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Elfenmeer – Der Korallenfürst

Sabrina Qunaj

 

Elfenmeer – Der Korallenfürst

 

Eine Geschichte aus der Elvion-Reihe



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Inhalt

 

Der Korallenfürst

 

Die Autorin

 


 

Der Korallenfürst

 

Versenkt es! Koralle wandte sich ab und ergriff das lose herabhängende Tau der zerstörten Wanten. Mit einem Satz sprang er auf die Bordwand und warf noch einen Blick zurück aufs blutbesudelte Deck. Dutzende Elfen mit dem Wappen von Riniel auf der Brust lagen niedergestreckt auf dem Holz, und auch von Koralles Mannschaft hatte es drei Elfen getroffen. Ein geringer Preis, bedachte man den besiegten Feind, doch Koralle trauerte um jeden einzelnen seiner Leute. Sein Schiff und jeder Elf der Besatzung gehörte zu seiner Familie, und es schmerzte ihn, einen Teil davon ans Meer übergeben zu müssen. So viele Tote wie dieses Mal hatte er schon lange nicht mehr betrauern müssen, und auch die beiden anderen Kapitäne seiner Piraten hatten einen hohen Preis gezahlt. Die Rinieler änderten ihre Taktik, waren besser bewaffnet und segelten kaum noch ohne Begleitschiffe. Zudem flatterte plötzlich das Banner der Königin über ihnen, und nicht nur das vom Fürstentum Riniel. Dies konnte nichts Gutes bedeuten. Wenn dieser machtgierige Elf auf dem Herrschaftsstuhl von Riniel auch noch königliche Unterstützung erhielt, was konnte ihn dann noch aufhalten?

Koralle ließ seinen Blick weiter wandern und sah seine Mannschaft, die gerade dabei war, die letzten Truhen ins Beiboot abzufieren, während sich Avree - der Kapitän der Feuersturm - mit seinen Leuten daran machte, die Überlebenden aus dem Wasser zu bergen. Blieb nur zu hoffen, dass keine Unschuldigen beim Kampf zu Schaden gekommen waren und die Menschen, die ins Wasser gesprungen waren, alle hatten schwimmen können. So hoch im Norden, wo sogar im Sommer noch Eisschollen durchs Wasser trieben, konnten Koralles Freunde, die Meerjungfrauen, nicht überleben. Weiter südlich, in der Versenkungsbucht, wo sie sich heimisch fühlten, verließ er sich gerne auf ihre Unterstützung – entweder zur Rettung von Menschen oder zur Zerstörung feindlicher Schiffe. Doch die Gefahr der Meerjungfrauen war allgemein bekannt, und so wagte sich kaum ein Schiff in die Bucht, und Koralle konnte seine schwimmenden Freunde nur selten dazu bewegen, sich aus ihrer sicheren Zuflucht herauszuwagen. Hier oben, nahe der Küste von Valdoreen, wo sie ein Handelsschiff und zwei Begleitschiffe aufgebracht hatten, waren er und seine Kameraden auf sich allein gestellt.

Ein Schatz, ein Schatz, jeder auf seinen Platz.“ Der Kobold Flosse kletterte neben ihm auf die Bordwand und sprang auf den umgestürzten Mast, der steuerbord weit über das Schiff hinausragte. Mit einer Hand den Kapitänshut festhaltend, blickte er hinab zu den Beibooten. „Was mag es wohl sein, in den Truhen so fein? Edelsteine, Diamanten und Gold? Ach, sei mir das Glück doch nur einmal hold.

Koralle blickte ebenfalls von der Bordwand hinab und schüttelte den Kopf. Kein Gold. Spürst du es etwa nicht?“, fragte er seinen kleinen Freund, der das Kommando über die Goldzahn hielt, und stieg nun ebenfalls auf den querliegenden Mast. „Es ist das dritte Mal. Dies kann kein Zufall mehr sein. Woher nehmen sie nur diese Fracht?“ Er balancierte über das Holz und näherte sich darüber seinem Schiff, das mit gerefften Segeln zwar etwas nackt aussah, aber immer noch einen prächtiger Anblick bot. Die Besatzung warf ihm ein Tau zu, und als Koralle es ergriff, reichte er es erst mal dem Kobold, der sich damit an Deck schwang. Koralle folgte ihm mit einem weiteren Tau und als er von der Bordwand an Deck seines Schiffes sprang, stampften die Elfen zur Begrüßung mit dem Fuß auf die Latten. Manch einer von ihnen hielt sich eine Wunde oder half einem verletzten Kameraden, aber bei Koralles Erscheinen hielten alle inne, um ihm Respekt zu erweisen. Denn er war der Anführer der Piraten, er war der Korallenfürst.

Koralle nickte seiner Mannschaft zu und bedeutete ihnen weiterzumachen, während er sich zur anderen Bordseite begab und zur Feuersturm hinübersah. Es machte den Eindruck, als wären alle Menschen in Sicherheit, denn auch Avree befand sich wieder auf seinem Schiff. Doch dann entdeckte Koralle dunkles Haar, das im Wasser ausgebreitet lag und dem Anschein nach zu einem Kind gehörte. Es trieb inmitten von Trümmerstücken, die zu einem der bereits gesunkenen Begleitschiffe gehört hatten; das Gesicht war nicht zu sehen.

Koralle sog scharf den Atem ein. Sofort streckte er die Hand aus, sein Herzschlag beschleunigte sich. Dies durfte nicht geschehen.

Sei noch am Leben, flehte er stumm und kämpfte gegen die Angst, ein unschuldiges Menschenkind beklagen zu müssen. Diese Schuld konnte er nicht auf seine Schultern laden. Sein Angriff durfte nicht ein solch wertvolles Leben beendet haben.

Aus zugeschnürter Kehle ließ er seinen angehaltenen Atem entweichen und rief die Magie des Wassers – sein Element, sein Innerstes. Er wollte das Kind von den Wellen zu sich tragen lassen, doch bis auf ein leises Schaukeln der ohnehin unruhigen Oberfläche tat sich nichts.

Koralle warf einen erschrockenen Blick zurück über die Schulter und erkannte, dass die Truhen des Handelsschiffes mittlerweile an Bord gehievt wurden. Sie unterdrückten seine Macht!

Mit rasendem Herzen drehte er sich wieder um und wollte ins Wasser springen, doch da erkannte er, dass nun auch Avree das Kind entdeckt hatte. Der Kapitän der Feuersturm war schneller, denn als Koralle sich gerade abstützte, um über die Bordwand zu springen, war Avree bereits im Wasser.

Mit einem Platsch landete er inmitten der Trümmer und verschwand im eisigen Nass. Einen Moment lang war er nicht mehr zu sehen, doch dann tauchte sein rotes Piratentuch, das er am Hinterkopf geknotet hatte, ein Stück weiter vorne wieder auf, und der Elf gelangte mit wenigen schnellen Schwimmzügen zu dem Kind.

Koralle hob eine Hand, und im nächsten Augenblick waren bereits Elfen der Besatzung an seiner Seite. Ein Ast, der an einem Tau befestigt war, fiel ins Wasser, doch Avree schwamm noch nicht darauf zu. Er drehte das Kind in seinen Armen um, und Koralle erkannte von seiner erhöhten Position aus, dass es sich um ein Mädchen handelte. Es war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt und hatte denselben bronzefarbenen Hautton

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