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Eine Rose für Captain Sparhawk

PROLOG

Vor der Küste von South Carolina

Juli 1779

Zum ersten Mal war ihm das Schicksal nicht günstig gesonnen, nicht an diesem finsteren Morgen, eine Stunde vor Sonnenaufgang.

Zornig wischte Nick sich mit dem Ärmel Blut und Schweiß von der Stirn, damit er mehr von dem englischen Schiff erkennen konnte als die zehn Kanonenluken, die Tod und Verderben brachten. Rauchwolken stiegen aus dem brennenden Laderaum seiner Liberty empor und mischten sich mit dem beißenden Pulverdampf der Kanonen und den Schreien der Sterbenden.

Holzstücke, Seilenden und Segeltuchfetzen fielen auf das Deck hinab. Er spürte bereits, wie die Liberty immer tiefer sank, denn durch die Löcher, die die englischen Schützen hinterlassen hatten, drang Meerwasser ein. Nicht mehr lange, und der Ozean würde die Liberty erschlingen.

Wenn ihm nur noch wenige Augenblicke blieben, dann sollte es so sein, aber er würde nicht kampflos untergehen, und ganz gewiss würde er sich nicht ergeben. Mit grimmiger Zufriedenheit sah er zu den beiden zerfetzten Flaggen hinauf – zu der rotweißblauen der Amerikaner und dem darunter befestigten scharlachroten Wimpel von Sparhawk und Söhnen. Er würde sich lieber selbst die Kehle durchschneiden als eine von ihnen vor den Briten einzuholen.

Aber vielleicht erwarteten sie genau das. Vielleicht war das der Grund, warum der englische Kapitän, der Teufel sollte ihn holen, in der letzten Viertelstunde nicht mehr auf die Liberty geschossen hatte. Vielleicht glaubte er, dass die Amerikaner schon so angeschlagen waren, dass sie sich nur noch ergeben konnten. Jämmerliche Feiglinge, dachte Nick verächtlich. Wäre er derjenige mit der doppelten Anzahl von Männern und Kanonen gewesen, hätte er sich anders verhalten.

Und er würde es auch jetzt noch tun. Mit zornigem Gebrüll sprang er auf das untere Deck zu einer der letzten noch funktionstüchtigen Kanonen.

Die fünf Kanoniere, die die Absicht hatten, wenigstens einmal noch auf den Feind zu schießen, erkannten ihren Kapitän kaum, als er ihnen half, das schwere Geschütz in Position zu bringen. Dergleichen hatte er schon früher getan, nicht zuletzt deswegen würden sie ihm überallhin folgen. Mit seinem langen schwarzen Haar, das von einem Verband zurückgehalten wurde, ohne Mantel und mit dem schmutzigen, zerrissenen Hemd unterschied sich der Captain durch nichts von ihnen. Sie alle waren vereint in ihrem Hass gegen die Engländer.

Nick schirmte den kleinen Funken an dem Zündstock mit der Hand ab und konzentrierte sich auf sein Ziel, das englische Schiff, das nicht mehr als ein schemenhafter Umriss im frühen Morgengrauen war.

„Ruhig, Jungs, ruhig!“, rief er mit heiserer Stimme, während er den Zündstock an den kleinen Ring aus Schießpulver an der Rückseite der Waffe hielt. „So steht sie richtig, nicht wahr? Und jetzt – jetzt – Feuer!“

Die Kanone schien zum Leben zu erwachen, spie Flammen und Rauch, als sie von der Wucht des Schusses zurückgestoßen wurde. Aber in demselben Augenblick erfolgte eine andere Explosion, grellweiß, blendend und lauter als jeder Donner. Nick fühlte, wie er durch die Luft gewirbelt wurde, hoch hinauf in den Himmel über den Topmast der Liberty, bis die Schaluppe und die englische Brigg tief unter ihm auf dem Wasser wie geschnitztes Spielzeug aussahen. Und er flog immer noch höher, sein Körper wurde so leicht wie eine Feder, während das fahle Licht der aufgehenden Sonne die Wolken ringsumher Rosa und Orange färbte. Er erkannte, dass er nicht auf das Deck der Liberty zurückstürzen würde, und auch nicht ins Wasser. Überhaupt nicht mehr auf die Erde.

So also würde sein Leben enden und seine Laufbahn als ruhmreicher amerikanischer Kapitän in einem höchst unrühmlichen Krieg, alles vorbei und vorüber in einer einzigen Explosion. Er konnte schon die Anzeige in den Zeitungen von Charles Town vor sich sehen: „Captain Nickerson James Sparhawk, Kapitän der Schaluppe Liberty und mit ihr auf Kaperfahrt gewesen, hat sein Leben verloren bei einem Gefecht mit dem Feind.“

Das Leben verloren, zum Teufel. Er hatte nie zuvor irgendetwas verloren, und er wollte jetzt nicht damit anfangen. Er war noch nicht zum Sterben bereit. Er war erst zweiunddreißig, in der Blüte seiner Jahre. Verdammt, er durfte nicht sterben!

„So, genug davon und still jetzt, Sie werden nicht sterben!“, erklärte eine weibliche Stimme. „Glauben Sie wirklich, ich hätte bis jetzt soviel Zeit für ihr Wohlergehen verschwendet, damit Sie sich jetzt davonstehlen?“

Nick drehte sich herum und versuchte festzustellen, wer da gesprochen hatte. Sie hockte auf dem Rand einer Wolke, die Beine anmutig gekreuzt, und ohne Zweifel war sie eine der hübschesten Frauen, die er jemals gesehen hatte.

Und gewiss auch eine der elegantesten. Er hatte sich nie sehr für weiblichen Flitterkram interessiert, aber er hatte drei jüngere Schwestern, und daher fiel es ihm auf, dass das Kleid dieser Lady – weißer Seidentaft, verziert mit silbernen Stickereien – hochmodisch und zweifelsohne sehr kostbar war. Um den Hals trug sie eine doppelreihige Perlenkette mit einer römischen Kamee, und Perlen schmückten auch ihre Ohren. Ein rosa Satinband war in ihr extravagant gelocktes Haar geflochten, das unter dem Puder goldbraun war, wie er vermutete. Die Augen unter den geschwungenen Brauen waren groß und leuchtend blau, und die rosigen Lippen leicht geschwungen. Sie lächelte ihn jetzt an, den Kopf anmutig geneigt, die Brauen hochgezogen, während sie mit den Flügeln schlug …

Mit den Flügeln? Der Teufel sollte ihn holen, da liebäugelte er mit ihr wie mit irgendeinem Mädchen, während dieses Geschöpf Flügel hatte wie ein Schwan. Sie schienen aus ihren Schulterblättern hervorzusprießen, gerade unter dem hauchfeinen weißen Fichu. Flügel. Er schüttelte den Kopf und fluchte.

„Oh, welch galante Begrüßung für eine Dame!“, spottete sie. Sie zog einen Fächer aus Elfenbein unter dem einen Flügel hervor und öffnete ihn mit einem geübten Schwung ihres Handgelenks. „Von Ihnen hätte ich etwas Besseres erwartet, Sir.“

Aber Nick war nicht in der Stimmung für Scherze. „Wer – oder was – um alles in der Welt sind Sie?“

Sie lachte ihn belustigt über den Rand ihres Fächers hinweg an. „Mit der ‚Welt’ habe ich recht wenig zu tun, Captain, und dafür sollten Sie dankbar sein.“

„Sie sind ein verdammter Engel, nicht wahr?“, fragte er mit heiserer Stimme. „Sie sind ausstaffiert wie irgendein Weibsbild, und dennoch …“

„Und dennoch haben Sie völlig recht, mein lieber Captain.“ Ihre Augen waren so blau wie das Karibische Meer und funkelten vor Freude darüber, dass sie ihn necken konnte. „Ich bin alles, was Sie sich wünschen. Obwohl die Bemerkung mit dem Weibsbild mich schon sehr schmerzt. Ich hatte gehofft, etwas vornehmer zu wirken.“

„Zum Teufel mit Ihren Hoffnungen!“ Verzweifelt sah Nick zu der Stelle hinunter, an der sein Schiff gewesen war, aber die Liberty war ebenso verschwunden wie der Feind und auch die See, verschluckt von denselben hauchzarten Wolkenfetzen, die ihn aus irgendeinem Grund trugen. „Ich bin tot, und alles, woran Sie denken können, ist der Schnitt Ihrer Unterröcke!“

„Ich weiß, es wird Ihnen schwerfallen, Captain Sparhawk, aber Sie müssen wirklich lernen, auf das zu achten, was ich Ihnen sage.“ Sie seufzte, und ihre Brüste über dem Korsett hoben sich. „Wenn Sie mir zuhörten, würden Sie entdecken, dass Sie die Möglichkeit haben, der glücklichste Mann auf Erden zu werden.“

„Ich war auch vorher schon nicht unglücklich“, knurrte er und strich sich das Haar zurück. Seine Finger berührten den von getrocknetem Blut steifen Verband, den er um den Kopf trug, und die Wunde darunter pochte so sehr, dass er zusammenzuckte. Aber das war doch ein gutes Zeichen, oder? Wäre er tatsächlich tot, würde er doch keine Schmerzen mehr empfinden. Oder doch?

Oder doch?

„Ich sagte Ihnen bereits, dass Sie nicht tot sind“, erklärte sie gelassen, als hätte er seine Gedanken laut ausgesprochen.

„Jedenfalls bin ich verdammt noch mal nicht am Leben!“ Wütend wollte Nick sie packen, aber als er das tat, schien sie sich von ihm zu entfernen, sich aufzulösen wie der Morgennebel. „Kommen Sie zurück, Madam, und zeigen Sie sich!“

„Sie müssen lernen, auf das zu achten, was ich Ihnen sage“, wiederholte sie leise. „Sie müssen es wirklich, zu Ihrem eigenen Besten.“

Er schien nun selbst davonzugleiten, nicht wirklich zu fallen, aber langsam in eine Art Schlaf zu sinken. Das ist alles ihre Schuld, dachte er, während er versuchte, sich wach zu halten. Nur die Schuld irgendeines Frauenzimmers, das sich mit Engelsflügeln ausstaffiert hatte. Warum zum Teufel sollte er wohl auf so jemand hören? Und was das Glück betraf – Krieg und Glück waren nicht gerade füreinander geschaffen, aber er war trotzdem ein zufriedener Mann.

Jetzt wurden die Wolken dunkler, das Sonnenlicht dahinter schwächer, und mit einem letzten, enttäuschten Seufzen ließ er sich von der Finsternis umfangen.

1. KAPITEL

„Es ist hoffnungslos, Mr Cole“, sagte der Chirurg traurig. „Völlig hoffnungslos. Drei Tage und drei Nächte, Sir, und nun sehen Sie sich ihn an. Abgesehen von jenem Kratzer an seinem Kopf, scheint er unversehrt, und trotzdem ist er schon weit fort von uns.“

Vorsichtig öffnete Nick zunächst ein Auge, dann das andere. Dr. Barkers breiter Rücken in dem blauen Mantel war nicht zu verkennen, als er sich abwandte, um seine Brille abzunehmen, und hinter dem Chirurg stand der Lieutenant der Liberty, Gideon Cole, die Hände gefaltet und das Gesicht so feierlich, als stände er bereits an einem offenen Grab.

Wenn Nicks Kopf nicht so sehr geschmerzt hätte, hätte er laut aufgelacht, denn Feierlichkeit war bei Gideon etwas so Seltenes wie Frömmigkeit bei einem Bordellbesitzer. Glaubte Gideon wirklich, dass er so ohne Weiteres sein Leben hergeben würde?

Nick bewegte sich ein wenig in seiner Koje, um den Freund zu beruhigen, gleich darauf lag er wieder still da und runzelte die Stirn. Dies war nicht seine Koje. Die Matratze war eine andere, weicher als die alte, die noch aus der Zeit stammte, als er vor Jahren die Liberty zum ersten Mal ausgerüstet hatte. Und unter seinem Kopf lagen zwei, nein, drei dicke Kissen, alle in gebügelten Leinenbezügen, die es an Bord seiner Schaluppe gewiss nicht gegeben hätte.

Voller Unbehagen zwang er sich dazu, sich in der Kabine umzusehen. Da war seine eigene vertraute, beschlagene Seekiste und der Lehnstuhl, bei dem die Farbe an dem vorderen Querholz durch den ständigen Kontakt mit seinen Stiefeln abgesplittert war. Sein Fernrohr lag dort auf dem Regal, sein Logbuch und sein Sextant in der Ledertasche. Sein grauer Lieblingsmantel hing an dem Haken an der Rückseite der Tür, und auch Gideon und Baker waren anwesend. Aber was den Rest betraf – die Fenster gegenüber dem Heck, der Schreibtisch aus massivem Holz mit den geschnitzten Sternen an der Vorderseite, die glänzenden Messinglaternen – nichts davon gehörte auf die Liberty, und nichts davon gehörte ihm.

Er schloss die Augen wieder und versuchte, sich zu erinnern, wie er hierher gekommen war. Sie waren im Abendnebel von einer englischen Fregatte oder einem Kaperschiff überrascht worden, das doppelt so groß war wie ihres. Es hatte keine Fluchtmöglichkeit gegeben, und sie waren gezwungen gewesen zu kämpfen oder sich gleich zu ergeben. Und Nick hatte natürlich gekämpft.

Doch dann war etwas schiefgegangen. Sie waren kurz davor gewesen, eine schwere Niederlage zu erleiden, das Schiff war im Begriff zu sinken, und er und die Mannschaft von Jemmy Roberts hatten versucht, ein letztes Mal Schüsse abzufeuern. Doch die Kanone hatte versagt. Danach war diese schreckliche Frau mit den Flügeln erschienen, der Engel, und hatte ihn in die Wolken befördert und ihm alles mögliche versprochen, ehe sie ihn zurück auf die Erde geschickt hatte, damit er in der Koje irgendeines Fremden erwachte.

Er war tot gewesen, oder jedenfalls beinahe, und jetzt lebte er wieder.

Nick konnte sein Spiegelbild in dem Glas einer kleinen, gerahmten Karte des Mittelmeerraumes sehen, die an dem Schott neben der Koje befestigt war. Er sah furchtbar aus, aber eigentlich erstaunte ihn das nicht sehr. Sein volles schwarzes Haar stand unter dem Verband in absonderlichen Winkeln von seinem Kopf ab, und die dichten Brauen, die über seinem Nasenrücken zusammenstießen, wirkten noch bedrohlicher als sonst. Jemand hatte in der Zwischenzeit das Pulver und den Schmutz von seinem Gesicht gewaschen, aber seine grünen Augen waren noch rotgerändert, und seine Wangen unrasiert.

Es war eher das Gesicht eines Piraten als das eines Mannes, bei dessen Anblick die Mädchen ohnmächtig wurden, aber der einzige Unterschied zwischen ihm und – beispielsweise – Blackbeard war schließlich jenes Stück Papier, mit dem der Continental Congress ihm bescheinigte, dass er für sein Vaterland kämpfte und plünderte.

Behutsam berührte er den Verband an seiner Stirn. Wenigstens das stimmte, und er hatte es sich nicht nur eingebildet. Aber hatte er dasselbe nicht auch gedacht, als er oben in den Wolken war?

„Captain Sparhawk!“ Dr. Barker eilte herbei. Sein Kinn zitterte vor Aufregung und Überraschung. „Bitte, Sir, Sie dürfen sich nicht beunruhigen, solange ihr Zustand so heikel ist!“

„An mir ist verdammt noch mal nichts heikel, Barker“, knurrte Nick. Seine Stimme klang heiser, denn er hatte lange nicht gesprochen. „Das wissen Sie so gut wie ich.“

Gideon stellte sich neben den Chirurg. Sein Gesicht zeigte wieder den üblichen mutwilligen Ausdruck. Sein Haar war so dick und rot wie ein Fuchsschwanz, und sein spitzes Gesicht erinnerte ebenfalls an einen Fuchs. Er war zusammen mit Nick in Newport aufgewachsen und hatte schon als Junge bereitwillig den kleinen, flinken Fuchs neben dem größeren und bedrohlicheren Nick gespielt, der eher einem Wolf ähnelte.

„Was Barker meint, Nick“, sagte er heiter, „ist, dass er dich gerade aufgegeben hatte. Er war bereit, dich über Bord zu werfen, als Futter für die Fische.“

„Natürlich nicht!“, erklärte Barker empört. „Ich war nur sehr besorgt wegen Ihrer schlechten Verfassung.“

Nick glaubte ihm nicht. Er selbst hatte sich für tot gehalten. Warum sollte der Chirurg da anderer Meinung sein? „Dann besorgen Sie mir etwas zu trinken, Barker, und zwar schnell.“

„Es gibt nur Wasser, Sir, das ist alles“, ordnete Barker an, während er zu dem Krug trat, der auf dem Tisch stand. „Kein Alkohol, aber vielleicht gestatte ich etwas Brühe, später, falls Sie kein Fieber haben.“

Nick sah den Chirurgen von der Seite her an und unterdrückte ein Stöhnen, während er sich aufrichtete und den Krug nahm. Schon diese kleine Anstrengung führte dazu, dass es in seinem Kopf wie wild pochte, aber er wollte Barker nicht noch einen Grund geben, seinetwegen so viel Aufhebens zu machen. Was er jetzt brauchte, waren Erklärungen.

„Wo zum Teufel sind wir, Gideon?“, wollte er wissen. „Wo ist die Liberty?“

„Inzwischen in Charles Town, so Gott will.“ Ohne die Erlaubnis dazu abzuwarten, schob Gideon einen der Stühle an die Koje und setzte sich. Dabei beugte er sich eifrig vor, die Hände auf die Knie gestützt. Zwar hatte er bei Nick als Lieutenant angeheuert, doch die beiden Männer waren schon zu lange befreundet, um auf Förmlichkeiten zu bestehen. „Und was uns betrifft – wir befinden uns an Bord der feinsten kleinen Brigg, die du dir jemals vorgestellt hast.“

Nicks Miene verfinsterte sich. „Raus mit der Wahrheit, Gideon. Ich bin nicht in der Stimmung, um mir etwas vorzustellen. Das letzte, woran ich mich erinnere, ist, dass es mit uns abwärtsging.“

„Ja, und das ist das Schöne daran, Nick! Wir sanken, so, wie du sagst, aber du und Jemmys Jungs, ihr habt den letzten Schuss abgefeuert, und diese elenden Briten gaben auf.“

„Sie gaben auf?“ Nick blickte ihn ungläubig an. „Du meinst, wir haben sie gefangen genommen?“

Gideon grinste begeistert. „Ihr Captain war schon früh umgekommen, und die Dummköpfe, die noch an Bord waren, hatten keine Ahnung, was sie als nächstes tun sollten, also gaben sie auf. Sie haben sich ergeben, einfach so. Es war ein lohnender Anblick, ihre Gesichter zu sehen, als die Sonne aufging und sie erkannten, in welch elender Verfassung die arme Liberty war.“

„Aufgegeben“, wiederholte Nick noch einmal, völlig verblüfft über diese glückliche Wendung. „Welchen Preis haben wir zahlen müssen?“

Gideon wurde augenblicklich ernst. „Zwölf unserer Männer wurden gleich getötet“, erklärte er sachlich. „Vier weitere sind seitdem noch gestorben, möge Gott ihren Seelen gnädig sein.“

„Amen“, sagte Nick leise. Obwohl jeder, der auf einem Kaperschiff anheuerte, die Risiken kannte, trauerte er um die Männer, die er verloren hatte. Doch diesmal erschien ihm Gideons Aufzählung schlimmer als sonst. Warum, so fragte Nick sich, sind diese Männer gestorben, während ich verschont wurde? Warum waren nicht auch sie von diesem lächerlichen Engel zurückgebracht worden?

„Falls es dir ein Trost ist“, sagte Gideon, „den Briten erging es noch schlechter. Sie haben ihren Kapitän und ihre beiden Lieutenants verloren, den Maat und noch ein Dutzend anderer. Den Rest habe ich als Gefangene mit der Liberty nach Charles Town geschickt, und dann habe hier alles für uns eingerichtet. Ich dachte mir, dass du es so gewollt hättest.“

Nick stimmte zu. Wie hätte er etwas anderes wollen können? Ein Schiff wie dieses mitten auf einer Überfahrt zu übernehmen war weder durch seine Befehle noch durch die Articles of Agreement abgedeckt, und es würde einige Zeit in Anspruch nehmen, bis er das vor dem Prisengericht durchgesetzt haben würde. Aber er wäre ein Narr, wenn er sich eine solche Gelegenheit entgehen ließe, sein Los zu verbessern.

Er sah sich mit neu erwachtem Interesse in der Kabine um. Dies alles gehörte nun also wirklich ihm. Drei Kriegsjahre und die Blockaden hatten einen solchen Luxus für jeden amerikanischen Kaperer scheinbar unerreichbar werden lassen, und seine Erregung steigerte sich noch, als er sich erinnerte, wie schwer die Brigg bewaffnet war. Ihre Kanonen würden jetzt auf sein Kommando hin feuern, und zwar unter der amerikanischen Flagge anstelle der englischen. Himmel, was könnte er für sein Vaterland mit einem Schiff wie diesem alles erreichen!

„Sie hat erst vor sechs Monaten die Werft in Portsmouth verlassen, Nick“, fuhr Gideon mit hämischer Freude fort. „Zwanzig Kanonen, alle ganz neu. Glaub nur nicht, dass sie unter diesem Narren von einem Kapitän auch nur eine Prise erwischt hat. Aber ich vermute, dass sich das nun ändern wird, da du der Kapitän der schönen Angel Lily bist.“

„Angel Lily?“, wiederholte Nick unbehaglich, und seine Freude über das unerwartete Glück schwand dahin. „Das ist ihr Name?“

Gideon zuckte die Schultern. „Ein komischer Name für ein Kaperschiff, ich weiß, aber so wurde die Brigg getauft, und so wird sie weiterhin heißen, außer, du willst es ändern und damit Unglück auf dich ziehen.“

„Ich bin der Meinung, dass Angel Lily sehr passend ist“, sagte Barker im feierlichen Tonfall und spreizte die Finger über seiner Weste. „Wenn man bedenkt, wie wunderbar es ist, dass der Captain noch lebt, um sich an seinem Sieg zu erfreuen, dann scheint mir dieser himmlische Name durchaus angemessen zu sein.“

Angemessen hin oder her, Nick gefiel er nicht. Ein Engel namens Lily, ein Traum, der realer schien als die Wirklichkeit, ein Wunder, das ihn ins Leben zurückführte – nein, das waren mehr Zufälle, als ihm lieb waren. Zwar war er nicht so abergläubisch wie viele Seeleute, dennoch schätzte Nick keine Ereignisse, die er nicht erklären konnte, und dies alles ergab so wenig Sinn, dass er nicht einmal wagte, es Gideon anzuvertrauen.

Stattdessen warf er die Bettdecke zurück und schwang die Beine über den Kojenrand. In seinem Kopf schien noch immer ein Wirbelsturm zu toben, aber was zählte das schon im Vergleich zu seiner geistigen Gesundheit?

„Genug von eurem Geschwätz“, sagte er, als er nach seiner Hose griff und Barker sich missbilligend aufrichtete. „Wenn ich der Kapitän dieses Engels bin, dann ist es höchste Zeit, ihm meine Aufwartung zu machen.“

Den Rest des Nachmittags verbrachte er Seite an Seite mit Gideon und inspizierte jeden Quadratzentimeter der Brigg, von dem hintersten Winkel des Laderaumes bis zu höchsten Spitze des Topmastes. Gemeinsam mit dem Geschützmeister sah Nick sich kritisch eine der neuen Kanonen an. Er strahlte wie ein Junge am Weihnachtsmorgen, als er die anderen Waffen entdeckte, die die Engländer unter Deck verstaut hatten. Er gratulierte den Besatzungsmitgliedern, die von der Liberty gekommen waren, zu ihrem Sieg und trank mit ihnen ein Gläschen Rum im Zwischendeck. Außerdem hieß er die Handvoll Engländer willkommen, die beschlossen hatten, lieber mit den Amerikanern gemeinsame Sache zu machen, als das Ende des Krieges in einem Gefängnis in South Carolina abzuwarten. Er trieb sich selbst gnadenlos an in der Absicht, alles über sein neues Schiff zu erfahren, und war fest entschlossen, die Gedanken an Engel und Wunder zu verbannen.

Beinahe wäre es ihm gelungen. Aber eben nur beinahe. Als die Sonne schon tief über dem Horizont stand, befahl Nick, eines der Boote ins Wasser zu lassen. Man sollte ihn um die Brigg rudern, damit er sah, wie sie in der See lag. Auf Gideons Vorschlag hin nahm er einen der englischen Überläufer mit, der ihm Fragen beantworten sollte. Der Mann hörte auf den Namen Hobb, und er ergriff gleich das erste Paar Riemen, sodass er Nick, der am Heck Platz genommen hatte, direkt gegenübersaß.

Hobb war Fischer auf der Insel Guernsey gewesen, und er hatte gehofft, als Kaperfahrer seine Lage so weit zu verbessern, dass er heiraten konnte. Weil er ein Neuling war, hatte er nichts von der vorsichtigen Zurückhaltung an sich, die erfahrenere Männer Offizieren gegenüber an den Tag legten. Ohne, dass Nick ihn ermunterte, begann er einen Monolog über all das, was sich an Gutem und Schlechtem über die Brigg und ihren vorherigen Kapitän sagen ließ.

„Der alte Kapitän hatte keine Ahnung, welches Juwel er in Händen hielt“, meinte Hobb bekümmert, während er die Riemen durchzog. „Master Everard, der Eigner, hat es für sie an nichts fehlen lassen.“

„‚Sie’ ist die Brigg?“, fragte Nick geistesabwesend. Er hörte kaum zu, während Hobb sich über die Schlechtigkeit des toten Kapitäns ausließ.

„Nein, Sir, ‚sie’ ist natürlich Miss Lily!“ Hobb lächelte. Offensichtlich freute er sich, dass sein neuer Kapitän doch noch aufmerksam war. „Miss Lily Everard, Sir Edmund Everards älteste Tochter, diejenige, nach der die Brigg benannt wurde, Sir, und die so tragisch ihr Leben verlor. Sie ist hier, Sir, wenn Sie nur einmal schauen würden.“

Hobb deutete mit dem Kopf auf den Bugspriet der Angel Lily, und noch ehe er sich umdrehte, wusste Nick schon, was er sehen würde. Ein Teil von ihm hatte es schon gewusst, als er den Namen der Brigg erfuhr. Seufzend schob er den Hut zurück und zwang sich, einen Blick auf die Gallionsfigur der Angel Lily zu werfen.

Die Schnitzarbeit war lebensgroß und zeigte eine schöne junge Frau, die aufs Meer hinaussah. Die Andeutung eines Lächelns spielte um ihre Lippen. Das rotbraune Haar trug sie hochgesteckt, und eine hölzerne Locke fiel kunstvoll über ihre Schulter. Ihr weißes Kleid schmiegte sich an ihren Körper, als wäre sie demselben Wind ausgesetzt, der auch die Segel der Brigg blähte. Die ausgebreiteten Flügel umklammerten rücklings die Bugspitze, und jede einzelne Feder war sorgfältig herausgearbeitet. Über ihrem Kopf hing ein Heiligenschein, der in demselben Blattgold leuchtete, mit dem auch der Saum ihres Kleides verziert war. Anscheinend hatte Miss Lily Everard den Holzschnitzer dazu inspiriert, sein ganzes Können zu entfalten, denn Nick hatte nie zuvor eine so lebensechte Gallionsfigur gesehen, und als er sie betrachtete, glaubte er beinahe, ihr heiteres Lachen hören zu können.

Erst als das Boot die Brigg umrundet hatte und Nick zurück an Bord kletterte, bemerkte er, dass er schweißgebadet war, und dass sein Herz wie rasend schlug. Das Gefühl, das er empfand, kam dem der Furcht bedenklich nahe. Als er endlich allein in seiner Kabine war, sank er auf seinen Stuhl und barg das Gesicht in den zitternden Händen.

Natürlich gab es für all das eine Erklärung. Es musste eine geben. Selbst wenn er bewußtlos gewesen sein sollte, könnte er doch lange genug zu sich gekommen sein, um einen Blick auf die Gallionsfigur zu erhaschen, als man ihn an Bord brachte. Vielleicht hatte er gehört, dass Gideon oder Barker über die Brigg sprachen, möglicherweise auch einer der Engländer, vielleicht sogar Hobb selbst, der sich über Edmund Everards Andenken an seine Tochter Lily äußerte.

„Nun, gefällt ihnen meine Namensschwester, Captain Sparhawk?“, ließ sich eine Frauenstimme hinter ihm vernehmen. „Ganz gewiss haben Sie bei Ihrem Rundgang mehr Sorgfalt an den Tag gelegt als Captain Fotherill. Was immer Sie auch für Schlüsse ziehen, Sie dürfen sicher sein, dass Sie mir gefallen.“

Diesmal drehte Nick sich nicht in die Richtung, aus der die Stimme kam, und er antwortete auch nicht. Er schloss die Augen und zwang sich zur Ruhe. Es war alles nur Einbildung, weiter nichts. Er war verwirrt von der Erschöpfung und der schweren Verwundung, aber am nächsten Morgen, wenn er sich ausgeruht hatte und …

„Sie glauben nicht an mich, nicht wahr?“ Das Erstaunen in ihren Worten war nicht zu überhören. „Sie müssen mich nur ansehen, wissen Sie, und ihren Augen vertrauen, dann erkennen Sie die Wahrheit.“

Aber Nick hielt die Augen fest geschlossen. „Ich glaube nicht an Sie, weil es Sie nicht gibt. Genau wie der Rum, den ich heute Nachmittag getrunken habe, sind Sie nur da, um mich zu verwirren.“

Er hörte, wie sie ihren Fächer öffnete. „Ach, Unsinn, Captain! Sie haben in den letzten fünfzehn Jahre stets einen Krug Rum in Reichweite gehabt, und wie oft sind Sie so betrunken gewesen, dass Sie Erscheinungen hatten? Sie sind eigensinnig und schrecklicherweise daran gewöhnt, immer ihren Kopf durchzusetzen, aber, verflixt noch mal, Sie sind viel zu empfindsam, um ein Trunkenbold zu sein. Captain Fotherill, nun, das war ein Mann, der ganze Tage im Rausch verbringen konnte.“

Unwillkürlich runzelte Nick die Stirn. Niemand hatte ihn je zuvor empfindsam genannt, eine Frau schon gar nicht, und er hörte es nicht gern. Kaperfahrer sollten rücksichtslos und tollkühn sein und Rum nur so in sich hineinschütten können, aber sie sollten verdammt noch mal nicht empfindsam sein!

„Der Rum, die heiße Sonne und diese verdammte Wunde an meiner Stirn sind schuld daran, dass es Sie gibt“, beharrte Nick. „Sie sind nicht wirklich, und Sie waren es auch niemals.“

Sie seufzte. „Also schön, mein lieber Captain, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als Ihnen das Gegenteil zu beweisen.“

Jetzt riss Nick die Augen auf. Was zum Teufel hatte sie nun vor? Hatte sie wirklich die Absicht …

Das Wasser, das sich über seinen Kopf ergoss, war so kalt, dass er nach Luft rang. Er sprang auf und fluchte, als der leere Krug vor ihm zu Boden fiel.

„Nun, Captain Sparhawk, war das wirklich genug für Sie?“, fragte Lily. „Ich gebe zu, es wirkt wie ein Taschenspielertrick, aber wenn es dazu dient, Sie zu überzeugen …“

„Sie haben mich von gar nichts überzeugt, Madam, abgesehen davon, dass Sie eine echte Plage sind. Ich möchte, dass Sie sofort verschwinden.“ Nick war zu wütend, um sie noch länger zu ignorieren, und sah zu ihr hinüber. Sie saß auf seiner Koje, die Beine gekreuzt und die Arme um die Knie gelegt, als wäre es ihr Recht, dort zu sitzen. „Na los, fort mit Ihnen.“

„Pah!“ Müßig bewegte sie die Fußspitzen, sodass die falschen Brillanten auf ihren Schuhschnallen im Licht der Laterne funkelten. „Ich sagte Ihnen doch schon, dass ich nicht die Absicht habe fortzugehen. Das kann ich gar nicht, wissen Sie, solange ich nicht den Auftrag erfüllt habe, dessentwegen man mich hergeschickt hat. Natürlich würde es diese Angelegenheit für uns beide ein wenig erfreulicher machen, wenn Sie versuchten, sich weniger wie ein alter, sturer Kauz zu verhalten, und statt dessen mit mir zusammenarbeiteten.“

Sie ist nicht wirklich, dachte er nachdrücklich. Sie ist nicht wirklich. Sie konnte es gar nicht sein, und die Pest sollte ihn holen, wenn er das nicht beweisen konnte. Mit einem zornigen Laut hob Nick den leeren Wasserkrug vom Boden auf und schleuderte ihn in Richtung auf die Koje, direkt dorthin, wo Lily saß. Aber als der Zinnkrug durch die Luft flog, hob sie ihren Fächer. Der Krug verharrte einen Moment lang in der Schwebe, dann senkte er sich sanft wieder auf den Tisch hinab.

„Taschenspielertricks“, sagte Lily verächtlich und glättete die Federn des einen Flügels. „Ich habe ihn für Sie aufgefüllt, um Ihnen die Mühe zu ersparen.“

Nick spähte zu dem Krug hinüber, aber er wollte ihr nicht die Genugtuung verschaffen und hineinsehen. Außerdem war er, auch wenn es ihm nicht behagte, davon überzeugt, dass der Krug voll war, so wie sie es gesagt hatte. „Sie haben mir schon genug Schwierigkeiten bereitet, Madam, und wenn Sie nicht …“

„Nick?“ Die Kabinentür wurde geöffnet, und Gideon spähte vorsichtig herein. Hinter ihm verbarg sich der Junge mit Nicks Essen im Schatten des Ganges. „Nick, alter Junge, ist alles in Ordnung bei dir?“

„Natürlich ist alles in Ordnung!“, rief Nick zornig aus. „So wie es eben ist, wenn ich von dieser Person verfolgt werde!“

„Welche Person, Nick?“ Langsam schob Gideon die Tür auf und ließ seinen Blick durch die Kabine wandern, ehe er ihn auf Nicks durchnässtem Hemd verharren ließ. „Der Junge hier hörte dich toben, und als du auf sein Klopfen nicht reagiertest, holte er mich. Gab es hier drinnen etwas, das dich geärgert hat?“

„Es war wieder dieses verdammte Frauenzimmer mit den Flügeln!“, erklärte Nick und trat zur Seite, um auf die Koje zu deuten, auf der Lily hinter ihm saß. „Ich schwöre es dir, Gideon, sie wird allmählich eine echte Plage!“

Gideon blickte in die Richtung, in die Nick deutete, runzelte die Stirn und sah seinen Freund wieder an. „Ein Frauenzimmer mit Flügeln, sagst du?“, fragte er zweifelnd. „Du hast sie schon früher einmal gesehen?“

„Verdammt, schau mich nicht so an, als hätte ich den Verstand verloren! Wenn ich sie sehen kann, dann kannst du es verdammt noch mal auch!“

Aber weder Gideon noch der Junge bemerkten etwas Ungewöhnliches, das war an ihren traurigen Mienen deutlich zu erkennen. Fluchend fuhr Nick herum und betrachtete die leere Koje.

„Allmächtiger, Lily, nun zeigen Sie sich doch! Jetzt, Madam. Jetzt!“

„Lily?“, erkundigte Gideon sich mit schwacher Stimme und zog die fuchsroten Brauen hoch. „Wie die Brigg? Du hast das arme Mädchen selbst gesehen?“

„Ja, zum Teufel mit ihr, und jetzt spielt sie mir einen Streich, indem sie sich versteckt, damit ich wie ein Narr dastehe!“ Nick zog das nasse Hemd von seinem Körper weg. „Was denkst du, wie das hier passiert ist? Lily hat das getan. Sie hat das Wasser aus dem Krug über mich gegossen, nur um zu beweisen, dass sie es kann.“

Gideon hob mit beiden Händen den Krug vom Tisch hoch und prüfte sein Gewicht. „Er ist voll, Nick. Voll bis zum Rand.“

Nick stöhnte vor Wut und Enttäuschung. „Weil sie ihn wieder gefüllt hat!“

Gideon stellte den Krug auf den Tisch zurück und seufzte. „Wenn du sie gesehen hast Nick, nun, dann ist das in Ordnung“, sagte er behutsam. „Barker meinte, du hättest heute etwas übertrieben. Das beste wird sein, wenn du dich nun ausruhst. Iss etwas und geh früh schlafen.“

„Zum Teufel, Gideon, ich bin noch immer dein Kapitän und kein kleines Kind, das eine Amme braucht!“ Zornig wischte er mit der Hand über den Tisch, und wieder flog der Krug durch die Luft. Diesmal allerdings fiel er mit einem hallenden Geräusch auf den Boden, und es folgte ein Plätschern, als das Wasser herausfloss.

Gideon vermied es, Nicks starrem Blick zu begegnen, und packte den Schiffsjungen an den Schultern. „Wisch das hier auf, Junge, und zwar schnell.“

„Nein, lass es!“, entgegnete Nick verstimmt. Zum Teufel mit Gideon! Auch wenn er sein Freund war, so war er doch nur ein Lieutenant, und er hatte nicht das Recht, in Anwesenheit des Captains Befehle zu erteilen, nicht einmal, wenn es das Aufwischen von verschüttetem Wasser betraf. „Und lasst mich allein, alle beide. Hinaus!“

Sofort nahm Gideon Haltung an. Sein Blick war wachsam, wenn auch leicht gekränkt. „Jawohl, Captain Sparhawk!“, erwiderte er kurz. „Komm mit, Junge, du hast gehört, was der Captain gesagt hat. Hinaus!“

Nick drehte sich nicht zu ihnen um. Er hörte, wie die Kabinentür verriegelt wurde. Jetzt hatte er es getan und Gideon zurechtgewiesen, und weswegen? Wütend trat Nick den leeren Krug über den Boden und verfluchte sein Temperament.

„Es tut mir leid, Captain Sparhawk“, sagte Lily leise hinter ihm. „Ich wollte nicht, dass so etwas geschieht. Ich hatte Ihnen schon die ganze Zeit erklären wollen, warum nur Sie mich sehen können, aber irgendwie hatten wir niemals genügend Zeit.“

Stöhnend ließ Nick sich auf seinen Stuhl fallen. „Jetzt ist es sowieso egal“, meinte er missgestimmt. „Ohne Zweifel redet man auf allen Decks schon davon, dass der Captain den Verstand verloren hat und Stimmen hört, mit der Gallionsfigur spricht und gegen seinen eigenen Schatten kämpft. Das wird den Männern sicher Mut machen. Wer würde schließlich nicht gern einem Verrückten in die Schlacht folgen?“

„Diese undankbaren Schufte! Sie werden doch nicht wirklich so etwas von Ihnen denken, oder?“, fragte sie pikiert. „Sie gelten als einer der besten amerikanischen Kaperfahrer, und ganz bestimmt sind Sie der erfolgreichste. Sie haben dafür gesorgt, dass jeder in ihrer Mannschaft ein Vermögen machen konnte! Nicht ein Morgen vergeht, ohne dass auch der letzte Gouverneur der Windward Islands sich anhören muss, dass die Kaufleute ihren Hals fordern. Sie haben ihnen viel Kummer bereitet.“

Er blickte dorthin, wo sie jetzt saß, in der Mitte des geschnitzten Tisches. Sie hatte ihre Röcke ausgebreitet, und die Flügel ruhten auf ihrem Rücken. Seltsamerweise begann er, sich damit abzufinden, sie um sich zu haben, wenn es ihn auch nicht eben freute.

„So ist also mein Ruf von der Karibik himmelwärts geeilt?“ Er lächelte freudlos. „Vielleicht können Sie demnächst auch bei dem Leiter des Tollhauses ein gutes Wort für mich einlegen.“

„Ich kann etwas Besseres für Sie tun, Captain“, sagte sie eifrig. „Ich werde Ihnen zeigen, wie Sie das Vertrauen Ihrer Mannschaft zurückgewinnen.“

„Lassen Sie es bleiben.“ Er schüttelte den Kopf. „Ich will Ihre Hilfe nicht.“

„Aber ich verstehe nicht, warum …“

„Weil ich Amerikaner bin und Sie Engländerin“, unterbrach er sie grob. „Oder zumindest waren Sie das einmal. Zwischen unseren Ländern herrscht Krieg, erinnern Sie sich? Vielleicht macht es Ihnen nichts aus, dem Feind auf diese Weise zu helfen, aber ich werde ganz gewiss nicht vergessen, wie viele Freunde – gute Freunde – ich an die Engländer verloren habe, seitdem dieser furchtbare Krieg begonnen hat. Was ist mit dem ersten Kapitän dieses Schiffes? Ist es Ihnen denn völlig egal, dass er tot ist?“

„Sie meinen Captain Fotherill? Ob ich ihn betrauere? Aber nein!“ Sie kniff die Augen zusammen und rümpfte die Nase, als hätte sie etwas Fauliges gerochen. „Er, Sir, war ein übler, böswilliger, feiger Trunkenbold, der die Unerfahrenheit meines Vaters, was Kaperfahrten betrifft, ausnutzte. Ob ein Gentleman Brite ist oder zu den Rebellen gehört, das macht für mich keinen Unterschied. Raten Sie doch einmal, wer dafür gesorgt hat, dass Mr Fotherill in die Flugbahn einer ihrer Kanonenkugeln geriet!“

Sie haben ihn getötet?“, fragte Nick ungläubig.

„Genaugenommen, haben Sie es getan“, entgegnete Lily zuckersüß. „Ich habe nur dafür gesorgt, dass er an der richtigen Stelle stand.“

Nicks Miene verfinsterte sich, als er daran dachte, wie sie den fliegenden Wasserkrug angehalten hatte. Vermutlich würde es für ihn am besten sein, nicht mit Miss Lily zu streiten. „Ich dachte, Engel würden immer nur Gutes tun.“

„Für gute Menschen tun sie das auch. Und Sie, Captain Sparhawk, bergen in sich die Qualität, ein ganz außerordentlicher Gentleman zu werden. Sie brauchen nur etwas Führung. Gott weiß, dass Sie schon ziemlich anständig sind.“

Sie lächelte strahlend. Nick ertappte sich dabei, dass er sich fragte, wie sie wohl gewesen sein mochte, als sie noch am Leben war. Vermutlich hatte sie ständig für Schwierigkeiten gesorgt. Bei Frauen wie ihr war das immer so.

„Wie sind Sie eigentlich gestorben?“, fragte er und hoffte, auf diese Weise ein wenig Abstand zwischen ihnen herzustellen. Es war schlimm genug, sich mit ihr zu unterhalten, aber ihre Komplimente ernst zu nehmen, das würde er nicht ertragen. „Haben Sie Ihren armen alten Vater dazu gebracht, Sie auszupeitschen, um die Ehre der Familie zu wahren?“

Ihr Lachen hallte durch die Kabine. „So schaurig war es nicht. Auf Sir George Carruthers Weihnachtsball bestand ich darauf, draußen im Garten in dem frischgefallenen Schnee zu tanzen. Es war eine wunderschöne Nacht. Die Schneeflocken sahen aus wie Kristalle, als sie herabfielen, aber ich erkältete mich, bekam Fieber und starb. Einfach so.“ Sie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, um die Endgültigkeit zu betonen. „Einfach so! Das einzig Tragische daran war, dass ich den nächsten Ball verpasst habe.“

Sie schloss ihren Fächer und tippte damit zweimal gegen ihre Lippen. „Ich entspreche vielleicht nicht ganz Ihren Vorstellungen, aber ich habe Gentlemen immer sehr gern gemocht, und deshalb hat man Sie mir anvertraut.“

Nick warf ihr einen wütenden Blick zu. Seine grünen Augen wirkten dunkel unter den zusammengezogenen Brauen. „Ich bin nicht der Meinung, dass man mich einfach jemandem ‚anvertrauen’ kann, und schon gar nicht Ihnen, damit Sie mich verfolgen können, oder was immer Sie mit mir vorhaben. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Ihnen und einem gewöhnlichen Gespenst?“

„Was ist der Unterschied zwischen Ihnen und einem gewöhnlichen Piraten?“, fragte sie schelmisch.

Ihre Antwort überraschte ihn, und beinahe hätte er gelächelt. „Ich habe eine Bescheinigung vom Continental Congress, die mich als einen ehrbaren Mann ausweist, aber ich vermute, dass Sie darauf nicht hinaus wollen.“

„In der Tat, das will ich nicht. Auf Ihre Weise haben Sie die Absicht, Gutes zu tun, sowohl für das, woran Sie glauben, als auch für Ihr neues Vaterland. Und ich bin hier, um dasselbe zu tun.“ Triumphierend funkelten ihre Augen auf. „Sie sind meine erste richtige Herausforderung, Nick. Ich darf Sie doch Nick nennen, oder? ‚Captain Sparhawk’ wirkt so förmlich.“

Er seufzte tief, als er erkannte, dass der erfolgreichste amerikanische Kapitän in der Karibik gerade im Begriff stand, eine Niederlage hinzunehmen. „Spielt es für Sie eine Rolle, ob mir etwas recht ist oder nicht?“

Sie hob mit bezaubernder Lässigkeit die Flügel, und Nick wusste, dass das die einzige Antwort war, die er auf diese Frage erhalten würde.

„Aber ich will nur das Beste für Sie, Nick. Sie werden schon sehen.“ Sie beugte sich vor, um die Karten zu studieren, die auf dem danebenstehenden Tisch ausgebreitet waren. „Ich habe Pläne – oh, große Pläne!“

Unvermittelt stand Nick auf und stellte sich zwischen sie und die Karten. „Ich will nicht, dass Sie bestimmen wollen, wie dieses Schiff gesegelt wird.“

„Und ich schwöre, dass ich das nicht tun werde. Ich möchte Ihnen nur eine Gelegenheit bieten, Ihr Ansehen in den Augen der Mannschaft wiederherzustellen, so wie ich es Ihnen versprochen habe. Wenn Sie vielleicht den Kurs einmal in Erwägung ziehen würden, den ich hier vorgeschlagen habe …“

„Verdammt, Madam, das tue ich nicht!“ Auf seiner Karte führte jetzt unübersehbar eine rote Linie nach Nordwesten, ein Kurs, den kein vernünftiger Kapitän auf einer Kaperfahrt jemals einschlagen würde, und wieder einmal brachte ihre Dreistigkeit ihn in Wut. „Ich bin immer noch der Kapitän! Behalten Sie ihre lächerlichen Vorschläge für sich, und lassen Sie mich in Ruhe!“

„Wie Sie wünschen, Captain Nick.“ Sie zog sich seufzend auf den Schreibtisch zurück. Diese Reumütigkeit schien ihm ganz untypisch für sie zu sein. „Aber wenn Sie tatsächlich wissen wollen, ob ich wirklich existiere oder nicht, dann folgen Sie meinem Kurs für – sagen wir – acht Stunden. Wenn Sie in dieser Zeit keinem Schiff begegnen, das Sie als Beute locken würde, wissen Sie mit Sicherheit, dass ich nur eine Erscheinung bin, die der Rum ihnen beschert hat. Aber ich glaube nicht, dass dies geschehen wird.“

Nick starrte finster auf die hässliche rote Linie hinab, die seine makellose Karte verunstaltete. Als ob er jemals seine Zeit mit so einem abwegigen Kurs vergeuden würde! Die Mannschaft würde bestimmt meutern!

„Zum Teufel mit Ihnen, Lily Everard“, fuhr er sie an.

„Ich fürchte, dass die andere Seite mich bereits für sich beansprucht hat“, entgegnete sie belustigt. „Und noch ehe ich mit Ihnen fertig bin, werden Sie sehr froh darüber sein.“

2. KAPITEL

„Es ist ein Pirat, Miss, kein Zweifel“, sagte der Kapitän des englischen Schiffes Commerce, als er durch das Fernrohr spähte und den Horizont absuchte. „Und er kommt so schnell auf uns zu, dass wir genauso gut stillstehen könnten.“

Neben ihm klammerte Rose Everard sich fester an die Reling. Ihre Finger in den schwarzen Handschuhen zitterten. Die Amerikaner fuhren auf sie zu, und es hatte keinen Sinn, sich etwas vorzumachen. Sogar ohne Fernrohr konnte sie jetzt den Umriss des feindlichen Schiffes erkennen, das sie seit dem Morgengrauen verfolgt hatte. Wenn man sich vorstellte, dass sie in vier Tagen St. Lucia erreicht hätten, und nun, nach einer zwölfwöchigen Überfahrt, sollten sie Piraten in die Hände fallen!

„Sind Sie sicher, dass wir ihnen nicht entkommen können, Captain Richards?“, fragte sie. Sie war froh, dass sie gegen den Wind anschreien musste und er daher den furchtsamen Unterton in ihrer Stimme nicht hören konnte. „Bestimmt sind wir nahe genug an irgendeiner Insel, die uns Schutz geben könnte.“

Unglücklich schüttelte Richards den Kopf. Sein Blick war noch immer auf das amerikanische Schiff gerichtet. „Nein, Miss Everard, das sind wir leider nicht. Denn die Franzosen haben sich auf die Seite der Rebellen geschlagen und sind König George feindlich gesonnen. Wir sind immer noch mehrere Tagesreisen von St. Lucia entfernt, sogar von Anguilla, und sie werden uns lange vorher einholen. Meine arme Commerce hat keine Chance, Miss, nicht, nachdem sie den ganzen Atlantik überquert hat, und nicht gegen ein Schiff wie dieses. Es wurde für die Piraterie gebaut und ist so schnell und so gefährlich wie ein Hai.“

„Ich würde mich davon gern selber überzeugen, Captain Richards.“ Rose streckte die Hand nach dem Fernrohr aus. „Erlauben Sie?“

Richards ließ seinen Blick zu ihrer Hand, dann zu ihrem Gesicht und wieder zurück zu ihrer Hand gleiten, und schließlich schüttelte er energisch den Kopf. Trotz des kühlen Windes, der vom Meer her kam, schwitzte er, und seine wettergegerbten Wangen waren gerötet und glänzten.

„Nein, Miss Everard, Sie müssen unter Deck gehen“, erklärte er verdrießlich. „Ich habe Sie nur heraufkommen lassen, weil Sie so sehr darum gebeten haben, aber nun haben Sie alles gesehen, was es zu sehen gibt, und daher bitte ich Sie, in Ihre Kabine zurückzukehren. Ich werde Ihrem Vater schon genug erklären müssen, auch ohne Sie hier an Deck zu haben, während die Kanonen der Rebellen auf uns gerichtet sind.“

„Bitte, Captain. Ich möchte sie mir anschauen, ehe sie uns fangen.“ Sie lächelte gezwungen, als sie unter dem Rand ihres schwarzen Strohhutes hervor zu ihm aufblickte. Nie würde sie den natürlichen Charme ihrer Schwester im Umgang mit Gentlemen entwickeln, aber Captain Richards war ein Freund ihres Vaters und auch in demselben Alter. Er stellte keine zu hohen Anforderungen an die Reize einer Frau.

„Bitte, Captain Richards. Danach werde ich nach unten gehen, das verspreche ich Ihnen.“

Doch Richards schüttelte erneut den Kopf. „Sie sind eine Lady, Miss Everard, und ein Piratenschiff wie dieses ist ein furchterregender Anblick.“

„Sicher ist es jetzt aus der Ferne weniger furchterregend als später, wenn sie uns eingeholt haben, wie Sie sagen.“ Roses Lächeln verschwand. Sie war immer so stolz darauf gewesen, stets ruhig und tüchtig zu sein. Warum sollte sich jetzt etwas daran ändern? Sie schluckte, ehe sie entschlossen den Kopf hob.

Sie versuchte, nicht an die entsetzlichen Geschichten zu denken, die Tante Lucretia über die Seeleute der Rebellen zu erzählen pflegte, die sich Kaperfahrer nannten, in Wirklichkeit aber nicht besser als irgendwelche Piraten waren. „Wie sollte es auch anders sein?“, hatte ihre Tante in schaurigem Flüsterton gefragt, „wenn sie über Seine Majestät die Nase rümpften und ihre Papiere von den Verbrechern und Schurken bekamen, die behaupteten, eine Regierung zu sein? Man müsste nur die Zeitungen lesen, um Bescheid zu wissen. Folterungen, Vergewaltigungen, Mord, Plünderungen und Überfälle – nichts davon war zu niedrig für diese Scheusale.“

Und jetzt, dachte Rose, werde ich selbst erfahren, ob das alles stimmt. Kein Wunder, dass ihre Hände zitterten, als sie das Fernrohr von Captain Richards entgegennahm und an die Augen hob.

Sie war an den Umgang mit dem Sehrohr nicht gewöhnt und mühte sich sehr, den schweren Messingzylinder so lange ruhig zu halten, bis sie etwas erkennen konnte. Zuerst sah sie nur blauen Himmel, dann die schaumgekrönten Wellen, und endlich entdeckte sie das Heck des amerikanischen Schiffes. Die blau, rot und weiß gestreifte Flagge des selbstständig gewordenen Landes wehte gerade vom Göschstock.

Die Brigg wirkte genau so, wie Captain Richards es gesagt hatte, böse wie ein Hai, der sich beutegierig näherte. Das Deck war voller Männer, und obwohl die Kanonenluken geschlossen waren, wusste Rose nur zu gut, was sich hinter jedem der ordentlichen Rechtecke an der Seite der Brigg verbarg. Wie hätte sie es nicht wissen sollen? Der Krieg hatte ihren Vater so erregt, dass er in diesem Jahr begonnen hatte, selbst Kaperschiffe auszurüsten, und Rose hatte lange Gespräche mit anhören müssen, in denen die Vorteile dieser Kanonen mit jenen eines anderen Typs verglichen wurden.

Und dann hoffte er natürlich auch noch, Profit zu machen. Das würde sie niemals vergessen. Patriotismus war schön und gut, aber für Papa kam der Gewinn immer an erster Stelle. Gewinn und Ansehen, gesellschaftliche Stellung und Macht.

Rose bewegte das Glas vorsichtig, blickte an den schwarz gestrichenen Bordwänden entlang und zwang sich, an etwas anderes zu denken. Ob es sich um Piraten handelte oder nicht, sogar Papa würde zugeben müssen, dass die Amerikaner etwas vom Segeln verstanden. Die Brigg schien das Meer wie ein Messer zu zerteilen, während sie immer näherkam. Bald würden die Amerikaner nahe genug sein, um ihre Kanonenluken zu öffnen. Und dann, lieber Gott, bitte, lass diese Männer nicht die Wilden sein, von denen Tante Lucretia berichtet hatte! flehte Rose im stillen.

„Ich weiß, dass ich mich ihnen ergeben muss, obwohl es mich beinahe umbringen wird“, sagte Richards zornig neben ihr. „Und, bitte verzeihen Sie, Miss, wenn Sie nicht an Bord wären, würde ich ihre heidnischen Seelen lieber zur Hölle schicken, als meine Commerce in ihre schmutzigen Hände zu geben.“

Rose antwortete nicht. Sie konnte es nicht. Eben hatte sie durch das Fernrohr die Gallionsfigur der Brigg entdeckt, und es erforderte ihre ganze Konzentration, um etwas so Einfaches zu tun, wie weiterzuatmen.

„Ich werde wohl nie erfahren, wie sie es geschafft haben, uns in diesen Gewässern zu finden“, fuhr Richards fort. Er war zu sehr mit seinem eigenen Zorn beschäftigt, um zu bemerken, wie still Rose geworden war. „Ich habe noch nie ein Schiff der Yankees so weit im Osten gesehen, zum Teufel mit ihrer Unverschämtheit! Es kommt mir fast so vor, als hätte man sie hierhergeführt, und …“

„Es sind keine Amerikaner“, stieß Rose hervor.

Richards runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. „Natürlich sind sie das, Miss“, sagte er, gekränkt darüber, dass man ihn unterbrochen hatte. „Sie haben das Fernrohr, und Sie können ihre Flagge im Sonnenlicht sehen. Warum sollten sie uns sonst auch verfolgen?“

„Ich weiß es nicht“, erwiderte sie langsam und mit erstickter Stimme. „Aber dieses Kaperschiff ist britisch.“

Richards schnaubte. „Verzeihen Sie, Miss Everard, aber woher wollen Sie denn das wissen?“

„Ich weiß es, weil die Brigg meinem Vater gehört.“ Rose gab Richards das Fernrohr, damit er es mit eigenen Augen sehen konnte. Ihr selbst war die Sicht von Tränen verschleiert. „Es ist die Angel Lily, und wenn Sie mir nicht glauben wollen – das Gesicht meiner Schwester an der Gallionsfigur ist der Beweis.“

„Das ist nicht möglich“,

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