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Emilio, Fausto und die maskierte Frau

Inhalt

  1. Cover
  2. Über das Buch
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Emilio, Fausto und die maskierte Frau

Über das Buch

Manchmal braucht die Liebe einen besten Freund, und wenn die Menschen nicht von allein zueinanderfinden, müssen ihnen eben ein paar pfiffige Hunde auf die Sprünge helfen …

EMILIO, FAUSTO UND DIE MASKIERTE FRAU
von Emily Roth

Venedig im 16. Jahrhundert: Cecilia Salvatori will noch einen einzigen vergnügten Abend verbringen, bevor sie ins Kloster gehen muss. Deshalb schleicht sie sich auf den berühmten Maskenball der Familie Fabris. Der Abend nimmt eine unerwartete Wendung, als sie in einem Innenhof die beiden Windhunde Emilio und Fausto trifft. Sie kann den liebenswerten Rüden nicht widerstehen und spielt mit ihnen. Kurz darauf taucht auch der Besitzer der Hunde auf. Und Vincenzo Fabrisist vom ersten Moment an fest entschlossen, der schönen Fremden einen Kuss zu rauben …

Im ersten Band unserer Reihe »Mit Herz und Hund« erleben Sie das Abenteuer der wahren Liebe, das sich nur mit Herz und Hund bestehen lässt…

Über die Autorin

Emily Roth wurde 1977 in Baden-Württemberg geboren. Dort lebt die Autorin auch heute noch mit ihrem Ehemann, mit dem sie gerne reist und sich in Städten wie Venedig zu neuen Geschichten wie EMILIO, FAUSTO UND DIE MASKIERTE FRAU inspirieren lässt. Schon seit ihrer Kindheit gehört ihr Herz den Hunden, und ihre zwölfjährige Terrier-Hündin begleitet sie auf Schritt und Tritt.

Cecilia öffnete mit klopfendem Herzen die Tür des Palazzos und spähte in die menschenleere Eingangshalle. Ihr Vater war nirgends zu sehen oder zu hören. Vermutlich hatte er sich wie immer um diese Zeit in sein Arbeitszimmer zurückgezogen, um die Bestellungen und Warenausgänge der familieneigenen Seidenweberei zu prüfen. Cecilia schloss leise das Eingangsportal, durchquerte auf Zehenspitzen die Halle mit den eindrucksvollen Marmorsäulen und schlich die weitläufige Treppe hinauf.

Ein verhaltenes Hüsteln vom unteren Ende der Treppe ließ sie innehalten. »Signorina Cecilia?«

Sie wandte sich langsam um. »Eduardo …« Cecilia biss sich schuldbewusst auf die Unterlippe, obgleich sie innerlich Gott dafür dankte, dass es sich lediglich um ihren Diener handelte. Eduardo arbeitete schon für die Familie Salvatori, als Cecilias Mutter noch lebte, und der gutmütige alte Mann mit dem schütteren Haar war für Cecilia fast so etwas wie ein zweiter Vater geworden.

»Ich nehme an, Ihr seid kurz an der frischen Luft gewesen, um Euch von Eurem Unwohlsein zu erholen«, fragte er betont beiläufig und zwinkerte ihr dabei zu. »Ich hoffe, Ihr fühlt euch nun besser?«

Eduardo kannte ihre Vorliebe, sich alleine aus dem Palazzo zu stehlen und durch die Gassen Venedigs zu streifen, nur allzu gut, und er hatte sie schon mehr als einmal vor dem Zorn ihres Vaters Leonardo geschützt. Leonardo Salvatori hatte seinen beiden Töchtern strengstens verboten, ohne Begleitung aus dem Haus zu gehen, da sich dies für Damen im heiratsfähigen Alter nicht geziemte. Während Cecilias ältere Schwester Constanza die Ereignislosigkeit des Palazzoalltags als wohltuend empfand, stand Cecilia jedoch oft sehnsüchtig am Fenster, blickte auf das dunkle Wasser des Canalezzo hinab und beobachtete die vorbeiziehenden Boote, Lastkähne und Gondeln, während sie sich nichts mehr wünschte, als dort draußen zu sein. Natürlich war auch Cecilia stets bemüht, eine folgsame Tochter zu sein und sich an die Regeln ihres Vaters zu halten, doch manchmal konnte sie den Verlockungen Venedigs einfach nicht widerstehen. Dann lockten sie die Rufe der Gondolieri, der Anblick eines Liebespaares oder auch nur eine nach Meersalz duftende Böe hinaus in die Gassen – dorthin, wo sich das Leben abspielte. Besonders liebte Cecilia es, am Hafen zu sein, wo die großen Handelsschiffe anlegten. Stundenlang konnte sie dabei zusehen, wie die Ladungen gelöscht wurden und die Träger exotische Stoffe, Hölzer und Gewürze an Land brachten, deren Aussehen und Geruch Cecilia etwas von der fernen Welt berichteten, die sie so gerne sehen würde. Trotz dieser Sehnsucht verehrte sie natürlich die Serenissima, die goldene Stadt. Cecilia liebte ihre Heimat, egal ob die Sonne schien oder die Stadt in den dichten Nebelschwaden verschwand, die sich im Winter ebenso um die edlen Palazzi der Nobili am Canal Grande rankten wie um die Armenhäuser in den weniger prunkvollen Sestiere Venedigs.

Das Räuspern des Dieners erinnerte Cecilia, dass sie noch immer nicht geantwortet hatte. »Danke, Eduardo, mein … mein Unwohlsein hat sich verflüchtigt, zum Glück.« Die Lüge brachte sie wie üblich nur stockend über ihre Lippen, und ein verständnisvolles Schmunzeln überzog Eduardos faltiges Gesicht.

»Das freut mich, Signorina. Ich werde es Eurem Vater berichten, er hat während Eurer Abwesenheit nach Euch verlangt.«

Cecilia sog scharf die Luft ein. Was er wohl von ihr gewollt hatte? Da ihr Vater sich ansonsten damit begnügte, seine Töchter beim gemeinsamen Abendessen nach ihrem Tag zu befragen, konnte dies nichts Gutes bedeuten. Aber wahrscheinlich konnte ihr Constanza Näheres verraten.

»Bis später, Eduardo!« Cecilia eilte die Treppen nach oben und lief in das Zimmer ihrer Schwester. Wie üblich saß Constanza mit steifem Rücken in ihrem Lehnstuhl, hielt ihren Rosenkranz in der Hand und war in ein Gebet versunken. Da Constanza heute ebenfalls ein dunkelrotes Kleid trug, sahen sie sich noch ähnlicher als sonst. Es war fast so, als würde Cecilia in einen Spiegel blicken: Constanza besaß dieselben blondgelockten Haare und dunkelbraunen Augen, die gleichen hohen Wangenknochen und den zierlichen Körperbau. Wieder einmal fragte sich Cecilia, wie sie sich äußerlich derart gleichen und doch ein so unterschiedliches Wesen besitzen konnten. Constanza war stets ruhig und in sich gekehrt, und ihre bedächtige Art zu sprechen ließ Cecilia des Öfteren ungeduldig werden.

Neben Constanza auf dem reichverzierten Holztischchen lag ein Buch, und ohne hinsehen zu müssen, wusste Cecilia, dass es sich dabei um die Schriften eines Heiligen handelte. Obwohl ihr Vater ein Traditionalist war, hatte er immerhin die erfreulich moderne Auffassung vertreten, dass auch eine Frau in der Lage sein sollte, lesen, schreiben und rechnen zu können, und so hatten die beiden Mädchen das Privileg genossen, darin unterrichtet zu werden. Während Constanza das angelernte Wissen ausschließlich für religiöse Zwecke nutzte, besuchte Cecilia oft die Bibliothek, um dort in wissenschaftlichen Aufzeichnungen zu lesen oder sich an Erzählungen aus fernen Ländern zu erfreuen.

Constanza beendete ihr Gebet, bekreuzigte sich und warf Cecilia, deren Wangen von der Hast des Heimwegs immer noch glühten, einen vorwurfsvollen Blick zu.

»Wo hast du denn so lange gesteckt, Cecilia? Warst du etwa schon wieder am Bacino di San Marco, am frühen Morgen? Ich kann wirklich nicht verstehen, warum es dich immer zum Haupthafen zieht.« Kopfschüttelnd sah sie auf den verschmutzten Saum von Cecilias Kleid. »Dabei weißt du so gut wie ich, dass wir nicht alleine das Haus verlassen dürfen.«

»Aber diese Regel ist blanker Unsinn«, verteidigte sich Cecilia inbrünstig. »Die Straßen in Venedig sind sicher, und Vater sollte mehr Vertrauen in seine strenge Erziehung haben. Ich bin schließlich kein kleines Kind mehr, das von einer Dummheit in die nächste stolpert.«

»Bist du dir da sicher?«, fragte Constanza. Bei jedem anderen hätte Cecilia dies für eine Neckerei gehalten, doch Constanza meinte immer alles ernst, was sie sagte.

»Vater verlangte, dich zu sprechen! Ich habe ihm gesagt, du bist unpässlich und hast dich zurückgezogen.«

»Weißt du, was er von mir wollte?«

Constanzas betrübte Miene und ihr langes Zögern verrieten Cecilia, dass ihre schlimmsten Befürchtungen wahr werden sollten.

Ihr Vater war ein ernster, wortkarger Mann, der gesellschaftlichen Anlässen und Bällen nichts abgewinnen konnte. Seit dem frühen Tod seiner Ehefrau hatte er sich noch mehr zurückgezogen, und wären da nicht die wenigen Augenblicke gewesen, in denen er seine Töchter versonnen und voller Liebe betrachtete, hätte Cecilia geglaubt, sie seien ihm völlig gleichgültig. Nur dieses Wissen machte es ihr möglich, ihm nicht zu grollen für das Schicksal, das er seinen Töchtern zugedacht hatte: Während Constanza in eine Familie der Nobili einheiraten und nach seinem Tod alle Besitztümer sowie die Seidenweberei erben sollte, wollte er seine zweitgeborene Tochter in einem Kloster unterbringen. Dass ausschließlich die erstgeborene Tochter heiraten und das Familienerbe antreten durfte, war in Venedig durchaus nicht ungewöhnlich, allein aufgrund der notwendigen Mitgift bei einer Hochzeit. Allerdings hatte Leonardo Salvatori für Cecilia nicht eines der eher salopp geführten Klöster Venedigs ins Auge gefasst, in denen sich viele wohlhabende Töchter aufhielten und inoffiziell sogar Männerbesuch geduldet wurde. Zu Cecilias Verdruss sollte sie in einer streng geführten Einrichtung unterkommen, in der man sich eisern an die Regeln hielt und Demut, Ehrbarkeit, Ordnung und natürlich der religiöse Glaube an oberster Stelle standen. Natürlich wollte Cecilias Vater sie damit nicht quälen, er hatte sich lediglich für das Kloster mit dem besten Ruf entschieden, in dem er seine Tochter für den Rest ihres Lebens gut aufgehoben wusste.

»Er hat Antwort von der Äbtissin erhalten«, erzählte Constanza bedrückt. »Offenbar kannst du früher in das Kloster eintreten als erwartet. Du wirst uns schon in drei Wochen verlassen müssen.«

»Oh nein …« Cecilia griff haltsuchend nach der Lehne von Constanzas Stuhl. »Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so bald sein würde.«

Sie wollte Luft holen, doch das Mieder schien ihren Brustkorb unerbittlich zuzuschnüren. Constanza stand auf, trat zu ihr und schloss sie tröstend in die Arme.

»Du wirst mir so sehr fehlen, Cecilia!«, sagte sie traurig. »Wenn ich könnte, würde ich mit dir tauschen. Genauso wenig wie du dich nach einem Leben im Kloster sehnst, möchte ich Bälle oder gesellschaftliche Festivitäten besuchen, um mich irgendwelchen reichen Jünglingen als Ehefrau darzubieten.«

»Wenn Mutter nur noch hier wäre«, flüsterte Cecilia leise. »Wenn die Cholera sie uns nicht geraubt hätte, wäre jetzt alles anders. Sie hätte bestimmt eine Lösung gefunden, mich vor dem Kloster zu bewahren.«

»Das kannst du nicht wissen«, wandte Constanza ein und strich Cecilia eine Locke aus dem Gesicht. »Vater folgt damit lediglich der Familientradition der Salvatoris: Schon seit Generationen werden die Zweitgeborenen ins Kloster geschickt, genau wie unser Onkel Matteo.«

Trotzdem wollte es Cecilia nicht gelingen, dies als ihr Schicksal zu akzeptieren. Aber was konnte sie gegen die Pläne ihres Vaters schon unternehmen?

Cecilia ließ sich auf einen Stuhl sinken, rieb sich über ihre pochenden Schläfen und versuchte, ihre Fassung zurückzugewinnen. Was hätte sie nur darum gegeben, die Erstgeborene zu sein … Und nun? Sollte sie sich gegen ihren Vater stellen und rebellieren? Aber damit wäre der Bruch mit ihrer Familie gewiss. Und was sollte sie dann tun? Selbst wenn sie einen Mann fand, der gewillt war, sie ohne eine Mitgift zu heiraten, würde sie höchstens ein schon in die Jahre gekommener, mittelloser Mann erwählen und mit den Seidenkleidern, Dienstboten und Damastlaken hätte es ein Ende. Cecilia wäre sogar bereit gewesen, all diese Annehmlichkeiten aufzugeben, doch für sie war ein aus Not gewählter Ehemann, den sie womöglich nicht einmal mochte, genauso wenig erstrebenswert wie ein Dasein im Kloster. Nein, sie sehnte sich nach einem anderen Leben. Cecilia wollte frei sein, so frei wie auf ihren seltenen Ausritten auf dem Gut ihres Cousins in Mestre. Wenn sie querfeldein im Galopp ritt und die Jagdhunde Penelope und Riccardo bellend und mit angelegten Ohren neben ihrem Pferd rannten, fühlte sie sich wirklich lebendig. In diesen Momenten konnte Cecilia alle Regeln und Pflichten vergessen und ihren Träumen freien Lauf lassen. Denn insgeheim sehnte sie sich nach einer ganz bestimmten Freiheit, auch wenn sie wusste, wie töricht dieser Wunsch war: Sie wollte frei sein, dem Mann zu begegnen, der ihr eigentlich vom Schicksal bestimmt war, der ihr Herz im Sturm eroberte und in ihr seine Gefährtin fürs Leben sah.

Constanza tippte ihr ungeduldig auf die Schulter. »Hast du mir zugehört, Cecilia? Ich habe dich gerade gefragt, ob du mich zur Messe begleitest! Sicherlich kannst du dich in der Kirche wieder etwas sammeln und findest innere Ruhe.«

Das glaubte Cecilia weniger: Sie würde sowieso schon bald mehr Zeit mit Gebeten verbringen, als ihr lieb war. Doch da sie mit dem Kirchgang dem Palazzo und somit einem Gespräch mit ihrem Vater entkommen konnte, stimmte sie schließlich zu. In ihrem gegenwärtigen Zustand wäre es fatal gewesen, wenn sie Leonardo Salvatori hätte gegenübertreten müssen.

Cecilia blinzelte mehrmals hintereinander, als sie aus der Dunkelheit der Basilica di San Marco in den hellen Sonnenschein trat. Neben ihr stieß Constanza einen glücklichen Seufzer aus. »Es war eine wunderschöne Messe, oder nicht?«

»Ja, sehr … feierlich«, antwortete Cecilia zerstreut. Sie war so in ihre trüben Gedanken versunken gewesen, dass sie von der Messe kaum etwas mitbekommen hatte. Wie üblich schlugen sie den Weg zum Anlegesteg ein, an dem ein Diener mit der Gondel auf sie wartete. Doch bereits nach wenigen Schritten blieb Cecilia stehen und fasste ihre Schwester am Arm.

»Müssen wir wirklich schon wieder nach Hause? Lass uns bitte noch etwas über den Markt schlendern …« Sie deutete auf die zahlreichen Stände, die über den Markusplatz verteilt waren. Von allen Seiten hörte man die Rufe der Händler, mit denen sie ihre Waren anpriesen und die Passanten dazu aufforderten, ihre Stoffe, Gewürze und Schmuckstücke zu begutachten oder von ihrem Naschwerk zu kosten.

»Ich wollte mich etwas ausruhen«, wandte Constanza ein. »Hast du vergessen, dass nachher Signor Mazzini kommt, um uns Tanzunterricht zu geben?«

Selbstverständlich diente der Unterricht allein dazu, Constanzas Auftritt auf den venezianischen Bällen zu perfektionieren. Cecilia nahm nur deswegen daran teil, damit ihre Schwester mit ihr üben konnte, während Signor Mazzini Constanzas Haltung und die Schritte kontrollierte.

»Du tust ja so, als seist du schon eine betagte Frau, Constanza. Du kannst dich auch noch später ausruhen!« Cecilia nahm die Hand ihrer Schwester und zog sie mit sich. »Sieh dich um, es ist ein herrlicher Sommertag! Alle schlendern heute durch die Gassen und genießen das Leben.«

Constanza ergab sich mit einem lautstarken Seufzen. »Warum kann ich dir nur nie etwas abschlagen …«

Die jungen Frauen gaben ihrem Diener ein Zeichen, auf sie zu warten, und flanierten über den weitläufigen Platz, besahen sich die Waren an den Marktständen, und Constanza ließ sich sogar von einem Händler überreden, gemeinsam mit Cecilia an einem Umbra zu nippen. Der Wein schmeckte jedoch so trocken, dass die beiden Mädchen das Gesicht verzogen und lachend das Getränk zurückstellten.

Als sie den Stand eines Stoffhändlers passierten, an dem gerade zwei ältere Damen standen, schnappte Cecilia einen Teil ihrer Unterhaltung auf.

»Es wird das wichtigste Ereignis der Saison«, sagte die Frau aufgeregt, die für Cecilias Geschmack deutlich zu viel Karmesin zum Färben der Wangen aufgetragen hatte. »Die Fabris scheuen offenbar keine Kosten und haben alle namhaften Familien Venedigs zu dem Maskenball eingeladen. Man munkelt, dass sie ihren Sohn Vincenzo dazu drängen, sich bei diesem prunkvollen Anlass endlich eine Frau zu wählen.«

»D

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