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Ein verführerisches Angebot

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Sharon Kendrick

Ein verführerisches Angebot

Die blutjunge Engländerin Victoria stammt aus einfachen Verhältnissen. Doch der griechische Reeder Alexei verliebt sich auf den ersten Blick in sie, als er ihr begegnet. Er heiratet sie sogar gegen den Willen seiner Familie. Aber die Ehe scheitert: Victoria fühlt sich einsam im fernen Griechenland und flieht nach England. Alexei sieht sich betrogen um sein Glück. Bis er nach Jahren endlich die Chance bekommt, Victoria noch einmal wiederzusehen. Und diesmal zu seinen Bedingungen…

1. KAPITEL

Im Konferenzraum des gigantischen Schifffahrtsunternehmens lehnte sich Alexei Christou in seinem Chefsessel zurück und schloss genießerisch die Augen, während die schöne Brünette sich kniend an seiner Hose zu schaffen machte.

Ein Stöhnen kam über seine Lippen, und er gab sich den Wonnen hin, die ihm die eifrige junge Frau bescherte. Just in diesem Moment klingelte das Telefon. Ungläubig presste er die Lippen zusammen und versuchte, das Geräusch zu ignorieren. Doch vergeblich.

„Was zum Teufel gibt es?“, rief er erbost in den Hörer. „Hatte ich nicht klar und deutlich gesagt, dass ich unter keinen Umständen gestört werden will?!“

Am anderen Ende hüstelte sein Assistent nervös. „Verzeihen Sie, Kyrios Christou, aber in diesem Fall dachte ich …“

„Was?“, zischte Alexei ungehalten.

„Ich habe … Ihre Frau in der Leitung.“

Einen Moment herrschte Schweigen.

„Meine Frau?”, wiederholte Alexei, und die Brünette hob erschrocken den Kopf.

„Ja, Kyrios, was soll ich ihr sagen?“

Dass er sie für eine herzlose untreue Hexe hielt? Dass sie der größte Fehler war, den er in seinem Leben gemacht hatte, und dass er sich diesen Fehler nie verzeihen würde.

Alexeis Augen verengten sich. Sicher bezog sich dieser Anruf auf den Brief, den er aus England erhalten hatte, und daher kam er nicht gänzlich unerwartet. Dennoch war es erstaunlich, nach sieben Jahren überhaupt noch einmal von ihr zu hören. Von der Frau, die Alexeis Herz und seine Seele zerrissen hatte. Der Frau, die ihn erst umgarnt und dann schamlos betrogen hatte. Jetzt war Alexeis Aufmerksamkeit voll da.

Er gab der Brünetten ein Zeichen innezuhalten. Nur einen Moment. Sich bei einem solchen Gespräch von den schönen Dingen des Lebens ablenken zu lassen, wäre nicht klug. Andererseits war es sicher eine gelungene Rache, wenn sie mitbekäme, was er tat. Oder würde es ihr gar nichts mehr ausmachen?

Doch Alexei widerstand der Versuchung. Nicht ohne Grund entsagten erfolgreiche Schlachtherren vor dem Kampf der Liebe. Sex schwächte selbst die stärksten Männer, und Alexei gestand sich keine Schwächen zu. Nicht mehr, seit ihn die Betrügerin, die er einst seine Frau genannt hatte, wegen eines anderen verlassen hatte.

„Stell sie durch“, sagte er.

In ihrem kleinen Londoner Apartment wartete Victoria darauf, mit Alexei verbunden zu werden. Nervös spielte sie mit der Telefonschnur. Mit jeder Sekunde fühlte sie sich unbehaglicher. Sie hasste das alles, aber vielleicht war sie ihm gegenüber ja inzwischen immun. Immun gegenüber seiner männlichen Ausstrahlung und seinen unrealistischen Ansichten über sie als seine Ehefrau. Seine Frau war sie sowieso nur noch dem Namen nach, und auch das war hoffentlich bald vorbei. Sie wollte sich aus dem goldenen Käfig der Ehe mit dem grandiosen Griechen befreien. Alexeis Meinung war nicht länger von Bedeutung. Von nun an sollte er keine Rolle mehr in ihrem Leben spielen.

Bleib einfach bei den Fakten, ermahnte sie sich und starrte auf den immer größer werdenden Packen Rechnungen. Stell deine Forderungen, sag klar und deutlich, was du willst, und mach dem Ganzen rasch ein Ende. Ihr Verstand war ruhig und kühl, doch ihr verräterisches Herz schlug schneller, und unwillkürlich brach ihr der Schweiß aus.

Endlich hörte sie ein Klicken in der Leitung und dann seine kalte Stimme. „Ja?“ Eine vertraute gefährliche Stimme, die einst ihre Haut zum Kribbeln und ihren Puls zum Rasen gebracht hatte. Immun? Victoria schluckte. Von wegen.

„Hallo, Alexei.“

Beim Klang ihrer weichen englischen Stimme funkelten seine schwarzen Augen. Er versuchte, seiner Stimme den neutralen Ton zu verleihen, den er jedem beliebigen Gegner entgegenbrachte. Doch es fiel ihm schwer. „Du bist es also. Was willst du?“

Kein ‚Hallo, Victoria, wie geht es dir?‘. Nicht einmal der Versuch einer höflichen Begrüßung nach den Beschimpfungen, die er ihr bei der letzten Begegnung an den Kopf geworfen hatte … Ganz gewiss würde er es ihr nicht leicht machen. Sie musste mit einem harten Kampf rechnen. Energisch straffte Victoria die schmalen Schultern.

„Ich … ich muss mit dir sprechen.“

„Wie faszinierend.“ Das klang gefährlich leise. „Worüber möchten Madame denn mit mir sprechen, wenn ich fragen darf?“

Victoria schloss die Augen und dachte an die Worte ihrer Anwältin.

Wenn Sie eine glatte Abwicklung der Scheidung wünschen, sollten Sie vorsichtig vorgehen, Mrs. Christou. Ihr Mann hat die Oberhand, nicht weil er im Recht ist, sondern weil er wohlhabend ist. Sehr wohlhabend.

Natürlich war er reich. Und reiche Männer gewannen immer, denn sie konnten die besten Anwälte bezahlen und sich einen langen Atem leisten. Victoria wollte keine Schlammschlacht um jeden Preis, sondern einfach nur ihr Recht. Als seine Frau hatte sie bei der Scheidung ein Recht auf Unterhalt oder eine Abfindung. Also musste sie vorsichtig sein …

Sie zwang sich, die Augen wieder zu öffnen, und sah aus dem Fenster. Immerhin war sie weit genug entfernt, um sich einzureden, sie spreche nur mit einem Anrufbeantworter und nicht mit dem charismatischen Griechen, den sie einst geheiratet hatte.

Dennoch blieben ihr die Worte, die sie sich überlegt hatte, im Hals stecken. Zögerte sie, weil sie sich dann eingestehen musste, dass es wirklich vorbei war? Warum an einer schlechten Ehe festhalten, die sowieso nur noch auf dem Papier bestand? Bei einem Fremden wäre sie über eine solche Unhöflichkeit einfach verärgert gewesen, hätte sich diesen Ton verbeten und wäre dann zum Punkt gekommen. In diesem Fall jedoch kam beim Klang seiner Stimme völlig unerwartet wieder die ganze Vergangenheit ans Licht und stürzte sie in ein Gefühlschaos, mit dem sie überhaupt nicht gerechnet hatte.

„Ich …“

„Victoria, du machst einen recht nervösen Eindruck.“

Er machte sich über sie lustig. „Nervös nicht gerade“, berichtigte sie ihn. „Eher aufgeregt. Wir haben so lange nicht miteinander gesprochen.“

„Das ist wahr.“ Als die Brünette ihn aufreizend streichelte, unterdrückte Alexei ein Stöhnen. Er versuchte, das Bild von Victoria aus seinen Gedanken zu verdrängen. Er wollte nicht daran zurückdenken, wie er sie nach allen Regeln der Kunst in die Liebe eingeführt hatte. Wie wunderbar sie damals harmoniert hatten. Allein bei dem Gedanken daran bekam er eine Gänsehaut.

„Alexei?“

Die Stimme am anderen Ende der Leitung holte Alexei in die Wirklichkeit zurück. Mit einem leisen Stöhnen schob er die junge Frau zu seinen Füßen beiseite. Sie zog einen Schmollmund, als er den Kopf schüttelte.

„Alexei?“ Victoria runzelte die Stirn. „Bist du noch da?“

„Sicher.“ Er lächelte der Brünetten verschwörerisch zu. „Aber ich bin beschäftigt.“

Also war alles beim alten. Alexei Christou, der Mann, der mit seinem unfehlbaren Tunnelblick nur den Erfolg der eigenen Firma im Visier hatte, durfte nicht mit anderen Dingen behelligt werden. Von seinem Erfolgsstreben berichteten die Zeitungen fast wöchentlich. Victoria selbst hatte diesen Ehrgeiz lediglich im Anfangsstadium erlebt. Damals war eben dieser Ehrgeiz der Grund für ihre Trennung gewesen.

„Was willst du?”, wollte Alexei ungeduldig wissen und schüttelte erneut den Kopf, als die Brünette Anstalten machte, sich selbst zu streicheln. Warte, flüsterte er tonlos. Erneut zog sie einen Schmollmund.

„Wir müssen ein paar Dinge besprechen. Hast du meinen Brief erhalten?“

„Welchen Brief? Ich bekomme viele Briefe. Du wirst meine Erinnerung also auffrischen müssen, Victoria. Was stand drin?“

Lass dich nicht einschüchtern. Du bist keine neunzehn mehr. Du bist eine unabhängige Geschäftsfrau, wenn auch derzeit nicht besonders erfolgreich …

„Du weißt genau, was darin steht. Es ist ein Brief meiner Anwältin. Ich möchte die Scheidung.“ Sie atmete tief durch. „Das zu ignorieren, nützt nichts. So funktioniert das nicht, Alexei.“

„Du willst die Scheidung?“ Er lachte. „Und wie kommst du darauf, dass ich da mitspiele?“

„Mitspielen?”, wiederholte sie. „Das hängt nicht von deiner Kooperation ab. Du hast keine Wahl.“

Sie hatten jung geheiratet. Alexei hatte gerade erst das Studium beendet, doch mittlerweile war er ein erwachsener Mann. Es gab nicht viele Menschen, die so mit ihm sprachen, wie Victoria es wagte. Während ihm die Zornesröte ins Gesicht stieg, prickelte seine Haut erregt. War es nicht immer köstlich gewesen, mit ihr hitzige Diskussionen zu führen? Früher hatte er sie nie besiegt. Diesmal jedoch verdiente sie es. Die Frau, die ihm Hörner aufgesetzt hatte!

„Es gibt immer Auswege, meine Liebe. Woher übrigens die plötzliche Eile? Sieben Jahre lang hat es dich nicht gestört, an mich gebunden zu sein. Hast du dich entschieden, erneut zu heiraten?“ Er sagte etwas Barsches auf Griechisch, bei dem die Brünette zusammenfuhr. „Willst du deinen Liebhaber heiraten?“ Dabei sprach er das Wort Liebhaber so aus, als hätte es ganz und gar nichts mit dem Gefühl Liebe zu tun. Es klang schmutzig und verächtlich.

„Willst du darum die Scheidung, Victoria? Um dem Mann zu gefallen, der in meine Fußstapfen getreten ist? Ist es noch derselbe, mit dem du mich damals betrogen hast? Der, dem du dich hingegeben hast, obwohl wir kaum ein Jahr verheiratet waren?“

Victoria wurde übel. Es war sinnlos, ihn zurechtzuweisen und seine Worte zu korrigieren. Als ob irgendjemand ihn ersetzen könnte. Doch schon damals waren ihre Unschuldsbeteuerungen auf taube Ohren gestoßen. Und das wäre heute nicht anders. Außerdem sah sie es nicht ein, sich vor ihm zu rechtfertigen. Sie war eine erwachsene Frau, und er benahm sich wie ein gekränktes Kind, dem man sein Spielzeug weggenommen hatte.

Das Bild von ihr, an dem Alexei so stur festhielt, hatte nichts mit der Realität zu tun. Er wollte die Welt mit seinen Augen sehen. Nach sieben Jahren gibt es nicht mehr viel zu sagen, hatte ihre Anwältin gemeint.

Allerdings kannte ihre Anwältin auch Alexeis Neigung, immer das letzte Wort zu haben, nicht. Immer musste er mit dem Kopf durch die Wand. Ihren guten Vorsätzen zum Trotz war Victoria aber auch neugierig. Gab es nicht eine andere an seiner Seite?

„Man sollte denken, du hättest selbst ein Interesse an einer Scheidung, meinst du nicht?”, fragte sie unschuldig. „Es gibt sicher eine Menge Frauen, die erpicht darauf sind, die nächste Kyria Chistou zu werden.“

Natürlich gab es Frauen. War er ihr so gleichgültig geworden, dass sie dermaßen gelassen nach seinen Geliebten fragen konnte? Sein Blut kochte vor Wut.

Irgendwie war es ihr gelungen, seine sexuelle Erregung vollends zu ersticken. Zornig stieß er die Brünette fort und erhob sich. Vom Fenster aus starrte er auf die azurblaue See hinaus, die am Horizont in der Ferne scheinbar nahtlos in den wolkenlosen Himmel überging. Grün und Blau verschmolzen zu einem wunderschönen Ganzen, so wie Alexei und Victoria es einst getan hatten. Sie waren ein unschlagbares Team, ein großartiges Paar gewesen. Bis sie gegangen war.

„Selbstredend gelte ich als gute Partie“, konstatierte er ruhig. „Anders als du verspüre ich jedoch kein Bedürfnis, mich scheiden zu lassen.“ An dieser Stelle warf ihm die Brünette einen vorwurfsvollen Blick zu. Mit seiner Hand wies Alexei fünf Minuten an und schickte die junge Frau hinaus. Als sie an der Tür war, warf er ihr eine Kusshand zu. Mochten manche Männer auch bei solch einem unritterlichen Verhalten Gewissensbisse verspüren, Alexei gehörte nicht zu ihnen.

Er versprach nie, was er nicht halten konnte und ging keinerlei Verpflichtungen ein. Den Frauen gegenüber, die sein Bett teilten oder ihn in seinem Büro beglückten, war er absolut ehrlich. Durch ihn besuchten sie die Partys mit den berühmtesten Persönlichkeiten. Er kaufte ihnen Schmuck und reiste mit ihnen um den Globus.

Wichtiger jedoch war die Befriedigung, die er ihnen verschaffte. Jede Frau, mit der er geschlafen hatte, schwor, er sei der beste Liebhaber, den sie je gehabt hatte. Woran Alexei nicht einen Augenblick zweifelte. Er war stolz auf seine Manneskraft und seine Liebeskünste.

War es da seine Schuld, wenn sich doch hin und wieder eine Geliebte einbildete, er wolle noch einmal heiraten? Manchmal glaubten Frauen wirklich, was sie wollten, doch das war nicht sein Problem. Entweder sie sahen der Wahrheit ins Gesicht, oder sie wurden Geschichte.

„Du meinst, du willst verheiratet bleiben?”, fragte Victoria ungläubig.

Alexei lachte freudlos. „Das habe ich nicht gesagt. Ich sagte, ich habe nicht den Wunsch, geschieden zu werden. Das sind zwei grundverschiedene Dinge.“

In diesem Moment verabscheute sie ihn für seine Haarspalterei. Er drehte ihr das Wort im Munde herum, nur, um sie zappeln zu lassen. Wahrscheinlich genoss er jede Sekunde, in der er sie demütigte. Er wollte sie betteln hören. Victoria musste an die Worte ihrer Freundin denken. Kroch sie vor ihrem Ehemann zu Kreuze? Sollte sie die ganze Sache doch lieber ihrer Anwältin überlassen und sich selbst zurückziehen? Doch die Zeit drängte.

„Das ist Auslegungssache“, widersprach sie.

„Wir wissen beide, was ich meine, Victoria“, warf er leise ein. „Viel hatte ich von unserer Ehe nicht, aber immerhin hält sie mir die ehrgeizigen Frauen vom Leib.“

Victoria verkniff sich eine Bemerkung. Denn seine Frauenprobleme interessierten sie herzlich wenig. Ihre eigene Zukunft dagegen sehr.

Sie hatte lange genug auf seine Gefühle Rücksicht genommen. Jetzt hatten ihre eigenen Rechte für sie Vorrang.

„Ich will die Scheidung“, wiederholte sie kühl.

Er seufzte übertrieben. „Wie du willst. Dann ist es wohl das Beste, wenn wir eine Einigung finden.“

Da sie die leise Drohung in seiner Stimme hörte, ging ihr Temperament mit ihr durch.

„Du kannst mich nicht daran hindern!”, rief sie empört.

„Wirklich nicht?“

„Willst du mir drohen?“

„Dir drohen?“ Er lachte. „Du hast wirklich eine blühende Fantasie, Victoria.“

Am liebsten hätte sie geschrien. Sie wollte ihm sagen, was für ein egoistischer Kerl er war. Stattdessen zwang sie sich zur Ruhe. Weshalb sollte sie ihm etwas sagen, das ihn gar nicht interessierte?

„Fordere mich nicht heraus, Alexei. Du könntest es bereuen.“

Er lachte, als er die Wut in ihrer Stimme hörte. Wie er ihre Leidenschaft vermisste. Mochte die Liste der Vorwürfe, die er ihr machen konnte, auch endlos sein. Langeweile gehörte nicht dazu. „Dazu müsstest du mich erst einmal finden.“

„Das wäre das Einfachste, glaub mir. Es ist ein Leichtes, dich ausfindig zu machen und zur Scheidung zu zwingen. Solche Dinge passieren tagtäglich. Es gibt genug Ehemänner, die sich um ihre Verantwortung drücken. Und nur weil du Alexei Christou, der Superboss bist, machst du keine Ausnahme.“

Alexei schnappte nach Luft. Das hörte sich an, als habe sie bereits Erkundungen eingezogen. Und es hörte sich an, als wollte sie Geld. Wie viel von seinem Vermögen würde sie fordern? Nachdenklich fuhr er sich mit der Hand übers Kinn und sah wieder aufs Meer. Am Horizont fuhr ein Schiff. Eines der vielen Schiffe der Christou-Flotte, die ihm täglich ein Vermögen einbrachte und weltberühmt war. Sie war Familienbesitz der Christous, und Alexei war ihr Vorstand. Die Schifffahrt war sehr lukrativ und Christou der unbestrittene Marktführer.

Selbst eine dreiste Forderung ihrerseits würde ihm kaum etwas anhaben können. Sollte er Victoria nicht einfach einen großzügigen Scheck ausstellen und sie ziehen lassen?

Sein Herz raste.

Verdammt. Er würde kämpfen. Das verdiente sie. Sie hatte ihn belogen und betrogen, und das war eine schwere Lektion für einen Mann wie ihn. Wie keine andere Frau hatte er sie geliebt und verehrt. Aber sie hatte ihm höhnisch ins Gesicht gelacht und ihm eiskalt Hörner aufgesetzt.

Allerdings kam ihre Abfindungsforderung nicht überraschend. Es war ungewöhnlich genug, dass sie bisher nichts gewollt hatte. Zwischen ihnen herrschte Waffenstillstand, aber irgendwann musste dieser Zustand unterbrochen werden, das war lediglich eine Frage der Zeit. Nur sein Stolz hatte ihm verboten, Kontakt zu ihr aufzunehmen. Jetzt aber, da sie ihn herausforderte, würde er kämpfen. Und jede einzelne Sekunde ihres Kampfs genießen. Bis zu seinem Sieg. Er lächelte.

„Selbst wenn dir das gelingen sollte, heißt das nicht, dass ich mit dir kooperiere.“

Victoria biss sich auf die Lippe. Das war das schlimmste Szenario, das ihre Anwältin erwogen hatte. Selbst wenn sie am Ende gewann, würde es Monate dauern, Alexei in die Knie zu zwingen. Inzwischen würde ihr Schuldenberg weiter wachsen, und die Anwaltskosten würden sie vollends erledigen.

Am meisten tat es Victoria um ihre Angestellte leid. Sie kannte Carolines Lebensumstände und war eng mit ihr befreundet, und Caroline hatte es wirklich nicht leicht. Außerdem hatte sie sich unglaublich für das Unternehmen engagiert und war Victoria gegenüber immer loyal gewesen. Victoria wollte die Sicherheit dieser Frau nicht der Arroganz eines Exmannes opfern.

„Du willst kämpfen, Alexei?“

„Das liegt mir im Blut“, murmelte er. „Das weißt du doch.“

Aber er hatte nie um sie gekämpft, sondern sie bei der ersten Gelegenheit aufgegeben, nur zu bereit, das Schlimmste von ihr zu denken. Ein Kampf mit einem Mann, der immer noch Macht über ihre Sinne ausübte, war nicht verlockend. Victoria strich sich eine Strähne aus der Stirn. Keine Gefühle, ermahnte sie sich. Sprich mit ihm, als wäre er ein Kunde vom Tennisclub. Keine Eingeständnisse. „Du wirst deine Meinung nicht ändern und dich für eine friedliche Einigung erwärmen?”, fragte sie ruhig.

Trotz ihrer scheinbaren Gelassenheit spürte Alexei, dass diese Frage der Scheideweg ihrer Unterhaltung war. Er musste lächeln, weil ein Gefühl der Macht in ihm wuchs. Dieses Gefühl war beinahe so gut wie sexuelle Erfüllung.

Während er in den blauen Himmel sah, dachte er an das exquisite Mahl, das er später zu sich nehmen würde, bevor er mit seiner Yacht in See stach. Er gähnte. Und die Brünette käme auch mit. Falls es ihn dann noch nach ihr verlangte.

„Vielleicht doch“, gab er weich zurück und schwieg einen Moment. Er wusste, dass ein kurzes Schweigen am Telefon verheerend auf einen Gegner wirken konnte. „Warum kommst du nicht her, damit wir alles besprechen können?“

Victoria erstarrte. In ihrem Inneren schrillten alle Alarmglocken. „Nach … Athen?“

„Warum nicht?“

„Mach dich nicht lächerlich, Alexei!“

„Findest du die Vorstellung so absurd?”, dachte er laut. „Ich lebe hier, und das war einst auch dein Zuhause, auch wenn wir beide wissen, was für eine Farce die ganze Sache war. Du hast uns allen etwas vorgemacht. Ist das der Grund, weshalb du dich nicht nach Griechenland traust? Späte Reue?“

Es gab viele Gründe, aber Alexei war der gewichtigste. Bei ihrer letzten Begegnung vor sieben Jahren hatte er geschworen, eher zur Hölle zu fahren, als ihr noch einmal gegenüberzutreten. Er hasste sie und machte keinen Hehl daraus.

„Ich verstehe nicht, warum du so etwas vorschlägst.“

„Wirklich nicht? Wenn du herkämst und mir deinen Scheidungswunsch ins Gesicht sagtest, wäre ich vielleicht kooperativer.“

„Wunsch? Ich brauche dich nicht darum zu bitten. Wir leben schließlich nicht im Mittelalter!“

Doch so war es. Trotz seiner modernen amerikanischen Erziehung und seiner eleganten Anzüge blieb er im Grunde seines Herzens ein Patriarch.

„Hier geht es um Gesetze. Denen musst selbst du dich beugen, auch den englischen.“

„Aber ich bin Grieche!“, warf er stolz ein. In seinen Augen funkelte es. „Du bist mit einem Griechen verheiratet.“

Victoria wollte ihm entgegnen, dass das keinen Unterschied machte. Aber sie verkniff sich die Bemerkung. Sie hatte schon genug preisgegeben. Schließlich brauchte Alexei nicht genau zu wissen, wie gut sie informiert war. Sollte er sie ruhig unterschätzen.

Sie wollte einfach nur einen Schlussstrich unter diese missratene Ehe ziehen.

„Komm und besuch mich“, forderte er sie auf. „Oder traust du dich nicht, Victoria?“

War es das? Damals war sie Wachs in seinen erfahrenen Händen gewesen. Ein sinnlicher Blick von Alexei hatte gereicht, um sie in Erregung zu versetzen.

Doch sieben Jahre waren eine lange Zeit, und Victoria war eine erwachsene Frau, kein junges Mädchen mehr, das sich von einem glutäugigen Adonis verführen ließ.

„Können wir uns nicht hier in London treffen?”, fragte sie hoffnungsvoll. Dann könnten sie sich in einem Hotel treffen, und anschließend würde Victoria in einen Bus springen und aus Alexeis Leben verschwinden.

Als er erkannte, dass er seinen Willen bekommen würde, lächelte Alexei. Jetzt hatte er sie genau da, wo er sie haben wollte. Draußen war es glühend heiß, aber hier drinnen war die Luft kühl und angenehm. Er liebte Athen, obwohl es laut und schmutzig war. Irgendwie war es für ihn der Inbegriff von Lebendigkeit. Es wäre amüsant, seine kühle englische Gattin hier zu sehen. Ob er sie immer noch begehren würde?

„Ich habe derzeit keine Pläne, nach London zu reisen“, gab er kühl zurück.

„Aber es wäre einfacher für dich, hierherzukommen, als für mich, nach Athen zu reisen.“

Alexei lächelte sein Raubtierlächeln. Ja, er hatte sie in seinen Fängen. Alles lief perfekt.

„Und warum, agape mou?“

Bei dem vertrauten Kosewort errötete Victoria, doch der zynische Ton brachte sie wieder zur Vernunft. „Weil du flexibler bist …“ Sie hasste sich dafür, dass sie nicht einfach die Wahrheit sagte. Dass er reich war und sie nicht einmal wusste, wovon sie den Flug bezahlen sollte.

„Das ist der Luxus der Selbstständigen.“

„Ich bin auch meine eigene Chefin!”, fuhr sie ihn an. „Aber anders als bei dir, wurde mir die Firma nicht auf einem goldenen Tablett serviert.“

Weil er Kritik nicht gewohnt war, kniff Alexei ungehalten die Augen zusammen. „Was für einer Tätigkeit gehst du nach?“

„Ich bin immer noch im Catering-Geschäft. Alles beim Alten, Alexei“, antwortete sie frostig.

„Dann schlage ich vor, du unterbrichst deine Arbeit und kommst nach Athen.“

„Das sehe ich anders.“

„Komm nach Athen, und wir finden eine Lösung, mit der wir beide zufrieden sind“, fuhr er erbarmungslos fort. „Das ist die einzige Möglichkeit für dich, deine Scheidung zu bekommen.“

Ohne einen weiteren Kommentar legte er auf und rief etwas. Prompt trat die Brünette wieder in den Konferenzraum. Lasziv knöpfte sie ihr Kleid auf und kam aufreizend auf ihn zu geschritten.

2. KAPITEL

„Victoria, hältst du das wirklich für klug? Du musst nicht vor deinem Ehemann zu Kreuze kriechen. Und schon gar nicht meinetwegen!“

Vor Sorge überschlug sich Carolines Stimme beinahe. Victoria hielt im Packen inne und sah ihre langjährige und beste Freundin an. Vor Jahren hatten sie sich an der Universität kennengelernt, aber Caroline hatte ihr Studium abgebrochen, als sie schwanger wurde.

Als der Kindsvater sich aus dem Staub gemacht hatte, war Victoria für ihre Freundin da gewesen, ebenso wie in den langen Stunden der Geburt.

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