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Eine schwere Entscheidung

1. KAPITEL

„Du willst, dass ich bleibe?“ Emma war vollkommen überrascht. Eben hatte sie Felix mitgeteilt, dass sie beabsichtigte zu kündigen – um ihren Vater auf dem Hof in Österreich zu unterstützen. Aber Felix hatte erklärt, dass er die Kündigung nicht akzeptierte.

„Du solltest zumindest nichts überstürzen“, fand er nun.

„Aber du hattest mich doch sogar fristlos entlassen“, entgegnete sie. „Ohne deinen Onkel wäre ich gar nicht mehr hier.“

„Nicht dass wir uns missverstehen: Ich bin immer noch entsetzt, dass ausgerechnet du das Geld aus dem Safe genommen hast.“

Beschämt senkte Emma den Kopf. Sie hatte das Geld nicht gestohlen, Rosalie steckte dahinter. Aber das konnte Emma ihm nicht sagen. Sie musste ihre Schwester doch schützen!

„Aber ich denke, du bist jemand, der sich den Konsequenzen stellt“, fuhr er fort. „Schließlich hast du im Moment keinen leichten Stand im Haus.“

„Stimmt“, bestätigte sie unglücklich. „Mein Gehalt ist gekürzt, ich darf nur noch putzen, und alle sehen mich schief an.“

„Und davor willst du jetzt weglaufen?“, hakte er nach. Sie schüttelte den Kopf. Das war nicht der springende Punkt.

„Ich muss meinem Vater helfen, unseren Hof zu retten.“ Felix runzelte die Stirn.

„Wenn ich mich recht entsinne, warst du froh, von dort wegzukommen“, meinte er. „Bist du sicher, du tust das Richtige, wenn du zurückgehst? Das Richtige für dich?“ Sie wusste keine Antwort darauf. Und er bat sie, noch eine Nacht darüber zu schlafen.

Wieso war Felix auf einmal so nett zu ihr? Emma fühlte sich ein wenig verwirrt. Er hatte doch mit ihr nichts mehr zu tun haben wollen. Hieß das, er hatte ihr inzwischen verziehen? Das wäre so wunderbar. Sie wäre der glücklichste Mensch auf der Welt. Und sie durfte jetzt nicht kneifen, wenn sie Felix’ Achtung und irgendwann seine Freundschaft zurückgewinnen wollte. Dann konnte sie jetzt nicht hier weg. Sie würde ihrem Vater absagen müssen. Und sie würde Ben erklären müssen, warum sie es sich anders überlegt hatte. Sie war keine Bäuerin. Sie war nie eine gewesen. Deshalb war sie damals doch von zu Hause weggegangen. Aber was würde mit dem Hof passieren? Wenn ihr Vater ihn verlor … Er bedeutete ihm alles. Aber den Hof vor dem kompletten Bankrott zu retten – Emma wusste nicht, ob sie das überhaupt schaffen könnte.

Ben saß derweil jedoch schon mit Karl Strobl zusammen und berichtete Emmas Vater begeistert, dass Emma und er gemeinsam auf den Hof ziehen würden. Ben hatte große Lust darauf, es für eine Weile mal mit der Landwirtschaft zu versuchen. Vor der harten körperlichen Arbeit, die das bedeutete, hatte er keine Angst. Das frühe Aufstehen machte ihm da schon eher zu schaffen. Aber gemeinsam mit Emma würde er überall hingehen. Und glücklich sein.

Rosalie war stocksauer, als sie hörte, dass Felix Emma zunächst einmal von einer Kündigung abgehalten hatte.

„Es ist für alle das Beste, wenn sie den Fürstenhof verlässt!“, ereiferte sie sich.

„Wer ist alle?“, konterte Felix. „Dein Stiefvater und du? Ich bin nicht euer Erfüllungsgehilfe.“

„Du wolltest doch selbst, dass sie geht“, argumentierte Rosalie. „Eine Diebin ist als Angestellte untragbar, hast du gesagt.“

„Dass Emma gestohlen hat, gibt dir noch lange nicht das Recht, ein falsches Spiel mit ihr zu treiben!“, fand er. Es war ja offensichtlich, dass seine Freundin es gewesen war, die Emma geraten hatte, auf den Bauernhof zurückzukehren. „Du willst ihr die Rückkehr schmackhaft machen, weil dein Stiefvater dich erpresst. Emma soll nicht erfahren, dass du den Selbstmord deiner Mutter hättest verhindern können.“ Das stimmte. Aber es war nicht alles: Rosalie hatte außerdem panische Angst, dass Emma verraten könnte, dass sie das Geld aus dem Tresor genommen hatte.

„Emma würde mir das nie verzeihen“, flüsterte sie.

„Vielleicht macht dein Stiefvater seine Drohung ja gar nicht wahr“, meinte Felix.

„Oh doch“, entgegnete sie. „Dazu hasst er mich viel zu sehr. Ich ertrage seinen Hass ja schon kaum, wie soll ich mit Emmas leben?“

Felix stutzte. Ihm war gar nicht klar gewesen, dass Rosalie unter dem Hass ihres Stiefvaters litt.

„Wochenlang hat er nicht mit mir geredet“, klagte sie und gab sich zutiefst verletzt. „Wenn irgendetwas schieflief, war selbstverständlich ich schuld. Ich habe oft nachts im Bett geweint.“

Ihr Freund war sichtlich nachdenklich geworden. Aber er bestand weiterhin darauf, dass es allein Emmas Entscheidung sei, ob sie auf den Bauernhof zurückging oder nicht. Weder Karl Strobl noch Rosalie hätten ihr da reinzureden.

„Für dich zählt wieder mal nur Emma!“, rief Rosalie da empört. „Was mit mir passiert, ist dir völlig egal!“

„Du musst ihr doch nur erzählen, was du mir auch gesagt hast“, versuchte Felix, sie zu beruhigen. „Deine Mutter lag regungslos im Bett. Neben ihr das Röhrchen Schlaftabletten. Dass sie noch lebte, hast du nicht wahrgenommen. Du warst so entsetzt, dass du in Panik aus dem Haus gerannt bist.“

„Und wenn Emma mir das nicht glaubt?“ Rosalie klang verzweifelt.

„Ich glaube dir doch auch.“

Aber bevor sie mit Emma sprach, solle sie in jedem Fall noch einmal mit ihrem Stiefvater reden. Über den Hass, der zwischen ihm und ihr stand. Aber Rosalie wollte nicht.

Während ihres Dienstes lief Emma zufällig ihrem Vater über den Weg. Und der konfrontierte sie sofort mit dem, was er von Ben erfahren hatte: Dass sie wieder nach Hause kommen würde.

„Ich freue mich so, Emma.“ Karl strahlte über das ganze Gesicht. „Mir geht regelrecht das Herz auf. Jetzt wird alles wieder gut.“

Emma war einen Moment lang sprachlos. Wie hatte Ben einfach so mit ihrem Vater reden können? Jetzt musste sie Karl enttäuschen und ihm sagen, dass es so sicher noch gar nicht war, dass sie und Ben auf den Bauernhof ziehen würden. Und natürlich war er enttäuscht. Wie sollte er auch anders reagieren?

Johann war die Hand ausgerutscht – er hatte André Konopka geschlagen, nachdem der ihn böse provoziert hatte. Unglücklicherweise war Evelyn Zeugin des Vorfalls geworden. Und sie war gar nicht erfreut.

„Würdest du mir bitte erklären, was das soll?“, schnauzte sie Johann an. André hatte sich inzwischen verzogen.

„Ich will dir nur helfen“, beteuerte Gruber.

„Indem du meinen Exmann niederschlägst?“, schnaubte sie.

„Der Kerl tanzt mit Blumen an und macht dir schöne Augen“, wetterte Johann. „Dabei ist er nur auf dein Geld aus. Er will, dass du deine Praxis verkaufst und das ganze Geld in den Alten Wirt steckst. Das hat er mir gegenüber selbst zugegeben.“

„Unsinn!“, erwiderte sie.

„Und dass die Patienten wegbleiben, verdankst du ihm auch“, fuhr Gruber ungerührt fort. Konopka hatte ja sogar diesen Reporter auf ihn angesetzt. Dem Johann unglücklicherweise Details über Evelyns Approbationsverfahren erzählt hatte. „André meint es nicht ehrlich mit dir“, mahnte Johann. „Wenn du nicht aufpasst, nimmt er dir deine Existenz.“

„Ich brauche keinen Beschützer“, stellte Evelyn gereizt fest. „Ich kann sehr gut auf mich allein aufpassen.“

„Wenn das so ist, kann ich mich ja zurückziehen“, entgegnete Gruber gekränkt.

„Ich bitte darum.“ Und bei ihr wohnen sollte Johann in Zukunft besser auch nicht mehr.

Dass sie ihn mehr oder weniger rausgeworfen hatte, verletzte Gruber sehr. Eigentlich hatte er sich ein Zimmer im Fürstenhof nehmen wollen – Geld genug hatte er nach der Kunstauktion ja. Aber Alfons bestand darauf, dass er zu den Sonnbichlers zog. Da war das Haus zurzeit zwar reichlich voll – Ben und Nils Heinemann waren Dauergäste bei Emma und Marie – aber auf einen mehr oder weniger kam es nun wirklich nicht an. Und Johann war dankbar, dass seine Freunde sich so um ihn kümmerten.

André trug nach der Prügelei mit Gruber ein Pflaster auf der Stirn, was ihm natürlich den Spott seines Bruders einbrachte. Aber Werner beließ es bei einer gutmütigen Frotzelei. Er war bester Laune. Sylvia würde heute Abend in den Fürstenhof zurückkehren.

„Sieh an!“, knurrte André. „Ist sie fertig mit Ausspannen und Abstandgewinnen?“

„Was soll das?“, erwiderte der Senior.

„Ich habe mich nur gefragt, warum sie nicht auf Sylt entspannen konnte“, sagte der Chefkoch. „Warum musste sie dazu ausgerechnet nach Peru fliegen?“

„Es geht dich zwar nichts an, aber vielleicht erinnerst du dich, dass wir unsere Hochzeitsreise dahin geplant hatten“, antwortete Werner.

„Macht man so eine Hochzeitsreise nicht üblicherweise zu zweit?“, stichelte sein Bruder.

Der tragische Tod von Paul Wielander habe ihre Reisepläne zunichtegemacht, konterte der Senior.

„Ja, richtig. Die arme Barbara war davon so mitgenommen, dass sie dringend Erholung brauchte.“

Es brachte Werner sofort auf die Palme, wenn André seine Frau so nannte. Sie war Sylvia! Sie war ein neuer Mensch!

Aber der Chefkoch wusste es besser. „Sie hat sich in Lima mit diesem Claudius Kohler getroffen, jede Wette“, glaubte er. Nicht umsonst hatte er Kohlers Telefonnummer in ihren Sachen gefunden.

Aber sein Bruder wollte nichts davon hören. Er wollte nur einen Menüvorschlag für ein romantisches Candle-Light-Dinner. Bei dem André besser nicht auftauchen sollte.

Barbara war zurück! Und hatte nicht die geringste Lust, gleich die ganze Zeit mit Werner zusammen zu sein. Der Senior war hingegen so glücklich, sie wiederzuhaben, dass er sie gar nicht mehr aus den Armen lassen wollte. Zu Barbaras Glück stand noch ein Termin mit dem Tourismusverband an. So würde sie noch ein wenig Ruhe vor ihm haben. Schließlich musste sie über ihr weiteres Vorgehen nachdenken. Und ihren Sohn wollte sie auch sehen.

„Ich habe dir etwas mitgebracht.“ Barbara zog ein Päckchen aus der Tasche und reichte es Ben, den sie in ihre Wohnung hatte rufen lassen. „Das ist eine Quena oder Andenflöte. Diese ist sehr alt. Eine kleine Rarität.“

„Danke.“ Er freute sich ehrlich über das Geschenk. Und weihte sie dann in seine Pläne ein: Er wollte kündigen und mit Emma für eine Weile auf den Hof ihres Vaters ziehen.

„Bist du noch zu retten?“ Seine Mutter klang empört. „Du kannst doch nicht Bauer werden!“

„Wieso nicht?“, wunderte er sich. „Das ist ein ehrbarer Beruf!“

„Aber nicht für dich!“, rief sie. „Ein von Heidenberg mistet keine Ställe aus!“

Aber er war doch ein Sponheim! Und er verstand auch nicht, warum sie plötzlich so stolz war auf den Namen von Heidenberg. Sie hatte diesen Namen getragen, als sie eine Mörderin gewesen war!

„Ich wollte eigentlich nur sagen, dass du etwas Besonderes bist“, ruderte Barbara hastig zurück. Ben war ja sowieso schon misstrauisch geworden, das durfte sie auf gar keinen Fall weiter befeuern. Also tat sie zunächst so, als würde sie seine Entscheidung, den Fürstenhof zu verlassen, akzeptieren.

Und Ben setzte sich kurz darauf in den Personalraum und formulierte seine Kündigung. Da kam Emma herein. Sie hatte schon die ganze Zeit versucht, ihn auf dem Handy zu erreichen, aber er hatte das Telefon bei ihr auf dem Nachttisch liegen lassen.

„Du hattest kein Recht, meinem Vater zu sagen, dass wir ihn begleiten“, sagte sie rundheraus.

„Was ist denn mit dir los?“ Mit großen Augen starrte er sie an. Sie waren sich doch einig gewesen.

„Ich weiß noch nicht, ob ich das wirklich mache“, druckste sie herum. „Ich soll mir das noch mal überlegen.“

„Sagt wer?“, fragte Ben.

„Felix“, gab sie verlegen zur Antwort. „Er hat meine Kündigung nicht angenommen. Und er meint, ich tue mir mit der Rückkehr auf den Hof keinen Gefallen.“

„Ach, und jetzt meinst du das auch.“ Ben konnte seine Wut nur mühsam verbergen. Die Eifersucht loderte in ihm auf wie eine Flamme. „Was mischt der Blödmann sich überhaupt ein?“, ereiferte er sich.

„Er will nur mein Bestes“, entgegnete Emma. „Er ist immer noch mein Freund.“

„Er hat dich hochkant gefeuert!“, hielt Ben dagegen. Wenn er nicht zum Seniorchef gegangen wäre, hätte Emma gar nicht mehr im Hotel arbeiten dürfen. „Ein Freund macht das nicht. Der traut dir gar nicht erst zu, dass du stiehlst.“

„Ich habe den Diebstahl gestanden“, seufzte sie. „Da blieb ihm doch gar nichts anderes übrig. Egal – jedenfalls bin ich froh, dass wir überhaupt wieder miteinander reden.“

„Und deshalb bleibst du jetzt am Fürstenhof?“, grollte Ben.

„Quatsch!“ Sie schüttelte energisch den Kopf.

„Warum dann?“, bohrte er nach. „Es hat sich nichts geändert: Dein Vater braucht dich, und ich bin immer noch bereit, mitzukommen. Aber ich interessiere dich gar nicht, oder? Auch nicht dein Vater. Der Einzige, der für dich zählt, ist der liebe Felix Saalfeld.“ Er hätte sie am liebsten geschüttelt. Beinahe hätte er schon seine Kündigung eingereicht. Und jetzt das! „Deinem Vater steht das Wasser bis zum Hals“, mahnte er jetzt. „Lass uns gehen, Emma. Du verzeihst es dir nie, wenn du ihm jetzt nicht hilfst.“

Ben hatte ja recht, dachte sie später. Sie würde es sich wirklich nie verzeihen, wenn sie ihrem Vater nicht half. Vielleicht würde sie auf dem Hof sogar noch Zeit zum Nähen haben – sie müsste das einfach zur Bedingung machen. Warum tat sie sich dann bloß so schwer mit dieser Entscheidung? Sie hätte doch alles, was sie brauchte. Die herrliche Landluft, ihre Nähmaschine und den Mann, den sie liebte. Es war so toll von Ben, dass er mitkommen wollte. Und immerhin hatten sie sich nach dem kurzen Streit von vorhin wieder vertragen. Er würde akzeptieren, was immer sie entschied, hatte Ben erklärt.

André hatte recherchieren lassen und präsentierte seinem Bruder nun die Ergebnisse.

„Du hast schon wieder ein Detektivbüro beauftragt?“, stöhnte Werner, als der Chefkoch ihm eine Mappe mit Unterlagen in die Hand drückte.

„Lies, was da steht!“, verlangte André. „Claudius Kohler ist Pharmakologe. Spezialisiert auf seltene Gifte.“ Und ebendieser Kohler, dessen Telefonnummer er in Barbaras Sachen gefunden hatte, hatte früher in Deutschland gelebt, war aber nach dem Tod von Lars Hoffmann spurlos verschwunden. „Barbara plant irgendwas mit ihm, ich schwöre es dir.“

„Du bist ja schon paranoid.“ Werner hatte überhaupt keine Lust auf solche Gespräche. Er liebte seine Frau, und er vertraute ihr. André sollte sich endlich aus seiner Ehe raushalten.

„Jede Wette, dass du dein Testament änderst“, fuhr der Chefkoch unbeirrt fort. „Sie wird dir das ganz dezent einreden.“

„Mach dich nicht lächerlich“, spottete Werner. „Wir haben einen Ehevertrag. Sylvia hat auf eigenen Wunsch auf alles verzichtet.“

„Deshalb musst du dein Testament ja ändern“, beharrte André. „Damit es sich lohnt, dich zu vergiften.“

„Jetzt ist es aber genug!“ Dem Senior platzte nun endgültig der Kragen. „Noch ein Wort, und du kannst deine Papiere holen!“

Barbara musste nur eins und eins zusammenzählen, als sie beim Abendessen mit Werner zusammen saß. Er hatte wieder Ärger mit André.

„Meinetwegen, nicht wahr?“, säuselte sie. Der Senior schüttelte den Kopf. „Wir wollten uns doch immer die Wahrheit sagen“, mahnte sie und verlieh ihren Worten einen liebevollen Klang.

„Die alten Verdächtigungen“, seufzte er. „Lächerlich.“

„Er glaubt immer noch, dass ich wieder Barbara bin?“, hakte sie nach.

Aber Werner bat darum, das Thema zu wechseln. Es hatte sowieso keinen Zweck, über die Sache zu reden.

Nun tat auch sie bedrückt. „Mir geht etwas nicht aus dem Kopf“, behauptete sie. „Mich hat eine gute Freundin angerufen. Ihr Mann ist gestorben, und nun steht sie völlig mittellos da. Er war selbstständig. Und sogar sehr vermögend. Aber er hat sie im Testament nicht bedacht.“

„Und jetzt machst du dir Sorgen, dass dir das auch passiert.“ Die Warnung seines Bruders dröhnte Werner plötzlich in den Ohren.

„Nein!“, beteuerte sie sogleich. Es war nicht zu übersehen, dass Werner das Testamentsthema missfiel. „Ich kann ja arbeiten. Aber sie nicht. Sie ist nach dem Autounfall, bei dem er ums Leben gekommen ist, schwerbehindert. Und ich überlege, wie ich ihr helfen kann.“

Sein Misstrauen war wie weggeblasen. „Du bist wirklich der wunderbarste Mensch, der mir im Leben begegnet ist“, lächelte er und gab ihr einen Kuss.

„Ich überlege, wieder bei Frau Doktor Konopka anzufangen“, log sie nun. Mit ihrem Gehalt könnte sie ihre Freundin unterstützen.

Doch Werner hielt das für keine gute Idee. „Dir hat die Arbeit doch zuletzt gar keinen Spaß mehr gemacht“, erinnerte er sie. Und außerdem lief Evelyns Praxis zurzeit so schlecht, dass es nicht klar war, wie die Zukunft der Ärztin überhaupt aussah. Außerdem beschäftigte Werner die Frage nach dem Testament nun doch. Er wollte nicht, dass es seiner Frau irgendwann so ging wie ihrer mittellosen Freundin – dass Barbara die nur erfunden hatte, ahnte er ja nicht. „Ich frage mich, ob es wirklich klug war, wie ich mein Testament kurz vor unserer Hochzeit geändert habe“, sagte er nachdenklich. „Sollte mir etwas zustoßen, will ich dich schließlich versorgt wissen.“

„Das gibt doch nur wieder Zank und Streit“, winkte sie berechnend ab. „Dein Bruder wird mich für eine Erbschleicherin halten.“

„Was André darüber denkt, interessiert mich herzlich wenig“, schnaubte er. „Ich lasse mir von ihm keine Vorschriften machen. Und mir war sowieso nie wohl mit dem Ehevertrag.“ Entschlossen blickte er sie an. „Ich werde gleich morgen früh einen Termin mit dem Notar vereinbaren, um mein Testament zu ändern.“ Ein triumphierendes Lächeln umspielte Barbaras Lippen. Jetzt hatte sie ihn da, wo sie ihn haben wollte. Da würde sie auch noch die Liebesnacht überstehen, die er jetzt unzweifelhaft von ihr erwartete.

2. KAPITEL

Auf dem Weg zur Arbeit begegnete Emma am nächsten Morgen Felix, der die Dorfstraße entlangjoggte. Sie begrüßte ihn verlegen.

„Und? Wie hast du dich entschieden?“, wollte er wissen. „Möchtest du immer noch kündigen?“

„Ich möchte nicht, ich muss“, seufzte sie. „Ich sehe keine andere Möglichkeit, meinem Vater zu helfen.“

„Es gibt immer Alternativen“, glaubte Felix. „Man muss nur danach suchen und nicht gleich in den Tresor greifen, wenn man Geld braucht.“

„Es war der Fehler meines Lebens“, beteuerte sie. „Ich kann dir gar nicht sagen, wie leid mir …“ Er ließ sie nicht ausreden.

„Mir auch“, meinte er. „Und ich möchte auch gar nicht darauf herumreiten. Wir machen alle Fehler. Ich wollte auf etwas ganz anderes hinaus.“ Er hatte nämlich eine Idee, wie man ihrem Vater auch so helfen könnte. „Wir haben Probleme mit unserem Fleisch- und Milchlieferanten und überlegen, den Vertrag auslaufen zu lassen“, erklärte er. „Vielleicht könnte dein Vater stattdessen einsteigen. Die Details müsste ich natürlich mit ihm bereden.“

Ein Leuchten ging über Emmas Gesicht. Das könnte wirklich eine Möglichkeit sein! Ein fester Vertrag mit dem Fürstenhof könnte ihren Vater durchaus vor dem Bankrott retten! Felix schlug vor, die Angelegenheit gleich oben in der Wohnung zu besprechen.

„Auf diese Weise kann ich vielleicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, sagte er. „Ich habe nämlich das Gefühl, unbewusst würde sich Rosalie gern wieder mit eurem Vater versöhnen.“

Das Gefühl hatte Emma auch.

„Sie leidet unter dem Streit mit ihm“, fügte Felix hinzu.

„Er tut ihr sogar leid“, bestätigte Emma. „Ich war ganz erstaunt, als sie mir das gesagt hat. Sonst hat sie immer behauptet, sie hasst ihn.“

„Vielleicht brauchen sie beide einen Anstoß“, lächelte er. „Wollen wir ihnen den geben?“

„Und ob!“ Emma war vollkommen begeistert von dieser Idee. Und rannte sofort los, um ihren Vater zu holen.

Rosalie flippte jedoch beinahe aus, als sie sah, wer da an ihrem Frühstückstisch saß. Und dabei vergaß sie ganz, wie liebevoll und fürsorglich sie Emma gegenüber über ihren Stiefvater gesprochen hatte. Und dass sie Felix glauben gemacht hatte, sie würde unter Karls Hass leiden.

„Sie wird sich nie ändern“, stellte Karl nur fest, nachdem seine Stieftochter türenknallend ins Schlafzimmer verschwunden war. Felix folgte seiner Freundin und versuchte noch einmal, sie zu einer Aussprache mit Karl zu bewegen. Aber sie blieb stur. Schweren Herzens musste Felix akzeptieren, dass er hier erst einmal nicht weiterkam. Und so ging er zurück ins Wohnzimmer und setzte sich zu Emma und ihrem Vater an den Tisch.

„Wir müssen auf Rosalie leider verzichten“, erklärte er. Emma wollte aufspringen, um sich um ihre Schwester zu kümmern, doch Karl hielt sie zurück.

„Es reicht, wenn Rosalie sich nicht benehmen kann. Vor dir erwarte ich etwas anderes.“

Felix wurde wütend. „Sie sind der Meinung, Rosalie benimmt sich schlecht?“, fragte er verärgert.

„Das haben Sie doch gerade erlebt“, erwiderte Karl. „Von mir hat sie das nicht.“

„Nein, von Ihnen hat sie nur gelernt zu hassen“, platzte Felix da der Kragen. „Sie haben sie für ihr ganzes Leben geprägt. Um nicht zu sagen: negativ beeinflusst.“

„Das ist ja wohl die Höhe!“, polterte Karl los, und Emma gelang es nicht, ihn zu beruhigen. „Soll ich mich etwa von so einem Wichtigtuer beschimpfen lassen?!“

„Da erpressen Sie lieber, stimmt’s?!“ Nun war es heraus. Emma blickte irritiert von einem zum anderen.

„Du erpresst jemanden?“, wandte sie sich an ihren Vater.

„Unterstehen Sie sich!“ Eine unverhohlene Drohung lag in Karls Worten. Aber Felix war schon zu weit vorgeprescht.

„Dein Vater erpresst deine Schwester.“ Schockiert verzog Emma das Gesicht.

„Rosalie war im Haus, als Mama noch gelebt hat?“ Emma hatte Mühe, das Gehörte zu verarbeiten. „Und trotzdem ist sie einfach abgehauen? Ohne einen Arzt zu rufen?“ Karl schwieg vielsagend. „Dann könnte Mama noch leben …“

„Das wissen wir nicht“, schaltete Felix sich ein. „Vielleicht war eure Mutter so geschwächt, dass sie es auch mit ärztlicher Hilfe nicht geschafft hätte.“

„Aber sie hätte eine Chance gehabt …“, flüsterte Emma. Felix beteuerte, wie sehr Rosalie unter ihren Schuldgefühlen litt. Er selbst war ja zunächst auch fassungslos gewesen, als seine Freundin ihm gestanden hatte, wie der Selbstmord ihrer Mutter wirklich abgelaufen war.

„Ich glaube, Rosalie war mit der Situation völlig überfordert.“ Emma sah ihn nicht an. „Es wäre das Schlimmste für sie, wenn du sie jetzt verachtest.“ Emma konnte nicht mehr. Sie wollte nur noch weg. Ihr Vater bot an, sie zu begleiten, aber sie lehnte ab.

„Rosalie hat eine Riesenschuld auf sich geladen, nicht ich!“, stellte sie bitter fest. „Du hast all die Jahre geschwiegen und wolltest sie damit erpressen. Das ist das Allerletzte.“ Mehr hatte sie im Augenblick nicht zu sagen.

Karl überhäufte Felix mit Vorwürfen, kaum dass seine Tochter die Wohnung verlassen hatte.

„Es war gut so, wie es war! Und dann kommen Sie und bringen alles durcheinander. Was haben Sie sich dabei gedacht, Emma die Wahrheit zu sagen?!“

„Wer ist denn hier aufgetaucht und hat in der Vergangenheit gerührt?!“, verteidigte sich Felix. „Sie haben doch die Geschichte aufs Tapet gebracht, um Rosalie damit zu erpressen! Mit ihrem egoistischen Verhalten haben Sie ihren beiden Töchtern massiv geschadet.“

„Ich habe Emma beschützt!“, beharrte Karl. Und er hatte wirklich nicht mitbekommen, dass Emma sich seit Jahren die Schuld am Tod ihrer Mutter gab. Weil es von Rosalie so gedeichselt worden war, dass Emma sie gefunden hatte.

„Das sieht Emma ähnlich!“ Felix klang beinahe gerührt. „Sie hat das lieber mit sich selbst ausgemacht, als Sie damit zu belasten.“

„Ich wünschte, ich hätte den beiden ein besserer Vater sein können“, gab Karl auf einmal zu. „Aber Sie können sich nicht vorstellen, was es heißt, plötzlich allein dazustehen.“

„Egal, wie dreckig es Ihnen ging – es war Ihre Pflicht, für Rosalie und Emma nach dem Tod Ihrer Frau zu sorgen“, fand Felix. „Stattdessen haben Sie Ihre Stieftochter vom Hof gejagt …“ Karls Miene wurde bitter. „Und die eigene als billige Arbeitskraft missbraucht.“

„Wahrscheinlich würde ich genauso unbedarft daherreden, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte.“ Karl wollte nicht mehr länger zuhören. Aber Felix insistierte, dass es gut sei, dass die Wahrheit nun heraus war.

„Emma und Rosalie wissen jetzt wenigstens, woran sie bei Ihnen sind.“

„Es reicht!“ Karl fühlte sich ganz ohnmächtig vor lauter Zorn und Verzweiflung. „Sie erlauben sich ein Urteil über meine Familie, obwohl Sie keine Ahnung haben, was sich damals bei uns abgespielt hat!“ Damit verließ er die Wohnung.

Aufgewühlt hastete Emma durch den Park. Sie konnte das alles nicht fassen! Rosalie war einfach weggegangen und hatte ihre Mutter sterben lassen! Wie hatte sie das nur machen können – und die ganze Zeit schweigen? Und Emma selbst? Sie tat alles für ihre Schwester. Immer und immer wieder. Sogar Rosalies Griff in den Tresor hatte sie auf sich genommen. Und deswegen fast ihren Job am Fürstenhof riskiert. Aber sie hatte immer gedacht, trotz aller Schwierigkeiten hätte sie eine Familie, auf die sie sich verlassen konnte. Die zusammenhielt. Doch die Wahrheit war, dass ihre Schwester ständig log und betrog. Und dass ihr Vater seine Stieftochter erpresste und Emma ausnutzen wollte. Was war das bloß für eine Familie?! Sie würde trotz allem noch einmal mit Rosalie sprechen müssen.

„Ich weiß jetzt Bescheid. Du hast Mama sterben lassen!“ Geschockt starrte Rosalie ihre Schwester an. Aus dieser Angelegenheit würde sie sich nicht herausreden können, so viel war klar.

„Bitte …“ Die Tränen waren Rosalie in die Augen geschossen. „Ich habe Mamas Tod nicht gewollt, glaube mir. Ich habe jahrelang davon geträumt. Fast jede Nacht bin ich aufgewacht von meinen Albträumen. Und dann habe ich die ganze Nacht geweint.“ Emma hätte sich am liebsten die Ohren zugehalten. Es ging nicht um Rosalie – ihre Mutter könnte noch leben, wenn ihre Schwester damals nicht davongelaufen wäre! „Emma, ich schäme mich schrecklich“, beteuerte Rosalie nun.

„Das habe ich gemerkt.“ Emma wusste gar nicht, wohin mit ihrer ganzen Bitterkeit und Enttäuschung. „Du hast mir die Schuld an Mamas Tod gegeben.“ In der Tat: Das hatte Rosalie in einer ihrer Auseinandersetzungen getan.

„Ich konnte mir nicht eingestehen, was ich getan habe“, erklärte Rosalie. „Es tut verdammt weh, so schwach zu sein. Und ich weiß, es ist unverzeihlich …“

„Ich habe immer den Kopf für dich hingehalten, obwohl du mich ständig in Schwierigkeiten gebracht hast.“ Emma atmete tief durch. Diesmal würde sie sich nicht wieder von ihrer Schwester einwickeln lassen. „Damit ist jetzt Schluss. Was du und Papa getan habt – seht zu, wie ihr allein damit klarkommt.“

„Sag Felix nichts von dem Tresor, bitte!“, flehte Rosalie verzweifelt. „Er ist das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Wenn ich ihn verliere …“ Gekonnt brach sie ab. Und Emma erinnerte sich nur allzu gut an den Selbstmordversuch ihrer Schwester. Den Rosalie nur vorgetäuscht hatte, aber das ahnte Emma nicht. „Was hast du vor?“

„Wart es ab“, seufzte Emma erschöpft. Und ihre Schwester bekam es nun wirklich mit der Angst zu tun.

André schüttelte nur den Kopf, als sein Bruder ihm in Barbaras Anwesenheit mitteilte, dass er noch heute sein Testament würde ändern lassen.

„Das ging ja schneller, als ich dachte“, seufzte der Chefkoch.

„Bist du dir denn sicher, dass du das wirklich willst?“ Sylvias Rehblick gelang Barbara perfekt.

„Ich will dich versorgt wissen, Liebes“, sagte Werner zu ihr. „Darum habe ich beschlossen, dich als Erbin einzusetzen.“

„Das ist wirklich mehr als großzügig von dir.“ Sie hatte Mühe, sich ein Grinsen zu verkneifen.

„Ich bitte dich, das ist doch eigentlich selbstverständlich. Im Falle meines Todes bekommst du zweihundertfünfzigtausend Euro.“ Bei dieser Summe hatte Barbara Mühe, die Fassung zu bewahren.

„Dumm gelaufen, Frau von Heidenberg“, feixte André, kaum dass sein Bruder gegangen war. „zweihundertfünfzigtausend statt fünf Millionen – so haben Sie sich das nicht vorgestellt, was? Ein Berliner Testament wäre die Lösung gewesen, dann wären Sie die Alleinerbin, aber so …“

„Ich verstehe nicht, was meinst du?“ Trotz ihres Zorns versuchte sie, die Rolle der Sylvia weiterzuspielen.

„Sie wollten alles“, entgegnete er. „Aber eine viertel Million? Wer riskiert dafür schon einen Mord?“

Natürlich hatte André recht. Innerlich kochte Barbara vor Zorn darüber, dass Werner sie mit einer so lächerlichen Summe abspeisen wollte. Also beschloss sie kurzerhand, das Testament zu fälschen, und besorgte sich dafür einen Vordruck des Berliner Testaments aus dem Internet.

Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Werner so schnell zurückkehrte vom Notar. Und es gelang ihr auch nicht, die Unterlagen rechtzeitig zu verstecken. Der Senior betrachtete ungläubig, womit sich seine Frau da beschäftigte.

„Ein Berliner Testament?“, fragte er irritiert. „Was hat denn das zu bedeuten?“

„Paul hat mir sein Haus vererbt“, improvisierte sie hastig. Werner runzelte die Stirn. „Er hat mich eben nie aufgegeben, das weißt du doch“, fuhr sie fort. „Deswegen auch dieser Ausdruck vom Berliner Testament. Ich habe es im Internet gefunden. Damit du im Ernstfall mein Haupterbe bist.“

„Du weißt aber schon, dass eine derartige Vereinbarung immer auf Gegenseitigkeit beruht?“ Sie tat überrascht. „Hier steht es doch: ‚Wir setzen uns gegenseitig als Erben ein‘.“ Abwartend blickte er sie an. Sie behauptete, diesen Passus überlesen zu haben.

„Zerreiß es schnell!“, fügte sie dann hinzu. „Das will ich doch gar nicht. Ich lasse vom Anwalt ein anderes Testament aufsetzen, bei dem du alles von mir erbst. Unabhängig, wie du dich entscheidest.“ Er war sich nicht sicher, was er davon halten sollte, und zog sich zunächst einmal zurück. Und sie hätte sich ohrfeigen mögen, dass es zu einer solchen Situation überhaupt erst gekommen war.

Werner grübelte eine Weile vor sich hin. Letzten Endes ging es immer nur um eines: Liebte er seine Frau? Vertraute er ihr? Glaubte er, dass sie noch immer Sylvia war? Und nicht Barbara? Tief in seinem Herzen konnte er all diese Fragen mit Ja beantworten. Und deshalb gab es eigentlich nur eine Entscheidung.

„Ich habe mich noch mal mit dem Notar getroffen“, erklärte er der verblüfften Barbara. „Ich werde für mein Testament eine andere Regelung treffen. Es war sehr kleinlich von mir, dich mit einer viertel Million Euro abspeisen zu wollen.“

„Das ist außerordentlich viel Geld …“, wandte sie berechnend ein. Er reagierte nicht darauf.

„Jetzt würden im Falle meines Todes meine Anteile am Fürstenhof an dich übergehen“, sagte er stattdessen. „Und natürlich alles, was ich sonst noch besitze.“ Er hatte sich doch für das Berliner Testament entschieden – Barbara hätte am liebsten gejubelt. „Ich möchte sicherstellen, dass du gut versorgt bist, wenn mir etwas zustößt.“

„Hast du dir das gut überlegt?“ Sie kuschelte sich an ihn. „Es hängt so viel dran …“

„Es gibt für mich keinen Grund, anders zu entscheiden.“ Werner war sichtlich zufrieden mit sich. „Du bist diejenige, der ich meinen Nachlass anvertrauen möchte. Weil ich dich über alles liebe.“

„Was ist mit deinen Kindern?“, wollte sie wissen.

„Die sind sehr gut in der Lage, für sich selbst zu sorgen“, meinte er.

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