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Ein letztes Mal …

1. KAPITEL

Hilton Head Island, South Carolina
Vor zwei Monaten

Sebastian Landis hatte mehr Zeit in Gerichten zugebracht als jeder rückfällig gewordener Kriminelle. Schließlich war er einer der erfolgreichsten Anwälte in South Carolina. Aber heute hatte er aus erster Hand erfahren, wie es war, wenn Anwälte vollkommene Macht über sein Leben hatten.

Und ihm gefiel das ganz und gar nicht.

Natürlich rangierte Sich-scheiden-zu-lassen ganz unten auf seiner Liste der Dinge, die er gern tun würde. Er wollte einfach den Prozess durchziehen, damit der Richter die Scheidung amtlich machen konnte.

Er nahm die Akten vom Tisch in einem der Konferenzräume des Gerichts und verabschiedete sich geistesabwesend von seinem und auch Mariannas Anwalt. Mit voller Kraft voraus. Das Ziel im Auge behalten. Als Sebastian den Blackberry wieder an seinem Gürtel befestigte, vermied er es, seine Frau anzusehen, die einzige Frau, die es geschafft hatte, seine Gelassenheit zu erschüttern – ihm die Ruhe zu nehmen, die er auch unter Stress wahrte und die in Gerichtskreisen sein Markenzeichen war.

Wenigstens hatten sie den größten Teil des Papierkrams mit ihren Anwälten an diesem bedeckten Sommertag erledigt, sodass nur noch der abschließende Gerichtstermin blieb. Die Vereinbarung, die sie getroffen hatten, war fair, kein leichtes Unterfangen bei seinem Familienvermögen und ihrem Beruf als erfolgreiche Innenarchitektin. Sie hatten sich nicht einmal darüber gestritten, wie sie ihr Vermögen von mehreren Millionen Dollar auflösen sollten – vermutlich das erste Mal, dass sie es nicht getan hatten.

Das einzige Problem war aufgetaucht, als zu entscheiden war, was mit ihren beiden Hunden geschehen sollte. Keiner von ihnen wollte Buddy und Holly verlieren oder die Hundegeschwister trennen. Letztendlich hatte jedoch jeder einen der Terriermischlinge, die sie aus dem Tierheim geholt hatten, übernommen.

Und was hätten sie gemacht, falls er und Marianna tatsächlich Kinder gehabt hätten?

Sebastian verdrängte dieses schmerzliche Thema schnell wieder. Heute würde er sich auf keinen Fall damit beschäftigen, denn selbst ein Gedanke daran brachte ihn an einem grässlichen Tag wie diesem aus der Fassung.

Was dazu führte, dass er wider besseres Wissen seine Aufmerksamkeit auf Marianna richtete.

Sie erhob sich gerade aus dem Ledersessel, einfach unglaublich hübsch, aber das war sie ja schon immer gewesen. Mit ihren dunklen Augen und dem noch dunkleren langen Haar war sie der exotische Traum jeden jungen Mannes gewesen, als sie sich auf einer Kreuzfahrt in die Karibik begegnet waren.

An diesen heißen erotischen Sommer zu denken könnte Sebastian glatt in den Wahnsinn treiben. Also griff er nach seiner Aktentasche und konzentrierte sich auf das, was er noch an diesem Nachmittag in seinem Büro erledigen musste. Natürlich konnte er auch bis in den Abend hinein arbeiten. Niemand wartete zu Hause auf ihn, jetzt, da er eine Suite auf dem Anwesen seiner Familie bewohnte.

Im selben Moment wie Marianna erreichte er den Ausgang. Sebastian hielt ihr die Tür auf, und dabei stieg ihm der Duft ihres Chanel-Parfüms in die Nase. Ja, er wusste viel über seine baldige Ex, zum Beispiel, welche Düfte sie mochte. Was sie nach einer Liebesnacht am liebsten aß. Welche Wäschemarken sie bevorzugte. Er wusste einfach alles.

Außer, wie er sie glücklich machen konnte.

„Danke, Sebastian.“ Sie sah ihn nicht einmal an, als der Rock ihres leichten Sommerkostüms ihn auf ihrem Weg zur Tür hinaus streifte.

Das war alles? Nur ein Dankeschön?

Anscheinend empfand er immer noch mehr als bloße Anziehung für sie, denn im Moment war er wütend. Er erwartete nicht, dass sie ihre Scheidung mit einem festlichen Champagnerdinner begingen, aber, du liebe Güte, sie sollten ja wohl in der Lage sein, sich höflich zu verabschieden. Nicht, dass Höflichkeit je eine Stärke seiner launenhaften Frau gewesen wäre. Sie war einem Streit nie aus dem Weg gegangen.

Warum also rannte sie auf ihren schicken Designerpumps dann regelrecht zum Fahrstuhl? Himmel, hohe Absätze ließen ihre endlos langen Beine noch hinreißender aussehen. Sie war immer verrückt nach Schuhen gewesen, aber das hatte ihn nicht gestört, da sie ihm ihre Neuerwerbungen stets vorgeführt hatte.

Nackt.

Verdammt, wie lange würde es dauern, bis die Momentaufnahmen des Lebens mit Marianna in seiner Erinnerung verblassen würden? Er wollte seinen höflichen Abschied, wollte das Ganze versöhnlich beenden. Und er wollte diese Ehe beenden. Punkt.

Sebastian kam zum Lift, gerade als sich die Türen schlossen. Er schlug mit den Fäusten dagegen, bis sie wieder aufgingen. Für einen Moment riss Marianna die Augen auf, und er glaubte schon, dass sie ihn jetzt anfauchen, ihm ein paar heftige Worte an den Kopf werfen würde und vielleicht sogar die Ledermappe, die sie an ihre Brust gedrückt hielt.

Sie senkte hastig den Blick und schaute überall hin, nur nicht ihn an.

Er stellte sich neben sie, und der Aufzug setzte sich in Bewegung. „Wie geht’s Buddy?“

„Gut.“ Ihre knappe Antwort schien die Musik vom Band für den Bruchteil einer Sekunde zu unterbrechen.

„Holly hat gestern den Griff von Matthews Eisen neun angekaut.“

Sein Bruder hatte ihn gedrängt, auf dem Golfplatz achtzehn Löcher zu spielen und sich zu entspannen. Sebastian hatte gewonnen. Er gewann immer. Aber mit dem Entspannen hatte es nicht geklappt. „Zum Glück ist Matthew dieser Tage wegen seiner neuen Verlobten und seiner Kampagne um den Sitz im Senat bester Laune. Holly braucht sich also momentan nicht vor einem Wutanfall zu fürchten.“

Marianna schien nicht einmal zuzuhören. Seltsam. Sie hatte zwar aufgehört, ihn zu lieben, aber doch nicht die Hunde.

Normalerweise hielt er nichts von Auseinandersetzungen außerhalb des Gerichtssaals. Er hatte jedoch genug Scheidungen miterlebt, um zu wissen, dass sie, wenn sie die Sache nicht gleich bereinigten, einen Ausbruch nur auf die lange Bank schoben. „Wir können nicht erwarten, nie wieder miteinander reden zu müssen. Abgesehen davon, dass wir einen letzten Gerichtstermin haben, ist Hilton Head eine relativ kleine Gemeinde. Wir werden uns über den Weg laufen.“

Sie biss sich auf die Unterlippe. Und das genügte, um sich vorzustellen, wie sich genau dieser Mund auf seinem Körper anfühlte. Sebastian brach der Schweiß aus.

Er wischte sich eine Schweißperle von der Stirn, er war noch irritierter als vom Anblick ihrer aufreizenden Pumps. „Sieht so aus, als hätten wir die Regeln der Kommunikation in dieser Vereinbarung festlegen sollen. Mal sehen, ob ich das Ganze richtig verstehe. Wir reden nicht miteinander, außer um ‚Hallo‘ oder ‚Auf Wiedersehen‘ zu sagen. Aber ist ein kurzes Nicken okay, falls wir beide gleichzeitig die Hunde am Strand ausführen? Oder sollten wir dort Zonen abstecken, damit wir uns nicht über den Weg laufen?“

Sie umfasste ihre Ledermappe fester, den Blick auf die Etagenanzeige des Lifts gerichtet. „Brich keinen Streit vom Zaun, Sebastian. Nicht heute.“

Was zum Teufel meinte sie damit?

Er brach nie Streit vom Zaun. Das war sie. Er war der Besonnene, zumindest nach außen hin. Was also war los mit Marianna? Oder vielmehr mit ihm. „Gab es irgendetwas beim Termin mit den Anwälten eben, das nicht so lief, wie du es dir erhofft hattest?“

Sie lachte leise, ein trauriges Echo ihres hemmungslosen Gelächters, in das sie früher ungeniert ausgebrochen war. Sie lehnte sich an die Messinghaltestange des Lifts. „Keiner gewinnt, Sebastian. Behauptest du das nicht immer von Scheidungsfällen?“

Da hatte sie recht.

Sebastian stützte sich mit einer Hand an der Wand ab. Sicher, er bedrängte sie damit, aber es blieb nur noch eine Etage, um eine Antwort von ihr zu bekommen. „Was willst du?“

Marianna hob den Blick, endlich. Ihn traf fast der Schlag, als er in ihren dunklen Augen das Allerletzte entdeckte, was er erwartet hatte, besonders weil sie seit sechs Monaten getrennt schliefen. Und genau diesem einen konnte er nicht widerstehen, wenn es um diese Frau ging. In Mariannas Augen brannte glühend heißes …

Verlangen.

Ihre Ehe hatte auf dem Rücksitz eines Wagens begonnen und endete auch da.

Mit achtzehn war Marianna mit Sebastian Landis durchgebrannt. Sie hatten es nicht bis in ein Hotel geschafft, bevor die Leidenschaft sie überkommen war, und sich dann in einer Seitenstraße im Auto geliebt. Jetzt, nach dem abschließenden Termin mit ihren Anwälten, überwältigten sie die Hormone – und Emotionen – erneut.

Und das alles, weil sie einen Anflug von Bedauern in Sebastians Augen entdeckt hatte, als sie schriftlich festgelegt hatten, Buddy und Holly zu trennen. Dieses kleine Anzeichen von Verletzlichkeit bei ihrem fast schon krankhaft gelassenen Mann hatte Marianna völlig aus dem Gleichgewicht gebracht.

Und dann erregt.

Sie hatte versucht, aus dem Konferenzraum zu entfliehen, ehe sie etwas Dummes tat, wie sich ihm an den Hals werfen. Viel hatte es nicht genützt. Sie hatten es gerade noch geschafft, angezogen die Aufzugskabine zu verlassen, und waren durch den Regen zu seinem Wagen gerannt. Mit quietschenden Reifen war Sebastian losgefahren und in die nächste Seitenstraße abgebogen, um einen abgelegenen Parkplatz zu finden.

Ganz versessen darauf, das Pochen zwischen ihren Beinen zu lindern, wenn schon nicht den Schmerz in ihrem Herzen, schlang Marianna Sebastian die Arme um die breiten Schultern, als er sie auf den Rücksitz zog. Die getönten Wagenfenster schirmten sie in dem kleinen Wäldchen zusätzlich ab. Das Spanische Moos, das von den Sumpfeichen herunterhing, sah aus wie schmutzige Brautschleier, ein hübscher und trauriger Anblick zugleich.

Wie der Regen auf das Wagendach trommelte, so rauschte das Blut in ihren Adern. In einen wilden Kuss vertieft, dauerte es einen Moment, bis sie sich beide auf dem Rücksitz wiederfanden. Sebastians BMW war geräumiger als der Mustang mit aufklappbarem Verdeck, den er als junger Mann gefahren hatte.

Diesmal hinderte auch eine ungeplante Schwangerschaft sie nicht.

Er legte ihr seine Krawatte um den Hals und zog sie damit näher zu sich. Fasziniert von seiner vertrauten Nähe, atmete Marianna tief den Duft seines Aftershaves von Armani ein, der sie daran erinnerte, wie oft sie diese erregende Mischung wahrgenommen hatte, wenn Sebastian morgens unter der Dusche stand. Begierig darauf, alles zu bekommen, was sie dieses letzte Mal bekommen konnte, ausgehungert nach Monaten ohne die Lust, die er ihr verschaffte, erkundete sie Sebastians Mund mit der Zunge, strich ihm dabei über die Schultern, den Rücken, den knackigen Hintern.

„Marianna, wenn du aufhören möchtest, dann sag es jetzt.“ Eine feuchte Strähne seines braunen Haars, die ihm in die Stirn fiel, bewies ihr, wie aufgewühlt der Mann war, der dafür bekannt war, vor Gericht der unerbittlichste Anwalt des Staates South Carolina zu sein.

„Bitte sag nichts.“ Sie würden nur anfangen zu streiten. Über seine endlosen Arbeitsstunden in der Kanzlei. Über ihr Naturell, das so überspannt war wie einige der Wohnungen, die sie einrichtete.

Darüber, dass sie überhaupt nichts gemeinsam hatten außer der Leidenschaft und den Babys, die sie verloren hatten.

Donner grollte, und Sebastian umfasste ihr Gesicht. Das begehrliche Funkeln in seinen blauen Augen stand dem Aufleuchten des Blitzes draußen in nichts nach, fand sie. „Ich muss dich sagen hören, dass du mich genauso sehr in dir haben willst, wie ich dort sein möchte.“ Sein heiseres Flüstern verriet, wie sehr er um Beherrschung rang. „Wir haben schon genug zu bedauern und brauchen nicht noch einen Grund.“

„Ich weiß nur, dass der heutige Tag schrecklich ist, und ich will das hier unbedingt.“ Sie brachte es nicht über sich, zu sagen, dass sie ihn wollte, nicht nach den unzähligen Abenden, an denen sie sich einfach seine Anwesenheit gewünscht hätte, statt wieder einmal allein auf dem Balkon zu sitzen, und nur die Meeresbrandung, ein Glas Wein und ihre Tränen ihr Gesellschaft leisteten. „Also, könnten wir jetzt mit unserem Mund vielleicht etwas Besseres anfangen?“

Ohne den Blick von ihrem Gesicht zu wenden, ließ er eine Hand tiefer gleiten und begann, mit dem Daumen über ihre Brust zu streichen. „Wir können die Unterhaltung beenden, aber das hält mich nicht davon ab, dir zu sagen, wie unglaublich sexy du bist.“

Er neigte den Kopf und knabberte spielerisch an ihrem sensiblen Hals. Denn Sebastian wusste genau, wie er sie dazu bringen konnte, sich an ihn zu drängen, verlangend, ungeduldig. Mehr zu wollen. Jetzt sofort.

„Oder dass es mich verrückt macht, wie fantastisch deine Beine in diesen hochhackigen Pumps aussehen. Gelb. Himmel, wer trägt schon gelbe Schuhe?“ Wie selbstverständlich glitt er mit der Hand unter ihren Rocksaum, dann ihren Oberschenkel hinauf, am Rand ihres Slips entlang zielstrebig zwischen ihre …

Marianna warf den Kopf zurück, kaum noch eines klaren Gedankens fähig. „Ich. Ich trage solche. Und sie sind zitronenfarben.“

„Sie sind sexy.“

Würden lediglich großartiger Sex und ein üppiges Bankkonto für eine Ehe ausreichen, dann hätten sie es problemlos bis zu ihrer Goldenen Hochzeit schaffen können. Dieser Gedanke konnte die Lust, die er ihr bereitete, schneller abkühlen als ein Eimer eiskaltes Wasser.

Hastig machte sie sich an den Knöpfen seines mit Monogramm bestickten Hemdes zu schaffen, bis endlich alle geöffnet waren und sie seine warme Haut berühren konnte. Seine harten Muskeln zu fühlen ließ sie die Welt jenseits des abgelegenen Wäldchens, in dem sie parkten, völlig vergessen. Marianna begann, seine Brust zu küssen, mit Zähnen und Zunge zu liebkosen, während Sebastian ihre locker aufgesteckte Frisur löste, sodass ihr das Haar auf den Rücken fiel.

Sein Blackberry piepte, eine ganz und gar unwillkommene Störung. Ungeduldig riss Sebastian sich das Gerät vom Gürtel und warf es auf den Boden.

Wurde aber auch Zeit, dass er das tat.

Hitzig packte sie ihn an den Schultern, zog ihn an sich, verzweifelt darum bemüht, ihm noch näher zu kommen. Sie griff in sein kurz geschnittenes Haar, küsste ihn wie von Sinnen, regelrecht ausgehungert nach all den Monaten ohne ihn.

Er schob ihr die Kostümjacke über die Schultern und umschloss mit einer Hand ihre Brust über dem Satinhemdchen. Als er mit dem Daumen ihre harte Brustwarze zu streicheln begann, durchfuhr Marianna heftiges Verlangen. Und als er sie gleich darauf mit dem Mund liebkoste, drängte sie sich ihm instinktiv entgegen.

„Genug.“ Die feuchte Hitze seines Mundes durch den Satin auf ihrer Haut zu spüren steigerte ihre Lust nur noch weiter und weiter. „Ich will mehr.“

Zum Glück verstand er ihre Widersprüchlichkeit, die ihre Ehe in fast jeder Hinsicht belastet hatte. Er brachte sie beide wieder in eine aufrechte Position, bis er selbst mitten auf dem Rücksitz saß.

Rittlings setzte sie sich auf seinen Schoß. Beim Hinknien rutschte ihr der Rock hoch, und ihre Füße wurden gegen die Vordersitze gedrückt, sodass ihr ein Gucci-Pumps herunterfiel.

Schnell streckte er den Arm aus, griff nach unten und zog ihr den Schuh wieder an. „Anlassen“, raunte er ihr zu. „Ich stehe plötzlich auf Zitronengelb.“

Sie tastete nach seiner Gürtelschnalle und spürte dabei, wie erregt er war. Und gleich darauf schob sie die Hand unter den Stoff und begann, ihn zu streicheln. Sebastian, der sich beim Liebesspiel noch nie hatte abhängen lassen, glitt mit der Hand erneut unter ihren Rock und fing an, spielerisch an ihrem Stringtanga zu ziehen, bis er …

Zerriss.

Energisch schnipste er den Hauch gelber Seide beiseite, den sie am Morgen gewählt hatte, um sich mehr als Frau zu fühlen und weniger als Versagerin in der wichtigsten Beziehung ihres Lebens. Marianna presste sich an ihn, und er drang in sie. Schnell. Voll und ganz. Kein Zögern. Keine Unbeholfenheit. Vielmehr ein harmonisches Zusammenspiel, erworben durch neun Jahre Erfahrung, wie man Sex gemeinsam genoss, wenn schon nichts anderes.

Sie packte ihn an den Handgelenken und führte seine Hände zu ihren Brüsten. Und sie ließ seine Hände nicht los, während er sich ungezügelt und kraftvoll in ihr bewegte. Sie drängte sich aufreizend an ihn, forderte ihn mit kreisendem Hüftschwung heraus, um all die heißen Gefühle dieser ihrer letzten Begegnung voll auszukosten.

Ein letztes Mal zusammen sein. Eine weitere Erinnerung, mit der sie sich bei einem Glas Wein am Strand quälen konnte.

Wenn sie sich doch nur halb so gut bei anderen Dingen verstehen könnten, wie sie es beim Sex taten. Doch selbst dieses Band war brüchig geworden, weil es ja die Zeit „danach“ gab, den Absturz in tiefe Traurigkeit darüber, dass es nichts anderes mehr gab, was sie beide verband.

Seine Brust war inzwischen schweißfeucht, ihre Arme ebenfalls, und die Küsse schmeckten leicht salzig. Unbändige Lust stieg in Marianna auf, und das Bedürfnis, den Gipfel zu erreichen, war fast schmerzhaft. Sebastian durchwühlte ihr Haar, die Miene in einer Art und Weise angespannt, die ihr signalisierte, dass er auf sie wartete, sich zurückhielt, bis auch seine Arme zitterten. Ihr lustvolles Stöhnen mischte sich mit seinem, wurde drängender, heftiger. Sein gewaltiges Beben riss sie mit, befreite sie, auch wenn es ein weiteres Stückchen ihrer verletzten Seele zerstörte.

Ihr Begehren vermischte sich mit dem Schmerz zu einem bittersüßen Abschied. Eine Woge unglaublicher Hochgefühle nach der anderen überrollte sie, bis sie sich erschöpft gegen Sebastian sinken ließ. Er hielt sie immer noch fest in den Armen.

Im Inneren des BMW waren nur ihr Keuchen und das Prasseln des Regens auf das Wagendach zu hören. Marianna war bewusst, dass sie nichts weiter zu bereden hatten. Mit ihnen beiden war es vorbei. Sie hatten lediglich noch ein Treffen vor dem Scheidungsrichter vor sich.

Sie brauchten nicht einmal darüber zu sprechen, dass sie nicht verhütet hatten. Durch die Fehlgeburt vor neun Jahren war sie unfruchtbar geworden. Nicht, dass sie es nicht weiterhin versucht hätten – allerdings vergeblich.

Dann war die Hoffnung, doch noch ein Kind zu haben, für kurze Zeit zurückgekehrt. Sebastian hatte eine Adoption hundertprozentig unterstützt, und für vier wundervolle Monate war sie Mutter gewesen. Die kleine Sophie würde für immer in ihrem Gedächtnis bleiben, genau wie in ihrem Herzen. Sie und Sebastian hatten ihre Eheprobleme, die langsam zutage traten, beiseitegeschoben und sich ganz der Aufgabe gewidmet, Eltern zu sein.

Bis Sophies leibliche Mutter ihre Meinung geändert hatte.

Während sie sich dieses letzte Mal an Sebastians Brust schmiegte, hätte Marianna so gern geweint, um ihrer selbst willen, um seinetwillen, um ihrer Tochter willen. Doch nach alldem waren auch die Tränen versiegt. Vor sechs Monaten war Sophie aus ihren Armen gerissen worden, ihrem Haus, aus ihrem Leben.

Marianna hatte es das Herz gebrochen. Sebastian war zur Arbeit gegangen. Und ihre Ehe war endgültig gescheitert.

2. KAPITEL

Hilton Head Island, South Carolina
Heute

Marianna verzog das Gesicht, als der Richter mit dem Schlag seines Hämmerchens besiegelte, was sie und Sebastian mit ihren Anwälten in der Scheidungsvereinbarung festgelegt hatten.

An einem einzigen Tag war sie sowohl geschiedene Frau als auch unverheiratete Mutter geworden. Ein Baby. Sie umklammerte die Stuhlkante, um nicht schützend die Hände auf ihren Bauch zu legen.

Nach all den vielen vergeblichen Versuchen, schwanger zu werden, war ein Wunder geschehen. Erst heute Morgen hatte sie es herausgefunden – ein unglaublicher Moment, der sie immer noch schwindelig machte.

Ein Anflug von Hoffnung regte sich in ihr bei dem Gedanken an das neue Leben, das sie so gern in sich spüren wollte. Vielleicht klappte es diesmal …

Sie hatte überlegt, es Sebastian vor dem Gerichtstermin zu erzählen – etwa fünf Sekunden lang. Ein Kind änderte nichts an ihnen als Ehepaar. Die Vereinbarungen zum Unterhalt wären eine völlig andere Sache. Zudem wollte sie erst zum Arzt gehen, um hundertprozentig sicher zu sein, dass sie schwanger war. Sie verließ sich nicht auf das Ergebnis des Schwangerschaftstests zu Hause, nicht nach neun Jahren voller Enttäuschungen und den schrecklichen Monaten, die sie nach dem Verlust von Sophie durchgemacht hatte.

Und wie würde Sebastian die Neuigkeit aufnehmen?

Er saß wenige Meter entfernt und ließ gerade die Schlösser seines Aktenkoffers zuschnappen. Mit finsterer Miene. Zumindest etwas war an diesem ungewöhnlichen Tag normal.

Marianna nahm all ihren Mut zusammen und ging zu ihm hinüber. „Sebastian, ich würde gern einen Termin mit dir vereinbaren, damit wir uns unterhalten können. Vielleicht irgendwann nächste Woche?“

Nachdem sie bei einem Frauenarzt gewesen war. Sie hatte die ersten Anzeichen einer Schwangerschaft übersehen, weil sie mit der Einrichtung zweier großer Villen in Hilton Head sehr viel zu tun hatte. Dann hatte sie angenommen, der Stress durch die Scheidung habe ihren Zyklus durcheinandergebracht – selbst als aus einer ausgebliebenen Periode zwei wurden … Zwei Monate war es her, seit sie ihren Slip auf dem Autorücksitz mit Sebastian ruiniert hatte.

Im Aufstehen richtete er seine Seidenkrawatte und schloss einen Knopf der Anzugjacke. „Wir können uns jetzt unterhalten. Lass uns alles auf einmal klären.“

„Ich kann heute nicht.“ Sie hatte eine dringende Verabredung mit einer Tüte salziger Cracker und einer bequemen Couch.

„Etwas Wichtigeres zu tun?“

„Du bist derjenige, der mit seinem Blackberry verheiratet ist.“ Ihr wurde leicht übel. „Ich wollte dir genügend Spielraum geben, um drei Minuten mit mir zwischen deine Termine, das Gericht und das Erledigen deiner E-Mails zu schieben.“

„Nett von dir.“ Er lächelte schwach, aber das Lächeln war weit davon entfernt, seine Augen zu erreichen.

Aber es war echt. Und traurig. „Tut mir leid. War nicht meine Absicht, dir die altbekannten Vorhaltungen zu machen.“ Sie drückte eine Hand gegen ihre Stirn, weil ihr vor Enttäuschung ganz schwindelig wurde. „Jetzt ist kein guter Zeitpunkt, um etwas zu besprechen, und deshalb möchte ich mich nächste Woche mit dir treffen. Ich rufe deine Sekretärin an, um einen Termin zu vereinbaren.“

Als sie auf ihren Absätzen herumwirbelte, gelang es ihr nur knapp, nicht hinzufallen. Sie hielt sich so lange am Ende einer Sitzreihe fest, bis der Boden unter ihr nicht mehr zu schwanken schien.

Sebastian legte ihr eine Hand auf den Rücken. „Immer langsam, und atme tief durch. Es ist nur normal, dass du nach dem ganzen Scheidungsverfahren immer noch aufgeregt bist.“

„Aufgeregt? Aufgeregt!“ Sie warf ihm einen Blick über die Schulter zu und wäre beinahe in hysterisches Lachen ausgebrochen. Am liebsten hätte sie heulend mit Tellern geworfen und sich lautstark darüber beklagt, wie unfair es war, dass der Tag, an dem sich ihr größter Traum erfüllt hatte, ein derart mieser Tag war. „Wie immer bist du ein Meister des Understatements.“

Er schloss einen Moment die Augen und atmete tief durch, ehe er sie erneut anschaute, für Mariannas Geschmack etwas zu mitleidig. Sie wurde wütend, obwohl ihr schon übel genug war.

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