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Ein unwiderstehlicher Traumprinz

Brenda Jackson

Ein unwiderstehlicher Traumprinz

PROLOG

Chloe Burton presste ihr Gesicht gegen die Fensterscheibe und starrte den Mann an, der gerade die Straße überquerte. Ihr Herz begann zu rasen. Das war mit Abstand der attraktivste Mann, den sie jemals gesehen hatte.

Als er vor einem Lebensmittelladen stehen blieb, um mit einem Bekannten zu plaudern, konnte sie ihren Blick noch immer nicht von ihm lösen. Er war groß, schlank und breitschulterig. Ausnahmslos jeder Zentimeter an ihm war sexy, von seinem Stetson bis hin zu den Lederstiefeln. Das Karohemd und die engen Jeans ließen keinen Zweifel daran, dass sein Körper durchtrainiert war und er einen ansehnlichen Waschbrettbauch besaß. Kurz, er hatte alles, was echte Kerle von kleinen Jungs unterschied.

Als er die Krempe seines Huts zurückschob, sah sie seine wunderschönen dunklen Augen und die samtig wirkende Haut. Beim Anblick seines wohlgeformten Mundes fuhr Chloe sich genüsslich mit der Zunge über die Lippen. Was er mit diesem wunderbaren Mund wohl alles anstellen konnte?

Bei seinem Anblick fallen Frauen wahrscheinlich reihenweise in Ohnmacht, dachte Chloe. Selbst aus der Entfernung übte er eine so starke Anziehungskraft auf sie aus, dass sie zu zittern begann. Und das war ihr in den letzten achtundzwanzig Jahren noch nie bei einem Mann passiert.

Genau genommen war die einzige männliche Sache, der sie sich im vergangenen Jahr gewidmet hatte, ihr Computer gewesen. Der Grund dafür war ihre Liebelei mit Daren Fullbright, die im Prinzip sinnlose Zeitverschwendung gewesen war. Daher hatte Chloe es nicht eilig damit, sich wieder in ein Beziehungsdesaster zu stürzen. Obwohl es bestimmt einige Typen gab, die einen Versuch wert gewesen wären. Trotzdem hatte sie ihre freie Zeit lieber einem guten Buch gewidmet, als herumzuflirten. Und ausgerechnet jetzt liebäugelte sie mit einem Mann, bei dessen Anblick sie weiche Knie bekam. Eigentlich war es absurd. Auch wenn er die reinste Augenweide sein mochte, so war er immer noch ein Unbekannter. Allerdings so, wie er dort stand, breitbeinig, beide Hände in den Gesäßtaschen seiner Jeans, hätte Chloe ihn gerne in ihre Träume mitgenommen. Und zwar Nacht für Nacht.

Und dann war da noch sein süßes Lächeln, das zwei Grübchen zum Vorschein brachte, die ihn noch attraktiver machten.

„Was gibt’s denn da zu sehen, Chloe?“

Chloe zuckte vor Schreck zusammen. Vor lauter Schwärmerei für den schönen Fremden hatte sie ganz vergessen, dass sie nicht allein war. Betreten sah sie ihre beste Freundin Lucia Conyers an, die sie seit dem College kannte.

„Wirf doch bitte mal einen Blick auf diesen Mann dort. Und dann sag mir, was du von ihm hältst. Wäre er nicht perfekt für das Cover der ersten Denver-Ausgabe von Simply Irresistible?“, fragte Chloe aufgeregt.

Chloe war die Herausgeberin von Simply IrresistibleEinfach Unwiderstehlich –, einem Magazin für die aufstrebende Frau von heute. Der Hauptsitz des Magazins war Florida, wo Chloe lebte, wenn sie nicht hier in der Redaktion zu tun hatte. Zu Beginn nur ein kleines Blättchen im Südwesten, hatte es sich in den letzten Jahren zu einem überregional erfolgreichen Magazin gemausert. Der mit Abstand beliebteste Beitrag war die Präsentation des „Unwiderstehlichsten Manns des Jahres“. Neben dem Coverfoto enthielt die Ausgabe meistens noch eine umfangreiche Story über den betreffenden Mann, dem die Ehre zuteilwurde, als „einfach unwiderstehlich“ angesehen zu werden. Als die Auflage des Magazins gestiegen war, hatte Chloe Lucia überreden können, die Redaktion in Denver zu übernehmen.

Da Lucia nicht antwortete, grinste Chloe breit. „Und?“

Von ihrem Arbeitsplatz aus warf Lucia ihr einen vielsagenden Blick zu. „Okay, wenn du unbedingt meine Antwort willst, kriegst du sie. Der Typ da auf der Straße ist einer der Westmorelands. In diesem Fall Ramsey Westmoreland. Und ja, mit Sicherheit wäre er der Richtige für die Ausgabe. Aber mit absoluter Sicherheit wird er sich nicht dazu bereit erklären.“

Anerkennend sah Chloe sie an. „Du kennst ihn“, sagte sie und betrachtete ihre Freundin prüfend.

Lucia lächelte. „Ja. Aber nicht so gut wie die jüngeren Westmorelands. Davon gibt’s eine ganze Menge. Er ist einer der älteren. Ich bin mit seinen jüngeren Geschwistern und Cousins zur Schule gegangen. Die sehen übrigens alle genauso gut aus. Vielleicht solltest du einen von ihnen fragen. Ramsey kannst du dir jedenfalls aus dem Kopf schlagen.“

Chloe sah wieder aus dem Fenster und kam zu folgenden Ergebnissen: Erstens würde sie sich ihn nicht aus dem Kopf schlagen. Und zweitens schien Lucia offenbar großes Interesse an einem der jüngeren Westmorelands zu haben. Das erkannte Chloe am Tonfall ihrer Freundin.

„Aber ich will ihn, Lucia“, sagte Chloe entschlossen. „Und da du ihn kennst, wirst du ihn auch fragen. Wir zahlen ihm natürlich auch eine Aufwandsentschädigung.“

Lachend schüttelte Lucia den Kopf. „Hier geht’s nicht um Geld, Chloe. Hier in Colorado ist Ramsey einer der wohlhabendsten Schafzüchter weit und breit. Aber jeder weiß, wie sehr er die Öffentlichkeit scheut. Glaub mir, an dem beißt du dir die Zähne aus.“

Chloe hoffte, dass Lucia sich irrte. „Aber du fragst ihn trotzdem, oder?“

„Ja. Aber ich rate dir, sieh dich parallel auch nach einem anderen um.“

Wieder blickte Chloe aus dem Fenster. Der Mann war wie geschaffen für das Cover und die Rubrik „Der unwiderstehlichste Mann“. Sie wollte ihn, und sie würde alles tun, um ihn zu bekommen!

„Ähm, dein Gesichtsausdruck macht mir Angst, Chloe. Ich weiß, was er bedeutet.“

Chloe lächelte spitzbübisch. Sie konnte sehr hartnäckig sein. Schuld daran war wahrscheinlich die Erziehung ihres Vaters Jamison Burton, seines Zeichens Senator von Florida. Nach dem Krebstod ihrer Mutter – da war Chloe zwei Jahre alt gewesen – hatte er sie allein aufgezogen. Seitdem war ihr Vater ihr größtes Idol. Er war es gewesen, der sie gelehrt hatte, niemals aufzugeben, wenn man sein Ziel erreichen wollte.

Erneut sah sie aus dem Fenster und beobachtete, wie Ramsey Westmoreland sich von seinem Gesprächspartner verabschiedete und den Lebensmitteladen betrat. Sein Gang war so lässig, dass ihr schwindelig wurde. So viel war jedenfalls klar: Sie würde ihn wiedersehen.

1. KAPITEL

„Mir will einfach nicht in den Kopf, wieso du nicht auf das Cover dieses Magazins möchtest, Ram!“

Ramsey Westmoreland, der gerade dabei war, in einem der Schafställe Stroh zu bündeln, machte sich gar nicht erst die Mühe aufzuschauen. Er hatte schon damit gerechnet, dass seine jüngste Schwester Bailey ihn früher oder später überfallen würde. Neuigkeiten sprachen sich in der Westmoreland-Familie schnell herum. Abgesehen davon hatte Bailey ihren fünf Brüdern schon immer gerne nachspioniert.

„Ich werde nicht eher gehen, bis du mir endlich antwortest, Ramsey.“

Ramsey lächelte in sich hinein, denn er wusste, würde er wirklich streng werden, dann würde sie den Mund halten. Mochte sie noch so widerspenstig sein, sie wusste, wie weit sie bei ihm gehen durfte. Er war es gewohnt, dass sie versuchte, ihre Grenzen auszutesten. Lächelnd dachte er an die Jahre zurück, in denen sie und ihr Cousin Bane wie Kletten aneinandergehangen hatten. Es war eine ziemlich anstrengende Zeit gewesen. Vor allem weil die beiden nur Flausen im Kopf gehabt hatten.

Mittlerweile hatte Bailey ihren Highschoolabschluss gemacht und besuchte das College. Und Bane war fest entschlossen, die Karriereleiter beim Militär zu erklimmen. Ramsey fand, dass es langweiliger bei den Westmorelands geworden war, seit die beiden aus den Kinderschuhen herausgewachsen waren. Obwohl er das natürlich niemals laut zugegeben hätte.

Er rang sich jetzt eine Antwort ab. „Da gibt’s nichts zu erklären. Ich wurde gefragt, ob ich Lust hätte, aufs Titelcover zu kommen, und ich habe abgelehnt.“

„Das ist alles?“

„Das ist alles.“ Er konnte ihren fassungslosen Blick förmlich im Rücken spüren.

„Aber warum, Ram? Denk doch nur mal an die ganze Publicity.“

Schließlich sah er doch auf. Bei dem scharfen Blick, den er Bailey zuwarf, wäre jeder andere Mensch sofort geflüchtet. Nicht so die einundzwanzigjährige Bailey Joleen Westmoreland. Verglichen mit seinen anderen beiden Schwestern – Megan, die bald fünfundzwanzig wurde, und der zwei Jahre jüngeren Gemma –, war Bailey am trotzigsten. Es war unglaublich, mit welcher Beharrlichkeit sie jedes Mal die Geduld ihres ältesten Bruders auf die Probe stellte.

„Ich brauche keine Publicity, Bailey. Durch dich, Bane und die Zwillinge sind die Westmorelands schon bekannt genug. Darf ich dich daran erinnern, wie oft ihr in Schwierigkeiten gesteckt habt, aus denen wir euch rausholen mussten?“

Offenbar schien diese Bemerkung sie nicht zu beeindrucken. „Das war damals. Aber heute ist heute. Ein bisschen Bekanntheit wäre doch ganz gut.“

„Ganz gut für wen?“, fragte er und richtete sich auf.

Er hatte noch eine Menge Arbeit vor sich und eigentlich keine Zeit für Plaudereien. Nellie, die seit zwei Jahren für ihn und seine Männer kochte, war tags zuvor ausgefallen. Ihre Schwester in Kansas war krank geworden, und Nellie war sofort zu ihr gefahren. So wie es aussah, musste er in den nächsten zwei Wochen ohne sie auskommen.

Natürlich hatte Ramsey Verständnis für Nellies Entscheidung, trotzdem steckte er ziemlich in der Klemme. Da er und seine zwanzig Männer alle Hände voll damit zu tun hatten, Schafe zu scheren, brauchte er dringend eine Köchin. Deswegen hatte er sich an eine Agentur gewandt, die ihm eine Aushilfsköchin vorbeischicken wollte, und zwar noch im Laufe dieses Morgens.

„Es wäre eine gute Publicity für dich und die Ranch. Du würdest ins Licht der Öffentlichkeit rücken, und alle Welt würde sehen, was für ein guter Schafzüchter du bist.“

Ramsey schüttelte den Kopf. Er wollte nicht ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden. Es genügte, dass er ein enges Verhältnis zu seiner Familie hatte. Er verließ sich gern auf sich selbst. Jeder, der ihn kannte, wusste, dass er sein Privatleben lieber unter Verschluss hielt. Auch Bailey. Deshalb wunderte er sich, warum sie so hartnäckig blieb.

„Die Ranch kann auf diese Art Publicity gut verzichten. Ich soll für ein Frauenmagazin posieren, Bailey.“ Noch nie hatte er einen Blick in Simply Irresistible geworfen. Doch allein schon der Titel sagte alles. Er konnte sich gut vorstellen, was für ein Blättchen das war.

„Du solltest dich geschmeichelt fühlen, Ram.“

Seufzend verdrehte er die Augen. „Wie auch immer.“ Dann warf er einen Blick auf seine Armbanduhr. Es war Montag, und Bailey sollte eigentlich schon längst in der Uni sein. Außerdem hatte die Aushilfsköchin bereits zehn Minuten Verspätung.

„Überleg es dir doch noch mal.“

Er sah sie an. „Nein“, sagte er sachlich. „Solltest du eigentlich nicht in deinem Seminar sitzen?“ Er verließ den Stall und ging auf das große Haus zu, das er im letzten Jahr ausgebaut hatte.

Bailey blieb dicht hinter ihm. Wieder einmal musste er an die Zeit denken, in der er sie großgezogen hatte. Da war sie sieben und er zweiundzwanzig Jahre alt gewesen. Schon als kleines Mädchen war sie ihm immer hinterhergelaufen. Nachdem ihre Eltern, ihre geliebte Tante und ihr Onkel bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen waren, war sie immer in seiner Nähe geblieben. Bei dieser Erinnerung musste er lächeln.

„Ja, ich habe ein Seminar heute Morgen. Aber ich dachte, ich komme noch mal vorbei, um dir ins Gewissen zu reden“, hörte er sie sagen.

Entschlossen drehte er sich um und schob die Hände in die Hosentaschen. Nun musste er doch schmunzeln. „Also gut. Du hast es versucht. Das war’s. Auf Wiedersehen, Bailey.“

Er sah, wie sie die Hände in die Hüften stemmte und ihn trotzig anblickte. Doch er war vor dem Starrsinn der Westmorelands gefeit. Auch wenn ihre Dickköpfigkeit wirklich nervtötend sein konnte, er kam damit klar. Immerhin hatte er die letzten einundzwanzig Jahre Zeit gehabt, sich daran zu gewöhnen.

„Wenn du mich fragst, du machst einen großen Fehler. Ich bekomme das Magazin regelmäßig, und ich finde nicht, dass es eine dumme Frauenzeitschrift ist“, sagte sie. „Die meisten Artikel sind wirklich gut, du wärst überrascht. Na ja, einmal im Jahr bringen sie eben auch eine Titelgeschichte über den Traumprinzen aller Frauen.“

Der Traumprinz aller Frauen? Das ist doch albern, dachte Ramsey. Er war nichts weiter als ein hart arbeitender Schafzüchter aus Colorado. In den letzten Jahren war er ausschließlich damit beschäftigt gewesen, die Größe seiner Schafherde zu verdoppeln. Er konnte sich nicht einmal mehr daran erinnern, wann er das letzte Mal ein Rendezvous mit einer Frau gehabt hatte. Sieben Tage die Woche arbeitete er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Das war sein Leben.

„Ob ich einen Fehler mache oder nicht, entscheide immer noch ich, du vorlautes Ding. Wir werden es beide überleben. Und jetzt verschwinde.“

Eine halbe Stunde später stand er allein in der Küche und beendete ein Gespräch mit Colin Lawrence, einem seiner Schafscherer. Da vor Kurzem ein Schneesturm durchs Land gefegt war, waren sie mit dem Scheren im Rückstand. Bis zur Ablammsaison hatten sie nur noch zwei Wochen, und in dieser Zeit mussten sie fertig werden. Wenn sie noch am selben Tag anfingen, könnten sie das Pensum schaffen.

Er ging zur Tür, als er draußen einen Wagen hörte. Ungeduldig blickte er auf die Uhr. Hoffentlich war das die Aushilfsköchin. Die Frau war schon fast eine ganze Stunde zu spät. Sie würde sich auf was gefasst machen können.

Chloe parkte den Wagen vor einem großen doppelstöckigen, im Stil einer Ranch erbauten Haus. Dann atmete sie tief ein. So einfach würde sie sein Nein nicht akzeptieren. Ganz egal, was Ramsey Westmoreland Lucia erzählt hatte. Seine Absage hatte sie sogar bewogen, ihren heiß ersehnten Urlaub auf den Bahamas abzubrechen und direkt herzukommen. Sie war festen Willens, den Mann persönlich zu überzeugen.

Auf dem Weg hierher hatte sie Denver weit hinter sich gelassen und eine ländliche Gegend durchquert. Die nannten deren Bewohner Westmoreland Country. Für sie war es ein Rätsel, wie ein Mensch so weit weg von jeder Zivilisation leben konnte. Zumal sie auf der gesamten Strecke nicht an einer einzigen Shopping Mall vorbeigekommen war.

Während der gesamten Fahrt war ihr dieser Mann nicht aus dem Kopf gegangen, den sie vor ein paar Tagen entdeckt hatte. Deshalb wollte sie auch nur ihn für den Titel haben. Ramsey Westmoreland war fürs Cover von Simply Irresistible nicht nur wie geschaffen, er war schlicht und ergreifend unwiderstehlich.

Sobald Chloe die Hauptstraße verlassen hatte, hatte sie am Anfang einer Abzweigung eine große Holztafel erspäht. Darauf prangte in großen Buchstaben: The Shady Tree Ranch, die Ranch der Schatten spendenden Bäume. Daneben war ein kleineres Schild angebracht, auf dem Westmoreland Country stand. Von Lucia wusste sie, dass jeder der fünfzehn Westmorelands mehrere Hundert Hektar Land besaß. Jeder von ihnen hatte dort auch sein privates Anwesen errichtet. Allein das Haupthaus stand auf dreihundert Hektar.

Sie war an einer Menge Abzweigungen vorbeigekommen. Und jedes Mal hatte ihr ein Hinweisschild verraten, welcher der Westmorelands am Ende des Weges lebte. Sie passierte Jason’s Place, Zane’s Hideout, Canyon’s Bluff und Derringer’s Dungeon, bevor sie schließlich Ramsey’s Web erreichte.

Sie hatte ihre Hausaufgaben gemacht und wusste alles, was sie über Ramsey Westmoreland wissen musste. Er war sechsunddreißig, Absolvent der Tuskegee Universität im Bereich Landwirtschaft und Ökonomie und seit etwa fünf Jahren Schafzüchter. Davor hatten er und sein sieben Monate älterer Cousin Dillon Blue Ridge Land Development, das millionenschwere Unternehmen ihrer Väter, geleitet. Auf dem Höhepunkt des Erfolgs hatte Ramsey die Firma ganz in Dillons Hände gelegt, um sich seinen Lebenstraum zu erfüllen und Rancher zu werden.

Chloe war auch über den tragischen Unfalltod seiner Eltern, seiner Tante und seines Onkels informiert. Zu dem Zeitpunkt war Ramsey im Abschlussjahr des Colleges gewesen. Damals hatten er und Dillon das Sorgerecht für ihre jüngeren Geschwister übernommen. Dillon war seit drei Jahren verheiratet und lebte mit seiner Frau Pamela abwechselnd bei ihr in Wyoming und hier bei ihm.

So wie Chloe es sah, war Ramsey Westmoreland ein Mann mit einer Erfolgsgeschichte, die in ihr Magazin gehörte. Die Frauenwelt hatte ein Recht darauf, zu erfahren, dass es ihn gab.

Gegen das Flattern in ihrer Magengegend war sie machtlos, als sie auf sein Grundstück fuhr. Nicht auszudenken, wie sie erst reagieren würde, wenn er ihr leibhaftig gegenüberstand. Denn beim bloßen Gedanken an ihn schwanden ihr die Sinne. Sie würde sich einfach so professionell wie möglich verhalten, ganz Journalistin sein.

Einmal holte sie noch tief Luft, öffnete dann die Fahrertür und stieg aus dem Wagen. Im selben Moment wurde die Tür zum Haus aufgemacht, der Mann ihrer Träume trat ihr mit einem finsteren Gesicht entgegen und sagte knapp: „Sie sind zu spät.“

Ramsey konnte nicht anders, als die Frau unentwegt anzustarren. Das sollte seine neue Aushilfsköchin sein? Sie sah aus wie ein Model. Zweifellos würde sie nicht nur in der Küche, sondern auch im Rest des Hauses jede Menge Hitze erzeugen.

Sie war eine absolute Schönheit. Ihre braunen Locken fielen locker auf die Schultern, und ihre dunkelbraunen Augen waren ungeheuer verführerisch. Ganz zu schweigen von ihrem Mund, der wunderbar geschwungen war. Und dann erst ihr Look! In den hüftbetonten Jeans und der rosafarbenen Bluse unter ihrer schwarzen Lederjacke sah sie umwerfend aus. Schlagartig wurde ihm klar, wie lange es her war, dass er etwas mit einer Frau gehabt hatte.

Ramsey hatte nicht im Entferntesten damit gerechnet, dass plötzlich seine Lust erwachen könnte. Aber weder konnte noch wollte er bei ihr schwach werden. Am besten wäre es, sie stiege in ihren Wagen und würde wieder dahin verschwinden, woher sie gekommen war. Dieser Gedanke war natürlich Unsinn, denn schließlich mussten zwanzig hungrige Männer beköstigt werden. Schon die Zubereitung des Frühstücks hatte ihn eine Menge Nerven gekostet, auch wenn sich Gott sei Dank niemand beschwert hatte. Alle hatten Verständnis für Nellies Notfall gehabt und seinen halb verkohlten Toast, die verbrannten Spiegeleier und den etwas zu knusprigen Speck klaglos hinuntergewürgt. Jetzt freuten sie sich auf ein gutes Mittagessen, das er ihnen versprochen hatte. Wenn sie diese Frau sahen, dachten sie wahrscheinlich, sie wäre sein Versprechen.

„Entschuldigung, was haben Sie gerade gesagt?“

Er blickte über den Hof, wo sie immer noch neben ihrem Wagen stand. Verärgert und um Haltung bemüht, ging er die Treppenstufen hinunter, ohne sie dabei aus den Augen zu lassen. „Ich sagte, dass Sie viel zu spät sind und Ihr Gehalt entsprechend gekürzt wird. Die Agentur hat mir versprochen, Sie wären pünktlich um acht Uhr hier. Jetzt ist es neun. Ich habe zwanzig Männer, die mit einem ordentlichen Lunch rechnen. Und ich kann nur hoffen, dass das für Sie kein Problem ist, denn ich habe weiß Gott andere Dinge zu tun. Die Agentur hat mir versichert, dass Sie sich in der Küche auskennen.“

Chloe verkniff es sich, Fragen zu stellen. Stattdessen sagte sie: „Natürlich kenne ich mich in der Küche aus.“

„Was stehen Sie dann noch hier rum? Zum Lunch werde ich wieder zurück sein, dann können wir uns unterhalten. Wenn ich etwas garantiert hasse, dann Unpünktlichkeit“, sagte er und ging zu seinem Truck.

Chloe zählte zwei und zwei zusammen. Offenbar wartete er auf eine Köchin, die nicht kam. Eigentlich war das jetzt der Zeitpunkt, um ihn aufzuklären, doch er schien sehr in Eile zu sein. „Warten Sie!“

Er blieb stehen. Als er sie mit seinen dunklen Augen ansah, erschauerte Chloe. Ganz unerwartet wurden ihre Brustspitzen hart und stießen sanft gegen den Stoff ihrer Bluse.

„Sehen Sie, Lady, ich habe keine Zeit zu vergeuden. Ich muss rüber zu den Schafen. Alles, was Sie brauchen, finden Sie in der Küche.“

Seine Stimme klang streng und sexy zugleich. Verblüfft verfolgte Chloe, wie er in seinen Truck sprang und davonfuhr.

So viel also dazu, ihn zu überreden, Titelheld ihres Magazins zu werden. Himmel, er dachte wirklich, sie wäre eine Köchin. Am vernünftigsten ist es wohl, sich ins Auto zu setzen, zurückzufahren und ein anderes Mal wieder herzukommen, dachte sie. Wo, zum Teufel, war die echte Köchin? Hatte sie ihn richtig verstanden? Sie sollte zwanzig hungrige Männer bekochen?

Chloe fuhr sich mit den Händen übers Gesicht. Es gab bestimmt jemanden, der ihr seine Handynummer geben konnte – oder ihn informieren konnte, dass alles nur ein Missverständnis war.

Nervös drehte sie sich zur Eingangstür, die er einfach offen gelassen hatte, sodass sie ohne Weiteres ins Haus spazieren konnte. Und weil sie eine Sekunde lang unvernünftig genug war, tat sie es auch. Sollten alle Stricke reißen, konnte sie immer noch Lucia anrufen. Denn die wusste bestimmt, wen man aus seiner Familie fragen musste, um mit ihm zu sprechen.

Als Chloe die Stufen hochging, fiel ihr auf, dass das Haus relativ neu war. Die Ziegelwände waren frisch gestrichen, die Umgebung wirkte sehr gepflegt. Die Frontseite hatte viele Fenster, die einen hervorragenden Blick auf das Bergpanorama boten. Außerdem konnte das Sonnenlicht besser ins Haus dringen, was in dieser Jahrszeit von Vorteil war. Die gesamte Vorderfront wurde von einer großen Veranda eingefasst, auf der ein Schaukelstuhl stand. Wahrscheinlich konnte man hier nach getaner Arbeit wunderbar entspannen. Selbst im März, der immer noch recht kühl war. Denn der Platz war sonnig und windgeschützt.

Während sie über das Wetter sinnierte, zog sie instinktiv die Jacke enger um sich. Dann betrat sie das Wohnzimmer, schloss die Tür und sah sich um. Der Raum war riesig und hatte in der Mitte eine Wendeltreppe, die in die obere Etage führte. Die wenigen Möbel, die hier standen, wirkten robust und stabil. Und auf dem massiven Holzboden lagen Teppiche und Läufer.

Weil sie dahinter die Küche vermutete, ging Chloe schnell durch das Wohnzimmer. Doch dann klingelte plötzlich das Telefon. Sie überlegte nicht lange und nahm ab. Vielleicht war es Ramsey Westmoreland oder ein Freund oder Angehöriger.

„Hallo?“

„Hier ist Marie Dodson von der Zeitarbeitsagentur. Ich würde gerne mit Ramsey Westmoreland sprechen.“

„Er ist nicht hier.“

„Oh. Wären Sie dann bitte so freundlich, ihm auszurichten, dass es ein Missverständnis gegeben hat? Die Köchin, die er gebucht hat, war leider schon engagiert. Deswegen konnte sie heute Morgen auch nicht kommen.“

Chloe nickte und tippte mit ihren lackierten Nägeln auf der Ablage neben dem Telefon herum. „In Ordnung, ich richte es ihm aus.“

„Er hat mir gesagt, dass seine Köchin aufgrund einer Familienangelegenheit überstürzt verreisen musste. Es tut mir furchtbar leid, dass ich ihn und seine Männer in diese unangenehme Situation gebracht habe“, sagte sie bedauernd.

„Er wird es bestimmt verstehen.“ Das war das Einzige, was Chloe erwidern konnte. „Ich glaube sogar, dass er sich schon um eine andere Lösung gekümmert hat“, fügte sie hinzu.

Als sie kurz darauf den Hörer auflegte, hoffte sie, dass Ramsey Westmoreland tatsächlich Verständnis dafür haben würde. Doch wenn sie an zwanzig hungrige Männer dachte, war sie sich da nicht mehr so sicher.

Dann hatte sie plötzlich eine Idee.

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