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Eine Braut für den Playboy-Prinzen?

1. KAPITEL

„Hast du eine Minute?“

Es kam nicht jeden Tag vor, dass Cameron Leandres von seinem Schreibtisch aufsah und Rowan Santiago, seinen Cousin und Prinzregenten von Tesoro del Mar, an der Tür seines Büros stehen sah.

„Selbstverständlich.“ Cameron konnte sich nicht vorstellen, dem Herrscher des Landes eine andere Antwort geben zu können. „Aber ich habe leider nicht viel Zeit. Gleich habe ich eine Besprechung mit dem Handelsminister von Ardena.“

„Diese Besprechung ist … verschoben worden.“

Cameron runzelte die Stirn. „Davon hat mir niemand etwas gesagt.“

„Ich habe gerade eben erst mit Benedicto Romero telefoniert.“

Also mit dem König von Ardena selbst, dachte Cameron verwundert und wartete stumm und besorgt darauf, dass sein Cousin fortfuhr.

„Er ist zornig wegen des Artikels in der heutigen Zeitung und droht, unser Handelsabkommen nicht zu erneuern“, sagte Rowan und warf die Zeitung auf Camerons Schreibtisch.

Das Foto und die Schlagzeile im Gesellschaftsteil von „La Noticia“ rangen um seine Aufmerksamkeit: „Schlägt Prinz Cameron eine weitere Kerbe in seinen Bettpfosten?“

Es war die Verhöhnung einer Schlagzeile, die vor nur wenigen Tagen veröffentlicht worden war: „Gewinnt Prinz Cameron neue Aufgaben zu seinen Ressorts dazu?“ Darin war angekündigt worden, dass man ihn zum neuen Handelsminister ernannt hatte. Was in diesem Artikel hier behauptet wurde, wollte Cameron lieber nicht wissen, aber automatisch begann er den kurzen Absatz schon zu überfliegen.

„Offenbar haben die neuen Verpflichtungen auf der politischen Bühne die gesellschaftlichen Aktivitäten des Prinzen nicht einschränken können. Er wurde gestern Abend im Klub Sapphire ausgemacht, wo er gewagte Schritte auf dem Tanzparkett unternahm – und mit der jüngsten Tochter des Königs von Ardena heftig flirtete.“

Cameron presste wütend die Lippen zusammen, um nicht laut zu fluchen. „Ich wusste nicht, dass sie die Tochter des Königs ist. Im Klub ist die Beleuchtung ziemlich … schummrig“, verteidigte er sich, wusste jedoch, dass seine Entschuldigung nicht weiterhelfen würde.

„Die siebzehnjährige Tochter des Königs.“

Cameron ließ den Kopf in die Hände sinken. Dieses Mal konnte er den Fluch nicht unterdrücken.

„Hast du mit ihr geschlafen?“, fragte Rowan unverblümt.

„Nein!“ Vielleicht hätte ihn diese Frage nicht schockieren dürfen, aber Cameron war dennoch entsetzt.

Zwar hatte er nicht erkannt, dass die junge Dame noch nicht volljährig war, aber es war ihm natürlich klar gewesen, dass sie sogar für einen ernsteren Flirt zu jung war. Zugegeben, er war in der Wahl seiner Gefährtinnen nicht immer besonders klug, aber er war sechsunddreißig Jahre alt und ließ sich längst nicht mehr so leicht durch einen anschmiegsamen Körper und ein einladendes Lächeln verführen.

„Ich war mit Allegra de Havilland dort“, erklärte er. Allegra war in den vergangenen sechs Monaten eine mehrmalige, wenn auch nicht die einzige Begleiterin gewesen. „Dieses Mädchen – sie hat übrigens nur erwähnt, dass sie Leticia heißt – kam mitten auf der Tanzfläche auf mich zu, während Allegra sich kurz frisch machen ging. Wir tanzten nicht einmal zwei Minuten lang. Dann kam Allegra zurück, und wir verließen gemeinsam die Party.“

Sein Cousin nickte. „Dann gibt es keinen Grund, weswegen diese Angelegenheit nicht geklärt werden sollte.“

Cameron wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Vor sechs Jahren war sein Cousin das Risiko eingegangen, ihn zum ersten Mal in sein Kabinett zu holen. Und das, nachdem ich alles in meiner Macht Stehende getan habe, um Rowans Position zu untergraben, dachte Cameron reumütig. Doch im Lauf der Zeit hatten sie allmählich Respekt voreinander bekommen. Er würde seinem Cousin ewig dankbar sein, weil er ihm die Chance gegeben hatte zu beweisen, dass mehr in ihm steckte.

Schließlich sagte er nur: „Ich bedaure, dass ich dieses Problem mit dem König verursacht habe.“

Rowan nickte. „Du musst besonders vorsichtig sein und dich immer daran erinnern, dass du dich als ein Mitglied des Königshauses und der Regierung ständig unter dem prüfenden Blick der Medien befindest.“

„Wünschst du meinen Rücktritt?“

„Nein. Bisher warst du ein Gewinn für die Regierung.“

Cameron atmete auf. „Soll ich mit dem König reden?“

„Nein“, sagte Rowan wieder. „Ich habe ihn zum Mittagessen eingeladen und hoffe, ihn besänftigen zu können.“

Schon die Vorstellung, was geschehen würde, sollte das seinem Cousin nicht gelingen, war beängstigend. Rowan war nicht für die Stellung des Regenten geboren worden, in der er sich jetzt befand, war aber ohne zu zögern eingesprungen, als Julian und Catherine, sein Bruder und seine Schwägerin, bei einer Explosion auf ihrer Jacht ums Leben gekommen waren und ihre unmündigen Kinder zu Waisen geworden waren.

Vielleicht hatte er damals mit Verärgerung auf Rowans Ernennung zum Prinzregenten reagiert, weil er sich selbst für mindestens ebenso fähig gehalten hatte. Aber inzwischen hatte er erkannt, dass er diese Verantwortung gar nicht wollte. Und Cameron bedauerte es, durch sein Verhalten die Aufgaben seines Cousins erschwert zu haben – so wenig es auch in seiner Absicht gelegen hatte.

„Ich habe mich mit ‚La Noticia‘ in Verbindung gesetzt“, fuhr Rowan fort. „Weil ich nicht verstehen konnte, wieso Alex eine solche Schlagzeile zugelassen hat, ohne uns wenigstens vorher zu warnen.“

Alex Girard war der Klatschkolumnist der lokalen Zeitung, dessen faire, objektive Berichterstattung ihm häufig Einladungen zum Palast und die Gelegenheit eingebracht hatte, exklusive Geschichten über die königliche Familie zu schreiben. Jetzt erst fiel Cameron auf, dass es Alex gar nicht ähnlich sah, ein Mitglied des Kabinetts anzugreifen.

„Wie sich herausstellte, hatte Alex nichts mit dem Artikel zu tun. Er ist für einige Wochen außer Landes, also wurde die Klatschspalte von einer anderen Journalistin übernommen – Gabriella Vasquez.“

Cameron hätte es wissen müssen. Nicht, dass sie ihn schon immer gehasst hatte. Es hatte vielmehr eine Zeit gegeben, da waren sie sich sehr nahe gewesen. Das allerdings, bevor sie die „Liebe Gabby“ geworden war und ihre eigene Kolumne dazu benutzt hatte, sowohl seinen Charakter als auch sein Verhalten zu verunglimpfen. Bisher waren ihre Anspielungen zwar unmissverständlich gewesen, doch ihre Anschuldigungen blieben relativ zurückhaltend. Jetzt hatte sie offenbar beschlossen, die Samthandschuhe auszuziehen.

Und er war gern bereit, es ihr nachzutun.

Gabriella war nicht sonderlich überrascht, dass sie ins Büro ihrer Ressortleiterin gerufen wurde, bekam aber leise Gewissensbisse, als sie sah, wie Allison Jenkins – eine ihrer ältesten und liebsten Freundinnen – sich die Stirn rieb, wie sie es oft tat, wenn sich ihre Kopfschmerzen bemerkbar machten.

„Du wolltest mich sehen?“

Allison sah auf. „Ich bin sicher, du weißt, warum.“

„Da diese Woche nichts besonders Weltbewegendes in der ‚Liebe Gabby‘-Kolumne steht, vermute ich, dass es um den Artikel in Alex’ Stadtbummel-Teil geht.“

„Möchtest du vielleicht auch eine Vermutung wagen, was die Anzahl der Telefonate angeht, die ich heute bekommen habe? Oder mit wie vielen E-Mails meine Mobilbox überflutet ist?“

Auch ihr eigener PC war so mit Nachrichten bombardiert worden, dass er abgestürzt war, aber das bekümmerte Gabriella nicht. Jeder wusste, dass das Zeitungsgeschäft in einer Krise steckte, da konnte nichts, das die Auflage erhöhte – wie es zum Beispiel ihr Beitrag zur Klatschspalte getan hatte – wirklich schlecht sein.

„Sei ein großes Mädchen und werde damit fertig“, schlug Gabriella gelassen vor. „Deswegen kriegst du doch das dicke Gehalt.“

Alli schüttelte den Kopf. „Es tut dir nicht einmal leid.“

„Warum sollte es? Ich habe nichts Unwahres geschrieben.“

„Du hast vielleicht einen internationalen Skandal heraufbeschworen“, warnte Allison.

„Ich war es ja nicht, die mit der unmündigen Tochter des Königs von Ardena enger als eng getanzt hat“, meinte Gabriella bissig.

„Sie haben nur getanzt. Es gibt nicht den geringsten Beweis dafür, dass da mehr gewesen ist.“

„Das habe ich auch nie behauptet.“

„Nein“, stimmte Allison zu. „Aber dein Artikel deutet an, der Prinz sei ein Verführer von Jungfrauen.“

Gabriella wusste, dass er einer war, aber sie hatte nicht die Absicht, das vor ihrer Chefin zuzugeben. „Königliche Schlagzeilen erhöhen die Verkaufszahlen“, erinnerte sie Allison.

„Und wir bekommen sehr viele Insider-Infos, weil wir uns große Mühe gegeben haben, gute Beziehungen zum Palast aufzubauen.“

„Glaubst du wirklich, dass irgendjemand im Palast den Artikel auch nur bemerkt hat?“

„Das glaube ich nicht, das weiß ich. Weil einer der unzähligen Anrufe, die ich heute erhielt, von Prinz Rowan höchstpersönlich kam.“

Gabriella schluckte. „Der Prinzregent hat dich angerufen?“

„Und er war in keiner guten Stimmung.“

„Dann entschuldige ich mich, dass ich dich in eine so unangenehme Situation gebracht habe, Alli. Aber ich kann mich nicht für meinen Artikel entschuldigen. Prinz Cameron nutzt seinen Titel und Charme aus, um Frauen in sein Bett zu locken, und unschuldige Mädchen sollten gewarnt werden.“

„Also gib eine öffentliche Erklärung ab, auf der dein Name steht – von mir aus auf einem Werbeplakat. Aber benutze nicht diese Zeitung für etwas, das mir ein persönlicher Rachefeldzug zu sein scheint.“

Gabriella zuckte leicht unter dieser Zurechtweisung zusammen, weil sie wusste, dass sehr viel Wahres an Allis Worten war. Als Alex Girard sie gebeten hatte, seine VIP-Seite zu übernehmen, während er im Urlaub war, hatte sie nur mit gemischten Gefühlen zugesagt. Viele Jahre lang hatte sie sorgfältig darauf geachtet, niemandem nahezukommen, der etwas mit der königlichen Familie zu tun hatte.

Ihr neuer Aufgabenbereich verlangte, dass sie zu ihnen ging, zu den Orten, die sie mit ihren Freunden und Bekannten frequentierten. Natürlich gehörte nicht nur die königliche Familie zu den VIPs des Landes, jeder wusste allerdings, dass die Santiagos und Leandres die wahren Berühmtheiten von Tesoro del Mar waren.

„Am Montag schrieb ich über ein Picknick des Prinzregenten mit seiner Familie am Strand. Am Dienstag berichtete ich über Prinzessin Mollys Buchveröffentlichung und ihre Lesung in der Bücherei. Gestern war ich vor der Stadt und interviewte die Hollywoodelite, die in San Pedro eine romantische Komödie dreht. Tatsächlich wollte ich gestern Abend gar nicht in den Klub Sapphire gehen, aber man gab mir den Tipp, dass ‚mehrere wichtige Leute‘ da sein würden. Also bin ich doch hingefahren.“

„Wer war außerdem da?“, wollte Alli wissen.

„Fast das ganze Aufgebot der Hollywoodgrößen“, gab Gabriella zu.

„Warum hast du dann keine Fotos von denen gemacht?“

„Weil ich schon während der Interviews einen Haufen Fotos gemacht hatte.“

Alli verbarg das Gesicht in den Händen. „Willst du, dass ich ein Magengeschwür bekomme?“

„Ich habe nur meinen Job erledigt.“

„Das hättest du auch getan, wenn du dich auf die Schauspieler konzentriert hättest – was sie trugen, was sie tranken, wer mit wem rumgemacht hat.“

„Und den Prinzen sollte ich einfach ignorieren?“, fragte Gabriella herausfordernd.

„Es hätte völlig gereicht, wenn du einfach Prinz Camerons Anwesenheit erwähnt hättest.“

„Der mit der Tochter des Königs zusammen war“, erinnerte Gabriella sie.

„Ich werde nicht nur ein Magengeschwür bekommen, sondern auch eine Kündigung“, sagte Alli resigniert. „Aber wenigstens wirst du mir Gesellschaft leisten, wenn ich meinen Job verliere.“

„Ich habe nichts falsch gemacht.“

„Erklär das bitte der Rechtsabteilung, wenn wir wegen übler Nachrede verklagt werden.“

„Es ist keine üble Nachrede, wenn es wahr ist“, meinte Gabriella trotzig.

„Aber die Wahrheit ist oft reine Ansichtssache, nicht wahr, Miss Vasquez?“

Gabriella erkannte diese Stimme selbst nach all den Jahren wieder – diesen weichen, verführerischen Ton hatte sie nie aus ihrem Gedächtnis streichen können. Unwillkürlich hielt sie den Atem an und drehte sich abrupt zur Tür um.

Cameron.

„Das wird ja immer besser“, sagte Alli, aber nicht so laut, dass der Prinz sie hören könnte.

Gabriella konnte einfach nicht den Blick von dem Mann nehmen, der am Türrahmen lehnte. Und sie konnte auch nicht leugnen, dass ihr Herz bei seinem Anblick wild klopfte, und während sie entschlossen war, sich kühl und gelassen zu geben, zitterten ihr die Knie.

Er hatte sich nicht sehr verändert. Sein Haar war noch immer dicht und dunkel. Auch die goldbraunen Augen, die schwarzen Wimpern und schön geschwungenen Brauen waren genauso, wie sie sie in Erinnerung hatte. Nur dass er die vollkommen geformten, verführerischen Lippen jetzt zu einer dünnen Linie zusammengepresst hatte – das einzige Zeichen seines Missmuts.

Zum anthrazitfarbenen Anzug und dem schneeweißen Hemd, das seine sonnengebräunte Haut betonte, trug er eine schwarz- und silbergemusterte Krawatte. Aber in seinem Fall war es der Mann, der die Kleider machte, und nicht umgekehrt, und das nicht nur, weil er der königlichen Familie angehörte, sondern weil er dieses Selbstbewusstsein ausstrahlte, das sie von Anfang an so angezogen hatte.

Erst bei näherem Hinsehen entdeckte Gabriella einige kaum merkliche Zeichen der Zeit – einige wenige graue Strähnchen an seinen Schläfen, Lachfältchen in den Augenwinkeln –, sicher nichts, das von seiner großartigen Erscheinung ablenken konnte.

Seine Schultern kamen ihr noch genauso breit und eindrucksvoll vor wie damals, sein Körper war genauso schlank und dennoch stark. Er hatte schon immer über sehr viel Selbstvertrauen verfügt und genau gewusst, was er wollte. Und nie hatte er sich von irgendetwas oder irgendjemand von seinem Weg abbringen lassen. Er war auch jetzt noch genauso unverschämt sexy und sah genauso verteufelt gut aus wie damals – sie hatte im Grunde von Anfang an nicht die geringste Chance gehabt.

„Könnten wir wohl in deinem Büro unter vier Augen miteinander reden?“, fragte Cameron sie in lässigem Ton, der ganz im Gegensatz zu der Wut stand, die Gabriella in seinen braunen Augen sehen konnte.

Unwillkürlich hob sie das Kinn. „Ich habe kein eigenes Büro. Nicht jedem wird ein überbezahlter Job praktisch in den Schoß gelegt.“

„Ihr könnt meins benutzen“, warf Alli hastig ein und durchbohrte Gabriella mit Blicken, bevor sie zur Tür eilte. „Ich muss sowieso zu einer Sitzung mit dem Leiter der Marketingabteilung.“

„Danke.“ Cameron neigte leicht den Kopf.

Gabriella hatte jedenfalls nicht die Absicht, ihrer Chefin zu danken. Sie fühlte sich alles andere als dankbar bei der Aussicht, in Allisons kleinem Büro mit einem Mann eingesperrt zu sein, dessen Gegenwart sie schon immer überwältigt hatte. Doch sie straffte die Schultern, erinnerte sich streng daran, dass sie keine Siebzehn mehr war, und bot ihm trotzig die Stirn.

In den sechzehn Jahren, die seit seiner kurzen Beziehung mit Gabriella Vasquez vergangen waren, hatte Cameron sie nicht vergessen können. Allerdings waren ihm viele Einzelheiten entfallen – und in diesem Moment strömten sie wieder mit einer Macht auf ihn ein, die es ihm schwer machte, gelassen zu bleiben.

Damals war ihr Haar eine einzige Masse wilder Locken gewesen, die ihr bis fast zur Taille reichten. Jetzt fiel ihre aufregende Mähne, die hier und da dunkelbraun in der Sonne aufleuchtete, ihr über die Schultern und umrahmte ihr vollkommenes Gesicht – die golden schimmernde Haut, die schokoladenbraunen Augen, die langen pechschwarzen Wimpern und die weichen, vollen Lippen, die einem den Himmel auf Erden versprachen.

Sein Blick glitt langsam tiefer zu ihren vollen Brüsten und der schmalen Taille bis zu den verführerisch gerundeten Hüften und den langen, schlanken Beinen. Es juckte ihn regelrecht in den Fingern, diesen vertrauten Körper zu liebkosen, wie er es vor so vielen Jahren getan hatte, und Cameron musste an sich halten, um dem Drang zu widerstehen, sie in seine Arme zu reißen.

Sogar noch mehr als ihr hinreißendes Aussehen hatten ihn allerdings Gabriellas Leidenschaft und Mut angezogen. Selbst wenn sie wusste, dass sie keine Chance hatte, gab sie niemals auf. Von Anfang an war sie eine Herausforderung für ihn gewesen – und eine unglaubliche Freude.

„Sechzehn Jahre sind eine lange Zeit, um noch immer nachtragend zu sein, findest du nicht?“, fragte er.

„Doch“, entgegnete sie leichthin. „Sicher wird es dir schwerfallen, es zu glauben, aber der Artikel ist nicht über dich.“

Er schnaubte nur ungläubig.

„Der ‚Stadtbummel‘-Teil der Zeitung berichtet über Berühmtheiten und Gerüchte über sie. Als ich dich im Klub mit Prinzessin Leticia sah, war es mir klar, dass die neue Romanze zwischen zwei Königshäusern eine großartige Schlagzeile abgeben würde.“

„Also ging es nur darum, möglichst viele Zeitungen zu verkaufen?“

„Das ist schließlich mein Job“, sagte sie freundlich.

„Und warum glaube ich dir nicht?“

Sie zuckte die Schultern. „Ich beantworte seit zwölf Jahren Briefe an den Kummerkasten von ‚La Noticia‘. Das könnte meine Ressortleiterin dir bestätigen, wenn du sie nicht vergrault hättest.“

Fast hätte er gelächelt, hielt sich aber zurück. „Vielleicht, weil deine Chefin vernünftiger ist als du.“

„Vielleicht.“

„Du glaubst nicht, dass ich dich feuern lassen könnte?“, forderte er sie leise heraus.

Sie ließ sich keine Wut anmerken, und auch ihre Antwort klang gelassen: „Ich bin sogar sicher, du könntest es, aber dann wäre ich gezwungen, gegen die rechtswidrige Kündigung vorzugehen. Viel zu viel Trara um einen kleinen Artikel.“

„Dieser ‚kleine Artikel‘ wird womöglich dazu führen, dass der König von Ardena ein Wirtschaftsabkommen beendet, das seit vielen Jahren zwischen unseren Ländern besteht.“

„Das wäre bedauerlich, aber kaum meine Schuld.“

„Du hast angedeutet, ich hätte seine Tochter verführt.“

„Und? Hast du’s?“ Sie hielt sofort abwehrend die Hände hoch. „Entschuldigung. Vergiss meine Frage. Ich möchte es nicht wissen, und es geht mich auch nichts an.“

Verärgert presste er die Lippen zusammen, doch bevor er etwas sagen konnte, kam ihm das Klingeln eines Handys zuvor.

„Einen Augenblick.“ Gabriella wandte sich ab und schaute auf das Display eines schmalen Handys, das sie die ganze Zeit in der Hand gehabt haben musste. Sie runzelte die Stirn, als sie den Anruf annahm. „Sierra?“

Er konnte nicht hören, was der Anrufer sagte, aber etwas Gutes konnte es nicht sein, denn Cameron sah Gabriella plötzlich blass werden.

Er war mehr als nur ein wenig verärgert über sie, gereizt über ihre abweisende Art und wütend über den Artikel, den sie geschrieben hatte. Warum störte ihn dann also der offensichtlich verängstigte Ausdruck in ihrem Gesicht?

Ihre Hände bebten leicht, als sie das Gespräch unterbrach. Der Anruf hatte sie erschüttert, das konnte sie nicht verbergen. Doch als sie ihn wieder ansah, schien sie völlig gefasst zu sein.

„So faszinierend unsere Unterhaltung auch gewesen sein mag“, sagte sie gelassen, „muss ich jetzt gehen.“

„Wir sind noch nicht fertig miteinander, Gabriella.“

Sie hob das Kinn mit einer Unverschämtheit, die ihn genauso ärgerte, wie sie ihn faszinierte. „Wenn du noch mehr Probleme mit der Arbeit hast, die ich mache, solltest du das am besten mit meiner Chefin besprechen.“

Da ihm nichts anderes übrig blieb, ließ er sie an sich vorbei und aus der Tür hinausgehen, und gab sich Mühe, die Enttäuschung darüber nicht zu beachten. Es hatte keinen Zweck, sich zu wünschen, er hätte vor sechzehn Jahren anders gehandelt, oder sich zu fragen, wie die Dinge jetzt stehen würden, wenn er es getan hätte. Ihm war schon sehr oft eine zweite Chance gegeben worden, er konnte nicht auch noch von Gabriella eine erwarten.

Warum nur hörte sie nicht auf, ihn in ihrer Kolumne ständig aufs Korn zu nehmen? Warum hatte sie einen Artikel geschrieben, mit dem sie garantiert seine Aufmerksamkeit erregen würde?

Ich habe nur meinen Job erledigt.

Er konnte ihre Worte noch hören und fragte sich, ob es wirklich nicht mehr als das war. Vielleicht wollte er aber auch nur glauben, dass sie ihn nie vergessen hatte – weil auch er sie nicht vergessen konnte.

Dabei waren sie nur wenige Monate zusammen gewesen, und obwohl er vor und nach dieser kurzen Affäre mit Gabriella viele Frauen gehabt hatte, war nur sie ihm nicht aus dem Sinn gegangen.

Sie war naiv und unerfahren gewesen, also überhaupt nicht sein Typ. Aber irgendetwas an ihrer Unschuld hatte ihn gerührt, ihre Unverdorbenheit und Süße hatten ihn in ihren Bann gezogen.

Allerdings war sie nicht auf die gleiche Weise von ihm verzaubert gewesen. Die meisten Frauen hatten mit ihm zusammen sein wollen, weil er ein Prinz war, doch sein Titel schien Gabriella immer eher eingeschüchtert als beeindruckt zu haben. Von Anfang an hatte sie ihn auf Abstand gehalten. Er gehörte jedoch nicht zu den Männern, die sich leicht von ihrem Ziel abbringen ließen – ein Aspekt seiner Persönlichkeit, der sich in den vergangenen sechzehn Jahren nicht geändert hatte.

Nein, Gabriella, dachte er auf dem Weg zur Tür. Wir sind noch lange nicht fertig miteinander.

2. KAPITEL

Gabriella zitterte noch immer am ganzen Leib, als sie das Gebäude verließ und in den strahlenden Sonnenschein hinaustrat. Sie wusste aber, dass nicht nur Sierras Anruf dafür verantwortlich war. Jede Mutter würde in Panik geraten, wenn sie erfuhr, dass ihr Kind im Krankenhaus lag, aber als Gabriella die Stimme ihrer Tochter gehört hatte, war sie ein wenig beruhigt. Also setzte sie sich in ihr Auto und fuhr in einem vernünftigen Tempo zum Krankenhaus.

Während der Fahrt versuchte sie, Cameron Leandres aus ihren Gedanken zu streichen, doch gelingen wollte es ihr trotz ihrer Sorge um Sierra nicht. Zu sehr machte ihr ein sechzehn Jahre altes Geheimnis zu schaffen.

Es war ihre eigene Schuld. Sie hätte wissen müssen, dass es nicht ohne Folgen bleiben würde, wenn sie darauf bestand, ihn ständig in ihren Artikeln zu verhöhnen. Aber sie war so lange so wütend auf ihn gewesen, und als sie neulich im Klub zum ersten Mal nach so vielen Jahren wieder in seiner Nähe gewesen war, hatten die widersprüchlichsten Gefühle sie überwältigt. Und dann hatte sie ihn mit der jungen Prinzessin von Ardena tanzen sehen und den Blick in den Augen des Mädchens wiedererkannt, mit dem Leticia den Prinzen angehimmelt hatte – weil sie selbst früher genauso zu ihm aufgeblickt hatte.

Eine kurze Zeit hatte auch Cameron sie auf eine Weise angesehen, als wäre sie für ihn das Wichtigste auf der Welt, und sie hatte sich von ihm täuschen lassen. Sie hatte sich eingeredet, er wäre wirklich in sie verliebt. Allerdings war sie nicht die Erste, die diesen Fehler begangen hatte, und würde wohl auch nicht die Letzte sein. Nur dass dieser Gedanke ihren Kummer nicht im Geringsten mildern konnte.

Das alles war sehr lange her. Gabriella war über ihn hinweg, ganz und gar. Ihr Herz hatte zwar einen Sprung gemacht, als sie ihn vorhin an der Tür zu Allisons Büro entdeckt hatte, aber das war ja nicht erstaunlich. Er war noch immer ein sehr attraktiver Mann. Jede Frau hätte auf dieselbe Art reagiert. Tatsächlich würde sie wetten, dass selbst Allis zynisches Herz etwas schneller geschlagen hatte.

Gerade als sie auf den Parkplatz des Krankenhauses fuhr, meldete ihr Handy eine SMS. Gabriella parkte und blickte auf das Display.

Wo bist du? Noch mit dem Prinzen? Muss schon sagen, zwischen euch scheint es ja ganz schön zu knistern.

Gabriella unterdrückte ein Stöhnen. Alli würde wohl nicht so schnell locker lassen.

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