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Eine schöne junge Frau

 

Tommy Wieringa

 

Eine schöne junge Frau

 

Aus dem Niederländischen von Bettina Bach

 

Carl Hanser Verlag

 

 

Damit vertreiben sich Männer und Frauen beim gemeinsamen Abendessen die Zeit, Ehepaare, die einander noch nicht so gut kennen. Mit der Frage: »Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?«

Ein Blickwechsel, dann sagt sie: »Das kannst du besser erzählen.«

»Es war einmal in einem fernen Land …«

»Gar nicht! Einfach nur in Utrecht, vor sieben Jahren.«

»Na gut, dann eben kein Märchen.« Er wirkt etwas enttäuscht. »In Utrecht, vor sieben Jahren. Ich saß auf einer Caféterrasse, da biegt ein Mädchen in die Straße ein. Man darf dort eigentlich gar nicht radeln, aber so ein Mädchen kann sich alles erlauben. Für sie lässt sich jeder Polizist ausnahmsweise erweichen und hält alle Autofahrer an.«

»Du übertreibst, Schatz. Außerdem war ich da schon sieben- oder achtundzwanzig.«

»Sie sitzt auf einem Mountainbike, leicht vornübergebeugt, mit dem Hintern in der Luft. Ohne dieses Detail kann ich die Geschichte nicht erzählen. Der Hintern, mit dem alles anfing. So ist sie an mir vorbeigeradelt, in dieser Straße voller Menschen, mit ihrem blonden Haar und diesem Hintern …«

»Jetzt reichts aber langsam.«

»Ich sollte doch die Geschichte erzählen?«

Der andere Mann aus der Gruppe drückt den Rücken durch. »Ich will das auch hören. Das mit dem Hintern.«

»Reiß dich zusammen, Lou!«, mahnt seine Frau.

»Ich sah sie zwischen all diesen Menschen verschwinden und habe mich gefragt: Wie soll ich sie je wiederfinden? Du kennst das Gefühl, Lou, du weißt, wie das ist. Dass man einer Frau am liebsten hinterherrennen würde und rufen: Wer bist du? Ohne dich kann ich nicht mehr leben! Heirate mich, auf der Stelle!«

»Hm …«

»Egal, ein paar Wochen später saß ich im Willem I, und da sah ich sie wieder, am Billardtisch. Dieses Gefühl von Vorherbestimmung: Ich habe sie wiedergefunden … Ohne zu suchen. Es sollte also sein. Sie hat mit einer Freundin Billard gespielt. Wieder mit dem Hintern so … nach oben …«

»Ed, ich bitte dich.«

»Ich bin hingegangen und habe sie gefragt, wie sie heißt. Sie sollte mir nicht noch mal entwischen. Ihren Namen hat sie mir verraten, aber nicht ihre Adresse. Das wollte sie nicht.«

»Du warst betrunken.«

»Und trotzdem hast du ihm einfach gesagt, wie du heißt?«, fragt die andere Frau.

»Warum nicht?«

»Einem Wildfremden?«

»Ich fand ihn nicht übel. Alt, aber nicht übel.«

»Alt, aber nicht übel …«, wiederholt Edward. Er versucht es zu überspielen, doch es schmerzt ihn wirklich.

»Älter als ich jedenfalls. Einverstanden?«

»Vierzehn Jahre …«

»Plus eins.«

»Soll ich jetzt noch zu Ende erzählen oder nicht?«

Wie er den Mann hinter der Theke um das Telefonbuch bat, darin blätterte und eine Seite herausriss, zu ihr ging. Sie baute sich gerade an der langen Bande auf, als er fragte: »Bist du das?« Dabei hielt er die Seite über dem Billardtisch unters Licht und zeigte auf einen Namen. Amüsiert musterte sie ihn. »Kann schon sein.«

»Schön, Ruth Walta. Wunderbar. Vielen Dank. Ich schicke dir eine Einladung.«

»Wir werden sehen. Und wie heißt du?«

»Edward«, antwortete er gutgelaunt. »Edward Landauer.«

 

»Hut ab, Ed«, sagt Lou. »Geschickter Schachzug, mit dem Telefonbuch. Ganz schön dreist.« Er greift nach der Flasche, schaut in die Runde und schenkt bloß Edward nach.

»Der Mut der Verzweiflung. Ich hätte wirklich nicht gewusst, was ich ohne sie machen soll. Stell dir vor, gerade war die ganze Welt noch voller Frauen, und plötzlich ist nur noch sie da.« Mit dunkelroten Lippen lächelt er seine Frau an. »Als hätte man haargenau eine Chance – und wenn man die vermasselt, fällt die Tür hinter einem zu und das Wunder wird sich nie wiederholen.« Seine Stirn glänzt, mit den Händen lenkt er die Wörter über den Tisch.

»War dir das nicht unheimlich, Ruth?«, fragt die andere Frau.

»Komisch, dass du das denkst. Ist es nicht schön, ein bisschen überrumpelt zu werden? Von einem Mann, der weiß, was er will, zielstrebig ist und so. Wünschen wir uns das nicht alle?«

»Ja, vielleicht schon, ja …« Sie steht auf. »Räumst du die Teller ab, Lou? Euer Besteck könnt ihr behalten.«

In der Küche zieht sie Ofenhandschuhe an. An diesem Nachmittag hat sie in einem Laden mit türkischen und surinamischen Spezialitäten schon nach Okraschoten gegriffen und sie genau angesehen. »Nun übertreib mal nicht, Claudia«, meinte Lou.

»Aber sie sind Vegetarier! Was soll ich denn kochen?«

Schließlich ist es ein Kartoffelgratin mit Ofengemüse geworden.

Am Tisch fragt Lou: »Du hast gesehen, dass er älter ist als du, Ruth. Und du, Ed? Ist dir auch aufgefallen, dass sie jünger ist?«

»Wartet, bis ich wieder da bin!«, ruft Claudia aus der Küche.

Einen Moment schließt Edward die Augen – das Mädchen mit dem Queue in der Hand, der im Licht über dem Billardtisch wabernde Zigarettenrauch. Der Schönheit gegenüber war er schon immer machtlos gewesen. Sie verschlug ihm die Sprache. Die Sonnenscheibe zwischen den Hörnern des perfekten kleinen Apis-Stiers, früher einmal in einem Damaszener Museum. Jemand hatte dieses Kunstwerk vor schwindelerregend langer Zeit angefertigt, Hände wie seine hatten die Scheibe so perfekt in Bronze gegossen. Im Laufe der Jahre war ihm jedoch klar geworden, dass auch die Schönheit einem Schmerzen zufügen konnte, gerade die Schönheit – sie konnte mit ihrer Strahlkraft schneiden.

Er öffnet die Augen wieder. Seine schöne junge Frau. »Nein«, sagt er, »nicht sofort.«

»Es ist dir nicht aufgefallen?«

»Ich habe bloß … die Schönheit gesehen. Nicht das Alter.« Er erhebt sein Glas.

Sie legt ihre Hand auf seine. »Mein Schatz …«

Die Gastgeberin tritt mit der Auflaufform an den Esstisch. »Du wolltest doch die Teller abräumen, Lou.«

»Gleich.«

Sie geht noch einmal zwischen der Küche und dem Tisch hin und her. Keiner bietet ihr an zu helfen.

»Köstlich, Claudia«, sagt Edward kurze Zeit später und prostet ihr zu.

»Ja, es ist gut geworden, Schatz.«

»Ich habe gut gekocht, meinst du wohl!«

»Genau.« Lou zwinkert Edward zu.

»Und wie ist es dann weitergegangen?«, fragt Claudia. »Als ihr euch kennengelernt habt?«

 

***

 

Er ruderte, sie saß hinten im Boot auf der Bank. Es gab kaum Strömung. Das Weideland ging allmählich in Wald über. Hohe, alte Bäume, Einzelwesen mit einem Namen. Sie trieben am gewölbten, moosbewachsenen Ufer entlang. Landhäuser schimmerten durchs Grün. Privatgrundstück. Anlegen verboten. Er dachte über diese Familien mit den geheimnisvollen Namen nach – sie hatten es nicht geschafft, die Last ihres Besitzes und ihrer Geschichte hatte ihnen das Rückgrat gebrochen. Ihre Chroniken standen mit Schimmel an die feuchten Wände geschrieben. Große Anwälte und Staatsmänner waren aus ihren Reihen hervorgegangen, solche, die das Land geformt und es der nächsten Generation in gutem Zustand übergeben hatten. Mit dieser Beständigkeit war es vorbei. Die Urenkel waren Banker und Schriftsteller geworden, in deren Leben drehte sich alles nur noch um sie selbst.

Das Grün über ihren Köpfen schloss sich, Pfeile prismatisch gebrochenen Lichts schossen zwischen den Laubkronen hindurch. Das Boot fuhr lautlos. Dort, wo die Ruder ins Wasser tauchten, entstanden seidige Wirbel, schwarz und silbern. Seine Hemdsärmel waren hochgekrempelt. Ruth fand, dass er schöne Arme hatte.

Sie fuhren wieder in den Tag hinein, breiteten eine Picknickdecke am Ufer aus und reckten die Gesichter der späten Sonne entgegen. Hinter ihnen lag eine mit grünen Netzen überzogene Kirschplantage. Er packte den Korb aus, sie fragte: »Alles selbst gemacht?« Kleine Sandwiches. Und Salat, die Sauce extra. »Ich mag Portulak«, meinte er. »Er schmeckt so, wie Erde riecht.«

»Komm«, sagte sie nach dem Essen, »gehen wir Kirschen kaufen.«

Sie trug ein weißes Baumwollkleid, ihre Beine waren braun gebrannt. In einer Verkaufsbude am Eingang der Plantage saß eine Frau mit Schürze. Edward kaufte ein Pfund Kirschen. Die Früchte waren süß und knackig, es war ein warmer, trockener Frühling gewesen. Sie spazierten zurück zum Fluss, spuckten die Kerne so weit, wie sie konnten.

Sie tranken Wein und sprachen über Ruths Soziologiestudium, mit dem sie nicht vom Fleck kam, dann über seine Reisen, die Kongresse, die er besuchte. Er musterte sie. Ob ihr wohl bewusst war, dass sie da einen knochentrockenen, perfekt zu einem Anlass wie diesem passenden Apremont trank? Sie kratzte sich am Bein. Ihre Nägel hinterließen weiße Spuren.

Einen Tag, nachdem er sie in der Kneipe angesprochen hatte, hatte sie seinen Namen in die Suchmaske eingetippt. Fotos von ihm bei internationalen Gesellschaften – auf dem Gebiet der Virologie war er eine Berühmtheit. Er war größer als die anderen. Sie fand, der Bart stehe ihm gut. Ein paar Tage später lag eine Einladung zu einem gemeinsamen Ruderausflug in ihrem Briefkasten. Am selben Tag noch hatte sie ihm eine Antwort geschickt.

 

In der Dämmerung steigt er als Erster ins Boot und reicht ihr die Hand. Sie nimmt sie und folgt ihm mit einem großen Schritt. Er rudert zurück, die Gegenströmung ist unerwartet stark. In der Dunkelheit unter den Bäumen will er das Boot genau in der Mitte halten und den Kurs so wenig wie möglich korrigieren, alles soll perfekt sein.

»Warte mal kurz«, sagt sie nach einer Weile. Sie beugt sich zu ihm vor und legt ihre Hand auf seine. Er hält inne. »Hörst du das?«, flüstert sie. »So still … Nicht mal ein Vogelzwitschern.« Nur die Tropfen, die von den Ruderblättern ins Wasser fallen. Kurz bevor sie ans Ufer stoßen, legt er das Ruder längs und lässt das Blatt ins Wasser sinken. Sie steht auf, fragt: »Darf ich aussteigen?« Beide gehen an Land, und er macht das Boot fest. Mit ihrem weißblonden, leuchtenden und verführerischen Haar verschwindet sie zwischen den hohen, glatten Baumstämmen. Ein Wesen, das Unglück bringt, wenn man seinem Gesang immer tiefer in den Wald hinein folgt.

Der englische Park gehört zu einem zwischen den Bäumen versteckt liegenden Landhaus ein Stück weiter hinten. Dunkle Fenster, keine Spur von Leben. Er will es für sie kaufen und sich diesen beleuchteten Bienenkorb in der Dämmerung jeden Tag von weitem ansehen. Dort wird er wohnen und dieser phantastischen Frau Kinder machen, für jedes Zimmer eines.

Sie erregt ihn unglaublich, doch er will nichts zerstören, indem er ihr seine Gier, sein verzweifeltes Verlangen zeigt. Deutlicher denn je begreift er, wie seine Verliebtheit ihn mit dem Jungen verbindet, der er früher war, mit dem ersten Mal, mit seinem trockenen Mund und dem ihm bis in die Kehle schlagenden Herz, mit dem ersten Mal aller darauffolgenden ersten Male. Er war nie verheiratet und nie lange mit einer Frau zusammen, immer ist er ein Sammler erster Male geblieben. Und jetzt ist er zweiundvierzig und sicher, dass alles bloß so gelaufen ist, damit er mit diesem Mädchen zusammenkommt.

Sie lacht, als sie wieder zwischen den Bäumen auftaucht, eine leichtfüßige, heidnische Göttin. »Wunderschön ist es hier.« Sie spricht immer noch leise, als würden die Bäume und das Gras lauschen. Dann stellt sie sich auf die Zehenspitzen, gibt ihm einen Kuss, und ihn überkommt das verwirrende Gefühl, dass sie in den Wald gegangen ist, um sich mit ihren Artgenossinnen zu beraten, Nymphen wie sie, die sich um das spiegelnde schwarze Wasser versammelt haben.

Auf dem feuchten Bett von Gras und Moos lieben sie sich langsam, scheu, ihre Körper sind noch nicht miteinander vertraut. Schon so schnell, so schnell, hallt es in ihm wider. Ihre Bereitwilligkeit macht ihn ganz schwindlig vor Glück. Das Entzücken in seiner Kehle wegen ihres jungen Körpers, einem Lichtfleck auf dem Waldboden. In seine Gesten schleicht sich Eile, Hunger. Vergessen ist seine Erfahrung, hastig wie ein Junge leckt er ihren Bauch, ihr salziges Geschlecht, hemmungslos, als hätte er zu viel getrunken. Später, als er sich auf den Armen abstützt und in sie eindringt, krümmt sie sich unter ihm zusammen. Er stößt in sie hinein, sie lacht. »Da bist du ja endlich.« Ihre Erfahrenheit überrascht ihn, er hat ganz vergessen, dass man in diesem Alter schon alles weiß.

Ihre von der grünen Dämmerung bedeckten Körper. Kalt werdender Schweiß, Sperma, das auf der Haut spannt. Sie ruht auf der Seite, im Schutz seines Arms, seine Hand liegt auf ihrem Po. »Schade, dass du nicht rauchst«, sagt sie.

Und er: »Ich habe mal gehört, dass Künstler immer das Gefühl hätten, weiter zu sein als ihre Vorgänger. Dass sie, wenn sie sich ihr Werk ansehen, glauben, die Geschichte übertroffen zu haben. Ein Gefühl von … Befreiung. Und Triumph.«

»Warum sagst du das?«

Er grinst. »Befreiung und Triumph eben.«

Sie bleibt einen Moment still. »Jetzt, meinst du?«

»Genau.«

»Toller Mann.« Und kurz darauf: »Und der nächste Schritt?«

»Welcher?«

»Der, dass es nie mehr besser wird als jetzt.«

 

In der Dunkelheit fahren sie zum Wassersportzentrum zurück. Weiden, baumbestandene Wälle. Und weit weg, am Horizont, die schwarzen Unigebäude, einfach planlos auf die Felder geklatscht. Ein Teil seines Lebens spielt sich dort ab. Noch weiter hinten die Uniklinik mit ihren Türmen aus pulsierendem Licht, wie ein Casino in der Wüste – es gibt Gewinner und Verlierer. Sie gleiten unter einer Kette hindurch und machen das Boot an dem Anleger beim Büro fest, die Rollläden sind zu und mit Vorhängeschlössern gesichert. Dort werden Süßigkeiten und Getränke verkauft, an der Wand hängt eine Karte der Wasserstraßen in der Umgebung.

 

***

 

In einer Kneipe am Park. Der Kellner stellte ein Glas vor sie hin und sagte: »Von dem Herrn dort.« Mit dem Kopf deutete er ans andere Ende der Theke. Edward nahm das Glas und trank es aus. In den ersten Jahren, als sie zusammen waren, passierte das mehrere Male; dann kippte Edward Kahlúa oder Blue Curaçao in sich hinein, den Blick auf die reglose Gestalt gegenüber gerichtet. Ein Saloon in Tombstone, 1885 – sie war die einzige schöne Frau weit und breit, Männer hätten ihr Leben für sie gegeben. Er war darauf gefasst, jeden Moment zusammengeschlagen zu werden.

Er wusste, dass ihre besondere Schönheit auch andere Verehrer anlockte, dass sie deren Leidenschaft mobilisierte, Männer mit dem manchmal aggressiven Bedürfnis, wahrgenommen zu werden. Ruth wissen zu lassen: Du täuschst dich, nicht er ist der Richtige, sondern ich, ich.

Sie war daran gewöhnt. Einige Männer benahmen sich so, während andere übertrieben höflich waren.

Ihre Schönheit hatte sie nicht verdorben, dachte er, nicht wie andere schöne Frauen, die er gekannt hatte. Tolle, intelligente Frauen, doch immer schien es ihm, als würde Schönheit gepaart mit Intelligenz zu einer tiefen inneren Zerrissenheit führen. Es dauerte eine Weile, bis man es sah, doch danach war es unmöglich, sich blind zu stellen. In der Literatur wurden solche Frauen gern als tragische Heldinnen dargestellt, aber wenn er von ihnen las, hätte er ihnen am liebsten hochdosierte Psychopharmaka verabreicht. Im echten Leben war er in diese Frauen verliebt, solange es ihnen gelang, ihr zerrissenes Wesen zu verbergen. Sie waren in jeder Hinsicht überdurchschnittlich – in Gesellschaft sprühten sie vor Witz und im Bett waren sie sensationelle Geliebte, die Welt war ihre Bühne. Doch früher oder später fielen sie alle aus der Rolle – Auftritt des Tragischen.

Ruth Walta schien eine glückliche Ausnahme zu sein. Bei ihr fand er keine geheime Kammer.

Sie sagte: »Ich habe, glaube ich, nicht so viele issues …«

»Issues?«

»Die haben Frauen.«

»Und du nicht?«

Sie zuckte die Achseln. »Das Übliche, aber keine großen Geheimnisse, glaube ich. Ich hoffe, das ist dir nicht zu langweilig?«

Sie hatte kaum Freundinnen, was er als gutes Zeichen sah. Irgendwann kam immer der Punkt, an dem sich Freundinnen miteinander verschworen – er erinnerte sich an früher, wie sie zusammen auf die Toilette gegangen waren, ihr geheimes Territorium; wenn sie zurückkamen, war seine Position stets geschwächt.

 

In ihrem ersten gemeinsamen Sommer lud Ruth zwei Freunde zu ihm ein, Henri und Diederik, die kannte sie seit ihrem Grundstudium.

»Wunderschön wohnen Sie hier«, sagte Henri.

Edward grinste. »Du kannst mich ruhig duzen.«

Ruth kam in die Küche und bat um einen Aschenbecher. Er fand keinen. Sie nahm eine Untertasse, drehte sich in der Tür noch einmal zu ihm um. »Kann ich dir helfen?«

»Nicht nötig. Unterhalte dich lieber mit den beiden.«

Ihre Stimmen im Garten klangen wie die vorbeifahrender Radler. Ob sie es mit einem von ihnen getrieben hatte? Wenn, dann mit Diederik. Er hatte einen breiten und unförmigen Mund, aber den Körper eines Wasserballspielers. Sein Händedruck war kräftig. Darum ging es: Wie man die Hand des anderen ergriff – manchmal war der Händedruck ausgewogen, andere Male geriet die eigene Hand so unglücklich in die des anderen, dass man keinen Gegendruck ausüben konnte.

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