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Ein neuer Anfang in Hollywood

Maureen Child

Ein neuer Anfang in Hollywood

1. KAPITEL

Aus dem Vorzimmer drang ein Aufschrei des Entzückens. Devlin Hudson fuhr erschrocken zusammen.

Das war schon das vierte Mal an diesem Morgen. Die vierte Sekretärin, die einen Blumenstrauß, ein Plüschtier, eine Pralinenschachtel oder sonstigen Schnickschnack geschenkt bekam.

„Den Valentinstag sollte man verbieten“, murmelte er vor sich hin.

„Da spricht der König der Romantiker.“

Erbost blickte er seine Assistentin Megan Carey an. Die blonde Frau, die so etwa Mitte fünfzig war, schüttelte den Kopf und warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu.

„Bitte erspar mir deine Kommentare.“ Er kannte Megan lange genug und wusste, dass es das Beste war, derartige Gespräche sofort abzuwürgen. Sonst nahm ihr Redeschwall kein Ende.

„Ich sage doch gar nichts.“

„Das wäre das erste Mal“, entgegnete er kopfschüttelnd.

Dev gab sich keinen Illusionen hin. Sicher, er war der Älteste unter den Hudson-Geschwistern und hatte eine wichtige Stellung im Unternehmen. Ein böser Blick von ihm genügte, um unter den Schauspielern und ihren Agenten Angst und Schrecken zu verbreiten. Aber all das beeindruckte Megan Carey, die sein Büro – und damit sein ganzes Leben – leitete, leider überhaupt nicht. Sie nahm sich einfach das Recht, jeden seiner Gedanken, jede seiner Ideen zu kommentieren und oft aufs Schärfste zu kritisieren.

„Morgen ist nun mal Valentinstag“, stellte sie fest. Es ging schon wieder los.

„Du liebe Güte, morgen erst“, stöhnte er auf. „Das heißt, es geht noch einen ganzen Tag lang mit dieser Schenkerei weiter.“

„Oh Mann“, kommentierte Megan, „dir fehlt wirklich jeder Sinn für Romantik.“

„Hast du nichts zu tun?“, konterte er und sah sie mit einem Blick an, mit dem er sonst eigentlich nur Regisseure, die ihr Budget überzogen hatten, in ihre Schranken wies.

„Glaub mir“, erwiderte sie aufseufzend, „mit dir über dieses Thema zu sprechen … ist Beschäftigung genug.“

„Na schön“, entgegnete er resigniert. „Dann raus damit. Sag mir, was du auf dem Herzen hast, damit ich mich anschließend wieder in Ruhe meinen Pflichten widmen kann.“

„Na gut. Dann werde ich’s dir erklären.“

Als ob er sie davon hätte abhalten können.

Sie legte einen Stapel Memo-Zettel auf seinen Schreibtisch und stemmte dann die Hände in die Hüften. „Wie bereits erwähnt – morgen ist Valentinstag. Jeder Ehemann mit nur einem Funken Verstand würde diese Gelegenheit wahrnehmen, um seiner Frau Blumen zu schenken. Oder Pralinen. Oder beides.“

Mit konzentriertem Blick sah sich Dev die Memos an und tat so, als wäre Megan gar nicht da. Als hegte er die stille Hoffnung, sie würde einfach verschwinden, wenn er sie ignorierte. Aber natürlich half das nicht.

„Jede Frau freut sich doch, wenn sie an diesem besonderen Tag von ihrem Mann eine kleine Aufmerksamkeit …“

„Valerie und ich leben getrennt, falls du das vergessen hast“, wandte er ein. Er verspürte nicht das geringste Bedürfnis, mit seiner Assistentin über diese Themen zu diskutieren – über seine Ehe, über seine Frau. Und schon gar nicht über die Tatsache, dass sie ihn verlassen hatte.

Aber es war zu spät, Megan hatte das Thema angeschnitten, und nun setzte es sich in seinem Kopf fest.

Dev konnte immer noch nicht glauben, dass seine Frau ihm den Laufpass gegeben hatte. Um Himmels willen, warum hat sie mich verlassen?, fragte er sich wohl zum tausendsten Mal. Sie waren doch gut miteinander ausgekommen. Sie durfte seine Kreditkarten benutzen, hätte jedes Geschäft auf dem Rodeo Drive leerkaufen können. Genug Zeit zum Shoppen hatte sie auch. Sie hatten ja in seiner Suite im Herrenhaus der Hudsons gewohnt, deshalb brauchte sie sich nicht einmal selbst um das Personal zu kümmern. Sie brauchte sich wirklich um nichts zu sorgen, sie brauchte nur mit ihm zusammenzuleben.

Doch das war ihr offenbar nicht genug gewesen.

Jetzt saß er allein da. Und seine Frau wohnte in einem luxuriösen Apartment in Beverly Hills. Oft wurde sie fotografiert, wie sie shoppen ging oder in einem angesagten Restaurant zu Abend aß. Wer weiß, dachte Dev, vielleicht trifft sie sich sogar mit irgendwelchen Männern.

Aufgebracht zerknüllte er die Zettel in seiner Hand. Seine Frau und andere Kerle … das ging schon mal gar nicht. Doch eins war ihm klar: Falls es so war – verhindern konnte er es nicht.

„Richtig, du und deine Frau, ihr lebt getrennt“, erwiderte Megan. „Aber eben nur getrennt. Ihr seid ja nicht geschieden. Also …“

„Hör zu, Megan“, stieß er hervor, „wenn dir dein Job lieb ist, lässt du dieses Thema. Und zwar sofort.“

„Mach keine Witze. Ohne mich wärst du rettungslos verloren, das weißt du genau.“

„Falls er dir wirklich kündigt, Megan“, ertönte plötzlich eine dunkle Stimme von der Tür her, „stelle ich dich sofort ein. Zum doppelten Gehalt.“

Dev sah seinen Bruder Max an. „Wenn du sie mir abnimmst, zahle ich dir noch ein hübsches Sümmchen obendrauf.“

Verärgert musterte Megan die beiden. „Ich sollte wirklich kündigen – nur um euch zu beweisen, dass ich unentbehrlich bin. Aber das bringe ich nicht übers Herz. Ich könnte nicht mit ansehen, wie die ganze Firma den Bach runtergeht.“

Erhobenen Hauptes verließ sie das Zimmer und schloss die Tür hinter sich.

Dev lehnte sich in seinem Ledersessel zurück. „Warum kündige ich ihr nicht einfach?“

Max ließ sich im Besuchersessel nieder. „Weil sie seit dreißig Jahren hier arbeitet und uns schon kannte, als wir noch Kinder waren. Und weil sie uns wahrscheinlich umbringen würde, wenn wir auch nur den Versuch starten würden, sie loszuwerden.“

„Wo du recht hast, hast du recht.“ Kopfschüttelnd ließ Dev seinen Blick durch das Büro schweifen. An den Wänden hingen gerahmte Filmplakate, durch das Fenster hatte man einen Blick auf das Studiogelände von Hudson Pictures.

Ja, das war seine Welt. Hier arbeitete er, hier tat er genau das, was ihn glücklich machte.

Aber warum, verflixt noch mal, war er dann nicht glücklich?

„Womit hat sie dich denn eben genervt?“

„Ach, sie meint, ich sollte Valerie Blumen zum Valentinstag schicken.“

„Ist doch gar keine schlechte Idee“, meinte Max. „Ich habe für Dana gerade einen großen Rosenstrauß und feinste belgische Pralinen bestellt. Warum solltest du Val nichts zukommen lassen?“

„Bist du verrückt geworden?“ Dev sprang von seinem Bürosessel hoch und ging unruhig auf und ab. „Du machst bei diesem Valentinstag-Blödsinn mit und kaufst was für deine Verlobte, na schön, meinetwegen. Aber bei mir ist das etwas anderes. Val hat mich verlassen. Schon vergessen?“

„Besonders überraschend kam das aber nicht.“

„Was willst du damit sagen?“

„Ach, komm schon, Dev. Sie war verrückt nach dir … und du hast sie wie Luft behandelt.“

Dev blieb stehen und sah seinen jüngeren Bruder verärgert an. „Mein Eheleben geht dich einen feuchten Dreck an.“

Max zuckte mit den Schultern. „Ich meine ja nur … du kümmerst dich ständig um weinerliche Regisseure und aufmüpfige Schauspieler. Wenn du nur ein Zehntel dieser Zeit deiner Frau gewidmet hättest, würdest du jetzt nicht alleine dastehen. Denk mal drüber nach.“

„Oh, vielen Dank für diese weisen Worte. Seit du frisch verliebt bist, bist du ganz besonders nervig.“

„Ja, ich gebe zu, ich bin wirklich verliebt“, erwiderte Max lächelnd. „Ich bin so froh und dankbar, dass ich Dana gefunden habe. Nachdem ich Karen verloren hatte …“

Dev zuckte zusammen. Er hatte das Gespräch nicht auf die verstorbene Frau seines Bruders lenken wollen; er wusste nur zu gut, wie sehr Max unter ihrem Tod gelitten hatte. „Ich freue mich ja, dass du ein neues Glück gefunden hast. Wirklich. Aber das heißt doch nicht, dass jeder genau das Gleiche sucht wie du.“

„Du solltest es aber.“

„Verflixt noch mal, Max! Bist du nur hergekommen, um mir Ratschläge in Sachen Liebe zu erteilen? Hat dich irgendjemand zum Eheberater ernannt?“

Max lachte auf. „Natürlich nicht. Aber nachdem Megan dich schon mit diesem Thema am Wickel hatte, wollte ich die Chance nutzen. Steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein.“

„Ja, schön, vielen Dank. Aber ich verzichte auf deine weisen Ratschläge. Liebe ist was für Schwachköpfe.“

Im Laufe des vergangenen Jahres hatte fast jeder aus der Familie Hudson sein Liebesglück gefunden. Und nun fühlten sich alle bemüßigt, ihm kluge Ratschläge zu erteilen.

Sie wollten einfach nicht begreifen, dass Dev die Sache anders sah. Sie waren im Filmgeschäft. Hudson Pictures verdiente gutes Geld damit, dem Publikum rührselige Geschichten mit Happy End zu verkaufen. Aber das hieß noch lange nicht, dass Dev auch im Privatleben daran glaubte.

„Liebe ist was für Schwachköpfe?“, wiederholte Max lächelnd. „Weißt du, wer so was sagt? Nur die Leute, die am Valentinstag keine Frau an ihrer Seite haben.“

Dev warf Max einen bösen Blick zu. „Ich fasse es einfach nicht, dass selbst du auf diesen Schnickschnack reinfällst. Valentinstag, pah! Dieser sogenannte Feiertag ist von Glückwunschkartenherstellern und der Schokoladenindustrie erfunden worden. Die meisten Männer durchschauen das Spiel und machen nur gezwungenermaßen mit. Aber die Frauen haben sich einlullen lassen.“

„Eine Schachtel Pralinen, ein schöner Blumenstrauß und ein Gläschen Wein – das ergibt einen schönen Abend für beide Seiten“, warf Max ein. „Aber dir ist das ja völlig fremd. Du bist schließlich der Typ, der es widerspruchslos zugelassen hat, dass seine Frau ihn am Weihnachtsabend verlassen hat. Du bist wirklich ein echter Fachmann in Sachen Romantik.“

„Seit du verliebt bist, hat deine Gehirnleistung bedenklich nachgelassen.“

„Während deine Heirat dich überhaupt nicht verändert hat.“

Das stimmte sogar, Dev war genau der Gleiche geblieben. Aber er hatte ja auch nie behauptet, großartig verliebt zu sein. Er hatte Valerie geheiratet, weil er eine Frau brauchte und sie genau in sein Anforderungsprofil passte. Sie hatte gute Beziehungen zur Presse und Geschäftswelt und machte etwas her, wenn sie an seiner Seite stand. Für ihn war sie nur schmückendes Beiwerk gewesen.

Und dann hatte sie ihn Knall auf Fall verlassen. Nicht, dass ihm das etwas ausmachte. Vermisste er sie? Nein. War schon okay, dass sie weg war. Ihm ging es doch gut.

„Du hast recht“, stimmte er Max zu, „ich habe mich nicht geändert. Ich bin immer noch der Gleiche wie vor meiner Heirat.“

„Und das tut mir leid für dich.“

Verärgert ging Dev zur Fensterfront hinüber und blickte nach draußen. Alles, was er dort sah, so weit sein Auge reichte, gehörte Hudson Pictures. Das riesige Studiogelände mit Dutzenden verschiedener Kulissen. Sobald die Kamera-Crews kamen, erwachte alles zu schillerndem Leben. Es gab Schauspieler, Statisten, Aufnahmeleiter, Elektriker. Das Studiogelände war wie eine kleine Stadt. Und er war der Bürgermeister.

Dennoch schweiften seine Gedanken ab … nach Beverly Hills. Wo Valerie in einem Apartment wohnte, das er noch nie von innen gesehen hatte.

Dev blickte zu seinem Bruder hinüber und fragte leise: „Was soll das heißen?“

„Was das heißen soll? Dass du etwas brauchst, das etwas Freude in dein Leben bringt.“ Ernst sah Max seinen älteren Bruder an. „Valerie war deine Chance, endlich ein erfülltes Privatleben zu führen und dich nicht nur in der Arbeit zu vergraben. Aber du hast es verbockt. Du hast widerspruchslos hingenommen, dass sie dich verlassen hat.“

Mit zusammengebissenen Zähnen schaute Dev wieder aus dem Fenster. Er wollte nicht über seine Ehe reden. Nicht mit Max. Eigentlich mit niemandem.

Ja, gestand er sich ein, es hatte ihn sehr wohl getroffen, dass Val ihn verlassen hatte – und das ausgerechnet am Weihnachtsabend. Er war Devlin Hudson. Niemand verließ ihn. Zumindest war das noch nie vorgekommen, bis er Val kennengelernt hatte. Dass die Presse sich auf das Scheitern seiner Ehe gestürzt hatte, machte die Sache nicht besser.

Jede Zeitung und jedes Klatschblatt hatten Spekulationen darüber veröffentlicht, warum Val ihn verlassen hatte. Wochenlang waren ihnen Paparazzi auf den Fersen gewesen. Dev schämte sich zwar dafür, aber er war wirklich so tief gesunken, die Zeitschriften zu kaufen und zu lesen – nur um herauszufinden, was seine Frau vorhatte.

Abrupt drehte er sich um und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch. „Ist dir schon mal in den Sinn gekommen, dass vielleicht ich die Trennung wollte?“

„Nein.“ Max schüttelte den Kopf, lehnte sich zurück und schlug die Beine übereinander. „Das würde nicht zu dir passen, Dev. Wenn du dich zu etwas entschlossen hast, ziehst du es durch. Also hättest du sie nie im Leben zum Gehen aufgefordert. Das Einzige, was ich nicht begreife … Warum hast du zugelassen, dass sie geht? Sie war geradezu verrückt nach dir, das wissen doch alle in der Familie.“

Ja, das war sie, sinnierte Dev. Er dachte zurück. Val hatte es so genossen, Zeit mit ihm zu verbringen. Wenn sie zusammen gewesen waren, hatten ihre Augen vor Glück gestrahlt. Voller Begeisterung und Erwartung war sie die Beziehung zu ihm eingegangen. Und er hatte das als selbstverständlich angesehen. Warum auch nicht? Er hatte doch gewusst, dass sie ihn liebte. Das war einer der Gründe gewesen, dass ihm die Heirat als gute Idee erschienen war. Was sollte schon schieflaufen, wenn seine Frau ihn liebte?

Immer mehr Erinnerungen stürmten auf ihn ein. Valerie, wie sie ihn anlächelte. Val in Frankreich, während der Dreharbeiten zu „Ehre“. Val im Bett, verwirrt und unsicher nach der katastrophalen Hochzeitsnacht. Verflixt. Alles in ihm zog sich bei dem bloßen Gedanken daran zusammen.

Zu seiner Verteidigung konnte er immerhin anführen, dass er nicht damit gerechnet hatte, dass sie noch Jungfrau war. Dass sie so nervös und verkrampft sein könnte.

Das ist wirklich keine Glanzleistung von mir gewesen, gestand er sich zähneknirschend ein. Ich wollte sie, ich war scharf auf sie und habe deshalb nicht genug Einfühlungsvermögen gezeigt. Das Vorspiel hätte länger sein müssen. So hatte die erste Liebesnacht in einer Katastrophe geendet, und auch jeder weitere Versuch in den folgenden Tagen und Wochen war nicht viel besser verlaufen. Val blieb verängstigt und verkrampft, und Dev war wegen seines Verhaltens beim ersten Mal verunsichert. Eine entspannte Stimmung hatte sich einfach nicht mehr einstellen wollen.

Dev wischte die bedrückenden Gedanken beiseite. „So, alle in der Familie wissen das, ja? Dann will ich dir mal was sagen. Ihr alle – dich eingeschlossen – habt euch da gefälligst rauszuhalten. Das ist meine private Angelegenheit.“

„Es geht dir in Wahrheit um Mom und Dad, nicht wahr? Um ihre Ehe, die auf der Kippe steht.“

Devlin warf seinem Bruder einen vernichtenden Blick zu. Seit er wusste, dass seine Mutter seinen Vater betrogen hatte, hatte sein Glaube an die heilige Institution der Ehe einen Knacks bekommen. Das war auch kein Wunder. Gerade die Ehe seiner Eltern hatte er immer für perfekt gehalten. Und nun hatte sich herausgestellt, dass alles nur eine große Lüge gewesen war.

„Lass unsere Eltern aus dem Spiel.“

„Warum?“ Max seufzte auf. „Du willst nicht mit Dad über diese Sache reden, und Mom hörst du nicht mal zu. Du bist einfach eiskalt. Eiskalt und verschlossen.“

„Ich hatte zu viel zu tun, um mich damit zu beschäftigen“, verteidigte sich Dev verärgert. „Vielleicht ist es dir entgangen, aber wir haben zurzeit mehrere Filme in der Postproduktion, ganz zu schweigen von der Oscar-Nominierung. Aber das ist ja unwichtig, oder?“

„Es geht hier nicht um die Arbeit, Dev. Es geht um dich. Um dein Leben. Du hättest dir nur ein bisschen mehr Mühe geben müssen, das ist alles.“ Vorwurfsvoll blickte Max ihn an. „Val hat dich wirklich geliebt. Und du hast auf der ganzen Linie versagt.“

Dev fühlte so etwas wie Bedauern, ja sogar Reue, in sich aufsteigen, und das gefiel ihm gar nicht. Er war kein Mensch, der zurückblickte. Es lag ihm einfach nicht, einmal begangene Fehler zu analysieren; für ihn war die Vergangenheit Vergangenheit. Man konnte sie nicht mehr ändern.

Verärgert erhob Dev sich und blickte auf seinen Bruder herab. „Ich habe überhaupt nicht versagt. Und du solltest dich lieber um dein eigenes Liebesleben kümmern, als dir den Kopf über mich und meine Frau zu zerbrechen.“

„Du hast keine Frau mehr, Dev“, erinnerte Max ihn. „Sie ist dir fortgelaufen.“

Hatte er keine Frau mehr? Komisch, so etwas hatte er gerade vorher noch zu Megan gesagt. Aber dass Max jetzt dasselbe behauptete – das machte ihn wütend. Nein, nein, Megan hatte recht gehabt. Er hatte eine Frau. Sie war nur im Moment nicht bei ihm. Die Vergangenheit konnte er nicht mehr ändern, aber die Zukunft – die konnte er beeinflussen.

„Ich habe sehr wohl eine Frau“, konterte Dev. Ihm wurde bewusst, wie leid er es war, Reportern ausweichende Antworten zu geben, vor Paparazzi zu flüchten und sich ständig die wohlmeinenden Ratschläge seiner Verwandten anzuhören. Es war höchste Zeit, dass er die Sache in Ordnung brachte.

Warum musste er sich eigentlich um alles kümmern?

Er hatte doch nicht seine Frau verlassen – sie war ihm davongelaufen. Er hatte sich diese Situation nicht gewünscht – alleine zu Hause zu sitzen und kaum die Stille ertragen zu können. Sie hatte ihnen das eingebrockt, und er war es leid.

„Würde mich interessieren, ob Val das auch so sieht“, erwiderte Max und stand auf.

„Lass das meine Sorge sein.“ Je mehr er darüber nachdachte, desto entschlossener wurde er. Voller Elan ging er zum Schrank und holte sein Jackett heraus.

„Wo willst du hin?“, fragte Max.

„Ich will mich mit meiner Frau aussprechen.“ Bei dem Gedanken, sie wiederzusehen, wurde ihm bewusst, wie sehr er sie vermisst hatte. „Höchste Zeit, dass ich Val daran erinnere, dass wir immer noch verheiratet sind.“

„Und du meinst, das geht so einfach?“

Dev sah seinen jüngeren Bruder an. Der nahende Valentinstag und die Liebe, die überall in der Luft lag, hatten ihm bewusst gemacht, wie einsam er war. Zu Hause, allein in der Wohnung, fühlte er sich unwohl. Und dass seine Brüder und seine Schwester sich in ihrem Liebesglück sonnten, verstörte ihn auf eine Art und Weise, die er sich früher kaum hätte vorstellen können.

Warum das so war … darüber wollte er lieber gar nicht nachdenken. Schließlich war er doch fast immer allein gewesen. Weil er es so wollte.

Wahrscheinlich war genau das das Problem. Diesmal war er nicht aus freien Stücken allein. Diesmal war er allein, weil Valerie es so entschieden hatte. Nun gut, er hatte ihr ihren Willen gelassen. Hatte sie gehen lassen und ihr all den „Freiraum“ gegeben, den sie sich nur wünschen konnte. Aber damit war jetzt Schluss. Es war höchste Zeit, dass sie wieder nach Hause kam. Schließlich hatten sie einander ein Eheversprechen gegeben. Und das lautete nicht: „… bis du die Nase voll hast und abhaust.“ Nein. Es hieß: „… bis dass der Tod euch scheidet.“ Wenn Dev ein Versprechen gab, sogar einen Eid schwor, dann hielt er sich daran. Und genau das Gleiche erwartete er von seiner Frau.

Und das würde er ihr jetzt sagen.

Entschlossen lächelte er Max an. „Einfach oder nicht – ich muss es tun.“

Valerie Shelton Hudson hatte von ihrem Apartment aus einen wunderbaren Blick über die Hügel, Bäume und Häuser von Beverly Hills. Doch weder der Ausblick noch die edle, geschmackvolle Inneneinrichtung konnten sie darüber hinwegtäuschen, wie einsam sie war. Vor allem die Stille zerrte an ihren Nerven.

Dennoch schaltete sie nur selten das Radio oder den Fernseher an. Sie wollte nichts über Hudson Pictures oder die bevorstehende Oscar-Verleihung hören. Jedes Mal, wenn Devlins Name erwähnt wurde, krampfte sich ihr Herz zusammen, und ihr wurde aufs Neue bewusst, wie einsam sie sich fühlte.

So gut es ging, versuchte sie sich abzulenken. Oft ging sie mit Freunden essen, half bei Wohltätigkeitsveranstaltungen oder ging shoppen – wobei sie die Paparazzi zu ignorieren versuchte, die ihr ständig mit klickenden Kameras auf den Fersen waren.

So bekam sie die Tage einigermaßen ausgefüllt, doch ihre Nächte waren leer und einsam. Abends mit ihren Freundinnen durch die Nachtclubs zu ziehen und Männer kennenzulernen – daran hatte sie kein Interesse. Noch immer vermisste sie ihren Ehemann, obwohl er sie derart vernachlässigt hatte, dass sie keine andere Lösung gesehen hatte, als ihn zu verlassen.

„Nein, so will ich nicht leben“, murmelte sie vor sich hin, während sie auf den großen Balkon hinaustrat.

Sie ließ sich auf der Hollywoodschaukel nieder und schloss die Augen. Von der Straße fünfzehn Stockwerke unter ihr hörte sie leise das gleichmäßige Brummen des Verkehrs. Wenigstens hier hatte sie Ruhe vor den Paparazzi.

Gelegenheit und Muße, um ungestört nachzudenken. Doch ob sie es wollte oder nicht, natürlich kam ihr sofort Devlin in den Sinn. Immer wieder sah sie sein erstauntes Gesicht vor sich – seine totale Verblüffung, als sie ihm gesagt hatte, sie würde ihn verlassen. Inzwischen tat es ihr leid, dass sie einfach fortgelaufen war. Ich hätte um die Ehe kämpfen müssen, sagte sie sich, hätte versuchen müssen, etwas zu ändern.

Natürlich, zu Anfang hatte sie allein Devlin die Schuld am Scheitern ihrer Ehe gegeben. Inzwischen sah sie die Angelegenheit etwas differenzierter. Ich hätte mehr dafür sorgen müssen, dass er mich wahrnimmt, dachte sie. Stattdessen habe ich still und stumm abgewartet, dass er die gleichen Gefühle für mich entwickelt, die ich von Anfang an für ihn hatte.

Voller Sehnsucht drückte sie ein Kissen an sich und lehnte den Kopf zurück. Wieder tauchte Dev vor ihrem geistigen Auge auf, und ihr wurde warm ums Herz.

Wenn ich doch noch einmal ganz von vorne anfangen könnte, dachte sie. Ich würde vieles anders machen. Vor allem würde ich nicht mehr versuchen, ihm alles recht zu machen, sondern auch mal meine Meinung vertreten. Nicht mehr die brave Ehefrau sein … sondern ich selbst.

Die brave Ehefrau.

Das war der Fehler gewesen. Kein Wunder, dass er sich mit ihr gelangweilt hatte! Sie stöhnte auf.

„Mrs. Hudson?“

Die Haushälterin, die sich stundenweise um das Apartment kümmerte, stand vor ihr. „Was gibt’s denn, Teresa?“

„An der Tür steht ein Herr, der Sie besuchen möchte“, sagte die junge Frau leise, fast entschuldigend. „Ich habe ihm gesagt, dass Sie nicht gestört werden wollen, aber …“

„… ich habe mich nicht abwimmeln lassen.“

Hinter Teresa tauchte der Mann auf, von dem Val gedacht hatte, dass sie ihn nie wiedersehen würde.

Ihr Ehemann.

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