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Erdmagie und Geister: Dreimal Grauen

Alfred Bekker, W. A. Hary

Erdmagie und Geister: Dreimal Grauen





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

ERDMAGIE UND GEISTER – Dreimal Grauen

Alfred Bekker

W.A.Hary

Hendrik M. Bekker

Diese Sammlung enthält die auch einzeln erschienenen Romane und Erzählungen:

Alfred Bekker und W.A.Hary: IM SCHATTEN DER ERDMAGIE

Alfred Bekker und W.A.Hary: GEISTERHAUCH

Hendrik M. Bekker: DAS GEISTERHAUS

Die Texte sind teilweise in Alter Rechtschreibung!

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2013 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

Die Romane IM SCHATTEN DER ERDMAGIE und GEISTERHAUCH erschienen ursprünglich unter dem Pseudonym Ashley Parker.

Im Schatten der Erdmagie

von Alfred Bekker und W.A.Hary 

 

 

 

„Was hat eigentlich deine Mutter gegen mich?” fragte Peter Carmichael, und es klang irgendwie traurig.

Ellen wußte ganz genau, daß ihr Freund nicht ganz unrecht hatte mit seiner pessimistischen Einschätzung, obwohl sie keine Ahnung hatte, was ihre Mutter wirklich bewog, so mißtrauisch zu sein. Sie war doch sonst nicht so. Aber wenn sie ihre Mutter zur Rede stellte, wich diese aus und tat so, als müßte sich Peter irren. Genau das Gegenteil sei angeblich der Fall: Sie sei froh darum, daß ihre Tochter „einen so guten Jungen” gefunden habe. Ja, so nannte sie Peter wörtlich: „Einen guten Jungen!”

Ellen knuffte Peter kameradschaftlich in die Seite und versuchte ein fröhliches Lachen, um ihn auf andere Gedanken zu bringen. Sie konnte ja auch nichts dafür, wenn Mutter auf ihn so seltsam reagierte, wann immer sich die beiden begegneten.

„Du weißt doch, wie das ist mit Müttern: Die sind manchmal auch ein wenig eifersüchtig, ohne es eingestehen zu wollen! Du solltest das nicht so tragisch nehmen.”

„Tu ich ja gar nicht”, verteidigte er sich lahm.

„Ach, nein?” Sie packte ihn an den Schultern und suchte seinen Blick. „Was denn sonst?”

„Also, wenn du so lachst, vergehen alle meine Sorgen!” behauptete er und lachte jetzt ebenfalls. Sie küßten sich, lang und innig. Doch Ellen spürte sehr wohl, daß er mit seinen trüben Gedanken dabei immer noch ein wenig bei ihrer Mutter weilte.

Gerade eben hatte Peter sie daheim abgeholt. Mutter hatte ihm geöffnet. Ellen wußte nicht so genau, was eigentlich vorgefallen war - falls überhaupt! -, aber Mutter hatte irgendwie Probleme mit Peter. Obwohl sie noch nie etwas Negatives über ihn gesagt hatte. Sie schaute ihn kaum an, sprach nur das Allernötigste und tat immer sehr beschäftigt, um nur ja keinen näheren Kontakt zulassen zu müssen. Manchmal hatte Ellen sogar vermutet, sie würde erleichtert aufatmen, wenn sie mit ihrem Freund endlich das Haus verließ.

Ja, sie vermutete das eher, als daß sie sich überhaupt sicher sein konnte.

Ellen befreite sich aus den Armen ihres Freundes und betrachtete ihn nachdenklich. Vielleicht sollte sie ihre Mutter doch noch einmal darauf ansprechen? Das war wirklich nicht normal, wie sie sich Peter gegenüber verhielt...

Peter war über einen Kopf größer als sie, ein Hüne von Gestalt. Sein ungebändigtes Blondhaar war für die momentane Mode viel zu lang, aber Ellen mochte das an ihm. Er selber an sich natürlich auch, sonst hätte er es wohl schon geändert, ehe sie sich kennen und lieben gelernt hatten.

Seit einem knappen Monat kannten sich die beiden. Sie hatten sich auf dem Campus kennengelernt. Ja, erst vier Wochen war das her. Dabei hatte Ellen den Eindruck, als würden sie sich ihr Leben lang schon kennen. Alles an ihm war ihr so vertraut, von Anfang an. Er hatte ihr gestanden, daß es ihm genauso erging. Schon am ersten Tag...

Ellen erinnerte sich gern an ihre erste Begegnung. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Oxford. Peter studierte an derselben Universität Maschinenbau. Ein relativ neuer Fachbereich an dieser traditionsreichen Universität, mit speziellen Vorgaben.

Liebe auf den ersten Blick! Das war es in der Tat. Sie hatten sich angeschaut, und es war passiert. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel hatte es sie erwischt. Sie waren beide stehengeblieben und vergaßen, wohin sie ursprünglich gehen wollten. Minutenlang schauten sie sich einfach nur an, als würde es sonst nichts mehr auf dieser Welt geben, was sie interessiert hätte.

Auf einmal ergriff Peter ihre Hand und führte Ellen weiter. Ellen folgte ihm, wie betäubt. Allerdings nur ein paar Schritte. Dann riß sie sich verwirrt los.

Peter blieb ebenfalls wieder stehen und sah sie an, offensichtlich genauso verwirrt.

„Was – was geschieht mit uns?” fragte er.

Das klang zwar nicht gerade geistreich, aber Ellen hatte sich das selber schon gefragt: Ja, was geschah hier mit ihnen beiden?

„Ich - ich bin Ellen Kioto”, stotterte sie. Es kam einfach so über ihre Lippen, eigentlich ohne ihr direktes Zutun.

„Japanischer Name?” fragte er, heilfroh, daß Ellen die Situation mit ihrer Vorstellung wenigstens halbwegs gerettet hatte. Dabei vergaß er völlig, daß es allein schon die Höflichkeit gebot, sich nun selber vorzustellen.

„Ja, meine Mutter ist Japanerin”, gab Ellen bereitwillig Auskunft. Sie überlegte dabei überhaupt nicht. „Sie hat Vater auf einer Auslandsreise kennengelernt und folgte ihm prompt nach England.”

„Einfach so?”

„Sie – sie hat erzählt, es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen – und es ist Liebe geblieben, bis...”

„Was ist passiert?”

„Er – er lebt nicht mehr. Mein Vater, meine ich. Er kam bei einem Unfall ums Leben. Beinahe wären auch Mutter und ich dabei umgekommen, ja, beinahe. Es war auf dem Weg zu einer Kurztagung. Mutter und ich wollten mit dabei sein. Das war ausnahmsweise erlaubt. Ich war damals allerdings noch klein. Und mir wurde kurz vor der Abfahrt ziemlich übel – so schlimm, daß Mutter mit mir zurückbleiben mußte.”

„Und da ist dein Vater umgekommen?”

„Wie gesagt, Mutter und ich wären mit dabei gewesen. Doch kaum war er abgefahren...”

„Was war dann?”

„Ich – ich habe es irgendwie gespürt. Glaube es mir oder nicht, aber ich bin heute noch sicher, daß ich genau wußte, was mit Vater geschah. Nur fünf Minuten nach seiner Abfahrt habe ich geschrieen und getobt. Mir war auch gar nicht mehr übel gewesen...”

„Seltsame Geschichte!” bekannte er.

Noch verwirrter als zuvor griff sie sich an den Kopf.

„Wieso erzähle ich das denn überhaupt einem Wildfremden? Ich – ich habe noch niemals mit jemandem darüber geredet, noch nicht einmal mit meiner Mutter.”

„Wildfremd? Glaubst du wirklich, daß ich das bin?”

Sie schaute ihn wieder an, und er nahm sie einfach in die Arme. Sie wehrte sich nicht dagegen. Ganz im Gegenteil. Sie spürte ihn, und das tat ihr unendlich gut. Sie klammerte sich regelrecht an ihn, wie an jemanden, den sie Ewigkeiten hatte vermissen müssen.

Nein, ein Wildfremder war er nicht für sie. Das Gefühl war deutlich: Sie hatte ihn wiedergefunden! Als ihr das klar wurde, befreite sie sich wieder aus seinen Armen.

Er schüttelte den Kopf.

„Ich – verstehe das nicht, Ellen. Du bist mir so vertraut, als würden wir uns schon immer kennen.”

„Du mir auch. Ist das nicht irgendwie... gespenstisch?”

„Ja, das wäre es, wenn es nicht... so schön wäre!”

„Doch, das ist es: schön! Ich verstehe es zwar nicht, aber ich habe das Gefühl, als würden wir uns schon länger kennen als wir überhaupt schon leben.”

„Wirklich?”

„Und wie geht es dir?”

„Genauso! Ich habe bisher niemals an eine Wiedergeburt geglaubt, aber jetzt ist es ja gerade so, als hätten wir uns schon in einem vorherigen Leben gekannt...”

„Mehr noch als das: Als hätten wir uns in diesem vorherigen Leben sogar... geliebt!”

Er schüttelte den Kopf, um den Alpdruck los zu werden, der schwer auf ihm lastete, doch das gelang ihm nicht.

Ellen nahm ihn jetzt ihrerseits in die Arme.

„Willkommen zurück!” sagte sie. Das sollte eigentlich mehr ein Scherz sein. Damit wollte sie die Situation keineswegs noch mystischer erscheinen lassen als sie ohnehin schon war, doch er erkannte anscheinend den Scherz nicht, sondern erwiderte: „Du auch, Liebes: Willkommen zurück!”

Ellen versuchte noch einen weiteren Scherz, der aber genauso mißlang, wie sie sofort spürte: „Wie heißt du denn... in diesem Leben?”

„Peter Carmichael!” stellte er sich nun endlich ebenfalls vor. „An den Namen meines vorhergehenden Lebens kann ich mich leider nicht mehr erinnern.”

„Moment mal, glaubst du denn wirklich daran?”

„Wieso nicht? Drängt es sich nicht geradezu auf? Wie anders wären denn unsere Gefühle sonst zu erklären – und unsere Verwirrung, als hätten wir uns seit undenkbar langer Zeit wiedergefunden, ohne uns jedoch an Einzelheiten von vorher erinnern zu können?”

„Äh, eigentlich wollte ich zu einer Vorlesung...”

„Ich auch, aber was tun wir ansonsten?”

„Wiedersehen feiern?”

Jetzt lachte er.

„Ich weiß, Ellen, du versuchst ständig, Witze darüber zu machen, aber du kannst ja nichts dafür, daß jedes Wort trotzdem eher klingt, als würde es die Wahrheit haargenau treffen... Übrigens, man sieht dir an, daß deine Mutter Japanerin ist. Habe ich eigentlich schon erwähnt, daß die Töchter von Japanerinnen und Engländern besonders schön geraten? Du bist hierfür das lebende Beispiel.”

„Ach, du Schmeichler! Sagst du so etwas denn immer, wenn du einem Mädchen begegnest?”

„Gewiß, in diesem Leben schon, aber nicht immer, sondern nur in Ausnahmen, wenn mir das Mädchen besonders gut gefällt.” Er lächelte entwaffnend.

Sie betrachtete ihn genauer. Eigentlich das erste Mal so richtig. Er war ein blondschöpfiger Hüne. Haben so die Wikinger ausgesehen? Wäre er Amerikaner, würde er sicherlich Baseball spielen. Was tut er denn... als Engländer?

„Machst du Sport oder so?”

„Ja, natürlich – vor allem ‚und so‘!” Es schien für ihn völlig selbstverständlich zu sein, daß sie ihn ausfragte. Er lächelte verschmitzt.

„Was denn speziell?”

„Nichts Spezielles, Liebes. Ich mag jede Sportart. Außerdem gehe ich regelmäßig ins Fitneßstudio, um die nötige Grundlage für alle Sportarten zu haben.”

„Da gehe ich allerdings auch hin, obwohl ich ansonsten keine sportlichen Ambitionen habe.”

„Na, bei deiner Figur hast du das ja auch kaum nötig.”

Sie mußte lachen über dieses Kompliment. Dann schlug sie vor: „Komm, gehen wir in die Mensa. Jetzt können wir uns sowieso auf keine Vorlesung mehr konzentrieren. Wird Zeit, daß wir uns näher kennenlernen.”

„He, du gehst aber mal ran!”

„Falls es dich stört...”

Jetzt lachte er wieder: „Nein, nein, ganz und gar nicht. Ich brenne darauf, zu erfahren, wer Ellen Kioto ist, die Frau, die ich offensichtlich aus einem früheren Leben schon kenne!”

„Nun, dann brenne mal schön, mein Lieber. Aber nur, wenn ich mitbrennen darf!”

Sie lachten beide und gingen Hand in Hand weiter, als sei das völlig selbstverständlich.

 

*

 

Ihre Gedanken kehrten in die Gegenwart zurück. Sie rang sich zu einem Entschluß durch: „Hör zu, Peter, ich muß noch einmal zurück zu Mutter. Bleibe hier stehen, und rühre dich nicht von der Stelle.”

„Was hast du vor?” rief er alarmiert.

„Ich werde sie zur Rede stellen und nicht eher locker lassen, bis sie mir sagt, was los ist.”

Er erschrak.

„Das willst du wirklich tun? Glaubst du nicht, es wäre vielleicht ein wenig übertrieben?”

„Kannst auch im Auto auf mich warten, falls es dir zu lang dauert. Aber warte!”

„Ja, ja, tu ich ja schon, aber ich finde wirklich...”

„Bis bald!” fiel sie ihm ins Wort und eilte zurück, Richtung Haus, während er kopfschüttelnd weiterging, in Richtung Auto, das am Straßenrand weiter vorn parkte.

Unterwegs kamen ihr doch noch Bedenken. Wie würde ihre Mutter reagieren, wenn sie einfach zurückkam, um mit ihr über das seltsame Verhalten gegenüber Peter zu reden? Bisher war sie jeder Frage ausgewichen und hatte ihr sogar vorzumachen versucht, sie sei mit der Wahl ihres Freundes absolut einverstanden. Aber wenn sie etwas gegen Peter hatte, wieso sagte sie es dann nicht offen und ehrlich und belog ihre Tochter sogar? Was sollte denn das überhaupt?

Wieder fester entschlossen beschleunigte sie ihre Schritte. Sie sperrte die Eingangstür auf und warf einen Blick zurück.

Eigentlich geschah das unbewußt. Ihr wurde das erst klar, als sie sah, daß die Bäume im Vorgarten die Sicht zum Auto von Peter verdeckten. Irgendwie hatte sie seine Blicke im Nacken gespürt. Die ganze Zeit über, als sie zum Haus zurück ging. Er machte sich Sorgen, also war es ganz natürlich, wenn er ihr nachschaute...

Doch das konnte in Wirklichkeit gar nicht sein, denn er konnte gar nicht bis zum Haus sehen. Ellen wußte, daß er zum Auto weitergegangen war. Sie hatte es aus den Augenwinkeln noch beobachten können. Dort, wo sie ihn verlassen hatte, stand er jedenfalls längst nicht mehr. Er war ganz eindeutig außer Sichtweite, aber noch immer spürte sie seine Blicke?

Seine?

Sie runzelte ihre hübsche Stirn und schaute sich suchend um, in der offenen Tür stehenbleibend. Das Gefühl, aus dem Unsichtbaren heraus beobachtet zu werden, war so überdeutlich, daß sie sich dessen nicht erwehren konnte.

Ein eiskalter Schauer rieselte ihr über den Rücken. Wenn es nicht ihr Freund war... Wer sonst?

Sie schaute sich schier die Augen aus dem Kopf, konnte aber niemanden sehen. Von wo kamen überhaupt die forschenden Blicke? Aus welcher Richtung? Auch das vermochte sie nicht so recht zu sagen.

Erneut schauderte es sie. Am liebsten hätte sie die Tür zugeworfen und wäre ins Haus geflüchtet, aber aus Trotz blieb sie noch stehen und schaute sich weiterhin aufmerksam um. Egal, wer sie beobachtete, derjenige sollte schon merken, daß sie nicht so leicht einzuschüchtern war.

Der Beobachter allerdings auch nicht. Sie spürte nach wie vor seine dreisten Blicke. Nein, sie waren nicht forschend, sondern eher... brennend. Richtig, das traf es besser: Brennende Blicke – so heftig, daß sie es regelrecht auf der Haut spürte.

Mein Gott, was soll denn das? fragte sie sich im stillen. Wer lauerte ihr denn da auf? Derjenige hatte auch keine Bange vor Peter, sonst wäre er nicht so dreist.

Egal jetzt! entschied Ellen und schloß kurzerhand doch die Tür. Schließlich war sie zum Haus zurückgekehrt, um ihre Mutter zur Rede zu stellen. Vielleicht war sie einfach deswegen so nervös geworden und bildete sich nur etwas ein?

Wenn sie es recht bedachte, neigte sie immer wieder dazu, Dinge zu spüren, die anderen verborgen blieben. Bisher hatte sie sich stets erfolgreich eingeredet, das sei deshalb so, weil sie eine besonders blühende Phantasie besaß. Doch diesmal war dieses Gespür, beobachtet zu werden, schlimmer als alles andere je zuvor. Das allerschlimmste daran jedoch war: Selbst als die Tür geschlossen war, hörte es nicht auf!

Ellen brauchte viel Überwindung, um sich von der Tür abzuwenden, dieser den Rücken zuzukehren und endlich weiterzugehen.

Ihre Mutter war im Wohnzimmer. Sie würde wahrscheinlich gerade die Fernsehzeitschrift studieren, um das entsprechende Programm für einen gemütlichen Abend allein daheim zu wählen. Sie hatte sicher noch gar nicht bemerkt, daß ihre Tochter zurückgekehrt war. Sonst wäre sie ihr entgegengekommen.

Ellen gab sich alle Mühe, den brennenden Blick in ihrem Rücken zu verdrängen, der anscheinend sogar durch die Tür gehen konnte. Ohne jeglichen Erfolg. Als sie weiterging, wurde dieses beängstigende Gefühl jedoch ganz von allein schwächer. Und als sie das Wohnzimmer betrat, verschwand es völlig. Als würde es hier so etwas wie einen Schutzwall geben, innerhalb dessen sie sich sicher vor diesen Blicken fühlen konnte. Oder hing es gar mit ihrer Mutter zusammen?

Sie verwarf diesen Gedanken sofort wieder. Jetzt, wo das Gefühl, beobachtet zu werden, ganz verschwunden war, konnte sie sich auch wieder erfolgreich einreden, daß lediglich die Phantasie ihr einen Streich gespielt hatte – wieder einmal!

 

*

 

Kara Kioto schaute überrascht auf, als ihre Tochter so plötzlich wieder auftauchte. Oder war sie weniger überrascht, sondern vielmehr... erschrocken?

Ellen hatte sich fest entschlossen, sich diesmal mit keinem Wort abspeisen zu lassen, und wollte das auch gleich in die Tat umsetzen. An die brennenden Blicke draußen dachte sie jetzt nicht mehr.

„Was ist los mit dir, Mutter?” begann sie. „Was hast du gegen Peter? Und behaupte nicht schon wieder, du würdest ihn als guten Jungen ansehen.”

„Aber das tu ich doch!” widersprach ihre Mutter. „Er ist in der Tat ein guter Junge. Du hättest keinen besseren als Freund finden können, glaube mir.”

„Aber?”

„Nichts aber...”

„Bitte, Mutter, ich bleibe jetzt so lange hier stehen, bis du mir endlich die Wahrheit sagst. Peter wartet draußen auf mich, und sei es bis morgen früh.”

Jetzt erschrak ihre Mutter tatsächlich.

Sie wandte sich ab, damit Ellen nicht ihre Miene sehen konnte.

„Warum läßt du es nicht einfach so, wie es ist?” fragte sie bang über die Schulter zurück.

„Weil es für mich unerträglich ist, Mutter, deshalb. Und es ist auch unerträglich für Peter. Er hat dir schließlich nichts getan.”

Ihre Mutter fuhr zu ihr herum und schaute sie mit solch ernsten Augen an, wie Ellen es bei ihr noch niemals erlebt hatte.

„Wie hast du ihn kennengelernt?” fragte Kara Kioto.

„Wie bitte?” wunderte sich Ellen.

„Du hast mir noch niemals erzählt, wie ihr beide euch kennengelernt habt. Du bist heim gekommen und warst verliebt. Erst wolltest du überhaupt nicht mit der Sprache herausrücken, aber ich habe es dir doch angesehen. Zwei Tage später hast du mir Peter vorgestellt, einfach so, als die selbstverständlichste Sache der Welt, und da...”

„Was war da?”

„Wie hast du ihn kennengelernt? Beantworte mir endlich diese Frage!” Waren nicht auf einmal Tränen in den Augen ihrer Mutter?

„Es – es...”, druckste Ellen herum. Wieso fiel es ihr so schwer, von dieser wahrhaft schicksalhaften Begegnung auf dem Campus der Universität Oxford zu erzählen?

„War – war es Liebe auf den ersten Blick?” schoß ihre Mutter gnadenlos ihre nächste Frage ab.

Ellen wurde bewußt, daß ihre Mutter quasi den Spieß herumgedreht hatte: Nicht sie fragte jetzt, sondern ihre Mutter! Und sie hatte irgendwie Probleme, ihrer Mutter es zu erklären. Wieso eigentlich? Was war denn dabei? Gewiß, es würde phantastisch klingen. Vielleicht würde ihre Mutter sie kindisch und hoffnungslos von Romantik verblendet heißen, doch wäre das so schlimm, daß sie die Wahrheit verschweigen mußte?

Kara Kioto, die Mutter von Ellen, wartete nicht mehr länger auf die Antwort. Sie sah selbst, wie sehr ihre Tochter mit sich rang. Sie sah, wie deren Lippen bebten, doch es kam einfach keine Erklärung über diese Lippen. Deshalb kam Kara Kioto ihrer Tochter zuvor, und es klang beinahe wie eine flammende Anklage: „Ihr seid euch begegnet und habt sofort geglaubt, euch schon ewig zu kennen?”

„Ja, Mutter, aber... aber wieso weißt du das?”

„Weil ich deinen Vater genauso kennengelernt habe. Wir haben uns unendlich geliebt. So wie du Peter und wie Peter dich?”

„Ja, wir lieben uns...”

„Ellen, ich wollte es dir nicht sagen, aber du läßt mir ja keine andere Wahl: Wenn ich Peter sehe, dann sehe ich nicht ihn, sondern deinen Vater! Nein, nicht so, als sei dein Vater wiedergeboren in ihm. Das ist nicht möglich, denn als dein Vater starb, lebte Peter ja bereits...”

„Aber?”

„Es ist dieselbe Situation, begreifst du es nicht? Ich ging mit deinem Vater nach England. Er wäre genauso auch mit mir nach Japan mitgekommen, doch es war für uns beide leichter, hierher zu gehen.”

„Wieso hast du mir das noch nie so erzählt?”

„Habe ich nicht? Du weißt doch, daß wir uns ineinander verliebt haben. Wir sind uns zufällig begegnet. Ich war Touristin und unterwegs mit einer Reisegruppe...”

„Dann hattet ihr dasselbe Erlebnis wie Peter und ich?” wunderte sich Ellen. „Das – das ist doch...”

„Ja, und deshalb fürchte ich, daß es euch beiden genauso ergehen wird!”

Für Sekunden vermochte Ellen gar nichts mehr zu sagen. Doch dann versuchte sie ein Lachen, das allerdings ziemlich gequält wirkte: „Aber, Mutter, das ist doch Unsinn. Wie kommst du auf die Idee, daß Peter und ich eines Tages ein Kind haben werden, und daß er daraufhin, wenn unser Kind noch klein ist, genauso wie Vater...?” Sie brach ab. Es klang auch zu verrückt, was sie da zu sagen im Begriff war.

Doch ihre Mutter nickte.

„Genauso wird es kommen, glaube mir. Denn so erging es nicht nur mir, sondern wahrscheinlich auch meiner Mutter und ihrer Mutter und...” Sie brach ab. Ihre Hände öffneten sich und schlossen sich, als wollten sie etwas festhalten, was unsichtbar und ungreifbar blieb. Danach stieß sie hervor: „Und da wunderst du dich, daß ich wegen euch beiden so fürchterlich in Sorge bin, daß ich nicht mehr richtig schlafen kann und...?” Sie brach abermals ab.

„Aber das ist doch der größte Unsinn, den ich jemals gehört habe! Ich bitte dich, Mutter, was soll das? Es klingt ja gerade so, als hätte das in unserer Familie Tradition. Und wieso hast du das nie zuvor erwähnt? Es war dir wohl selber in den Sinn gekommen, wie unmöglich das klingt?”

„Hätte ich es denn erwähnen sollen? Ich hatte so sehr gehofft, daß wenigstens dir dieses Schicksal erspart geblieben wäre. Aber ich kann auch nichts dagegen tun, genauso wenig wie du, mein Kind. Du liebst ihn so sehr, daß ich jeden Tag inbrünstig hoffe, es möge diesmal anders sein, denn wenigstens euch sollte dieses grausame Schicksal erspart bleiben.”

„Aber wieso erzählst du mir diesen Unsinn überhaupt?” Ellen schrie es fast. „Und selbst wenn es wirklich stimmen könnte, Mutter: Wieso sollte es ein solch grausames Schicksal für uns überhaupt geben? Was haben wir denn verbrochen, daß wir es verdient hätten?”

„Ihr seid unschuldig, das weiß ich. Genauso wie dein Vater und ich unschuldig waren. Und dennoch... Es gibt da eine unbegreifliche Macht...!” Sie zitterte bei diesen Worten, als hätte sie Angst vor jenem, das im Unsichtbaren auf sie lauerte. „Es – es ist vielleicht eine dunkle Macht. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, daß sie existiert und daß unser Schicksal mit ihr verwoben ist.”

„Du lügst mich an, Mutter. Von wegen irgendeine nebulöse dunkle Macht und so: Du weißt mehr, als du sagen willst! Heraus damit! Hör auf mit den Lügen. Ob es nun Wahnsinn ist, der sich in deinem Kopf eingenistet hat und dich solche Dinge sagen läßt oder was auch immer: Ich will es wissen. Du bist meine Mutter, die ich über alles liebe. Dabei dachte ich bisher, es würde keine echten Geheimnisse zwischen uns geben. Wir waren doch auch wie die besten Freundinnen, nicht wahr?”

Ihre Mutter nickte zögernd. „Ja, das waren wir – und sind es noch immer. Wir sind mehr als nur Mutter und Tochter, denn wir tragen sogar dasselbe Schicksal, wie allein die Existenz von Peter überdeutlich beweist.”

„Wegen dieser Macht, wie du es nennst und wie du sie nicht näher bezeichnen willst?”

Kara Kioto schaute ihre Tochter wie um Verzeihung heischend an. Dann gab sie zu: „Ja, ich weiß tatsächlich mehr. Du hast recht. Ich wage es trotzdem nicht, es zu sagen. Du hältst mich doch so schon für völlig übergeschnappt. Doch es gibt Dinge, vor denen unser Verstand kapitulieren muß. Wir können mit niemandem darüber sprechen, weil uns niemand glauben würde.”

Ellen traf dieses Bekenntnis wie ein Keulenschlag. Sie hatte ihre Mutter noch niemals abergläubisch erlebt. Was war plötzlich mit ihr los? Das wurde ja immer mysteriöser...

„Was für eine dunkle Macht – falls sie wirklich dunkel sein sollte?”

„Sie – sie stammt aus der Tiefe. Sie ist das wahre Leben einerseits, andererseits jedoch auch... der Schrecken aus der Tiefe!”

Ellen war jetzt gänzlich fassungslos. Sie schaute ihre Mutter an, als würde sie diese zum ersten Mal in ihrem Leben sehen. War sie denn wirklich auf einmal völlig übergeschnappt? Die ganze Zeit über hatte sie sich noch gegen den Gedanken wehren können, daß ihre Mutter den Verstand verloren hatte, doch jetzt, nach dieser Behauptung?

Doch dann dachte sie an die Vorlesungen, die sie in letzter Zeit besuchte – als Gasthörerin, denn diese Vorlesungen hatten absolut nichts mit ihrem eigenen Studium zu tun, trotz der wirtschaftlichen Komponenten, die da durchaus eine Rolle spielten. Es ging um Archäologie und Historik im Allgemeinen, und mystische Elemente hatten darin genauso einen Platz wie wirtschaftliche. Die Geschichte von Großbritannien beispielsweise war ja auch durchaus geprägt von wirtschaftlichen Ereignissen. Wenn man etwa bedachte, daß im sechzehnten Jahrhundert das damals winzige England sich nur gegenüber dem großen Europa behaupten konnte, weil die damalige Königin Elisabeth England zur wirtschaftlichen Macht hatte reifen lassen...

Doch das war es nicht, was sie an Professor Percy Brook so sehr faszinierte, sondern dessen Hang zum Okkulten, der ihrer Meinung nach seinen Vorlesungen einen besonderen Touch gab.

Hatte er nicht auch vom „Schrecken aus der Tiefe” geredet, über das es angeblich geheime Schriften gab? War es denn reiner Zufall, daß sie nun das gleiche aus dem Mund ihrer Mutter hörte?

„Was meinst du damit, Mutter?” erkundigte sich Ellen, dabei bemüht, möglichst ruhig und sachlich zu erscheinen.

Kara Kioto wich dem forschenden und auch ein wenig herausfordernden Blick ihrer Tochter aus.

„Kennst du die japanische Legende von Gaia?”

„Ja, in der japanischen Mythologie spielt Gaia eine wichtige Rolle. Für die meisten Japaner ist es mehr als nur eine Legende: Damit ist nicht mehr und nicht weniger als die Mutter von allem gemeint. Die Urmutter, wenn man so will, die alles Leben auf Erden erst gebärte und ermöglichte. Aber Gaia ist nicht einfach nur ein Geistwesen wie beispielsweise der christliche Gott, sondern sie existiert leibhaftig: Sie ist die Erde an sich. Oder soll man es umschreiben mit: Gaia ist die Seele der Erde und damit der Welt?”

„Es klingt moderner, wie du es erläuterst, als in den alten Mythologien Japans, aber vielleicht trifft es sogar genauer zu?” vermutete ihre Mutter. Dabei wirkte sie ganz und gar nicht mehr wie eine Wahnsinnige, wie noch eine Minute zuvor. „Ich habe mich damit beschäftigt, weil ich mich damit beschäftigen mußte, gedrängt durch mein besonderes Schicksal. Dabei hat die moderne Wissenschaft heutzutage ganz andere Möglichkeiten als jemals zuvor. Ich habe ein Buch gelesen über den Geist des Menschen, der meßbar ist als eine sogenannte Interferenz. Das ist eigentlich nichts anderes als ein mehr oder minder chaotisches Magnetfeld, wenn ich das richtig verstehe. Aber die Erde hat genauso ein Magnetfeld, nur wahrhaft gigantisch. Es ragt sogar weit in den Weltraum hinaus. Ich habe gelesen, es berge Interferenzen unvorstellbaren Ausmaßes in sich, die durchaus Wirkungen auf uns Menschen haben. Nicht nur auf uns, sondern auch auf unsere Technik. Umso mehr, je komplizierter sie wird. Vielleicht stürzt der eine oder andere Computer einfach nur deshalb ab, weil eine dieser Interferenzen ihn berührt hat?

Wenn jedoch Gaia der Geist der Erde ist, dann ist die Erde so eine Art Gehirn, das diesen Geist träg. Ein Geist mithin, der aus dem Innern der Erde stammt, dieses Innern der Erde maßgeblich beherrscht.

Wir Menschen sind für einen solch mächtigen Geist weniger als Mikroben, Bazillen, Bakterien. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes nicht wichtig genug für Gaia, als daß sie sich direkt und unmittelbar mit uns als Gemeinschaft oder sogar mit einzelnen Menschen überhaupt beschäftigen würde. Es sei denn, wir würden die Erde völlig zerstören, zumindest ihren Frieden nachhaltig stören. Manchmal sieht es ja so aus, als sei die Menschheit auf dem besten Weg dahin...”

„Aber davon habe ich in den Mythologien noch nie was gelesen!” gab Ellen zu bedenken.

„Gewiß nicht, mein Kind, denn es ist ja auch nicht jedem Menschen so einfach zugänglich. Einmal abgesehen von meinen eigenen Gedanken, die ich soeben beigesteuert habe und die erst in der heutigen Zeit, mit den heutigen Erkenntnissen, haben entstehen können. Aber Gaia wird uns Menschen bitter bestrafen, wenn wir es wirklich wagen sollten, die Erde und ihre Ordnung zu gefährden. Denn wir würden Gaia selber schädigen. Das wird die Große Mutter nicht zulassen. Und wer weiß: Vielleicht geschieht es genau in diesem Augenblick irgendwo bereits, ohne daß wir es überhaupt ahnen? Was wissen wir denn, was die Wissenschaftler ausbrüten an Teufeleien?”

Ellen fuhr unwillkürlich zusammen.

„Soll das etwa heißen, der Schrecken aus der Tiefe hätte etwas damit zu tun – mit Gaia?”

„Ganz genau: Der Schrecken aus der Tiefe ist meiner Meinung nach nichts anderes als die ärgerlichen Gedanken von Gaia, die sie uns schickt, um uns Einhalt zu gebieten.”

„Moment mal, was war das vorhin, das mit der Behauptung, es würde sich um Wissen handeln, das nicht jedem Menschen zugänglich sei?”

„Du hast schon richtig gehört: Es gibt Menschen, deren Schicksal eng verknüpft ist mit den Gedanken von Gaia. Es sind nur ihre unterbewußten Gedanken, denn für ihr großes Bewußtsein sind wir Menschen wahrlich zu gering. Doch es gibt menschliche Träger ihrer unterbewußten Gedanken. Die einen sind dazu berufen, von Geburt an, die anderen werden es, wenn die Macht in Gaias Ärger wächst. Gaia ist nicht gut, noch böse. Sie ist einfach nur die Große Mutter, die Schöpferin allen Lebens. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Soweit die alte Lehre. Diese besagt außerdem: Jeder denkende Mensch ist ein Hort eines winzigen Teiles ihrer Gedanken. Nenne es eine Interferenz, die sich bei seiner Geburt als sein Geist manifestiert und sich dabei vorübergehend vom Ganzen trennt. Das macht den Menschen überhaupt aus. Deshalb kann der Mensch denken. Und wenn wir Menschen sterben, kehren wir zu unserem Ursprung zurück; dann wird unser Geist wieder eins mit Gaia. Selbst wenn wir es wissenschaftlich zu erklären versuchen, wie ich vorhin mit den sogenannten Interferenzen: Leuchtet es da nicht erst recht ein?”

„Wir gehen wieder ein in Gaia, ja, so sagen es die Mythen. Doch was hat es wirklich mit dem Schrecken aus der Tiefe auf sich?”

„Das weiß niemand so genau. Nicht einmal unsereins. Wir können nur spekulieren, mein Kind. Und so spekuliere ich halt, es ist der manifestierte Ärger der Großen Mutter, der aus ihrem Innern aufsteigt – eben aus der Tiefe!”

„Und was haben... wir letztlich wirklich damit zu tun, deiner Meinung nach? Wieso dieses verrückte und grausame Schicksal, wie du behauptest?”

„Ja, wir sind so eine Art Auserwählte! Das ist für Gaia nicht grausam, sondern soll einen Zweck erfüllen. Wir sind nur wenige, und unser Schicksal ist es, nicht nur einfach als Geister in Menschengestalt so etwas wie Ableger von Gaia zu sein, sondern darüber hinaus Träger zu werden ihres lebendigen Unterbewußtseins, von Geburt an. Die Gabe wird immer von der Mutter auf die Tochter übertragen, denn Gaia, die Große Mutter, ist ja auch weiblich!”

„Aber das sind doch nur japanische Mythen, auch noch abweichend vom bekannten Original!” begehrte Ellen auf. „Damit läßt sich doch nicht erklären, daß Peter vielleicht sterben muß, nachdem er Vater einer Tochter geworden ist.”

„UND WENN DOCH? Alles spricht dafür!”

„Ich – ich muß das alles erst mal verkraften, Mutter.” Ellen faßte sich mit beiden Händen an den Kopf, als könnte sie damit all die Gedanken verscheuchen, die auf sie einstürmten. Ein vergeblicher Versuch. „Tut mir leid. Sei mir auch nicht böse, wenn ich dies alles zunächst mal als absolut verrückt und unglaubwürdig bezeichne.” Sie winkte jetzt entschieden ab. „Du an meiner Stelle würdest nicht anders reagieren, wie ich vermute.” Sie wandte sich halb der Tür zu und schloß, über die Schulter hinweg: „Also: Ich werde jetzt gehen. Wir werden zu einem anderen Zeitpunkt...”

„Wirst du Peter davon erzählen?”

Ellen hielt inne und überlegte kurz.

„Ja, das werde ich. Aber erst, wenn ich mir selber darüber im klaren bin.”

„Weil du mir nicht glaubst?”

„Ich weiß noch nicht, was ich glauben soll, Mutter, aber ich werde Peter nicht eher mit diesem... Unsinn belasten, bis ich mir sicher sein kann.”

„Sicher ob es stimmt oder sicher, ob es nicht stimmt?”

„Beides ist möglich, nicht wahr?”

„Wenn du meinst...”

Ellen wandte sich doch noch einmal ihrer Mutter zu und erwiderte deren ernsten Blick. Es gab ihr regelrecht einen Stich ins Herz. So fremd war ihr die eigene Mutter noch niemals vorgekommen. Als sei sie auf einmal eine völlig andere Person. Hatte sie ihr denn all die Jahre nur etwas vorgespielt?

Ellen wandte sich brüsk wieder ab und lief ohne ein weiteres Wort hinaus, aus dem Wohnzimmer, wie auf der Flucht vor ihrer Mutter.

 

*

 

Erst als Ellen die Haustür öffnete, um das Haus zu verlassen, erinnerte sie sich wieder an die brennenden Blicke. Und prompt war dieses Gefühl wieder da. Diesmal war es sogar schlimmer.

Sie blieb stehen, als sei sie gegen eine unsichtbare Wand gelaufen, und schaute sich suchend um. Diesmal spürte sie keine Furcht, sondern eher Ärger. Was sollte denn das? Erst die Verrücktheiten ihrer Mutter, ihre verworrenen Erklärungsversuche für das eigentlich Unerklärliche, an das sie offensichtlich selber fest glaubte... Dann dieses hier. Noch weitere Verrückte? War nicht ihre Mutter allein schon mehr als genug?

Sie war einerseits enttäuscht von ihr, weil sie niemals von solchen Dingen zu ihr gesprochen hatte.

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