ihr entgangen, dass Amber einen dringenden Wunsch an sie hatte. „Gibt es irgendeinen Platz, wo du gerne hingehst?“

„Ja, den gibt es“, antwortete Amber eifrig.

„Würdest du ihn mir denn zeigen?“

„Ja, natürlich, gerne“, rief Amber beinahe. Der dringende Wunsch in ihren Augen hatte der Erleichterung Platz eingeräumt. Celeste hatte ihre stumme Sehnsucht erhört.

„Das ist schön!“ Celeste hätte Amber am liebsten mit der Hand über den Kopf und über die Wange gestrichen. Den Ausdruck, den Amber jetzt gerade in den Augen hatte, verlieh ihr eine solche Lebendigkeit und Frische… Als Celeste ihr zum ersten Mal in die Augen geblickt hatte, hatte sie bereits die Schönheit, die sich dahinter verbarg, erkannt. Sie hatte aber auch den Schatten gesehen, der wie ein dunkler Schleier über ihr hing. In diesem Moment aber - und auch nur in diesem einen Moment - war dieser Schleier verschwunden gewesen.

Celeste und Amber gingen durch den großen Klinikpark, an der Kirche vorbei und tasteten sich durch das Dickicht, das das gesamte Klinikgelände wie ein Zaun umgab. Inmitten des Dickichts war ein kleiner runder Platz, an dem keine Bäume und Büsche wuchsen. Stattdessen lag ein Baumstamm quer durch dieses Plätzchen auf der Erde, dessen beide Enden sich im Gestrüpp verloren. Sofort steuerte Amber auf den Baumstamm zu, zog ihren roten Regenmantel aus und breitete ihn auf dem noch vom Regen feuchten Stamm aus. Sie ließ sich darauf nieder und klopfte auffordernd mit der flachen Hand auf den Mantel. „Komm, setz dich zu mir, Celeste“, rief sie aufgeregt. „Darauf haben wir beide Platz!“ Celeste setzte sich zu Amber auf den Mantel. „Hier komme ich immer her, wenn ich Ruhe brauche und allein sein will. Es ist sehr anstrengend, wenn man ständig von Leuten umgeben ist. Besonders dann, wenn man stationär hier ist, so wie ich.“

„Das kann ich gut verstehen“, antwortete Celeste. „Für mich ist der Rückzug ebenso wichtig wie für dich. Für jeden Menschen ist das wichtig. Bei dem einen ist das Bedürfnis stärker ausgeprägt, bei dem anderen eben schwächer. Ich denke, wir gehören beide zu der Sorte Mensch, die sich gerne mal zurückzieht.“

„Was machst du dann, wenn du dich zurückziehst?“

„Meistens schreibe ich. Das ist meine Art mit Problemen umzugehen.“

„Und was schreibst du?“

„Geschichten.“

„Welche Geschichten?“

„Bevorzugt Horror und… Naja, es sind allesamt traurige Geschichten über die verschiedensten Themen.“

Amber schwieg eine Zeit lang. „Das Leben ist zumeist auch eine traurige Angelegenheit“, meinte sie schließlich.

„Findest du?“

„Ja. Mein Leben ist eine traurige Angelegenheit.“

„Man kann traurigen Angelegenheiten aber auch etwas Positives abgewinnen.“

Amber blickte Celeste neugierig an. „Und wie soll das gehen?“

„Nüchtern betrachtet ist mein Leben ebenso eine traurige Angelegenheit. Aber ich sehe es mittlerweile nicht mehr als eine solche.“

Ambers Augen wurden größer. Erwartungsvoll blickte sie Celeste an.

„Ich nehme das, was ich vom Leben bekomme und lasse mich, unabhängig davon, ob es positiven oder negativen Inhalts ist, inspirieren und mache dann etwas daraus. In meinem Fall entsteht eine Geschichte. Es kann aber auch ganz etwas anderes sein. Zum Beispiel kannst du ein Bild malen oder das, was du erlebt hast, für Bereiche nutzen, zu denen du einen guten Zugang hast. Über den kreativen Prozess kannst du Negatives zu Positivem machen. Wichtig ist nur, dass du deine Erfahrungen nutzt, daraus lernst, als jemand anderer daraus hervorgehst. Du reifst und wächst mit deinen Erfahrungen. Es kommt ganz auf dich darauf an, was du damit machst.“

Wieder schwieg Amber. Celeste hatte ihr Stoff zum Nachdenken gegeben.

„Was machst du dann hier? Offenbar hast du doch für deine Probleme die optimale Lösung gefunden.“

Celeste holte tief Luft und atmete sie langsam wieder aus. „Es gibt Ereignisse im Leben, die einen derart massiv treffen können, dass man sich leicht verirren kann, wie in einem Labyrinth. Das eigene Gehirn spielt einem einen Streich und manchmal kommt es vor, dass einem eine andere Person den Weg nach draußen zeigen muss. Gehen muss man ihn allerdings alleine.“

„Mit den anderen Personen, die einem den Weg nach draußen zeigen, meinst du wohl die Therapeuten.“

„Es muss gar kein Therapeut sein. Es kann auch ein Mensch sein, der von deiner Problematik gar nichts weiß, der nur zum richtigen Zeitpunkt das richtige sagt oder auch einfach nur anwesend ist. Es kann aber auch etwas ganz anderes sein. Irgendein Ereignis zum Beispiel, das dich inspiriert, zum Nachdenken anregt, dich auf eine Idee bringt. Zufallsprinzip nennt man das. Doch auf so ein Glück darfst du dich nicht verlassen. Denn dann kann es passieren, dass du dein ganzes Leben lang vergeblich wartest.“

Amber senkte den Kopf.

„Ich wollte dich nicht traurig machen.“

„Ist schon gut. Es ist nur, ich habe für mich noch nicht die richtige Strategie gefunden. Ich habe mich auch verirrt…und ich weiß nicht, ob ich aus diesem Labyrinth jemals wieder herausfinde…“ Tränen tropften auf Ambers Oberschenkel und auf den Boden. Celeste legte ihren Arm um Ambers Schultern und drückte sie an sich. „Hey“, flüsterte Celeste ihr ins Ohr. „Du bist nicht allein. Auch ich habe mich verirrt, darum bin ich schließlich hier. Und selbst wenn wir niemals aus unserem Labyrinth herausfinden, es gibt auch noch andere Möglichkeiten, mit unseren Problemen umzugehen. Der direkte Weg - damit meine ich die Therapie - führt oft nicht zum gewünschten Ziel. Manchmal erreicht man es auf Umwegen. Diese Umwege sind meist auch die interessanteren Möglichkeiten. Es kommt auch vor, dass dein Ziel das Resultat eines ganz anderen Bestrebens ist. Ein Nebeneffekt, sozusagen. Und manchmal sieht das erreichte Ziel ganz anders aus, als du es dir vorgestellt hast. Der kreative Prozess als Lösung eines Problems ist nur ein Beispiel dafür. Wir werden sie kennenlernen, diese alternativen Wege, früher oder später, sollte uns der direkte Weg nicht weiterhelfen.“

„Und wenn wir sie nicht kennenlernen, diese anderen Wege?“

„Die Welt wird nicht aufhören sich zu drehen, Amber. Es sei denn, wir entschließen uns dazu nicht mehr weiterzugehen.“

Amber schwieg eine Zeit lang. „Ich würde es gern schaffen, mit dir in das Café zu gehen“, sagte sie schließlich.

Celeste überlegte einen Augenblick. „Du könntest folgendes ausprobieren“, begann sie. „Stell dich auf einen Platz, von dem aus du das Café gut sehen kannst und zwar in einer Entfernung, bei der du dich wohl fühlst. Dann machst du einen Schritt auf das Café zu. Jeden zweiten oder dritten Tag, das entscheidest du, machst du einen weiteren Schritt. Du wirst sehen, mit jedem Schritt, der dich diesem Gebäude näherbringt, verliert es ein Stück an Bedrohlichkeit, weil es Schritt für Schritt zu etwas dir Vertrautem wird. Angst macht nur etwas, das man nicht kennt. Darum sollte man es kennenlernen. Je mehr du kennenlernst, desto weniger Angst wirst du haben.“

Amber hörte Celeste aufmerksam zu. „Es klingt logisch, was du sagst. Als sei es das einfachste auf der Welt.“

Celeste schmunzelte. „Es ist auch einfach. Nur haben wir Menschen die Neigung, Dinge komplizierter zu machen als sie sind. Sind sie uns dann endlich kompliziert genug, kapitulieren wir vor einer hohen unüberwindbar scheinenden Mauer.“

Amber lächelte Celeste an.

„Komm jetzt“, sagte Celeste, „Wir sollten langsam zur Klinik zurück. Die vermissen uns dort sicher schon.“

„Du hast Recht.“ Amber stand auf und zog sich ihren Mantel wieder an. Die um einen Kopf größere Celeste ließ ihr den Vortritt. Geschickt bewegten sie sich durch das Dickicht und kehrten zur Psychotherapiestation zurück.

 

 

****

 

II

Celeste spazierte den Gang entlang, am Schwesterndienstzimmer vorbei und betrachtete den Getränkewagen, der gleich neben der Tür des Dienstzimmers stand. Muss wohl gerade geliefert worden sein. Hm, Bio-Energetic-Citrus-Soda… Celeste wollte soeben nach einer der Flaschen greifen. Oh, die sind bereits reserviert. Alle Flaschen für Schwester Helen? Die muss ja einen fürchterlichen Kater haben… Celestes Mund formte sich zu einem breiten Grinsen. Dann eben nicht. Celeste ging weiter und die Treppe hinunter, dort wo Dr. Mahone seinen Behandlungsraum hatte. Sie setzte sich auf den Sessel gegenüber seiner Tür. Sie blickte auf die Uhr, die schräg gegenüber von ihr an der Wand hing. Gleich hatte sie ihre erste Sitzung bei Dr. Mahone. Dr. Mahone hatte bereits ihren Vater behandelt, das wusste sie noch.

„Miss Waite?“

Celeste riss herum und stand ruckartig auf. Dr. Mahone war einen Schritt aus seinem Behandlungsraum getreten und reichte ihr die Hand. Der Doktor hatte sie aus ihren Gedanken gerissen. Celeste lächelte ein wenig verlegen und reichte ihm ebenfalls die Hand. „Guten Tag, Doktor.“

„Kommen Sie, Miss Waite.“ Er bat sie herein. „Setzen Sie sich.“

„Danke.“

„Erzählen Sie mir doch ein bisschen etwas von sich“, forderte er sie ungezwungen auf, nachdem er sich ebenfalls gesetzt hatte. „Aus welchem Grund sind Sie zu uns gekommen?“

„Ich leide unter einem schlimmen Kontrollzwang“, begann Celeste. „Ich vermute, der rührt daher, dass ich seinerzeit meinen Vater durch eine unkontrollierte Äußerung in den Selbstmord getrieben habe.“

„Mhm, mhm…“ Der Doktor runzelte die Stirn. „Was kontrollieren Sie denn?“

„Wasserhähne, Küchengeräte, elektronische Geräte allgemein… Ich kontrolliere mehrmals, ob ich sie auch wirklich abgedreht, beziehungsweise ausgeschaltet habe, auch wenn ich sie nicht benutzt habe. Das ist sehr zeit- und energieraubend…“

„Und diese Handlungen führen Sie auf Ihre, wie Sie es nennen, unkontrollierten Äußerungen zurück?“

„Ja.“

„Wie kommen Sie denn zu der Annahme, Sie hätten Ihren Vater mit einer solchen Äußerung in den Selbstmord getrieben?“

„Er war mit allem und jedem in jeder Hinsicht überfordert. Mit seiner Arbeit, mit mir. Er war alleinerziehend, aber das wissen Sie ja sicher alles schon.“

„Ja, da haben Sie recht. Ich kannte Ihren Vater lange Zeit. Und Sie kenne ich auch schon aus frühen Jahren.“ Der Doktor warf Celeste ein Lächeln zu.

Celeste erwiderte sein Lächeln nicht. „Ja, das ist richtig“, bestätigte sie.

„Wenn Sie wissen, dass er überfordert war, warum geben Sie sich dann die Schuld an seinem Selbstmord?“

„Weil ich, wenn ich in einen solchen verbalen Ausbruch, wie ich ihn damals hatte, gerate, dazu neige, übers Ziel hinauszuschießen.“

„Über welches Ziel denn“, fragte der Doktor interessiert. „Welches Ziel wollten Sie damit erreichen?“

„Er hat mich lange Zeit unterdrückt. Ich war ein sehr stilles und sehr schüchternes Kind…“

„Ja, das kann ich bestätigen“, warf der Doktor ein.

Celeste warf ihm einen kurzen Blick zu. „…habe mich nichts zu sagen getraut, habe meinen Frust hinuntergeschluckt, im wahrsten Sinne des Wortes…“ Celeste warf dem Doktor erneut einen Blick zu, um zu sehen, ob er ihre Andeutung verstanden hatte. Doch der Doktor zeigte keine Reaktion, also fuhr Celeste fort. „Irgendwann einmal habe ich ihn nicht mehr schlucken können, den Frust. Er ist geradezu explodiert. Die ganze Angst, die ganze Enttäuschung…es ist alles auf einmal raus. Mein Vater, er hatte danach einen Ausdruck in seinen Augen, einen Ausdruck, den ich in meinem ganzen Leben noch nicht bei einem Menschen gesehen habe. Er hat daraufhin den Keller verlassen und ist nicht mehr wiedergekommen.“

„Soweit ich weiß, hatten Sie aber auch einen äußerst triftigen Grund dazu, wenn ich das einmal so sagen darf.“

„Aber ich habe auch Schuldgefühle ihm gegenüber. Sehr große sogar. Sehr sehr große…“

„Warum?“

„In gewisser Weise habe ich es ja selbst so gewollt. Ich habe es provoziert, es darauf angelegt… Er ist auch nur ein Mann, Doktor…“

Der Doktor runzelte die Stirn. „Das müssen Sie mir genauer erklären.“

„Ich habe mir zuerst nichts dabei gedacht. Es hatte ganz harmlos angefangen. Wenn er zu mir in den Keller stieg, streichelte er mich. An den Armen, am Rücken, am Bauch. Dann ist er zwischen meine Beine…er streichelte mich auch dort. Seine Finger schienen immer nach etwas zu suchen, doch sie konnten es nicht finden. Anschließend bekam ich eine Ohrfeige und oft auch mehr… Eines Tages oder nachts jedoch…das konnte man nie so genau sagen, weil es in diesem Keller zu jeder Tages- und Nachtzeit dunkel war…als er mich wieder zwischen den Beinen streichelte…ich hatte meine Beine weit gespreizt, um es ihm leichter zu machen, und ich betete darum, dass er endlich finden würde, wonach er suchte…hielt er plötzlich inne. Und ich hielt still. Ganz still. Offensichtlich hatte er etwas entdeckt, das ihn besänftigte. Er war ruhig. Ganz ruhig. Bis auf seine Atmung, die ging anders als sonst. Seine Finger schienen gefunden zu haben, wonach sie gesucht hatten. Denn diesmal erntete ich keine Schläge. Stattdessen wanderte sein Kopf zwischen meine Beine. Er leckte mich an der Stelle, die sein Interesse geweckt hatte, mit seiner Zunge, wie ein Hund. Er machte das eine Zeit lang und plötzlich fuhr etwas Elektrisierendes durch meinen Körper. Ich wollte nicht, dass er damit aufhörte. Ich spreizte meine Beine, so weit ich konnte…Ich hob mein Becken an und streckte es ihm entgegen. Er schien überrascht zu sein, und es spornte ihn offensichtlich an, denn er begann immer leidenschaftlicher meine Klitoris zu lecken. Er machte solange damit weiter, bis ich nicht mehr anders konnte…ich begann laut zu stöhnen. Daraufhin begann er beinahe liebevoll meine Brüste zu streicheln, die bereits im Ansatz vorhanden waren, und er gab mir einen Kuss. Dann legte er sich neben mich. Er blieb noch eine Weile ruhig neben mir liegen. Ich wagte nicht mich zu bewegen. Ich genoss die Ruhe, die in diesem Augenblick von ihm ausging. Und auf eine seltsame Art und Weise fühlte ich mich sogar glücklich… Glücklich, weil ich mich zum ersten Mal von ihm wertgeschätzt fühlte. Dann stand er auf und verließ den Keller ohne ein Wort zu sagen. Doch er kam wieder. Er kam immer wieder…“

Der Doktor hörte Celeste aufmerksam zu.

„…Eines dunklen Tages begann er mich wieder zu streicheln. Sehr zärtlich und fast liebevoll, und er küsste meine Klitoris und meine Vagina… In solchen Momenten war er nicht gewalttätig. Da war er erregt und milde gestimmt.

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