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Endlich frei von Angst

Vorwort

Sie leiden unter Angst und wissen nicht, wie Sie sie loswerden sollen? Mit Willenskraft allein geht es nicht. Das haben Sie sicherlich schon gemerkt.

Die gute Nachricht: Ihre Angst ist kein Schicksal, mit dem Sie sich abfinden müssen. Sie sind auch nicht »verrückt«. Sie können – und wir sind überzeugt: Sie werden! – Ihre Angst besiegen.

Dieses Buch wird Sie bei der Hand nehmen und Ihnen den Weg aus der Angst weisen. Atmen Sie noch einmal tief durch und folgen Sie uns. Denn am Ende des Weges liegt Ihr Leben – frei von Angst und mit allen Möglichkeiten, die in Ihnen sind.

Ines von Witzleben

Aljoscha A. Schwarz

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Angst ist ein menschliches Urgefühl, das dazu dient, das Überleben zu sichern. Doch wenn die Angst die Kontrolle über Ihr Leben übernimmt und Sie einschränkt, wird sie zur Krankheit. In diesem Kapitel erfahren Sie, welchen Sinn Angst haben kann, dass Sie sich Ihrer Angst weder schämen noch sie verstecken müssen – und warum Sie sich auf keinen Fall mit ihr abfinden sollten.

Jeder

Mensch

hat Angst

Angst gehört zu den grundlegenden Gefühlen, wie Liebe, Wut oder Traurigkeit. Und wie alle Gefühle, so hat auch die Angst einen biologischen Sinn. Sie taucht meist dann auf, wenn wir uns in Situationen befinden, die neu und ungewohnt sind – und die wir als gefährlich oder unkontrollierbar einschätzen.

»Angst kann man in sich immer finden.
Man muss nur tief genug suchen.«

[ André Malraux | französischer Minister und Romancier ]

Einige wenige Dinge lösen immer Angst aus. So zum Beispiel das Gefühl des Fallens und plötzliche laute Geräusche oder Objekte, die mit großer Geschwindigkeit auf uns zukommen. Als die Brüder Lumière 1895 einen der ersten Kurzfilme vorführten, bei dem ein Zug genau auf die Kamera zufuhr, gerieten viele der Zuschauer in Panik – obwohl sie genau wussten, dass sie eigentlich nur bewegte Bilder sahen. Wir sind heute aus dem Kino viel extremere und realistischere Szenen gewohnt und genießen sogar das Kribbeln im Bauch, das sie verursachen. Wir haben gelernt, mit dieser Angst umzugehen. Und das können wir bei allen Ängsten lernen.

Vielleicht ist ein Teil Ihrer Angst die Befürchtung, nicht normal zu sein. Manche Menschen, die unter Ängsten leiden, verstecken sich oder zumindest ihre Angst, sprechen mit niemandem darüber und schämen sich dafür. Mitunter glauben sie sogar, dass sie ganz allein dastehen. Tatsächlich sind Ängste aber das häufigste psychische Problem.

1998 wurde vom deutschen Gesundheitsministerium eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Das erstaunliche Ergebnis: 14,2 Prozent aller Deutschen (jeder Siebte!) zwischen 18 und 65 Jahren leiden unter Ängsten. Und zwar nicht unter kleinen Alltagsängsten, sondern unter stärkeren, klinisch relevanten Ängsten. Sie haben also mehr Leidensgenossen, als Sie bisher dachten. Das nimmt Ihnen hoffentlich die Sorge, dass Sie allein sind.

Alles kann Angst machen

Die Angst vor Höhe kennt jeder. Auch vor dem Tod fürchten sich die meisten Menschen. Und auch die Angst vor dem Altwerden nimmt aufgrund des heutigen Jugendwahns immer mehr zu.

Doch was ist mit der Angst vor Mäusen, vor Spinnen, vor Krankheitskeimen, vor öffentlichen Plätzen, vor Menschen, vor dem Fliegen, vor der Fahrt mit der U-Bahn oder dem Auto, vor Staub oder Sonnenlicht? Sie ist nicht so leicht nachvollziehbar und doch genauso real und belastend.

Angst ist nicht »verrückt«

Menschen, die Angst haben, glauben oft selbst nicht wirklich, dass diese »vernünftig« ist. Manchmal wissen sie sogar, dass sie sich »grundlos« fürchten. Das hilft ihnen aber auch nicht weiter. Ganz im Gegenteil: Wenn ihnen klar ist, dass ihre Angst »unlogisch« ist, und ihre Mitmenschen ihnen das auch immer wieder bestätigen, belastet sie das noch mehr.

FALLgeschichte

Karin H. (22) –
Studentin

Karin hat Angst vor Spinnen. Vor allem vor den Weberknechten, denen mit den langen Beinen. »Ich weiß genau, dass die nicht gefährlich sind. Nur um ganz sicherzugehen, habe ich sogar im Lexikon nachgesehen. Meine Eltern und meine Freunde können das überhaupt nicht verstehen und sagen, dass ich spinne. Aber trotzdem gerate ich jedes Mal total in Panik, wenn ich eines von den Viechern nur sehe. Ich weiß mir langsam nicht mehr zu helfen. Bin ich verrückt?«

Karin ist natürlich nicht verrückt. Wenn wir genau hinsehen, können wir feststellen, dass jeder Mensch auch »unvernünftige« Ängste hat. Jeder Mensch fürchtet sich, wenn er an einem 100 Meter tiefen Abgrund steht – selbst dann, wenn er mit Seilen gesichert ist, die sogar einen Elefanten tragen könnten. Und das ist letztlich kein bisschen weniger irrational als Karins Angst vor völlig harmlosen (und sogar nützlichen) Spinnen.

Angst kann sinnvoll sein

Auch wenn Sie Ihre Angst unbedingt loswerden wollen: Angst an sich ist ganz und gar kein nutzloses Gefühl. Die Angstreaktion hat sich im Laufe der Evolution entwickelt, um Gefahren besser begegnen zu können. Stellen Sie sich einen Höhlenmenschen vor, der einem Säbelzahntiger gegenübersteht. Was ist in dieser Gefahrensituation für ihn überlebenswichtig? Er muss entscheiden ob er weglaufen, kämpfen oder ganz ruhig bleiben soll.

Nun ist aber unser Höhlenmensch nicht besonders schlau und hat vor allem auch gar keine Zeit, lange zu überlegen. Er muss blitzschnell reagieren. Außerdem wäre es in dieser Lage gut, wenn er mehr Energie und Kraft hätte.

Bei all dem hilft ihm die Angstreaktion: Sein Herz schlägt schneller, sein Blutdruck steigt, seine Atmung beschleunigt sich, seine Muskeln werden stärker durchblutet und seine Muskelspannung erhöht sich – ohne dass er darüber nachdenken muss. Er ist bereit für Kampf oder Flucht. Möglicherweise lähmt ihn die Angstreaktion auch: Selbst das ist sinnvoll, wenn Flucht oder Kampf aussichtslos sind. Dann hat er immer noch die Chance, von dem Raubtier übersehen zu werden oder es zu täuschen.

Wir müssen aber nicht in die ferne Vergangenheit reisen, um festzustellen, dass Angst wichtig für uns ist. Immer dann, wenn wir uns in Situationen befinden, die Gefahren bergen, können uns unsere natürlichen Alarmreaktionen helfen. Stellen Sie sich vor, Sie gehen im Winter auf einem zugefrorenen See spazieren. Das Eis knackt. In Ihrem Körper läuft sofort die Angstreaktion ab: Sie werden automatisch vorsichtiger und können schneller reagieren. Auch beim Autofahren ist es überaus sinnvoll, wenn wir in Gefahrensituationen schnell und konzentriert handeln können. Angst macht wacher und zielsicherer.

Ein kleines bisschen Angst ist immer auch dann hilfreich, wenn es darum geht, Leistung zu zeigen – in der Schule, im Beruf oder im Sport. Sie hilft, sich besser motivieren und konzentrieren zu können, körperlich kurzfristig mehr zu leisten, wachsamer und zielgerichteter zu handeln.

Ihre Angst dagegen behindert Sie in Ihrem täglichen Leben. Sie wünschen sich, keine Angst mehr zu haben. Und doch kennen auch Sie bestimmt Situationen, in denen ein gewisses Maß an Angst den Genuss steigert. Zum Beispiel bei Sportarten, die mit Nervenkitzel und ein wenig Gefahr verbunden sind, bei einer Fahrt in der Achterbahn oder beim Schauen eines spannenden Gruselfilms.

Angst

ist natürlich

aber…

So natürlich Angst auch ist: Eine Angst, die Sie quält und einen Schatten auf Ihr Leben wirft, ist selbstverständlich nicht mehr in Ordnung. Sie hilft Ihnen gerade nicht, besser und erfolgreicher zu sein, gezielt und konzentriert zu handeln. Ganz im Gegenteil: Sie belastet Sie, ist lästig, unangenehm und hält Sie davon ab, Ihr Leben so zu genießen, wie Sie es gerne möchten.

FALLgeschichte

Anna M.(34) –
Journalistin

»Meinen ersten Angstanfall hatte ich in der U-Bahn. Im Zug war es stickig und ziemlich überfüllt. Plötzlich wurde mir heiß und kalt auf einmal. Ich fing an zu schwitzen und ich spürte mein Herz rasen. Ich dachte: ›Oh Gott, was ist das?‹ Ich merkte, dass ich schneller atmete. Mir wurde schwindelig. Ich dachte, dass ich gleich umfallen und sterben würde. Als die Türen endlich aufgingen, sprang ich auf und stürzte voller Panik aus der Tür. ›Gerade noch einmal davon gekommen!‹, dachte ich. Seither fängt mein Herz an zu klopfen, wenn ich nur daran denke, in die U-Bahn steigen zu müssen.«

Trotzdem ist es wichtig zu wissen: Auch Ihrer Angst liegt eine ganz natürliche Reaktion zugrunde – nur eben übersteigert und Ihrem Leben nicht angemessen. Sie leiden darunter, dass Sie Angst in Situationen haben, in denen sie eher ein Nachteil ist. Wie ist es dazu gekommen?

Die drei Ebenen der Angst

Vielleicht erkennen Sie im Beispiel von Anna M. Teile Ihrer eigenen Angst wieder. Das ist kein Wunder, denn Angst hat immer drei Ebenen. Sie spielt sich im Körper, im Kopf und im Verhalten ab.

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Die drei Ebenen der Angst – Körper, Kognitionen und Verhalten.

Was bei Menschen mit Angststörungen passiert

Die drei Ebenen Körper, Kognitionen und Verhalten gibt es natürlich nicht nur bei Angst, sondern bei allem, was wir tun. Aber irgendetwas läuft bei Ihnen ja anders ab als bei Menschen, die dort wo Sie Angst haben, völlig unbeschwert sind. Auch das geschieht wiederum auf den drei Ebenen.

Die körperliche Ebene: Bei Angst läuft in Ihrem Körper eine Alarmreaktion ab. Die körperlichen Empfindungen sind jedoch völlig ungefährlich. Es treten ja auch bei Gefühlen wie Wut, Trauer, Freude oder sexueller Erregung körperliche Veränderungen auf. Doch nur den Menschen, die unter einer Angststörung leiden, erscheinen diese Veränderungen negativ und bedrohlich.

Überlegen Sie: Was geschieht bei Ihnen auf körperlicher Ebene, wenn Sie Angst haben?

Die kognitive Ebene: Die so genannten »Kognitionen« sind Ihre Gedanken, Einstellungen, Vorstellungen und Bewertungen. Menschen mit Angststörungen richten ihre Aufmerksamkeit besonders stark auf mögliche beziehungsweise vorgestellte Gefahren. Durch »Übung« entsteht allmählich ein eingefahrenes »Angstdenken«, das dann automatisch abläuft. Schon der erste Gedanke an die vorgestellte Situation löst dann sofort die Angstreaktion aus.

Überlegen Sie: Welche Gedanken und Vorstellungen tauchen bei Ihnen in der Regel auf, bevor und während Sie Angst haben?

Die Verhaltensebene: Angst führt dazu, dass Sie sich anders verhalten. Sie versuchen zu fliehen oder zu kämpfen. Wenn sie sehr stark ist, werden Sie vielleicht wie gelähmt sein und das Gefühl haben, nicht mehr handeln zu können. Auch das ist ein Einfluss der Angst auf Ihr gewöhnliches Verhalten.

Überlegen Sie: Wie reagieren Sie gewöhnlich, wenn Sie Angst haben?

Angst

hat viele

Ursachen

Wahrscheinlich haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, woher Ihre Angst kommt. Hier wollen wir nur einmal festhalten, dass es nicht so einfach ist, wie manche Menschen es sich vorstellen. Angst ist nicht nur angeboren, nicht nur Erziehung, nicht nur die Umstände, nicht nur die Gesellschaft, nicht nur im Kopf. Angst setzt sich wie ein Mosaik aus verschiedenen Bausteinen zusammen, die Sie im nächsten Kapitel genauer kennen lernen werden (siehe [→]).

Die Folgen von Ängsten

Manche Menschen empfinden ihre Angst »nur« als lästig, aber viele werden von ihr in ihrem täglichen Leben eingeschränkt. Und einige sind sogar so stark betroffen, dass sie ihr gesamtes Leben umstellen, um der Angst auslösenden Situation irgendwie aus dem Weg zu gehen. Ganz gleich jedoch, wie stark Ihre Angst ausgeprägt ist, gibt es viele Gründe, warum Sie etwas dagegen unternehmen sollten:

Angst verringert die Lebensfreude. Das ist wohl das Offensichtlichste. Wenn Sie nicht mehr in bestimmte Situationen gehen können oder alltägliche Dinge vermeiden müssen, leiden mit der Zeit auch Ihre sozialen Kontakte – einer der wichtigsten Faktoren für Lebensfreude. Und fast ein Drittel aller Menschen mit schweren Ängsten entwickelt im Laufe der Zeit sogar eine Depression!

Angst schadet der Gesundheit. Die meisten Dinge, vor denen sich Menschen mit einer Angststörung fürchten, sind ungefährlich: Das Herzklopfen kündigt keinen Herzinfarkt an; die Atemnot führt nicht zu Ersticken, und auch wenn einem schwindelig wird, fällt man nicht einfach tot um. Doch die Angst wirkt auf Dauer als Stress negativ auf den Organismus und es entwickeln sich psychosomatische Krankheiten. Manchmal können Ängste auch durch das Angstverhalten gefährlich werden, beispielsweise wenn jemand mit einer Spinnenphobie beim Autofahren eine Spinne im Wagen entdeckt.

Auf einen Blick

Ängste: Vorurteile und Tatsachen

Vorurteil

Tatsache

Die Ursachen für Ängste liegen immer in der frühen Kindheit.

Ängste können in jeder Phase des Lebens entstehen.

Mit genug Willenskraft kann man jede Angst besiegen.

Willenskraft allein reicht nicht. »Augen zu und durch« ist eine Vermeidungsstrategie!

Irrationale Angst ist ein Zeichen für Geisteskrankheit.

Angst ist ein normales Gefühl. Jeder Mensch kann eine Angststörung entwickeln.

Wenn man weiß, warum man Angst hat, verschwindet sie.

Kaum ein Gefühl verändert sich dadurch, dass man weiß, woher es kommt – auch Angst nicht.

Menschen mit Ängsten sind im Allgemeinen psychisch labil.

Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Menschen mit Ängsten sich in anderen Bereichen von Menschen ohne Angststörungen unterscheiden.

Eine Angststörung vergeht mit der Zeit von selbst.

Angststörungen verfestigen sich mit der Zeit und neigen dazu sich auszuweiten.

Um eine Angststörung zu überwinden, bedarf es jahrelanger Psychoanalyse.

Angst kann mit einer Verhaltenstherapie besonders effektiv und schnell behandelt werden.

Angst ist nur ein Symptom – auch wenn sie verschwindet, wird sich die tiefere Ursache an anderer Stelle, z.B. durch Krankheiten, wieder bemerkbar machen.

Es gibt Verhaltens-, Gefühls- und Denkweisen, die Ängste fördern. Diese sind die »tieferen« Ursachen – die ja gerade bei der Angsttherapie behandelt werden!

Angst kann zu Abhängigkeit und Sucht führen. Viele Menschen, die unter Angst leiden, versuchen diese mit Medikamenten und Alkohol oder anderen Drogen zu bewältigen. Natürlich können Chemikalien das Angstproblem nicht lösen. Die Gefahr, es zu versuchen, ist jedoch groß: 10 Prozent aller Menschen mit starken Ängsten werden zu Alkoholikern.

Angst kann die Arbeitsfähigkeit einschränken. Menschen, die krank sind, haben natürlich mehr Fehltage. Jeder Betroffene der fünf Angstkategorien (siehe Kapitel 3 [→]) fehlt pro Monat öfter als jemand mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, einer Magen-Darm-Erkrankung oder Diabetes!

Angst behindert das Wachstum. Damit ist natürlich nicht das körperliche Wachstum gemeint, sondern das seelische und geistige Wachstum, das den Menschen ausmacht. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, sich bis ins hohe Alter weiterzuentwickeln. Angst behindert diese Entwicklungsmöglichkeiten mehr als alles andere!

Es ist also in jeder Hinsicht wichtig für Sie, Ihre Angst zu überwinden. Dann kann sie sogar zu einer Entwicklungschance werden. Indem Sie lernen, Ihre Angst zu besiegen, lernen Sie sich selbst besser kennen als Menschen, die nie mit diesem Problem konfrontiert waren.

Treffen Sie eine Entscheidung!

Im Grunde gibt es nur zwei Dinge, die Sie tun können: Sie können alles so lassen, wie es ist, resignieren, sich von Ihrer Angst weiterhin leiten lassen und sich damit abfinden, zu leiden. Damit werden Sie Ihr Leben und Ihre Möglichkeiten einschränken. Oder Sie können sich Ihrer Angst stellen, sie kennen lernen, an ihr arbeiten und sie schließlich überwinden. Damit werden Sie Ihr Leben wirklich ausschöpfen und genießen.

Die Entscheidung, welche Wahl Sie treffen, kann Ihnen niemand abnehmen. Doch wenn Sie sich dafür entscheiden, es anzupacken, dann werden wir Sie dabei so gut es geht unterstützen.

Gebrauchsanleitung für dieses Buch

Dieses Buch ist kein Lesebuch und auch nicht in erster Linie ein Buch über die Angst. Es ist vor allem ein Wegweiser aus der Angst.

1.Lesen Sie zuerst die nächsten beiden Kapitel. Dort erfahren Sie, wie Angst entsteht, welche Ursachen sie hat und welche Angststörungen es gibt.

2.Wenn Sie möchten, können Sie anschließend einen Test machen, der Ihnen sagt, wie stark Ihre Angst ist und was deshalb besonders wichtig für Sie ist (siehe [→]).

3.In Kapitel 4 geht es stufenweise aus der Angst.
Schritt 1: Wie Sie sich wirklich motivieren können (siehe [→])
Schritt 2: Wie Sie Stress abbauen (siehe [→])
Schritt 3: Wie Sie Ihre Angst kennen lernen (siehe [→])
Schritt 4: Wie Sie Angstgedanken verändern (siehe [→])
Schritt 5: Wie Sie die Angstgefühle reduzieren (siehe [→])
Schritt 6: Wie Sie der Angst gegenübertreten (siehe [→])
Schritt 7: Wie Sie Ihren Erfolg dauerhaft machen (siehe [→])

4.Arbeiten Sie möglichst jeden Tag mindestens eine halbe Stunde mit dem Buch an Ihrer Angst.

5.In Kapitel 4 [→] finden Sie noch ein paar Anregungen, wie Sie Ihr neues Leben ohne die Angst mutvoll gestalten können.

6.Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie mit Selbsthilfe allein nicht weiterkommen, erfahren Sie in Kapitel 5 [→], welche Möglichkeiten der Hilfe es noch gibt.

Eines aber ist am wichtigsten: Das Buch soll Ihnen helfen, Ihr Leben freudvoller zu machen. Betrachten Sie es also nicht als lästige Pflicht, mit Ihrer Angst zu arbeiten. Machen Sie sich so wenig Stress wie möglich und versuchen Sie nicht, perfekt zu sein. Sie sind es schon. Auch wenn Sie im Moment noch von Angst geplagt werden.

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Angst ist für Sie zunächst einmal ein Gefühl. Sicher haben Sie aber auch schon bei sich selbst gemerkt, dass sich dieses Gefühl körperlich bemerkbar macht. Körper, Gedanken und Gefühle hängen enger zusammen, als Sie vielleicht vermuteten. In diesem Kapitel erläutern wir Ihnen diese Zusammenhänge und zeigen, wie Ängste entstehen können.

Woher

kommt

Angst?

Die einfachste Erklärung wäre, dass es einfach zwei Arten von Menschen gibt: ängstliche und mutige. Sicherlich können Sie erkennen, dass das zumindest nicht die ganze Wahrheit sein kann, denn dann wären Sie ja immer schon, in jeder Situation und ständig voller Angst gewesen. Und so war es ja nicht: Sie haben so vieles geschafft, was Sie nie hätten erreichen können, wären Sie immer nur ängstlich gewesen. Doch selbst in der einfachsten Erklärung steckt ein Körnchen Wahrheit.

Von Geburt an ängstlich?

Angst ist niemals ganz und gar angeboren. Was wir jedoch schon bei unserer Geburt mitbekommen haben, sind so genannte »Schreckreaktionen«. Jeder Mensch zuckt zusammen, wenn es unerwartet laut knallt oder blitzt; jeder Mensch zeigt bei Schmerz, Hilflosigkeit oder beim Fallen eine unwillkürliche Reaktion. Insoweit ist Angst angeboren.

Doch es gibt noch mehr: Unser Körper reagiert auf tatsächliche oder vorgestellte Bedrohungen, indem er Hormone ausschüttet – und das geschieht bei jedem Menschen unterschiedlich stark. Ebenso unterscheiden sich Menschen von Geburt an in ihrer Lern- und Merkfähigkeit. All das zusammengenommen bedeutet: Es gibt angeborene Unterschiede in der Angstsensibilität, also in der Bereitschaft, mit Angst zu reagieren. Menschen, die eine höhere Angstsensibilität haben, nehmen körperliche Empfindungen besser und negativer wahr. Sie reagieren schneller auf solche Empfindungen und lernen schneller, die Bedrohung mit anderen Dingen in Zusammenhang zu bringen. Sie entwickeln auch schneller automatisierte Verhaltensweisen und erinnern sich auffallend gut an negative Ereignisse. Doch diese angeborene Neigung, mit Angst zu reagieren, bestimmt noch nicht, ob eine Angststörung entsteht oder nicht – so wie nicht jedes Kind, das musikalisch ist, Orchestermusiker wird.

Wenn der Körper die Angst macht

Oft haben Angstpatienten Angst vor Krankheiten – Sie fürchten sich beispielsweise vor einem Herzinfarkt. Doch manchmal kann eine Krankheit auch der Auslöser für Angst sein:

Diabetes: Wenn der Blutzuckerspiegel unter eine kritische Grenze sinkt, treten Schwächeanfälle und Angst auf.

Lebererkrankungen: Die Aufgabe der Leber ist vor allem die Entgiftung des Körpers. Ist diese Funktion eingeschränkt, kann es zu Bewusstseinstörungen kommen.

Virusinfektionen: Die berüchtigtste in diesem Zusammenhang ist wohl Tollwut.

Schilddrüsenüberfunktion: Bei einer Überfunktion der Schilddrüse werden bestimmte Hormone im Übermaß ausgeschüttet, was zu einem erhöhten Erregungszustand führt.

Asthma: Wenn ein Asthmaanfall zu Atemnot führt, löst das immer auch Angst aus.

Störungen im Kalziumhaushalt: Bei einem Mangel kann es zu erhöhter Erregbarkeit der Nerven und Muskelkrämpfen kommen.

Drogen: Einige illegale, aber auch legale Drogen verändern das Empfinden. So treten bei Kokain- oder Amphetaminmissbrauch, aber auch bei übermäßigem Alkohol- und Nikotingenuss manchmal Ängste auf.

Die meisten Ängste entstehen allerdings nicht auf diese Art. Um sicherzugehen, wird ein Therapeut seinen Klienten am Anfang der Therapie auch an einen Arzt überweisen, der abklärt, ob möglicherweise der Angst eine körperliche Erkrankung zugrunde liegt.

Deshalb möchten auch wir Ihnen empfehlen, mit einem Arzt über Ihre Angst zu sprechen – einfach damit Sie die Sicherheit haben, dass Sie körperlich gesund sind und mit voller Energie an den Dingen arbeiten können, die Sie belasten.

Erziehung zur Angst

Mit Sicherheit besteht ein Zusammenhang zwischen Erziehung und der Entwicklung von Angststörungen. Besonders deutlich ist dies bei der Panikstörung zu erkennen. Aber auch wenn die Erziehung den Menschen formt, so bestimmt sie ihn doch nie vollkommen. Vielleicht könnte man die Erziehung mit dem ersten Entwurf eines Romans vergleichen: Die Rahmenhandlung ist im Großen und Ganzen festgelegt; doch die Feinheiten können jederzeit verändert werden – und wenn nötig, kann der Roman sogar in großen Teilen umgeschrieben werden. Dafür bedarf es zwar einiger Mühe, und dem Autor wird es nicht immer leicht fallen, seine bisherige Arbeit zu verwerfen, doch das Entscheidende ist: Es ist möglich. Und das trifft auch auf die Erziehung zu. Sie sind durch Ihre Erziehung geprägt, aber nicht für immer festgelegt!

Erziehungsstile – von Kampf bis Gelassenheit

Kinder entwickeln sich rasant. Sie lernen zu gehen, zu sprechen, zu schreiben. Und auch ihre grundlegenden Reaktionen bei Angst lernen sie schon früh. Die Art und Weise übernimmt das Kind dabei in der Regel von seinen Eltern:

- Flucht: Bei Problemen neigen die Eltern dazu, auszuweichen. Das Kind lernt nicht, seine Bedürfnisse zu äußern und sich gegen Ansprüche zu wehren. Ein Erziehungsstil, der von Drohungen geprägt ist, fördert die Fluchtreaktion.

- Kampf: Die Eltern leben (Konkurrenz-)Kampf vor. Das Kind lernt nicht, Kompromisse einzugehen und sich den Umständen anzupassen. Ein Erziehungsstil, der von dem Prinzip »Nur wer etwas leistet, wird geliebt« geprägt ist, fördert die Kampfreaktion.

- Erstarrung: Die Eltern sind überbehütend und übertragen dem Kind keinerlei Verantwortung. Das Kind lernt nicht, dass es durch sein Verhalten Situationen beeinflussen kann, und erfährt seine prinzipielle Hilflosigkeit. Der Erziehungsstil ist meist streng autoritär.

- Täuschung: Die Eltern sind kritisch, auf das Äußere bedacht und launisch. Das Kind lernt nicht, dass es stabile Werte gibt, sondern dass nur das Ergebnis zählt. Der Erziehungsstil ist in der Regel von Unberechenbarkeit gekennzeichnet.

+ Gelassenheit: Die Eltern reagieren gelassen, wenn Unerwartetes geschieht oder wenn ihr Kind sich nicht wunschgemäß verhält.

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Viel Spaß!



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