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Eiskinder II

Eiskinder II

Eiskinder II

 

- DÄMONISCHE SPIELE -

 

 

Mysterythriller

 

von

 

Alfred J. Schindler

 

Was bisher geschah:

Als ich Mitte Dezember mit Sabine, meiner kleinen Tochter, und Brunhilde, Sabines Mutter, zum Groschensee hinunterging, um mit ihnen in diesem Winter das erste Mal Schlittschuh zu laufen, war die Welt in unserer kleinen Familie - und auch in Waldhütte - noch in bester Ordnung. Doch dann verschwand Sabine direkt vor unseren Augen auf der Eisfläche des Sees. Das Eis war stabil. Sie konnte also nirgends eingebrochen sein. Etliche andere Kinder, die mit uns auf dem allseits beliebten See waren, konnten sich genauso wenig wie wir erklären, wohin sie verschwunden war. Wir verständigten sofort die Polizei, und eine spezielle Truppe von Männern machte sich unverzüglich auf die Suche nach Sabine. Von dem Polizeihund Benno erhofften wir uns natürlich am meisten. Jedoch die Suche blieb erfolglos. Ich hörte ein unerklärliches Sirren, ein hohes Pfeifen auf dem See, das sich weder ich, noch sonst jemand, erklären oder zuordnen konnte.

In derselben Nacht ging ich alleine auf den dunklen See hinaus, der unheimlich und bedrohlich vor mir lag. Ich versuchte, von tiefer Angst um Sabine getrieben, ein Loch ins Eis zu schlagen, nur, um irgendetwas zu tun, und stellte überrascht fest, dass das Eis unglaublich hart war. Was war das für ein seltsames Eis? Wie es schien, hatte es mit dem Eis, das tagsüber den See bedeckte, nichts gemein.

Ich sah unter dem Eis einen rötlichen Lichtschein.

Ein Licht, wo keines sein konnte.

Sabine kam nicht zurück. Eine Entführung wurde im Laufe der nächsten Tage ausgeschlossen. In Sabines Zimmer fanden sich plötzlich nasse Schlittschuhspuren. Ein Stofftier von Sabine war aus ihrem Zimmer verschwunden. War sie heimlich zurückgekommen?

Die Soko-Eiskinder aus Bad Reichenhall kam keinen Schritt weiter. Man stellte fest, dass der See tagsüber „normal“ war, im Gegensatz zur Nacht. Taucher wurden eingesetzt. Schaulustige bevölkerten den See. Weitere Kinder verschwanden aus Waldhütte. Eine der Mütter, die sich umgebracht hatte, schrieb einen Abschiedszettel, in dem auch stand: „Die Kinder haben mich geholt.“

In Waldhütte entstand Panik. Immer mehr Familien verließen die Ortschaft, weil sie Angst hatten, dass die EISKINDER auch eines ihrer Kinder zu sich holen würden.

Dann kam dieses „Eis“ nachts in unser Haus. Es tötete Brunhildes Mutter auf bestialische Art und Weise. Als ein Ehepaar, das im Nachbarhaus wohnte, tot in seiner Garage gefunden wurde (sie waren in ihrem Auto in einem Eisblock erfroren), war das Chaos perfekt. Wir waren uns nun sicher, dass es sich um kein normales Eis handelte.

Und uns wurde langsam klar, dass die EISKINDER ihre grausigen Spiele mit uns Erwachsenen trieben. Sie töteten wahllos. Eine tiefe Machtlosigkeit und Angst machte sich bei uns breit.

Was war es, was die Kinder so werden ließ?

Was hatte sie so sehr verändert?

Lebten sie noch, oder waren sie schon tot?

Diese EISKINDER waren grausam und böse zugleich.

Weitere, unheimliche Dinge geschahen, die nicht von dieser Welt waren. Orkanartige Stürme, die sich zuerst nur auf dem Groschensee abspielten, also nicht darüber hinaus, verunsicherten uns. „Es ist eine unheimliche, zerstörende Macht, die von dem See und unseren Kindern Besitz ergriffen hat!“, sagten wir uns.

Drei Taucher, die nach den Kindern gesucht hatten, wurden von dem mörderischen See (oder waren es die EISKINDER?) getötet.

Unser Priester versuchte, mit den EISKINDERN zu reden. Er ging mit uns auf den See hinaus. Er betete laut, und die EISKINDER kamen und manifestierten sich vor unseren Augen. Jedoch antworteten sie nicht auf seine Fragen, und versuchten sogar, ihn, den Pastor, zu töten. Es war etwas Grauenhaftes, etwas un-endlich Böses, das die EISKINDER umgab.

Wurzelliese, eine alte Frau in unserem Dorf, die besondere Fähigkeiten besaß, versuchte, uns zu helfen. Sie konnte Dinge vorausahnen, jedoch nicht auf Befehl. Ihre Eingebungen kamen und gingen.

Inzwischen waren sieben Kinder zu EISKINDERN geworden.

Am Heiligen Abend begann das Finale: Während der Christmette vereiste die gesamte Kirche von innen. Es schien so, als ob die Gläubigen im Gotteshaus auf frevlerische Art und Weise erstickt und zerdrückt werden sollten. Brunhilde und ich waren natürlich auch in der Mette, als dies geschah. Über der Kirche tobte das Pfeifen und Sirren der EISKINDER. Die Kirchgänger begriffen: Sie hörten den...

... GESANG DER EISKINDER.

Es war ihr Todeslied.

Ihr Todesspiel.

Sabines Mutter flehte, am Altar kniend, die EISKINDER an, die Kirche bzw. die Leute zu verschonen, und sie wurde erhört. Die EISKINDER und das Eis verschwanden. Dieses Eis löste sich in Nichts auf. Es hinterließ keinerlei Spuren, auch kein Wasser, denn es taute ja nicht auf. Es verschwand einfach genau so unerklärlich, wie es gekommen war.

Sabine holte sich an diesem Abend ihr Weihnachtsgeschenk vom erleuchteten Baum, der geschmückt in unserem Garten stand: Ein Paar schöne, neue Schlittschuhe.

Am 1. Weihnachtsfeiertag schickte die Regierung ein Spezialfahrzeug, das einem kleinen Eisbrecher ähnelte. Es fuhr über den See und warf tonnenweise Salz ab. Dieses Schiffchen, sowie ein riesiger Kran, der das inzwischen untergegangene Fahrzeug bergen sollte, versank unerklärlicherweise im See. Acht unschuldige Männer starben. Die EISKINDER hatten erneut zugeschlagen. Der Versuch, den See zu versalzen, misslang völlig, denn das Eis, dieses in der Zusammensetzung unbekannte Eis, war gegen Salz offensichtlich resistent. Der See gefror innerhalb kürzester Zeit, sprich in wenigen Stunden, wieder zu.

Die EISKINDER töteten meinen Schwiegervater, Sabines Großvater. Er erstickte in einem Eisblock, direkt in seinem Bett - in unserem Haus. An einer der vereisten Fensterscheiben unseres Hauses stand mit Sabines Schrift: Geht! Bitte geht! - Die EISKINDER hatten also beschlossen, auch Brunhilde und mich zu töten. Aber unsere Sabine war offensichtlich dagegen, obwohl sie mit ihren sieben Jahren die Anführerin dieser Bande war. Sie hatte wohl den ausgeprägtesten Charakter, der die anderen, älteren Kinder aufblicken ließ.

Sie hatte uns eindringlich gewarnt.

In dieser Nacht um vier Uhr - es war der Morgen des 2. Weihnachtsfeiertages - suchte Brunhilde die endgültige Entscheidung: Wir gingen, zusammen bei klirrender Kälte mit unseren besten Freunden, hinunter zum schrecklichen, grauenhaften See. Wir wollten eine Konfrontation mit den EISKINDERN. Doch dann wurden wir Zeuge eines ungeheuerlichen Schauspiels: Der See begann, von unten zu leuchten. Es war DAS LICHT DER EISKINDER, das wir erblickten. Der See bäumte sich auf, und eine tödliche Eiswand entstand. Sie war sehr hoch und so breit, wie der gesamte See. Und unsere EISKINDER befanden sich in dieser Wand. Sie lachten, sie jauchzten und sie sangen ihr Lied:

Eiskinder... Eiskinder... hallt es durch die Nacht...“

01 2. Weihnachtsfeiertag, Sonntag 26.12. (vier Uhr morgens)

Wir stehen gemeinsam, keine zehn Meter vor dieser schrecklichen, Furcht einflößenden, vom Grunde des Sees hell erleuchteten Eiswand. Unsere Eiskinder hören nicht auf, ihr lautes, durchdringendes Lied zu singen. Er geht uns durch Mark und Bein, dieser wahnsinnige Singsang:

Hüüüh! Hoooh!

Hüüüh! Hoooh!

Es ist fast unglaublich, dass wir sie überhaupt hören können. Alleine dieser Umstand soll uns wohl sagen, dass wir ihre Gegebenheiten nicht mit den unseren messen können. Sie verfügen über gänzlich andere Möglichkeiten, als wir kleinen Menschen.

Kommissar Erwin Müller, mein Freund, rührt sich nicht. Sein starrer Blick ist nach oben gerichtet, hinauf zum abschließenden Rand dieser schrecklichen Wand, die sich hoch über unseren Köpfen - etwa zehn bis zwölf Meter - wölbt. Erwin wirkt wie versteinert. Unsere Eiskinder befinden sich, wie gesagt, in dieser schrecklichen Eiswand, in diesem unüberwindbaren Block, und sie bewegen sich darin. Es scheint wirklich so, als ob sie tanzen würden. Sie sind gut gelaunt. Dies ist jedenfalls unser aller Eindruck. Oder zeigen sie uns nur ihre tödliche Macht? Wollen sie uns nur sagen:

Na, ihr armseligen Kreaturen?

Was wollt ihr denn von uns?“

Maximilian Springer, Erwins rechte Hand, der einen gewissen Draht zum Übersinnlichen hat, fürchtet wohl auch um sein noch junges Leben. Pastor Gründl, dieser große, kräftige Mann mit der Figur eines Schwergewichtsboxers, hat die Hände vor seiner Brust gefaltet: Er betet für sie, für die verwunschenen Eiskinder. Ja, ich bin mir sicher, dass er das gerade tut. Brunhilde zerdrückt vor Angst fast meine Hand. Sie ist völlig gelähmt, genau wie ich. Ich starre auf die tödliche Bedrohung und bin zu keiner Tat fähig. Diese Wand paralysiert uns förmlich, könnte man sagen. Ich sehe, dass die Eiskinder ihre Schlittschuhe tragen: Sie, die geliebten, verhassten Eiskinder. Ja, dies registriere ich in diesem düsteren Moment.

Wurzelliese steht neben dem Pastor, und ihr Blick ist leer. Mir wird erst jetzt, in dieser Sekunde klar, dass sie wirklich vollkommen blind ist.

Wir sechs Leutchen sehen etwas, was zuvor sicher noch kein anderer Mensch erblickt hat: Jauchzende, singende Kinder in einem überdimensionalen Eisblock.

Dieses Eis, das wohl keines ist, verursacht grauenhafte Töne: Es kracht, es schmatzt, es knackt und es mahlt in sich selbst. Und es kommt langsam auf uns zu. Es verlässt ihn, den Groschensee und wälzt sich unaufhörlich in unsere Richtung. Genau in diesem Moment hören wir den Pastor brüllen. Er übertönt nur mühsam diese ekelhaften, fürchterlichen Geräusche des Eises und das unheimliche Singen der Eiskinder:

„Lauft! Lauft, so schnell ihr könnt!

Rennt um euer Leben!“, schreit er.

Und er sprintet los. Wir rennen hinter ihm her. Ich werfe einen kurzen, hastigen Blick zurück: Wurzelliese bewegt sich nicht. Sie wirkt wie am Boden festgenagelt. Ich laufe die fünf, sechs Schritte zurück, packe sie seitlich am Körper und hebe sie hoch. Sie ist nicht schwer, diese alte Frau. Und sie klammert sich fest an mich.

Ich renne mit ihr um unser Leben.

Um unser nacktes Leben.

Hinter uns sind diese gräulichen Geräusche immer noch deutlich zu vernehmen. Es scheint, als ob uns dieser Eisblock folgen würde. Diese Massen erdrücken alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Doch dann, nach etwa hundert Metern, werden diese eindringlichen Geräusche etwas leiser.

Die Eiskinder lassen uns am Leben.

Wie großzügig!

Danke, Eiskinder!

Völlig außer Atem setze ich Wurzelliese vorsichtig ab. Sie wirkt sehr ruhig und gefasst auf mich. Zwanzig, dreißig Meter vor uns stehen die anderen. Sie haben offensichtlich auch gemerkt, dass sie außer Lebensgefahr sind. Erwin kommt zu uns gelaufen und sagt:

„Das war knapp, meine Herrschaften!“

Und Wurzelliese antwortet: „Ihr Spiel wird immer dreister!“

Es sieht tatsächlich so aus, als ob sich dieser riesige, hell glitzernde Eisblock langsam und fast unmerklich in den schwarzen, unergründlichen See zurückzieht. Er erinnert mich an ein schreckliches Ungetüm, das plötzlich einsieht, dass es uns nicht folgen kann. Wir können aus dieser Entfernung die Eiskinder immer noch gut erkennen, denn sie befinden sich ja im obersten Teil des Eisblocks. Dieser monumentale, hell erleuchtete Block senkt sich, er wird niedriger, und wir sehen zum ersten Mal, seit es die Eiskinder gibt, wie sie, in diesem Eisblock stehend und mit ihren Stofftieren winkend, im Groschensee untertauchen.

Wie entsetzlich!

Brunhilde weint: „Sabine und ihre Freunde leben also wirklich in diesem grauenhaften See, Günter!“

„Ja, jetzt haben wir Gewissheit. Sie leben nicht, sondern sie existieren im See.“

Sie schnieft: „Sie sind also keine lebenden Menschen mehr!“

„So kann man das nicht sagen,“ versuche ich sie zu trösten. Ich wirke aber, befürchte ich, nicht sehr überzeugend.

Aber innerlich muss ich ihr zustimmen. Wir wussten bisher nicht, wo sich die Eiskinder nachts, und auch tagsüber, aufhielten. Irgendwo mussten sie ja sein! Sagten wir uns. Wir ahnten natürlich, dass sie sich im See befanden, zumal wir ja schon diese seltsamen, roten Lichter unter der Eisoberfläche gesehen hatten. Aber wir hatten, wie gesagt, noch keine Gewissheit. Und außerdem konnten wir es einfach nicht glauben. Jetzt dürfte diese Frage also geklärt sein: Der Groschensee, ja, der See selbst, ist der Aufenthaltsort unserer Kinder.

Er ist ihre große Wohnung.

Ihr privates Reich.

Zumindest nachts.

Diese armselige Eisbruch- und Versalzungsaktion des Sees, bei der acht Männer gestorben waren, hätte man keinesfalls starten dürfen. Die Verantwortlichen hatten nicht mitgedacht. Denn die Eiskinder konnten und wollten es nicht dulden, dass man ihren See belästigt. Dass man ihn verletzt. Sie hatten sich mit Brachialgewalt gewehrt, und sie hatten rigoros getötet. Aber andererseits muss man sich sagen: Woher hätten die Verantwortlichen auch wissen sollen, wie brutal die Eiskinder ihre Aktion abwehren würden? Halt! Sie hätten es wissen müssen! Denn es war allseits bekannt, dass die Eiskinder mordeten.

Wir sechs Leute stehen eng aneinander auf diesem schmalen, dunklen Weg, der zur Ortschaft bzw. zu unseren Häusern führt. Es ist nicht weit bis dorthin, vielleicht einen knappen Kilometer, aber es kommt uns in diesen Minuten unendlich lang vor. Völlig erschlagen erreichen wir unser Zuhause. Unser eigenes Häuschen, das normalerweise so überaus friedlich wirkt, erscheint mir in dieser Sekunde bedrohlich. Es ist schon halb fünf Uhr am Morgen, und die kalte, finstere Nacht hat Waldhütte voll im Griff.

Was werden sie jetzt wohl tun, unsere Eiskinder? Fährt es durch meinen Kopf. Sie befinden sich in diesem grausig kalten Wasser, tragen ihre Schlittschuhe und spielen mit Sabines Stofftieren, die sie sich klammheimlich aus ihrem verwaisten Zimmer geholt hatten. Wenn sie jetzt immer noch mit Stofftieren spielen, können sie doch normalerweise gar nicht so grauenhaft sein, geht es durch meinen Kopf. Was ist das für eine furchtbare Macht, die hier bei uns, in diesem verträumten Nest, zugeschlagen hat? Warum hatte sich diese überdimensionale Kraft an unseren unschuldigen, lieben Kindern vergriffen? Was will sie damit bezwecken? Will sie uns zeigen, wie klein und zerbrechlich wir doch sind? Aber wieso holten sie sich keine Erwachsenen? Wären ihnen solche zu unangenehm? Zu eigenständig und selbständig? Nutzt diese furchtbare Kraft die Unbedarftheit der Kinder aus?

Deren Unerfahrenheit?

Ihre Unschuld?

Kann sie sich nur Kindern gegenüber durchsetzen? Wenn dem so wäre, dann dürfte ihre Kraft ja doch nicht so groß sein, wie immer angenommen wurde! Oder liege ich mit meinen Vermutungen völlig falsch? Läuft hier etwas ab, was wir einfach nicht kapieren können? Welcher Sinn steckt hinter dem Diebstahl unserer Kinder?

Der eigentliche Sinn...

Unsere Eiskinder spielen ihr tödliches, grausames Spiel. Wenn Sabine die Anführerin ist, (sie war ja, wie bekannt ist, die Erste, die verschwand) dann müssten die anderen sechs Kinder doch normalerweise auf sie hören. Aber es ist auch so, dass sie wohl die Jüngste ist. Die Jüngste in diesem auserwählten, mörderischen Kreis.

Die Gruppe der Eiskinder, außer Sabine, hat also beschlossen, nun auch Brunhilde und mich zu töten. Und

Sabine hatte uns heimlich gewarnt:

Geht!

Bitte geht!

Hatte sie mit ihren kleinen Fingern an eine der Fensterscheiben unseres Häuschens von außen geschrieben. Aber Brunhilde wollte nicht gehen. Sie wollte Waldhütte unter keinen Umständen verlassen. Sie hätte Waldhütte niemals ohne ihre kleine Sabine verlassen können. Und sie suchte die alles entscheidende Konfrontation. Und was war das niederschmetternde Ergebnis? Die Eiskinder zeigten uns, wer das Sagen hat! Sie sind diejenigen, die das Ruder in der Hand halten, wie es scheint!

Nicht wir!

Und jetzt sitzen wir zu sechst in unserem Wohnzimmer und trinken zusammen auf die Eiskinder, natürlich mit einem mehr als bitteren Beigeschmack auf der Zunge...

„Selbstverständlich kann ich euch nicht zwingen, Waldhütte zu verlassen,“ sagt Erwin nachdenklich zu Brunhilde und mir.

„Das will ich auch hoffen!“, antworte ich.

Wurzelliese sagt leise, ihre Tasse Tee in beiden Händen haltend: „Wenn, dann müssten wir alle gehen.“

Springer, der Beamte aus Bad Reichenhall, reißt die Augen auf und sagt: „Das wäre die Lösung! Somit hätten die Eiskinder keinerlei Angriffsfläche mehr!“

„Ihr könnt doch nicht die gesamte Ortschaft evakuieren.“, erwidere ich.

„Nein, das können wir nicht!“, meint Erwin und trinkt einen Schluck Bier.

„Es wäre aber das Beste!“, sagt Pastor Gründl.

„Viele Leute wollen den Ort nicht verlassen, egal, was noch passiert. Damit meine ich aber nicht die Familien mit Kindern!“, sagt Erwin.

„Ich finde, wir sollten uns zurückhalten und abwarten. Außerdem sollen unsere Eiskinder nicht das Gefühl kriegen, als ob sie uns von hier vertreiben können!“, wirft Brunhilde ein. Sie hat sich offensichtlich wieder ein wenig gefangen.

„Wenn du, Brunhilde, und auch du, Günter, wieder mein Wundermittel braucht, dann sagt es nur!“, erklärt Wurzelliese wohlwollend. Sie spielt damit auf ihr Antidepressionswässerchen an, das Brunhilde zuletzt so sehr geholfen hatte.

„Ja, danke, Liese.“, antwortet Brunhilde. „Wir kommen gerne auf dein Angebot zurück, wenn wir wieder in den Seilen hängen.“

„Ich habe keine Angst mehr, dass sie uns immer noch töten wollen!“, werfe ich in die Runde. „Denn wenn sie es ernsthaft gewollt hätten, hätten sie es gerade vorhin schon getan!“

„Ihr solltet aber trotzdem vorsichtshalber den Ort verlassen!“, meint Erwin. Und er blickt dabei mehr als ernst.

„Nein, wir bleiben.“, antwortet Brunhilde. Entschlossen ist ihr Gesichtsausdruck.

Ich stimme ihr innerlich zu.

Erwin sagt: „Übrigens: Einer unserer Chemiker war nachts am See und wollte das Eis untersuchen!“

„Ja, und? Lebt er noch?“, fragt der Pastor.

Der Kommissar übergeht die direkte Anspielung: „Er füllte einige Eissplitter in sein Glasgefäß, und als er im Auto saß, war dieser kleine Behälter leer.“

„Ja, ja, wir wussten schon, dass sich dieses Eis einfach in Luft auflöst!“ Sagt Gründl. Er überragt uns sogar im Sitzen um Haupteslänge, dieser außergewöhnliche

Gottesmann.

„Man kann es also nicht untersuchen. Das wollte ich damit nur sagen.“, erklärt Erwin.

Ich werfe ein: „Hintergruber unternahm doch auch schon den kläglichen Versuch, Proben von diesem Eis aus unserem Keller mitzunehmen, als meine Schwiegermuter so brutal ermordet wurde. Aber auch bei ihm löste es sich in Luft auf. Man könnte fast glauben, dass es spürt, dass man es untersuchen will!“

„Aber man könnte doch direkt auf dem See diesen Versuch unternehmen, Herr Müller!“

„Herr Pastor, inzwischen weiß jeder einzelne Mitarbeiter bei der Polizei, ja, fast jeder Bundesbürger, was auf diesem See geschieht. Ich glaube, dass sich niemand bereit erklären würde, nachts hinauszugehen, um labortechnische Untersuchungen anzustellen! Unser Chemiker war da wohl die berühmte Ausnahme! Aber er hatte Glück. Wahrscheinlich haben ihn die Eiskinder nicht gesehen. Tagsüber ist das Eis ja völlig normal, wie allseits bekannt ist!“

„Ja, das ich kann mir schon vorstellen, dass sich keiner mehr nachts auf den See hinaustraut. Jetzt wissen wir ja auch mit Sicherheit, dass sich die Eiskinder nachts in dem See aufhalten.“, sage ich.

Erwin antwortet: „Wer immer noch nachts auf den See hinausgeht, ist lebensmüde.“

„Mach das mal den Schaulustigen klar.“, sage ich zu ihm.

„Ja, wir müssen damit rechnen, dass noch der ein oder andere Fremde nachts auf dem See getötet wird. Die Fremden sind unbelehrbar, obwohl sie in den TV-Nach-richten laufend über die uneinschätzbaren Gefahren informiert werden.“

Brunhilde sagt: „Ihr müsst euch das einmal vorstellen! Sieben Kinder zwischen sieben und fünfzehn Jahren terrorisieren eine ganze Ortschaft! Und darüber hinaus! Und niemand ist in der Lage, unsere... Kinder zu stoppen!“

Springer wirft ein: „Natürlich könnte man mit Brachialgewalt versuchen ...“

Brunhilde starrt ihn angriffslustig an, (ihr Mutterinstinkt bricht wohl schon wieder durch) und zischt: „Woran denken Sie?“

„Nun, zum Beispiel...“

„An eine Atombombe?“, keift sie ihn an.

„Aber nein. Ich dachte mehr an...“

„Chemische Waffen?“ Ihr Gesicht glüht.

„Nein, Frau Münster! Lassen Sie mich doch mal ausreden!“

„Woran dachten Sie, Herr Springer?“

„An einen Teufelsaustreiber!“

Pastor Gründl mischt sich ins Gespräch: „Sie wollen doch nicht ernsthaft glauben, Herr Springer, dass Exorzismus in diesem Fall angebracht ist? Die Eiskinder würden diesen so genannten Teufelsaustreiber in der Luft zerreißen! Verstehen Sie? Zerreißen!“

„Glauben Sie?“

„Ja, da bin ich mir sogar sicher! Wenn sich dieser arme, imaginäre Mensch nachts aufs Eis wagen würde, würden ihn die Eiskinder zu sich hinunterziehen in ihr nasses Reich, wie sie es schon bei mir versucht hatten! Bevor er auch nur ein Wörtchen sagen könnte, hätten sie ihn schon in ihren tödlichen Krallen!“, sagt der Pastor. Sein Gesicht glüht vor Aufregung.

„Sabine hat keine Krallen.“ Brunhilde fängt schon wieder an, zu heulen.

„Entschuldigen Sie bitte. Aber ich hatte mich so in Rage geredet...“

„Ist ja gut.“, schnieft sie verzeihend.

Wurzelliese legt tröstend ihren knochigen Arm um ihre Schulter. Ihre toten Augen blicken irgendwohin.

„Warum verwandelt sich das tagsüber normale Eis nachts in eine andere Materie, Chef?“, will Springer wissen.

Erwin zuckt mit den Schultern und sagt: „Fragen Sie die Eiskinder!“

Ich werfe ein: „Der See ist ja auch tagsüber brandgefährlich, nicht wahr? Es ist nicht nur nachts Wahnsinn, ihn zu betreten. Sabine ging ohne böse Absicht auf den See, und sie wurde von ihm geholt. Man kann also sagen, dass niemand den Groschensee betreten darf. Generell niemand! Und wer ihn trotzdem betritt, muss damit rechnen, zu sterben. Wir haben es schon erlebt.“

Und Wurzelliese sagt: „Ich hätte ja nie gedacht, dass sich in Waldhütte irgendwann solch zerstörerische Mächte niederlassen würde! Es war immer ein solch ruhiger und angenehmer Ort!“

Wir anderen sitzen daneben und wissen keine Antworten. Diese Unwissenheit über die Hintergründe der Kinder bzw. deren „Verbündete“ macht mich ganz nervös. Sie zehrt an meinen Nerven und an meinem Gemütszustand. Wir haben auf all unsere Fragen keinerlei Erklärungen. Und kein noch so gebildeter und erfahrener Wissenschaftler könnte uns in unserer vertrackten Situation weiterhelfen...

Wir diskutieren, bis unsere Köpfe rauchen. Der Pastor ist sehr erregt, und Erwin weiß sich auch keinen Rat. Brunhilde serviert ein Schnäpschen nach dem anderen. Aus den Sätzen unserer Gäste klingt immer wieder heraus, wie froh sie sind, dass sie diesem tödlichen Eisgiganten entkommen sind.

Der Pastor sagt, leicht angesäuselt: „Ich frage mich, wie dieses Eis zustande kommt. Irgendwie muss es doch entstehen.“

Springer wirft ein: „Und ich frage mich, wieso es sich, wenn es Nacht wird, verwandelt. Wie kann sich normales Eis, das ja nur aus Wasser besteht, derart verwandeln?“

Brunhilde sagt: „Welche übersinnliche Macht steckt wohl dahinter, die dieses Eis fabriziert?“

Wurzelliese beteiligt sich auch: „Wie kann es sich in Nichts auflösen? Sobald es seine Funktion erfüllt hat, verschwindet es, als ob es nie da gewesen wäre!“

Und ich schließe ab: „Es ist doch nur zum Morden da. Oder?“

Gegen sechs Uhr in der Früh (es ist immer noch finstere Nacht) verlassen uns unsere Gäste. Die Gespräche drehten sich fast ausschließlich um die Eiskinder, und darum, was wir wohl am besten tun sollten. Wir kamen zu keinem Ergebnis, und wir beließen es dabei. Der Pastor sagt beim Abschied, in der Haustüre stehend:

„Grämen Sie sich nicht! Kommt Zeit, kommt Rat!“

Der Abschiedsspruch des Geistlichen hat mich nicht sehr aufgebaut. Genauso gut hätte er sagen können:

„Wir werden ja sehen!“ Oder: „Es wird schon irgendwie werden!“

Brunhilde verschließt die Türe, und wir sind alleine. Es ist unheimlich still in unserem alten Haus. Und wir sind todmüde. Das unglaubliche Erlebnis am See war fast zu viel für unser Gemüt, als auch für unsere Nerven. Als wir dann endlich in unserem Ehebett liegen, dreht sich Brunhilde zu mir herüber und flüstert (fast verschwörerisch):

„Ich habe eine Idee!“

Interessiert schaue ich sie an: „Ja? Und die wäre?“

„Sabine wollte doch unbedingt ein kleines Kätzchen.“

„Ja, das stimmt.“ Ich bin todmüde, und verstehe nicht, worauf sie hinaus will.

„Sie wollte ein kleines Kätzchen! Oder ein Katerbaby!“

„Ja, ja.“

„Wir besorgen uns ein Katzenbaby und locken sie damit an!“ Ihre Augen glitzern unternehmungslustig. Ich wundere mich über ihre Energiereserven, die jetzt, in der Nacht, zu Tage kommen.

Ich stütze mich auf die Ellbogen und antworte: „Das ist die Idee des Jahres! Wir werden sie mit Hilfe des kleinen Tierchens zu uns zurückholen.“

„Gleich heute kümmere ich mich darum!“

„Ja, ich helfe dir dabei, ein Katzentierchen zu finden. Außerdem müssen wir uns auf die Beerdigung deiner Eltern vorbereiten, Brunhilde!“

Ihre Augen verlieren ihren aufrührerischen Glanz: „Ja, übermorgen Nachmittag werden Mutti und Paps in ihrem Heimatort Rosenheim zusammen beerdigt.“ (Sie vergisst wohl, dass wir schon den zweiten Feiertag haben!)

„Schlaf jetzt.“

„Findest du die Idee mit dem Kätzchen wirklich gut, Günter?“

„Blendend, Brunhilde. Blendend.“ Und noch bevor ich lange darüber nachdenken kann, bin ich eingeschlafen.

Ich träume von Sabine, wie sie ihren Teddybären im Arm hält. Sie lächelt mich freudestrahlend an, und ich gehe auf sie zu. Vorsichtig schleiche ich mich an sie heran. Jedoch, je näher ich an sie herankomme, desto mehr verändert sich ihr Gesichtsausdruck. Ihr Blick wird unmerklich härter, und ihr Gesichtchen zeigt Spuren von Ablehnung. Aber ich merke es nicht. Ich gehe immer weiter auf sie zu. Und plötzlich schreit sie mich an:

Ihr dummen Menschen! Habt ihr immer noch nicht kapiert, wer wir sind? Wir sind nicht mehr euere kleinen, braven Kinder, die ihr verhätscheln und umarmen könnt! Wir werden euch schon noch zeigen, was in uns wirklich steckt! Lass mich in Frieden, Papa! Hast du gehört?“

Schweißgebadet wache ich auf. Ich gehe zur Toilette, zünde mir eine Zigarette an und bin fast der Meinung, dass dies kein Traum war. Ich verspüre einen leichten Brechreiz. Es war alles so unglaublich reell! Doch je länger ich rauche, desto bewusster wird mir, dass es doch ein Traum war.

Ein Albtraum.

Mit nichts vergleichbar.

02 Immer noch 2. Weihnachtsfeiertag, Sonntag 26.12. (mittags)

Der Traum danach war noch entsetzlicher, als der vorangegangene. Einfach grauenhaft. Diese furchtbare Eiswand hatte mich erreicht und überrollt. Ich lag unter diesem schweren Eisblock, aber ich lebte seltsamerweise... - noch. Die Eiskinder tanzten um mich herum, ihre Stofftiere in den Händen haltend. Ihre Augen glühten, und ihre Körper phosphoreszierten. Sie sangen wieder ihr grausiges Kinderlied, und sie fuhren mit ihren Schlittschuhen über meine Hände und Füße hinweg. Sie johlten vor Schadenfreude, als sie mein schmerzverzerrtes Gesicht sahen. Ich hatte wirklich schreckliche Schmerzen, und ich rief verzweifelt um Hilfe. Aber keiner kam. Ich wusste, dass ich gleich sterben würde. Und Sabine schrie mir andauernd zu:

Ich hatte dich gewarnt, Papa! Aber ihr wolltet ja nicht auf mich hören! Ich wollte dich nicht töten, aber meine Freunde waren da etwas anderer Meinung...“

Ich stehe im Badezimmer und rasiere mich. Mein Gesicht ist seit letzter Nacht um Jahre gealtert. Aber es ist mir egal. Meine Augen brennen, aber das liegt wohl an den vielen Schnäpschen und den Zigaretten von letzter Nacht. Außerdem war diese Nacht sehr kurz. Brunhilde schläft noch, und ich lasse sie natürlich in Ruhe. Es ist gut, wenn sie schlafen kann. Wurzellieses Wundermittel hat seine positive Wirkung gezeigt.

Viel zu viele Gedanken durchrasen zugleich mein Gehirn. Sabine, Brunhilde, Wurzelliese, der Pastor, mein Freund, der Kommissar, und einige andere Personen mehr, die in meinem Leben eine Rolle spielen, geistern durch meinen Kopf. Wie viele Menschen mussten bisher ihr Leben lassen? Drei Taucher, fünf Männer auf diesem komischen Schiff, das das normale Eis des gesamten Sees aufgebrochen hatte, und drei weitere Männer in diesem riesigen Kran, der umgekippt und in den See gestürzt war. Ja, und natürlich dieser Reporter von der Münchner Zeitung, den die Eiskinder in den See geholt hatten. Er wollte es wohl im Alleingang probieren. Außerdem starben meine Schwiegereltern auf grausame Art und Weise, Frau Frank, die sich in der Psychiatrie umbrachte, und die beiden Degenharts, die in ihrem Auto in der Garage erfroren waren. Es ist nicht zu fassen, welch furchtbare Lawine die Eiskinder ausgelöst haben.

Sieben Eiskinder.

Ob es wohl dabei bleibt?

Ich weiß es nicht.

Die Familien mit Kindern, die hier in Waldhütte wohnen, müssen sich um ihre Kleinen große Sorgen machen. Alle Eltern müssen damit rechnen, dass irgendwann eines oder mehrere ihrer Kinder...

... verschwinden.

Geholt von den Eiskindern.

Niemand hat auch nur die geringste Ahnung, wie viele Kinder noch zu Eiskindern werden. Wir können ja nicht ahnen, wie viele Kinder von dieser furchtbaren Macht noch geholt werden! Wir haben nicht den geringsten Hauch einer Chance, herauszufinden, was dort drüben gespielt wird.

Auf der anderen Seite.

Oder auf einer der anderen Seiten.

Wie viele Kinder gehen noch hinüber...

... in eine andere Welt?

In die kalte Welt der Eiskinder.

Ich gehe in unsere Küche und bereite für uns beide ein Frühstück zu. Brunhilde erscheint barfuss in ihrem langen, geblümten Nachthemd. Sie sieht schlecht aus, ich erkenne dunkle Augenringe, aber ich sage zu ihr:

„Gut siehst du aus! Guten Morgen!“

„Du alter Lügner. Ich weiß, wie ich aussehe. Aber das spielt ja eigentlich keine Rolle. Ich würde zwanzig Jahre meines Lebens dafür geben, wenn wir Sabine zurück hätten.“

„Ja, ich auch.“

„Du siehst aber auch nicht besonders gut aus, Günter!“

„Es ist der wenige Schlaf.“

Ich denke ja gar nicht daran, ihr von meinen scheußlichen Träumen zu erzählen. Es würde sie nur noch mehr beunruhigen.

„Ich werde, wenn ich im Badezimmer fertig bin und mich angezogen habe, unsere schwarze Kleidung und die Schuhe für die Beerdigung herrichten.“

„Das ist sehr lieb von dir.“

„Wann schauen wir uns nach einer Katze um?“ Fast kindlich stellt sie ihre Frage.

„Ich würde vorschlagen, dass wir frühstücken und dann von Bauernhof zu Bauernhof fahren. Was meinst du?“

„Ja, das finde ich gut. Ein Kätzchen oder ein Katerchen vom Tierheim wäre zwar leichter zu bekommen, aber die haben ja heute sicherlich geschlossen.“

„Ja, bestimmt. Wir haben immer noch Weihnachten.“

„Wenn wir bei den Bauern nichts finden, fahren wir trotzdem zum Tierheim nach Bad Reichenhall.“

„Gut. Machen wir. Versuchen können wir es ja.“

„Mir graut vor der Bestattung.“

„Mir auch, Brunhilde.“

Ich schaue sie an und mir wird wieder einmal klar, wie sehr ich sie liebe. Ihr langes, rot-schwarzes Haar, um das sie so viele Frauen beneiden, fällt ihr elegant über die schmale Schulter. Und plötzlich nistet sich folgender Gedanke in meinem Gehirn ein: Wie wird unser weiteres Leben wohl ohne Sabine weitergehen? Werden wir daran zerbrechen? Wird unsere Ehe, unsere Liebe kaputt gehen?

Wir brauchen uns zwar gegenseitig nichts vorzuwerfen, aber unser Leben ist seit dem Verschwinden von Sabine anders geworden.

Anders.

Ganz anders.

Es ist leer.

Und wir fühlen uns so furchtbar einsam.

So unendlich alleine.

Unsere Trauer ist grenzenlos.

Wie wird sich (vorausgesetzt, Sabine kommt nicht zurück) unser gemeinsames Leben weiterentwickeln? Wird es sich überhaupt entwickeln? Oder wird es in seiner Entwicklung stagnieren? Werde ich mich noch auf meine Tätigkeit als Werbegraphiker konzentrieren können? Wird Brunhilde wieder arbeitsfähig sein? Sie ist ja noch bis Silvester krankgeschrieben, und ich habe meine Graphikeraufträge, die ich von der Industrie bekomme, völlig auf Eis gelegt.

Verdammt!

Schon wieder dieses Wort Eis!

Wir müssen weiterleben!

Und dann zuckt ein weiterer, grässlicher Gedanke durch meinen Kopf: Wenn jemand gestorben ist, ist die Sache endgültig. Man trauert eine gewisse Zeit und kehrt dann zum Alltag zurück. Das normale Leben geht weiter. Gezwungenermaßen. Aber in unserem Fall ist alles etwas anders:

Sabine ist nicht tot!

Wir wissen, dass sie lebt!

Zumindest, dass sie existiert!

Unten, am dunklen Boden dieses mörderischen Sees!

Dieser Gedanke ist so absurd.

Aber es ist nicht nur ein Gedanke!

Es ist die Wahrheit!

Verflucht!

Wir hatten sie ja erst vor ein paar Stunden gesehen! Quicklebendig, und bestens gelaunt! Aber sie ist kein normaler Mensch mehr, wie Brunhilde und ich! Sie existiert in einem Eisblock! Sie „lebt“ in einem zugefrorenen See! Es ist ja alles so wahnsinnig grauenhaft! Diese andauernden Überlegungen bringen mich noch um! Die Vorstellung, dass unser einziges Kind - unser kleines Mädchen - zusammen mit einigen anderen Kindern mordet und uns obendrein verhöhnt, ist so abscheulich, dass ich kotzen könnte! Ja, ich könnte kotzen! Ich könnte laut aufbrüllen und mit den Fäusten gegen die Wände schlagen! Aber wem würde das helfen? Brunhilde bestimmt nicht. Und mir am allerwenig-sten.

Ich fühle mich ausgehöhlt, und ich weiß, dass diese schlimme Erfahrung mit den Eiskindern unser aller Leben völlig verändern wird. Nicht wird! Es hat sich ja schon verändert! Ich atme tief durch und schwöre mir bei allen Heiligen, dass ich mich nach der Doppelbe-erdigung meiner Schwiegereltern wieder an meinen Schreibtisch im Obergeschoss unseres Häuschens setzen und ein paar neue Graphiken entwerfen werde. Ich muss das machen! Und ich weiß es.

Stillstand ist Rückschritt.

Und ich hasse Rückschritte.

Brunhilde und ich fahren, nachdem wir gefrühstückt haben, mit unserem roten Jeep hinaus aufs Land. Wir klingeln bei sechs oder sieben Bauernhöfen und erkundigen uns, ob nicht einer der Bauern ein junges Kätzchen für uns hat. Jedoch sieht es so aus, als ob uns niemand weiterhelfen kann. Beim letzten Anwesen sagt eine dicke Bäuerin zu uns:

„Sie bräuchten dieses Kätzchen wohl für die Eiskinder?“

Vollkommen überrascht antwortet Brunhilde: „Wie kommen Sie denn zu dieser Annahme?“

„Ich kenne Sie, Frau Münster, vom Einkaufen her. Und außerdem gibt es in dieser Gegend nur einen einzigen, amerikanischen, roten Jeep. Wollen Sie den Eiskindern ein Kätzchen schenken?“ Lauernd ist ihr Blick.

„Das geht Sie nichts an. Auf Wiedersehen!“, wirft ihr Brunhilde verärgert hin.

Wir drehen uns um und gehen zum Jeep. Sie ruft uns noch lachend nach (und ihre Worte sollen ihr im Halse stecken bleiben):

„Dann wird wohl aus dem Kätzchen eine Eiskatze!“

Mein Gott. Was gibt es doch für boshafte Menschen. Wie pietätlos diese Bäuerin von den Eiskindern spricht! Ich würde ihr fast wünschen, dass sie von ihnen heimgesucht würde...

03 Zugleich...

Im Polizeikommissariat in Bad Reichenhall tut sich folgendes: Die „Soko-Eiskinder“ ist vollzählig versammelt. Hauptkommissar Erwin Müller und seine rechte Hand Maximilian Springer sind mehr als übernächtig. Springer gähnt wie verrückt, aber Müller lässt sich natürlich nichts anmerken:

„Einen schönen, guten Morgen, meine Damen und Herren! Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?“

Schweigen.

„Gibt es aus Ihrer Sicht etwas Neues?“

Schweigen.

Selbstredend hat keiner der Beamten etwas Neues zu berichten. Wie auch? Jeder von ihnen weiß, dass dies nur die üblichen, rein rhetorischen Fragen ihres Chefs sind. Genauso gut hätte er fragen können:

„Wieso haben wir immer noch Winter?“

Die „Soko-Eiskinder“ besteht mittlerweile aus sechs Damen und sechs Herren, also ohne den Kommissar. Es handelt sich hierbei um junge Kriminalbeamte, und auch eine Polizeipsychologin ist mit anwesend.

Müller erzählt seinen Mitarbeitern die Geschichte von der Eiswand. Als er mit seiner Rede zu Ende ist, sagt er, die Psychologin anschauend:

„Gut, dass ich für meine Erzählung einige Zeugen habe, Frau Schulz!“

Er ist nicht dumm. Er spürt die zweifelnden Blicke dieser Dame. Und jetzt lächelt sie irgendwie zweideutig. Und die anderen schauen ungläubig. Müller kennt seine Psychologin: Die Dame ist mehr als misstrauisch, und sie zweifelt allzu gerne unglaubwürdig wirkende Aussagen an. Aber das liegt sicherlich an ihrem Beruf.

Müller schaut sich um und sagt: „Herr Springer kann meine Aussage bestätigen!“

Frau Schulz antwortet: „Man kann hier nicht von normalen Umständen sprechen. Ich erwähnte es schon öfter. Was in Waldhütte geschehen ist, und was immer noch geschieht, ist absolut einmalig auf dieser Welt. Gut, es gibt auf dieser wundersamen Erde immer wieder Vorfälle solcher oder ähnlicher Art, die wir uns nicht erklären können, aber die Eiskinder sind ein absoluter Ausnahmefall. Vielleicht sollten wir (die Soko-Eiskinder) zusammen auf den See hinausgehen.“

Eine der Beamtinnen wirft ein: „Ja, ich bin dafür! Schließlich haben wir die Eiskinder noch gar nicht gesehen!“

„Ich will sie auch endlich sehen!“, wirft ein junger Beamter ein.

Die anderen stimmen ihm freudig zu.

Und Springer antwortet: „Reißen Sie sich nicht darum, Frau Kollegin. Sie werden sie noch früh genug kennen lernen!“

Müller sagt: „Mir reicht es von letzter Nacht! Ich habe keine Lust, schon wieder zum Groschensee hinauszufahren.“

„Ich bin auch nicht darauf erpicht, die Eiskinder schon wieder in ihrem Reich zu besuchen. Wir - und Sie wissen, wen ich damit meine - hatten letzte Nacht ein wahnsinniges Glück. Ich denke, dass uns diese Wand ohne weiteres hätte zerquetschen können, wenn sie es nur gewollt hätte.“, meint Springer.

„Wenn die Eiskinder es gewollt hätten!“

„Ja, richtig, Frau Schulz.“

„Vielleicht sollten wir am Tag auf den Groschensee gehen, Herr Hauptkommissar!“

„Wenn Sie unbedingt darauf bestehen, liebe Frau Kollegin, dann meinetwegen. Aber ich verspreche mir nichts davon.“

Springer meint: „Also gut, wenn der Chef mitgeht, dann lasse ich mich auch nicht lumpen.“

Die Soko-Eiskinder beschließt in dieser Minute, sich von dem See ein persönliches Bild zu machen. Der Großteil der Beamten war nämlich noch gar nicht dort. Sie kennen den Groschensee nur vom Hörensagen. Und das muss sich selbstverständlich grundlegend ändern...

Sie tüfteln einen Plan aus. Ein Plan, der weitreichende Folgen haben soll. Sie wollen sich dem See näher bringen...

04 Mittlerweile...



Als Brunhilde und ich in Waldhütte ankommen, ist mein Hunger riesengroß. Brunhilde hat aber keine Lust, zu kochen. So kommt es, dass wir zu unserem Gasthaus Zum Weißen Ochsen fahren, in dem man sehr gut essen kann. Der dicke Wirt, Gerhard Fuchs, empfängt uns an der Türe freudestrahlend:


„Schön, dass ihr mich besucht! Was darf es sein?“

„Zwei Bier und zwei Schweinebraten.“, antworte ich.


Wir setzen uns etwas abseits an einen kleinen Tisch und zünden uns Zigaretten an. Der Stammtisch ist leer, und an den anderen Tischen sitzen lediglich drei Leute, die nur etwas trinken. Brunhilde sagt leise:


„Was für ein Mist! Niemand hatte ein Kätzchen für uns!“

„Ich befürchte, dass wir uns eine schlechte Jahreszeit ausgesucht haben!“

„Ja, das glaube ich auch.“

„Lass es uns folgendermaßen machen, Brunhilde: Wenn wir morgen die Beerdigung überstanden haben, fahren wir direkt nach Bad Reichenhall zum Tierheim. Wie gesagt. Ich nehme an, dass das Heim morgen wieder geöffnet hat. Wir werden dann sicherlich ein Tierchen kriegen.“


Sie nickt.

Ich persönlich habe bei unserem Vorhaben gemischte Gefühle. Glaubt Brunhilde denn wirklich, dass die bösartigen Eiskinder an einem kleinen Kater interessiert sind? Diese Kinder morden in regelmäßigen Abständen! Sie sind richtige Monster! Andererseits haben sie sich alle Stofftiere aus Sabines Zimmer geholt. Sie zeigen also noch gewisse, kindliche Gefühle. Aber diese Tiere sind keine Lebewesen! Ich bin ja gespannt, was aus unserem Vorhaben wird...


Der Wirt bringt unsere Biere: „Prost, die Herrschaften!“

„Danke, Gerhard.“, antwortet Brunhilde.

„Gibt es etwas Neues?“

„Was meinst du denn?“, frage ich ihn.

„Nun, von den Eiskindern!“

„Ja. Wir waren letzte Nacht draußen am See...“


Und ich erzähle ihm die ganze Geschichte. Er wird es ja sowieso erfahren, sage ich mir. Und außerdem kann es gar nicht schaden, wenn die Leute gewarnt sind. Gut, ich stelle mich durch meine Erzählung gegen die Eiskinder, aber was wollen sie denn von uns anderes erwarten?


Dankbarkeit?

Überschwängliche Freude für ihre guten Taten?


Ich bin mit meinem Bericht zu Ende. Gerhard legt die Ohren an: „Das darf doch nicht wahr sein! Sie tanzten in diesem riesigen Eisblock?“

„Ja.“

„Aber Günter! Wie können sie denn inmitten einer Eismasse existieren? Wie können sie sich darin bewegen? Sie müssen doch atmen! Und zweitens müssten sie normalerweise darin erfrieren!“

Brunhilde sagt: „Du kennst die Eiskinder nicht! Man kann sie nicht mehr als normale Menschen betrachten! Sie haben etwas an sich, was sie von uns Normal-sterblichen völlig unterscheidet! Verstehst du das?“

„Nein. Ich kann das einfach nicht nachvollziehen.“

„Sei froh, dass nicht auch eines deiner Kinder... - gegangen ist.“

Er schaut sie etwas beschämt an und antwortet: „Ja, darüber bin ich ehrlich froh. Ich bringe euch gleich euer Essen.“


Nun weiß es also auch der Wirt. Und somit wissen es naturgemäß alle Einwohner von Waldhütte. Die Eiskinder haben ungeheuerliche Fähigkeiten. Und es sieht so aus, als ob sie langsam, aber sicher, die Macht über unser Dorf übernehmen.


Was haben sie nur vor?

Haben sie überhaupt etwas vor?

Wollen sie nur in Ruhe gelassen werden?

Oder schmieden sie irgendwelche teuflischen Pläne?


Ich könnte mir sogar vorstellen, dass sie nichts anstellen würden, wenn wir sie in Ruhe lassen würden... - jedoch wäre das natürlich keine Garantie...


Der Schweinebraten, der uns vorgesetzt wird, schmeckt vorzüglich. Das muss man dem Wirt bzw. seiner Frau schon lassen. Kochen kann sie! Diese phantastische Soße! Und das wunderbare Sauerkraut! Einfach himmlisch!


Wir hören, wie sich am Stammtisch ein etwas älterer, ungepflegter Mann, der ziemlich angetrunken ist, über die Eiskinder auslässt. Ein zweiter Mann, der bei ihm sitzt und sich ruhig verhält, hört ihm schweigend zu. Der Unrasierte schimpft:


„Diese Eiskinder sollte man in einen großen Sack stecken und diesen dann irgendwo versenken! Was bilden sich diese kleinen Fratzen überhaupt ein? Ich habe auch Kinder. Aber ich sage dir, dass ich mich nicht so ängstlich verhalten würde wie all die Eltern der Eiskinder. Sie fürchten sich vor ihrem eigenen Nachwuchs! Das ist doch lächerlich! Und die Polizei schaut zu. Wahrscheinlich fürchten sie sich auch, diese elenden Feiglinge.“


Er hört nicht auf, zu schimpfen. Und er wird immer ausfallender. Brunhilde und ich hören schweigend zu. Doch dann wird es ihr zu viel:


„Dieser Mistbock geht mir ganz gewaltig auf die Nerven.“

„Lass ihn, er ist betrunken.“

„Das entschuldigt aber nicht sein Verhalten.“

„Was soll ich denn tun? Ihm ein Veilchen verpassen?“

„Schaden würde es ihm nicht.“


Wir sind gerade mit dem Essen fertig, als sich die Gasthaustüre öffnet und Hans Siebenknecht, der alte Mann, den ich vom Stammtisch her kenne, eintritt. Er sieht uns sofort, und kommt auf uns zu. Zugleich wirft er einen eindeutigen Blick zu dem Angetrunkenen und tippt sich mit dem Finger an den Kopf. Dieser Mann strahlt eine unglaubliche Ruhe aus, finde ich. Er fragt höflich, ob er sich zu uns setzen kann, und wir gestatten es ihm selbstverständlich. Ich kenne ihn erst kurz, diesen angenehmen Mann, und er ist mir sehr sympathisch - eben, weil er so positiv ist.


Er setzt sich an die Stirnseite des kleinen Tischchens und bestellt sich ein Bier. Dann zieht er seinen Schnupftabak heraus und nimmt eine kräftige Brise.


„Möchtest du auch, Günter?“

„Nein, danke.“

„Aber ich möchte eine Brise!“, sagt Brunhilde. Sie kennt Hans nur vom Sehen, also vom Einkaufen.

„Wie geht es euch denn?“, fragt er uns. Er sitzt genau zwischen uns.


Gerhard bringt ihm sein Bier.


„Den Umständen entsprechend!“, antworte ich.

„Ich sage euch: Irgendwann werden die Eiskinder zu uns zurückkommen, und dann werden sie alle wieder ganz normale Kinder sein!“


Ich sehe, wie dieser Satz bei Brunhilde wie Öl hinuntergeht.


„Meinen Sie?“

„Nennen Sie mich ruhig Hans, Frau Münster.“

„Ich heiße Brunhilde.“


Sie schütteln sich die Hände.

Eine neue, gute Bekanntschaft ist geschlossen.


„Ja, ich bin der festen Meinung, dass sich diese Geschichte irgendwann in Wohlgefallen auflösen wird!“

„Und wieso glaubst du daran?“, will sie von ihm wissen. Groß sind ihre Augen.

„Weil ich an das Gute glaube.“

„Ja, ja, aber wie es momentan aussieht, Hans, hat das Böse die Oberhand über unsere Kinder.“

„Irgendwann werden sie erkennen, in welch furchtbarer Gefahr sie sich befinden. Und dann werden sie sich zusammenschließen, und gegen diese zerstörerische Macht ankämpfen.“

„Ob es ihnen wohl gelingen wird?“, frage ich ihn.

„Das weiß nur Gott.“

„Du bist ein sehr gläubiger Mensch, Hans!“

„Ja, Brunhilde, das bin ich. Ich war es aber nicht immer.“

„Was willst du damit sagen?“

„Dass ich bis zu einem bestimmten Ereignis nicht an Gott glaubte.“

„Erzähle!“, sagen Brunhilde und ich zugleich. Wir hängen an seinen Lippen.

„Vor etwa zwanzig Jahren erlitt ich mit meinem Traktor einen schweren Unfall. Die Handbremse hatte sich seltsamerweise von selbst gelöst, und die Maschine überrollte mich von hinten. Ich erlitt dabei unter anderem einen Schläfenbeinbruch. Mein Gehirn wurde gequetscht, und ich lag am Sterben. Ich war bei vollem Bewusstsein, als der Pastor an mein Bett in der Intensivstation kam, und mir die Letzte Ölung verabreichte. Ich schaute ihn an und sagte:


„Herr Pastor, ich werde nicht sterben!“

Er lächelte mich nur an und sagte nichts.


Am nächsten Tag lebte ich immer noch. Und auch die Woche darauf. Und schließlich wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Gut, man berentete mich, und ich war auch nicht mehr der Gesündeste, aber wie ihr seht, geht es mir verhältnismäßig gut. Ich kann spazieren gehen, essen und trinken, was ich will, und was das Wichtigste ist: Ich glaube wieder an eine Höhere Macht. Ich glaube an Jesus Christus und an den Allmächtigen Vater. Ja, und ich sage euch: Ich fühle mich ungemein wohl dabei.“

“Dein Überleben war ein Wunder!“, sagt Brunhilde leise.

„Ja, so könnte man es wohl bezeichnen. Und ich sage euch: Ich bin auf dieser seltsamen und unergründlichen Erde nicht der Einzige, der durch ein gravierendes Erlebnis seinen Glauben zurückbekommen hat. Ich bin mir auch sicher, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht. Ich glaube an die Reinkarnation.“

„Wir auch.“, sage ich.

„Ja, das tun wir.“, meint Brunhilde.

Er fährt fort: „Die Eiskinder wurden von dieser negativen Macht in deren Bann gezogen. Sie erleben sicherlich irgendetwas, das für sie ungemein reizvoll ist. Wahrscheinlich macht ihnen diese Macht keine Vorschriften. Sie können tun und lassen, was immer sie wollen. Und sie haben dieses schreckliche Eis als Waffe. Mit dieser Waffe fühlen sie sich wahrscheinlich unschlagbar. Und sie wollen sie uns zeigen, diese Macht, egal, was auch passiert. Sie würden sich gegen diese furchtbare Kraft mit aller Macht wehren, wenn es anders wäre. Ich meine damit, wenn diese Kraft ihnen Vorhaltungen oder Vorschriften machen würde. Ihr sagt, dass sie tanzten und sangen. Genau dies sagt mir, dass sie sich in ihrem jetzigen Zustand wohl fühlen. Aber das muss nicht so bleiben. Es gibt für alles einen Anfang und ein Ende.“

Brunhilde nimmt seine Hand und sagt: „Du hast uns sehr geholfen, Hans. Ich bin mir nicht sicher, ob alle Leute in diesem Ort so denken, wie du.“

Er nimmt sein Glas und lacht: „Ein Prost auf die Eiskinder! Sie sollen leben und irgendwann zu uns zurückkehren!“


Mein Gott! Woher hat dieser Mann nur diese unglaublich positive Denkweise? In meinem Kopf sieht es ja leider ganz anders aus...


Es ist noch hell, als wir das Gasthaus verlassen. Wir fahren direkt nach Hause. Dieser Tag verlief ausnahmsweise ruhig.

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