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Ein gefährlicher Irrtum

1. KAPITEL

„Was ist? Hast du die Nummer etwa nicht im Kopf?“ Auffordernd blickte Ben seine Freundin an. Er wollte ihren Vater anrufen – schließlich hatte Emma ihm gerade erzählt, dass Karl angeboten hatte, ihnen die Hochzeit zu bezahlen.

„Ich weiß nicht … Ich glaube, mein Vater fände das nicht so gut …“ In Emmas Hirn arbeitete es fieberhaft. Sie hatte Ben angelogen. Nicht ihr Vater bezahlte ihnen die Hochzeit – Felix würde ihr das Geld dazu leihen. Und Ben wäre damit niemals einverstanden. Aber sie wünschten sich doch beide ein großes Fest. Rosalie sprang ihrer Schwester zur Seite.

„Auf dem Land ist es so üblich, dass der Vater der Braut die Hochzeit ausrichtet“, erklärte sie.

„Das ist sozusagen eine Frage der Ehre“, ergänzte Emma eifrig.

„Papa wäre tödlich beleidigt, wenn er erfährt, dass ursprünglich ihr die Feier bezahlen wolltet“, fuhr Rosalie fort.

„Und das würde mir ganz bestimmt rausrutschen, früher oder später“, nahm Emma den Ball wieder auf. „Du kennst mich ja: Ich kann einfach nicht lügen.“

„Tja, wenn das so ist …“ Ben steckte sein Telefon wieder ein. Aber spätestens auf der Hochzeitsfeier wollte er seinem Schwiegervater sagen, wie sehr er sich über dessen Unterstützung gefreut hatte.

„Natürlich, das machen wir dann gemeinsam“, meinte Emma leicht gequält. Glücklicherweise würde bis dahin ja noch ein bisschen Zeit vergehen.

„Das war haarscharf“, stellte Rosalie fest, nachdem Ben sich verabschiedet hatte. „Dein Vater wäre schockiert gewesen, wenn er gehört hätte, dass er eure Hochzeit finanzieren soll.“ Sie lachte. Aber Emma war absolut unwohl zumute. Dabei war es so süß gewesen von Ben, dass er sich gleich hatte bedanken wollen. „Ich wusste gar nicht, dass du so gut flunkern kannst“, fügte Rosalie noch hinzu.

„Du tust, als sollte ich auch noch stolz darauf sein“, schnaubte Emma. Sie wollte keine Komplimente für so was.

„Aber was hätten wir denn sonst tun sollen?“, fragte ihre Schwester. „Und außerdem hast du es für Ben getan, für eure Hochzeit. Einmal ist keinmal. Ich bin sicher, das war das erste und das letzte Mal, dass du Ben gegenüber nicht ehrlich warst.“

„Hundertprozentig!“, bestätigte Emma, kam sich aber noch immer mies vor.

Sicher, Ben hatte sich sehr darüber gefreut, dass sie ihre Hochzeit nun doch groß feiern konnten. Aber durfte sie deswegen lügen? Noch dazu, wenn das Geld ausgerechnet von Felix stammte? Schließlich war Emma lange Zeit in Felix verliebt gewesen. Und sie hatte auch immer noch Gefühle für ihn. Ein bisschen erschien es ihr so, als würde sie Ben mit Felix betrügen. Und das war doch nicht richtig. Wie war sie da bloß hineingeraten?

André zögerte noch immer: Barbara hatte Champagner auftischen lassen – angeblich, damit die beiden Brüder sich wieder versöhnten. Und Werner schien tatsächlich bereit dazu zu sein. Er ahnte ja nicht, dass sich in seinem Champagnerglas auch ein paar Tropfen eines Giftes befanden, das ihn mental zerrütten sollte. Barbara hatte es besorgt und das Glas damit präpariert. Aber sie erwartete von André, dass der seinem Bruder das Glas reichte. Dem Chefkoch blieb keine andere Wahl: Schweren Herzens gab er Werner das Glas. Und dann stießen sie zu dritt miteinander an.

Marie und ihr Vater hatten die Puppe, die Nils gehörte, eigentlich heimlich entsorgen wollen, aber Nils war ihnen leider dazwischengefunkt. Im Fitnessbereich hatte „Franka“ nicht bleiben können, die Gäste fühlten sich von ihr belästigt. Also befand sie sich nun im Hause Sonnbichler, was niemandem so recht gefiel. Aber Marie war jetzt klar, dass die Puppe ihrem Freund viel bedeutete – sie war ein Geschenk seiner kleinen Schwester gewesen. Marie hatte allerdings gar nicht gewusst, dass Nils überhaupt eine Schwester hatte. Und sie war ein wenig darüber enttäuscht, dass er Geheimnisse vor ihr hatte.

„Ich an deiner Stelle würde mal ein ernstes Wörtchen mit ihm reden“, riet Alfons. Die beiden standen im Wohnzimmer und betrachteten Franka nachdenklich. Da schlug auf einmal das Fenster nach innen, ein kräftiger Windstoß fuhr ins Haus. Mit einem lauten Knall fiel Franka zu Boden. Ihr Kopf löste sich vom Hals und kullerte durch die Stube. Marie stöhnte. Wie sollte sie das nur ihrem Freund beibringen?

Vergeblich versuchte ihr Vater, den Schaden zu beheben und Frankas Kopf wieder auf ihren Hals zu kleben. Es würde Marie also nichts anderes übrig bleiben, als Nils die Wahrheit zu sagen.

Und der reagierte sofort mit Misstrauen. Natürlich hatte er bemerkt, dass niemand im Hause Sonnbichler ein Fan seiner Puppe war. Und deshalb unterstellte er Marie nun, dass sie Franka mit Absicht beschädigt hätte. Sie beteuerte, dass es ein Unfall gewesen sei, aber er schien ihr nicht wirklich zu glauben.

„Mir kommt das alles ziemlich schräg vor!“, platzte sie da ärgerlich heraus. „Wie lange kennen wir uns eigentlich schon? Und ohne Franka wüsste ich heute noch nicht, dass du überhaupt eine Schwester hast! Denkst du, das ist normal?!“

„Es hat sich einfach nicht ergeben …“ Nils geriet sichtlich ins Schwimmen. „Ich habe schon ewig keinen Kontakt mehr zu Katja. Aber das ist jetzt nicht das Thema.“ Marie seufzte. Er hatte ja recht: Das Thema war diese vermaledeite Puppe! Sie beichtete ihm, dass sie sich einfach nicht vorstellen konnte, mit diesem Ding eine Wohnung zu teilen. Und zu ihrer großen Überraschung zeigte er sich einsichtig und schlug vor, Franka auf den Dachboden zu verfrachten.

Doch als die beiden die Puppe die Treppe hinauftransportierten, erlebten sie eine Überraschung. Denn in dem kopflosen Torso steckte ein zusammengerolltes Bild. Franka hatte offensichtlich als Geheimversteck gedient.

„Wahnsinn!“, rief Marie, als sie das Gemälde entrollte. „Blaue Pferde!“ Das musste ein Bild von Franz Marc sein. Und tatsächlich: Seine Signatur fand sich am rechten unteren Bildrand. „Das ist bestimmt ein Vermögen wert!“

„Dieser Lappen?“, schnaubte Nils. „Lächerlich!“

„Das ist ein Original von Franz Marc“, beharrte Marie.

„Nein, das ist ein Original von Katja Heinemann“, hielt er energisch dagegen. „Sie kopiert dauernd Bilder berühmter Maler. Ist ihr Hobby. Darin ist sie richtig gut.“

„Aber wieso versteckt deine Schwester das Bild in der Puppe?“, hakte Marie nach. So schnell wollte sie sich einfach nicht geschlagen geben.

„Das ist typisch Katja“, behauptete er. „Sie hat früher ständig kleine Geschenke für mich versteckt.“ Fürs Erste ließ es Marie damit bewenden.

Johann hatte sich entschieden, nicht nach Kanada zu gehen. Und daran war nur Evelyn Konopka schuld. Endlich hatte er sich getraut, ihr zu gestehen, dass er sich auch in sie verliebt hatte. Endlich hatte er nicht mehr das Gefühl, er würde Elisabeth verraten. Die beiden strahlten vor Glück.

„Hast du dir schon überlegt, wie es jetzt weiterläuft?“, wollte er schließlich wissen. Sie nickte. Sie würde sich weiter nach einer Arztpraxis umsehen, die sie übernehmen konnte. Am besten in der Nähe des Fürstenhofs, damit sie den Kontakt zu Simon nicht wieder verlor.

„Und was ist mit dir?“ Johann würde kurz nach Kanada fliegen müssen, um dem Verkäufer der Farm zu erklären, dass er es sich anders überlegt hatte. Und dann würde er sich hier in der Gegend einen Job suchen müssen.

„Ich bin nicht besonders anspruchsvoll“, sagte er. „Eine ordentliche Arbeit an der frischen Luft, so was kriegt man immer.“ Aber so ganz überzeugt schien er davon nicht zu sein. Immerhin befand man sich mitten in einer Wirtschaftskrise, und er hatte auch gar keine rechte Idee, als was er sich eigentlich bewerben sollte.

Felix fiel aus allen Wolken, als er erfuhr, dass sein Vater nun doch am Fürstenhof bleiben wollte. Dabei war die eigene Farm in Kanada doch Johanns großer Traum gewesen!

„Glaubst du nicht, dass du diese Entscheidung eines Tages bereuen wirst?“, fragte Felix vorsichtig.

„Wenn ich die Farm gegen Evelyn abwäge, ist mir Evelyn einfach wichtiger“, entgegnete sein Vater.

„Ich verstehe. Aber was hat sie eigentlich gegen Kanada?“ Schließlich hätte Frau Dr. Konopka Johann doch einfach nach Kanada begleiten können. Ärzte brauchte man da drüben auch.

„Sie möchte in der Nähe ihres Sohnes bleiben“, erklärte Johann und knurrte dann: „Du scheinst ja keinen großen Wert darauf zu legen, mich in deiner Nähe zu haben.“

„Ich möchte vor allem, dass du glücklich bist, und bisher dachte ich immer, die eigene Farm in Kanada gehört dazu“, rechtfertigte sich Felix, lehnte sich dann aber zurück und grinste breit. „Andererseits kann niemand so schön granteln wie du. Das würde ich irgendwie schon vermissen …“ Nun musste auch Johann lachen. Und Felix hatte ja recht: Den Traum von der Farm aufzugeben, war gar nicht so leicht, wie er gehofft hatte.

Auch Evelyn fürchtete, dass Johann die Entscheidung, hierzubleiben, eines Tages bereuen könnte. Aber sie hatte einfach das Bedürfnis, in Simons Nähe zu bleiben.

„Sonst hätte ich das Gefühl, ich würde ihn ein zweites Mal im Stich lassen“, sagte sie zu Hildegard.

„Ihr Sohn ist erwachsen“, hielt Frau Sonnbichler dagegen. „Er würde es verkraften, wenn er wüsste, dass sie in Kanada glücklich sind.“ Sie tätschelte Evelyns Hand. „Aber das Wichtigste ist, dass Johann endlich erkannt hat, wie sehr er Sie liebt.“ Alle anderen hatten es ja längst gewusst. Nur Gruber hatte Scheuklappen gehabt wie ein Brauereigaul.

Simon freute sich – seine Australienreise stand kurz bevor. Er würde seinen Freund Brad besuchen und die Taufe von Linus erleben, dessen Patenonkel er war. Und außerdem würde er auch Viktoria wiedersehen.

„Und? Bist du aufgeregt?“, fragte Felix, als die beiden über die Weine sprachen, die Simon aus Australien mitbringen sollte.

„Eher gespannt“, entgegnete Simon. Er war neugierig zu hören, wie es Viktoria in New York gefallen hatte. Und er freute sich sehr darauf, Zeit mit ihr zu haben – als gute Freunde. Dass sie beide noch einmal ein Paar würden, hielt er für ausgeschlossen.

„Schade“, fand Felix. Er selbst wäre zu gern selbst nach Australien gereist, um seine Schwester zu treffen. Aber er konnte hier zurzeit einfach nicht weg.

„Wenn dein Vater wieder nach Kanada geht, hast du das Problem gleich zweimal“, stellte Simon fest. Felix runzelte die Stirn. Wusste Simon denn noch gar nicht, dass Evelyn und Johann hierbleiben wollten? In der Tat: Simon hatte keine Ahnung. Und er reagierte verständnislos, als er erfuhr, dass er ein Grund für diese Entscheidung gewesen war. „Denkt Evelyn etwa, ich komme ohne sie nicht klar?“, wunderte er sich.

„Sie hat dich schon mal allein gelassen“, gab Felix zu bedenken. „Vielleicht will sie den gleichen Fehler nicht noch mal machen.“ Aber da war Simon zwölf Jahre alt gewesen. Jetzt war er ein erwachsener Mann!

Rosalie schien wirklich ernst zu machen mit ihrem Vorhaben, ein anderer Mensch zu werden. Zum einen hatte sie die ganze Organisation von Emmas Hochzeit übernommen. Und zum anderen hatte sie vor, sich für ein Marketingseminar anzumelden.

„Du möchtest ein Seminar besuchen?“ Felix wirkte vollkommen erstaunt.

„Ich weiß zwar einiges über Mode, aber wenn ich Prinzess-Dirndl nach vorne bringen will, sollte ich auf dem neuesten Stand sein“, erklärte seine Freundin. „Deshalb will ich eine Fortbildung machen.“ Ihr Engagement freute ihn ehrlich. „Ich habe doch gesagt, dass ich mich ändern will“, meinte sie. „Hast du gedacht, ich mache nur Sprüche?“ Da klopfte es, und Emma trat ein. Sie hatte schwer mit sich gerungen und nun einen Entschluss gefasst: Sie wollte Felix’ Geld nicht. Auch wenn das bedeutete, dass ihre Hochzeitsfeier kleiner würde ausfallen müssen.

„Ich will einfach nicht, dass unsere Ehe mit einer Lüge beginnt.“

„Man muss für seinen Partner auch mal über seinen Schatten springen können“, fand Rosalie, doch Felix fiel ihr ins Wort.

„Ich kann dich gut verstehen“, sagte er zu Emma. „Die Ehe ist etwas Besonderes. Und eine Lüge hat in einer guten Beziehung nichts zu suchen.“ Rosalie gab sich geschlagen. Und Emma bedankte sich noch einmal für das großzügige Angebot und verabschiedete sich dann. Sie musste Ben jetzt reinen Wein einschenken. Wie auch immer sie das anstellen sollte …

„Noch mal wegen der Hochzeit …“ Emma suchte nach den richtigen Worten. „Ich meine, wegen des Geldes meines Vaters …“

„Der Wahnsinn!“ Ben strahlte über das ganze Gesicht. „Mit tausend Banken habe ich wegen eines Kredits gesprochen. Alles Absagen! Und dann kommt dein Vater und bezahlt die ganze Feier!“

„Ja …“ Seine Euphorie nahm ihr jeden Wind aus den Segeln.

„Ich habe schon ernsthaft daran gedacht, die Hochzeit zu verschieben“, fuhr er fort. „Wegen akuten Geldmangels …“ Aber das sei nun ja nicht mehr nötig. Emma kapitulierte. Sie brachte es einfach nicht fertig, ihn so zu enttäuschen. Wenigstens nicht heute.

Am Nachmittag zeigte das Gift erste Wirkung: Werner war blass, und seine Hände zitterten. Außerdem fühlte er sich ein wenig schwindelig. Barbara spielte die fürsorgliche Ehefrau und bettete ihn liebevoll aufs Sofa. Aber in Wahrheit war sie mehr als zufrieden mit dem Gang der Ereignisse.

„Bist du sicher, dass Werners rasanter Verfall nicht zu auffällig für die Menschen in seiner Umgebung ist?“, fragte André besorgt, nachdem sie ihm vom Schwächeanfall seines Bruders berichtet hatte.

„Ich streue einfach das Gerücht, dass er schon seit Längerem mentale Probleme hatte, die ich gedeckt habe“, entgegnete sie gelassen. Und selbstverständlich würde sie Werners Getränke weiterhin mit dem Gift versetzen. Es war alles nur noch eine Frage der Zeit.

2. KAPITEL

Nils versuchte vergeblich, seine Schwester telefonisch zu erreichen. Er wusste, dass Marie nicht lockerlassen würde wegen des Bildes, das sie im Torso der Puppe gefunden hatten. Deshalb gab er vor, diesbezüglich recherchiert zu haben.

„Das Original ist in Privatbesitz“, log er. „Aber um ganz sicherzugehen, habe ich noch mit einem Kunstsachverständigen gesprochen.“ Er würde heute früher Schluss machen und mit dem Bild nach München fahren. Am liebsten wäre Marie mitgekommen. Aber Nils behauptete, nicht auf ihren Dienstschluss warten zu können.

Später rief er seine Freundin an und sagte, er habe zu lange im Stau gestanden und deshalb den Kunstsachverständigen verpasst. Deshalb würde er über Nacht in München bleiben. Das Ganze klang nicht ganz überzeugend, aber Marie hakte nicht weiter nach. Sie würde schon herausfinden, was es mit diesem mysteriösen Bild auf sich hatte.

Simon war mit seiner Mutter und Johann im Alten Wirt verabredet. Dort hatte heute Fanny ihren ersten Arbeitstag als neue Kellnerin. Und es war nicht zu übersehen, dass sie Simon gefiel. Aber zunächst einmal hatte er etwas mit Evelyn und Johann zu klären.

„Warum geht ihr nicht gemeinsam nach Kanada?“, fiel er gleich mit der Tür ins Haus. „Untersteht euch, bei eurer Lebensplanung Rücksicht auf mich zu nehmen. Schließlich bin ich kein kleiner Junge mehr.“ Die beiden schwiegen verdutzt, und Simon griff nach seinem Glas. „Außerdem wollte ich schon immer mal nach Kanada“, meinte er dann. „Und wenn ihr da eine Farm habt, weiß ich wenigstens, wo ich pennen kann. Prost!“ Evelyn und Johann tauschten einen verunsicherten Blick.

Zwei Stunden später verabschiedete sich Simon von den beiden und ging zu Fanny, um die Rechnung zu bezahlen. Sie wirkte ein wenig nervös und gab ihm zu viel Geld heraus. Natürlich machte er sie darauf aufmerksam, und sie bedankte sich verlegen.

„Entschuldigung“, fügte sie hinzu. „Heute ist mein erster Tag.“

„Dann sieht man Sie in Zukunft öfter?“, wollte er wissen. Sie bejahte.

„Ich bin letzte Woche hergezogen“, erklärte sie. Er wünschte ihr einen guten Start. Dann ging er. Angetan blickte sie ihm hinterher.

Evelyn und Johann waren am Tisch sitzen geblieben.

„Du möchtest gern zurück nach Kanada, stimmt’s?“, fragte sie gerade. Er atmete tief durch und nickte dann.

„Aber du bist mir wichtiger als die blöde Farm“, beteuerte er und nahm ihre Hand.

„Und wenn ich mitkomme?“, schlug sie da vor. Er hatte ihr so viel über das Land erzählt. Sie war inzwischen richtig neugierig.

„Und was ist mit deinem Sohn?“, hielt er dagegen.

„Du hast doch gehört, was er gesagt hat.“ Johann wollte etwas entgegnen, doch sie verschloss ihm den Mund mit einem Kuss. „Wann geht der Flieger?“

„Morgen“, antwortete er lächelnd. „Wenn ich das Ticket nicht verfallen lasse …“

„Ob es noch ein Ticket für mich gibt?“, meinte sie nun schmunzelnd.

„Vielleicht haben wir ja Glück.“ Voller Vorfreude lächelten die beiden sich an.

Und so kam es am nächsten Morgen zu einem reichlich überstürzten Abschied. Hildegard und Alfons freuten sich von Herzen für ihre Freunde, aber vermissen würden sie die beiden auch.

„Sie müssen versprechen, dass Sie uns besuchen kommen“, meinte Evelyn. Und die Sonnbichlers versprachen es.

„Übrigens …“, wandte sich Johann noch einmal an Hildegard. „Ich war noch auf dem Friedhof und habe mich von Elisabeth verabschiedet. Ich glaube, sie freut sich, dass wir so glücklich sind.“

„Ich habe nichts anderes erwartet“, erwiderte Hildegard gerührt und drückte ihn dann ein letztes Mal fest an sich.

„Da bin ich wieder!“ Nils kam in den Personalraum, wo sich Marie gerade zum Dienst ankleidete.

„Und? Was sagt der Experte?“, wollte sie sogleich wissen.

„Wie ich vermutet habe: ein echter Heinemann“, gab er zur Antwort. „Eine billige Kopie. Ganz schlecht gemacht.“ Enttäuscht verzog sie das Gesicht. Es wäre ja auch zu schön gewesen. Da trat Ben zu den beiden und bat darum, das Bild einmal sehen zu dürfen. Marie hatte ihm schon gestern davon erzählt, und er war sofort neugierig geworden. Immerhin war er mit seinem Vater mal in einer Franz-Marc-Ausstellung gewesen. Nils zierte sich ziemlich, holte dann aber eine Papprolle heraus und zog das Bild hervor.

„Das ist kein Marc“, stellte Ben sofort fest. Mit den Bildern, die er damals in der Ausstellung angeschaut hatte, hatte dieses Bild nicht das Geringste zu tun. Auch Marie betrachtete nachdenklich das Gemälde.

„Die Farben sind auf einmal so blass“, fand sie. Es sah überhaupt ganz anders aus als gestern. „Die Perspektive … die Proportionen … Das wirkt plötzlich alles so verdreht.“ Nils lachte betont lustig auf.

„Wenn hier einer verdreht ist, dann du“, scherzte er. Sie hätte schwören können, dass sie gestern ein anderes Bild vor sich gehabt hatte. Aber Nils wollte nichts davon wissen. „Katja mag ja eine gute Kopistin sein, aber an Franz Marc ist sie eindeutig gescheitert“, konstatierte er nur und packte das Bild dann wieder ein.

„Vielleicht lag es ja am Licht“, vermutete Ben. Nachdem ihr Freund in den Fitnessbereich verschwunden war, lag Marie Ben in den Ohren. Sie war sich ganz sicher: Das Bild hatte gestern vollkommen anders gewirkt. „Oder du hast aus einem anderen Winkel draufgeguckt. Das macht etwas aus.“

„Nicht so viel, dass du das Gefühl hast, du siehst ein anderes Bild“, beharrte sie. Er zuckte die Achseln.

„Es muss dasselbe Bild sein. Oder glaubst du, Nils hat schnell ein neues gemalt?“ Dazu war ihr Freund gar nicht in der Lage, das wusste sie. „Oder das alte gegen ein neues ausgetauscht?“, fuhr Ben fort. „Aber warum sollte er so etwas tun?“

„Warum sollte er so etwas tun?“, wiederholte Marie leise und wirkte auf einmal sehr nachdenklich.

Simon hatte gestern Abend im Alten Wirt seinen Schal vergessen und ging gleich morgens noch einmal bei dem Gasthaus vorbei. Fanny war da und putzte gerade die Tische. Und sie freute sich sichtlich, ihn zu sehen. Er fand den Schal und plauderte noch ein bisschen mit der neuen Kellnerin.

„Hat eine schöne Frau wie Sie auch einen Namen?“, fragte er schließlich.

„Ich heiße Schönbauer“, antwortete sie lächelnd. „Franziska Schönbauer. Für meine Freunde Fanny …“

„Fanny …“, wiederholte er. Der Name passte zu ihr. Kurzerhand schlug er ihr vor, ihr heute die Umgebung zu zeigen. Er hatte ohnehin einen freien Tag, und das Wetter war so schön, dass man unmöglich drinnen bleiben konnte. „Wir räumen hier eben zusammen auf, dann besorge ich uns ein Picknick, und wir treffen uns unten am See“, meinte er. Freudig nahm sie sein Angebot an.

Zunächst einmal musste Simon aber seine Mutter und Johann verabschieden. Gemeinsam mit Felix stand er auf dem Vorplatz des Hotels. Das Taxi wartete schon auf die beiden. Sie wünschten einander Glück. In dem Moment tauchte Emma ganz außer Atem auf.

„Das würde Ihnen so passen!“, rief sie Johann mit gespieltem Tadel entgegen. „Sich einfach aus dem Staub zu machen, ohne mir Servus zu sagen. Und ich habe Sie für einen Gentleman gehalten.“

„Emma!“ Johann lachte. „Wo haben Sie gesteckt?“ Er hatte schon den ganzen Fürstenhof nach ihr abgesucht. Sie umarmte ihn.

„Viel Glück mit Ihrer Farm!“ Dieser Wunsch kam aus dem Herzen. „Ich werde Sie wahnsinnig vermissen.“ Gerührt drückte er sie an sich und flüsterte ihr ins Ohr: „Und Ihnen viel Glück mit Ben. Obwohl ich mir ja immer gewünscht habe, dass Sie und Felix ein Paar werden.“ Sie schluckte und blickte verstohlen zu Felix. „Versprechen Sie mir, dass Sie ein Auge auf ihn haben. Der Junge braucht das …“

„Ich verspreche es“, erwiderte sie tapfer. Das Taxi hupte. Die beiden mussten los.

„Was hat mein alter Herr dir denn noch uns Ohr geflüstert?“, wollte Felix wissen, nachdem sie alle dem Wagen hinterhergewunken hatten.

„Das war nicht so wichtig“, behauptete sie und lächelte verlegen.

Fanny strahlte, als sie den See erreichte. Simon hatte einen zauberhaften Platz zum Picknicken ausgesucht und lauter Köstlichkeiten vorbereitet. Auch ein ausgezeichneter Weißwein war dabei.

„Heute wäre Sekt passender“, schmunzelte sie. „Aber das konnten Sie ja nicht ahnen.“ Sie hatte nämlich Geburtstag. Und schon gefürchtet, den ganzen Tag alleine verbringen zu müssen.

„Herzlichen Glückwunsch!“ Schnell pflückte er einen kleinen Strauß aus Wiesenblumen und reichte ihn ihr. „Mehr kann ich auf die Schnelle leider nicht bieten.“ Fanny strahlte wieder und langte dann beim Picknick ordentlich zu. „Darf man fragen, wie alt Sie geworden sind?“ Sie zögerte.

„Ich bin neununddreißig.“ Das war eine glatte Lüge. Sie wollte ihm gegenüber bloß nicht zugeben, dass sie die magische Vierzig bereits überschritten hatte. „Viel zu alt für Sie“, fügte sie kokett hinzu.

„Ziehen Sie vier Jahre ab, und Sie landen bei mir“, behauptete er, obwohl das ebenfalls nicht der Wahrheit entsprach – er war jünger. Fanny fragte, ob er heute Abend schon etwas vorhabe. „Wenn, dann würde ich es sofort verschieben, um Zeit für Sie zu haben.“

„Ausgezeichnet“, meinte sie. „Ich würde mich gerne für das Picknick revanchieren. Hier in der Nähe soll es ein Hotel mit einem Sternerestaurant geben.“ Natürlich meinte sie den Fürstenhof. „Ist normalerweise nicht meine Preisklasse, aber heute lasse ich es krachen.“

„Klingt hervorragend“, fand er. Und sagte ihr nicht, dass er selbst im Fürstenhof arbeitete.

In ihrer Pause kam Marie noch einmal in den Personalraum. Sie zögerte kurz, ging dann aber an Nils’ Spind. Er schloss nie ab. Und so war es ein Leichtes, noch einmal das Bild hervorzuholen und es zu betrachten. Sacht strich sie mit dem Finger über die Franz-Marc-Signatur. Und stellte erstaunt fest, dass diese leicht verwischte. Irritiert starrte Marie auf die Farbspuren an ihren Fingern. Das Bild war noch feucht!

„Was machst du da?“ Sie fuhr herum. Vor ihr stand Nils und musterte sie ärgerlich.

„Das ist nicht das Bild aus der Puppe“, sagte sie, nachdem sie sich von ihrem ersten Schreck erholt hatte. „Du hast es kopieren lassen, oder? Deshalb bist du über Nacht in München geblieben.“ Er schwieg. „Warum?“, bohrte sie weiter. „War das Original doch ein echter Franz Marc?“

„Nein, verdammt!“, presste er heraus. „Es ist das Bild von gestern. Hör bitte auf!“

„Und was ist das hier?“ Sie zeigte ihm die Farbspuren an ihren Fingern. Aber er behauptete weiterhin, dass ihre Fantasie mit ihr durchging. Und dann stiefelte er einfach wortlos davon.

Emma und Ben waren auf dem Standesamt gewesen. Und jetzt stand der Hochzeitstermin fest: In drei Wochen war der große Tag! Emma war wortkarg, als die beiden gemeinsam zum Fürstenhof zurückkehrten. Mit dem Termin wurde das Ganze auf einmal so real. In drei Wochen würde sie Frau Sponheim sein. Und sie hatte mit Ben immer noch nicht darüber gesprochen, dass sie bezüglich der Finanzierung ihrer Feier nicht ehrlich zu ihm gewesen war …

Sie musste diese Lüge aus der Welt schaffen, sagte sie sich später. Noch heute. Und dann würden sie gemeinsam überlegen, wie sie sparen konnten. Ihr Brautkleid würde sie auf alle Fälle selber nähen. Sie wusste auch schon genau, wie es aussehen sollte. Sie dachte nach. Ein Kleid … Das war doch die Lösung!

Kurz darauf erklärte sie Rosalie, dass sie ein neues Dirndl entwerfen wollte. Ein einfacher Schnitt sollte es sein, und sie würde versuchen, davon zehn bis zwanzig Stück anzufertigen.

„Das geht weg wie warme Semmeln, wenn wir es günstig verkaufen“, glaubte sie.

„Dumpingpreise?“ Rosalie runzelte die Stirn. „Damit ruinieren wir unser Image.“

„Wir werben auf unserer Homepage für ein Schnupperangebot“, schlug Emma vor.

„Ich bin mir nicht sicher …“, entgegnete ihre Schwester. Aber natürlich begriff sie, dass das Ganze für Emma von Vorteil sein würde. Von dem Erlös der Dirndl konnte sie die Hochzeit bezahlen. Und so würde es leichter sein, Ben die Wahrheit zu beichten.

Der stand derweil an der Rezeption und erzählte Herrn Sonnbichler, wie es auf dem Standesamt gewesen war.

„Haben Sie sich eigentlich schon auf die Trauzeugen geeinigt?“, wollte Alfons wissen.

„Emma wird sicher ihre Schwester oder Marie wollen“, erwiderte Ben. „Aber für mich kommt nur Simon infrage. Und der ist dann in Australien.“ Heutzutage brauchte man ja aber nicht mehr unbedingt einen Trauzeugen. Da klingelte das Telefon und unterbrach das Gespräch zwischen Ben und Alfons. Herr Strobl rief an, Emmas Vater. Als Ben begriff, wer am Telefon war, bedeutete er Herrn Sonnbichler, ihm den Hörer zu reichen. Fröhlich begrüßte er seinen Schwiegervater in spe.

„Die Trauung ist in drei Wochen“, erklärte er dann. Natürlich würde Herr Strobl noch eine schriftliche Einladung erhalten. „Klar feiern wir groß, das wissen Sie doch. Es ist wirklich nett, dass Sie uns die Feier spendieren, vielen Dank.“ Er brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass Emmas Vater offenbar nicht die geringste Ahnung hatte, wovon er sprach.

„Rate mal, mit wem ich gerade telefoniert habe!“ Bens Miene war eisig, als er Emmas Zimmer betrat. Seine Freundin saß gerade mit Rosalie zusammen, um die Details der Dirndl-Aktion zu besprechen. „Mit deinem Vater.“ Rosalie stöhnte leise auf. Und Emma fühlte sich wie gelähmt. Nun war Ben ihr auch noch zuvorgekommen. „Du hast mich belogen. Warum?“

„Ich wollte es dir sagen“, beteuerte sie kleinlaut. „Heute noch.“

„Wegen Felix Saalfeld, oder?“, bohrte er weiter. „Du wolltest dir das Geld von ihm leihen. Gib es zu!“

„Ja, aber nur am Anfang“, gestand sie.

„Und weil ich das nicht wollte, hast du behauptet, dein Vater schenkt uns die Feier“, hielt er ihr weiter vor.

„Die Bank hat dir keinen Kredit gewährt, und du warst so traurig“, rechtfertigte sie sich. „Wir wünschen uns doch beide ein großes Fest.“

„Ben, reg dich ab“, schaltete Rosalie sich nun ein. „Emma hat Felix einen Korb gegeben. Ich war dabei.“ Er glaubte ihr kein Wort.

„Und wieso hat sie dann weiter so getan, als ob ihr Vater die Kosten übernehmen würde?“

„Ich wollte es dir sagen, wenn ich eine andere Lösung gefunden habe.“ Und das hatte Emma jetzt ja. Aber Ben interessierte sich nicht für ihre Dirndl-Geschichte.

„Fakt ist, du hast mich belogen. Das ist das Einzige, was zählt.“ Ohne ein weiteres Wort ging er hinaus und knallte die Tür hinter sich zu.

Mittags musste sich Werner schon wieder auf die Couch legen: Er fühlte sich matt und schwindelig. Barbara meinte, das könne am Fön liegen, und dankbar akzeptierte er diese Erklärung. Er hasste es, sich Sorgen um seine Gesundheit machen zu müssen.

„Zu dumm, dass Frau Doktor Konopka nach gezogen Kanada ist“, meinte Barbara scheinheilig. „Wann fängt ihr Nachfolger eigentlich an?“

„Das dauert noch ein wenig“, antwortete der Senior. „Bis jetzt habe ich nur mit seinen Anwälten gesprochen.“ Sie lächelte zufrieden. Dann würde ihr zumindest erst einmal kein Arzt in die Quere kommen. Und ins Krankenhaus würde Werner sowieso nicht gehen. Er verabscheute Krankenhäuser.

Kurz darauf bat Ben seine Mutter, mit ihm einen Spaziergang zu machen. Er brauchte jemanden, der ihm zuhörte. Dass Emma ihn angelogen hatte, verletzte ihn zutiefst.

„Ich habe ausdrücklich gesagt, dass ich von Felix Saalfeld kein Geld annehme“, empörte er sich. Es machte ihn schier wahnsinnig, dass seine Freundin mit allem zu ihrer Schwester oder eben zu Felix rannte, anstatt die Dinge mit Ben zu besprechen. „Als wenn ich Luft für sie wäre …“ Barbara konnte seine Aufregung nicht recht verstehen.

„Frau Engel ist ihre Schwester“, meinte sie. „Sie haben zusammen eine Firma. Es ist nur natürlich, wenn deine Emma sich an sie wendet.“ Außerdem hielt Barbara den Plan mit den Dirndln für eine ausgezeichnete Idee.

„Und was ist mit dem Juniorchef?“, knurrte Ben. „Überall mischt er mit. Ob ich das will oder nicht.“

„Du bist doch nicht etwa eifersüchtig?“ Natürlich war er das, auch wenn er jetzt lautstark protestierte. „Deine Braut war mal in Felix Saalfeld verliebt, oder?“, hakte Barbara nach.

„Das ist lange her“, entgegnete Ben abwehrend.

„Redest du dir das ein, oder glaubst du das wirklich?“

„Emma liebt mich und nicht Felix Saalfeld!“, erklärte er aufgebracht.

„Dann ist doch alles gut“, sagte seine Mutter und musterte ihn skeptisch.

„Sonst würde sie mich ja wohl kaum heiraten, oder?“, fuhr er fort.

„Mich musst du nicht überzeugen.“ Ihre Stimme war sanft. Dass Ben an Emmas Liebe zweifelte, war offenkundig.

Emma stellte unterdessen im Gewächshaus einen Blumenstrauß für Charlotte Saalfeld zusammen. Charlotte war eine Weile bei einer Freundin gewesen, aber nun wurde sie im Fürstenhof zurückerwartet. Emma fühlte sich traurig. Warum glaubte Ben ihr nur nicht? Sie hatte ihm wirklich die Wahrheit sagen wollen. Aber sie hatte zu lange gewartet. Und das mit Felix war echt hart für ihn gewesen. Dabei sollte er doch in drei Wochen ihr Mann werden.

„Ich soll dir schöne Grüße ausrichten!“ Erschrocken fuhr sie herum. Felix war unbemerkt ins Gewächshaus gekommen. Er trug Tenniskleidung. „Von meinem Vater. Er hat noch mal vom Flughafen angerufen.“

„Danke“, erwiderte sie.

„Und ich soll dir sagen, dass du herzlich eingeladen bist, ihn in Kanada zu besuchen“, fuhr Felix fort. „Auch mit Ehemann.“ Sie seufzte. „Was ist denn los?“, fragte er erstaunt.

„Ben weiß, dass ich gelogen habe“, platzte sie heraus. „Er hat es erfahren, ehe ich es ihm sagen konnte. Und jetzt ist er total sauer.“

„Und will dich jetzt nicht mehr heiraten?“, entgegnete Felix leicht amüsiert.

„Doch. Obwohl …“ Sie wusste es nicht.

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