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Eine Nanny zum Küssen

1. KAPITEL

„Hallo! Die Rettung naht!“

Phoebe Gilbert warf einen Blick auf die beiden Jüngsten im Raum und schloss sie auf Anhieb ins Herz. Max Saunders’ Söhne waren Prachtjungen. Obwohl der eine aus vollem Hals schrie und sich die Ohren zuhielt und der zweite mit den Füßen wütend eine Sessellehne bearbeitete.

Max brauchte wirklich Hilfe. Er stand mit dem Rücken zu ihr und hatte alle Hände damit zu tun, seine außer Rand und Band geratenen Jungen aus dem Sessel zu zerren. Deswegen überhörte er Phoebes Ankündigung auch.

Aber bei dem Lärm war das kein Wunder. Sie wich einem breit getretenen Müslikarton aus, stieg über eine bedauernswerte Topfpflanze hinweg, deren Topf in Scherben auf dem Boden lag, und ging weiter in den Raum hinein.

Noch während sie das Chaos betrachtete, verspürte sie auf einmal das merkwürdige Gefühl, nach Hause zu kommen. Sofort folgte ein scharfer Schmerz, denn es konnte ja nicht stimmen. In ihrem ganzen Leben hatte sie nirgendwohin gehört, auch nicht nach Mountain Gem.

Egal, dachte sie, das ist doch wohl inzwischen Vergangenheit, oder? Dieser Wunsch nach einer Familie …

Wünsch dir nichts, was du nicht haben kannst, lautete ihr Lebensmotto. Wer würde mit einer Frau wie ihr eine Familie gründen wollen? Ihre Mutter hatte sie nicht gewollt, ihr Vater auch nicht.

Phoebe zuckte mit den Schultern. Die Zeit im Waisenhaus lag lange hinter ihr. Ihr Vater hatte sich ihr gegenüber nur einmal anständig verhalten: als er sie mit elf Jahren ins Internat schickte.

Inzwischen war es zu ihrem Lebensinhalt geworden, Kinder zu betreuen. Diese Tätigkeit machte Phoebe viel Freude, auch wenn sie nie lange an einem Ort blieb. Nur wenn sie keine tiefen Bindungen entwickelte, konnte sie überleben. Sie liebte ihre Unabhängigkeit und war stolz darauf. Mehr brauchte sie nicht.

Vielleicht hingen diese ungewohnten Gefühle damit zusammen, dass sie sich früher immer als Eindringling gefühlt hatte, wenn sie nach Mountain Gem kam. Als Besucherin. Als Katherine Saunders’ verrückte Freundin. Von Katherines großem Bruder kaum geduldet. Da war es einfach gewesen, innerlich Abstand zu halten.

Aber heute war sie auf Max’ Bitte hier, um ihm zu helfen. Da sah die Sache schon ganz anders aus. Ja, das erklärte, warum plötzlich Gefühle an die Oberfläche drängten, die sie längst begraben geglaubt hatte. Entschlossen verscheuchte sie ihre Gedanken und konzentrierte sich auf die Gegenwart. Die war sowieso weitaus interessanter.

„Hallo, Max!“, rief sie diesmal lauter. „Ich habe angeklopft, aber ihr habt mich nicht gehört. Deshalb bin ich einfach reingekommen.“

Selbst von hinten betrachtet war Max beeindruckend: groß, dunkles Haar, breite Schultern, schmale Hüften und lange kräftige Beine.

Ihre Haut begann zu prickeln. Phoebe runzelte die Stirn. He, dieser Mann war Max, niemand sonst! Der Mann, der sie jedes Mal auf die Palme brachte, wenn sie sich begegneten. Warum reagierte sie plötzlich so auf ihn? Das war ihr noch nie passiert!

Schluss jetzt, ermahnte sie sich und holte tief Luft, um sich Gehör zu verschaffen. „Wie ich sehe, wollen die SaundersMänner den Blue Mountains wirklich etwas bieten. Zwei Vierjährige machen mehr Krach als eine ganze Kindergartengruppe! Beachtlich.“

Das half. Die beiden Jungen gaben einen Moment Ruhe. Max wirbelte herum. So schnell, dass sie die Bewegung kaum mitbekam. Als sie ihn ansah, setzte ihr Herz einen Schlag aus, dann begann es zu rasen.

Aufwachen, und zwar schnell!, rief sie sich zur Ordnung. Mit Anziehung hatte dies hier nichts zu tun. Sie stand unter Hochspannung, weil sie sich für eine Auseinandersetzung wappnete. Genau das war der Grund.

„Hallo, Max. Da bin ich. Bestimmt freust du dich.“

Aber er sah absolut nicht danach aus. Stattdessen erstarrte er förmlich.

„Phoebe?“

Das klang ungläubig. Seltsam, erinnerte er sich nicht mehr daran, dass es seine Idee gewesen war? Zwar durch Katherine übermittelt, aber dennoch …

Wahrscheinlich durfte sie keine allzu große Begeisterung erwarten, weil er sicher nicht gern eingestand, dass er Hilfe brauchte. Soweit sie wusste, war es das allererste Mal.

Und außerdem, in erster Linie half sie den Jungen, nicht Max. Katherine hatte bei ihrem Anruf aus den USA durchblicken lassen, dass Max nicht nur ziemlich überfordert sei, sondern sich auch noch so wenig wie möglich mit den beiden Kindern belasten wolle.

Das hatte ihr am meisten Sorgen gemacht.

Max starrte sie immer noch abweisend an.

„Ja, ich bin es“, sagte sie. „Höchstpersönlich.“ Angriffslustig hob sie das Kinn. „Ehrlich gesagt hätte ich angesichts der Umstände einen wärmeren Empfang erwartet.“

Schließlich war sie hier, um dem Chaos um ihn herum ein Ende zu bereiten. Dass er bei ihrem Anblick vor Erleichterung auf die Knie fiel, war wohl zu viel erwartet. Aber ein bisschen Höflichkeit statt der gewohnten Feindseligkeit wäre doch angebracht, fand Phoebe.

Mit anderen Worten, deine Hoffnungen sind wieder auf das realistische Maß zurechtgestutzt worden! Wann wirst du endlich klug?

Du kommst zu einem ungünstigen Zeitpunkt.“ Max fuhr sich durchs zerwühlte Haar. „Wie haben gerade eine kleine Meinungsverschiedenheit.“

Vertrautes, leicht gewelltes Haar. Und dass es sie schon immer in den Fingern gejuckt hatte, selbst einmal die Finger hineinzuschieben, bedeutete gar nichts. Schließlich konnte sie nichts dafür, dass sie Max anziehend fand. Noch ein Problem …

Die beiden Jungen legten wieder los. „Es scheint mir nicht die erste zu sein“, übertönte sie den Krach und deutete auf die grüne Masse, die auf seinem Hemd klebte. „Probleme beim Essen?“

„Es gab einige Unstimmigkeiten wegen des Speiseplans.“ Die Falte auf seiner Stirn vertiefte sich. „Falls du Katherine besuchen willst, bist du umsonst gekommen. Sie ist nicht da.“

„Das weiß ich.“ Sie schob die Unterlippe vor. Eine alte Angewohnheit, wenn sie nachdenken musste.

Was war mit Max los? Er wirkte völlig genervt. Dabei hätte er froh sein müssen, dass sie hier war.

Er zeigte auf die tobenden Jungen. „Wie du siehst, bin ich beschäftigt. Ich habe keine Zeit, mich um dich zu kümmern.“

„Wie meinst du das? Wieso solltest du dich um mich kümmern?“ Sie verstand gar nichts mehr. Max benahm sich, als hätte er sie hier überhaupt nicht erwartet. Aber Katherine …

Ein ungutes Gefühl beschlich sie.

„Katherine hat dir nicht erzählt, dass ich komme.“ Es war eine reine Feststellung. Kein Wunder, dass ihre Freundin am Telefon so zugeknöpft gewesen war. „Das Kindermädchen. Katherine hat dir nicht erzählt, dass ich das Kindermädchen für deine Söhne bin.“

Unter der Sonnenbräune färbte sich sein Gesicht rot. „Du hast mit Katherine den Plan ausgeheckt, Kindermädchen für meine Söhne zu spielen?“

Das war ja wohl der Gipfel! „Ich bin hier, weil ich um Hilfe gebeten wurde, Max“, sagte sie langsam und artikuliert, als würde das helfen. „Das ist etwas ganz anderes, oder?“

Eigentlich hätte sie sich auf der Stelle umdrehen und ihn seinem Schicksal überlassen müssen. Aber das konnte sie den Kindern nicht antun. Irgendjemand musste sie betreuen, und das war nun einmal ihr Beruf.

„Zufällig war es deine Bitte, Max“, unterstrich sie.

„Erstens bitte ich nie um etwas“, widersprach er barsch. „Und zweitens habe ich niemals den Wunsch geäußert, dass ausgerechnet du mir helfen sollst.“

So viel hatte sie inzwischen auch begriffen. Phoebe atmete tief durch. „Katherine hat mir einen ganz anderen Eindruck vermittelt. Sie sagte …“

„Erspar mir, was sie gesagt hat. Ich kann es mir denken.“ Sein Gesicht rötete sich noch mehr. „Ich werde ihr den Hals umdrehen.“

„Tu, was du nicht lassen kannst.“ Phoebe war keine dreizehn mehr. Und auch nicht mehr fünfzehn, sechzehn oder achtzehn. In all den Jahren hatten sie bei jeder Gelegenheit heftig diskutiert. Obwohl Max ihr nichts zu sagen hatte, hatte sie gekämpft. Darum, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen oder ihre Meinung zu politischen und wirtschaftlichen Themen zu äußern. Oder sich die Haare schwarz und orange zu färben. Irgendeine Auseinandersetzung lief immer, wenn sie sich begegneten.

Max war dreizehn Jahre älter als sie. Das hatte ihm eine Zeit lang einen Vorteil verschafft. Aber sie hatte inzwischen aufgeholt und gelernt, sich durchzusetzen.

Und sie würde Max nicht erlauben, so mit ihr umzuspringen. Auf keinen Fall würde sie sich geschlagen geben, bevor sie nicht einen Versuch unternommen hatte, Max umzustimmen.

Außerdem liebte sie diese Berge und die weitläufige Farm, die den Saunders’ seit Generationen gehörte.

Sie wollte sich nicht eingestehen, dass sie von Zeit zu Zeit einfach herkommen musste, nur um wenigstens ein bisschen das Gefühl von Heimat, von Zugehörigkeit zu spüren.

Hastig verscheuchte sie den Gedanken.

Wenn ihr diese Farm gehörte, würde sie sie selbst bewirtschaften und nicht durch einen Manager, der nicht einmal hier wohnte. Ihr Ärger wuchs.

„Wie laufen die Geschäfte?“, fragte sie spöttisch. „Hast du in letzter Zeit mal wieder eine Million gemacht?“ Max hatte mit der Danvers Corporation einen Deal abgeschlossen, dass Saunders’ Original-Schmuck über deren australische Juweliergeschäfte verkauft würde. Phoebe wusste es von Katherine.

Katherine hatte ihr auch verraten, dass Max in den letzten Monaten mehrfach mit Cameron Danvers’ Tochter Felicity ausgegangen war. Doch was geht mich das an?, fragte Phoebe sich.

„Da ich im Moment nur von zu Hause aus arbeiten kann, werde ich eine Videokonferenz ansetzen und meine Manager anweisen, dir Bericht zu erstatten“, gab er zurück. „Aus welchem Land hättest du ihn gern zuerst? Griechenland? Frankreich? Deutschland?“

Es klang ja fast so, als wäre es eine schwere Bürde, auf seine beiden Söhne aufzupassen.

„Weißt du was, Max? Eigentlich interessieren mich deine Geschäfte gar nicht.“

„Ach, du wolltest mich lediglich ein bisschen provozieren?“ Er lächelte kühl. „Das solltest du besser sein lassen.“

„Warum fühlst du dich gleich angegriffen, Max?“ Ruhig hielt sie seinem durchdringenden Blick stand. „Ich habe nur gesagt, was mir gerade durch den Kopf ging.“

„Bei dir kann das gefährlich werden.“

Die Bemerkung traf sie kaum. Zum einen, weil sie seine Spitzen gewohnt war. Zum anderen, weil er versuchte, dem wahren Thema auszuweichen. „Es gibt im Leben Wichtigeres, als Geld zu machen.“

Er funkelte sie an. „Besteht da ein Zusammenhang?“

Phoebe schnitt eine Grimasse. „Nun, du siehst aus, als könntest du tatsächlich Hilfe gebrauchen.“ Die Jungen brüllten und traten noch immer um sich. „Egal was Katherine uns vorgemacht hat – und ich betone, uns beiden –, eine Tatsache bleibt bestehen.“ Sie deutete auf ihn. „Du siehst aus, als hättest du eine Woche lang nicht geschlafen. Dein Haar ist zerzaust, du bist unrasiert, und du hast dich bekleckert. Das passt überhaupt nicht zu dir.“

Dass er trotzdem wahnsinnig gut aussah, musste sie ihm ja nicht auf die Nase binden. War es da ein Wunder, dass sie etwas Dampf abließ, indem sie ihn kritisierte? Diese widerstreitenden Gefühle machten sie noch wahnsinnig. Gut, dass sie nicht seinetwegen hergekommen war.

Mountain Gem lag mitten im australischen Outback, umgeben von Eukalyptusbäumen und niedrigen Sträuchern. Das alte Farmhaus vermittelte ein Gefühl von Beständigkeit. Das war es, was Phoebe herzog und sie hier binden konnte, wenn sie nicht aufpasste. „Nicht einmal ich sehe so schlimm aus, wenn ich mit meinen Kindern arbeite. Gib es doch zu, du brauchst mich hier.“

Ach, tat es gut, so etwas zu sagen. Wie schwer musste es ihm fallen, ihr recht zu geben …

„Was ich brauche“, kam die gepresste Antwort, „ist ein kompetentes erfahrenes Kindermädchen. Jemand, der mir hilft, meine Söhne an das Leben hier zu gewöhnen, und zwar schnell.“

„Zu deiner Information, ich bin kompetent. Du solltest meine Zeugnisse sehen. Ich habe in einer ganzen Reihe von Einrichtungen gearbeitet, und alle bis auf eine …“

„Ich muss zugeben, dass wir mehrere Kindermädchen in kurzer Zeit verschlissen haben“, redete er einfach weiter. „Diese Rabauken waren einfach zu viel für sie. Und keine von ihnen hatte große Erfahrung. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass du es länger aushältst als die anderen.“

„Du willst also, dass ich einfach wieder verschwinde?“

Max antwortete nicht sogleich, sondern starrte auf sein Hemd, zog es über den Kopf und knüllte es zusammen. Dann blickte er sie wieder an. In seinen Augen fehlte jede Wärme. „Freut mich, dass du mich verstehst. Da nun alles geklärt ist, begleite ich dich gern zur Haustür.“

Er trat einen Schritt vor, sichtlich entschlossen, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Seine Frechheit machte sie sprachlos. Leider auch der Anblick seines nackten Oberkörpers. Phoebe versuchte sich zusammenzureißen. „Du wirst mich nicht hinauswerfen. Ich gehe nicht.“

Sie unterstrich ihre Worte, indem sie ihm leicht auf die Brust schlug, um ihn zurückzuhalten. Als sie unter der Handfläche warme Haut spürte, wusste sie, dass sie einen Fehler begangen hatte.

Einen großen Fehler. Verlegen riss sie die Hand zurück. Sie spürte, wie ihr das Blut in die Wangen stieg, denn sie hatte Max als Mann wahrgenommen, fühlte sich von ihm angezogen. Jetzt wusste sie nicht, wie sie damit umgehen sollte.

Ignorier es einfach, sagte sie sich in der Hoffnung, dass es sich schon wieder geben würde.

„Ich werde bleiben und deinen Söhnen helfen.“ Sie straffte die Schultern und ging um ihn herum. „Ich habe im Sydney Platypus Daycare gearbeitet.“ Bis man mich hinauswarf, weil ich ständig eine eigene Meinung zu allem und jedem hatte. Aber das war auch das einzige Mal, dass mein Arbeitsverhältnis auf diese Art endete. „Glaub mir, weder kreischende und tobende Vierjährige noch ihre Väter schrecken mich im Geringsten. Du wolltest ein Aushilfskindermädchen, und hier hast du eins.“

„Was ich habe, ist mehr Ärger, als ich gebrauchen kann“, sagte Max mehr zu sich selbst.

Phoebe hörte es trotzdem. „Erzähl mir bloß nicht, dass der berühmte Maximilian Saunders sich von zwei kleinen Jungen und einem Kindermädchen aus dem Gleichgewicht bringen lässt.“

Er presste den Mund zusammen. Max war sauer, das sah man.

Geschieht ihm nur recht, dachte sie, das hat er sich selbst zuzuschreiben.

Geh zur Seite, Max, dann zeige ich dir, wie man es macht.

Außerdem brauchte sie den Job. Als Katherine sie anrief, war sie ziemlich knapp bei Kasse gewesen. So hatte sie ihre winzige Einzimmerwohnung aufgegeben und sich auf den Weg hierher gemacht. Es wäre ein denkbar schlechter Zeitpunkt weiterzuziehen.

„Ich habe einen Bärenhunger“, sagte sie mit erhobener Stimme, ohne seine beiden Söhne anzusehen. „Max, du hast doch bestimmt nichts dagegen, dass ich mir in der Küche ein saftiges Sandwich mache, doppelt belegt und mit so viel Soße, dass sie auf den Boden tropft?“

Max starrte sie entsetzt an, und die beiden Jungen horchten auf.

Phoebe rauschte an ihnen vorbei in die Küche und riss den riesigen Kühlschrank auf.

Der Anblick war erschreckend. Das Innere sah aus wie eine überfüllte Mülltonne. Und das ausgerechnet bei Max!

Sie durchforstete mühsam das Chaos und legte alles noch Essbare auf den schmalen Teil des Tresens, der nicht mit schmutzigem Geschirr überhäuft war. Die ganze Zeit redete sie über ihren Wahnsinnshunger, und wie sie sich darauf freue, endlich ein Sandwich in sich hineinzustopfen.

„Wahrscheinlich muss ich hinterher sogar wie ein Schweinchen aufstoßen“, trieb sie es auf die Spitze.

Max’ Söhne, die mit großen Augen und erfreulich still an der Tür standen, schoben sich nun herein, Schulter an Schulter, die Blicke fasziniert auf das riesige Sandwich gerichtet, das Phoebe geschickt zubereitete.

„Mmh, seit Urzeiten habe ich kein Monstersandwich mehr gegessen.“ Sie schnitt es in vier immer noch enorme Stücke, schob sich so viel wie möglich von dem ersten Stück in den Mund und kaute übertrieben begeistert drauflos. Es schmeckte alles in allem gar nicht schlecht, wie sie sich eingestehen musste. „Nun noch einen schönen großen Becher Milch!“

Da nur noch eine halb volle Flasche im Kühlschrank stand, griff sie nach einem Becher, der erstaunlicherweise sauber war, schenkte Milch ein und trank einen kräftigen Schluck.

„Das tut gut. Mein Bauch fühlt sich schon viel besser.“ Sie rieb ihn sich genüsslich. „Aber nicht jeder schafft so ein Monstersandwich. Nur tapfere Leute, die es mit Milch runterspülen, nach alter Monstertradition.“

Sie warf Max einen Seitenblick zu und hätte beinahe losgeprustet. Er schien ziemlich wütend zu sein. Begriff er denn nicht, was für ein Spiel sie hier trieb?

Da er keinen Ton sagte, musste es ihm die Sprache verschlagen haben. „Danke für das Essen, Max. Sicher hast du nichts dagegen, dass ich mich selbst bedient habe.“ Ohne sich vorher den Milchbart abzuwischen, grinste sie ihn an.

Gleichzeitig flehte sie ihn stumm an, nicht wieder alles zu verderben. Die Jungen waren kurz davor, ihren Widerstand aufzugeben. Sie fühlte es. Aber wenn Max sich einmischte, würde er alles kaputt machen.

Außerdem sollte er sich endlich ein Hemd anziehen. Wie konnte ein Mann sich ungeniert bewegen und gar nicht merken, welche Wirkung sein muskulöser nackter Oberkörper auf andere Menschen hatte?

Auf sie, zum Beispiel.

Damit sie nicht mit irgendetwas herausplatzte, was sie später bereuen würde, schob sie sich noch mehr von dem Sandwich in den Mund. Mit rollenden Augen sah sie in Richtung der Jungen, kaute und trank wieder aus dem Becher.

Jeden Moment würden die beiden ihre Zurückhaltung aufgeben und zulassen, dass sie ihnen half.

So wie sie sich bald wieder im Griff haben würde, damit sie nicht mit beiden Händen verlangend über Max’ breite Brust strich. Mit einem Sandwich wurde sie fertig. Aber Max hatte einen anderen Hunger in ihr geweckt, der sich nicht so leicht stillen lassen würde.

„Meinst du, wir könnten uns irgendwann auch einmal um meine Söhne kümmern?“

Max funkelte den Störenfried in seiner Küche ärgerlich an und fragte sich, wieso er Phoebe so heftig begehrte. Er wusste nicht, ob er ihr den Hals umdrehen oder sie küssen sollte! Dass sie ihn wütend machen konnte, war nichts Neues, aber das Verlangen, sie an sich zu reißen, ein Schock für ihn.

Das ist Phoebe!, sagte er sich. Die ungezähmte und unzähmbare beste Freundin deiner Schwester. Normalerweise knirschte er bei ihrem Anblick mit den Zähnen. Jetzt auch. Kein Wunder, so wie sie aussah!

In ihrer wilden Mähne waren Strähnchen in allen Schattierungen von blond bis goldbraun vertreten. Ein breites Stretch-Stirnband in schrillem Pink bedeckte den Haaransatz und betonte ihr schmales Elfengesicht. Aber ihr Kinn verriet, dass Max es mit einem willensstarken Menschen zu tun hatte. Nun, das wusste er auch so. Er kannte ihren ausgeprägten Willen, und sie hatte ihn damit immer wieder herausgefordert. Im Moment wölbten sich die schmalen Wangen von dem Sandwich, und Milch bedeckte ihre Oberlippe.

„Mmpf.“ Phoebe kaute und murmelte etwas, was sich anhörte wie: „Das tun wir doch.“

„Ich sehe das anders.“ Max’ Blick wanderte von ihrem Kopf tiefer zu ihrer Kleidung. Ihr Overall war grellrosa wie das Stirnband, sodass ihm fast die Augen tränten. Darunter trug sie ein grasgrünes T-Shirt. Höchstens Papageien trugen solche Farbkombinationen! Und Phoebe stand seelenruhig da, während sie ihm in aller Ruhe seine letzten Vorräte wegaß und seine Söhne hungrig zusehen mussten!

„Komm wieder runter, Max.“ Phoebe hatte den letzten Bissen hinuntergeschluckt und griff nach dem nächsten Stück.

Sie hatte behauptet, ihm helfen zu wollen. Was für ein Witz!

„Ich brauche eine Kinderbetreuung rund um die Uhr“, sagte er in einem Ton, der selbst in der Sahara hätte Eiszapfen sprießen lassen. „Nicht ein ausgeflipptes Wesen, das von Monstern faselt und meinen Jungen wahrscheinlich nachts die schlimmsten Albträume beschert.“

So ein Ärger hatte ihm gerade noch gefehlt. Er war für die Vaterrolle einfach nicht geeignet. Das hatte sich doch gezeigt, als er sich nach dem Tod ihrer Eltern um Katherine kümmern musste. Wenige Wochen später hatte ihn seine zwölfjährige Schwester angefleht, doch lieber wieder bis zum späten Abend im Büro zu bleiben. Und bei Josh und Jake lief es nun genauso schlecht.

Im Geldverdienen war er groß, aber als alleinerziehender Vater ein absoluter Versager. Je schneller er dafür sorgte, dass sich jemand um seine Söhne kümmerte, der etwas davon verstand, desto schneller konnte er wieder sein gewohntes Leben aufnehmen. Das wäre für alle Beteiligten besser.

Zuerst allerdings musste er dieses verfressene Monster namens Phoebe loswerden. Für einen Moment hatte er Schuldgefühle. Vielleicht war sie wirklich hungrig. Sie sah dünner aus als beim letzten Mal. Wann war das gewesen? Vor sechs Monaten? Hatte sie vielleicht nicht genug Geld, um sich etwas zu essen zu kaufen?

Er wurde wieder ärgerlich. Hatte er in der Vergangenheit nicht oft genug versucht, ihr zu helfen, damit sie finanziell abgesichert war? Mit dem Ergebnis, dass sie ihm seine Bemühungen förmlich um die Ohren haute?

„Was hat Katherine sich nur dabei gedacht, dich herzuholen?“

„Sie wusste, was du brauchst, weil sie einen klugen Kopf hat. Woran es dir im Augenblick zu mangeln scheint.“ Phoebe leckte sich mit der Zungenspitze die Milch von der Oberlippe.

Max spürte ein scharfes Ziehen in den Lenden. Das Gefühl kannte er. Aber warum er es ausgerechnet bei Phoebe empfand, war ihm ein Rätsel. Sie war nicht attraktiv. Unmöglich, dass sie ihn reizte.

Lügner, Lügner, höhnte seine Libido.

„Ich habe keine Angst vor Monstern.“

„Ich auch nicht.“

Josh und Jake wackelten auf ihren kurzen Beinen auf Phoebe zu, das Kinn mutig vorgestreckt.

„Ich esse gern Monstersandwichs.“

„Ich auch.“

Seine Söhne waren seit einer Woche hier. Seitdem hatten sie getobt, geheult, geschmollt und ein einziges Chaos angerichtet. Dass das Haus noch stand, war ein Wunder.

Phoebe mochte seine Söhne zum Sprechen bringen, aber ihre Methoden waren ausgesprochen ungewöhnlich und würden nur weitere Schwierigkeiten heraufbeschwören. Max musste den ungebetenen Gast schnell loswerden.

Er sah sie ungnädig an und deutete zum Wohnzimmer. „Wenn du mit meiner Küche fertig bist, müssen wir miteinander reden.“

„Später.“ Sie lächelte ihn an, aber ihre hellblauen Augen sprachen eine andere Sprache. „Man darf ein Monstersandwich nicht einfach herumliegen lassen. Es könnte aufspringen und weglaufen. Und wer weiß, was dann passiert.“

„Mach dich nicht lächerlich.“

Die beiden Jungen fingen an zu kichern.

„Ich esse es auf“, verkündete Jake.

„Ich auch“, stimmte Josh mit ein.

Augenblicke später vertilgten beide Kinder genüsslich ihre Sandwichstücke. Sie tranken brav jeder einen Becher Milch, während Phoebe nebenbei schmutzige Teller, Tassen, Becher und Besteck in den Geschirrspüler stellte.

Max stand wie angewurzelt da und konnte es nicht fassen.

Phoebe war erst wenige Minuten hier, und schon fraßen seine Söhne ihr buchstäblich aus der Hand. Ein mittleres Wunder. Wie war das möglich? Aber ihm blieb keine Zeit, sich darüber weiter den Kopf zu zerbrechen, denn Phoebe schnappte sich die beiden und setzte sich je einen auf die Hüfte.

„Bring bitte frische Schlafanzüge ins Badezimmer, Max.“ Weg war sie.

Als er wenig später mit den Pyjamas der beiden das Bad betrat, hatten sie schon Hände und Gesicht gewaschen, Zähne geputzt und waren bettfertig. Phoebe zog ihnen die Pyjamas an und ging, an jeder Hand ein Kind, ins Kinderzimmer.

„Ich werde im Zimmer neben euch schlafen, falls einer von euch schlecht träumt oder auf die Toilette muss.“ Phoebe gab beiden einen liebevollen Klaps und marschierte zur Tür. „Schlaft gut.“ Sie winkte den Jungen zu.

Im Hinausgehen streifte sie Max, und wieder durchzuckte es ihn heiß.

„Gleich fangen sie an zu brüllen“, erklärte er und wartete auf die gewohnten Wutschreie. Aber es blieb still.

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