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Eine Prinzessin weint Tränen in der Einsamkeit

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Inhaltsverzeichnis

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Eine Prinzessin weint Tränen in der Einsamkeit

von G. S. Friebel


Der Umfang dieses Buchs entspricht 116 Taschenbuchseiten.


Harmonisch ist das Leben von Prinzessin Sonja von Schlierstein. Sie ist einundzwanzig Jahre alt und wurde schon als Kind darauf vorbereitet, einmal die Nachfolge des Fürsten anzutreten. Deshalb hat sie auch eingewilligt, den Prinzen von Wolfhagen zu heiraten. Sie kennt ihn zwar nicht, aber die Verbindung würde beiden Ländern Vorteile verschaffen. Als Sonja zufällig hört, dass ihre jüngere Schwester sich in den Prinzen verliebt hat, möchte sie dem Glück der Jüngeren nicht im Wege stehen.


1

Als sie die spöttischen und grausamen Stimmen der drei Hofdamen vernahm, stand Prinzessin Sonja von Schlierstein hinter dem dunkelblauen Samtvorhang ihres Arbeitszimmers. In dem kleinen

zarten Gesichtchen wirkten in diesem Augenblick die Augen riesengroß und sehr verschreckt.

Ihre Hände verkrampften sich im Vorhang.

Ein Beben ging durch ihren zarten Körper.

„O nein“, flüsterte sie in ohnmächtiger Hilflosigkeit. „O nein!“

Sie hatte nicht lauschen wollen, niemals! Noch nie in ihrem Leben hatte sie gelauscht. Einen Moment zuvor saß sie noch an ihrem großen Schreibtisch vor ihrer Arbeit. Dann hatte sie sich müde und zerschlagen gefühlt und war ans Fenster getreten. Von dort vernahm sie anfangs nur das leise Zirpen der Grillen im Garten, sah die Mondsichel groß und still am Himmel stehen und spürte um sich nur tiefe Ruhe. So hatte sie am Fenster gestanden und in die beginnende Nacht hinausgelächelt, bis sie die herannahenden Stimmen vernahm. Zuerst war es nur ein Murmeln gewesen und sie hatte nicht darauf geachtet. Aber dann war ihr Name gefallen und hatte sie aufmerksam gemacht.

Die Hofdame Herta von Ibsen sprach es aus, mit ihrer schrillen und hohen Stimme.

Und Luisa von Kochern und Britta von Laufen lauschten ihr andächtig.

Diese Worte drangen wie ein zweischneidiges Schwert in ihre Seele ein. Dabei hatte sie diese drei Hofdamen immer für Freundinnen gehalten. Und nun dies!

„ Luisa von Kochern und ob es wahr ist, so wahr wie ich Herta von Ibsen heiße!“

„Nein, Prinz Christian von Wolfhagen und Prinzessin Sybille lieben sich wirklich?“ Es war die atemlose Stimme von Luisa von Kochern.

„Ja, so ist es ganz bestimmt. Und ich finde, es ist einfach eine Schande. Die beiden lieben sich und werden jetzt auseinandergerissen.“

Britta zögerte einen kurzen Augenblick. „Aber wenn es wirklich so ist, wenn Prinz Christian und Prinzessin Sybille sich so lieben, warum soll er dann nicht sie sondern die Prinzessin Sonja, ihre Schwester, heiraten?“

„Das ist doch ganz einfach. Prinzessin Sonja erbt den Thron und heiratet den Mann, den sie will. Sie sucht sich einen aus und der muss sie dann heiraten! So ist das doch immer bei Fürstenhochzeiten.“

Luisa und Britta nickten verstehend. „Aber dann finde ich es gemein, dass sie sich ausgerechnet den Prinzen Christian aussucht, wenn doch ihre Schwester ihn liebt!“, sagte Britta von Laufen.

„Woher weißt du eigentlich, dass die beiden sich lieben?“, wandte sich Luisa fragend an Herta von Ibsen.

Herta genoss aus voller Seele, so beachtet zu werden. Bisher hatte sich niemand um sie bekümmert. Und jetzt scharten sich die beiden neugierigen Hofdamen um sie. Ja, sie konnte dieses Mal mit einer wirklichen Neuigkeit auftrumpfen und nicht nur dieses belanglose Getuschel, das am Hofe herrschte, zum Besten geben.

„Meine Schwester und Prinzessin Sybille waren doch im gleichen Internat. Dort hat es Prinzessin Sybille meiner Schwester gesagt, dass Prinz Christian von Wolfhagen und sie sich schon lange heimlich lieben würden.“

Gegen diese Behauptung konnte keiner etwas sagen. Dass die beiden zusammen in einem Internat waren, stimmte nämlich wirklich.

„Mir tut Prinzessin Sonja trotzdem leid. Sie muss dann mit einem Mann leben, der sie gar nicht liebt!“ Britta war es, die so teilnahmsvoll sprach.

„Pah“, sagte Herta und warf den Kopf in den Nacken. „Wer so handelt, muss damit rechnen.“

„Armer Prinz Christian“, sagte Luisa leise.

„Arme Prinzessin Sybille“, antwortete Britta.

Konnten Worte wirklich so ätzend sein? Erst jetzt fühlte Prinzessin Sonja, dass sie weinte. Lautlos rannen die Tränen aus ihren schönen Augen. In völliger Einsamkeit stand sie hier am großen Flügelfenster und weinte.

Die Hofdamen entfernten sich langsam in eine andere Richtung, so dass sie ihre Stimmen nicht mehr unterscheiden konnte.

So dachte man also von ihr! Sonja schwankte und musste sich am Fensterbrett festhalten. Sie drehte sich um und sah ins Zimmer. Es lag im Halbdunkel, nur die Lampe auf dem riesigen Schreibtisch durchbrach ein wenig die Dunkelheit. Man sah jetzt nichts von der Schönheit der Möbel, auch nicht den blauen Teppich zu ihren Füßen, Alles war in dichtes Schwarz getaucht. Berge von Akten türmten sich auf ihrem Schreibtisch.

Sie lächelte schwach. Was wussten diese Menschen von ihr, der Prinzessin von Schlierstein, die nach dem Tode ihres Vaters den Fürstentitel erhalten sollte? Ja, was wusste die Welt wirklich von ihr? Hatten sie überhaupt das Recht, so von ihr zu sprechen.

Langsam schritt sie zum Schreibtisch zurück. Eine zierliche, überaus schlanke Gestalt. Das blauschwarze Haar gelöst und bis weit über ihren Rücken wallend. Das Gesicht marmorblass, die dunklen Augen glänzend wie zwei große Edelsteine. Zarte, schlanke Hände legten sich auf die polierte Schreibtischplatte. Um den lieblichen Mund zuckte es ein wenig. Ach, sie war ja so einsam, so schrecklich allein in ihrem verantwortungsvollen Amt.

Einundzwanzig Jahre war sie alt, doch sie fühlte sich in diesem Augenblick wie eine uralte Frau, die ihr Leben schon beenden sollte.

Eine Kindheit hatte sie nie kennengelernt. Spielen, einmal tun dürfen was sie wollte, das kannte sie nicht. Alles lief in vorgeschriebenen Bahnen. Als die Eltern wussten, sie würden keinen Sohn mehr bekommen, war sie zur Nachfolgerin des Vaters ausersehen worden. Sie war noch so klein gewesen und doch musste sie lernen, lernen.

Trotz all ihres Reichtums blieb Sonja die Einsamkeit nicht erspart. Sie war eine stille Schönheit. Und sie besaß ein weiches und empfindsames Herz.

Warum hatte sie nichts von der Liebe ihrer Schwester gewusst? Warum hatte Sybille sich ihr nicht anvertraut? Ihre kleine zärtliche Schwester? Sie lächelte leicht, als sie an ihre Schwester dachte. Sie war ganz die Mutter. Eine Schönheit. Kupferrotes Haar, dazu die blasse, durchscheinende Haut und die grünen Seeaugen. Oh, Sybille war schön, und sie wusste es auch mit ihren siebzehn Jahren. Herrisch und gebieterisch konnte sie sein, doch auch verspielt und zärtlich.

Und nun sollte Sybille, ihre Schwester, Prinz Christian von Wolfhagen, lieben?

Welche Ironie des Schicksals!

Sonja ließ sich langsam in den großen Sessel fallen. Bisher war sie über die von ihrem Vater getroffene Regelung ganz glücklich gewesen. Als Kind hatte sie Christian kurz gesehen. Einmal musste sie heiraten und der Vater hatte Christian vorgeschlagen.

Letzten Sommer war Sybille einige Wochen in Wolfhagen gewesen. Ob sie dort den Prinzen lieben gelernt hatte? Es musste wohl so sein!

Langsam stand sie wieder auf. Das weiche Hauskleid aus englischer Wolle umschmeichelte ihre Figur. Um den Hals trug sie eine kostbare Kette.

Es war schon sehr spät, aber gewiss würde der Vater noch in seinem Arbeitszimmer sein. Leise öffnete sie die große Flügeltür. Die langen Korridore waren matt erleuchtet. Sie huschte leichtfüßig über den Marmorboden. Von den weißen Wänden blickten aus großen Bildern ihre Ahnen auf sie herab. Wie still es doch im Schlosse war.

Sie betrat das Vorzimmer ihres Vaters. Sein Sekretär war noch anwesend. Sofort stand dieser auf, als er die Prinzessin sah.

„Ist mein Vater noch zu sprechen?“ Ihre Stimme klang weich und melodisch.

Der Sekretär war ein alter Mann, im Dienst ergraut.

„Ich werde Sie gleich melden!“

Hinter ihm betrat Sonja das Arbeitszimmer ihres Vaters.

Fürst Nikolaus von Schlierstein saß noch zu so später Stunde am Schreibtisch und arbeitete. Er war groß und stattlich, seine Haare ergrauten. Die blauen Augen sahen jeden gütig an. Sein Volk liebte ihn, er war gerecht und gut. Und Güte war das, was er seiner Tochter immer anzustreben bat.

„Vater, darf ich dich noch stören?“ Fürst Nikolaus nahm die Brille ab und sah seine Tochter an. Gerade und aufrecht stand sie in der Tür.

„Komm, mein Kind! Für dich habe ich immer Zeit!“

Der Sekretär schloss die großen weißen Flügeltüren des Arbeitszimmers, schwere und wuchtige Möbel standen in diesem Raum. Über weiche Teppiche ging Sonja auf ihren Vater zu. Dieser schob ihr einen Armsessel zurecht.

„Solltest du nicht schon schlafen? Es ist schon recht spät und morgen feiern wir doch unser Rosenfest, das wird wieder viel Schlaf kosten!“

„Ich hatte noch zu arbeiten. Sagst du nicht selbst, die Arbeit muss getan werden, bevor der neue Tag anbricht?“

„Natürlich, aber die Gesundheit geht vor und du sollst sie schonen. Du siehst so blass aus! Noch bin ich da, um alles zu regeln!“

„Du bist gut, Vater!“

„Ist das nicht jeder Vater zu seiner Tochter?“

„Ich weiß es nicht, ich kenne nur dich!“

Das Lächeln in seinen Augen vertiefte sich. „Du wolltest mich sprechen?“

„Vater, ich möchte nicht Prinz Christian heiraten!“

Der Fürst sah sie einen Moment sprachlos an. Alles hatte er erwartet, aber nicht diese Ankündigung.

„Sonja, was sagst du da?"

„Ich möchte nicht Prinz Christian von Wolfhagen heiraten, Vater!“

Erregt erhob sich der Fürst und lief im Zimmer auf und ab. „Sonja, was für ein Ansinnen! Viele Monate weißt du schon davon, und jetzt willst du auf einmal nicht mehr?“

„Nein, Vater, ich habe es mir überlegt, es gibt doch noch andere Männer, die ich heiraten kann!

„Kind, weißt du, was du da sagst? Was du verlangst, ist ganz unmöglich. Du warst mit dieser Wahl einverstanden. Wir werden uns den Unwillen von Wolfhagen zuziehen, wenn wir unsere Absicht ändern, denn sie sind mit der beabsichtigten Heirat sehr einverstanden.“

„Vater, ich kann doch nicht einen Menschen heiraten, den ich eigentlich noch gar nicht kenne.“

„Sonja, mein Kind, ich dachte immer, Christian wäre der rechte Mann für dich. Bis jetzt hast du die Einwände nicht gemacht und jetzt willst du auf einmal nicht mehr?"

Sonja senkte tief die Lider über ihre Augen.

„Sieh mich an, Sonja!

Der Fürst hob ihr Gesicht zu sich empor. Die Lampen spiegelten sich in ihren großen Augen. Er las unaussprechliche Qual darin.

„Mein Kind“, sagte er gerührt.

Sonja rang flehend die Hände. „Man kann Liebe nicht einfach erzwingen“, flüsterte sie mit brechender Stimme. „Ich war zu unerfahren, als ich ja sagte. Aber jetzt weiß ich es besser.“

Stumm ließ sich der Fürst wieder in den Sessel fallen.

„Na schön, Sonja, wenn du auch jetzt noch nicht liebst! Wie viel Ehen wurden in Fürstenhäusern geschlossen, bei denen sich die Partner weder kannten noch liebten. Liebe, meine Kind, Liebe kommt erst später. Dann ist es die tiefe, echte Liebe, die alle Stürme des Lebens übersteht. Das ist unser Los, mein Kind!“

Sonja senkte tief das Haupt auf ihre Brust. Ihr Herz schlug schwer.

„Wir brauchen diese Verbindung. Wenn deine Mutter und ich einen Sohn gehabt hätten, dann wäre alles anders.“

Ihre Demut schnitt ihm ins Herz. Er stand auf und zog sie in seine Arme. Das schwere Haar streichelnd, versuchte er sie zu trösten.

„Mein liebes Kind, nimm es nicht so schwer!“

„Hast du Mutter auch erst später geliebt, Vater?“

Der Fürst ließ sie los und ging zum Fenster. Linde, weiche Sommerluft strömte in das Zimmer.

„Deine Mutter und ich, wir haben uns beim ersten Zusammentreffen sofort ineinander verliebt“, sagte er leise.

Prinzessin Sonja ließ traurig den Kopf sinken.

„Geh jetzt schlafen, Sonja, morgen sprechen wir noch einmal darüber!“ Er küsste sie und dann eilte sie fort.



2

Der Fürst sah seiner Tochter lange nach. Warum konnte sie nicht glücklich sein? Gerade sie, die soviel für das Land tat, ihm schon jetzt viel Arbeit abnahm? War sie dazu verurteilt, im privaten Leben unglücklich zu werden?

Er kannte den Prinzen von früheren Reisen nach Wolfhagen. Er war ein sympathischer junger Mann mit gutem Charakter, Manieren und außerdem ein hervorragender Reiter. Auch in der Politik zeigte er sich gut bewandert. Und dann war er von altem Adel.

Der Fürst stützte seine Hand auf die Tischkante und stand schwerfällig auf. Das Alter machte sich nun doch langsam bemerkbar. Auch wenn er es nicht wahrhaben wollte.

Sein Sekretär stand in der Tür. „Wollen Hoheit nicht endlich schlafen gehen?“

Fürst Nikolaus sah auf.

„Habe ich dir nicht gesagt, du sollst dich schon zur Ruhe begeben?“

Der Sekretär verneigte sich leicht. „Aber Hoheit hätten mich noch gebrauchen können.“

Sein Sekretär Ruppert von der Halde war schon lange bei ihm im Dienst, er liebte und verehrte ihn.

„Ich sehe schon, ich muss schlafen gehen, sonst kommst auch du nicht zur Ruhe!“

Die beiden Männer lächelten sich verstehend an. Alte Freundschaft, in der Jugendzeit geknüpft, verband diese beiden Männer. Ruppert war kein Diener des Fürsten, er war ihm Freund und Helfer in allen Lebenslagen.

Aus einem verarmten Grafengeschlecht stammend, trat er vor vierzig Jahren seinen Dienst bei Fürst Nikolaus an. Dafür schlug er sogar eine Ehe mit einer jungen, reichen Gräfin aus. Er wollte seinen Freund Nikolaus nicht verlassen. Und dies vergaß ihm der Fürst nie.

„Du hast die Prinzessin gesehen?“

„Ja!“

„Und was meinst du zu ihrem Aussehen?“

„Hoheit, sie sah so traurig aus. Und so müde! Sie ist noch so jung. Sie kennt genauso wenig Schonung wie Sie!“

„Glaubst du, dass die Prinzessin mit Prinz Christian glücklich wird?“

„Das ist schwer zu sagen, Hoheit!“

„Na, morgen wollen wir mehr darüber reden. Nun gehen wir lieber schlafen. Morgen auf dem Rosenfest müssen wir wieder das Tanzbein schwingen, Ruppert!“

„Sie, Hoheit, aber ich doch nicht mit meinen alten Knochen!“

Fürst Nikolaus hob den Finger. „Na, na, Ruppert, meine Knochen sind so alt wie die deinen. Was ich kann, das kannst du auch noch. Keine Müdigkeit vorschützen, Ruppert. Denke an die Feste, die wir beide schon miterlebt haben!“ Alte Kameradschaft leuchtete aus ihren Augen.

„Wenn Hoheit befehlen, werde ich auch tanzen!“

Nikolaus lachte herzlich. „Du Schurke, du weißt ganz genau, dass ich dir nicht befehlen kann, weil du dir nicht befehlen lässt!“

Ruppert grinste.

„Jetzt gehe ich schlafen. Ist das Feuer im Kamin gelöscht? Fürstin Isabella hat es nicht gern, wenn die Vorhänge Feuer fangen!“



3

Prinzessin Sonja lief die langen Gänge entlang. Sie hatte ja gleich gewusst, dass sie beim Vater nichts erreichen würde. Die Müdigkeit übermannte sie. Am liebsten wäre sie schlafen gegangen.

Aber seitdem sie das Gespräch der drei Hofdamen verfolgt hatte, fand sie keine Ruhe mehr. Dass ihre Schwester durch sie unglücklich werden sollte, nagte an ihrem Herzen.

Doch was sollte sie machen? Waren die Würfel nicht gefallen? Vielleicht gab es noch eine Möglichkeit. Sie musste mit Sybille sprechen. Diese konnte dem Vater doch soviel abschmeicheln. Wenn Sybille ihm ihre Liebe zu Prinz Christian gestand, konnte der Vater doch nicht so hart sein, einer Heirat nicht zuzustimmen. Außerdem war dann das Haus Schlierstein auch mit Wolfhagen verbunden. Und das war doch der Wunsch der beiden Fürsten.

Ja, so musste es gehen. Mit kleinen, hastigen Schritten lief sie weiter, vorbei an alten Ritterrüstungen und wertvoll geschnitzten Schränken.

Schloss Schlierstein war ein großes und geräumiges Schloss. Viele Fürsten hatten daran gebaut, abgerissen und verändert. Wenn sie einmal Fürstin war, wollte sie nichts mehr umbauen. Ihr gefiel Schlierstein so, wie es jetzt war.

Niemand sah sie, als sie die breite Marmortreppe hinaufhuschte. Die Gänge waren hier oben mit weichen Teppichen ausgelegt. Ihre Zimmer lagen im anderen Teil des Schlosses. Als zukünftige Herrscherin hatte man ihr den ganzen Ostflügel eingeräumt.

Die große Standuhr in der Haupthalle schlug gerade elfmal, als sie endlich vor der Tür ihrer Schwester anlangte. Ob Sybille noch wach war? Leise klopfte sie an der schweren Eichentür. Kein Laut war zu hören. Sie versuchte die Tür zu öffnen. Aber sie war verschlossen. Wie lange war sie schon nicht mehr hier oben gewesen. Entweder hielt sie sich in ihren eigenen Räumen auf, oder traf sich mit der Familie in dem Speisesaal oder der großen Wohnhalle.

„Sybille, bist du noch wach?“

Niemand meldete sich.

Sonja klopfte noch einmal, heftiger.

„Bitte, Sybille, mach doch auf!“

„Wer ist da?“, rief eine mürrische Stimme.

„Ich, Sonja.

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