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EIne stürmische Affäre

1. KAPITEL

Nicholas Zentenas erblickte seine Beute sofort, als er den Raum betrat. Obwohl der Hochzeitsempfang schon in vollem Gang war, fiel sie ihm gleich auf. Sie stand zwischen der Bar und den Paaren auf der Tanzfläche, ein Stück entfernt von einer kleinen Menschengruppe. Etwas an ihrer Haltung, ein Hauch von trauriger Einsamkeit, erregte seine Aufmerksamkeit.

Einen Moment lang genügte es ihm, sie von Weitem zu beobachten. Grelles Diskolicht durchflutete den Saal und ließ ihre blonden Haare und ihr langes, grünes Kleid in zahlreichen Farbreflexen aufleuchten.

Dann drehte sie sich leicht, und plötzlich trafen sich ihre Blicke. Einige Sekunden lang raubte ihre Schönheit ihm den Atem. Die Schnappschüsse seines Privatdetektivs wurden ihr in keiner Weise gerecht.

Eine Ewigkeit lang schienen sie sich zu taxieren, und Nicholas verspürte einen plötzlichen Adrenalinschub. Die Tatsache, dass diese Frau höchst begehrenswert war, würde seine Aufgabe zu einem angenehmen Unterfangen machen.

Cat wandte ihren Blick von dem Fremden ab, sobald ihre Freunde wieder an ihrer Seite auftauchten. Sie war es gewohnt, von Menschen beobachtet zu werden, aber etwas an dem finsteren Blick dieses Mannes war beunruhigend.

Es lag sicher nicht nur an seinem auffallend guten Aussehen. Vielmehr glich sein Blick dem eines Jägers, der seine Beute abschätzte. Mit einem Mal hatte Cat sich verletzbar und ausgeliefert gefühlt. Diese Gefühle konnte sonst niemand so plötzlich in ihr auslösen. Sie war irritiert. Selbst jetzt, umgeben vom freundlichen Geplapper ihrer Kollegen, beruhigte sich das heftige Pochen in ihrer Brust nicht.

Sie nahm einen großen Schluck aus ihrem Wasserglas und versuchte, das beklemmende Gefühl abzuschütteln. Vielleicht war es auch nur die Hitze. London litt seit Kurzem unter einer regelrechten Hitzewelle. Obwohl Mitternacht bereits nahte und die Türen und Fenster im Saal weit geöffnet waren, bewegten sich die Temperaturen noch immer über zwanzig Grad.

Möglicherweise bin ich momentan einfach auf der Hut vor Männern, überlegte sie trocken.

In letzter Zeit fragte sich Cat bei jedem Mann, der ihr seine Aufmerksamkeit schenkte, ob dieser von ihrem Vater oder ihrem Bruder geschickt worden war. Es schien verrückt, aber je näher ihr einundzwanzigster Geburtstag rückte, desto stärker wurden ihre Anspannung und ihr Misstrauen. In drei Monaten war es so weit, und sie konnte diesen Tag kaum abwarten. Cat wollte ihn so schnell wie möglich hinter sich bringen und ihn dann vergessen.

Eigentlich darf ich so nicht denken, dachte sie traurig. Auf den einundzwanzigsten Geburtstag sollte man sich freuen und ihn mit seiner Familie feiern.

Hätte ihre Mutter noch gelebt, wäre sicher vieles anders gewesen. Doch Cat waren von ihrer Familie nur noch ihr Vater und ihr Halbbruder Michael geblieben. Und beide waren ausschließlich auf das Geld fixiert, das Cat erben sollte, wenn sie noch vor ihrem einundzwanzigsten Geburtstag heirate. So hatte es ihr Großvater in seinem Testament verfügt. Cat fühlte sich wie eine Schachfigur, die man zur Ehe bewegen musste, um den großen Gewinn zu erzielen.

Aber sie würde nicht allein des Geldes wegen heiraten! Die Pläne ihres Vaters und ihres Bruders interessierten sie nicht, und das hatte sie den beiden in aller Deutlichkeit mitgeteilt. Natürlich war sie damit auf taube Ohren gestoßen.

Wieso liegt meinem Vater nichts an meinem ganz persönlichen Glück?, fragte sie sich. Das ist doch nicht zu viel verlangt?

Die Frage wühlte die Schatten der Vergangenheit auf. Cat spürte wieder einmal deutlich die Einsamkeit, die sie seit ihrer Kindheit verfolgte. Es war erstaunlich, dass dieses Gefühl ständig in ihr lauerte, selbst in einem Raum voller Menschen. Es war der Fluch der McKenzie-Millionen.

„Hey, Cat, kommst du tanzen?“ Ein paar Freunde eilten an ihr vorbei in Richtung Tanzfläche.

Dankbar für diese Ablenkung, stellte sie ihr Glas beiseite und ließ sich von den anderen an der Hand mitziehen. Für eine Weile vergaß sie ihren Kummer und verlor sich völlig in der Musik. Sie feierte hier mit der Belegschaft der Werbeagentur, für die sie seit einigen Monaten arbeitete. Zwei ihrer Kollegen, Claire und Martin, hatten geheiratet.

Das Paar war schon letzte Woche in der Karibik getraut worden, doch heute feierte es standesgemäß in diesem exklusiven Hotel in Knightbridge. Cat erblickte die frisch Vermählten eng umschlungen auf der Tanzfläche, wie sie sich langsam zur Musik wiegten, obwohl diese einen recht zügigen Rhythmus vorgab.

So sollte die Liebe sein, dachte Cat verträumt. Vielleicht finde ich auch eines Tages jemanden, der mich liebt und dem ich vertrauen kann.

Schon letztes Jahr hatte sie geglaubt, diese Person gefunden zu haben. Ryan Malone war attraktiv, charmant und schien der Richtige zu sein. Nach und nach verfiel sie ihm, bis sie herausfand, dass er ein Geschäftsfreund ihres Bruders war. Er hatte Cat nur wegen ihrer Erbschaft heiraten wollen, und diese Erkenntnis schmerzte bis heute. Seither war sie Männern gegenüber noch misstrauischer.

Während sie sich auf der Tanzfläche drehte, sah sie zur Tür hinüber und hielt Ausschau nach dem Mann, der sie zuvor beobachtet hatte. Ihr war so, als spüre sie seine Blicke noch immer auf sich, und doch war er nirgendwo zu sehen.

Bestimmt bilde ich mir das nur ein, dachte Cat und versuchte, die Gedanken an den Fremden zu verdrängen. Sie konzentrierte sich wieder auf die Musik, aber es gelang ihr nicht, das Bild der sie so intensiv und dunkel anstarrenden Augen aus dem Kopf zu bekommen.

Nicholas hatte sich einen neuen Standort gesucht, um Cat ungestört zu beobachten. Sie war eine gute Tänzerin, ihre Bewegungen waren geschmeidig, ein wenig lasziv und sehr, sehr sexy. Irgendwo hatte er gehört, dass eine gute Tänzerin auch hervorragend im Bett sei. Vielleicht würde er diese Theorie bald überprüfen können …

Noch hielt er sich jedoch absichtlich verborgen. Zunächst wollte er sich einen Überblick darüber verschaffen, wer mit Cat zu tun hatte. Nicholas musste wissen, ob sich hier Spitzel ihres Vater und ihres Bruder verbargen. Sie würden ihre goldene Thronfolgerin beschützen. Immerhin blieben nur noch drei Monate, um an das Erbe zu kommen. Und Nicholas war sich sicher, dass Cat genauso gierig auf das Geld war wie der Rest ihrer Familie. Bestimmt arbeiteten die drei an einem Plan, wie sie die Erbschaft so schnell wie möglich in die Finger bekamen.

Nun, Nicholas dagegen hatte andere Pläne. Koste es was es wolle, er würde diesen Triumphzug der Erbschleicher zu verhindern wissen. Er würde nicht zulassen, dass diese Familie mit ihrem Vermögen noch weitere Leben zerstörte.

Allein der Name McKenzie brachte sein Blut vor Wut und Verachtung zum Kochen. Carter McKenzie war eine brutale, verlogene Schlange. Vor acht Jahren hatte Nicholas den Fehler gemacht, sich mit diesem Mann auf ein Geschäft einzulassen. Carter hatte ihn bewusst getäuscht und hintergangen, sodass Nicholas eine Menge Geld investieren musste, um den entstandenen Schaden mühsam wieder auszugleichen. Doch am meisten störte ihn die Tatsache, dass Carter ihn um ein Haar um wesentlich mehr als nur Geld betrogen hätte – Nicholas wäre beinahe seinen guten Ruf losgeworden.

Damals hatte er seine Lektion gelernt. Mit eisernem Willen baute Nicholas sein eigenes Imperium auf und war inzwischen reicher, als er es sich jemals erträumt hatte. Aber seinen Erzfeind konnte er dennoch nicht vergessen. Aus der Ferne wartete Nicholas seit Jahren auf die große Stunde der Rache.

Inzwischen sah er sich darin bestätigt, dass Carters Kinder ebenso link waren wie er selbst. Michael McKenzie war ein hinterhältiger Mitläufer, und Catherine … sie hatte die beiden durch all die windigen Geschäfte hindurch finanziert.

Laut Nicholas’ Informationen befanden sich nicht mehr viele Ressourcen in dem Treuhandfonds, aus dem Cat bis zum heutigen Tag alles bezahlte. Ohne den Rest des McKenzie-Erbes würde diese Geldquelle bald versiegen.

Rache ist süß, dachte Nicholas finster. Er würde Catherine McKenzie den Kopf verdrehen und all das an sich reißen, was ihr gehörte. Carter sollte den Tag verfluchen, an dem er Nicholas in die Quere gekommen war.

Cat verließ die Tanzfläche, und er folgte ihr unauffällig.

Überrascht stellte er fest, dass sie sich hastig auf den Ausgang zubewegte, so als würde sie vor etwas davonlaufen. Er musste seinen Schritt beschleunigen, um sie nicht aus den Augen zu verlieren.

Wenige Minuten später stand Cat vor dem Hotel in der schwülwarmen Nacht. Merkwürdigerweise schien die Straße menschenleer. Selbst der Portier des Hotels, der zuvor noch die Tür bewacht hatte, war inzwischen verschwunden.

Hier draußen fühlte Cat sich schon viel besser als zwischen all den Menschen. Die Panik, die sie auf der Tanzfläche überfallen hatte, kam ihr plötzlich albern vor. Selbstverständlich war sie von niemandem heimlich beobachtet worden. Trotzdem wollte sie nur noch in den Schutz ihrer Wohnung flüchten.

Um die Ecke befand sich ein Taxistand, doch genervt musste Cat feststellen, dass kein einziger Wagen bereitstand. Eine leichte Windböe raschelte durch die hohen Bäume, die in einiger Entfernung einen kleinen Park säumten. Ansonsten herrschte Stille.

Cat kramte ihr Handy hervor, um sich ein Taxi zu rufen. Dann drehte sie sich um und wollte gerade zum Hotel zurückgehen, als sie mit einem jungen Mann in Jeans und T-Shirt zusammenstieß. Zunächst glaubte sie, es wäre ihr Fehler gewesen, und entschuldigte sich eilig. Im nächsten Augenblick jedoch stieß der Mann sie hart gegen einen gusseisernen Zaun und versuchte, ihr das Telefon und die Handtasche zu entreißen. Schlagartig wurde Cat klar, dass sie überfallen wurde.

Das Telefon hatte der Fremde schon an sich genommen, aber ihre Handtasche umklammerte sie, so fest sie konnte. Es war eine spontane, vielleicht wenig vernünftige Reaktion. Trotzdem gelang es dem Mann, ihr nach einer kurzen Rangelei auch noch die Tasche aus den Händen zu reißen und davonzurennen.

Weit kam er allerdings nicht. Ein dumpfer Aufprall klang an Cats Ohren, als der Dieb wenige Meter neben ihr zu Boden ging. Das Handy schlitterte über die Straße, der Inhalt ihrer Tasche lag überall verstreut.

Erst jetzt bemerkte Cat die dunkle Gestalt, die den Mann niedergestreckt hatte.

„Ich würde mein Glück nicht auf die Probe stellen, wenn ich du wäre“, zischte der Fremde dem jungen Mann zu und stellte seinen Fuß auf dessen Handgelenk, als dieser nach der Tasche greifen wollte. „Die Polizei ist bestimmt schon unterwegs.“

Das ließ sich der Räuber nicht zweimal sagen. Blitzschnell sprang er auf und flüchtete in die Dunkelheit. Seine eiligen Schritte hallten durch die Nacht.

„Geht es Ihnen gut?“ Cats Retter ging in die Knie und sammelte ihre Habseligkeiten auf.

Cat stand unter Schock und nahm nur am Rande wahr, dass seine Stimme sehr ruhig klang und sich ein leicht fremdländischer Akzent darin verbarg.

Als der Mann sich wieder aufrichtete und sie anblickte, konnte sie sein Gesicht deutlich im Lichtkegel einer Straßenlaterne erkennen. Dunkle Augen waren auf sie gerichtet. Vor ihr stand der Fremde, der sie schon im Ballsaal gemustert hatte.

Sie schätzte ihn auf Anfang dreißig. Sein Haar war dicht, glatt und pechschwarz. Er war unglaublich attraktiv, aber nicht im herkömmlichen Sinne, eher auf eine gefährliche, harte Weise. Alles an ihm, angefangen bei seinen eindrucksvollen Augen bis hin zu dem sinnlichen Schwung seiner Lippen, drückte Kraft und Stärke aus.

Offensichtlich erwartete er eine Antwort auf seine Frage, also riss sich Cat energisch zusammen. „Ja, ich denke schon. Tausend Dank für Ihre Hilfe.“

„Sie hätten nicht um Ihre Handtasche kämpfen sollen. Er hätte sie ernsthaft verletzen können“, sagte der Fremde bestimmt. „Ihre Gesundheit ist mehr wert als jeder Besitz.“

Damit hatte er natürlich recht. Erst jetzt wurde Cat bewusst, was alles hätte passieren können. Sie streckte eine zitternde Hand aus, um ihre Tasche entgegenzunehmen.

„Kommen Sie, gehen wir wieder hinein!“ Behutsam legte er seine Hand an ihren Rücken und führte Cat sanft, aber entschieden zurück in die Hotellobby.

Seine Berührung fühlte sich wunderbar an, doch irgendwie hatte Cat das unbestimmte Gefühl, von einer Gefahr in die nächste geraten zu sein.

„Mr. Zentenas, ist wirklich alles in Ordnung?“, erkundigte sich der Chefportier.

Cat beobachtete überrascht, wie sich das gesamte Personal eifrig den Wünschen und Anweisungen ihres Retters fügte. Der Manager des Hotels erschien, die Polizei wurde verständigt, und sie selbst wurde so schnell wie möglich zum Lift begleitet.

„Sie können oben in meiner Suite auf die Polizei warten. Ich fahre mit Ihnen hinauf.“ Es war keine Einladung, eher eine Anordnung. Die Fahrstuhltür schloss sich, und plötzlich war Cat mit ihrem ebenso faszinierend wie merkwürdig gefährlich wirkenden Begleiter allein.

Sie warf ihm einen verstohlenen Seitenblick zu, und wieder fühlte sie seine unglaubliche Präsenz. Allerdings konnte sie nichts mit den Gefühlen anfangen, die dieser Mann in ihr weckte. Da war viel mehr als nur die übliche Vorsicht, die sie für gewöhnlich in männlicher Gesellschaft überfiel.

Cat begriff nicht, wie ein vollkommen Fremder einen so starken Einfluss auf ihre Empfindungen ausüben konnte. Vielleicht war es seine aufregende, mediterrane Schönheit. Oder es war die Art, wie er sie ansah, so als könnte er ihre dunkelsten Geheimnisse erkennen.

Er drückte den Knopf für das oberste Stockwerk und schwieg, während sich der Lift sanft in Bewegung setzte.

Während der Fahrt nach oben betrachtete er Cat neugierig im Spiegel. Sie war ganz anders, als er erwartet hatte, und das verunsicherte ihn etwas. Sie wirkte sehr jung, blass und zerbrechlich. Und ihre Augen leuchteten in einer so unwirklichen Jadegrün-Schattierung, dass Nicholas Mühe hatte, den Blick wieder abzuwenden.

Nicht eine Sekunde lang hatte er damit gerechnet, dass diese Frau seinen Beschützerinstinkt wecken würde. Dieser Instinkt hatte ihn aus dem Nichts überfallen, und sosehr er den störenden Impuls auch abzuschütteln versuchte, es gelang ihm nicht ganz.

Dies ist Carter McKenzies Tochter, erinnerte er sich energisch, und allein deshalb ihr ist praktisch alles zuzutrauen.

Schließlich war Catherine ebenso berechnend wie der Rest ihrer verdorbenen Familie. Nicholas hatte die Berichte über sie studiert und würde nicht zulassen, dass ihre verletzliche Ausstrahlung ihn von seinen Racheplänen abbrachte.

Cat atmete tief durch und rang um Fassung. „Das ist ausgesprochen … nun … freundlich von Ihnen“, brach sie das Schweigen.

„Ist mir ein Vergnügen“, entgegnete er knapp.

Bildete sie sich das nur ein, oder nahm seine Miene leicht sarkastische Züge an? Er wirkte plötzlich kalt und distanziert.

„Ich habe Sie vorhin auf dem Hochzeitsempfang gesehen“, fuhr sie unbeirrt fort. „Sind Sie ein Bekannter von Martin und Claire?“

„Nein.“

Seine knappe Antwort machte sie hellhörig. War ihr erster Gedanke etwa richtig gewesen, und auch dieser Mann war von ihrem Bruder geschickt worden, um sich an sie heranzumachen?

„Warum waren Sie dann auf dem Empfang?“

„Weil ich mich als Besitzer dieses Hotels aufhalten kann, wo ich möchte.

„Oh, ich verstehe.“ Das erklärte seine herrische Art und die selbstverständliche Autorität, die er ausstrahlte. Wenigstens war es unter diesen Umständen höchst unwahrscheinlich, dass er etwas mit ihrem Bruder zu tun hatte. Wenn er der Besitzer des Hotels war, hatte er es mit Sicherheit nicht nötig, sich auf jemanden wie Michael McKenzie einzulassen.

„Ich bin Nicholas Zentenas“, stellte er sich vor und achtete gespannt auf Cats Reaktion. Acht Jahre zuvor war er der Geschäftspartner ihres Vaters gewesen. Auch wenn er ihr selbst nie begegnet war, hätte sein Name ihr vertraut sein können. Aber sie ließ sich nicht das Geringste anmerken.

„Cat McKenzie.“ Sie streckte ihre Hand aus.

Er zögerte kurz, doch dann war die Berührung überraschend warm und angenehm.

Cat sah ihm in die Augen und fragte sich, ob auch er diese elektrisierende Spannung zwischen ihnen spürte. Erschrocken über sich selbst zog sie ihre Hand zurück und war froh, als in diesem Augenblick die Türen des Fahrstuhls lautlos auseinanderglitten.

Nicholas lächelte in sich hinein, während er bis zum Eingang seiner Suite voranging. Bisher war dieser Abend für ihn extrem erfolgreich verlaufen. Und ganz offensichtlich hatte Cat McKenzie keine Ahnung, mit wem sie es zu tun hatte.

Eigentlich hatte er sie erst nächste Woche aufsuchen wollen. Ihr Vater würde dann außer Landes sein, und das verringerte das Risiko einer möglichen Entlarvung. Aber als Nicholas’ Privatdetektiv ihm heute Morgen von dem Hochzeitsempfang erzählte, der ausgerechnet in einem seiner Hotels stattfinden sollte, hatte er spontan seine Pläne geändert und war kurzfristig aus Athen eingeflogen.

Jetzt war er froh über diese Planänderung. Der Zeitfaktor war ohnehin von großer Bedeutung. Und dann hatte ihm auch noch der Zufall in die Hände gespielt: Cat war genau vor seinem Hotel überfallen worden, und er hatte sich als Retter aufspielen können. Zudem war sie so anziehend, dass er es kaum erwarten konnte, sie in sein Bett zu locken.

Das machte seine Rache noch süßer! Der Fisch war am Haken, jetzt musste er nur noch die Leine einholen.

2. KAPITEL

Die Suite war so groß wie ein geräumiges Apartment, ultramodern im Design mit schwarzen Bodenfliesen und weißen, gemütlichen Ledersofas. Durch die riesigen Fenster, die zur Straße hinausgingen, hatte man einen prachtvollen Ausblick auf das glitzernde London bei Nacht.

„Das ist ja herrlich!“ Beeindruckt lief Cat hinüber zu einer zweiten großen Fensterfront und betrachtete den stimmungsvoll beleuchteten Dachgarten, der zu Nicholas’ Suite gehörte. Das tiefblaue Wasser des integrierten Pools schimmerte im Mondlicht.

„Ja, nicht schlecht“, stimmte Nicholas bescheiden zu. Doch als er jetzt neben Cat trat, galt sein Blick eher ihr als seiner Dachterrasse. Der grüne Satinstoff ihres Kleides umschmeichelte ihre Figur, und Nicholas konnte kaum den Blick von ihrem Dekolleté abwenden. Allein der Gedanke an ihre vollen Brüste, die sich reizvoll unter dem Stoff abzeichneten, ließ ihn seine Erregung deutlich spüren. „Ich habe in all meinen Hotels eine eigene Suite. In geschäftlicher Hinsicht eine praktische Lösung, obwohl ich sehr viel reise und somit niemals lange an ein und demselben Ort bin.“

„Was nennen Sie dann Ihr Zuhause?“, erkundigte sich Cat interessiert.

Ihr Name steht ihr gut, fand er. Sie hatte die tiefgrünen Augen einer Katze, mit einem besonders hypnotischen Effekt. „Ich habe ein Haus auf Kreta.“

„Sie sind Grieche.“ Es war eher eine Feststellung als eine Frage. „Kreta ist wunderschön.“

„Sie waren dort?“

„Ja, schon öfter. Mein Großvater besitzt eine Villa ganz in der Nähe von Xania, und ich habe in jungen Jahren das eine oder andere Mal meine Ferien bei ihm verbracht.“ Sie dachte an die glanzvolle Schönheit des weiß getünchten Anwesens mit Blick auf das endlose Meer. Sie hatte diese Sommer bei ihrem Großvater so sehr genossen, umgeben von Liebe und Fröhlichkeit. Dann geschah der Unfall, bei dem ihre Mutter starb. Sie war damals gerade zehn Jahre alt gewesen. Das Auto ihres Vaters war auf der Küstenstraße außer Kontrolle geraten, und mit ihm Cats ganzes Leben. Seitdem verband sie mit Kreta nicht mehr nur positive Erinnerungen …

Interessiert beobachtete Nicholas, wie sich Cats Miene regelrecht verschloss. Beinahe hätte er seine Hand ausgestreckt, um die dunklen Schatten, die plötzlich ihren Blick trübten, zu verscheuchen. „Waren Sie in letzter Zeit einmal auf der Insel?“

An ihren Besuch auf Kreta im letzten Jahr wollte Cat gar nicht denken. Ihr Vater hatte sie dazu überredet, ihren Bruder aus einem Geschäft freizukaufen, das schiefgegangen war. Doch bei ihrer Ankunft musste sie feststellen, dass Michael ganz bewusst einen extrem undurchsichtigen Deal eingegangen war. Es war ein Schock für sie gewesen, wie tief ihr Bruder gesunken war. Eine ganze Woche hatte sie damit verbracht, die übervorteilten Opfer dieses Geschäfts ausfindig zu machen und ihnen ihr Geld zurückzugeben.

Wie hieß es doch gleich? Seine Freunde kann man sich aussuchen, seine Familie leider nicht. Nachdenklich fuhr Cat sich mit einer Hand durch die Haare.

Nicholas bemerkte ein kurzes Zögern, bevor sie ihm antwortete: „Ich habe momentan keine Zeit, Urlaub zu machen.“

Sie log nicht, das spürte er. Aber sie verschwieg etwas Entscheidendes. Aus sicherer Quelle hatte er erfahren, dass sie erst im letzten Jahr nach Kreta geflogen war, um ihrem Bruder finanziell aus der Patsche zu helfen. Nicholas’ Ermittler hatte ihn sogar mit Fotos versorgt, auf denen Cat mit den Opfern eines betrügerischen Geschäfts zu sehen war. Offenbar hatte sie ihrem Bruder zu mehr Glaubwürdigkeit verhelfen wollen. Und wenig später, als Cat bereits nach London zurückgekehrt war, hatten die McKenzies auf der Insel einen noch größeren Betrug inszeniert.

Das durfte Nicholas keinesfalls aus den Augen verlieren. Trotz ihrer scheinbaren Verletzlichkeit war Cat eine echte McKenzie. Und diese Familie hatte die Angewohnheit, gewisse Tatsachen zu verschweigen. Das hatte Nicholas am eigenen Leib erfahren.

Überrascht stellte Cat fest, dass Nicholas’ Blick eiskalt geworden war. Ein unangenehmer Schauer jagte ihr über den Rücken.

„Ich genehmige mir einen Whisky. Kann ich Ihnen auch einen Drink anbieten?“, fragte er betont galant. „Vielleicht einen Brandy? Das soll ja bei einem Schock wie Medizin wirken.“

Möglicherweise habe ich mir seine Abneigung nur eingebildet, überlegte Cat und entspannte sich etwas. „Nein, danke. Mir geht es gut.“

„Schön, das freut mich.“

„Ich schäme mich nur etwas“, gab sie zu.

„Aber wieso denn?“ Er hob eine Augenbraue.

„Dass ich so viele Umstände mache. Ich hätte gleich nach Hause fahren sollen. Mir ist nichts gestohlen worden, und die Polizei wird ohnehin nicht viel erreichen. Der Kerl ist längst über alle Berge.“

„Darum geht es doch gar nicht. Eventuell erwischen sie ihn doch und bewahren so einen anderen Menschen davor, ebenfalls angegriffen zu werden.“

„Das ist wohl wahr.“

Sie folgte ihm mit ihren Blicken, während er die Drinks einschenkte und ihr anschließend ein Glas reichte. Sein dunkler Anzug war in der Schulterpartie breit geschnitten und brachte seine gute Figur zur Geltung. Er war sehr groß, schlank und wohlproportioniert. Ohne Zweifel ein Mann, der sich in jeder Situation zu behaupten wusste.

Cat musste zugeben, dass sie sich immer stärker zu ihm hingezogen fühlte.

Er ist doch gar nicht mein Typ, ermahnte sie sich selbst. Zu viel Macht und zu viel Geld.

Sie war im Reichtum aufgewachsen und hatte mit der Zeit eine aufrichtige Abneigung dagegen entwickelt. Geld veränderte die Menschen, und meistens nicht zu ihrem Vorteil. Dieser Mann war vermutlich arrogant, egoistisch und nahm sich einfach, was er haben wollte. Außerdem umgab ihn eine gefährliche Aura, die Cat zunehmend unsicher werden ließ.

Nichtsdestotrotz, sein Aussehen war mit einem Wort: atemberaubend. Cat konnte sich nicht erinnern, jemals eine so starke optische Anziehungskraft verspürt zu haben.

Auch Nicholas schien sie immer wieder heimlich zu mustern. Obwohl er sie nicht wirklich berührte, konnte sie seine Blicke auf ihrem Körper förmlich spüren. Unbewusst fuhr sie sich mit der Zunge über die Lippen und merkte, wie ihr Herz plötzlich schneller schlug.

Als sein Blick mit einem Mal ganz unverhohlen an ihr hinabglitt, fühlte Cat, wie sich ihre Brustspitzen aufrichteten und sich gegen den glänzenden Stoff ihres Kleids pressten. Es war ein einmaliges Gefühl. Egal wie energisch sie sich einredete, Nicholas Zentenas sei nicht ihr Typ, ihr Körper reagierte auf ihn.

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