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Eine Frau für gewisse Stunden

1. KAPITEL

Zacharie Deverell eilte durch den Krankenhausflur und steuerte zielstrebig auf die Schwester hinter dem Empfangstresen zu.

„Ich suche Freya Addison. Sie wurde anscheinend gestern hier eingeliefert“, erklärte er leicht ungeduldig. Der fremde Akzent war nicht zu überhören.

Dass die Schwester ihn stumm anstarrte, wunderte Zac nicht. Seit seiner Teenagerzeit schauten die Frauen ihm hinterher. Mittlerweile fünfunddreißig Jahre alt, mit einem atemberaubenden Aussehen und der Aura von Reichtum und Macht gesegnet, geriet er oft ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Wenn ihm danach war, antwortete er auf die neugierigen und bewundernden Blicke mit seinem umwerfenden Lächeln. Aber heute hatte er andere Dinge im Kopf. Schließlich gab es einen ganz bestimmten Grund für seine Anwesenheit. Je eher er Freya traf und ihr die Meinung sagte, desto besser.

„Ähm, Miss Addison.“ Hastig blätterte die Krankenschwester einen Stapel Patientenkarten durch. Ganz offensichtlich schüchterte sie der hochgewachsene, finster dreinblickende Franzose ein, der ein süßes kleines Mädchen auf dem Arm trug. „Oh, ja, da haben wir sie ja. Den Gang hinunter, die dritte Tür auf der linken Seite. Aber Sie können im Augenblick nicht hineingehen. Der Arzt ist gerade bei ihr. Bitte warten Sie noch eine Minute, Mr. …?“

Aber er ging schon den Gang entlang, und die Krankenschwester hetzte um ihren Tresen herum und rannte ihm nach.

„Deverell“, antwortete er kühl, ohne seine Schritte zu verlangsamen. „Mein Name ist Zac Deverell. Und es ist unumgänglich, dass ich Miss Addison sofort spreche.“

Freya saß in ihrem Krankenhausbett und betrachtete ihr verbundenes Handgelenk. Die letzten vierundzwanzig Stunden waren die reinste Hölle gewesen. Insgeheim hoffte sie, jede Minute aus diesem Albtraum zu erwachen. Doch die fürchterlichen Kopfschmerzen erwiesen sich leider als ebenso real wie die Schmerzen in ihrem verstauchten Handgelenk. Kein Wunder, nachdem ihr Wagen mit beträchtlicher Geschwindigkeit gegen den umgestürzten Baum geprallt war, der nach dem Gewitter auf der Straße gelegen hatte.

Das Unglück passierte auf dem Heimweg vom Yachtclub, wo sie als Empfangssekretärin arbeitete. Glücklicherweise hatte sie ihre kleine Tochter Aimee noch nicht aus der Krippe abgeholt. Freya selbst konnte froh sein, dass sie noch lebte. Mit Schaudern dachte sie daran, wie ihr Auto nach dem Totalschaden ausgesehen hatte. Und jetzt fiel sie auch noch bei der Arbeit aus, was ihre Finanzlage nicht gerade verbesserte.

Die letzte Nacht hatte sie wegen der Gehirnerschütterung im Krankenhaus verbracht. Und heute Morgen hatten die Ärzte ihr auch noch mitgeteilt, dass sie sich außer dem verstauchten Handgelenk mehrere Bänderrisse zugezogen hatte. Freya seufzte. Nun musste sie den Arm wochenlang in der Schlinge tragen. Sie bekam starke Schmerzmittel verschrieben und wurde offiziell entlassen. Also durfte sie in ihre kleine Dachgeschosswohnung zurückkehren.

Aber wie soll ich Aimee und den Kinderwagen nur mit einer Hand bis in den vierten Stock bekommen?, überlegte sie besorgt.

Es half nichts, sie musste ihre Großmutter um Hilfe bitten, so schwer ihr das auch fiel. Voller Unbehagen dachte Freya an ihre Kindheit bei Joyce Addison zurück.

Als Freyas Mutter damals weggegangen war, hatte die Großmutter ihre Enkelin bei sich aufgenommen. Zwar kümmerte sich Joyce pflichtschuldig um das kleine Mädchen, doch echte Zuneigung erfuhr Freya nie.

Später wurde aus dem schüchternen Mädchen ein rebellischer Teenager, was das Verhältnis noch weiter abkühlte. Bis Freya eines Tages schwanger wurde und der Kindsvater sie sitzen ließ. Da verkündete Joyce rigoros, dass sie weder Freya noch ihr Kind in irgendeiner Form unterstützen würde. Seitdem war der Kontakt zwischen den beiden Frauen fast vollständig abgebrochen.

Ganz bestimmt ärgerte Joyce sich maßlos, als das Krankenhaus ihr mitteilte, dass sie sich vorübergehend um Aimee kümmern müsste. Freya rechnete fast damit, dass ihre Großmutter bereits abends in der Klinik auftauchte, um das Kind sofort wieder loszuwerden. Aber die alte Dame hatte sich überhaupt nicht gemeldet, und allein das machte Freya zunehmend nervöser. Erwartungsvoll sah sie auf, als es klopfte, und ließ enttäuscht die Schultern sinken, weil nur eine junge Krankenschwester eintrat.

„Haben Sie denn schon etwas von meiner Großmutter gehört? Hat sie vielleicht angerufen?“, fragte Freya. „Sie kümmert sich nämlich um meine Tochter. Allerdings wollte sie irgendwann in den nächsten Tagen nach New York fliegen. Deshalb muss ich noch dringend mit ihr sprechen.“

„Soweit ich weiß, hat Ihre Großmutter sich nicht gemeldet. Aber Ihre Tochter ist schon im Krankenhaus“, erklärte die Krankenschwester fröhlich. „Der Onkel der Kleinen passt auf sie auf. Ich schicke ihn gleich zu Ihnen.“

„Onkel?“ Ratlos starrte Freya die junge Frau an. Aimee hatte keinen Onkel!

„Ja, ich habe Mr. Deverell gebeten, im Wartezimmer Platz zu nehmen, solange der Arzt bei Ihnen ist. Er kann es kaum erwarten, Sie zu sehen“, fügte sie trocken hinzu. Dieser Franzose mochte der aufregendste Mann der Welt sein und über einen unglaublichen Sex-Appeal verfügen. Aber der überhebliche Ausdruck in den blauen blitzenden Augen machte deutlich, dass Geduld nicht gerade zu seinen Stärken gehörte.

Die Schwester verschwand, bevor Freya ihr weitere Fragen stellen konnte.

Ich muss unter Halluzinationen leiden. Wahrscheinlich eine Nachwirkung des Unfalls, entschied Freya und fuhr sich mit zittrigen Fingern durchs Haar.

Der Name Deverell weckte schmerzhafte Erinnerungen in ihr. Zwei Jahre hatte sie verzweifelt versucht, ihn zu vergessen. Freyas Magen verkrampfte sich schmerzhaft. Konnte er wirklich hier sein? Nein, unmöglich! Die Krankenschwester musste sich irren. Aber wer war dann dieser mysteriöse Onkel, der sich angeblich um ihre Tochter kümmerte?

„Maman!“

Beim fröhlichen Ruf ihrer Tochter blickte Freya aufgeregt zur Tür. Dann sah sie Aimees kleines Gesicht, und grenzenlose Erleichterung erfüllte sie. Doch unmittelbar darauf wanderte ihr Blick höher und begegnete den kalten blauen Augen des Mannes, der ihre Tochter an der Hand hielt. Jener Mann, der sie seit zwei Jahren in ihren Träumen verfolgte.

„Zac?“, flüsterte sie fassungslos.

Zac Deverell, Geschäftsmann und Multimillionär, berüchtigter Playboy und obendrein Präsident des Deverell-Konzerns, der exklusive Einkaufszentren auf der ganzen Welt unterhielt. Seine enorme Präsenz erfüllte schlagartig den gesamten Raum. Er war noch eindrucksvoller, als Freya ihn in Erinnerung hatte. Mühsam zwang sie ihren leicht benebelten Geist dazu, seine Gegenwart am Fußende ihres Betts zu akzeptieren.

Sehr groß, schlank und äußerst attraktiv stand er dort. Die schwarzen Jeans und der Rollkragenpullover aus Kaschmir verliehen ihm ein sportliches und zugleich elegantes Aussehen.

Für ein paar kurze, unglaubliche Monate hatte sie uneingeschränkte Macht über diesen Körper besessen. Wann immer sie wollte, die warme seidige Haut gestreichelt, die festen Muskeln massiert oder mit den Fingerspitzen die Innenseite seiner Oberschenkel erforscht. Nur allzu lebhaft hatte sie auch jetzt noch in Erinnerung, wie es sich anfühlte, nackt unter ihm zu liegen. Haut auf Haut, so eng miteinander verschlungen, dass aus zwei Körpern einer wurde …

Freya holte tief Luft und sah Zac dann direkt ins Gesicht. Sie sah die ausgeprägten Wangenknochen und das energische Kinn. Und wie ihm das pechschwarze Haar aufreizend in die Stirn fiel. Seine Augen leuchteten in dem tiefen intensiven Blau eines mediterranen Sommerhimmels – genau wie bei Aimee.

Dieser Gedanke brachte sie ruckartig in die Realität zurück. Stirnrunzelnd bemerkte sie den glücklichen Gesichtsausdruck ihrer Tochter, während sie sich eng an ihren Vater schmiegte. Das war ein Bild, von dem Freya oft geträumt hatte. Aber selbst in ihrer wildesten Fantasie hätte sie nicht erwartet, es einmal wirklich vor sich zu sehen.

„Was tust du hier? Und seit wann bist du Aimees Onkel?“ Der Schock hatte ihr die letzte Kraft geraubt. Ihre Stimme klang dünn, die Worte kamen nur stockend.

Zac betrachtete sie wütend. „Es war einfacher, mich vor dem Krankenhauspersonal als Verwandter auszugeben. Oder hätte ich lieber erklären sollen, dass ich der Mann bin, dem du einst dein Kind unterjubeln wolltest?“, erkundigte er sich betont liebenswürdig. Ganz gleich, wie sehr es in ihm tobte, keinesfalls wollte er das kleine Mädchen auf seinem Arm durch laute Anschuldigungen oder einen aggressiven Tonfall erschrecken.

Freya lachte bitter. „Es ist die Wahrheit, Zac. Aimee ist deine Tochter.“

„Von wegen!“ Sein Tonfall blieb weiterhin liebenswürdig, doch mit einer schnellen Bewegung setzte er das kleine Mädchen auf dem Bett ab. Dann lächelte er Aimee beruhigend an und bemühte sich, seinen Zorn vor ihr zu verbergen. Das Kind trug schließlich keine Schuld. Im Gegenteil, sie sah mit ihren blonden Löckchen und den himmelblauen Augen wie ein kleiner Engel aus.

Ihre Mutter dagegen – das war eine ganz andere Sache. Freya hatte ihn belogen und betrogen. Und wenn sie in diesem Augenblick nicht so fürchterlich zerbrechlich ausgesehen hätte, würde er sie für ihre dreisten Manipulationsversuche am liebsten erwürgen.

„Das Ganze haben wir doch schon vor zwei Jahren zur Genüge diskutiert, Freya. Gleich nachdem du mir mitgeteilt hast, dass du schwanger bist“, erklärte er kalt. „Du magst deine Großmutter von meiner Vaterschaft überzeugt haben, aber wir beide wissen doch genau, dass es nicht stimmt, richtig?“

„Ich habe dich niemals belogen“, verteidigte sie sich. Die Verachtung in seinen Augen verletzte sie zutiefst. Den gleichen Gesichtsausdruck hatte er gehabt, als sie ihm anvertraute, dass sie ein Baby erwartete.

Der Schmerz in ihrem Herzen war während der letzten zweieinhalb Jahre nicht weniger geworden. Die seelischen Wunden schmerzten sie viel heftiger als die Verletzungen von dem gestrigen Autounfall. Das Wiedersehen mit Zac brach diese alten Wunden wieder auf. Und Freya wünschte inständig, er würde einfach wieder verschwinden, bevor sie sich die Blöße gab, vor seinen Augen zusammenzuklappen.

„Mir ist inzwischen egal, wie du darüber denkst“, behauptete sie und bemühte sich vergeblich, ein schmerzvolles Stöhnen zu unterdrücken. Denn Aimee krabbelte begeistert über das Bett zu ihrer Mutter und war dabei aus Versehen gegen deren geprellte Rippen gestoßen. „Ich habe zwar keine Ahnung, warum du hier bist, aber es wäre das Beste, wenn du jetzt gehst.“

„Glaub mir, ich bin nicht freiwillig hier“, gab er gereizt zurück. „Heute Morgen war ich im Londoner Büro von Deverell’s auf einer Pressekonferenz, um über die Rekordumsätze des Geschäfts in der Oxford Street zu berichten, als plötzlich deine Großmutter mit deiner Tochter auftauchte.“

„Vermutlich hast du diesen Zeitpunkt ganz bewusst gewählt, um den größtmöglichen Effekt zu erzielen“, fuhr er fort. „Ihren Vorwurf, Aimee sei mein Kind, haben nicht nur sämtliche Journalisten, sondern auch meine Angestellten gehört. Mittlerweile kennt auch der Vorstand die Gerüchte.“

„Aimee war in London? Das begreife ich nicht“, wunderte Freya sich laut. „Das Krankenhaus hat gestern bei Joyce angerufen, damit sie sich um Aimee kümmert. Wo ist sie denn jetzt?“

„Ich nehme an, sie überfliegt gerade den Atlantik, um ihre Kreuzfahrt anzutreten“, entgegnete er. „Sie beschwerte sich lautstark darüber, wie lange sie für diese Weltreise sparen musste. Und sie betonte, dass sie sich durch nichts und niemanden – nicht einmal durch deinen Krankenhausaufenthalt – davon abhalten lassen wird, sie anzutreten.“

Tiefe Falten legten sich auf seine Stirn, während er von der Konfrontation mit Joyce Addison sprach.

„Ich habe die Nase voll von verantwortungslosen Vätern!“, hatte sie ihm an den Kopf geworfen. Damit stellte sie eine Kinderkarre und eine große Tasche vor ihm ab, die nach ihren Angaben alle notwendigen Utensilien für ein achtzehn Monate altes Kind enthielt.

Aber nach einem kurzen Luftholen wütete sie noch weiter. „Ich musste schon Freya großziehen, nachdem ihre Mutter sich mit sechzehn von so einem dahergelaufenen Weiberhelden schwängern ließ. Dann verlor Sadie die Lust auf ihre Mutterrolle und ließ mich mit einem Kind sitzen, das ich nicht wollte. Und ich dachte, ich hätte Freya vor Kerlen gewarnt, die es einzig und allein auf ihr persönliches Vergnügen abgesehen haben.“

Während Joyce das sagte, musterte sie Zac von oben bis unten abfällig. „Nicht, dass ich sie nicht gewarnt hätte! Mir war sofort klar, was hinter deinem großzügigen Jobangebot auf deinem schicken Boot steckte. Offenbar ist es für euch beide nicht nach Wunsch gelaufen. Was für ein Pech! Aber jetzt ist es an der Zeit, dass ihr die Konsequenzen für euer Handeln übernehmt … alle beide!“

Sie stieß einen missbilligenden Laut aus. „Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie lange sie Freya im Krankenhaus behalten, und ich werde auch nicht hierbleiben, um es herauszufinden. Falls du dich nicht um Aimee kümmern willst, bring sie zum Jugendamt. Ich lasse mir jedenfalls nicht noch einmal ein Baby aufbürden.“

Natürlich zog dieser Auftritt die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich, obwohl vor allem Zacs Angestellte sich enorme Mühe gaben, um ihre Neugier zu verbergen. Trotzdem war das ganze unaussprechliche Szenario eine abgrundtiefe Blamage für ihn. Und es gab nur eine Person, die er dafür verantwortlich machen konnte.

„Spar dir dieses Unschuldstheater, Freya“, sagte er kühl. „Es liegt auf der Hand, dass du deine Großmutter angewiesen hast, Aimee zu mir zu bringen. Und nachdem ich Joyce nun kenne, verstehe ich dich sogar“, gab er widerstrebend zu. „Ich würde deiner Großmutter nicht einmal einen Hund anvertrauen, ganz zu schweigen von einem Kleinkind. Aber wenn das alles ein abgekartetes Spiel sein soll, um mir Geld abzuknöpfen, vergiss deine Pläne gleich wieder!“

Er funkelte sie böse an, und sein Ärger wuchs ins Maßlose, als er spürte, wie stark sein Körper immer noch auf Freya reagierte. Auf ihr süßes herzförmiges Gesicht und das verlockend seidige, honigblonde Haar. Damals waren sie nur drei Monate zusammen gewesen, aber selbst nach zwei Jahren erinnerte er sich noch an ihre endlos langen, schlanken Beine und die kleinen, herausfordernd runden Brüste.

Ganz zu schweigen von der hochexplosiven Leidenschaft zwischen ihnen, und der Gedanke daran erregte ihn spürbar. Vom ersten Moment an hatte er Freya damals begehrt, als sie sich der Crew auf seiner Luxusyacht The Isis angeschlossen hatte.

Auch die scheue, unschuldige Freya konnte ihr Interesse an ihm kaum verbergen, und Zac verlor keine Zeit, sie in sein Bett zu locken. Allerdings versetzte es ihm einen großen Schock, als er herausfand, wie unschuldig sie tatsächlich war.

Normalerweise bevorzugte er selbstbewusste und erfahrene Frauen im Bett – willige Partnerinnen, mit denen er sexuelle Erfahrungen austauschen konnte, ohne störende emotionale Verwicklungen.

Aber das Gefühl ihrer seidigen Schenkel, die sie um seine Hüften schlang, und ihr bezauberndes verführerisches Flüstern, wenn sie ihn anflehte, sie zu lieben, waren unwiderstehlich … Man konnte sie, ohne zu zögern, als aufmerksame Schülerin bezeichnen, und es hatte ihm die größte Freude bereitet, sie in die Geheimnisse der körperlichen Liebe einzuführen. Ihre schüchterne Art und die fehlende Erfahrung fand er erfrischend. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit bat er sie, in sein Penthouse einzuziehen.

Eine Entscheidung, die er später bitter bereute. Als Zac nämlich entdeckte, dass Freya hinter seinem Rücken mit einem anderen Mann schlief, verstieß er sie von einer Sekunde auf die nächste aus seinem Leben.

Sein Bett war allerdings nicht lange leer geblieben. Zacs immenser Reichtum sorgte dafür, dass sich permanent eine ganze Reihe schöner Frauen darum riss, als seine Geliebte aufzutreten.

Er dachte kaum mehr an Freya, seitdem sie wieder in England lebte. Umso mehr beunruhigte es ihn, dass die knisternde Leidenschaft zwischen ihnen so stark wie eh und je loderte.

„Ich habe meine Großmutter nicht gebeten, Aimee zu dir zu bringen“, erklärte Freya mit bebender Stimme. Sie konnte noch immer nicht fassen, dass Zac tatsächlich vor ihr stand. „Glaub mir, du wärst die letzte Person, an die ich mich wenden würde.“ Ihre grünen Augen funkelten – sie fühlte sich verletzt und war gleichzeitig unfassbar wütend.

Warum sieht er nur so traumhaft gut aus, dachte sie verzweifelt. Sie konnte ihren Blick kaum von der breiten muskulösen Brust losreißen, die sich durch das eng anliegende Hemd deutlich abzeichnete.

Zac mag umwerfend aussehen, aber er verhält sich nicht so, erinnerte sie sich dann energisch. Seine Arroganz und sein Zynismus hatten sie fast zerstört.

Ihr Körper jedoch reagierte weitaus weniger nachtragend. Trotz allem, was Zac ihr angetan hatte. Und nachdem er sie einfach hatte fallen lassen und ihr vorgeworfen hatte, sie wäre ein Flittchen, das zweigleisig fuhr.

Auch heute ließ er sie deutlich spüren, wie egal es ihm war, was sie von ihm hielt. Weshalb war er also hier? Und warum erinnerte sie sich noch an jeden kleinen Kuss, an das Gefühl seiner Hände auf ihrer Haut …

Krampfhaft bemühte sie sich, die Erinnerungen zu verdrängen. „Zugegeben, ich habe Joyce gesagt, dass du Aimees Vater bist. Ständig lag sie mir damit in den Ohren, und es ist nun einmal die Wahrheit, ganz gleich, was du denkst“, stellte sie klar. „Du bist der erste und einzige Mann, mit dem ich jemals geschlafen habe. Aber vermutlich hattest du deine Gründe, mir keinen Glauben zu schenken.“

Seine reglose Miene zuckte nicht einmal bei ihrem letzten Satz. „Und die wären, chérie?“

„Du hattest dich schon entschieden, unsere Beziehung zu beenden, bevor ich dir von meiner Schwangerschaft erzählt habe. Nach drei Monaten verlor ich eben den Reiz für dich. Streite das bloß nicht ab!“, setzte sie scharf hinzu. „Mir sind die Anzeichen aufgefallen, die Art, wie du dich wochenlang mental von mir zurückgezogen hast. Nur im Bett gab es noch echte Nähe, und selbst dort warst du zum Schluss ziemlich distanziert.“

„So schlimm kann es kaum gewesen sein“, bemerkte er ironisch. „Das hätte dein Verlangen gar nicht zugelassen. Oder was meinst du, Freya? Ich finde es immer noch erstaunlich, dass du genug Energie hattest, mit jemand anderem zu schlafen, nachdem du dich in meinem Bett regelmäßig verausgabt hast.“

Seine Grausamkeit traf sie mitten ins Herz, und Freya blinzelte hastig ihre aufsteigenden Tränen fort.

„Versuch nicht, deine Schuldgefühle auf mich abzuwälzen. Du wolltest mich loswerden, weil du Annalise Dubois zu deiner nächsten Bettgenossin machen wolltest. Da hätte eine Exfreundin, die ein Baby von dir erwartet, wohl kaum in deinen Lebensstil gepasst.“

„Genug“, brummte Zac und trat einen Schritt vor. Er nahm Aimee wieder auf den Arm, die entschlossen versuchte, vom Bett herunterzukrabbeln. „Du regst das Kind auf.“ Er setzte die Kleine vorsichtig auf den Boden und starrte sekundenlang gedankenverloren auf ihre hellblonden Löckchen, bevor er sich wieder an ihre Mutter wandte.

„Ich erwarte nicht das Geringste von dir“, behauptete sie ärgerlich. „Und ganz sicher kein Geld“, fügte sie mit einem Anflug von Verachtung hinzu. Schließlich wollte er weder sie noch Aimee.

Was auch vollkommen in Ordnung war. Freya kam prima ohne ihn zurecht. Doch sie wollte, dass er wenigstens die Tatsache akzeptierte, dass sie ihn niemals angelogen hatte. „Warum kannst du nicht ehrlich zu mir sein und zugeben, dass du mich loswerden wolltest?“

Als sie sich aufrichtete, öffnete sich leicht ihr dünnes Krankenhaushemd und gewährte Zac einen heimlichen Blick auf eine feste helle Brust. Zu seinem Entsetzen reagierte er so prompt auf dieses hocherotische Bild, dass eine Hitzewelle seinen ganzen Körper erfasste. Nur mit Mühe schaffte er es, Haltung zu wahren.

Immerhin hatte sie sich wie eine treulose Hure verhalten und zudem versucht, ihm das Kind eines anderen unterzujubeln. Wie erniedrigend, dass sie ihn trotzdem derart aus der Fassung brachte. Er wollte sie nicht begehren! Und sich nicht wünschen, mit den Händen durch ihr Haar zu fahren, ihren Kopf zurückzubeugen und die rosafarbenen Lippen so zu küssen, dass sie sich an die Leidenschaft erinnerte, die sie einst verbunden hatte.

Stattdessen zwang er sich, zum Fenster zu gehen und in den Regen zu starren. „Was weißt du schon von Ehrlichkeit, Freya?“, fragte er kalt. „Hast du wirklich geglaubt, ich erfahre nichts von deinen heimlichen Treffen mit diesem blutarmen Straßenkünstler Simon Brooks? Monaco ist nicht besonders groß, und Gerüchte verbreiten sich dort schnell.“

Er machte mit den Schultern eine für ihn typische Bewegung. „Die Nachricht, dass meine Geliebte mir Hörner aufsetzt, drang relativ schnell zu mir durch. Das hätte mich vielleicht noch amüsiert. Schließlich war es neu für mich. Aber dein Versuch, mir das Kind dieses Mannes anzuhängen, fand ich nicht mehr witzig, chérie.“

„Ich schwöre dir, ich habe nie mit Simon geschlafen“, verteidigte sie sich. „Der Bodyguard, den du mir an die Seite gestellt hast, hat an diesem Tag einen schrecklichen Fehler gemacht. Und nachdem du mir all diese fürchterlichen Dinge an den Kopf geworfen hast, konnte ich keinen klaren Gedanken mehr fassen.“

Damals war sie am Boden zerstört gewesen und hatte das Apartment verlassen, ohne überhaupt daran zu denken, sich zu rechtfertigen. So sehr hatte sie Zacs Vorwurf geschockt, sie hätte ein Verhältnis mit Simon. „Seitdem hatte ich viel Zeit, um über alles nachzudenken“, fuhr sie verbittert fort. „Inzwischen glaube ich zu wissen, was damals geschehen ist.“

Sie machte eine kurze Pause und sah Zac an. In ihrem Innern keimte ein kleiner Hoffnungsschimmer auf, als er stumm blieb. Es war das erste Mal seit jener schicksalhaften Nacht vor zwei Jahren, dass sie vernünftig miteinander sprachen. Zum ersten Mal hörte er ihr zu.

„Es stimmt, ich habe viel Zeit mit Simon verbracht. Aber er war nur ein Freund für mich, nicht mehr. Du hast ständig gearbeitet, und ich war einsam“, erklärte sie ruhig und dachte an den jungen Kunststudenten, mit dem sie sich während ihres Aufenthalts in Monaco angefreundet hatte.

Simon hatte die Mittelmeerküste bereist und sich seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf seiner Bilder verdient. Im Gegensatz zu Zacs glamourösen Freunden machte er auf Freya einen erfrischend natürlichen und sympathischen Eindruck, und sie genoss seine Gesellschaft sehr. „Wir waren kein Liebespaar, er war einfach jemand aus meiner Heimat, mit dem ich mich gut unterhalten konnte.“

„Dann hat Michel wohl gelogen, als er mir erzählte, er hätte dich und Simon Arm in Arm zu seinem Van gehen sehen?“, fragte Zac tonlos. „Sacrebleu! Ich habe ihn dafür bezahlt, auf dich Acht zu geben. Aber als er deine Jacke draußen am Van hängen sah und dann noch beobachten musste, wie du dich mit deinem zerzausten Künstler in den Kissen wälzt, wusste er nicht mehr, was er tun sollte. Als Voyeur wollte er schließlich nicht gelten“, sagte er angewidert.

„Er wollte dich nicht schutzlos allein lassen, aber auch nicht Zeuge deiner gymnastischen Übungen mit Brooks sein.

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