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Eisen und Blut

Kapitel 1 – Der Angriff

Das letzte Leuchten des Vollmondes erhellte die Nacht. Bald würde die Sonne aufgehen. Ungeduldig verharrten mehrere Dutzend Orks zwischen den Bäumen unweit des Dorfes Mittenholz. Ihre Klingen waren mit Kohle geschwärzt, um sich nicht durch Reflexionen des Mondlichtes zu verraten. Gragh, der Anführer der Gruppe, war in eine schwere Rüstung gehüllt. In seiner Hand hielt er einen gewaltigen Krummsäbel. Ideal, um Köpfe abzuschlagen. Neben ihm ragte der nackte Oberkörper eines Ogers empor. Er war voller Ungeduld, wie man seinem Knurren entnehmen konnte. Gragh und seine Krieger warteten auf die Stunde des Zwielichtes. Die Morgendämmerung sollte ein Erwachen mit Schrecken für die Bewohner des Dorfes bringen. Gragh rückte seinen Helm zurecht, verbarg seine geflochtenen Zöpfe und gab endlich das vereinbarte Zeichen. Nahezu lautlos verschwanden zwei Schemen im Dunkel der Nacht.

Genüsslich gähnte Erlend, einer der beiden Wächter auf dem Palisadenwall von Mittenholz. „Müde, wa?“, meinte sein Gefährte Irion. „Du nicht?“, erwiderte Erlend. „Die liebe lange Nacht hocken wir hier und nichts tut sich. Wie gerne wäre ich bei meinem Weib im warmen Bett.“ „Besser, es passiert nichts. Mir ist Ruhe lieber“, sagte Irion. Erlend nickte müde und gähnte wieder. Als Nächstes entzündete er eine neue Fackel, weil die alte bald abgebrannt sein würde.

Geduckt schlichen zwei Krieger auf den Palisadenwall des Dorfes zu. Bisher hatte keiner der Wächter Alarm geschlagen. Und so sollte es bleiben, zumindest war das der Plan von Gragh. Mit einem Pfeil in der Stirn brach Erlend zusammen. Der zweite Schütze verfehlte sein Ziel und Irion sah die drohende Gefahr. „ALARM! Wir werden angegriffen! ALA....“ – ein Pfeil in seinem Hals ließ ihn gurgelnd zu Boden gehen. Schnell überwanden die Orks den Zaun und stießen das Tor auf.

Gragh gab das Signal zum Angriff. „Blut! Holt sie Euch, ihr Hunde!“ Die erste Rotte stürmte voran und drängte in den Ort. Eine zweite Gruppe folgte knapp dahinter, unter ihnen Gragh und sein Oger. Verhaltene Schreie waren zu hören und das Klirren von Stahl auf Stahl. Feuer züngelte von einem der Häuser. Die Todesschreie der Menschen schienen das wütende Gebrüll der Orks noch anzufachen. Wer sich ihnen in den Weg stellte, fand einen schnellen Tod. Zerfetzte Körper zeugten von der Blutgier der Orks.

Eine Riege von Wächtern formierte sich. Edwin, ihr Truppführer, versuchte sich einen Überblick zu verschaffen und gab hastig Befehle. Einige schlaftrunkene Bewohner verließen die Häuser. Bevor sie wussten, wie ihnen geschah, waren die Orks mit ihren krummen Säbeln über ihnen und schlachteten sie ab. Ihre sterbenden Körper fielen achtlos in den Staub. Laut erklang das Alarmhorn der Stadt. Endlich erhielten die wenigen Wächter Verstärkung durch die Dorfwehr. Angeführt von dem Schmied Gebhard stellten sich die Mittenholzer den Orks entgegen. Es gelang ihnen, die Angreifer zurück zum Dorfplatz zu drängen. Edwin frohlockte und schlug einen der Grünhäute mit seiner Klinge nieder.

Plötzlich sah er sich einem großen Ork in schwarzer Panzerung gegenüber, der ihn hasserfüllt und zähnefletschend ansah. Gerade wollte er ihn angreifen, als ihn von der Seite eine gewaltige Keule in die Magengrube traf. Keuchend ging er in die Knie. Als er aufblickte, sah er nackte, grünliche Knie vor sich. Ein riesiger Oger stand vor ihm und ehe Edwin sich versah, fuhr eine gewaltige Keule auf seinen Kopf nieder. Er hörte seinen Schädel bersten, Blut schoss ihm in die Augen. Das letzte, was er sah, war, wie der Oger ihn triumphierend ansah und mit einem Fuß zerquetschte. Dunkelheit umfing Edwin und der Tod beendete seinen Schmerz.

Gebhard sah den Truppführer fallen und bemerkte, dass die Orks sie in eine Falle gelockt hatten. Auf dem Dorfplatz herrschte ein wüstes Durcheinander von Verteidigern und Angreifern. Blut und Tod waren allgegenwärtig. Allen voran hieb ein Oger mit seiner Keule um sich. Ein Mittenholzer nach dem anderen fiel. Verzweifelt wehrte sich Gebhard gegen angreifende Orks mit seinem Schmiedehammer. Es gelang ihm, einen von ihnen zu fällen, als ihn ein Pfeil in die Brust traf. Pfeifend entwich die Luft aus seinen Lungen. Der große Ork kam mit einem triumphierenden Lächeln auf ihn zu. „Gut gekämpft, Mensch! Gragh wird dich töten und deinen Kopf nehmen! Vorher sollst du leiden!“ Langsam bohrte er seine Klinge tief in den Bauch von Gebhard und riss sie nach oben bis zu den Rippen. Gebhard stöhnte auf, sein Blick brach. Blut und Gedärme traten aus der Wunde. Hämisch grinsend holte Gragh mit der blutigen Klinge aus. Blut spritzte und Gebhards Kopf kullerte über den Boden.

Zufrieden blickte Gragh auf das allmählich abklingende Gemetzel. Was er sah, gefiel ihm: Zerschmetterte Körper, abgetrennte Gliedmaßen und überall Blut. Den Kriegsgöttern war genüge getan. „Plündert alles und fackelt das Dorf ab! Frauen und Kinder werden Sklaven! Der Meister macht guten Preis!“, trieb Gragh seine Krieger an, die johlend die letzten Verteidiger niederschlugen und Fackeln auf Häuser warfen. Ein Gebäude nach dem anderen ging in Flammen auf. Abseits der Brände hockten wimmernde Frauen und Kinder auf dem Boden, bewacht von waffenstarrenden Orks. Kurze Zeit später war der Spuk vorbei und die ersten Sonnenstrahlen fielen auf das brennende Dorf.

Kapitel 2 – Rückkehr mit Schrecken

Seit Stunden war Botho unterwegs und kontrollierte seine Fallen. Der Weg hatte ihn weit von zuhause weggeführt, aber hatte sich gelohnt. Eine Handvoll Kaninchen war seine Beute und er konnte zufrieden sein. Das frühe Aufstehen lange vor dem Morgengrauen war nie leicht, von daher war er froh, nicht mit leeren Händen nach Hause gehen zu müssen. Sobald er angekommen war, würde er seine Morgenmahlzeit zu sich nehmen. Hager wie er war, achtete sein Weib Tonda sorgsam darauf, dass er genügend aß. Sie würde wahrscheinlich bereits auf ihn warten. Vor kurzem waren sie in das friedliche Dorf Mittenholz gezogen. Seit sie sein Kind in sich trug, sorgte er sich um ihre Sicherheit. Und Tonda würde hocherfreut sein über die Beute, denn sie nähte mit wachsender Begeisterung Kleidung für den Nachwuchs. Botho hoffte sehr, es würde ein Sohn werden. Ein Sohn, dem er das Jagen und Fallen stellen beibringen würde, wie es einst sein Vater ihn gelehrt hatte. Gegebenenfalls eine Tochter, die ohne Zweifel ebenfalls eine gute Jägerin abgeben würde. Außerdem war er gespannt, ob sein Kind die gleichen feuerroten Haare wie er haben würde.

Während er über die Zukunft sinnierte, übersah er zunächst die vielen tiefen Fußspuren, die im Waldboden waren. Als er zu der Weide kam, auf dem die Schafherde des Dorfes stehen sollte, traute er seinen Augen kaum. Dort wo sonst die Tiere friedlich grasten, lagen blutige Kadaver. Irgendjemand hatte grausam unter den Schafen gewütet. Die Wunden an den Kadavern deuteten auf Waffengewalt hin, nicht etwa auf Wölfe oder gar Bären. Erst jetzt sah er die vielen schweren Fußabdrücke, die Spuren im Gras hinterlassen hatten.

Unruhe erfasste Botho und er eilte in Richtung Mittenholz. Noch bevor er das Dorf sehen konnte, roch er Rauch und Feuer. Einen Moment später sah er das Dorf, wie es lichterloh brannte. „Wie ist das möglich?“, dachte er sich. Schnell ließ er die Kaninchen fallen, rannte los und stürzte durch das qualmende Tor. Voller Entsetzen schaute er sich um. Die Angreifer hatten schrecklich gewütet und der Dorfplatz war voller Leichen! Niemand rührte sich mehr. Allerdings war keine Leiche von Angreifern zu sehen. Die Dorfbewohner hatten furchtbare Wunden davongetragen, einige waren enthauptet. Was hier passiert war, musste schnell geschehen sein. Voller Panik rannte Botho zu seiner kleinen Hütte. Die Tür war eingeschlagen worden und hing schief in den Angeln. Immerhin brannte das Haus noch nicht.

„Tonda! Wo bist du? Tonda!“, rief er. Es kam keine Antwort und stürzte in das Haus. Das Innere war komplett verwüstet. Tisch und Stühle waren umgeworfen, das irdene Geschirr zertrümmert. Schlimmes ahnend ging er in die Schlafkammer und dort fand er Tonda oder besser das, was von ihr übrig war. Sie lag mit blutüberströmtem Gesicht auf ihrem Bett, die Beine in einem unnatürlichen Winkel verdreht. Ihr Gewand hatte einen Riss, als hätte man ihr mit einer Klinge den Bauch aufgeschlitzt. Neben ihr lag eine kleine Hose sowie ein Knäuel Wolle. Überall war Blut.

Bei diesem Anblick blieb Botho die Luft weg. Tränen schossen ihm in die Augen. Erst stieg Brechreiz in ihm auf, dann unbändige Wut. Mit den Fäusten hämmerte er auf die Tür ein bis ihm die Hände schmerzten. „Nein! Nein! Das darf nicht sein!“ Der Schmerz machte ihm klar, er war zu spät gekommen.

Völlig außer sich rannte Botho nach draußen und schrie seine Wut heraus. „Ihr Götter! Wieso tut Ihr mir das an? Warum?“ In seiner Verzweiflung hämmerte er mit der bloßen Faust an die Wand seines kleinen Hauses. Mit einem Mal hörte er eine leise Stimme rufen. „Hilfe!“ rief die Stimme.

Dieser Ruf ließ Botho ein wenig klarer werden. „Wer ist das?“, schrie Botho. „Und wo bist du?“ Die kraftlose Stimme rief etwas. Botho verstand lediglich „Dach“ und sah sich um. In nächster Umgebung sah er ein Gebäude, bei dem das Dach eingestürzt war: die Schmiede. Sofern der Rufer eingeklemmt war, lag er vielleicht unter dem Dach. Botho ging auf das Gebäude zu und rief erneut. „Ist da wer?“ „Ja! Bitte hilf mir!“, tönte es von innen. Vorsichtig schob Botho einen Balken zur Seite und klettere hinein. „Gebhard? Bist du es? Wo bist du?“, fragte er und schaute angestrengt auf die Trümmer. Außer Schutt und Staub war nichts zu sehen. „Ich bin es, Elimar! Ich bin hier“, sagte die Stimme. Bei diesem Namen sah Botho den Schmiedegesellen vor seinen Augen, der ein bisschen jünger war als er selbst. Und dann sah er eine Hand, die zwischen den Balken hervorguckte und einen blonden Haarschopf. „Ich sehe dich. Bist du verletzt?“ „Bin eingeklemmt. Keine Luft!“ „Halt durch, ich hol dich raus.“ Stück für Stück entfernte er Holzbalken und andere Teile des Daches, bis er Elimar ins Freie ziehen konnte.

Der war rußgeschwärzt und holte erst einmal tief Luft. Als er sich den Staub abklopfte, fing er an, zu reden. „Hab vielen Dank! Ich dachte, ich müsste hier verrecken!“ Betrübt schaut er sich um und sah das Ausmaß der Verwüstung.

„Keine Ursache. Sag an, was ist hier passiert? Wer war das?“, drängte Botho voller Ungeduld.

„Es waren Orks, sehr viele Orks. Meister Gebhard ist raus gerannt und die anderen der Dorfwehr. Ich habe sie kämpfen gehört. Die Orks waren überall.“ Er holte tief Luft und verzerrte das Gesicht vor Schmerzen. „Auu! Das wird noch eine Weile schmerzen befürchte ich. Hast du sonst noch jemand gesehen?“ Mit einem Ruck zog er sich einen daumengroßen Holzsplitter aus dem Oberarm. Trotz seiner Jugend hatte er durch die harte Schmiedearbeit beeindruckende Muskeln.

Voller Verzweiflung sah Botho ihn an und seufzte. „Hier lebt niemand mehr. Diese verfluchten Bastarde haben meine Tonda und unser ungeborenes Kind getötet. Einfach so! Zum Vergnügen! Wäre ich bloß bei ihr gewesen!“

Elimar schaute ihn mitleidig an. „Ich verstehe, was du durchmachst. Es muss schrecklich für dich sein. Doch du hättest ihr niemals helfen können. Es waren zu viele. Viel zu viele. Mag ein schwacher Trost sein, doch du hast überlebt.“

Botho versuchte, die Wut herunterzuschlucken. Er lebte und es erschien ihm wie Segen und Fluch zugleich. Mühsam verkniff er sich die Tränen der Trauer und fasste sich langsam. Er schaute auf Elimar. „Dein Arm gefällt mir nicht. Den müssen wir verbinden. Dann sollten wir uns umschauen und ein paar Dinge retten, bevor alles abfackelt. Ich muss einfach irgendetwas unternehmen, andernfalls werde ich wahnsinnig.“

Kurze Zeit später war Elimars Arm verbunden und sie hatten begonnen, Vorräte zusammengetragen. Die meisten Feuer brannten noch, denn zu zweit war es unmöglich, alles zu löschen. Egal in welche Hütte sie sahen, das Ausmaß der Plünderung war entsetzlich. Bei der vergeblichen Verteidigung mussten sich Dramen abgespielt haben. Anders waren die verzerrten Gesichter der Toten nicht zu deuten. Alle ihre Nachbarn, Freunde und Bekannten hatten den Tod gefunden. Botho kämpfte mit den Tränen. Aufmunternd klopfte Elimar ihm auf die Schulter und zog ihn mit sich. Alles was sie fanden, waren noch mehr grausam verstümmelte und entstellte Körper. Lebenszeichen zeigte niemand mehr und der Tod war allgegenwärtig. Die Orks waren mehr als gründlich gewesen.

Auf der Suche nach Vorräten kamen sie zum „Tonkrug“, dem Gasthaus des Dorfes. Die Tür war eingeschlagen und Ethwald, der Wirt, lag mit gespaltenem Schädel am Eingang. Eine Lache aus Blut und Hirnmasse zierte den Boden. „Armer Narr! Er dachte, er könne sein Gasthaus alleine verteidigen“, sagte Elimar. „Wenigstens war er hier und hat es versucht“, erwiderte Botho verbittert. „Ich hingegen...ach, lass uns drinnen nachsehen. Vielleicht finden wir noch was Brauchbares.“ Er machte einen großen Schritt, rutschte auf dem Blut aus und stolperte vorwärts. „Hast du dir was getan?“, fragte Elimar besorgt und ging ebenfalls hinein.

Innen war, wie in den anderen Gebäuden, alles verwüstet. Geschirr und Trinkbecher lagen zerschlagen am Boden. Ein Fass mit Bier war eingeschlagen und sein Inhalt hatte sich über den Boden ergossen. Zu ihrem Erstaunen sahen sie einen Ork am Boden liegen, daneben der reglose Körper von Aleta, der jungen Tochter des Wirtes. Ihre langen schwarzen Haare bedeckten ihr Gesicht, dennoch erkannte Elimar sie sofort.

Botho sah sich aufmerksam um. „Merkwürdig. Sonst war keine Orkleiche zu finden.“ Dann sah er, dass sich der Brustkorb von Aleta langsam hob und senkte. „Sie lebt!“ sagte er und kniete sich neben sie. „Dafür ist der hier mausetot“, sagte Elimar, nachdem er gegen den Ork getreten hatte. „Ist scheinbar in der Bierpfütze ausgerutscht.“

„Aleta, wach auf. Aleta“, redete Botho auf sie ein und schüttelte sie sanft an der Schulter. Tatsächlich bewegte sie sich und schlug die Augen auf. „Auuu! Mir brummt der Schädel! Wo ist Vater? Was ist passiert?“, fragte sie und richtete sich mühevoll auf.

„Das haben wir gehofft, von dir zu erfahren“, sagte Botho. „Dieser Unhold hat mich angefasst“, erklärte Aleta angewidert und deutete auf den Ork. „Irgendwie muss ich gestolpert sein. Ich kann mich nicht erinnern, was dann passiert ist.“ Sie stand langsam auf und streckte Arme und Beine. Dabei staunte Elimar über ihre, für eine Frau kräftigen Oberarme. Offensichtlich durch die Arbeit in dem Gasthaus.

„Du hattest verdammtes Glück. Der Kerl ist scheinbar in dem Bier ausgerutscht und hat sich das Genick gebrochen“, erwiderte Botho. „Kannst du aufstehen?“

„Ja, ich glaube schon.“ Aleta erhob sich mühevoll auf und schaute sich besorgt um. „Wo ist Vater?“, fragte sie ängstlich.

„Dein alter Herr hatte weniger Glück als du“, sagte Botho verbittert. „Er liegt vor der Tür. Jemand hat ihm den Schädel eingehauen. Die anderen hat es alle erwischt. Draußen sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld.“

„Vater ist tot? Und die anderen alle? Wie schrecklich!“, schluchzte Aleta.

„Eines ist klar: Wir müssen hier weg. Wohin, wissen wir noch nicht. Das Dorf brennt und hier lebt niemand mehr“, meinte Botho.

Elimar war sichtlich erschüttert von der Aussicht, Mittenholz verlassen zu müssen. „Weg von hier? Wo sollen wir hin? Ich habe mein ganzes Leben hier verbracht.“

„Das ist eine gute Frage“, sagte Aleta schniefend. „Ich war bisher nur selten außerhalb des Dorfes.“

„Hab keine Sorge“, sagte Elimar. „Ich passe auf dich auf.“

Sie schenkte ihm ein Lächeln. „Danke. Wo können wir hin?“

„Genau weiß ich das noch nicht“, erwiderte Botho. „Ich vermute, die Orks haben die Überlebenden verschleppt. Wir sollten ihnen nach und versuchen, sie zu retten.“

„Das klingt nach einem Plan“, erwiderte Elimar. „Ich bin dabei. Wo immer uns das Schicksal hinbringen wird.“

Aleta ließ ihren Blick über das Gasthaus schweifen, welches bisher ihr Leben bedeutet hatte. Sie sah die Verwüstung und verstand, dass sie nicht bleiben konnte. Angesichts der Leiche ihres Vaters wischte sie sich eine Träne aus dem Auge.

„Dann werde ich euch begleiten. Ich will Rache für meinen Vater und die anderen. Diese Orks sollen dafür büßen, was sie heir angerichtet haben. Außerdem müssen wir wenigstens versuchen, die Gefangenen zu befreien.“ Auf einmal senkte sie den Blick und verdrückte ihre Tränen. „Helft ihr mir, Vater unter die Erde zu bringen?“

„Keine Frage, ich helfe dir gerne“, sagte Elimar betrübt. „Das ist das mindeste, was wir tun können.“

Kapitel 3 – Die Schafweide

Nach der Beerdigung von Aletas Vater auf einer Waldlichtung blieb Aleta noch einen Moment zurück, um sich in Ruhe verabschieden zu können.

„Meinst du, wir können sie alleine lassen?“, fragte Elimar besorgt.

Botho nickte. „Klar, sie ist ein tapferes Mädchen. Komm, untersuchen wir die Umgebung nach Spuren. Ich will wissen, wo diese Unholde hin sind.“ Sie gelangten zur Schafweide und Botho berichtete, was er zuvor dort gesehen hatte.

„Wie die Tiere haben sie gewütet! Würde mich nicht wundern, falls sie kein einziges Schaf lebend gefangen haben. Diese grünhäutigen Bastarde kennen kein Erbarmen“, regte er sich auf.

„Weswegen kamen sie hier her? Ich meine, viel gab es bei uns wahrlich nicht zu holen“, fragte Elimar. „Gibt es keine besseren Ziele in der Nähe?“

„Die Grenze zu ihren Landen ist nahe und die nächste Stadt weit entfernt. Seit Jahren herrschte Ruhe. Damit ist es offensichtlich vorbei. Der Vater meines Vaters hat uns Kindern früher von den Orkkriegen erzählt. Das liegt viele Jahre zurück“, erklärte Botho. „Komm, vielleicht finden wir noch ein lebendes Schaf.“

An der Weide angekommen sahen sie die traurigen Überreste der einst stolzen Herde. Dazwischen lagen ebenfalls die Kadaver der drei großen braunen Hütehunde, die mit Pfeilen gespickt waren. Mit Wölfen hatten diese Hunde keine Sorgen, gegen bewaffnete Orks waren sie chancenlos gewesen.

„Was liegt dort bei den Hunden? Ist das etwa der Hirte?“, fragte Elimar.

„Sieht mir zu stämmig aus für den Hirten. Lass uns nachsehen.“

Als sie näher kamen, erkannten sie schnell, dass es sich um einen Ork handelte. Seine Schläfe war blutverkrustet, der Boden neben ihm getränkt mit Blut.

„Der ist mausetot“, sagte Elimar unnötigerweise.

„Bloß wer hat ihn getötet? Was ist hier passiert?“, fragte Botho laut.

„Das kann ich erklären“, erklang eine leise Stimme hinter ihnen. Als sie sich umdrehten, sahen sie einen wettergegerbten Mann mittleren Alters. Sein drahtiger Körper steckte in einer Weste aus Wolfsfell und Wollhosen. In den Händen hielt er eine Schleuder. „Ihr habt Glück, dass ihr Menschen seid. Wäret ihr Orks gewesen, also es wäre euch nicht gut bekommen. Würdet jetzt tot im Dreck liegen.“

„Jabar!“, entfuhr es Botho. „Welche Freude! Du lebst?“

„Sieht so aus. Es war verdammt knapp. Diese grünhäutige Bande kam in aller Frühe. Wären meine Hunde nicht gewesen, hätten sie mich erwischt. Wenigstens einen von ihnen konnte ich erledigen“, erklärte er und sah verächtlich auf den toten Ork.

„Du hattest mehr Glück als die meisten in Mittenholz. Das Dorf steht in Flammen. Außer uns drei hat niemand überlebt“, erwiderte Botho.

„Das hatte ich befürchtet.“ Er stockte. „Wieso drei? Ich zähle zwei. Wer ist noch bei euch?&

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