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Engelsstern

JENNIFER MURGIA

Engelsstern

ENGELS-
STERN

Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch
von Karen Witthuhn

BASTEI ENTERTAINMENT

PROLOG

Feder

Es war so weit. Ich musste sterben. Verrückt, wie es in den paar Tagen dazu gekommen war. Ich zitterte und wusste, dass ich schnell machen musste, sonst … nur nicht daran denken.

Ich hielt den kleinen Dolch fest in beiden Händen. Eine tödliche, wunderschöne Waffe. Winzige Gravierungen glitzerten auf dem goldenen Griff. Der Fall des Erzengels als eingeritzte Verzierung auf der todbringenden Klinge.

Ich atmete tief durch. Würde Gott mich jetzt aufnehmen?

Ich war unsicher, aber fest entschlossen.

Ohne weiter nachzudenken, stieß ich mir mit aller Kraft den Dolch tief ins Herz und hoffte, mein Plan würde aufgehen. Keuchend kippte ich nach vorn und versuchte, mich an irgendwas festzukrallen. Meine Finger fanden und packten die Gardine und rissen sie samt Halterung aus der Wand, was große Löcher in der Tapete hinterließ. Auch die samtschwarze Nacht riss auf, und Regen ergoss sich wie eine Sturzflut. Nebel umhüllte mich, ich schloss die Augen und lag da, während der Regen den bleichen Horizont verdunkelte und der Himmel um mich weinte.

KAPITEL 1

Feder

Da war es wieder.

Das Flattern. Die Flügel.

Ich kniff die Augen zusammen und beruhigte mich mit dem Gedanken, dass das hier auf keinen Fall real sein konnte. Ein Traum – wieder mal.

Aber da strich tatsächlich ein Luftzug über meine Haut, und eine Haarsträhne wehte über mein Gesicht. Die Luft war in Bewegung geraten. Mein Herz schlug schneller. Ich kämpfte gegen die aufsteigende Panik an und tat das einzig Mögliche.

Ich machte die Augen auf.

Langsam wurde ich wieder klar im Kopf. Ich sah den seltsamen langen Schatten an der Zimmerdecke nach und versuchte, mich an den Traum zu erinnern.

Es war ein Traum, oder? Ein Traum, der real wurde, sobald ich die Augen zumachte. Ein Traum, dem ich entkommen wollte, dem ich aber nachjagte, sobald meine Augen offen waren. Ich konnte immer noch fühlen, wie er mich angesehen hatte, mit Augen wie die Nacht, tiefschwarz und furchtlos, und mich beobachtete, während ich im Schlaf um friedlichere, normalere Träume kämpfte – aber jetzt war es vorbei. Ich war wach.

Für März war es heiß in meinem Zimmer. Der winzige Ventilator stand noch im Schrank und wartete auf den Sommer. Deshalb war ich überrascht, wie klamm meine Hand war, als ich durch meine langen, feuchten Haare strich, die sich eben noch sanft im Wind bewegt hatten. Ich hatte keine Ahnung, wie ich ins Bett gekommen war, aber da lag ich und zitterte, wie in so vielen Nächten davor.

An Schlaf war nicht mehr zu denken, also stand ich mühsam auf und schlurfte zu meinem Computer, der unabsichtlich die ganze Nacht lang angeblieben war.

Aus der Werbung starrten mich Kressetiere aus Ton an.

Kr … kr … kr … und Tschüss.

Ich hatte zwei Mails im Posteingang und klickte sie gähnend an. Die erste war ein Büchergutschein zum Ausdrucken.

»Zwanzig Prozent weniger lohnt sich«, murmelte ich verschlafen. Ein Blick auf mein überfülltes Bücherregal machte mich leicht verlegen. »Eins mehr, was soll’s.«

Meine Mutter ist Bibliothekarin. Sie liegt mir seit Jahren in den Ohren, Bücher auszuleihen, anstatt dafür mein gutes Taschengeld auszugeben, aber es nützt nichts. Ich bin süchtig.

Ich klickte die nächste Mail an, und meine Nackenhaare stellten sich auf. Sie war von Brynn Hanson – die perfekte, puschelschwingende, selbst ernannte Königin der Carver Highschool. Leider war ich ihr erklärtes Lieblingsopfer. Mit bösen Vorahnungen machte ich die Mail auf.

Da stand nur ein Wort, aber das reichte, um mein Blut zum Kochen zu bringen.

Freak.

Ich las es noch mal. Und immer wieder, weil ich nicht fassen konnte, dass ihr Hass einen Weg in meinen Computer gefunden hatte – dass tatsächlich ich gemeint war. Ich klickte schnell auf »Löschen«, als würde ich einen ekligen Wurm loswerden wollen.

»Wenn Claire das hört«, murmelte ich und überlegte, wie meine beste Freundin mit so was umgehen würde. Wahrscheinlich würde sie die Nachricht an Brynn zurückschicken und sie mit den eigenen Waffen schlagen.

Und ich? Ich hoffte einfach, dass die Nachricht für immer gelöscht war.

Mein lindgrüner iPod-Ständer zeigte 6:12 Uhr an. Ich stand auf, streckte mich und deckte die Augen mit den Händen ab, um nicht mein ansonsten völlig unmodernes Zimmer sehen zu müssen. Poster von Evanescence und Zeichnungen von Engeln hingen überall an den helllila Wänden, aber sonst gab es wenig Hoffnung. Ich zog die Bettdecke glatt, legte den zerlesenen Band von Der geheime Zirkel weg und machte mich für die Schule fertig. Claire würde sicher in Kürze in ihrem kleinen weißen Cabrio vor der Tür stehen und hupen. Der Schulbus kam nicht in Frage.

Erinnerungen an mein zweites Schuljahr kamen hoch. In dem Jahr hatte Brynn angefangen, mich zu quälen. Sie hatte sich über die Mütze lustig gemacht, die meine Tante Karen für mich gehäkelt hatte. Das und das Spiegelei auf Toast zum Frühstück hatten dazu geführt, dass ich Eddie Carmichaels neuen Pullover vollkotzte.

Kein guter Tag damals.

Heute nehme ich manchmal immer noch den Bus zur Schule. Und Brynn? Brynn hat zu ihrem sechzehnten Geburtstag letztes Jahr ein BMWZ3 Cabrio bekommen.

Ich hatte keine Ahnung, warum ich ganz oben auf ihrer Hassliste stand. Ich hatte von vielem keine Ahnung.

Ich strich mit dem Finger über den kleinen Silberrahmen auf der Kommode. Darin steckte das einzige Foto von meinem Vater, das ich besaß. Meine Eltern hatten nie geheiratet, und meine Mutter sprach niemals über ihn. Vielleicht hatte sie Angst, dass ich nach ihm fragen würde und wissen wollte, warum alles so war, wie es war. Er war einfach weg. Ende, aus. Andere Kinder hatten beide Eltern. Ich hatte Mom. Das lief gut. Wir wurden durch eine Art Gummiband zusammengehalten. Eben beste Freundinnen, dann wieder Mutter und Tochter. Am Ende verschränkte sie die Arme und grollte, ich rollte mit den Augen, und das Gummiband zog uns wieder zusammen.

Aber als ich älter wurde, habe ich mich ab und zu gefragt, ob sie vielleicht einsam ist. Mein nicht vorhandener Vater lebte als Geist, von dem nie gesprochen wurde, weiter in unseren vier Wänden. Natürlich sehnte ich mich danach, mich eines Tages zu verlieben, aber ich hatte auch Angst. Was wäre, wenn auch der Mann meines Herzens plötzlich einfach verschwinden würde?

»Ich habe dir heißes Wasser übrig gelassen, Schatz!«, rief meine Mutter.

Mom kam aus der Dusche. Wenn ich jetzt nicht in die Hufe käme, wäre meine Mitfahrgelegenheit weg, und ich müsste zu allem Übel auch noch eine Busfahrt durchleiden.

Als ich in der Schule ankam, tat mir vor lauter Stress der Kopf weh. Ich starrte eine halbe Ewigkeit tatenlos in meinen Spind und verfluchte Brynns Morgengruß und die schwarzen Augen aus meinem Traum.

»Hallooooooo? Was ist denn mit dir los? Du siehst ja aus wie ein Zombie«, sagte Claire, die auf einem Müsliriegel herumkaute.

»Hab Kopfschmerzen«, sagte ich leise und suchte weiter nach den Büchern für die erste Stunde.

Durch den Lärmpegel auf dem Flur hatte ich eine Art Tunnelblick. Ob die Krankenschwester schon vor der ersten Stunde Patienten nimmt?

»Wieder zu lange am Computer gesessen? Es ist erwiesen, dass durch Google schwere neurologische Probleme in unserer Altersgruppe entstehen. Es sei denn …« Und schon hatte Claire ihr wissendes Zwinkern im Auge. »Hast du etwa im Chat einen Typen kennengelernt? Kennen wir ihn?«

Ich drehte mich langsam zu ihr um. Claire Myers und ich waren seit der dritten Klasse praktisch unzertrennlich, aber die Windungen ihres Gehirns waren mir immer noch ein Rätsel.

»Ich habe eine Hassmail von Brynn bekommen«, brummte ich, und meine Stimmung kippte noch mehr auf Weltuntergang.

Claire lehnte sich an den Spind und seufzte voller Mitgefühl.

»Schon wieder?«

»Ja. Wenigstens ein Mensch hat meinetwegen schlaflose Nächte.«

»Es ist zum Wohle der Menschheit.«

»Wie bitte?«

»Wenigstens lässt sie mich in Ruhe!« Claire grinste und kniff mich in den Arm. Sie musterte mich gründlich von oben bis unten und sagte dann sehr ernst: »Du brauchst einen Freund.«

Ich seufzte. Klar, gleich würde einer vom Himmel fallen.

»Jemanden, der dich vor der bösen Hexe hier beschützt.« Claire ließ ihren Blick über die Schülerschar schweifen.

Als ich gerade antworten wollte, hörte ich das wohlbekannte Klappern von Ledersandalen, die direkt hinter uns zum Stehen kamen.

»Ist meine Mail angekommen?« Brynn schnalzte mit der Zunge. Ihre Arme waren vor einer frisch gebügelten weißen Bluse verschränkt, die ordentlich in einem karierten Rock steckte. Ihre dunkelbraunen Augen glitzerten bösartig.

»Das hier ist keine Privatschule, falls du’s noch nicht weißt«, informierte sie meine schlagfertige Freundin. »Ich fürchte, du hast dich auf dem Weg nach Saint Andrew’s verlaufen.«

Brynn, höflich wie immer, zeigte uns den Stinkefinger, drehte sich auf dem Absatz um und klapperte davon.

»Was ist?« Claire schob sich ein Kaugummi in den Mund und entsorgte das Papier achtlos in meinem Spind. »Das hast du doch auch gedacht. Sie tut so, als geht sie auf irgendeine teure Privatschule und wir sind der Abschaum. Ignorier sie einfach, Teagan.«

Ich hörte Claires Stimme und war eigentlich völlig ihrer Meinung, aber stierte wie gebannt Brynn nach. Ich starrte auf das Ende des Gangs, wo Schüler in Taschen kramten, Spindtüren auf- und zumachten … lachten, schwatzten, redeten. Es war mir physisch nicht möglich, meine Augen abzuwenden, weil der Gang sich in einen dunklen, erdrückenden Tunnel verwandelt hatte. An dem einen Ende stand ich. Am anderen er.

Ist das möglich?

Ich fühlte seine schwarzen Augen auf mir wie in meinem Traum. Meine Haut überzog sich mit der altbekannten Gänsehaut. Wie versteinert stand ich hilflos auf dem Fleck, obwohl ich in die entgegengesetzte Richtung davonrennen wollte. Hinter der Gestalt ragten zwei Schatten auf, die so groß waren, dass ich selbst aus dieser Entfernung die lederartige Struktur der tiefgrauen Flügel im Neonlicht klar erkennen konnte.

Ich atmete tief durch. Claire nahm keine Notiz von dem traumähnlichen Eindringling am anderen Ende des Gangs. Niemand bemerkte ihn.

Ich machte instinktiv einen Schritt zurück. Er war weg.

»Sie hält sich für ein Gottesgeschenk«, fuhr Claire fort. Ihre Stimme war wieder vernehmbar, als hätte jemand die Lautstärke abgedreht und würde sie langsam wieder aufdrehen.

Zitternd griff ich nach meinen Büchern und atmete noch einmal durch. Mein Kopf nickte automatisch in Zustimmung.

»Das ist ein Zeichen von Unsicherheit. Sie hat ihre Klauen eingeschlagen. Sie weiß, welche Knöpfe sie bei dir drücken muss. Außerdem fühlt sie sich nur stark, wenn sie jemand anderen erniedrigt.«

Ich sah meine beste Freundin an, als sei sie gerade hinter dem Mond hervorgekommen.

»Claire, hast du ihn nicht gesehen?« Ich zeigte auf die Stelle, wo die dunkle Gestalt eben noch gestanden hatte.

»Und ob. Und er sieht gut aus.«

Vergiss es. Das war’s.

Ryan Jameson zog sich die lederne Columbia-Tasche höher auf die breiten Schultern und trat vor uns, als es gerade das erste Mal zur Stunde klingelte.

»Teagan.« Er nickte mir zu.

Ich lächelte zurück und wollte nicht sehen, wie schnell und vertraut Claires Hand in seine glitt.

»Vielleicht gehst du besser zur Krankenschwester. Du siehst blass aus.« Claire zog besorgt die Augenbrauen hoch. »Wir sehen uns beim Mittagessen, Tea.«

Sie winkte mir zu und zog mit ihrem neuen Freund von dannen. Ich knallte die Spindtür zu, das hallende Geschepper verstärkte meine Kopfschmerzen. Ich rüstete mich für den Unterricht und machte mich auf den langweiligen Weg zur Sporthalle, vorbei an Spindschränken und nervigen Footballspielern. Dabei behielt ich das andere Ende des Gangs ständig im Blick und versuchte, diesen völlig unwirklichen Moment nachzuvollziehen. Vielleicht waren es ja bloß die Auswirkungen meines schrecklichen Morgens, und ich hatte mir alles eingebildet? Mein Albtraum schien nachzuwirken und mir über die Grenze zur Wirklichkeit hinweg in die Schule gefolgt zu sein. Vielleicht hatte Claire recht. Vielleicht bräuchte ich einen Freund – oder aber die Krankenschwester –, jemanden, der mich von dem Irrsinn meines Lebens ablenken würde.

Ich entschied mich spontan sowohl gegen die Krankenschwester als auch gegen die Sporthalle und wanderte in den Hof, um frische Luft zu schnappen. Dort ließ ich den Rucksack auf den Boden und mich auf eine Betonbank fallen. Es war ein schöner Morgen, obwohl mein Atem sichtbar war; die kalte Luft verhalf mir zu einem klaren Kopf, sodass ich wieder geradeaus denken konnte. Ich starrte vor mich hin, auf die Bäume und den Fußweg hin zur Südtreppe. Alles war sauber und ordentlich und bot keine dunklen Nischen, aus denen eine Gestalt mit dunklen Flügeln plötzlich hervorhechten konnte.

Ich freute mich über die rosa Knospen an den kürzlich noch nackten Ästen über mir. Sogar der Himmel war tiefblau und wolkenlos, wie auf einer Postkarte oder in der Werbung, und eigentlich hätte ich mich fröhlich und voller Energie fühlen müssen. Aber von wegen. Ich legte mein Gesicht in die Hände und machte die Augen zu, weil das Hämmern in meinem Kopf einfach nicht aufhören wollte.

Eine gedämpfte, aber trotz des Hämmerns vernehmbare Stimme fragte: »Ist alles in Ordnung?«

Da ich überhaupt keine Schritte gehört hatte, kam diese Stimme wie aus dem Nichts. Und ich muss wohl zusammengezuckt sein oder aufgeschrien haben, weil sein Gesichtsausdruck genau dem unsicheren Klopfen in meiner Brust entsprach.

»Ich wollte dich nicht erschrecken.«

Ich räusperte mich. »Hast du nicht. Ich meine, alles in Ordnung.« Ich sah hoch in ein mir unbekanntes Gesicht. Das schönste Gesicht, das ich je gesehen hatte.

Ein großgewachsener Junge mit weichen, aber markanten Gesichtszügen stand vor mir. Das Sonnenlicht umspielte seine blonden Haare, deren leichte Locken die durch die Äste dringenden Lichtstrahlen einfingen. Aber … seine Augen. Sie waren warm und unendlich blau – und fast übernatürlich hypnotisch. Plötzlich waren meine Kopfschmerzen verflogen, und eine tröstliche Wärme breitete sich in mir aus. Meine vorherige Panik – die Hänselei, die Erscheinung im Gang – schmolz allein durch seinen Anblick dahin.

»Ich heiße Garreth.«

Wie ein Idiot starrte ich seine ausgestreckte Hand an. Peinlicherweise versagte mir die Stimme. Ich versuchte, meine Stimmbänder unter Kontrolle zu kriegen, war aber einfach hingerissen. Wenn ich nicht bald was sagte, würde er mich sicher für sozial gestört halten, und das wäre mir in diesem Moment schlimmer als der Tod erschienen.

»Teagan«, sagte ich mit wiedergefundener Stimme. Und nahm seine Hand.

Sie war so warm, dass ich sie nicht wieder hergeben wollte. Er lächelte mich an. Ich wurde rot. Möglicherweise hatte ich die Hand einen Tick zu lange festgehalten. Er starrte mich an. Ich sah weg und fühlte Panik in mir aufsteigen. Aber die Panik fühlte sich gut an. Schöne Panik.

Garreth faltete ein dünnes Papier auseinander, das ich als Stundenplan erkannte. Er legte die Stirn in Falten und sah mich wieder an.

»Kannst du mir sagen, wie ich zu Raum 303 komme?«, fragte er mit einem Lächeln.

»Ich hab jetzt auch klassische Mythologie. Wenn du magst, komm doch mit.«

Mit klammen Händen griff ich nach meiner Tasche, die er höflich aufgehoben hatte und mir reichte. Um zu vermeiden, dass mir ungewollt schwindlig würde, stand ich langsam auf. Überrascht stellte ich fest, dass ich mich völlig stabil fühlte, trotz des merkwürdigen Klopfens in der Herzgegend.

»Danke.«

Jetzt im Stehen fühlte ich mich ein wenig unterlegen. Er war mindestens eins achtzig groß. Ich hätte ihn für einen Zwölftklässler gehalten, nicht für einen Elftklässler wie mich. Insgeheim verfluchte ich meine zierliche Figur und kam mir neben ihm vor wie ein Kind.

»Bist du gerade hergezogen?«, fragte ich.

Todsicher hätte ich ihn in der Stadt schon mal gesehen, wenn er nur von einer anderen Schule käme. Es gibt drei in Hopewell: Carver High, Hopewell Vo-Tech und Saint Andrew’s. Hopewell ist nicht sehr groß, eine ruhige Kleinstadt mit malerischen Häusern im viktorianischen und Kolonialstil im Westen von New Jersey. Meistens war alles friedlich, und wenn den Jugendlichen langweilig wurde, traten sie die Flucht entweder nach New Hope oder nach Princeton an.

»Ich war vorher auf Saint Andrew’s.«

Garreth erzählte ganz unbefangen, seine sanfte Stimme zerschmolz um uns herum wie Zuckerwatte, und ich sah ihn immer wieder verstohlen von der Seite an, während wir zur Treppe in den dritten Stock gingen.

»Hmm«, murmelte ich nickend und hing an jedem einzelnen Wort. Gleichzeitig fragte ich mich, wieso ich ihn noch nie bemerkt hatte, nicht einmal als die Footballmannschaften von Carver und Saint Andrew’s gegeneinander im Endspiel gestanden hatten.

Jeder war bei dem Spiel gewesen.

Wir redeten weiter, bis wir den richtigen Raum erreicht hatten, und zogen die neugierigen Blicke der Vorbeikommenden auf uns. Erstaunlicherweise schien Garreth unsere Umwelt gar nicht wahrzunehmen. Ich gab ihm einen kurzen Überblick über die wenigen Vorzüge der Carver High und konnte mir nicht vorstellen, warum er überhaupt hierhergehen wollte. Möglicherweise war es Einbildung, aber er schien an meinen Lippen zu hängen, und ich befand mich in einem ganz eigenartigen Schwebezustand.

»Da sind wir«, sagte ich leise und gab mir Mühe, nicht allzu enttäuscht zu wirken, dass der Weg so kurz gewesen war. »Mr Barry ist okay, du wirst ihn mögen. Solange du die Griechen von den Römern unterscheiden kannst und bei Jason und die Argonauten nicht einpennst, wirst du keine Probleme kriegen.«

»Danke, Teagan.« Er lächelte, als würde er es auch so meinen, dann übergab er Mr Barry einen Zettel.

Ich lächelte schwach zurück und wandte mich widerwillig meinem Stuhl in der zweiten Reihe zu. Ich sah genau, wie die anderen Mädchen gafften und flüsterten, als Garreth einen Platz weiter hinten einnahm. Ich hatte das Bedürfnis, ihn zu beschützen, als ob die vergangenen paar Minuten mir das Recht dazu geben würden. Ein paar Mädchen aus der arroganten Clique um Brynn warfen mir kühle Blicke zu, aber das ignorierte ich diesmal. In Gedanken war ich bei der Unterhaltung von eben, und als ich mich noch einmal zu Garreth umdrehte, entdeckte ich zu meiner Freude, dass er mir tief in die Augen sah.

KAPITEL 2

Feder

Den Rest des Schultages verbrachte ich in einem traumähnlichen Schwebezustand. Egal, wo ich auf dem Schulgelände zu tun hatte, immer war Garreth irgendwo in der Nähe. Ich schien eine Art inneres Radarsystem entwickelt zu haben, denn ich konnte ihn jederzeit und überall orten. Und obwohl seine Anwesenheit in meiner Nähe sicherlich purer Zufall war, fühlte ich mich die meiste Zeit über angenehm aus der Fassung gebracht. Wie alle Siebzehnjährigen war ich Meisterin im Wunschdenken, aber ich hätte schwören können, dass er mich immerzu anstarrte. Wenn ich zwischendurch den Mut aufbrachte, seinen Blick zu erwidern, lächelte er dieses wunderbare Lächeln, sodass mir schwindlig wurde und ich mir blöd vorkam. Das fiel beim Mittagessen sogar Claire auf.

»Hat dir die Krankenschwester abgelaufenes Aspirin oder irgendwas Illegales gegeben?« Sie betrachtete mich misstrauisch.

»Ja«, war alles, was ich herausbrachte.

Claire leerte den Inhalt ihrer orangefarbenen Brotdose, die wie immer nur Kalorienbomben enthielt. »In der Schule brodelt es.« Sie hatte die Stimme gesenkt, als ob es um ein Staatsgeheimnis ginge.

»Hmm?« Ich hatte mich in Tagträumen verloren und suchte die Cafeteria nach blonden Locken ab, doch Garreth war leider nirgendwo zu sehen. Aber halt, was wäre, wenn ich ihn sähe, und er säße mit einem bezaubernden blonden Cheerleadermädchen zusammen?

»Hey, willst du’s gar nicht wissen?«

Ich seufzte und sah sie an.

»Zwei Worte. Garreth Adams.«

»Ich bin ihm schon begegnet.« Die Worte kamen etwas atemlos heraus.

Claires Kopf schoss hoch.

»Wir haben zusammen Mythologie.«

»Uuund?« Claire starrte mich an und forderte mich mit einer ungeduldigen Handbewegung auf, weiterzureden

»Was?«

Ich starrte zurück. Es war klar, was hier lief. Ich enthielt ihr wertvolle Informationen vor, das wusste sie, und ich spielte dieses Spiel gerne. Es machte großen Spaß, sie auf die Folter zu spannen. Es hielt sie kaum noch auf dem Stuhl. Es überraschte mich nicht, dass vermutlich die ganze Schule von meinem Nebenjob als Fremdenführerin heute Morgen wusste. Weiß der Himmel, was Claire zu Ohren gekommen war.

»Wie ich höre, hat er dich nicht aus den Augen gelassen. Du bist so ein Glückspilz!« Claire schäumte regelrecht über. »Ich hab dir ja gesagt, dass du einen Freund brauchst. Wer hätte gedacht, dass an ein und demselben Tag eine Intellektuelle und eine Wahrsagerin aus mir wird?«

Ich schob mir den Rest meines Erdnussbutterbrotes in den Mund und starrte das Monster mir gegenüber an, das ich geschaffen hatte.

Claire sah sehr zufrieden mit sich aus. Es war fast grausam, den Mund aufzumachen und ihr den ganzen Spaß zu verderben, aber es musste sein. Ich versuchte es mit dem höchsten mir gegebenen Maß an Diplomatie.

»Gut, er ist ganz nett, aber jetzt lies da bloß nichts rein. Und schlag dir die Kristallkugeln und glitzernden Kopftücher wieder aus dem Kopf. Er war bloß dankbar, weil ich ihm geholfen habe. Keine große Sache. Außerdem sieht er aus wie ein Gott oder zumindest wie ein Model, und ich bin bloß … na ja, eben ich.« Ich mampfte die letzten Erdnussflips und trank die Flasche Wasser aus. Genug gesagt.

»Mm-hmm.« Claire sah mich über ihren Keks hinweg an. Dann nahm sie meine Hand und betrachtete die Innenfläche. »Hab ich’s doch gewusst. Hier steht ganz deutlich: ›Ich bin in Garreth Adams verknallt‹. Genau hier in deinem verschwitzten Händchen.«

»Stimmt gar nicht!« Ich stand auf, warf die Flipstüte in den Mülleimer und wandte ihr den Rücken zu.

»Und ob! Schweiß lügt nicht!«, rief sie mir nach.

Zum Glück war die Mittagspause vorbei. Wie ein Magnet zog es mich unweigerlich in Garreths Richtung, wo immer er gerade war. Stand er am anderen Ende der Eingangshalle, trugen mich meine Füße dorthin, ob ich da nun was zu suchen hatte oder nicht. Egal, ich wollte ihm nah sein. Ich musste ihm nah sein – das klang irgendwie romantisch. Oder durchgeknallt. In Wirklichkeit war es völlig verrückt, so zu fühlen. Bis heute hatte ich Garreth noch nie gesehen, und dennoch wusste ich bereits … glaubte ich bereits …, dass er in meinem Leben eine wichtige Rolle spielen würde.

Zumindest hoffte ich das.

Garreth hatte nicht nur Mythologie mit mir, sondern tauchte auch noch bei drei anderen meiner Fächer auf.

In Chemie versuchte ich, so zu tun, als wäre er gar nicht im Raum. Ja, klar. Nichts leichter als das. Alle merkten sehr schnell, dass das Gehirn des Garreth Adams in der Lage war, Informationen zu verarbeiten, die kein anderer überhaupt nur kapierte. Der arme Junge wurde im Nu Mr Quinns Lieblingsschüler und gab widerwillig die ganze Stunde über die Antworten für uns alle. Ich schrieb sorgfältig alles mit und verdrängte die Gedanken an ihn mit jedem Kratzer meines Stifts, hielt das aber nicht lange durch. Schließlich drehte ich mich ein wenig auf dem Stuhl um und tat so, als wollte ich irgendwas am Schwarzen Brett hinten im Klassenzimmer lesen – und da warteten schon die blauen Augen auf mich. Ich drehte mich wieder nach vorn und ignorierte sein Lächeln, bekam aber weiche Knie, und alles in mir zerfloss allein durch seine Gegenwart. Im selben Moment rauschte Mr Quinn, der die Schutzbrillen austeilte, an meinem Labortisch vorbei. Die für mich bestimmte Brille traf mich mitten im Gesicht.

»Ups.«

»Dahinten ist wohl was besonders Interessantes? Augen nach vorne, Miss McNeel.«

Schräg gegenüber kicherte Brynn, ich hatte ihr jede Menge Munition geliefert. Einstweilen konnte ich nur hoffen, dass Garreth in den Leistungskurs Chemie wechseln würde, sonst bliebe mir nur spontane Selbstentzündung, was unwahrscheinlich war.

Es klingelte, wir stürmten zur Tür – und es kam, was kommen musste.

»Du steckst dir ja ganz schön hohe Ziele, wie? Der Neue hat hier freie Wahl, also mach dir bloß keine Hoffnungen, Freak«, zischte Brynn und rammte mir die Ecke ihres Chemiebuchs in den Arm.

Wie immer würdigte ich sie keiner Antwort.

Freistunde, Amerikanische Geschichte und Englische Literatur kamen und gingen, dann war der Tag endlich zu Ende. Claire ließ sich von Ryan nach Hause fahren. Es schien ihr nichts auszumachen, ihr Auto auf dem Schulhof stehen zu lassen. Was schlimmer war, es schien ihr nichts auszumachen, mich auf dem Schulhof stehen zu lassen. Angesichts der Heimfahrt mit dem großen gelben Bus des Grauens nahm mein perfekter Tag ein jähes Ende. Ich machte mich auf den Weg zu den giftigen Abgasen des gelben Konvois. Mir war jämmerlich zumute.

Ich zog den Ärmel meines lila Shirts hoch. Dort zeigten sich schon die Anfänge eines dicken blauen Flecks, dank Brynns Bedürfnis, anderen bei jeder sich bietenden Gelegenheit wehzutun. Ich presste die Lippen zusammen und zog den Ärmel runter.

Mein Blick folgte dem Strom der Schüler zu den Bussen und Autos. Der Nachmittag war tatsächlich noch schön geworden, und die Sonne schien in all ihrer Herrlichkeit. Jedenfalls bis ich Brynn und ihre Freunde in der Nähe entdeckte. Wie immer lächelte Miss Perfect strahlend. Weshalb sollte sie auch unglücklich sein? Sie hatte die Macht, das Leben anderer zu ruinieren. Aber ihres? Ihres war ein Zuckerschlecken. Sie schien zu flirten, und ich verdrehte die Augen. Natürlich fanden alle Jungs sie unwiderstehlich. Sie stand weit nach vorne gebeugt, fiel praktisch durch das offene Fenster in einen grauen Jeep und zeigte dabei jede Menge Dekolleté. Und dann, als Sage Fisher und Emily Lawrence einen Schritt zur Seite traten, wurde mir klar, wer das Dekolleté zu sehen bekam. Garreth.

»Teagan

Ich konnte meine Augen nicht von den beiden losreißen. Ich starrte sie einfach an.

»Teagan

»Himmel, was denn?«

In dem Moment, als ich mich umdrehte, flog ein schwarzer Schatten auf mich zu, fast wie Abgase, aber der Schatten war dichter, und ich bekam keine Luft mehr. Eine unsichtbare Hand drückte mir die Kehle zu, meine Augen begannen zu tränen. Die Welt verschwamm vor meinen Augen. Das Donnern mächtiger Flügel rauschte in meinen Ohren, als schwebe ein riesiger Vogel direkt über mir, aber das Geräusch kam von überall, ließ den Asphalt vibrieren, ließ mich vibrieren. Und dann verlor ich den Halt, als meine Knöchel, von unsichtbaren Händen umklammert, vom Bordstein gezogen wurden.

Etwas, das sich warm und sicher anfühlte, ergriff meinen Arm, hob mich hoch, stellte mich wieder auf die Füße. Nach Luft ringend, konnte ich gerade noch erkennen, wer mich davor bewahrt hatte, mitten auf die Busspur zu fallen. Blaue Augen, Zentimeter von meinen entfernt, sahen mich an.

Garreth.

Er stützte mich, ich merkte, dass ich jetzt auf dem Gehweg stand, gut zwei Meter vom Bordstein entfernt. Langsam fuhren die Busse in der üblichen Reihenfolge vor, 12 A, 4B und so weiter. Um mich herum herrschte unverändert Gewusel, als hätte keiner mein Missgeschick mitbekommen. Niemand nahm irgendwie Anteil, außer Garreth, der seine Hand immer noch nicht von meinem Arm genommen hatte.

»Ähm, danke dir«, brachte ich mit leicht zittriger Stimme hervor.

War das wirklich gerade passiert?

Ich spürte immer noch den Klammergriff um meine Knöchel, aber als ich nachsah, war da natürlich nichts. Ich war verwirrt, regelrecht desorientiert, und wollte nicht wahrhaben, dass ich eben in Todesgefahr gewesen war.

»Hast du gesehen …?«, fing ich an, aber die Worte blieben mir im Hals stecken.

Er sah mich durchdringend an. Sein Gesichtsausdruck verriet nichts außer Besorgnis. »Hab ich was gesehen?«

Plötzlich konnte ich mich nicht mehr erinnern. Dann bekam ich mit, dass Garreth mir eine Frage gestellt hatte.

»Äh, nichts«, antwortete ich.

»Ich hatte gehofft, dich mittags zu sehen, aber ich musste im Sekretariat tonnenweise Formulare ausfüllen.«

Ich gaffte ihn an und sagte nichts. Sprachlos. Schon wieder.

»Wie wär’s mit morgen?«, fragte er.

»Morgen?«

»Mittagessen?«

»Hast du nicht gerade mit Brynn geredet?« Ich warf einen Blick auf den Parkplatz, wo die beiden vor ein paar Minuten noch gestanden hatten, aber sie war nirgendwo zu sehen.

Garreth sagte nach einer kleinen Pause: »Ganz kurz.«

Meine Enttäuschung war wohl klar zu erkennen, weil er sich noch näher zu mir beugte. »Ich finde, sie ist eine ziemliche Zicke, was meinst du?«

Mir fiel gerade auf, dass ich immer dann Konzentrationsprobleme bekam, wenn ich ihm in die Augen sah.

»Magst du Zicken?«, fragte ich zögernd.

Er lächelte. »Kein Stück. Darf ich dich nach Hause fahren?«

Ich erspähte Claire neben Ryans Auto auf dem Parkplatz. »Ähm, danke, aber ich muss heute mal den Bus nehmen.«

Nachdem ich fast vor einen gefallen war, würde die Fahrt darin einige Überwindung kosten. Zu gern hätte ich sein Angebot angenommen, aber das ging auf gar keinen Fall. »Meine Mutter wartet an der Bushaltestelle auf mich.«

In Wahrheit würde meine Mutter an die Decke gehen, wenn ich zu einem Jungen ins Auto stiege, den ich eben erst kennengelernt hatte. Sicher, er war nett. Und sexy. Aber Regeln waren Regeln, und um ehrlich zu sein, kannte ich ihn kaum. Überhaupt versuchte ich noch immer zu begreifen, was da gerade passiert war.

»Sehen wir uns morgen?«, fragte ich.

»Klar. Bis morgen, Teagan.« Er zwinkerte, bevor er sich zum Gehen wandte. »Und halt dich von Bordsteinkanten fern.«

Ich verlor einen Moment lang die Fassung. Er hatte mich also wirklich weggezogen. Ich hatte schon gedacht, ich hätte mir alles nur eingebildet. Ich sah ihm nach, als er zu seinem Auto ging, stieg dann widerwillig in den Bus und setzte mich hinten auf einen Fensterplatz, von dem aus ich gut beobachten konnte, wie er das Radio anstellte. Mir ging auf, dass ich kurz davor war, mich zum allerersten Mal in meinem Leben unsterblich zu verlieben.

Ich fummelte an meinem iPod herum und steckte mir die Kopfhörer in die Ohren. Busse waren ekelhaft, sie hatten immer so einen säuerlichen Plastikgeruch, der mir den Magen umdrehte. Ich musste mich echt zusammenreißen, um mich nicht zu übergeben. Reisekrankheit ist ja verbreitet, oder? Ich bin sicher, dass die Busfahrer mit voller Absicht so rasant fahren, um schadenfroh mit anzusehen, wie ihrer kostbaren Fracht speiübel wird.

Brynns auf Hochglanz polierter BMW ging in Position, um sich knapp vor den Bus zu schieben. Durch das Fenster grinste sie mich höhnisch an. Dann schob sie sich den manikürten Mittelfinger in den offenen Mund und tat so, als müsse sie kotzen. Sie und die anderen Mädchen lachten sich darüber halb tot.

Als ich das Gekicher um mich herum vernahm, rutschte ich tiefer in den Sitz, machte die Augen zu, wollte nichts mitbekommen, wollte woanders sein … jemand anders sein. Das Blut rauschte in meinen Ohren. Ich durchlebte noch mal die beiden Momente, den einen, kurz bevor mich Garreth heute gerettet hatte, und das Donnern der schwarzen Flügel gestern Nacht. Die Szenen verschwammen in meinem Kopf ineinander zu einem Bild. Das Donnern der Flügelschläge in meinem Kopf wurde übermächtig. Mir wurde schlecht. Ich brauchte frische Luft.

Ich spürte, dass sich der Bus in Bewegung gesetzt hatte, und hörte das Hupen, das Brynn erlaubte, sich davorzuschieben. Ich saß weit genug hinten, um nicht mehr von ihr gesehen zu werden. Endlich in Sicherheit. Ich zog mich hoch, schob mit den Daumen die Hebel beiseite und machte das Fenster auf. Der Luftzug trocknete den kalten Schweiß auf meiner Stirn. Um mich abzulenken, dachte ich an Garreth und fühlte die Übelkeit schwinden.

Warum hatte keiner mitbekommen, dass ich gefallen war? Was war das für ein schrecklicher schwarzer Rauch gewesen? Mein Bauchgefühl sagte mir, dass der nicht von den Bussen gekommen war. Und wie hatte Garreth es geschafft, mir gerade noch rechtzeitig zu Hilfe zu kommen? Auf jeden Fall hatte ich Garreth viel zu verdanken. Vielleicht sogar mein Leben.

Ich spürte einfach eine innere Verbindung. Eine Anziehungskraft, die mich mit der Wucht eines Vorschlaghammers getroffen hatte. Vielleicht hatte ich aber auch nur eine blühende Fantasie und Claires Diagnose, dass ich einen Freund bräuchte, zu viel Glauben geschenkt. Bei dem Gedanken an diesen total bizarren Tag lief mir ein Schauer über den Rücken. Garreth war bisher das einzig Gute gewesen. Tief in meinem Inneren wusste ich, dass dies mehr als nur ein verrückter Traum war. Etwas verfolgte mich – und es wäre ein echter Abtörner, wenn ich das jemandem erzählen würde. Vielleicht war ein Freund doch nicht die Lösung. Ich brauchte Schutz.

In Wahrheit brauchte ich ein Leben.

Ich lachte mich gerade innerlich selbst aus, als ich mitbekam, dass der Bus bereits vor einer Weile angehalten hatte und mich ein halbes Dutzend Augenpaare anstarrte. Der Bus stand an meiner Haltestelle, und der Fahrer warf mir über den Rückspiegel einen entnervten Blick zu.

Ich schnappte mir iPod und Rucksack und hastete den Gang entlang nach vorne. Die Blicke und das Geflüster der anderen Schüler versuchte ich zu ignorieren. Ich murmelte dem Fahrer ein »Tschuldigung« zu und sprang die Stufen zum Bordstein runter, zum Glück, ohne mich in meiner Hast gleich umzubringen. Ich musste mit Claire die Frage regelmäßiger Mitnahme im Auto ab sofort besprechen, weil es spätestens ab jetzt völlig indiskutabel war, jemals wieder den Bus zu benutzen.

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