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Ein heißer Plan

1. KAPITEL

„Die Kongressabgeordnete Fisher ist auf Leitung zwei, Derek Mead immer noch auf Leitung drei, und Owen Winston ist auf Leitung vier.“

Mac Valentine, der hinter seinem Schreibtisch saß, lehnte sich entspannt zurück. Seine Chefassistentin Claire stand in der Tür zu seinem ultramodern eingerichteten Büro. Mit einem erwartungsvollen Ausdruck auf ihrem großmütterlichen Gesicht blickte sie ihn an. Seit acht Jahren arbeitete sie mittlerweile für ihn. Und seit acht Jahren bereitete es ihr ein diebisches Vergnügen, Mac bei seiner Arbeit beobachten zu können. Besondere Freude machten ihr genau die Augenblicke, in denen er einen Gegner zerstörte. Und mehr als einmal hatte er mitbekommen, wie sie ihn als skrupellosen, zielstrebigen Geschäftsmann bezeichnet hatte, der an seine fünfunddreißig Angestellten die höchsten Ansprüche stellte.

Mac lächelte. Seine Assistentin lag gar nicht so falsch mit ihren Ansichten. Sein Ziel war es, MCV Wealth Enhancement Corp. zur bedeutendsten Finanzberatungsfirma im gesamten Mittleren Westen zu machen. Dass er seine Angestellten feuerte, wenn sie dieses Ziel seiner Meinung nach nicht enthusiastisch genug verfolgten, war dabei seiner Meinung nach einfach unvermeidlich.

Claires Augen leuchteten, und sie wirkte wie ein Kind, das begierig darauf wartete, endlich vom Nachtisch naschen zu dürfen. „Mr. Winston sagt, dass er zurückrufen sollte, Sir.“

Mac warf einen Blick auf sein BlackBerry. „Sagen Sie der Kongressabgeordneten und Mead, dass ich mich bei ihnen melden werde. Das hier wird nicht lange dauern.“

„Ja, Sir.“ Claire stand noch immer in der Tür.

„Und schließen Sie die Tür hinter sich, wenn Sie gehen“, sagte Mac ruhig. „Heute gibt es keinen Nachhilfeunterricht.“

„Natürlich, Sir.“ Enttäuscht verließ seine Assistentin das Zimmer.

Mac drückte die Freisprechtaste am Telefon und lehnte sich zurück. „Owen.“

„Stimmt“, erklang die gereizte Stimme des älteren Mannes. „Ich habe jetzt lange genug in der Leitung gewartet. Also, was kann ich für Sie tun?“

Ein Gefühl der Genugtuung durchströmte Mac, als er das leichte Zittern von Owen Winstons Stimme wahrnahm. Er drehte sich in seinem Stuhl zu dem riesigen Panoramafenster um und betrachtete die Skyline von Minneapolis. „Ich werde weder meine noch Ihre Zeit damit verschwenden zu fragen, warum Sie es getan haben.“

„Ich verstehe nicht?“

„Ich werde Sie auch nicht dazu zwingen, es zuzugeben“, fuhr Mac fort. „Der Versuch, dem Ruf einer Konkurrenzfirma zu schaden, ist keine Seltenheit. Vor allem bei den älteren Vertretern unserer Branche kommt es oft vor. Ihr werdet müde, verliert euren Biss, und die Kunden schauen sich nach anderen Geschäftspartnern um.“

Mac konnte regelrecht spüren, wie Owens Miene sich verdüsterte. „Sie wissen nicht, was Sie sagen, Valentine …“, murrte Owen Winston.

„Das ist der Lauf der Dinge, Sie können nichts dagegen tun“, fuhr Mac kühl fort. „Sie sehen diese jungen Wilden, mit den kühlen Köpfen und den besseren Ideen. Unaufhaltsam erklimmen sie die Karriereleiter und kommen immer näher. Und Sie beginnen, sich Sorgen zu machen, dass Sie nicht länger ernst genommen werden könnten. Wenn Sie dann erkennen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die jüngere Generation Sie vollständig aus dem Geschäft verdrängt hat, geraten Sie in Panik.“ Mac beugte sich vor und sagte ruhig: „Sie hatten Panik, Owen.“

„Das ist lächerlich“, stieß Owen hervor. „Sie wissen nicht, was Sie sagen.“

Mac sprach weiter, als hätte er seinen Einwand gar nicht gehört. „Ein Mann mit ein wenig Ehre im Leib hätte seine Grenzen erkannt und sich zurückgezogen – um zukünftig vielleicht Golf zu spielen und regelmäßig ein Mittagsschläfchen zu halten.“

„Ein ehrenwerter Geschäftsmann, Valentine?“ Owen lachte bitter auf. „Ein ehrenwerter Geschäftsmann würde keinen Kunden bevorzugt behandeln. Er würde niemandem entscheidende geschäftliche Hinweise geben. Ein ehrenwerter Mann würde solche Informationen nicht weitergeben, nur weil sein Kunde eine hübsche Frau mit langen Beinen und großen Brüsten ist.“

Das waren die haltlosen Anschuldigungen eines verzweifelten Mannes. Vollkommener Unsinn. Und doch hatte sich dieses Gerücht wie ein Lauffeuer verbreitet. „Sie stehen so kurz vor einer Klage, Winston.“

„Sie dürften klug genug sein, um damit nicht vor Gericht zu gehen. Denn es würde einen langwierigen Prozess nach sich ziehen. Und das würde, denke ich, Ihrem Ruf noch viel mehr schaden.“

Es dauerte einige Sekunden, bis Mac darauf reagierte. Eine trügerische Ruhe erfüllte ihn – es war die Ruhe vor dem Sturm. „Tja, vielleicht haben Sie recht“, sagte er schließlich bedächtig. „Vielleicht ist der gerichtliche Weg nicht der richtige.“

„Kluger Mann. Hören Sie, es ist schon spät, und ich …“

Mac erhob sich und ging durch das Büro. „Nein, ich nehme an, dass ich mir etwas anderes überlegen muss, um Sie für das bezahlen zu lassen, was Sie getan haben.“

„Es ist schon nach sieben, Valentine“, sagte Owen fest. „Ich habe jetzt wirklich keine Zeit für so etwas.“

„Ja, sicher – Sie wollen nach Hause zu Ihrer Familie.“ Mac öffnete die Bürotür und gab Claire ein Zeichen. „Vor allem zu Ihrer reizenden Tochter. Wie war doch gleich ihr Name? Allison? Olive?“

Owen schwieg.

„Ach, richtig …“ Mac warf Claire einen bedeutungsvollen Blick zu. „Olivia. Hübscher Name“, sagte Mac, während seine Assistentin sich an den Computer setzte und zu recherchieren begann. „Hübscher Name für eine hübsche Frau, wie ich gehört habe. Wissen Sie, Ihre Tochter hat den Ruf, ein sehr braves Mädchen zu sein. Süß, liebt ihren Vater und gibt nie Anlass zu irgendwelchen Skandalen. Es wäre bestimmt interessant zu sehen, wie leicht es ist, das zu ändern.“

Claire blickte auf. Auf ihrem Gesicht spiegelte sich eine Mischung aus Respekt, Neugierde und Entsetzen.

„Sie halten sich von meiner Tochter fern.“ Der sonst so bestimmt auftretende alte Mann klang plötzlich wie ein verängstigter kleiner Junge.

„Ich bin kein gläubiger Mensch. Aber ich denke, dass der Ausspruch ‚Auge um Auge‘ hier durchaus passend ist.“ Mac ging zurück in sein Büro. „Ich mag ein arroganter, selbstsüchtiger Mistkerl sein, aber ich bin kein Betrüger. Ich gebe für jeden meiner Kunden mein Bestes – egal, ob Mann oder Frau. Sie sind zu weit gegangen.“

Ohne ein weiteres Wort beendete Mac die Verbindung und trat ans Fenster. Die tief hängenden dunklen Wolken kündigten einen aufziehenden Regenschauer an. Gedankenverloren sah er nach draußen.

„Sie ist Mitinhaberin von No Ring Required.“

„Woher kenne ich diesen Namen?“

„Das Minneapolis Magazine hat vor einem Monat eine Titelstory über die Firma gebracht. Eine Köchin, eine Innenarchitektin und eine Eventplanerin – alle drei erstklassige Unternehmerinnen – haben sich zusammengetan, um einen …“

„Um einen Service für Männer aufzubauen, die die Hilfe und die Kenntnisse einer Frau brauchen, aber selbst entweder keine haben oder keine wollen“, fuhr er fort.

„Das stimmt.“

Er nickte seiner Assistentin zu. „Perfekt. Vereinbaren Sie für diese Woche einen Termin mit Olivia Winston. Es sieht so aus, als müsste ich Ihre Dienste in Anspruch nehmen.“

„Haben Sie den Artikel gelesen, Sir?“

„Ich erinnere mich nicht mehr … Wahrscheinlich habe ich ihn überflogen.“

„Die drei sind starke, intelligente Frauen, die in der Geschäftswelt hohes Ansehen und Respekt genießen.“

Mac lächelte leicht. „Machen Sie den Termin für morgen früh.“

Claire biss sich auf die Unterlippe, nickte und verließ das Büro.

Mit ernster Miene ging Mac zu seinem Schreibtisch zurück. Nachdenklich blätterte er durch die Akten der Kunden, die nicht mehr von ihm betreut werden wollten, seit Owen Winston zwei Tage zuvor dieses Gerücht in die Welt gesetzt hatte. Wer wusste schon, ob die Kunden zu ihm zurückkehren würden oder ob ihre Geschäftsbeziehung ein für alle Mal beendet war?

Am liebsten hätte Mac diesen Mistkerl erwürgt – aber Gewalt war keine befriedigende Lösung. Nein, er wollte Gleiches mit Gleichem vergelten. Owen hatte Macs Ruf ruiniert – und Mac würde dafür den Ruf von Owens Tochter zerstören.

Owens kleines Mädchen würde bezahlen müssen – für das Geld, das MCV und seine Angestellten verloren hatten, und für das unüberlegte Handeln ihres Vaters.

2. KAPITEL

Mit geschlossenen Augen sog Olivia den verführerischen Duft ein. „Ich bin ein Genie …“

„Wie lange willst du uns noch warten lassen, Liv?“, fragte Tess. Ihr Magen knurrte unüberhörbar. „Ich habe extra auf das Frühstück verzichtet.“

Mary Kelley, die am Tisch saß, blickte stirnrunzelnd auf den flachen Bauch ihrer rothaarigen Freundin und Kollegin. „Hört sich an, als würde da drin ein Zug entgleisen. Sehr damenhaft.“

Tess warf Mary einen neckischen Blick zu. „Komm schon, ich habe Hunger.“ Sie deutete auf den Ring mit dem gelben Diamanten, der an der Hand ihrer hübschen blonden Partnerin funkelte. „Nicht jede von uns hat einen schönen Mann, der ihr jeden Morgen pochierte Eier und gebratenen Speck bringt.“

Lächelnd strich die schwangere Mary über ihren Bauch, der allmählich immer runder wurde. Ihre blauen Augen strahlten vor Glück. „Ethan ist sehr darum bemüht, dass sein Kind auch gut versorgt wird. Wenn ich nicht regelmäßig alle paar Stunden etwas esse, flippt er aus.“

Tess verdrehte die Augen. „Das ist ein bisschen zu goldig für mich.“

Lachend erwiderte Mary: „Oh, komm schon. Eines Tages wirst du anders darüber denken. Ganz sicher.“

„Das bezweifle ich. Ich bin viel zu sehr Einzelgängerin – und es gefällt mir.“

„Nun, dann müssen wir dich dazu bewegen, öfter rauszugehen und Kontakte zu knüpfen.“ Marys Augen begannen zu strahlen. „Vielleicht triffst du ja am Ende des Monats auf unserer Verlobungsparty jemanden. Ethan hat ein paar süße Freunde.“

„Nein, danke.“

„Es könnte doch sein, dass du zufällig den Richtigen triffst.“

Tess schüttelte den Kopf und lachte. „Ich glaube nicht an den Richtigen, Mary. Ein Haufen Typen, die alle die Falschen sind – daran glaube ich.“

Versonnen schenkte Mary sich ein Glas Milch ein. „Du bist noch nicht alt genug, um so zynisch zu sein. Mit wie vielen Männer hast du dich mit deinen fünfundzwanzig Jahren schon getroffen?“

„Mit genügend Männern, um es besser zu wissen“, erwiderte Tess ernst. Sie wandte sich Olivia zu. „Du und ich hatten Glück, dass wir bisher immer den Kopf aus der Schlinge ziehen konnten, stimmt’s, Liv?“

„Oh ja. Und was für ein Glück“, erwiderte Olivia. Konzentriert schnitt sie Brownies zurecht. Sie versuchte, den Neid, der sie bei der Erinnerung an das Erlebnis heute Morgen erfüllte, so gut es ging zu ignorieren. Wie zärtlich Ethan Curtis Mary angesehen hatte, als er sich am Empfangstresen mit einem liebevollen Kuss von ihr verabschiedete. Er hatte so verliebt gewirkt, so glücklich, so über alle Maßen aufgeregt und begeistert wegen des Babys.

Selbstverständlich gönnte Olivia ihrer Freundin diesen gut aussehenden Mann und die wunderbare Partnerschaft. Dennoch fragte sie sich, ob es für jemanden wie sie auch möglich war, ein solches Glück zu finden. Tief in ihrem Inneren sehnte sie sich nach einem Mann. Sie wünschte sich jemanden, den sie bekochen und mit dem sie eine Familie gründen könnte. Doch die Chancen, diesen Traum zu erfüllen, standen nicht gut für sie. Obwohl sie in den letzten Jahren erwachsener, reifer geworden war, hielt ihre Vergangenheit sie noch immer gefangen. In vielerlei Hinsicht war sie auch jetzt manchmal noch die traurige Sechzehnjährige … Ein Mädchen, dessen Mutter an Krebs gestorben war. Dessen Vater es nicht zu bemerken schien. Und das seinem Schmerz auf die denkbar schlechteste Art und Weise zu entfliehen versucht hatte – durch Partys, Jungs und Sex.

Die Scham darüber, was sie getan hatte und wie vielen Jungs sie erlaubt hatte, sie zu benutzen, hatte in den vergangenen zehn Jahren nicht nachgelassen. Aber sie selbst war in dieser Zeit viel stärker geworden. Außerdem war sie vorsichtiger als damals und hatte der Männerwelt komplett abgeschworen. Heutzutage war ihr Ruf tadellos – sie war eine angesehene Geschäftsfrau, die die Geheimnisse ihrer Vergangenheit für sich behielt.

„Also gut“, sagte Olivia fröhlich. „Die werden euch für ein Weilchen ablenken“, erklärte sie und servierte Tess und Mary je einen großen Schokoladenbrownie.

„Ich glaube, sie wollte damit andeuten, dass wir den Mund halten sollen“, entgegnete Tess mit einem Grinsen.

Mary nahm den Brownie in die Hand und seufzte. „Aber sie hat es uns auf die denkbar schönste Art und Weise mitgeteilt.“

„Das ist wahr“, bestätigte Tess und betrachtete den saftigen Brownie. „Für noch eine von diesen fantastischen Köstlichkeiten würde ich nicht nur aufhören, über Männer und Hochzeiten zu reden, sondern Männchen machen und bellen.“

„Bevor Sie das tun“, erklang eine tiefe männliche Stimme hinter ihnen, „sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass Sie Publikum haben.“

Abrupt drehten Mary und Tess sich um, und Olivia blickte auf. In der Tür stand, mit einem amüsierten Gesichtsausdruck, ein Mann. Seine Augen hatten die Farbe von kräftigem Espresso. Er war groß und breitschultrig und trug einen grauen Nadelstreifenanzug unter seinem schwarzen Wollmantel. Olivia ballte unwillkürlich die Hände zu Fäusten, um sich davon abzuhalten, den Mann an den Aufschlägen seines Mantels zu sich zu ziehen und sich an ihn zu schmiegen. Dieses Gefühl war so unerwartet und untypisch für sie, dass es ihr Angst machte. Ihr Magen zog sich schmerzhaft zusammen. In den vergangenen sieben Jahren ihrer selbst gewählten Enthaltsamkeit hatte sie sich immer auf ihren Körper verlassen können. Sicher hatte sie im Bett ein paar Liebesromane gelesen – aber darüber hinaus war nichts geschehen.

Als sie nun diesen Mann ansah, schrie alles in ihr: Vorsicht!

„Mac Valentine?“, fragte sie und war erleichtert, dass ihre Stimme ruhig und kühl klang.

Er nickte. „Ich fürchte, ich bin ein bisschen zu früh dran.“

„Nur ein paar Minuten“, beruhigte sie ihn. „Bitte, treten Sie ein.“

Als er mit federnden Schritten die Küche durchquerte, erhoben Mary und Tess sich, um ihm die Hand zu schütteln. „Es ist schön, Sie kennenzulernen, Mr. Valentine“, begrüßte Mary ihn freundlich. „Wir haben gerade eine kleine Stärkung zu uns genommen.“

„Ich verstehe.“

„Schokolade ist hier sozusagen eine Art Lebenselixier“, setzte Mary hinzu.

„Als ich das Haus betrat, habe ich mich schon gefragt, was hier so himmlisch duftet.“

Tess klopfte Olivia liebevoll auf den Rücken. „Nun, das ist das Werk unserer Küchenchefin. Olivia zaubert in der Küche, und wir kommen in den Genuss, es zu kosten.“

Sein Blick ruhte auf Olivia. „Stimmt das?“

Olivia zuckte gutmütig die Schultern. „Falsche Bescheidenheit lag mir nie – also, ja, ich bin eine verdammt gute Köchin.“

Mac Valentines dunkle Augen funkelten vergnügt, und Olivia spürte, wie ihr ein Schauer über den Rücken rieselte.

„Und in diesem Sinne“, sagte Mary, griff sich den Rest von ihrem Brownie und ihr halb volles Glas Milch, „werden Tess und ich Sie in Olivias fähige Hände übergeben. Willkommen bei No Ring Required, Mr. Valentine.“

„Danke.“

Tess schüttelte abermals seine Hand, nahm sich hinter seinem Rücken heimlich noch einen Brownie und folgte Mary hinaus.

Mühsam musste Olivia ein Lachen unterdrücken. Tess war einfach unverbesserlich! Als Mac sich den Mantel auszog und über einen leeren Stuhl hängte, deutete sie zum Tisch. „Bitte, nehmen Sie Platz.“ Sie griff nach dem orangefarbenen Teller mit den Brownies und hielt ihn ihm entgegen. „Möchten Sie einen?“

Er warf ihr einen fragenden Blick zu. „Muss ich Männchen machen und bellen?“

„Nur, wenn Sie noch einen Nachschlag möchten.“

Mac Valentine sah sie schmunzelnd an. „Ich werde es Sie wissen lassen.“ Damit nahm er sich einen Brownie vom Teller.

Olivia setzte sich und sah ihn an. Warum dieser Mann hier war, wusste sie nicht genau. Aber sie ahnte, dass es Ärger bedeutete, sich mit ihm einzulassen – und das in vielerlei Hinsicht. „Nun, Ihre Assistentin hat bei unserem Telefonat wegen des Termins nicht verraten, warum genau Sie heute hier sind. Vielleicht können Sie etwas Licht ins Dunkel bringen?“

„Selbstverständlich.“ Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Ich brauche Ihre Hilfe. Sie sollen mein Haus etwas wohnlicher und gemütlicher gestalten, als es im Augenblick ist.“

„Und wie genau ist es im Moment?“

„Es gibt jede Menge ungenutzten Raum.“

„Okay.“

„Ich habe Kunden von außerhalb zu mir eingeladen. Und ich möchte, dass sie sich fühlen, als würden sie einen Familienmenschen besuchen statt eines …“ Er verstummte.

Aufmunternd blickte sie ihn an. „Ja?“

Seine Lippen zuckten leicht. „Statt einer Person, die eigentlich gar nicht weiß, was der Ausdruck überhaupt bedeutet.“

„Ich verstehe.“ Und das tat sie wirklich. Schließlich arbeitete sie nicht zum ersten Mal für einen schwerreichen Junggesellen und Lebemann.

„Ich denke, es wäre gut, wenn Sie sich mein Haus selbst einmal ansehen.“

Sie nickte. Ihr Blick fiel auf den Brownie vor ihm, den er noch nicht angerührt hatte. „Alles klar. Aber Sie wissen, dass die Küche mein eigentliches Fachgebiet ist, nicht wahr?“

„Ich dachte, das ist nicht Ihr einziges Fachgebiet.“

Warum aß er ihren Brownie nicht? „Das stimmt auch, Trotzdem denke ich, dass meine Partnerin Tess vielleicht besser …“

„Nein“, unterbrach er sie brüsk.

Sie hielt inne und sah ihn abwartend an.

„Ich will Sie“, erklärte er fest.

„Ja, das ist offensichtlich“, entgegnete sie vorsichtig. „Es gibt nur ein Problem.“

„Und das wäre?“

„Ihre Beziehung zu meinem Vater.“

Fast unmerklich runzelte er die Stirn. „Ich habe keine Beziehung zu Ihrem Vater.“

„Heute Morgen rief er mich an und sagte mir, dass Sie möglicherweise vorbeikommen würden.“

„Hat er das?“

„Ja.“

Einen Moment lang musterte Mac sie. „Sie haben den Ruf, ein braves, nettes Mädchen zu sein, wussten Sie das?“

„Wollen Sie mir sagen, dass ich meinem Ruf nicht gerecht werde?“

Die Frage zauberte ein Lächeln auf sein Gesicht. „Ich denke, ich werde jetzt von dem Brownie probieren.“

Das wird aber auch allmählich Zeit, dachte sie. Gespannt beobachtete sie, wie er von dem saftigen dunkelbraunen Kuchen abbiss. Ihr Blick fiel auf seine starken Hände, und ihr Herz pochte schneller. Unwillkürlich fragte sie sich, was er mit diesen Händen tat, das ihm den Ruf des sorglosen Lebemannes eingebracht hatte.

Ihr Vater hatte sie eindringlich vor Mac Valentine gewarnt. Doch statt auf der Hut zu sein, war sie eher neugierig.

„Schmeckt’s?“

„Sehr gut.“

„Das freut mich“, erwiderte sie ruhig. „Und jetzt, Mr. Valentine: Wie wär’s, wenn Sie mir verraten, warum Sie wirklich hier sind?“

Wenn es etwas gab, das Mac Valentine sofort erkannte, so war es ein ebenbürtiger Gegner. Olivia Winston mochte nicht viel größer als eins fünfzig sein, und ihre Augen waren sanft wie die eines Rehs – aber ihre Klugheit und ihre scharfe Zunge machten diese Frau gefährlich.

Damit hatte er nicht gerechnet. Man sollte sie besser nicht unterschätzen.

Doch es waren gerade solche Herausforderungen, die sein Leben so interessant machten.

Sie sah ihn aus ihren rehbraunen Augen aufmerksam an, und er ahnte, dass sie nicht lockerlassen würde.

„Aufgrund von Umständen, auf die ich keinen Einfluss hatte“, begann er, „hat meine Finanzberatungsfirma drei ihrer wichtigsten Kunden verloren. Ich erwarte, dass sich die Lage innerhalb der kommenden Monate wieder ändert – wenn die Kunden eingesehen haben, dass niemand anders in der Stadt ihnen solche finanziellen Gewinne verschaffen kann wie ich. Doch in der Zwischenzeit brauche ich Ihre Hilfe, um einige einflussreiche Persönlichkeiten beziehungsweise wichtige Kunden an Land zu ziehen.“

Olivia blinzelte kurz. „Brauchen Sie meine Hilfe, um Ihre Firma oder Ihren Ruf zu retten?“

„Ihr Vater hat offensichtlich mehr getan, als Sie nur vor mir zu warnen. Mein Unternehmen ist nicht gefährdet. Aber ja, mein Ruf ist infrage gestellt worden. Und ich kann und werde nicht zulassen, dass dieser Zustand anhält.“

„Ich verstehe.“ Ihr Lächeln wirkte unsicher. „Also, Sie möchten diese potenziellen Kunden in Ihrem Haus unterbringen und nicht in einem Hotel?“

„Das Paar schätzt Werte wie Familie, Zuhause, Geborgenheit …“, er machte eine vage Handbewegung, „… so etwas eben.“

„Und Sie nicht.“

„Nein.“

Sie erhob sich und griff nach dem Teller mit dem halb aufgegessenen Brownie, der vor ihm stand. „Ich habe eine Frage“, sagte sie, während sie zur Spüle ging und den Teller hineinstellte. Sie war klein, aber verführerisch weiblich. Jede ihrer Bewegungen war verlockend, beinahe wie ein Versprechen. Sie drehte sich um. Mit vor der Brust verschränkten Armen lehnte sie sich an die Anrichte und sah ihn an. Mac spürte, wie ihn bei ihrem Anblick Verlangen durchströmte. „Sie glauben, dass mein Vater Ihre Kunden dazu gebracht hat, sich von Ihnen zu trennen, nicht wahr?“

„So könnte man es ausdrücken. Tatsächlich waren es die Lügen, die Ihr Vater über mich verbreitet hat, die meine Kunden zu diesem Schritt bewogen haben.“

„Wenn Sie das glauben, warum wollen Sie dann unbedingt mit seiner Tochter zusammenarbeiten? Es sei denn …“

„Es sei denn, was?“

Sie ging zu ihm und blieb direkt vor seinem Stuhl stehen.

Was würde sie tun, wenn ich meinen Arm ausstrecke, ihre Taille umfasse und sie einfach auf meinen Schoß ziehe?

Ja, seine Rache würde süß sein.

„Es sei denn, Sie wollen mich benutzen, um es ihm heimzuzahlen“, sagte sie mit bemerkenswert ruhiger Stimme.

Im selben Tonfall erwiderte er: „Hat er Ihnen das gesagt?“

„Ja, aber das war eigentlich nicht nötig.“

„Und wie genau sollte ich Sie dazu benutzen?“

Sie schüttelte den Kopf und setzte sich ihm gegenüber. „Ich weiß es nicht genau.“

„Aber Ihr Vater könnte sich da schon Einiges vorstellen?“

„Er ist besorgt wegen Ihres …“ Ein feines Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. „Wegen Ihres offensichtlichen Charmes – ich meine, Sie sind ein wirklich gut aussehender Mann. Aber ich habe ihm versichert, dass er sich keine Sorgen zu machen braucht.“

Na, das war ihm noch nie passiert. „Tatsächlich?“

Sie nickte und sagte kühl: „Ich habe ihm gesagt, dass ich absolut nicht interessiert bin.“

Mac runzelte die Stirn.

Sie lachte. „Ich will Sie nicht beleidigen – aber die Wahrheit ist, dass Sie überhaupt nicht mein Typ sind.“

„Warum glauben Sie, dass das eine Beleidigung für mich ist?“

Seine Frage überraschte sie, und sie rang nach Worten. „Ich, nun …“

„Und was, glauben Sie, bin ich für ein Typ?“

Sie sah ihm in die Augen. „Einer, der annimmt, er könnte alles haben, was er will. Und jede Frau, die er begehrt.“

Diese Frau fing langsam, aber sicher an, ihm auf die Nerven zu gehen. „Ich verfolge entschlossen meine Ziele, Miss Winston. Aber die Dinge, die ich erreiche, erreiche ich aufgrund meiner eigenen Fähigkeiten. Und die Menschen, die zu mir kommen, kommen freiwillig, nicht, weil ich sie gezwungen habe. Das kann ich Ihnen versichern.“

„Sie halten sich wohl für absolut unwiderstehlich?“

Er lehnte sich zurück. „Müssen alle Kunden von No Ring Required dieses Verhör über sich ergehen lassen, oder bin ich die Ausnahme?“

„Sie sind noch ...

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