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Eine offene Rechnung

Angelika Ebeling

Eine offene Rechnung

Böse Geschichten,
die das Leben schreiben könnte.

Für meine Lieben

„Über alles hat der Mensch Gewalt,

nur über sein Herz nicht.“

Friedrich Hebbel

Inhalt

Der Traum

Ihr Kinderlein kommet

Das Experiment

Der Hochzeitstag

Eine blöde Idee

Orange ist in

Karl

Frau Klose

Silvesterfeuer

Die Reise nach Rom

Eine neue Farbe

Im Nebel

Fast wie im Märchen

Das Kreuzworträtsel

Der Klassiker

Die Bank am Hang

Zwischenstopp

Freundinnen

Gitta

Eine offene Rechnung

Der Traum

Vera schlummerte in ihrer gelb geblümten Seersuckerbettwäsche und schlief. Da sie auf dem Rücken lag, konnte man ihr leises Schnarchen gut vernehmen. Unter ihren grauen Locken glitzerten feine Schweißperlen, die sie sich im Schlaf wie zufällig dann und wann abwischte.

Bewusst, wohl aus Erfahrung, strich ihre rechte Hand dabei behutsam um das linke geschwollene Auge. Ihr linker Arm ruhte auf der leeren Betthälfte neben ihr, das Laken fühlte die von der schweren Arbeit rissigen Hände.

Ja, Vera schlief tief und fest.

Das aufkommende Gewitter erreichte weder ihre Ohren und schon gar nicht ihre Seele.

Donner, Blitz, Hagel und Sturm beeindruckten eher das hundertjährige Dach, unter dem sie gerade träumte.

Sie hörte einfach nichts und konnte natürlich auch nicht sehen, wie sich um den Misthaufen auf dem Hof kleine Pfützen zu sprudelnden Rinnsalen bildeten.

Veras Traum.

Eine kleine, nicht mehr ganz schlanke Frau schwang zitternd aber mit voller Anspannung einen eisernen Spaten über das Haupt eines Mannes, der sich gerade über die geöffnete Motorhaube eines Traktors beugte, um…

Es war nicht damit getan, dass diese Person nun wie leblos am Boden lag, nein, der Spaten wirbelte noch einige Male in der Luft und transportierte dabei jahrelangen angestauten Hass.

Der Bauer, der schon vorher kein ansprechendes Gesicht besaß, hatte nun wirklich gar keines mehr.

Nach einer kurzen Versicherung und einem befreienden Ausatmen ging die Bäuerin mit festen Schritten auf die Scheune zu, um nach nur wenigen Minuten, auf einem kleinen Bagger sitzend, auf den Misthaufen zuzurollen.

Geübte Handgriffe trieben nun eine angemessene Schneise in den übelriechenden Berg, der ja vom Unrat lebte. Und nun war nur noch ein Zuckeln und Ruckeln nötig, um anschließend wieder den Haufen in seinen Originalzustand zu versetzen, also fast…

Das Gewitter hatte die Morgenluft gereinigt.

Vera schlug die Augen auf und verspürte eine nie gekannte Vorfreude auf den Tag.

Einzig die schmutzigen Gummistiefel vor ihrem Bett verunsicherten sie kurz, aber auch dieser Moment verflüchtigte sich schnell.

Ihr Kinderlein kommet

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen! Maria sprach die Worte mit zusammengepressten Lippen. Dabei legte sie ihre rechte Hand behutsam auf ihren noch flachen Bauch. Sie versuchte gleichmäßig zu atmen, ein und aus.

Die Besucher des Gottesdienstes erhoben sich langsam von den Bänken, man nickte sich zu, hielt ein erstes Schwätzchen, um sich dann auf den jungen Pfarrer an der Kirchentür zu konzentrieren.

Maria ließ alle an sich vorbeiziehen. Niemand bemerkte, dass sie sich schnell dem Aufstieg zum Glockenturm zuwandte. Vorsichtig bewegte sie sich auf den schmalen Stufen bis zur alten Leiter. Hier gönnte sie sich eine kleine Verschnaufpause, zog den Hammer aus ihrem Stoffbeutel und schlug mehrmals gegen die obersten Holztritte, ohne sie nach außen hin ernsthaft zu beschädigen.

Als sie rückwärts die Sprossen wieder hinab stieg, zitterte sie am ganzen Körper. Wieder zwang sie sich, gleichmäßig zu atmen.

Unten angekommen, schlich sie in die Sakristei, von hier führte eine kleine Tür nach hinten hinaus in den Pfarrgarten.

Sie nahm den Weg am Fluss entlang, wo sie sich wie unauffällig zum Wasser bückte und kurz verharrte. Dann stopfte sie den leeren Beutel in ihre Jeansjacke und lief zügig weiter.

Sieben Monate später. Der neue Pfarrer kam schnaubend und mit gerötetem Gesicht in die Küche seines neuen Hauses.

Es war ihm anzusehen, dass ihn jede Bewegung anstrengte, sein Talar wirkte abgetragen, seine Nase schimmerte verdächtig rot.

Bei jedem Morgengebet haderte er, warum er nur kurz vor dem Ruhestand diese Stelle übernehmen musste. Herr, wo warst du?

Gerade stellte Maria einen Teller mit Suppe, frisches Brot und natürlich ein Glas Rotwein auf den Tisch.

„Sagen Sie mein Kind, mein Vorgänger, der Kaplan Weiß, Gott hab ihn selig, ließ es sich einfach nicht nehmen und wollte das Geläut unbedingt selbst reparieren?"

„Ja, Hochwürden, er ließ sich nicht abhalten."

„Na, jung und sportlich war er ja. Und – wie sagt man – attraktiv auch."

„Ja."

„Einfach ein bedauerlicher Unfall."

„Hochwürden, Ihre Suppe wird kalt."

Der Alte schaute auf Marias weites Kleid und fragte: „Wann ist es denn soweit, ihr Bauch kann ja mit meinem fast mithalten."

Sie lächelte. „In zwei Wochen."

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Viel Spaß!



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