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Eine vornehme Sünde

Inhalt

  1. Cover
  2. Der Roman
  3. Die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. VERFÜHRUNG
  7. 1. Kapitel
  8. 2. Kapitel
  9. 3. Kapitel
  10. 4. Kapitel
  11. 5. Kapitel
  12. 6. Kapitel
  13. 7. Kapitel
  14. 8. Kapitel
  15. VERLANGEN
  16. 1. Kapitel
  17. 2. Kapitel
  18. 3. Kapitel
  19. 4. Kapitel
  20. 5. Kapitel
  21. 6. Kapitel
  22. 7. Kapitel
  23. 8. Kapitel
  24. 9. Kapitel
  25. VERRAT
  26. 1. Kapitel
  27. 2. Kapitel
  28. 3. Kapitel
  29. 4. Kapitel
  30. 5. Kapitel
  31. 6. Kapitel
  32. 7. Kapitel
  33. 8. Kapitel
  34. 9. Kapitel
  35. 10. Kapitel
  36. 11. Kapitel
  37. 12. Kapitel

Der Roman

Ehre und Begierde in stürmischen Zeiten

Berlin 1924: Fürst Wilhelm von Ilmen und Thal soll Komtess Leonie von Lonstill heiraten, denn seine Familie wartet ungeduldig auf den langersehnten Erben. Doch dann taucht überraschend Wilhelms Jugendliebe Prinzessin Valentina auf, die der Welt des Adels vor Jahren den Rücken gekehrt hat. Sie schlägt Wilhelm einen unmoralischen Pakt vor, der zu verführerisch scheint, als dass er ihn ausschlagen könnte. Der Fürst muss sich entscheiden – zwischen der Zukunft seines Adelsgeschlechts oder der rebellischen Prinzessin, die ihn immer mehr in ihren Bann zieht.

Die Autorin

Josephine Winter (*1983) schreibt seit ihrem Studium der Kulturwissenschaften in Hildesheim Liebes- und Erotikromane. Sie benutzt viele Pseudonyme, hat noch mehr Happy Ends verfasst und eine große Schwäche für die Zwanzigerjahre. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

1. Kapitel

Berlin, 1924.

»Als hätte es den Krieg nie gegeben, mein lieber Wil«, sagte Herzog Donald mit schnarrender Stimme. »Herrlich. So einen Auftakt zur Ballsaison wünsche ich mir.«

Wilhelm Fürst von Ilmen und Thal runzelte die Stirn. Er hörte die Anerkennung in der Stimme seines väterlichen Freundes. Selbst hinter der schwarzen Maske war im Blick des Herzogs die Bewunderung für den Prunk unverkennbar, den Wilhelm im Ballsaal hatte entfalten lassen. Auch der Fürst selbst musste sich eingestehen, dass die exquisit angerichteten Speisen und die Pracht der Kleider, die ausgefallenen Maskierungen der Gäste und die Musik des Orchesters keine Spur des vergangenen Weltkrieges trugen, der das Land vor fünf Jahren erschüttert hatte. Das genau war schließlich Sinn und Zweck des Maskenballs, der Musik und des Tanzes zwischen Luftballons und glitzernden Luftschlangen: den Anschein zu erwecken, alles wäre, wie es immer gewesen war. Aber das war es nicht.

Fürst Wilhelm wusste nichts auf die Worte des Herzogs zu erwidern. Er hatte einen bitteren Zug um den Mund, als er an seinem Champagner nippte – und das lag nicht an dessen Qualität, diese war exquisit. Er verbeugte sich vor einer vorbeiziehenden Dame in aufwendigem Blumenkostüm und nickte einem Gast im Frack zu, den Wilhelm hinter dessen Maske zwar nicht erkannte, in dem er aber einen Kollegen aus der Bank vermutete. Ein adliger Gast hätte eine andere Haltung an den Tag gelegt. Den Adel erkannte man am Rückgrat, am stolz getragenen Haupt – so wie Herzog Donald, der sich – und das war offensichtlich – trotz seines Alters zwang, kerzengerade und stolz neben dem Gastgeber zu stehen. Nichts und niemand konnte den Herzog erschüttern. Der Krieg hatte das nicht gekonnt, und die Demokratie auch nicht.

Um Wilhelm herum klirrten Gläser. Mit silbernen Champagnerquirlen im Art-déco-Stil rührten die Damen die Kohlensäure aus ihren Getränken. Perlendes Lachen mischte sich mit den Walzerklängen der Streicher.

»Fabelhaft, ganz fabelhaft«, schnarrte Herzog Donald und nickte jovial. »Dieses Fest hätte deinen Vater stolz gemacht, mein Junge.«

»Dass mein Vater heute nicht mit uns feiert, Donald, ist Beweis genug dafür, dass es diesen schrecklichen Krieg gegeben hat«, erwiderte Wilhelm.

Der Herzog seufzte und sah zu dem Fürsten hinüber. »Dein Vater ist auf dem Feld der Ehre gefallen und für sein Land gestorben. Aber das ist jetzt schon sechs Jahre her, Wil.«

Der junge Fürst nickte und trank einen Schluck. »Und wäre er nicht in diesem Krieg geblieben, dann hätte ihn sicher das umgebracht, was danach gekommen ist.«

Herzog Donald neigte den Kopf zur Seite. »Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob das tatsächlich so gekommen wäre. Vielleicht leidest du mehr unter den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen, als er es je getan hätte«, sagte er mit der von Alter knarzenden Stimme, die Wilhelm so vertraut war.

Er leerte sein Champagnerglas und stellte es ab.

Ein wissendes Lächeln umspielte die dünnen Lippen des Herzogs. »Du solltest tanzen, mein Junge.«

Wilhelm lachte auf. »Du wirst mich wohl immer Junge nennen, nicht wahr?«

»Bis ich die Augen für immer schließe, Wil.«

»Ich bin schließlich längst über dreißig, Donald, und bekomme bereits graue Schläfen.«

Der Herzog wischte unwillig mit der Hand durch die Luft. »Du bist ein Junggeselle, dem die Schuhe des Vaters immer noch zu groß sind.«

»Zumindest gebe ich mein Bestes, um in seine Fußstapfen zu treten”, entgegnete Wilhelm verärgert.

»Dann geh tanzen. Dein Vater hätte getanzt.«

»Auf keinen Fall. Ich habe diesen Ball eröffnet, und das muss reichen.« Der Fürst seufzte und griff nach einem neuen Champagnerglas. Seine Bediensteten reichten silberne Tabletts mit Getränken herum. Sie mussten nicht tanzen, die Glücklichen. Man hatte Wilhelm stets versichert, dass er ein guter und galanter Tänzer sei. Aber er glaubte es nicht so recht und hielt derartige Komplimente für Schmeichelei.

Er war ein Fürst, Oberhaupt einer der ältesten und wohlhabendsten Familien im Deutschen Reich, das nun eine Republik war. Wenn Wilhelm Fürst von Ilmen und Thal eine Dame aufforderte, fühlte sie sich so geehrt, dass sie darüber hinwegsah, wie ungelenk und plump er auf dem Parkett war. Er war in einer Position, in der ihm niemand die Wahrheit sagte – außer natürlich Donald und seine Mutter, die Fürstin. Aber die beiden hielten zu viel aufs Tanzen und ermutigten ihn ständig dazu, egal, wie viele linke Füße er hatte.

Nein, Wilhelm hasste das Tanzen, und er würde das Parkett auch heute während seines eigenen Maskenballs nicht mehr betreten.

»An dir sind Hopfen und Malz verloren«, murmelte der Herzog belustigt.

Wilhelm wollte etwas erwidern, aber ein graziler Pfau huschte in diesem Augenblick, ganz Anmut in den Bewegungen, an ihnen vorbei und fesselte seine ganze Aufmerksamkeit.

Seine Augen, ebenfalls hinter einer schwarzen Maske verborgen, hingen an der Dame im prächtigen Vogelkostüm. Sein Mund war leicht geöffnet, und er vergaß alles um sich herum. Wie sie den Kopf hielt, war das, was ihn an ihr so faszinierte. Hinter der mit Pfauenfedern verzierten Maske und der schwarzen Haube sah er kaum etwas von ihrem Gesicht oder ihren Haaren. Vielleicht war sie nicht mal hübsch – aber wie hätte jemand mit diesem schlanken Hals und dieser graziösen Kopfhaltung nicht wunderschön sein können?

Die Pfauendame schlenderte zwischen den lachenden und plaudernden Gästen hindurch. Ihre nackte Schulter stieß an ein paar Luftballons, Luftschlangen streiften Wangen und Maske, ohne dass sie daran hängen geblieben wären. Elegant fand die Dame ihren Weg zwischen Dekoration und Gästen. Sie wippte bei jedem Schritt leicht im Takt des Walzers – ja, sie tanzte mehr, als dass sie ging. Dabei ließ sie den Blick über die Gesellschaft schweifen. Um ihren kirschroten Mund lag ein spöttischer Zug.

Sie sprach mit niemandem, nickte niemandem zu und beobachtete alle. Ob sie wusste, dass sie selbst auch beobachtet wurde?

Wie sie durch die kostümierten Gruppen glitt, so geschmeidig und elegant in ihren Bewegungen, zog sie den Blick so manches Herrn auf sich. Doch wer sie aufhalten oder das Wort an sie richten wollte, dessen Versuch ging ins Leere. Niemand fand Gehör; vielleicht, weil die Musik zu laut war, vielleicht aber auch, weil sie niemanden hören wollte. Sie wirkte nicht wie ein Teil der Ballgesellschaft, eher wie eine amüsierte Außenseiterin, die über allem stand.

Dabei war Wilhelm sicher, dass sie von Adel war. Diese Haltung, dieser Stolz … Sie musste einfach zur besten Gesellschaft gehören. Ob er ihr nachgehen sollte? Er machte einen Schritt in ihre Richtung – und stieß an eine Schulter.

Der Fürst wandte irritiert den Kopf. Er war in einen seiner Gäste hineingelaufen, der daraufhin etwas Champagner auf das Kleid einer in der Nähe stehenden Dame verschüttete.

Wilhelm war untröstlich, winkte einen Diener herbei und bat vielmals um Verzeihung. So schnell es ging, wandte er sich wieder ab und wollte seinen Weg fortsetzen.

Aber der schöne Pfau war verschwunden.

*

Als Gregor ein kleiner Junge war, hatten die Kleider der Damen noch anders ausgesehen. Eingeschnürt waren die Damen gewesen, Wespentaillen hatten sie gehabt, ausladende Tournüren, die das Hinterteil betonten. Die Röcke waren viel voluminöser gewesen als heutzutage, viel raschelnde Seide und sich bauschende Ärmel. Mit beiden Händen hatten die Damen ihre Röcke auf den Treppen raffen müssen.

Gregor schob seine Schirmmütze in den Nacken und lehnte sich lässig an den Rand des Brunnens. Er verschränkte die Arme vor der Brust und sah hinauf zum Ballsaal im ersten Stock des Stadtpalais. Er hatte alles von seinem Vater gelernt, den Umgang mit Rasen und Büschen, mit Rosen und Bäumen. Damals, als die Röcke noch bodenlang gewesen waren, da hatte der kleine Gregor gedacht, sein Vater wüsste alles. Er hatte die Veränderungen in der Natur kommen sehen, bevor irgendjemand den Jahreszeitenwechsel auch nur ahnte. Manchmal war es dem kleinen Gregor gewesen, als hätte nichts auf der Welt seinen ruhigen Vater überraschen können.

Der Gärtner schmunzelte, während er weiter die lachende und tanzende Gesellschaft oben im ersten Stock beobachtete. Die Fenster des Festsaals, die zum kleinen Park hinausgingen, waren bodentief, und so konnte Gregor den Maskenball, ohne selbst gesehen zu werden und damit aus sicherer Entfernung, verfolgen. Er sah elegante Fräcke, geheimnisvolle Masken und glitzernde Kleider, die teuer und prächtig waren – aber sie waren eben auch kurz. Einige bedeckten gerade eben das Knie. Manchmal schienen die Röcke nur aus Schichten langer Glitzerfäden zu bestehen, die den Damen bei jeder Bewegung um die Schenkel schwangen.

Das hatte Gregors Vater nicht kommen sehen, und es hätte ihn mehr als überrascht. Dass die Damen Bein zeigten, ihre Taillen nicht mehr betonten und – was vielleicht das Schlimmste war – die Haare kurz trugen. Besonders die jüngeren Damen im Ballsaal trugen Bubikopf oder kurze Wasserwellen.

Gregor stemmte die Hände in die Hosenträger. Ja, die Zeiten hatten sich verändert. Die Damen hatten sich vom Korsett befreit. Sie trugen ihre Haare praktisch kurz und brauchten nicht mehr Stunden, um ihre lange Pracht aufzustecken. Aber war das nur eine äußerliche Veränderung, oder hatten sie auch sich selbst befreit?

Gregor wusste nicht, ob die Frauen der besten Gesellschaft schon immer so bestimmt und fordernd gewesen waren, so zügellos … Brachte die Zeit das mit sich, der Krieg oder die Abschaffung der Adelsprivilegien?

Jedenfalls wusste Gregor allein beim Anblick der koketten Münder unter den mit funkelnden Steinen verzierten Masken, dass diese Damen nicht nur bei ihren Ehemännern das Glück fanden. Er wusste es nur zu gut. Die Ehemänner wussten es natürlich nicht; diese aufgeblasenen Pfauen mit ihrem albernen Gehabe ahnten davon nichts.

»Was sehen Sie, wenn Sie dort hinaufschauen?”, unterbrach da plötzlich eine weibliche Altstimme seinen Gedankengang.

Überrascht wandte er den Kopf. Neben ihm stand eine zierliche Frau in einem wunderschönen Pfauenkostüm – ausgerechnet! Die Pfauenweibchen nämlich waren unscheinbar, und nur die Männchen besaßen die türkisblauen Federn, die das knielange Kleid schmückten und in der sanften Abendbrise schwangen.

Aber dass sie eigentlich ein männlicher Pfau war, tat der Weiblichkeit der grazilen Schönen keinen Abbruch; sie wirkte auch nicht aufgeblasen, wie es die Männer im gelackten Frack oben im Saal taten. Im Gegenteil. Gregors Blick verweilte auf ihrem Schwanenhals, wanderte weiter, hinauf zu der mit türkisen und schwarzen Pailletten bestickten Kappe, die im Schein des Festsaallichts funkelte. Die Schöne trat näher und lächelte mit ihrem kirschroten Mund. »Was sehen Sie?«, fragte sie wieder, diesmal leise.

Er lächelte zurück. »Die schönste Frau des Abends.«

Sie lachte. »Ich meinte die Gesellschaft dort oben.«

»Ich weiß, und Sie wollen hören, dass ich gern ein Teil des Festes wäre und auch eine Maske tragen möchte.«

»Nein, ich kann sehen, dass Sie das nicht wollen«, sagte sie und kam noch einen Schritt näher. Mit der Spitze der blauschwarzen Spangenpumps, in denen ihre zierlichen Füße steckten, berührte sie nun fast seine derben Lederstiefel. Sie war ihm so nah, dass er ihren Duft beim nächsten Atemzug in sich einsog. Einen Augenblick war er erstaunt, hatte er doch ein schweres Parfüm erwartet. Aber er roch nichts als Seife und den betörend natürlichen Duft einer Frau. Sie lächelte immer noch. »Ich dachte vielleicht, Sie machen sich lustig über die da oben.«

Er zuckte mit den Schultern. »Vielleicht mach ich das ja.«

Sie nickte, um den Mund ein wissender Zug.

»Aber nur über die da oben, nicht über Sie«, sagte er dann schnell und schluckte. »Sie sind anders als die albernen Maskierten im Ballsaal.«

»Hm«, machte sie nachdenklich.

»Oder haben Sie sich etwa nicht auf dem Fest gelangweilt?«, fragte er.

Wieder lächelte sie und beugte sich nun so weit vor, dass ihre Nasenspitze seine fast berührte. »Wenn ich mich langweile, gehe ich eben dorthin, wo es interessanter ist.« Sie senkte den Blick und ließ ihn über Gregors Körper wandern.

Gregor straffte sich unwillkürlich. Seine Arbeit war hart und körperlich, und seine Muskeln gut ausgebildet und kräftig. Er grinste stolz. »Interessanter?«

»Wie heißen Sie?«

»Gregor. Und Sie?«

Sie lachte leise. »Das tut nichts zur Sache.«

Er hob eine Augenbraue. »Zu welcher Sache?«

Da hob sie ihre schmale Hand in dem schwarzen Glacéhandschuh und legte sie an seine raue Wange. Sie zog seinen Kopf das letzte Stück zu sich heran und legte ihre kirschroten Lippen auf seine. Ihr Kuss schmeckte süß, beschleunigte augenblicklich seinen Herzschlag. Ihre Nähe war atemberaubend. Sie löste ihre Lippen von seinen und schenkte ihm einen verführerischen Augenaufschlag. »Zu dieser Sache«, hauchte sie und öffnete die Knöpfe seines Hemdes.

Er räusperte sich und sah sich unsicher um.

Sie lachte wieder dieses betörende Lachen und knöpfte weiter. Sie zog das Hemd aus seiner Hose und strich ihm die Hosenträger über die Schultern, bevor sie auch den Latz aufknöpfte.

Gregor starrte auf die Hände der Schönen und an sich hinunter. Er kannte die Damen der besten Gesellschaft besser, als schicklich war – besser, als sein Vater für gut befunden hätte. Aber eine so schöne Dame, die so forsch war, dass überraschte auch ihn. Seine Männlichkeit jedenfalls war hart und ragte der verführerischen Pfauenfrau entgegen. Sie legte ihre behandschuhten Finger darum, und als sie sanft zudrückte und die Faust auf und ab bewegte, seufzte Gregor auf. Er schloss die Augen und vergaß, wo er war und ob man sie hier finden könnte. Er nahm das Gesicht der Schönen in beide Hände und küsste hungrig ihre Kirschlippen.

Seine Hände wanderten ihren Hals entlang und hinein in ihren Ausschnitt. Sie strichen über die perfekten Rundungen ihrer Brüste, umfassten sie voll Verlangen. Er griff mit wachsender Lust immer beherzter zu und in dem Wunsch, auch das Verlangen der Schönen zu steigern.

Sie ließ von seiner Männlichkeit ab und hob ihr Kleid an. Mit ihren Lippen, ihren Brüsten beschäftigt, nahm er die Bewegung, mit der sie ihren Schlüpfer herunterzog und achtlos auf den Boden fallen ließ, nur aus dem Augenwinkel wahr. Während sie sich von ihm löste, offenbarte ihm ein Blick hinunter ihren Strapsgürtel und die schwarzen Netzstrümpfe – und ihren verführerischen Liebeshügel. Sie setzte sich auf den Rand des Brunnens und stützte sich ab.

Er drehte sich zu ihr und zog ihre Schenkel auseinander. Sein Herz schlug immer wilder, die Spitze seines Schwanzes glänzte feucht im fahlen Licht, das noch immer vom Festsaal zu ihnen nach unten schien. Leise drangen die Walzerklänge in den Park hinaus, und die schöne Pfauenfrau stöhnte auf, als die leichten Federn des hochgeschobenen Kleides ihre Schenkel streiften, jetzt, wo er mit dem Finger nach ihrer Perle suchte. Er fand und umkreiste sie, erst mit sanftem Druck, dann immer fester.

Die Pfauendame legte den Kopf in den Nacken und biss sich auf die Lippen. Sie seufzte, ihr Atem ging keuchend. Ein Träger ihres Kleides rutschte ihr über die schmale Schulter. Sie bemerkte es nicht.

Gregor schob einen Finger in die Tiefen ihrer feuchten Liebeshöhle und entlockte der Schönen einen kleinen Schrei. Sie öffnete die Augen und sah ihn an. Noch immer trug sie ihre Maske; der Blick dahinter war pures Verlangen. Sie spreizte ihre Schenkel weiter, und Gregor verstand. Er schob seinen harten Schaft langsam, aber kraftvoll in sie hinein. Sie war heiß und feucht und raubte ihm schier den Verstand. Kurz fragte er sich, wen er hier beglückte, eine Gräfin, Prinzessin oder Herzogin? Vielleicht auch die bürgerliche Gattin eines Bankiers?

Die Vorstellung, dass er, der einfache Gärtner, es einer gesellschaftlich so hochstehenden Dame besorgte, erregte ihn, und erneut schob er sich mit plötzlicher Heftigkeit in sie hinein. Wieder und wieder stieß er in ihre enge Höhle. Lustvolles Stöhnen entrang sich seiner Kehle.

Sie schlang ihm die schlanken, langen Beine um die Hüften und schob ihm ihr Becken entgegen. Ihre Brüste bewegten sich im Rhythmus seiner Stöße, der Träger ihres Kleides rutschte immer tiefer.

Mit gierigem Blick verfolgte er, wie das glitzernde Pfauenkleid immer mehr zarte, weiße Haut freigab. Bald sah er die Rundungen ihrer schaukelnden Brüste. In der gesteigerten Erregung stieß er immer heftiger zu.

Mit einer Hand griff sie in sein Haar, ihre Finger krallten sich dort fest. Ihre Augen waren geschlossen, die Kirschlippen leicht geöffnet. Sie keuchte und stöhnte immer lauter. Ihr Kleid war inzwischen so verrutscht, dass eine Brustwarze hervorblitzte; hart und spitz war sie und rieb sich am Stoff des Kleides. Bei jedem Stoß, den Gregor dem Pfau gab, lugte die Brustwarze kurz hervor. Ohne den Blick von ihrer schaukelnden Brust zu nehmen, drang er immer wilder und tiefer in sie ein.

Ihr steil aufgerichteter Nippel war das Letzte, was Gregor sah, bevor er kam. Er explodierte innerlich; das Rauschen in den Ohren dämpfte den Aufschrei, der sich auch der schönen Fremden mit der Pfauenmaske entrang.

Schwer atmend klammerten sie sich aneinander. Gregor suchte ihre Lippen und küsste sie, aber der eben noch so erwartungsvolle Mund empfing ihn seltsam kühl. Sie lächelte und schob den Träger ihres Kleides wieder über die Schulter, ihre schöne feste Brust verschwand. Dann zog sie ihr Becken zurück, und Gregor glitt aus ihr heraus. Sie schloss die Schenkel und rutschte vom Brunnenrand herunter.

Er atmete noch immer schwer und konnte den Blick nicht von ihr lassen. Rasch hob sie ihren Schlüpfer auf, während er sich kaum rühren konnte. Die Abendluft glitt über seine nackte Brust und den noch immer harten Schwanz. Seine Hose hing in den Kniekehlen, und alles, woran er denken konnte, war, die schöne Pfauenfrau noch einmal an sich zu ziehen, den Duft ihres Haars in sich einzusaugen und ihre Lippen zu schmecken.

Aber sie machte keine Anstalten, sich ihm noch einmal zu nähern. Im Gegenteil, sie wich in kleinen Schritten von ihm zurück. Ihm war, als lägen Meilen zwischen ihnen, obwohl er einfach die Hand hätte ausstrecken und über ihre zarte Wange streichen können. Allein, er wagte es nicht. Ihm schwante, dass sie mehr nicht von ihm gewollt hatte und es nun vorbei war.

*

Gestern hatte sie ihn angelächelt. Sie war mit dem Teppichklopfer aus dem Jagdzimmer gekommen, sie waren fast ineinandergerannt, und er war ihr ausgewichen.

Genau in diesem Moment hatte Elsie Albert angelächelt. Gregor hatte einmal gesagt, sie sei mit ihren haselnussbraunen Haaren und dem stets gesenkten Blick doch sehr unscheinbar. Albert verspürte noch immer Wut in sich, wenn er daran dachte. Mit festem Schritt, dem Nebel zum Trotz, der in Schwaden über den Rasenflächen hing, stapfte Albert durch den Park; er marschierte mehr, als dass er spazieren ging.

Elsie war nicht unscheinbar. Sie war das anmutigste und schönste Geschöpf, das der junge Diener Albert je geschaut hatte. Albert war dreiundzwanzig Jahre alt und seit fünf Jahren im Dienst des Fürsten von Ilmen und Thal. Vor anderthalb Jahren war das Hausmädchen Elsie eingestellt worden, und seitdem liebte Albert seine Arbeit nur noch mehr. Wie konnte man dieses bezaubernde Mädchen nur unscheinbar nennen? Pah!

Albert atmete tief durch und blieb stehen. War es wirklich so schlimm, dass Gregor Elsie nicht aufregend fand? Was wäre denn, wenn der Gärtner das in ihr sähe, was Albert in ihr sah, wenn Gregor ihr auch den Hof machte?

Albert lachte über sich selbst, schüttelte leicht den Kopf und ging fröhlich weiter. Nein, natürlich war es besser so, und ganz plötzlich hatte er ein Lied auf den Lippen. Zwischen den gepflegten Bäumen des kleinen Parks ragte die noble Stadtresidenz der Fürstenfamilie empor. Die Jugendstilvilla war eines der kleineren Häuser von Fürst Wilhelm, der überall in der Republik Ländereien und Immobilien besaß.

Albert stand gern im Dienst des angesehenen Fürsten, denn er wusste, dass seine Arbeit sehr geschätzt wurde. Das Einzige, was ihm noch zu seinem Glück fehlte, war, dass Elsie ihn endlich erhörte.

Mitten im Lied verstummte Albert. Um Elsie zu gewinnen, würde er erst einmal um sie werben müssen. Es bräuchte schon mehr als ein paar Blicke, damit ein schüchternes Mädchen wie Elsie verstand. Das hatte Gregor erst vorgestern zu Albert gesagt, als sie nach Feierabend beim Bier in der Gesindestube zusammengesessen hatten.

Aber die Wahrheit war nun einmal, dass nicht nur Elsie schüchtern war. Auch Albert traute sich nicht, seine Gefühle zu offenbaren. Lieber polierte er Silber, das noch gar nicht stumpf war, oder sortierte Saucieren, die nicht in Unordnung waren.

Aber Elsies Lächeln am gestrigen Tag beflügelte Albert in einem Maße, dass er sich an diesem Morgen nicht mit Arbeit ablenken wollte. Daher sein Spaziergang im Park: Hier wollte und konnte er den Moment, in dem sie ihn angestrahlt hatte, wieder und wieder durchleben. Der Morgen graute soeben über Berlin; die Stadt erwachte langsam zum Leben, und auch im Haus waren die Küchenmädchen sicher schon dabei, die Kamine zu entzünden.

Albert hatte letzte Nacht kaum geschlafen. Der Maskenball war bis tief in die Nacht gegangen, und dann im Bett war sein Herz in Aufruhr gewesen und hatte ihn nicht zur Ruhe kommen lassen. Aber es war eine köstliche Stimmung, die ihn wach gehalten hatte und an diesem Wintermorgen durch den Park trieb. Er schritt den Kiesweg entlang und hörte schon das leise Plätschern des großen Brunnens.

Albert bog hinter einem Busch nach rechts ab und konnte die zwei Meerjungfrauen sehen, die auf dem Brunnen thronten und sich gegenseitig das lange Haar kämmten. Keine von beiden war auch nur annähernd so schön wie Elsie.

Gut gelaunt schritt Albert weiter – und blieb abrupt stehen. Da lag jemand, gleich dort, auf dem Boden vor dem Brunnen; Albert sah nur die Füße, die in derben Lederschuhen steckten. Er schluckte und hastete um das große Steinbecken herum. Erst sah er die Beine, die zu den Füßen gehörten, dann den reglos daliegenden Oberkörper. Albert stockte der Atem.

Er starrte in ein blasses Gesicht mit gebrochenem Blick.

»Gregor?«, rief er. »Gregor!«

Hastig riss Albert sich die Schiebermütze vom Kopf und kniete sich in den Kies. Er rüttelte an der Schulter des Gärtners und schlug ihm mehrfach leicht auf die Wange, um den vermeintlich Ohnmächtigen zu Bewusstsein zu bringen – vergebens. Gregor rührte sich nicht.

Albert wurde aschfahl; sein gehetzter Blick löste sich von dem leblosen Körper, ging über die Schulter zum Haus hinüber und zuckte wieder zurück zu Gregor. Wieder und wieder rüttelte er an dessen Schulter. Obwohl Albert spürte, dass alles zu spät war, wollte er die Hoffnung nicht fahren lassen, doch noch etwas ausrichten zu können, seinem Freund noch helfen zu können.

Doch aus halb geöffneten Lidern starrten Gregors Augen weiterhin ins Leere.

»O Gott”, murmelte Albert, »o Gott!”

Dann sprang er auf und hastete stolpernd und keuchend Richtung Stadtpalais.

2. Kapitel

»Das Schlimmste ist doch vorüber, Durchlaucht«, sagte Doktor Heiser und schlürfte Tee. Er stellte die feine Porzellantasse auf dem Eichenschreibtisch ab.

Fürst Wilhelm senkte den Blick und sah statt auf seinen Anwalt vor sich auf den Schreibtisch, wo diverse Papiere über Aktienkurse und Zinssätze lagen. Er seufzte. »Ich hoffe es.«

»Die Inflation ist beendet, die Rentenmark stabilisiert unsere Währung, und das Spekulantentum hat seit letztem Jahr ein Ende gefunden.«

»Es gibt immer noch Arbeiter, die in Papiermark bezahlt werden«, antwortete der Fürst. »Ich bin mir nicht sicher, ob wirklich alles vorbei ist. Und überhaupt, es hätte gar nicht erst so weit kommen dürfen.«

»Da haben Sie recht, Durchlaucht«, meinte der Anwalt.

»Die Republik kann sich doch nicht zu Reparationszahlungen verpflichten, die sie gar nicht leisten kann, und dann im nächsten Schritt Geldvermehrung betreiben.« Wilhelm schmetterte seine Faust auf den schweren Eichentisch nieder und erhob sich. »So regiert man ein Land nicht.« Mit hinter dem Rücken verschränkten Händen wandte er sich dem Fenster zu. Er schüttelte den Kopf und sah hinunter auf den Hackeschen Markt.

»Nun, es waren ja noch ein paar Schritte mehr zwischen den Verpflichtungen zur Reparationszahlung und der Geldvermehrung.«

»Ich weiß, aber das macht es auch nicht besser.«

»Natürlich nicht«, pflichtete ihm Heiser bei, »dennoch ist unsere Währung jetzt stabil.«

Fürst Wilhelm schnaubte. »Das glauben Sie doch selbst nicht.«

»Malen Sie nicht alles zu schwarz, Durchlaucht. Sie haben diese Bank sicher durch die Krise geführt.«

Fürst Wilhelm wandte den Kopf und sah seinen Anwalt mit hochgezogener Augenbraue an. »Noch mal: Das glauben Sie doch wohl selbst nicht, Heiser.«

Der Anwalt lachte. »Sie sind zu bescheiden.«

Fürst Wilhelm seufzte und setzte sich wieder. »Vor allem bin ich kein Bankier.«

Über die Schulter hinweg wies Heiser auf die Tür in seinem Rücken. »Das blank polierte Messingschild da draußen vor Ihrem Büro behauptet aber etwas anderes.«

Fürst Wilhelm machte eine abwehrende Handbewegung und sah wieder auf den Wust von Papieren, der seinen Schreibtisch bedeckte. Diverse Liniendiagramme veranschaulichten Fall und Anstieg von wichtigen Aktienkursen, bunte Tabellen verdeutlichten verschiedene Zinssätze.

Doktor Heiser musterte den Fürsten. Wilhelm versuchte, sich nichts anmerken zu lassen, aber der Anwalt kannte den Herrn des Hauses Ilmen und Thal schon zu lange und zu gut, um den leicht angewiderten Zug um seinen Mund zu übersehen. Die Finanzwelt war nun nicht gerade das Steckenpferd des gut aussehenden Fürsten. Die Frauen, so wusste Heiser, schätzten den warmen Braunton seiner dichten Haarpracht und das erste Grau an den Schläfen.

»Kunibert setzt auf jeden Fall vollstes Vertrauen in Sie«, sagte Heiser mit einer Spur Mitgefühl in seiner dünnen Stimme.

Wilhelm nickte und hob abwehrend die Hände. »Ich weiß, und ich bin auch sehr dankbar, dass Ihr alter Freund mir ermöglicht hat, diesen Posten zu übernehmen. Gott weiß, sonst stünde es schlecht um das Hause Ilmen und Thal.«

»Sie übertreiben.«

»Mein lieber Heiser«, begann Wilhelm mit einem süffisanten Lächeln, »wenn Sie wüssten, was ich alles aufgeben müsste, wenn ich diese Stellung hier nicht angetreten hätte, dann würden Sie das nicht so leichthin sagen.«

»Ich weiß, dass Sie Ländereien und Immobilien abstoßen müssten, Durchlaucht. Der Krieg, die Abschaffung der Adelsprivilegien und die Inflation sind auch an Ihrem altehrwürdigen Haus nicht spurlos vorübergegangen … Ich denke nur, dass das vielleicht weniger schlimm ist, als Sie glauben.«

Fürst Wilhelm runzelte die Stirn. Er spürte Ärger in sich aufkommen – Ärger, den er auf keinen Fall zeigen wollte. Der kleine, untersetzte Heiser mit der spiegelblanken Glatze hatte schon genug emotionale Regungen des Fürsten mitbekommen. Wilhelm räusperte sich. »Ich kann nicht einfach verkaufen und aufgeben.«

Heiser nickte und strich sich über den graubraunen Backenbart, der einen recht scharfen Gegensatz zu seinem kahlen Haupt bildete.

Der Fürst schüttelte den Kopf. »Es ist schlimm genug, dass ich nun arbeite, anstatt mein Haus zu führen.«

»Lassen Sie das nur Kunibert nicht hören«, sagte der Anwalt schmunzelnd.

»Der alte Kunibert weiß, wie es um mich steht, mein lieber Heiser. Und er weiß auch, dass ich diese Stellung hier zu sehr brauche, um zu kündigen. Er hat mit meinem Namen ein prächtiges Aushängeschild für seine Bank, und ich ein Einkommen, das es mir ermöglicht, die Bälle zu geben, auf deren Ausrichtung meine Mutter besteht.«

Heiser räusperte sich und setzte sich zurecht. »Wie geht es Ihrer werten Frau Mutter?«

»Hervorragend«, antwortete Wilhelm und fügte in Gedanken an, dass seine werte Frau Mutter ja auch nicht arbeiten und den Bürgerlichen spielen musste, um das Haus Ilmen und Thal zu erhalten. Er schob diesen Gedanken beiseite. Er tat der Fürstin unrecht. Sie gab die Herrin des Hauses mit Stolz und Haltung und war im Übrigen einer Meinung mit ihrem Sohn, dass die Arbeit in einer Bank keine angemessene Beschäftigung für einen Fürsten sei.

Die Zeiten waren schwierig, aber vielleicht hatte Heiser ja recht, und es ginge bergauf. Fürst Wilhelm wollte es nur zu gern glauben. Aber nach dem grausamen Krieg, den Schicksalsschlägen und gesellschaftlichen Wandlungen fiel ihm der Glaube an eine Änderung zum Guten schwer.

Er war eben kein Bankier. Er war Verwalter und Repräsentant eines Fürstenhauses, das in der neuen Zeit keine politische Bedeutung mehr hatte. Frauen wie die Fürstin taten alles dafür, damit wenigstens die gesellschaftliche Bedeutung erhalten bliebe. Doch Fürst Wilhelm wusste nicht recht, was er davon halten sollte.

Einerseits beruhigte es ihn, dass es immer noch Bälle und Teegesellschaften gab. Das vermittelte Sicherheit und bewahrte ein Terrain, in dem der Fürst sich sicher zu bewegen vermochte. Aber war das alles auf der anderen Seite nicht eine hohle Fassade, hinter der gar nichts mehr steckte?

Es war müßig, darüber nachzudenken, also wandte sich der Fürst wieder seinem Anwalt zu. Dieser aber blickte seltsam verträumt aus dem Fenster hinter dem schweren Eichenschreibtisch.

Wilhelm schmunzelte. »Heiser?«

Der Anwalt schreckte auf und strich sich verlegen über den Bart. »Ja, Durchlaucht?«

»Ich denke, wir sind für heute fertig.«

»Natürlich, Durchlaucht.« Er erhob sich etwas hastig. Fürst Wilhelm sah die roten Flecken an Heisers Hals und konnte sie sich nicht erklären. Immerhin waren sie doch beide kurz in Tagträume versunken gewesen, kein Grund also, so beschämt zu reagieren.

In diesem Augenblick klopfte es an der Tür, und der Fürst wandte verwundert den Kopf. Eigentlich verbat er sich jedwede Störung, wenn er in einem Gespräch war.

»Herein«, rief er etwas ungehalten.

Sekretär Kollbaum steckte den Kopf zur Tür herein und verbeugte sich mehrmals, die Klinke noch in der Hand.

»Verzeihen Sie vielmals, Durchlaucht.«

»Schon gut«, wehrte Wilhelm ab und wünschte sich, sein Sekretär verhielte sich weniger unterwürfig. »Was gibt es?«

»Es handelt sich um einen Notfall.«

Fürst Wilhelm erhob sich. »Einen Notfall?«

»Ihre Anwesenheit zu Hause ist vonnöten, Durchlaucht.«

»Zu Hause? Aber was ist denn passiert?« Der Fürst sah von seinem Sekretär zu Heiser, der aber auch nur die Schultern hob.

»Das hat Herr Beller nicht gesagt. Nur, dass er Sie bittet, auf dem schnellsten Wege nach Hause zu kommen.«

»Es ist doch nichts mit Ihrer Durchlaucht, der Fürstin?«, fragte Heiser.

»Es tut mir leid, das weiß ich nicht«, antwortete der Sekretär.

Wilhelm schluckte und nickte. »Bringen Sie mir Mantel und Hut, Kollbaum.«

*

Mit beiden Händen stieß Fürst Wilhelm die zweiflügelige Eingangstür auf und betrat das Foyer des Stadtpalais. Es war seltsam still im Haus. Normalerweise würde Beller ihn empfangen, der den Bediensteten im Haus vorstand, und eines der Hausmädchen würde ihm seinen Mantel abnehmen, aber niemand war zu sehen.

Einen Augenblick stand der Fürst reglos unter der Glaskuppel im Vestibül, dann öffnete sich auf der Galerie eine Tür und die Fürstin rauschte die Treppe hinunter.

»Mutter, was ist denn nur geschehen?«, fragte er und eilte ihr entgegen.

Fürstin Gloria blieb abrupt stehen. »Willst du nicht erst einmal ablegen?« Sie zeigte unwillig mit ihrer Hand auf den Mantel ihres Sohnes.

Wilhelm aber ging nicht auf ihre Frage ein. »Kollbaum sprach von einem Notfall. Ich solle sofort nach Hause kommen.«

Sie hob eine Augenbraue, die eigentlich keine Braue, sondern ein dünner, mit Kohle nachgezeichneter Strich war. »Wer um alles in der Welt hat dich denn angerufen?«

»Beller, soweit ich weiß. Gab es denn keinen Notfall?«

Die Fürstin hob die Schultern und raffte den Rock ihres Kleides. »Eine Lappalie, mein Lieber, nichts als eine Lappalie.« Mit diesen Worten ging sie die restlichen Stufen hinunter. Der rote Läufer schluckte das Geräusch ihrer Schritte.

Wilhelm starrte sie fassungslos an. »Eine Lappalie?«

»Ja, kein Grund, sich zu beunruhigen.«

»Ich denke nicht, dass Beller mich für eine Lappalie aus der Bank rufen lässt.«

»Diese Bank!« Sie schnaubte.

»Mutter«, begehrte Wilhelm auf, »was ist hier geschehen?«

Die Fürstin fuhr sich mit der Hand durch ihre unnatürlich braunen Haare und lächelte. Dann beugte sie sich vor und tätschelte die Wange ihres Sohnes. »Das sind alles Fragen, die völlig ohne Bedeutung sind, wenn du es zulässt, dass unser Haus ausstirbt. Wenn du nicht bald heiratest und einen Erben zeugst, dann haben wir wirklich einen Notfall. Aber vorher …«

»Kannst du einmal an etwas anderes denken?«

»Du bist jetzt weit über dreißig und machst keine Anstalten zu heiraten.«

Der Fürst schüttelte den Kopf und sah sich suchend in der Eingangshalle um; er ging ein paar Schritte in den Speisesaal hinein und schaute dann suchend den Flur zur Küche hinunter. »Was ist denn hier passiert? Es ist doch sonst nicht so still im Haus.«

»Ja, und das ist sehr bedauerlich. Wie oft ziehe ich mich nachmittags zurück und komme einfach nicht zur Ruhe, weil eines der Hausmädchen über die Galerie poltert!«

»Ich bezweifle, dass Elsie oder Nora poltern, Mutter. So zierlich, wie sie sind.«

»Zierlich sind die beiden also? Meinst du nicht, dass sie vielmehr sehr hübsch sind?« Die Fürstin schenkte ihrem Sohn einen tadelnden Blick.

Er verschränkte die Arme vor der Brust. »Deine Gedanken sind absurd, Mutter.«

»Ach, sind sie das? Ich habe gesehen, wie du diesen unsäglichen Pfau gestern angestarrt hast.«

»Ich habe nicht gestarrt.«

»Natürlich hast du sie angestarrt. Vielleicht hast du dich gut genug zusammengerissen, damit deine Gäste nichts bemerkten, aber ich bin deine Mutter.«

»Nun, nichtsdestotrotz kannst du eine Dame, die bei uns zu Gast war, wohl kaum mit unseren Dienstmädchen vergleichen.«

»Weißt du, wer dieser Pfau war?«

»Nein«, antwortete der Fürst und verspürte Bedauern darüber. Aber das sollte seine Mutter unter keinen Umständen bemerken.

»Sie könnte also eine Dahergelaufene sein. Womöglich die Tochter eines deiner unsäglichen Geschäftspartner.«

Der Fürst runzelte die Stirn. Er ärgerte sich über seine Mutter. Aber die Tatsache, dass sie dem Grund seines Hierseins keinerlei Beachtung zu schenken geneigt war, beruhigte ihn ein wenig. Vielleicht war ja wirklich nichts Schlimmes geschehen und kein Notfall eingetreten.

»Es war überdies ein ganz schreckliches Kostüm«, konstatierte die Fürstin. »Ich war selbst einmal als Pfau kostümiert.«

»Ich weiß, Mutter. Zur Ballsaison 1908. Du erzählst zum Auftakt jeder Saison davon.«

»Es war ein herrliches Kostüm. Kein Vergleich zu diesen flatternden Federn, die die Beine dieser … Dame – wenn wir sie denn deines Erachtens so nennen müssen – kaum bedeckt haben.«

»Die Zeiten haben sich nun mal geändert, Mutter.«

Sofort presste die Fürstin die Lippen aufeinander und wandte den Kopf ab. Sie blinzelte ein Mal, und schon glitzerte eine Träne in ihrem Augenwinkel.

Wilhelm biss sich auf die Zunge und wünschte sich, dass er das nicht gesagt hätte. »Es tut mir leid.«

Sie hob die Hand und wandte sich ganz von ihm ab. »Als wäre mir nicht schmerzlich bewusst, dass sich alles verändert hat …«

Er ging zu ihr und legte ihr die Hand auf die Schulter. »Nimm es nicht zu schwer, Mutter. Du hast einen ganz wunderbaren Ball gegeben. Graf Christian hat mir gestern beim Abschied noch gesagt, dass unser Haus es wie kein anderes verstehe, Feste zu feiern, als habe sich nichts verändert.«

Gloria nickte. »Aber es hat sich nun mal etwas verändert«, sagte sie leise. Ihr Blick glitt über die Ahnenporträts an der Wand hinweg und blieb für einen Augenblick an der Spiegelkommode, oder besser: ihrem Spiegelbild, hängen. Sofort drehte sie sich weg.

Wilhelm bekam Mitleid. Seine Mutter war eine strenge Person, hart zu sich und anderen, stets distanziert und unterkühlt, aber selbst sie hatte Gefühle. Der Krieg und der Tod ihres Mannes hatten ihr arg zugesetzt.

»Wenn ich irgendwas tun kann …«, begann er.

Augenblicklich wandte sie den Kopf. Jedwede Traurigkeit war aus ihrem Blick verschwunden. »Heirate endlich, Wilhelm.«

Sie schien ihre eigene Entgleisung bereits zu bereuen und schämte sich vielleicht sogar dafür, Schwäche gezeigt zu haben. In jedem Fall gab sie sich jetzt umso kälter. Sie schüttelte seinen Arm ab und reckte das Kinn. »Die Zeit bleibt nicht stehen. Wer soll denn deinen Sohn in die Geschäfte des Hauses einführen, wenn du tot bist, mein Junge? Du musst einen Erben zeugen, bevor du zu alt bist. Bevor es zu spät ist.«

»Dazu gehören immer noch zwei«, sagte er so sanft wie möglich.

»Ach, ich bitte dich! Die Damen stehen doch Schlange bei dir. Ich habe sogar das Gefühl, dass es mehr geworden sind, seit du erste graue Haare hast. Such dir einfach eine aus.«

Wilhelm schmunzelte. »Als wärest du mit irgendeiner Dame zufrieden, die nicht mehr zu bieten hat, als dass sie für meine grauen Schläfen schwärmt!«

»Natürlich wäre ich das nicht. Komtess Leonie hat sich übrigens wieder angekündigt.«

»Es hatte seine Gründe, dass das nicht funktioniert hat, Mutter.«

Sie seufzte. »Diese Gründe interessieren mich nicht. Wir bekommen nun einmal nichts umsonst in diesem Leben. Manchmal muss man sich arrangieren.«

Der Fürst rieb sich die Nasenwurzel. »Zu Komtess Leonie ist wirklich alles gesagt, Mutter.«

Sie neigte den Kopf zur Seite. »Das glaube ich nicht.«

»Du kannst einen in der Tat in den Wahnsinn treiben!«

»Das kann Leonie aber doch auch, nicht wahr?«

Wilhelm hob den Kopf, funkelte seine Mutter an, sein Mund vor Missbilligung ein schmaler, dünner Strich.

»Mir entgeht nichts, mein Lieber.«

»Außer dem, was du gar nicht mitbekommen willst.«

»Und was sollte das sein?«

Wilhelm war endgültig entnervt, er rang die Hände. »Dieser ominöse Notfall zum Beispiel.«

»Ach, die Leiche.«

Wilhelms Herz setzte einen Schlag aus. »Leiche?«

»Natürlich hält eine Dame meines Standes sich von einer Leiche fern, Wilhelm. Was erwartest du denn?«

Er schluckte. »Es gibt eine Leiche im Haus?«

»Nein, nicht im Haus, im Park. Die Polizei ist vor Ort. Ich konnte Gott sei Dank verhindern, dass sie ihre schrecklichen Autos vor dem Haupteingang abstellen, durchs Vestibül trampeln und die Beletage absperren.«

»Was …? Wer ist denn nun um Himmels willen tot? Sag es mir endlich!«, verlangte Wilhelm.

»Der Gärtner«, kam die lakonische Antwort.

»Gregor?«

»Ach, war das sein Name?«

»Ich bitte dich!«, fuhr Wilhelm wütend auf. »Du weißt sehr gut, wie unsere Angestellten heißen!«

»Überschätz mich nicht«, gab seine Mutter seufzend zurück. Dann fasste sie sich an die Stirn. »Ich muss mich jetzt zurückziehen. Ich habe ein wenig Ruhe nötig.«

Kopfschüttelnd wandte sich der Fürst ab und eilte zum Hinterausgang.

*

Fürst Wilhelm zündete sich eine Zigarre an und schaute aus dem Fenster des Herrensalons hinaus in den Park. Gregors Leiche war schon abgedeckt gewesen, als er sich vorhin durch seine Angestellten bis zum Absperrband der Polizei hindurchgedrängt hatte. Er hatte den Toten nicht gesehen, aber das Bild, das er vor sich gehabt hatte, würde er trotzdem nie vergessen: geschäftige Beamte und verschreckte Angestellte, hier viel Bewegung, dort eine gewisse Erstarrung. Unter dem weißen Tuch der Polizei hatten nur Gregors Schuhe hervorgelugt. Wie immer waren sie mit Lehm bedeckt gewesen und hatten von seiner Arbeit in den Beeten und Büschen des kleinen Parks gezeugt. Die Bediensteten hatten die Schuhe angestarrt und miteinander getuschelt. Die Stimmung war gedrückt gewesen, eine Mischung aus Fassungslosigkeit und Trauer hatte über dem Brunnen mit seinen Meerjungfrauen gehangen.

Jetzt war die Leiche nicht mehr da. Polizisten wuselten noch um den Brunnen herum, maßen Abstände aus und nahmen Gipsabdrücke von den Fußspuren. Die Angestellten waren längst wieder im Haus. Wilhelm hatte ihnen für den Rest des Tages freigeben wollen, aber Beller hatte darauf hingewiesen, dass Ablenkung durch Arbeit vielleicht das Beste wäre. Außerdem musste der Ballsaal ja noch hergerichtet werden. Es war ein rauschendes Fest gewesen, das Spuren hinterlassen hatte, die beseitigt sein wollten. Als das restliche Personal Beller leise zugestimmt hatte, hatte schließlich auch Wilhelm genickt.

Der Fürst zog an seiner Zigarre und paffte Rauch in die Luft. Die Arbeit in der Bank wäre jetzt auch für ihn eine gute Ablenkung, aber selbstverständlich würde er hierbleiben. Er wandte sich vom Fenster ab und wollte sich gerade in den ledernen Ohrensessel setzen, als es an der Tür klopfte.

Beller betrat den Raum. Er trug seine tadellose Weste und weißen Handschuhe, als wäre es ein Tag wie jeder andere. Aber der Blick seiner grauen Augen verriet, dass er so etwas wie heute in den Jahrzehnten seines Dienstes noch nicht erlebt hatte. »Verzeihen Sie, Durchlaucht.« Sein hagerer Körper deutete eine Verbeugung an. »Ich hoffe, es war in Ihrem Sinne, die Polizei zu rufen. Gregor stand in der Mitte seines Lebens, er war ein kräftiger, gesunder Mann.«

Wilhelm nickte. »Sein Tod war zu unerwartet, um natürlich zu sein, Beller. Selbstverständlich mussten Sie die Polizei rufen. Sind die Angehörigen schon benachrichtigt?«

»Er hat noch eine Mutter. Ich habe ein Telegramm geschickt.«

»Gut.« Wilhelm blies wieder Rauch in die Luft.

»Der ermittelnde Kommissar möchte Sie noch sprechen, Durchlaucht. Ich habe versucht, ihn abzuwimmeln und ihn gebeten, morgen wiederzukommen.«

»Ich danke Ihnen, Beller. Aber das wird nicht nötig sein. Ich bringe dieses Gespräch lieber gleich hinter mich.«

»Sehr wohl, Durchlaucht.« Der Diener nickte und verließ den Raum.

Wilhelm zog ein letztes Mal an seiner Zigarre und drückte sie aus. Wenig später gab er einem Mann, einige Jahre jünger als er, die Hand, der sich als Fridolin Tiller vorstellte. Er hatte lackschwarze Haare und ein etwas affektiertes Menjoubärtchen.

»Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben, Herr von Thal.«

Wilhelm zuckte innerlich zusammen. Dem neuen bürgerlichen Namensrecht nach stand ihm weder die Anrede Durchlaucht noch Fürst zu, aber dass jemand ihn wie einen beliebigen Adligen mit von ansprach, war dem Fürsten noch nie untergekommen. Er lächelte dünn. »Selbstverständlich. Setzen wir uns.«

Tiller öffnete sein Jackett mit einer leicht gekünstelten Handbewegung und setzte sich in einen der kleinen Ledersessel am Rauchtisch. Wilhelm nahm ihm gegenüber Platz und verkniff sich ein Schmunzeln. Spielte hier ein Mann aus den unteren Klassen Gentleman?

»Was kann ich für Sie tun?«

»Beschreiben Sie mir bitte Ihren Angestellten Gregor Vielinger, Herr von Thal.«

»Gregor war ein hervorragender Gärtner. Schon sein Vater hat für meinen Vater hier im Palais in Berlin gearbeitet. Ich war mit Gregors Leistungen stets zufrieden. Er war klug und fleißig. Niemand versteht so viel von Blumen wie Gregor, glauben Sie mir.«

»Nennen Sie all Ihre Angestellten beim Vornamen?«

Wilhelm runzelte die Stirn. »Meinen Majordomus Beller, den Fahrer und meinen Kammerdiener selbstverständlich nicht.«

»Selbstverständlich«, wiederholte Tiller, und sein Mundwinkel zuckte.

»Was hat das mit Gregor zu tun?«

»Nichts. Das hat nichts mit Herrn Vielinger zu tun«, antwortete der junge Kommissar und sah den Fürsten eindringlich an.

Wilhelm lehnte sich zurück und verschränkte die Hände ineinander. Abwartend saß er da. Wenn er im Hinterkopf nicht das Bild vom Leichentuch in seinem Park gehabt hätte, wäre er sogar belustig gewesen.

»Hatte Herr Vielinger Feinde?«

»Nicht dass ich wüsste. Er war ein aufrichtiger treuer Angestellter.«

Tiller zog einen Block aus seiner Jacketttasche und blätterte darin. »Können Sie sich vorstellen, dass er anderen Menschen gegenüber weniger aufrichtig war, solchen, in dessen Abhängigkeit er nicht stand?«

»Abhängigkeit? Gregor war ein freier Mann, nicht abhängiger als jeder, der für Lohn arbeitet.«

»Natürlich. Aber er wollte seine Anstellung natürlich auch nicht verlieren.«

Wilhelm runzelte die Stirn. »Ich hoffe doch sehr, dass er uns nicht verlassen wollte.«

Tiller blätterte scheinbar geschäftig in seinem Block. »Bei der schlechten wirtschaftlichen Lage der letzten Jahre hatten Sie sicher keine Sorge, dass Ihr Gesinde Ihnen davonläuft.«

»Wie meinen?«

»Jeder, der nach dem Krieg in Lohn und Brot stand, war zu dankbar, um bessere Arbeitsbedingungen auszuhandeln, zu kündigen oder überhaupt zu widersprechen.«

»Ich verstehe nicht ganz, worauf Sie hinauswollen.«

»Darauf, dass Sie in der Lage sind, andere Menschen, die mit weniger Privilegien geboren sind, auszunutzen und das auch tun«, erklärte Tiller ungerührt.

Wilhelm runzelte die Stirn und schluckte seinen Ärger hinunter. Dieser Lackaffe war es nicht wert. »Gregor war ein hervorragender Gärtner, der schon seit über zwanzig Jahren bei mir im Dienst stand. Ich denke, dass die schlechte Wirtschaftslage auf unser Verhältnis keinerlei Einfluss hatte.«

»Welch Luxus«, kommentierte Tiller süffisant.

»Nennen Sie es, wie Sie wollen. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?«

»Haben Sie Wichtigeres vor, als die Aufklärung des Mordes an einem Ihrer Angestellten zu unterstützen, Herr von Thal?«

»Sie wissen also doch schon, dass es Mord war? Ich dachte, die Leiche weise keine Spuren von Gewalteinwirkung auf.«

»Das tut sie auch nicht. Aber ein gesunder Mann in Vielingers Alter …«

»Bitte lassen Sie mich umgehend wissen, wenn feststeht, dass es Mord war.«

»Natürlich, Herr von Thal. Vielinger war ja so etwas wie Ihr Eigentum.«

Wilhelm stutzte, dann legte er den Kopf in den Nacken und lachte. Natürlich war das unangebracht, aber es war auch befreiend. Ein Teil der drückenden Schwere wich von seiner Seele. Er schüttelte den Kopf und sah Tiller an. »Sie machen mir wirklich Spaß.«

Der Kommissar schoss aus dem Sessel hoch. »Wo waren Sie heute Nacht, Herr von Thal?«

Wilhelm erhob sich nun ebenfalls. »Ich hatte Gäste und war sehr spät im Bett, bevor ich sehr früh aufgestanden und ohne Frühstück zur Bank gegangen bin. Mein Kammerdiener wird Ihnen das bestätigen können.«

Tiller nickte und machte eine Notiz. »Ihr Kammerdiener.« Er sah auf. »Was für ein wasserdichtes Alibi.«

»Achten Sie auf Ihre Worte, Herr Tiller, und Ihren Ton. Ich gehe davon aus, dass der Grund für Ihre unwissenden, bissigen und albernen Kommentare ein Bedürfnis nach Freiheit und besseren Lebensbedingungen für die unteren Klassen ist, also lasse ich es Ihnen durchgehen. Aber übertreiben Sie es nicht.«

Tiller reckte das Kinn und strich mit dem Zeigefinger über sein Bärtchen. »Seien Sie lieber froh, dass ich Ihnen Ihr fadenscheiniges Alibi durchgehen lasse.«

»Herr Tiller, selbst wenn ich der grausame Lehnsherr wäre, als den Sie mich hier hinstellen, bräuchte ich meine Angestellten. Und nun entschuldigen Sie mich.« Er wies seinem Besucher die Tür.

Der Kommissar nickte und drehte sich auf dem Absatz um.

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