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Entscheidung für das Glück

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1. KAPITEL

Alice „Trip“ MacAllister stand vor dem Fünf-Sterne-Restaurant und führte eine hitzige Debatte mit ihrer ärgsten Widersacherin … mit sich selbst.

Wütend begann sie auf und ab zu laufen. Sie wollte nicht hier sein und an dem großen Essen teilnehmen, bei dem die gesamte Fürstenfamilie der Island of Wilshire zugegen sein würde.

Fürstenfamilie! Es war zum Aus-der-Haut-Fahren! Demnächst würde ihre Cousine Maggie einen waschechten Prinzen heiraten! Maggie hatte Devon Renault am Silvesterabend kennen gelernt, als sie Dienst in der Notaufnahme im Krankenhaus hatte. Für die beiden Unschuldsengel war es mehr oder weniger Liebe auf den ersten Blick gewesen.

Jetzt war Anfang März, und Devons Familie hatte es endlich geschafft, die Reise nach Ventura in Kalifornien anzutreten – der Stadt der oberen Zehntausend, in der auch die MacAllisters lebten.

Unglaublich, dachte Trip und setzte ihren Gang fort. Schon als kleines Mädchen hatte Maggie davon geträumt, eines Tages einen Prinzen zu heiraten. Jedes Mal, wenn sie die Kerzen auf ihrer Geburtstagstorte ausblies, hatte sie es sich gewünscht, und genau das würde sie jetzt tun: Ihren Märchenprinzen heiraten.

Alice freute sich wirklich für Maggie, aber … In sechs Wochen würde die Hochzeit auf der Insel stattfinden. Es würde eine richtige Gala-Veranstaltung geben, wie es sich für eine Fürstenfamilie gehörte. Und sie, Trip MacAllister, hatte ihren Besuch wohl in einem Zustand geistiger Umnachtung zugesagt.

Aber über diesen Albtraum konnte sie später nachdenken. Was sie jetzt nervös machte, war die Tatsache, dass man sie drinnen im Restaurant zum Essen erwartete und sie ziemlich spät dran war.

Sie wollte nicht hier sein. Solange sie sich erinnern konnte, waren ihr Familientreffen zuwider. Sie fühlte sich nie wohl in ihrer Haut, war nervös und zählte im Geiste ständig die Sekunden, bis sie gehen konnte. So war es jedes Mal, wann immer sie vom Riesenclan der MacAllisters umgeben war.

Und zu diesem Dinner gehörte tatsächlich eine Fürstenfamilie! Devons Vater, Fürst Soundso … wie war noch gleich der Name? Fürst Chester hielt es für das Beste, die Verlobte seines Sohnes in entspannter Atmosphäre kennen zu lernen und nicht in dem Tohuwabohu, das während einer Hochzeit herrschte.

Toller Mann, dachte Trip seufzend und unterbrach ihre Wanderung auf dem Bürgersteig. Warum hatte sie sich nicht einfach entschuldigt und abgesagt? Aber nein! Sie hatte nicht nur nicht abgesagt, sondern schlimmer noch: Sie trug ein Kleid, das sie sich von ihrer Schwester Jessica ausgeliehen hatte. Es war superkurz und hauteng. Jessica hatte es ein Slip-Kleid genannt.

Trip kam sich darin wie ein kleines Mädchen vor, das Verkleiden spielte. Das einzige hübsche Kleid, das sie besaß, hatte sie bei Jessicas und Daniels Hochzeit getragen, und sie konnte nicht schon wieder in derselben Aufmachung erscheinen. Der Rest ihrer Garderobe bestand aus Jeans, Shorts und legeren Tops. Und dann besaß sie noch dieses billige pinkfarbene Polyester-Fähnchen, das sie trug, wenn sie im Café bediente.

Trip beschloss, nach Hause zu gehen. Ihren Eltern im Restaurant würde sie die Nachricht zukommen lassen, dass sie unter Grippe oder schrecklichen Kopfschmerzen litt, irgendeine lahme Entschuldigung eben, um von hier zu verschwinden. Genau!

Nein! schoss es ihr im nächsten Augenblick durch den Kopf. Das wäre Maggie gegenüber nicht fair. Und dem Rest der Familie gegenüber auch nicht. Nach Jahren emotionaler und räumlicher Distanz versuchte sie doch gerade, zerrissene Bande wieder neu zu knüpfen. Ein Unterfangen, das ihrer Meinung nach bis jetzt nicht gerade gut lief.

Reiß dich zusammen, sagte sich Trip und schlug sich leicht auf die Wangen. Geh endlich rein, und vergiss nicht zu lächeln.

Sie machte gerade einen Schritt auf die Treppe des Restaurants zu, als ein Mann an ihr vorbeiging, ohne sie zu bemerken. Trip blieb stehen. Nervös nestelte er an seiner Krawatte herum und murmelte etwas vor sich hin. Zwei Schritte von ihr entfernt hielt er inne.

„So ein Unsinn“, hörte sie ihn sagen. „Warum muss sich ein Mann einen Schlips umbinden, wenn er zu einem Dinner geht? Wer hat diese Regeln bloß aufgestellt? Und wer hat diese verdammten Dinger erfunden? Wahrscheinlich eine Frau, die Männer hasst.“ Er schlang ein Ende der Krawatte ums andere, zog es durch und drehte sich etwas zur Seite, als er den Knoten bis zum Hemdkragen hinaufschob. „Na also.“

„Er ist zu locker“, sagte Trip. „Und das eine Ende ist zu lang … und … am besten fangen Sie noch einmal von vorn an.“

„Ach was“, sagte der Mann und riss den Knoten auf. „Für zwei Cent lasse ich die Veranstaltung sausen.“

Trip lachte. „Ich würde es sogar für die Hälfte tun.“

„Wirklich?“ Zum ersten Mal sah der Mann sie an. „Würde es Sie nicht Kopf und Kragen kosten, wenn Sie es täten?“

„Ganz sicher“, sagte Trip und erwiderte sein Lächeln.

Himmel! Der Mann machte zwar einen unglaublich mürrischen Eindruck, sah aber einfach toll aus: Groß, wahrscheinlich über einen Meter achtzig, dichtes, pechschwarzes Haar, ein markantes gebräuntes Gesicht. Seine Augen waren von einem Blau, wie sie es noch nie gesehen hatte. Für die langen, dunklen Wimpern wäre eine Frau zur Mörderin geworden. Er hatte breite Schultern, lange, kräftige Beine, und der dunkle maßgeschneiderte Anzug saß wie angegossen. Absolut fantastisch!

„Ich glaube, ich habe die Sache schon lange genug hinausgeschoben.“ Trip seufzte. „Ich gehe jetzt hinein, entschuldige mich für meine Verspätung und werde lächeln, lächeln, lächeln.“

„Warten Sie!“, sagte der Mann schnell.

„Ich soll warten?“ Trip neigte leicht den Kopf. „Könnten Sie diesen Befehl erläutern, damit ich weiß, was Sie meinen?“

„Wie bitte? Oh, es war kein Befehl, sondern eine Bitte. Könnten Sie mir bei der Krawatte behilflich sein? Danach werde ich wohl auch hineingehen. Ich bin spät dran. Ohne eine Krawatte möchte ich mich dort nicht blicken lassen.“

„Nun, ich …“ Trip zuckte mit den Achseln. „Gut. Warum eigentlich nicht?“

Der Mann trat näher, und Trip ergriff beide Enden der Krawatte. Erschrocken stellte sie fest, dass ihre Hände leicht zitterten. Sie holte tief Luft. Hoffentlich merkte der Mann nicht, dass sie sich beruhigen musste. Dann band sie die Krawatte. Zum Schluss klopfte sie leicht auf den Knoten. Bevor sie die Hände sinken lassen konnte, ergriff der Mann sie.

„Danke.“ Seine Stimme klang rau. „Wirklich. Ich danke Ihnen sehr.“

„Bitte.“ Trip erwiderte seinen Blick. Du lieber Himmel! Ihr stockte der Atem. Die Hitze, die seine Hände ausstrahlten, breitete sich bis in ihre Brüste aus, die sich auf einmal schwer anfühlten. Ihre Brustspitzen begannen zu prickeln.

Himmel hilf! Nun jagte die Hitze durch ihren ganzen Körper, strömte tiefer und verursachte dort ein tiefes Pochen. Diese Augen! Sie waren so blau wie das Meer, voll verlockender Geheimnisse. Trip war wie gelähmt. Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Dieser Mann war ein Fremder … gefährlich und wahnsinnig erotisch.

„Ich …“ Trip wollte etwas sagen und bemerkte dann, dass sie nicht genug Luft zum Atmen hatte.

„Sehen Sie“, sagte der Mann, und seine Stimme klang heiser. „Wenn wir jetzt das Restaurant betreten, werden sich unsere Wege trennen, aber ich würde wirklich gern Ihren Namen wissen. Bitte! Ich bin Brent Bardow.“

Brent Bardow? dachte Trip. Wieso kam ihr der Name bekannt vor? Nein, das war nicht möglich. Wenn sie diesem Mann schon einmal begegnet wäre, würde sie sich zweifellos daran erinnern.

„Ich heiße Tr… ich meine, ich bin Alice“, sagte sie, nachdem sie tief Luft geholt hatte. „Alice MacAllister.“

„Sie machen wohl Witze?“ Brent lachte schallend. „Haben Sie bei meinem Namen nicht etwas läuten hören?“

„Ja, schon, aber …“

„Ich bin Devon Renaults Cousin von der Island of Wilshire.“ Brents Lächeln wurde noch breiter. „Schande über Sie, Alice MacAllister. Sie wollen nicht zu der Party gehen, bei der sich unsere Familien kennen lernen sollen.“

Trip entzog sich Brents Griff, trat einen Schritt zurück und stemmte die Hände in die Hüften.

„Schande über mich?“, sagte sie. „Ich muss Sie wohl daran erinnern, dass Sie sich schon für zwei Cent aus dem Staub machen wollten, anstatt dort hineinzugehen.“

„Ich bekenne mich schuldig“, erwiderte Brent. „Offenbar sind wir beide die schwarzen Schafe der Familien, die reichlich spät zu der Feier kommen. Sollen wir uns in den Kampf stürzen? Da sich heute Abend jeder von seiner besten Seite zeigen will, werden wir wohl mit einem blauen Auge davonkommen.“

Trip lachte. „Darauf würde ich mich nicht verlassen.“ Sie machte eine Pause. „Okay, gehen wir Missetäter hinein!“

Der für die private Feier reservierte Speiseraum war riesengroß, doch die dunkle Holztäfelung an den Wänden und das gedämpfte Licht der Kristallleuchter schufen eine behagliche Atmosphäre. Auf der langen Tafel brannten Kerzen. Das edle Porzellan und die Gläser funkelten und blitzten.

Als eine lächelnde Trip mit Brent den Raum betrat, entstand plötzlich Schweigen, und an die vierzig Augenpaare richteten sich auf die beiden.

„Tut mir leid, ich bin spät dran“, sagten Trip und Brent wie aus einem Munde. Sie sahen sich an und fingen an zu lachen.

„Für deine Verspätung gibt es keine Entschuldigung, Brent.“ Mit finsterem Gesicht blickte Byron Bardow auf seinen Sohn.

„Nun, jetzt sind sie doch da“, meinte Jillian MacAllister und sah ihre Tochter nachdenklich an. „Darf man fragen, wo du gewesen bist?“

„Alles meine Schuld“, erwiderte Brent. „Ich hatte ein ernstes Problem.“ Er fuhr mit der Hand über seine Krawatte. „Alice war so freundlich, das Problem zurechtzurücken.“ Er lächelte breit. „Akzeptiert?“

„Die Erklärung ist nicht viel wert“, erwiderte Brents Mutter Charlane lächelnd. „Aber deine Entschuldigungen sind noch nie besonders einfallsreich gewesen, mein Lieber.“ Sie ließ den Blick über die Anwesenden schweifen. „Das ist unser Sohn Brent.“

„Ich nehme an, die beiden freien Plätze sind für Alice und mich“, sagte Brent und lächelte zufrieden.

„Das sind sie in der Tat“, meldete sich Fürst Chester vom anderen Ende der Tafel zu Wort. „Setzt euch und esst, damit wir gemeinsam weiter feiern können.“

Robert MacAllister, Trips Großvater, hatte den Ehrenplatz am anderen Ende der Tafel eingenommen, gegenüber von Fürst Chester.

„Du siehst heute Abend bezaubernd aus, Alice“, meinte Robert. „Das Kleid ist äußerst vorteilhaft.“

Forrest MacAllister runzelte die Stirn. „Ich glaube, sie hat vergessen, ihr Kleid anzuziehen. Sie trägt einen Slip.“

„Es ist alles in einem, Dad.“ Trip setzte sich auf den freien Stuhl neben ihm. „Es ist Jessicas Schuld. Sie hat mir diesen Slip geliehen, war dann wegen irgendetwas eingeschnappt und wollte mir das dazu passende Kleid nicht geben.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Was soll ich dazu sagen?“

Brent setzte sich auf den Stuhl neben Alice. Im Geiste dankte er demjenigen, der die Sitzordnung für den Abend gemacht hatte, wer immer das war.

„Das stimmt nicht“, wehrte sich Jessica lachend und sah dann ihren Mann Daniel an. „Ist dir jetzt klar, was ich in meiner Kindheit durchgemacht habe? Immer dieselbe alte Leier … alles Jessicas Schuld. Trip hat es vorzüglich verstanden, mich in Schwierigkeiten zu bringen.“

„Amen“, fügte Emily, die dritte der MacAllister-Drillinge hinzu. „Erinnert ihr euch noch an den kleinen Hund, den Trip gefunden hatte und hinter sich nach Hause zerrte? Es war ihr egal, ob er wollte oder nicht. Dann erzählte sie unseren Eltern, dass der räudige Köter hinter mir hergelaufen sei.“

„Mit solchen Geschichten wollen wir erst gar nicht anfangen.“ Robert lachte. „Freut mich, dich kennen zu lernen, Brent. Ich möchte dir meine Familie vorstellen.“

Brent nickte und lächelte, während Robert die Gäste vorstellte.

Trip? dachte er und hörte nur mit halbem Ohr auf die Namen, um sie Gesichtern zuzuordnen. Ihr Großvater hatte sie Alice genannt, aber ihre Schwestern hatten sie mit Trip angesprochen. Merkwürdig. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Spitznamen. Für ihn war sie Alice, denn so hatte sie sich ihm draußen vorgestellt.

Alice, dachte er nachdenklich. Wie Alice im Wunderland, die sich auf eine geheimnisvolle Reise begab.

Doch er wollte nicht, dass diese aufregende Frau verschwand und er sie nie wieder sehen würde. Sie war einfach fantastisch. Groß, schlank, so um die dreißig. Die großen braunen Augen und die Pfirsichhaut bildeten einen eindrucksvollen Kontrast. Trotz der Kurhaarfrisur wirkte das blonde Haar äußerst weiblich.

Und dieses Kleid! Wenn man es überhaupt als solches bezeichnen konnte! Es war hauteng und betonte genau die richtigen Stellen. Wenn Alice sich bewegte, schien es die Farbe zu verändern wie … ja, wie ein herrlicher pastellfarbener Opal.

Es gab noch eine ganze Menge über die bezaubernde Miss MacAllister in Erfahrung zu bringen, und Brent leugnete nicht, dass er sich darauf freute, die verschiedenen Teile des Puzzles zu entdecken.

Die Gespräche am Tisch wurden wieder aufgenommen, und der Geräuschpegel ging nach oben, während sich Trip und Brent auf ihre Salate konzentrierten.

„Du heißt Trip?“, sagte Brent leise zu Alice.

Trip machte eine wegwerfende Handbewegung. „Eine alte Geschichte! Und außerdem ziemlich lang.“

„Sie interessiert mich. Willst du mir nicht deine alte, lange Geschichte erzählen?“

Trip steckte ein Radieschen, das die Form einer Blume hatte, in den Mund und schüttelte den Kopf.

„Ein Geheimnis also. Sehr reizvoll.“ Einen Augenblick lang starrte er vor sich hin, dann sah er Alice wieder an. „Was hältst du von folgender Erklärung? Trip ist ein Spitzname, den man dir gegeben hat, bevor aus dir dieses wunderschöne, anmutige Wesen geworden ist, das du jetzt bist. Das war in einer Phase, in der du dauernd herumgetrippelt und beinahe über deine eigenen Füße gestolpert bist. Richtig?“

„Völlig falsch.“ Trip nahm sich eine Kirschtomate.

„Na schön, dann muss ich mich noch mehr anstrengen, es sei denn, du würdest mich aus meiner misslichen Lage befreien und es mir verraten.“

„Nein. Auf keinen Fall.“

„Wie ist das Essen im Pop In Café, Trip?“, fragte Bobby, ihr Cousin.

Trip zuckte mit den Schultern. „Seit ich in den letzten zwei Monaten dort gearbeitet habe, ist niemand daran gestorben. Das Einzige, was ich selbst probiert habe, ist der hausgemachte Obstkuchen, und der ist köstlich.“

„Vielleicht gucke ich mal rein und probiere den Obstkuchen“, meinte Bobby.

Sehr seltsam, dachte Brent. Alice war Kellnerin in einem Café? An diesem Beruf gab es zwar nichts auszusetzen, aber es war ziemlich harte Arbeit, dachte er besorgt. Trotzdem, das war es nicht allein. Es passte einfach nicht zu dem, was Fürst Chester über die Familie erzählt hatte.

Wenn ihn sein Gedächtnis nicht trog, hatten die MacAllisters recht angesehene Berufe. Sie waren einflussreich und wohlhabend und hatten einen untadeligen Ruf. Sie gehörten verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen an. Der Name MacAllister galt etwas. Sie gehörten zu den oberen Zehntausend und zählten zu den Stützen der Gesellschaft.

Alice war Kellnerin?

Diese aufregende Frau gab Brent immer mehr Rätsel auf, und er freute sich darauf, eines nach dem anderen zu lösen. Sie kam ihm wie ein Paket vor, das in mehrere Lagen Geschenkpapier verpackt war und vorsichtig ausgewickelt werden musste.

Er runzelte leicht die Stirn, als er den Salatteller zur Seite schob und Alice von der Seite ansah.

Ein Rätsel, ein Puzzle, ein Päckchen? Mit seinen fast zweiunddreißig Jahren wurde er richtig poetisch, was überhaupt nicht zu ihm passte.

Vielleicht ging die sexuelle Anziehungskraft, die Alice auf ihn ausübte, auf seine Müdigkeit zurück. Er hatte ihre Hände gehalten, als sie seine Krawatte gebunden und so dicht vor ihm gestanden hatte, dass er von wilder Begierde erfasst wurde, die so heiß und explosiv war, dass er glaubte, in Flammen aufzugehen.

So etwas Knisterndes hatte er noch nie erlebt.

„Brent?“ Trips Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.

„Ja? Was? Wie bitte?“, fragte er.

„Habe ich dich aufgeweckt?“ Trip lächelte. „Der Kellner möchte wissen, ob du mit deinem Salat fertig bist. Ich verstehe zwar, dass es eine weit reichende Entscheidung ist, aber …“

Brent lachte. „Ja, danke, ich habe genug. Die weit reichende Entscheidung, die ich zu treffen habe, war, ob ich dieses Radieschen esse oder es in eine Vase stelle. Eine ziemlich schwierige Frage. Ich gebe einfach auf und lasse den Teller zurückgehen, damit mein müdes Hirn eine Pause bekommt.“

„Okay“, erwiderte Trip. Sie lachte noch, als der Kellner Brents Salatteller wegnahm.

Wunder über Wunder, dachte sie. Wider Erwarten amüsierte sie sich, und es ging ihr gut.

Das lag an Brent Bardow.

Ja, sie mochte ihn.

Aber …

Trip lächelte, als der Kellner einen Teller mit einer gebackenen Kartoffel, die in flüssiger Butter schwamm, servierte. Dazu gab es grüne Bohnen mit Mandelsplittern und eine saftige Scheibe Roastbeef.

Aber sie durfte nicht vergessen, dass Brent es fertig brachte, sie sprachlos zu machen, und dass ihr die Luft wegblieb, wenn er sie aus seinen unglaublich blauen Augen ansah.

Sie musste sich ins Gedächtnis zurückrufen, wie hilflos und durcheinander sie sich gefühlt hatte, als sie plötzlich von heißer Leidenschaft erfasst wurde. Sie hatte das Gefühl gehabt, dass das Feuer in ihrem Innern außer Kontrolle geriet.

Als Allererstes musste sie sich vor Augen führen, dass Brent eine Bedrohung für ihren Seelenfrieden war, wenn sie sich seiner erotischen Ausstrahlung nicht widersetzte. Niemand, wirklich niemand durfte sie von ihren Plänen abbringen.

Sie konnte seine Gesellschaft genießen, solange er in Ventura war, vorausgesetzt, dass er überhaupt Zeit mit ihr verbringen wollte. Doch sie würde ihn auf Abstand halten, sowohl emotional als auch körperlich.

Kein Problem! Sie hatte sich alles genau überlegt.

„Das Essen ist sehr gut.“ Trip nickte energisch mit dem Kopf.

„Woher weißt du das?“, fragte Brent. „Du hast doch noch gar nichts probiert.“

Der Fürst stand auf, und Trip kam um eine Antwort herum.

„Ich möchte einen Augenblick um eure Aufmerksamkeit bitten“, sagte er. „In euren Gläsern ist der neueste und beste Wein aus Wilshire, der Renault-Bardow, den mein Neffe Brent kreiert hat. Devon flog in die Staaten, um den Wein auf den Markt zu bringen, und hat – wie ihr alle wisst – Maggie kennen gelernt. Ich schlage vor, auf die beiden anzustoßen. Mögen sie ein langes, glückliches Leben zusammen führen und mit vielen Kindern gesegnet werden!“ Fürst Chester nahm sein Glas. „Auf Maggie und Devon.“

Alle hoben ihre Gläser und tranken einen Schluck. Man lobte den guten Wein, und der Fürst nahm wieder Platz.

„Du hast diesen Wein kreiert?“, fragte Trip. „Er ist köstlich. Etwas ganz Besonderes. Ich gratuliere dir, Brent.“

„Danke.“ Er stieß mit ihr an. „Es hat mehrere Jahre gedauert, aber schließlich habe ich erreicht, was ich wollte.“

„Offenbar hast du dich auf dein Ziel konzentriert. Auf deinen Traum.“

Brent lachte. „Es war eher so, dass ich davon besessen war, wie ein verrückter Wissenschaftler. Jedes Mal, wenn ich an die vielen Stunden denke, die ich Tag für Tag in die Arbeit gesteckt habe, fühle ich mich ganz erschöpft.“ Er nahm noch einen Schluck. „Aber es war die Sache wert.“

„Herzenswünsche sind immer Opfer wert“, sagte Trip leise.

„Das stimmt. Hast du auch einen Herzenswunsch, Alice?“

„Und ob!“, erwiderte sie forsch-fröhlich und wandte den Blick ab. „Ich möchte den Besitzer vom Pop In Café dazu bringen, dass die Kellnerinnen andere Uniformen tragen dürfen, selbst wenn ich den Mann damit in den Wahnsinn treibe.“

„Tu das! Viel Glück!“

„Vielen Dank.“ Trip nahm die Gabel in die Hand und begann zu essen.

Ist das wirklich alles, was sie sich für die Zukunft wünscht? fragte sich Brent zweifelnd. Hat sie keine geheime, alles verzehrende Leidenschaft?

„Brent“, sagte Charlane Bardow. „Hat dich die Fluggesellschaft wegen des Rückflugs angerufen? Du wolltest doch morgen zurückfliegen.“

Trips Kopf fuhr in die Höhe. Sie starrte Brent an.

Er wollte Ventura verlassen? Morgen? Dabei war er doch gerade erst angekommen und …

„Nein“, erwiderte Brent. „Sie sollten mich anrufen, wenn in letzter Minute ein Platz frei wird, aber …“ Er drehte den Kopf und lächelte Alice an, bevor er sich wieder seiner Mutter zuwandte. „Es war wohl ein bisschen vorschnell von mir, als ich sagte, ich würde nur eine Nacht bleiben.“

„Oh!“, kam es unisono von Charlane und Byron Bardow, Jillian und Forrest MacAllister, wobei ihre Blicke zwischen Trip und Brent hin und her gingen.

Trip spürte, dass sich ihre Wangen vor Verlegenheit röteten. Sie wusste sich keinen anderen Rat, als ihr Glas auszutrinken.

„Nun, ich …“ Brent räusperte sich. „Als Onkel Chester mit dem Renault-Bardow-Wein auf Maggie und Devon anstieß, wurde mir klar, dass ich eine kleine Pause verdient habe. Ich werde Peter anrufen und ihm sagen, dass er mich vertreten soll. Er ist ein toller Vorarbeiter, und er kann mich jederzeit anrufen, falls es ein Problem in den Weinbergen gibt …“

„Du redest zu viel, mein Lieber“, sagte Charlane. „Wir sind begeistert, dass du noch bleibst. Wenn ich daran denke, dass ich heiße Tränen vergießen musste, damit du überhaupt kommst … Du hast dir eine Erholungspause und ein bisschen Vergnügen verdient.“

„Genau“, sagte Brent und schnitt sein Fleisch. „Genug zu diesem Thema.“

Jillian und Forrest, Charlane und Brent tauschten ein Lächeln und viel sagende Blicke aus, schwiegen aber wohlweislich. Die Lautstärke im Raum nahm wieder zu, während sich jeder dem köstlichen Essen widmete und die Gespräche fortgesetzt wurden.

„Du wolltest gar nicht nach Ventura kommen?“, fragte Trip.

„Nein.“

„Warum nicht?“

„Ich zitiere Sie, Miss MacAllister. Das ist eine alte, ziemlich lange Geschichte. In diesem Augenblick geht mir etwas viel Wichtigeres durch den Kopf.“

„Nämlich?“

Brent lächelte. „Würdest du mir bitte das Salz reichen?“

2. KAPITEL

Während der Nachtisch – Himbeeren in heißer Vanillesauce – serviert wurde, staunte Trip darüber, wie gut sich die Fürstenfamilie und der MacAllister-Clan verstanden. Es kam ihr vor, als würden sie sich bereits seit Jahren und nicht erst seit ein paar Stunden kennen.

Es war nicht nur wegen Brent. Kein Zweifel: Maggie heiratete in eine wunderbare Familie.

Während der Gespräche bei Tisch wurde klar, dass die Besucher zwei Wochen in Ventura bleiben würden. Dann würden Maggie und ihre Eltern mit den Renaults und Bardows zurückfliegen, um die Fürstenhochzeit vorzubereiten. Die anderen MacAllisters würden einen Monat später auf die Insel fliegen.

Zwei Wochen, dachte Trip und warf einen flüchtigen Blick auf Brent. Von der Aufmerksamkeit her zu urteilen, die er ihr schon den ganzen Abend widmete, hatte Brent vor, sie öfter zu sehen, solange er in der Stadt war.

Zwei Wochen! Damit konnte sie umgehen. Wenn Brent sie wirklich begehrte, würde sie es schaffen, seine Gesellschaft zu genießen, ohne irgendwelche festen Verpflichtungen einzugehen.

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