Logo weiterlesen.de
Ein unmoralisches Angebot!

1. KAPITEL

Himmel, sie war viel zu spät dran! Carmelina Milazzo nahm zwei Stufen auf einmal und stürmte die breite Marmortreppe des Palastes von Montvelatte hinauf. Sie war auf dem Weg zur Suite von Sienna Wainwright, um der zukünftigen Fürstin des Inselstaates das frisch gewaschene und gebügelte Seidenkostüm zu bringen, das die junge Australierin zu ihren Terminen an diesem Morgen tragen wollte.

Carmelina blickte sich gehetzt nach der Haushälterin um, die ihr zweifellos die Hölle heiß machen würde, wenn sie sah, dass sie die Haupttreppe anstatt des Dienstbotentrakts benutzte. Doch dieser Weg war der direktere, so dass sie wertvolle Sekunden gewann.

Außerdem war die Aussicht auf eine Rüge der Haushälterin nicht so schlimm wie die Vorstellung, dass Signorina Sienna Sebastiano, den Privatsekretär des Fürsten, rufen ließ, um sich zu erkundigen, wo ihre Kammerzofe samt dem versprochenen Outfit blieb. Die Stellungen im Palast waren heiß begehrt. Unzählige Menschen hofften darauf, für den neuen Regenten von Montvelatte, Fürst Raphael, arbeiten zu dürfen. Die leiseste Andeutung, dass sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen war, und Carmelina würde in null komma nichts ohne Job dastehen.

Dabei brauchte sie diese Arbeit so dringend!

Noch ein weiteres Stockwerk, und sie hatte es geschafft. Hastig blickte sie noch einmal auf das Seidenkostüm in ihren Armen, um sicherzugehen, dass sie es nicht zerknitterte in ihrem Bemühen, so schnell wie möglich nach oben zu gelangen. Es war eine wunderschöne, perfekte Kreation. Die cremefarbene Seide schimmerte glatt unter der transparenten Plastikhülle und fing das helle Morgenlicht ein. Nur noch ein Stockwerk …

Carmelina erreichte den Absatz, wandte sich rasch nach rechts und schaute zu spät hoch, so dass sie mit etwas kollidierte, die gar nicht dort sein sollte.

Ein schroffer Fluch drang an ihr Ohr, der ihre eigene Reaktion widerspiegelte, während sie wild mit den Armen ruderte und verzweifelt versuchte, das Gleichgewicht zu halten. Wenn sich nicht ein Paar starker Hände um ihre Schultern gelegt und sie in eine aufrechte Position gezogen hätte, wäre sie mit Sicherheit zu Boden gegangen, schlimmstenfalls sogar die Treppe hinuntergestürzt.

„Scusi“, hauchte sie atemlos und bemühte sich sofort um eine Schadensbegrenzung. Natürlich wusste sie, dass der Zusammenstoß ihre Schuld war, doch zumindest schien es sich nicht um Sebastiano oder gar den Fürsten selbst zu handeln. In wen auch immer sie da hineingerannt war - er war zu groß und breit, um der eher schmächtige Privatsekretär zu sein, und der kurze Fluch, den sie vernommen hatte, passte stimmlich nicht zu Fürst Raphael. Nicht, dass es der Karriere besonders förderlich gewesen wäre, einen Gast des Palastes niederzurennen …

„Es tut mir leid.“ Was absolut der Wahrheit entsprach, denn als sich ihr Blick auf den Kleidersack richtete, der jetzt vollkommen zerknittert auf dem Boden lag, war ihr nur noch zum Heulen zumute.

Verzweifelt schluchzte sie auf.

„Haben Sie sich verletzt?“, fragte die tiefe Stimme, die merkwürdigerweise eine längst vergessene Erinnerung in ihr wachrief. Zum ersten Mal löste sich Carmelinas Blick von dem ruinierten Kleid und richtete sich auf den Mann, dessen Hände immer noch auf ihren Schultern lagen.

Große Hände.

Stark.

Warm.

Sie zitterte ein wenig, denn es überraschte sie, dass sie angesichts der Katastrophe, die sich gerade ereignet hatte, ein solches Detail bemerkte. Sofort verstärkte sich sein Griff. „N-nein, nicht verletzt“, entgegnete sie stockend und schaute in sein Gesicht.

Diesmal war sie froh, dass er sie noch immer festhielt, denn sonst hätten sicherlich ihre Knie unter ihr nachgegeben …

Carmelina blinzelte, doch er war immer noch da. Sie blinzelte erneut und musste feststellen, dass er trotzdem nicht verschwand.

Roberto Peroni, der beste Schulfreund ihres älteren Bruders und langjähriges Objekt ihrer fruchtlosen Schulmädchenschwärmerei.

Roberto.

Nur mit Mühe zwang sie ihren Herzschlag dazu, sich wieder zu beruhigen. Sie war über ihn hinweg. Schon seit Ewigkeiten.

Nicht, dass diese Tatsache sie davon abgehalten hätte, jedes kleinste Detail in sich aufzusaugen.

Er war immer noch unheimlich attraktiv, immer noch der bestaussehende Mann, der ihr je begegnet war. Die Zeit hatte daran nichts geändert. Wenn überhaupt, dann hatte sie ihn nur reifer und noch perfekter werden lassen. Seine Züge, die schon immer prägnant gewesen waren, wirkten jetzt noch markanter. Als Teenager war er ein wenig zu dünn gewesen, doch nun strotzte sein athletischer Körper nur so vor Muskeln. Um seine Augen hatten sich ein paar Fältchen gebildet, was ein interessanter Kontrast zu der Intensität seines Blicks war, mit dem er sie jetzt gleichermaßen fragend und besorgt anschaute.

Natürlich erkannte er sie nicht. In den Jahren, in denen sie gemeinsam im selben Dorf groß geworden waren, hatte er sie nie beachtet. Für ihn war sie praktisch unsichtbar gewesen. Also warum sollte er sich jetzt, fünfzehn Jahre später, an sie erinnern?

Carmelina zuckte die Schultern in dem Versuch, seine Hände abzuschütteln - und wenn sie ganz ehrlich war auch den Stich der Enttäuschung, der sie bei seinem fragenden Blick erfasst hatte. Es war eine reine Wunschvorstellung, dass er sie wiedererkennen würde.

Und in letzter Zeit blieben ihr alle Wünsche versagt. Dafür gab es Pflichten noch und nöcher. Wovon sie gerade eine vergaß. Da gab es ein Kleid, auf das Signorina Sienna sicherlich schon wartete, ein Kleid, das sie irgendwie in Ordnung bringen musste vor dem ersten Termin der zukünftigen Fürstin von Montvelatte …

Rasch warf sie einen Blick auf die Uhr und erstarrte. Der erste Termin der Signorina war schon in einer Stunde! Was dachte sie sich nur dabei, hier bei einem Geist aus ihrer Vergangenheit zu verharren und wertvolle Zeit zu vergeuden?

„Bitte akzeptieren Sie meine aufrichtige Entschuldigung, Signore Peroni, aber ich muss mich jetzt um meine Pflichten kümmern.“

„Sie kennen meinen Namen?“, entgegnete er, wobei er sie immer noch festhielt. Sein fragender Blick wurde noch intensiver, wenn das überhaupt möglich war. „Sind wir uns schon einmal begegnet? Ich bin sicher, dass ich eine so schöne Frau nicht vergessen würde.“

Flirtete er etwa mit ihr? Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er auch nur ein Wort ernst meinte, dennoch war es schwer, nicht auf die Wärme zu reagieren, ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Ein unmoralisches Angebot!" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen