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Eine Hand voll Glück

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VORWORT

Als ich drei oder vier Jahre alt war, bin ich am Wochenende morgens zu meinem Vater ins Bett gekrabbelt, damit er mit mir »Fahrstuhl« spielte: Ich setzte mich auf seine ausgestreckten Knie und er hob mich langsam nach oben, dazu improvisierte er die Ansagen aus dem Kaufhauslift: »Erster Stock, Herrenbekleidung, zweiter Stock, Spielwaren …« Ich erinnere mich noch heute, wie glücklich ich bei diesem harmlosen Spaß war.

Das ist ein einfaches Beispiel dafür, wie gut einem Rituale tun, also diese wiederkehrenden kleinen Erlebnisse, Handlungen, Gewohnheiten. Heute weiß ich, wie und warum sie so prima funktionieren: Wenn unser Gehirn etwas Angenehmes erwartet, produziert es unter anderem den Botenstoff Dopamin. Der fühlt sich so gut an, dass wir Menschen regelrecht süchtig danach sind. Wir freuen uns aufs Essen, aufs Trinken, aufs Kaufen bestimmter Dinge, auf Zärtlichkeiten, auf Wärme, auf Lob – oder eben aufs Fahrstuhlspielen im Schlafanzug.

Rituale gibt es in klein und groß, in religiös und weltlich: Taufe, Konfirmation, Hochzeit, Beerdigung genauso wie La Ola im Fußballstadion, Feuerzeug in der nach oben ausgestreckten Hand im Popkonzert. Rituale sind Erkennungszeichen: Junge Menschen begrüßen sich mit »Give Me Five«, ältere mit Handkuss. In Unternehmen ruft man sich ab etwa halb zwölf Uhr mittags »Mahlzeit« zu. In Süddeutschland sagt man »Grüß Gott«, im Rest des Landes »Guten Tag«.

Rituale bringen Struktur und Takt ins Leben. Rituale regeln menschliches Miteinander und drücken in vereinfachter Form Gefühle aus. Sie halten unsere Persönlichkeit zusammen und machen schlicht und ergreifend glücklich – nicht nur beim Fahrstuhlspiel.

Um Sie an diesem Glück teilhaben zu lassen, habe ich dieses Buch geschrieben. In diesem Sinne viel Freude und anregende Aha-Erlebnisse wünscht

Werner Tiki Küstenmacher

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KLEINE RITUALE
FÜR LEBENSKÜNSTLER

Rituale sind wie Pflöcke. Man schlägt sie ein in den Tag und in die Lebenszeit, um im Einerlei des Alltags nicht den Halt zu verlieren.

DIE FINGER ALS ERINNERUNGSZEICHEN

Jeden Morgen, wenn Sie aus dem Bett gestiegen und noch nicht wirklich wach sind, führen Sie unwillkür--lich ein paar Rituale durch. In der fast immer gleichen Reihenfolge erledigen Sie die notwendigen Tätigkeiten: Hände waschen, Zähne putzen, duschen, abtrocknen, Medikamente einnehmen, rasieren, Makeup und vieles mehr, damit Sie nichts vergessen.

In diesem Büchlein lernen Sie neue und alte Rituale kennen, die ein wenig wegführen von diesen profanen Alltagstätigkeiten. Mit ihrer Hilfe erinnern Sie sich an wichtige innere Einstellungen: dankbar sein, sich von anderen Menschen nicht herumschubsen lassen, zu den eigenen Stärken stehen und viele andere mentale Übungen, die Sie wirksam vor innerer Leere schützen.

Diese 50 Rituale sind aufgeteilt in fünf Themenbereiche, die die wesentlichen Grundideen für ein erfülltes und glückliches Leben abdecken: kurze Auszeiten, Loslassen, die eigene Mitte finden, Ziele anvisieren sowie Handeln und Dankbarkeit.

Wenn Ihnen beim Lesen eines der neuen Rituale einleuchtet und Sie es in Ihren Alltag einbauen möchten, ergibt sich häufig ein banales Problem: Sie denken nicht mehr daran. Ähnlich wie bei einem guten Witz: Wenn Sie ihn weitererzählen möchten, merken Sie, dass Sie ihn vergessen haben. Deswegen habe ich als Merkhilfe diese Themen verbunden mit den fünf Fingern: So können Sie sich im Notfall auch ohne dieses Buch – mithilfe Ihrer Hand – an die fünf Grundthemen erinnern. Das Verfahren hat sich schon im Mittelalter bewährt. Der belgische Mönch Mauburnus hat um 1500 herum einen »Handpsalter« entwickelt, mit dem sich zum Beispiel Martin Luther beim Beten die verschiedenen Schritte seiner täglichen Meditationsübungen gemerkt hat.

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Rituale lassen den Tag gelingen

Aber Rituale bedeuten keinesfalls, dass Sie Ihr Leben durchplanen und strukturieren wie einen Eisenbahnfahrplan! Im Gegenteil: Mit den in diesem Büchlein beschriebenen Erinnerungszeichen werden Sie Ihre Tage freier und kreativer gestalten. Sie werden ein Gefühl dafür bekommen, dass die vor Ihnen liegende Zeit ist wie eine leere Leinwand, auf der Sie Ihre unverwechselbaren, überraschenden und wunderschönen Lebenslinien malen werden.

Die ersten zehn Rituale kreisen um das Thema »kleine Flucht« und das heißt: Runter von den Schienen! Raus aus dem alten Trott! Also Zaunpfähle, die Sie ermuntern, über den Zaun zu klettern. Hinweisschilder, auf denen steht: »Schwimm mal gegen den Strom!« Kleine Strohhalme, an denen Sie sich aus dem Strudel des Gebrauchtwerdens retten können. Weil das Adjektiv »klein« bei dieser Aufzählung so oft vorkam, ist das Erinnerungszeichen dafür der kleine Finger.

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Rituale erleichtern Abschiede

In manchen Lebensabschnitten sind Rituale ganz besonders wichtig: Wenn ein Mensch seinen Wohnort wechselt oder seine Bezugsperson. Wenn er mit seinem Liebespartner zusammenzieht und von zu Hause weggeht. Wenn er die Schule verlässt oder das Unternehmen, bei dem er gearbeitet hat. Wenn ein Mensch stirbt. Das gemeinsame Thema dieser Situationen heißt Abschied. Das ist die ganz große Stunde für Rituale und wahrscheinlich entstanden die ersten Rituale bei solchen Gelegenheiten.

So schmerzlich ein Abschied auch ist, immer eröffnet sich danach etwas Neues. Eine Tür geht zu, eine andere geht auf. Der Ringfinger dient bei diesem Kapitel als Gedächtnisstütze: So wie ein Ring für Bindung und Verbindung steht, geht es um Abschiednehmen, Loslassen, Entrümpeln.

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Rituale geben dem Alltag Bedeutung

Als Willy Brandt 1970 in Warschau das Mahnmal für die Opfer des Ghettos besuchte, fiel er auf die Knie und tat mit dieser Geste mehr für die polnisch-deutschen Beziehungen als mit den Verträgen, die er danach unterzeichnete. Papst Johannes Paul II. hat bei seinen Reisen die orientalische Sitte wieder aufleben lassen, als Zeichen der Ehrerbietung vor den Bewohnern des Landes bei der Ankunft den Boden zu küssen. Der Inhalt seiner Predigten ist vergessen, an den Kuss auf dem Rollfeld erinnern sich die Menschen noch jahrzehntelang. Solche Rituale sind wie Ausrufezeichen, wie große Hinweisschilder: Schaut her! Das ist wichtig! Die eigene Mitte finden, die Mitte einer Familie, einer Gemeinschaft, einer Firma, eines Vereins. Um diesen Aspekt geht es bei den zehn Ritualen im mittleren Kapitel mit dem Erinnerungszeichen Mittelfinger: Rituale der Ruhe und Sammlung, Wahrnehmen statt Handeln, Hören statt Reden, Vorbereiten statt Starten. Unterscheiden zwischen wichtig und unwichtig, Hauptsache und Ablenkung, Sinn und Unsinn.

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Rituale geben Sinn

Das Gefühl der Sinnlosigkeit kann einen erwischen wie eine Erkältung. Plötzlich ist das Selbstverständliche nicht mehr selbstverständlich. Man fragt sich: Was soll ich tun? Wo soll ich hin? Was will ich eigentlich?

Dann ist die folgende Lebensweisheit wichtig: Sinn muss nicht groß sein. Er kommt oft verblüffend klein daher. Im Strudel der Orientierungslosigkeit suchen Menschen häufig nach der allumfassenden Antwort aller Antworten, nach dem großen Wohin und Woher des Universums. Sie halten Ausschau nach dem höchsten Lebensziel und dabei sind sie vor allem auf der Suche nach dem nächsten Schritt.

Da werden Ihnen die nächsten zehn Rituale helfen, die symbolisiert werden durch den Zeigefinger: eine Richtung sehen mitten im Meer der Möglichkeiten, einen Durchgang entdecken in der Mauer der Unmöglichkeiten, Sinn finden im wuseligen Alltag.

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Rituale führen in die Tiefe

Bleibt noch der Daumen. Der nach oben gereckte fünfte Finger signalisiert: Alles in Ordnung! Okay! Piloten zeigen ihn vor dem Start, um allen klar zu machen: Es kann losgehen! Nach gelungener kleiner Flucht und guter Rückkehr, erfolgreichem Loslassen, gefundener innerer Mitte und klar definiertem nächsten Schritt heißt es jetzt: Handeln!

Die letzten zehn Rituale sind entsprechend aktiv gestaltet. Darunter werden Sie ein paar Übungen finden zu einem weiteren Aspekt, der sich heimlich durch alle Rituale dieses Büchleins zieht: Dankbarkeit. Es gibt in unserem Kulturkreis keine Handbewegung dafür. Höchstens vielleicht den Händedruck: »Ich kann jetzt wieder etwas tun.« »Du hast mir Handlungsspielraum gegeben.«

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Entdecken Sie Ihre Rituale

Vielleicht finden Sie beim Lesen auf Anhieb ein paar Lieblingsrituale, bei denen Sie sich sagen: »Ja, das baue ich ab sofort in mein Leben ein!« Oder Sie ahnen bei dem einen oder anderen Ritual, dass es eines Tages für Sie wichtig werden könnte.

Ein neues Ritual in den Alltag einzubauen, kann einen wichtigen Wendepunkt in Ihrem Leben einleiten. Unser Dasein ist keine gerade Linie, sondern eher eine unregelmäßig geformte Welle, mit ruhigen Abschnitten und wild gezackten Etappen. Einige der hier vorgestellten Übungen sind gut geeignet, um besondere Herausforderungen besser zu überstehen. Andere sind dafür gedacht, damit Sie in allzu faden Zeiten wieder reizvolle Herausforderungen erleben.

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50 RITUALE
FÜR DAS TÄGLICHE GLÜCK

50 Rituale sind eine Menge. Doch es ist nicht so gemeint, dass Sie alle Rituale durchführen sollen.

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Viel Spaß!



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