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Eroberung unter Palmen

1. Kapitel

 

Domenic Silvagni seufzte ärgerlich. Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Minuten summte nun schon die Telefonanlage, und er hatte erst ein Drittel des Geschäftsberichts durchgearbeitet. Gereizt warf er den Füllhalter hin, so heftig, dass der wie ein Katapult über den ledergebundenen Ordner schoss.

Bestimmt wieder sein Vater.

Niemand sonst hätte es geschafft, an der resoluten Ms. Hancock vorbeizukommen, deren Aufmerksamkeit einem Wachhund alle Ehre gemacht hätte. Sie war Domenic Silvagni während seines Sydney-Aufenthalts im Vorzeigehotel der Silvers-Kette als persönliche Assistentin zugeteilt und schirmte ihn rigoros vor der Außenwelt ab. Und genau das brauchte er, wollte er den Bericht jemals schlüssig auswerten. Irgendwo hinter dieser Flut von Daten und Fakten und Marktbeobachtungen verbarg sich der Grund für die rückläufigen Unternehmensergebnisse der australischen Hotelniederlassungen. Wie auch immer, er war fest entschlossen, es schleunigst herauszufinden, denn er beabsichtigte, noch am selben Abend nach Rom zurückzufliegen.

So viel zum Thema "keine Anrufe durchstellen". Wie er seinen Vater kannte, wollte der ihm ohnehin nur den Kopf zurechtrücken. Und er hatte keine Lust auf dessen ständige Vorträge. Schon gar nicht, wenn es wieder um diese Fotos ging – die beiden Abbildungen in den Klatschspalten von Caught in The Act. Domenic hielt sein Privatleben nämlich für eine rein persönliche Angelegenheit, aber die Leute von der Zeitschrift hatten es gnadenlos vor der Öffentlichkeit ausgebreitet.

Dabei wusste Guglielmo Silvagni verdammt gut, dass das Playboy-Image, das die Sensationspresse seinem Sohn anhängte, nicht zutraf. Trotzdem war sein alter Herr darüber tief unglücklich.

"Hast du nichts Besseres zu tun, als dich mit Supermodels und Starlets herumzutreiben?" hatte Guglielmo Silvagni gefragt. "Such dir eine Frau mit Stil und ein bisschen Geist – eine, die es nicht nur auf dein Geld abgesehen hat."

Emma und Kristin wären zu Recht empört gewesen über dieses vernichtende Urteil. Selbst aufsteigende Hollywood-Sternchen und Supermodels brauchten mehr als nur ein gutes Aussehen, um Karriere zu machen.

Nicht zu vergessen ihre Eifersucht. Beide hatten die Sache mit den veröffentlichten Fotos sehr persönlich genommen.

Natürlich war es eine unangenehme Geschichte. Aber noch lange kein Grund, sich deshalb an die Kette legen zu lassen. Domenic war nicht unbedingt darauf versessen, eine Frau zum Heiraten zu finden oder eine Familie zu gründen. Egal, wie oft Guglielmo kritisierte, dass sein Sohn darüber allmählich zu alt würde.

Zu alt! Verdammt, er war erst zweiunddreißig. Ein Mann in den besten Jahren.

Das Lämpchen auf der Telefonanlage blinkte ihn vorwurfsvoll an, als signalisierte es ihm: Lügner … Lügner. Er stöhnte missmutig – jetzt dachte er schon wie sein Vater – und nahm den Hörer auf.

"Sagen Sie meinem Vater, dass ich ihn später zurückrufe. Sobald ich den Bericht durchgearbeitet habe."

"Verzeihen Sie, Mr. Silvagni, aber es ist … nicht Ihr Vater …."

Er stutzte. Irgendetwas stimmte da nicht. Ms. Hancock hatte ihren gewohnt scharfen Ton abgelegt. Zum ersten Mal seit seiner Ankunft klang die sonst so energische Mitarbeiterin irgendwie kleinlaut.

"Es ist eine Frau …", fuhr sie fort.

Er biss die Zähne zusammen. Zu schade, dass mein Vorzimmerdrachen plötzlich so zahm ist.

Domenic war klar, dass sein Vater sich spielend über diese letzte Barriere hinwegsetzen konnte. Schließlich war er Silvers Hotels. Gemeinsam mit Domenics verstorbenem Großvater hatte er das Unternehmen von einer Dreizimmerpension in Neapel zu einer weltweit erfolgreichen Fünfsterne-Hotelkette ausgebaut. Und obwohl er sich nach einer überstandenen Krebserkrankung in die ländliche Toskana zurückgezogen hatte und sein Sohn inzwischen das internationale Geschäft leitete, ging von Domenics Vater weiterhin die Aura der Macht aus. Aber wieso ausgerechnet eine Frau?

"Ich hatte Sie doch gebeten, mir keine, absolut keine Telefonate durchzustellen."

"Sie ist nicht am Telefon", brachte Ms. Hancock hastig hervor, ehe er auflegen konnte. "Sie ist hier. Sie sagt, es sei wichtig und dass Sie sie bestimmt empfangen werden."

Domenic lehnte sich in dem ledergepolsterten Chefsessel zurück und trommelte nervös mit den Fingerspitzen auf die Schreibtischplatte. "Wer ist es?" fragte er, während er in Gedanken unwillkürlich die ihm bekannten Aufenthaltsorte seiner bislang letzten Begleiterinnen Revue passieren ließ. Soweit er wusste, war Emma zu Dreharbeiten in Texas, Kristin wegen eines Foto-Shootings für Vogue in Marokko. Beide redeten seit dem Zeitungsschlamassel nicht mehr mit ihm und konnten also nicht wissen, dass er kurzfristig nach Australien geflogen war.

"Ihr Name ist Opal Clemenger. Von Clemengers. Es handelt sich um eine Kette mit drei Hotels der absoluten Luxusklasse, die sich im Besitz der Familie befindet. Eins ist gleich dort unten an den Rocks."

"Der Name Clemenger ist mir durchaus bekannt", unterbrach Domenic sie schroff. "Und, was will sie von mir?"

"Sie möchte Ihnen ein Geschäft vorschlagen. Ein lukratives Angebot, wie sie sagt. Kann ich sie zu Ihnen vorlassen?"

 

Mit angehaltenem Atem stand Opal vor dem Schreibtisch der Chefassistentin, ihre Fingerknöchel traten weiß hervor, während sie angespannt die Mappe mit den Unterlagen umklammerte, die sie in aller Eile zusammengestellt hatte. Sie hoffte inständig, dass der Mann sie auch ohne vorherige Terminabsprache empfangen würde.

Hatte sie Domenic Silvagni neugierig gemacht? Er wunderte sich doch bestimmt, warum die Besitzerin von Sydneys einzigem Sechssternehotel bei ihm hereinschneite. Dass es kein reiner Höflichkeitsbesuch war, war ihm bestimmt klar, oder?

Er musste sie einfach empfangen. Schließlich stand die Zukunft von Clemengers und der Mitarbeiter auf dem Spiel.

"Stimmen Sie einen Termin mit ihr ab", drang es ungehalten aus der Sprechanlage. "Ich bin in zwei Wochen wieder hier. Ach so, und ich werde über Mittag durcharbeiten. Können Sie mir bitte einen Kaffee und etwas zu essen besorgen?"

"Selbstverständlich, Mr. Silvagni." Dann folgte ein Rauschen in der Leitung, und das Gespräch war unterbrochen. Ms. Hancock sah Opal entschuldigend an. "Tut mir Leid, meine Liebe. Ich störe ihn sonst nie, aber ich dachte wirklich, dass er Sie empfangen würde. Sie werden wohl wiederkommen müssen. Lässt sich das für Sie einrichten?"

Opal schüttelte den Kopf und biss sich nachdenklich auf die Lippe. In zwei Wochen wäre der Zug längst abgefahren. Sie hatte zwei Tage Zeit, um dieses Geschäft einzufädeln. Nur zwei Tage, um jemanden zu finden, der in Clemengers investieren und die Hotelkette als Gesamtkonzern weiterführen würde. Anders als dieser Aasgeier McQuade, der sich lediglich Grundstücke in Toplagen herauspickte, die Immobilien abriss und durch den Bau völlig überteuerter Apartments ersetzte.

In weniger als achtundvierzig Stunden lief das Ultimatum aus. Fand sie bis dahin keinen geeigneten Geschäftspartner, hätte McQuade die besten Chancen, den Zuschlag für Clemengers zu bekommen. Damit würde ihre Familie alles verlieren, was sie sich jemals aufgebaut hatte, und wenigstens zweihundert loyale Mitarbeiter ihren Job.

Sollte McQuade die Hotelkette übernehmen, dann nur über meine Leiche!

"Ganz ausgeschlossen. Ich muss ihn unbedingt noch heute sprechen", erklärte Opal. Sie wandte sich vom Schreibtisch ab und betrachtete nachdenklich die geschmackvollen Aquarelle an den Wänden, was ihr bei der Lösung ihres Problems jedoch nicht weiterhalf. Mit halbem Ohr hörte sie, wie Ms. Hancock im Hintergrund mit dem Zimmerservice telefonierte.

Kann es sein, dass ich irgendetwas Wichtiges übersehen habe? zerbrach sich Opal den Kopf. Sie öffnete ihre Mappe und überflog die Presseund Internetartikel, die für sie zusammengestellt worden waren, gleich nachdem sie von Domenics Aufenthalt in seinen australischen Niederlassungen erfahren hatte. Womöglich befand sich in diesen Unterlagen ja genau der Aufhänger, den sie brauchte?

Eine Seite aus einem Hochglanzmagazin fiel ihr spontan ins Auge. Dort waren unter der Überschrift "Playboy der Nobelklasse" zwei Fotos von Domenic abgedruckt, jedes zeigte ihn mit einer anderen Frau. Beide waren sehr blond und sehr jung. Wenn das aber sein Typ war, dann überraschte es Opal kaum, dass er eine zugeknöpfte Person wie sie abweisen ließ.

Sie betrachtete den abgebildeten Mann, den die beiden Schönheiten förmlich anhimmelten. Ein Playboy, genau das war er. Der Titel passte so perfekt zu ihm wie der maßgeschneiderte Smoking auf dem einen Foto oder das schwarze Seidenhemd auf dem anderen. Die rehäugigen Begleiterinnen hielt er wie unverzichtbare Accessoires im Arm.

Kein Wunder, dass er sich so etwas herausnehmen konnte. Domenic Silvagni war ein gut aussehender Mann. Während sie sich das Bild anschaute, hatte sie das Gefühl, dass er sie mit seinen dunklen, dicht bewimperten Augen direkt ansah – ein glutvoller Blick, der Frauen schwach werden ließ. Das modisch kurz gestufte Haar trug er lässig nach hinten frisiert. Auf seinen vollen Lippen lag ein unergründliches Lächeln, und die energische Kinnpartie war die eines Mannes, der Macht und Einfluss genoss.

Auch ohne Vermögen wäre Domenic Silvagni ein guter Fang gewesen. Mit seinem vielen Geld zog er zweifellos Schwärme von glühenden, willigen Verehrerinnen an.

Ich kann ihnen allen nur viel Glück wünschen, dachte Opal bitter. Wer einen Playboy heiratete, verdiente es nicht besser. So viel hatte sie aus den Erfahrungen ihrer Mutter gelernt. Aber trotz seiner persönlichen Schwächen brauchte sie ihn. Oder besser gesagt sein Geld. Und zwar jetzt.

Unvermittelt wirbelte sie herum. "Wenn Sie nichts dagegen haben, werde ich warten. Irgendwann muss er ja herauskommen."

Anstatt zu antworten, sah Ms. Hancock sich um, um festzustellen, ob vielleicht jemand in der Nähe war, der ihr Gespräch belauschen könnte. Doch in dem weitläufigen, teppichbedeckten Gang, der von dem Aufzugschacht mit den messingglänzenden Lifttüren zu ihrem Vorzimmer führte, war niemand zu sehen. Hier, auf der vierzehnten Etage, logierten keine Gäste, und man wurde auch nicht von quietschenden Wäschewägelchen gestört.

Schließlich beugte sich die Sekretärin vor und flüsterte verschwörerisch: "Ich muss ganz kurz meinen Platz verlassen, der Zimmerservice kann jede Minute den Lunch hochbringen. Sie würden doch keine … Dummheit machen, oder?"

Opal lächelte gelöst. Es war das erste richtige Lächeln seit drei Monaten – seit sie um die Krise des Clemenger-Konzerns wusste. Und es galt Deirdre Hancock, die vor über zwanzig Jahren als Sekretärin für Opals Vater gearbeitet hatte.

Als sie das Vorzimmer betreten und die ältere Dame dort sitzen gesehen hatte, hatte Opal dies gleich als ein gutes Omen gewertet.

Opal hatte zwar keine Ahnung, was genau Deirdre bei Silvers machte, allerdings schien für sie die Arbeit kein Zuckerschlecken zu sein. Nach dem, was sie eben mit angehört hatte, war Domenic Silvagni ein echter Widerling, Deirdre hingegen ein wahrer Schatz. Sicher, in dem strengen marineblauen Kostüm und den eleganten Pumps wirkte sie wie ein ziemlicher Bürodrachen, doch Opal erinnerte sich, dass ihr Vater seine enge Mitarbeiterin immer als hervorragend organisiert, tüchtig und umgänglich beschrieben hatte. Und jetzt versuchte sie ihr Bestes, damit Opal mit Domenic Silvagni sprechen konnte, der ein solches Juwel wie diese Frau wirklich nicht verdiente.

Opal zwinkerte Ms. Hancock komplizenhaft zu. "Niemals."

Als sich Deirdre kurz darauf mit einem Stapel Dokumente bewaffnete, fiel Opal der bestellte Lunch ein. Ein Adrenalinstoß schoss ihr durch den Körper, und sie begriff schlagartig, welches Risiko die Chefassistentin da auf sich nahm. "Schauen Sie, Deirdre, ich möchte nicht, dass Sie diese Sache den Job kostet."

Darüber konnte die zierliche ältere Dame nur müde lächeln. Sie beugte sich zu ihr vor und drückte ihr den Arm. "Wer weiß, meine Liebe? Vielleicht ist er mir sogar dankbar. Außerdem gehe ich nächste Woche sowieso in Rente. Was soll er da noch groß machen – mich kurzerhand an die Luft setzen? Ach übrigens, ich habe das Telefon zu mir in den Kopierraum umgestellt, damit Sie nicht gestört werden." Und ehe Opal ihr danken konnte, war sie verschwunden.

Augenblicke später schob ein junger Mann vom Zimmerservice einen verchromten Servierwagen vor Ms. Hancocks Schreibtisch. Er sah sich suchend um, bis er schließlich Opal entdeckte, die auf einem Besucherstuhl Platz genommen hatte. "Ms. Hancocks Bestellung?" meinte er halb fragend.

"Sie ist gleich zurück."

Offenbar zufrieden mit der Antwort, nickte er und ging zurück zum Personalaufzug. Geräuschlos schlossen sich die gepolsterten Türen hinter ihm, ein leises Summen der Liftmotoren, und er war verschwunden.

Opal atmete noch einmal tief durch, dann sprang sie entschlossen auf. Hier ist meine Chance!

2. Kapitel

 

"Wer sind Sie?"

Kaum hatte Opal das weitläufige Büro betreten, als der Mann hinter dem riesigen Mahagonischreibtisch aufblickte.

"Und wo ist Ms. Hancock?"

Für einen Augenblick stand Opal wie erstarrt da. Ihre Angelegenheit konnte sie doch unmöglich von der Tür aus mit ihm verhandeln! Er klang ziemlich gereizt, und sie traute sich kaum aufzusehen. Schließlich nahm sie allen Mut zusammen, setzte trotz ihrer Nervosität ein strahlendes Lächeln auf und schob den Servierwagen zum Schreibtisch. "Ich bringe Ihnen den Lunch."

Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, wie er sich unvermittelt in seinem Sessel aufrichtete. "Das sehe ich", meinte er ungehalten. "Aber wie sind Sie hier hereingekommen?"

Über den Servierwagen gebeugt, hob Opal den versilberten Deckel von einer Platte – Pasta mit Artischocken und gebratenem Speck. Auf der anderen lagen Kalbsschnitzel mit Spargel in einer Cognac-Rahm-Sauce angerichtet. "Ich nehme an, dass Sie die Nudeln zuerst essen wollen", sagte sie und stellte die Vorspeise auf den Schreibtisch.

Doch Domenic beachtete sie nicht weiter, sondern lief geradewegs zur Tür und riss sie auf. "Ms. Hancock!" rief er. "Ms. Hancock!"

"Soweit ich weiß, ist sie im Kopierraum. Ich wollte einfach nicht, dass in der Zwischenzeit Ihr Essen kalt wird."

Er schnellte zu ihr herum und herrschte sie an: "Zum Teufel, wer sind Sie denn eigentlich?"

Opal atmete tief ein, sah ihn schließlich an und wünschte sich spontan, sie hätte es nicht getan. Es war Domenic, wahrhaftig. Die dunklen Augen, die markante Kinnpartie, sie hätte darauf gefasst sein müssen. Trotzdem – die Fotos auf den herausgetrennten Magazinseiten stellten lediglich einen Abklatsch des Mannes vor ihr dar. Sie verrieten nicht, welche Aura der Macht ihn umgab und was für eine Ausstrahlung er hatte.

Das leidenschaftliche Temperament!

Opal fühlte, wie ihre Haut unter der Seidenbluse zu prickeln begann. Sie schluckte unwillkürlich, hatte plötzlich das Gefühl, einen unangenehmen Kloß im Hals zu haben, und hob energisch das Kinn. Verflixt, sie hatte sich etwas vorgenommen. Und er war schließlich auch nur ein Mann. Noch dazu ein Playboy, der schlimmste Männertyp überhaupt!

Krampfhaft suchte sie nach Worten.

"Opal Clemenger." Sie lächelte unsicher. "Danke, dass Sie doch noch die Zeit gefunden haben, mich zu empfangen. Ich nehme an, Sie sind sehr beschäftigt."

"Irrtum, ich habe überhaupt keine Zeit. Ich sagte doch, Sie sollten in zwei Wochen wiederkommen. Besser spät als nie." Er wies zur Tür. "Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen. Ich habe zu tun."

"Aber ich hatte doch noch gar keine Gelegenheit, Ihnen meinen Vorschlag zu unterbreiten."

"Ms. Clemenger, ist Ihnen schon einmal die Idee gekommen, dass ich daran kein Interesse haben könnte?"

Er wurde zusehends wütender, trotzdem bewegte sie sich nicht vom Fleck. "Ihre Nudeln werden kalt."

"Je eher Sie verschwinden, desto eher komme ich zu meinem Lunch."

"Wir können uns unterhalten, während Sie essen."

"Ich wollte dabei weiterarbeiten."

"Das ist aber nicht gut für Sie."

"Auseinandersetzungen mit Frauen, die nicht wissen, wann sie meine Geduld überstrapazieren, sind auch nicht gut für mich. Also, gehen Sie. Und zwar sofort."

"Erst wenn Sie sich meinen Vorschlag angehört haben."

"Oder muss ich nachhelfen?" Er musterte sie mit zur Seite geneigtem Kopf, als überlegte er das ernsthaft. Opal wurde leicht mulmig zu Mute. Sollte er es auch nur wagen, sie anzurühren …

"Nicht, bevor ich nicht die Gelegenheit hatte, Ihnen darzulegen, was ich Ihnen anzubieten habe." Die Worte waren heraus, bevor sie darüber nachdenken konnte, dass sie sich auf dünnem Eis bewegte. "Es ist die Chance, der Silvers-Hotelkette den letzten Schliff zu geben – das Tüpfelchen auf dem i."

"Ich muss wohl doch nachhelfen", drohte Domenic und trat auf sie zu. Instinktiv wich sie zurück, beeindruckt von seiner Größe. Unvermittelt fühlte sie sich wie ein Beutetier und nicht wie die Besitzerin von Australiens landschaftlich reizvollsten Prestigehotels. Domenic war plötzlich der Jäger, der bedrohlich näher kam.

Bestimmt sprach sie zu schnell und zu laut. Aber irgendwie musste sie ihn doch aufrütteln. Sie musste Eindruck auf ihn machen. Eine solche Gelegenheit bot sich vielleicht nie wieder!

"Es ist eine einmalige Sache, um Silvers von der Fünf-Sterne-Mittelmäßigkeit abzuheben …"

Keine zwei Schritte von ihr entfernt blieb Domenic stehen und schaute Opal verblüfft an. "Fünf-Sterne was?"

Sie baute sich vor ihm auf, obwohl er sie mit seinen ein Meter fünfundachtzig gut und gern um fünfzehn Zentimeter überragte, ihre blaugrünen Augen funkelten. Ihr triumphierendes Lächeln vermittelte ihm, dass sie ihn genau dorthin gebracht hatte, wo sie ihn haben wollte.

Diese Frau hatte vielleicht Nerven. Irgendwie war es ihr gelungen, an Ms. Hancock vorbeizukommen, in sein Büro vorzudringen und seinem Unternehmen Durchschnittlichkeit vorzuwerfen. Oder war es einfach Unverfrorenheit? Auch egal, sie sollte nur endlich verschwinden.

"Ich sagte Mittelmäßigkeit, Mr. Silvagni. Fünf Sterne standen früher einmal für Exklusivität. Heute ist zwischen den Hotels kein Unterschied mehr festzustellen. Aber genau das wollen die Leute nicht. Sie möchten sich abheben, etwas Besonderes sein."

"Ms. Clemenger, ich danke Ihnen für Ihren Scharfblick. Wenn ich eine Analyse meines Unternehmens brauche, dann finde ich dafür ganz bestimmt qualifiziertere Leute als Sie."

"Meinen Sie? Wenn es so einfach ist, warum sind Sie dann überhaupt in Sydney? Sie haben doch alle Möglichkeiten, einen ganzen Stab von Beratern damit zu beauftragen, die entsprechenden Strategien für Silvers zu entwickeln. Bestimmt wissen Sie Besseres mit Ihrer Zeit anzufangen, oder?"

Zu dumm, aber sein kleiner Seitenhieb war leider nach hinten losgegangen. Sie schlug schonungslos zurück. Diese Ms. Clemenger konnte einem wirklich auf den Geist gehen, trotz allem war er neugierig geworden. Silvers hatte in der Tat ein Problem. Was schadete es da, wenn er sich ihren Vorschlag anhörte? Er verschränkte die Arme und lehnte sich an die Schreibtischplatte.

"Also schön, ich gebe Ihnen fünf Minuten", sagte er.

Ein paar Sekunden schwieg sie, und er atmete insgeheim auf. Endlich musste er sich einmal nicht auf ihren Redeschwall konzentrieren, sondern konnte die forsche Ms. Clemenger selbst begutachten.

Jedenfalls wirkte sie nur halb so provozierend wie ihre Worte. Ihr Haar war braun. Nein, nicht richtig braun. Es war mehr ein warmer Honigton. Volle, sinnliche Lippen, eine helle, fast schimmernde Haut und Augen, deren Blick Intelligenz und Einfühlsamkeit verriet. Domenic war nicht verborgen geblieben, wie sie ihn angesehen hatte. Da war ein Flackern in ihrem Blick gewesen, als würde sie ihn von irgendwoher kennen, und noch etwas – Unbehagen oder Furcht? Trotzdem hatte sie nicht gekniffen. Das gefällt mir.

Er ließ den Blick tiefer gleiten.

Das kobaltblaue Kostüm betonte ihre Figur. Wenn sie sich auf den Stuhl setzte, der hinter ihr stand, würde der Rock vielleicht etwas höher rutschen, und er könnte feststellen, ob ihre langen Beine so wohlgeformt waren, wie die schlanken Fesseln vermuten ließen.

Sie blieb jedoch stehen.

"Mr. Silvagni."

Er riss sich aus seinen Spekulationen über ihre Beine und ließ den Blick zu ihrem Mund zurückgleiten – und zu diesen Lippen.

"Nennen Sie mich ruhig Domenic."

Sie sah ihn an, und für einen Augenblick schien es, als wollte sie selbst darüber mit ihm diskutieren. Dann nickte sie kaum merklich.

"Domenic", wiederholte sie leise. Er gefiel ihm auch, wie sie seinen Namen aussprach. Ihre Stimme mit dem leichten, unverkennbaren australischen Akzent klang warm und weich. Es war genau die Stimme, von der man sich gern aufwecken lassen würde.

"Genau wie andere namhafte Hotels in Australien und überall auf der Welt krankt die Silvers-Kette an einem Buchungsrückgang. Es gibt einfach nicht genug Gäste, die eine volle Bettenauslastung garantieren. Der Kuchen ist für alle Beteiligten kleiner geworden. Gesteigerte Marketingaktivitäten können die Marktanteile einer Kette auf Kosten einer anderen zwar erhöhen, aber das ist nur kurzfristig möglich."

Domenic verlagerte sein Gewicht auf der Schreibtischkante und ließ die Arme sinken. Was sie da sagte, war für ihn nichts Neues. Er hatte das Gleiche vorhin in dem Bericht gelesen, der noch aufgeschlagen auf seinem Schreibtisch lag.

"Einmal angenommen, Ihre Einschätzung trifft zu, dann haben Sie also eine Lösung für dieses Problem?"

Opal legte die Fingerspitzen aneinander, und er bemerkte, dass sie lange, schlanke Hände und gepflegte Nägel hatte. Sie trug keinen Ring.

"Ich habe ein Angebot für Silvers-Hotels, für den Fall, dass Sie so etwas zu schätzen wissen."

"Verstehe", erwiderte er, ihre spitze Bemerkung ignorierend. "Und wie lautet dieses 'Angebot'?"

Opal atmete tief ein, was ihm ebenso wenig entging wie ihre sexy Kurven. Er ließ den Blick zu ihrem Gesicht gleiten und bemerkte, wie sie errötete. Was ist denn das? Die Lady ist ja schüchtern.

Fragend zog er eine Braue hoch.

"Clemengers wurde vor über fünfzig Jahren von meinem inzwischen verstorbenen Vater gegründet und besitzt drei Sechssternehotels in den allerbesten Lagen von Sydney, Melbourne und Brisbane. Viele unserer Mitarbeiter sind seit über zwanzig Jahren bei uns, manche fast vierzig Jahre. Wir sind ein Familienunternehmen und haben unsere ursprüngliche Mission nie vergessen: Immer die Besten zu sein, das Beste zu leisten für die Besten.

Dieser Rückgang", fuhr Opal fort, "hat uns natürlich auch getroffen, aber nicht in dem Ausmaß wie Silvers. Überlegen Sie doch einmal, warum das so ist."

Domenic hatte keine Lust, zu überlegen oder sie danach zu fragen, trotzdem hätte er es gern gewusst. Darüber hatte nichts in dem Geschäftsbericht gestanden. Sobald er den Leiter seiner Finanzabteilung zu fassen bekäme, würde er ihn als Erstes fragen, warum er dergleichen von der Konkurrenz erfahren musste, wo er doch aussagekräftige Unterlagen erwartet hatte.

"Wollen Sie es nicht wissen?" fragte sie.

"Ich höre Ihnen immer noch zu." Er nickte aufmunternd. "Erzählen Sie mir, was Sie denken."

"Ich weiß,

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