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Ein Verlangen

 

Zu diesem Buch

Cage Ford, der sexy und smarte Hollywood-Agent, will sich seinen großen Traum erfüllen und einen Erotikfilm produzieren. Völlig unerwartet taucht Exfreundin Jade bei seinem Casting auf, und er weiß augenblicklich: Sie zu verlassen war der größte Fehler seines Lebens! Doch Jade hat nur ein Ziel: Cage und sich selbst beweisen, dass sie über ihn hinweg ist. Dafür ergattert sie nicht nur die Rolle in seinem Film, sondern zieht auch in das leerstehende Zimmer in seine Männer-WG mit dem attraktiven Schauspieler Rhys. Doch schon bald entwickelt sich ein sinnliches Spiel zwischen den dreien, bei dem keiner von ihnen das Verlangen nacheinander länger leugnen kann. Von da an stehen nicht nur turbulente und aufregende Dreharbeiten auf der Tagesordnung: Aus dem polarisierenden Filmprojekt entsteht ein waschechter Hollywood-Skandal. Und Cage droht alles zu verlieren – seine Karriere, seine Familie, seine Freunde und vielleicht sogar seine große Liebe Jade …

 

Für diejenigen, die träumen.

Für diejenigen, die das scheinbar Unmögliche wagen.

Für diejenigen, denen das Herz gebrochen wurde.

&

Für diejenigen, die suchen und noch nicht gefunden haben.

 

1. KAPITEL

JADE

Cages braune Augen funkeln mir entgegen.

In meiner Fantasie habe ich mir diesen einen Moment tausendmal ausgemalt. Den Moment, in dem ich meiner großen Liebe Cage Ford, dem Mann, der mir auf grauenvolle Weise das Herz gebrochen hat, wieder gegenüberstehe. Ich hatte eine vage Vorstellung davon, wie es sich anfühlen würde, wie ich reagieren würde –, doch zieht mir jetzt allein der Gedanke den Boden unter den Füßen weg. Bin ich stark genug, um ihn wiederzusehen? Mir krampft sich das Herz in der Brust zusammen.

Kopfschüttelnd wende ich mich von dem Portrait ab, das in der Eingangshalle des Gebäudes hängt, in der die Ford Agency untergebracht ist.

Das ist eine ganz schlechte Idee, Jade!

Ich sammele mich, ignoriere die protestierende Stimme in meinem Kopf. Seitdem ich von diesem offenen Casting gehört habe, das Cage, der bislang lediglich als Hollywood-Agent tätig war, für seine erste Filmproduktion plant, wusste ich, dass dies meine Chance als Schauspielerin ist, mich zu beweisen. Und zugegeben, etwas in mir sehnt sich danach, ihm nach über sechs Jahren wieder zu begegnen, wenn auch nur, um mir selbst zu bestätigen, dass mein Herz nicht mehr gefährlich schnell in seiner Gegenwart schlägt.

Selbstbewusst trete ich an den Empfang, an dem eine junge Frau sitzt, die keine Miene verzieht, als sie mich begrüßt.

»Sie sind bestimmt wegen des Castings hier?«, fragt sie gelangweilt. Offenbar bin ich nicht die erste Schauspielerin, die versuchen will, die Hauptrolle in dem Erotikfilm Ein Verlangen zu ergattern.

Ich war überrascht, als ich von diesem Projekt erfahren habe, doch ich erinnere mich daran, dass es Cages Traum war, selbst eine Filmproduktion zu übernehmen, bevor er seine Agentur gründete. Bei dem Gedanken an unsere gemeinsame Vergangenheit zieht sich mein Herz schmerzhaft zusammen.

»Wie lautet Ihr Name?«, fragt sie routinemäßig.

»Jade Creswell.«

Sie macht eine Notiz. Anschließend überreicht mir die Empfangsdame einen Fragebogen. »Füllen Sie den Bewerbungsbogen aus. Das Casting findet im Raum 207 in der sechsten Etage statt. Warten Sie dort, bis Sie aufgerufen werden.«

»Vielen Dank.« Ich klemme mir das Brett unter den Arm und gehe zu den Aufzügen, wo ich auf den Knopf drücke und die Türen sofort aufspringen. In den verspiegelten Türen prüfe ich mein natürliches Make-up und zupfe an der Bluse. Vielleicht hätte ich mir doch einen taillierten Rock oder etwas Aufreizenderes für diese Art von Casting anziehen sollen – immerhin handelt es sich um einen Erotikfilm. Vermutlich wird dies ganz und gar kein typisches Casting werden. Dafür kenne ich Cage und seine Ansprüche zu gut. Seit Wochen wird in den Medien über nichts anderes berichtet als über den erotischen Liebesfilm, dem zu diesem Zeitpunkt schon ein Megaerfolg vorausgesagt wird. Cages Gesicht ziert etliche Klatschzeitschriften – und er kann sich wirklich sehen lassen.

Schon als ich den schmalen Gang zum Castingraum entlanglaufe, entdecke ich eine lange Schlange junger Frauen – allesamt hübsch mit hohen Schuhen, ausladenden Dekolletés und tonnenweise Make-up im Gesicht, als wären sie für einen Schönheitswettbewerb hier. Auf einem freien Stuhl nehme ich Platz und stelle mich auf eine lange Wartezeit ein. Dass diese Rolle begehrt sein wird, war mir bewusst, aber ich hätte niemals mit so viel Konkurrenz gerechnet.

»Es wäre ein Traum, an Rhys’ Seite zu spielen … vor allem dürfte er gerne an mir spielen«, sagt die Frau rechts neben mir, woraufhin eine andere mädchenhaft kichert, was mich nur die Augen rollen lässt.

Trotzdem belausche ich aufmerksam ihr Gespräch.

»Also, ich hätte nichts gegen den heißen Produzenten. Schade, dass er selbst nicht im Film mitspielt. Die erotischen Szenen sollen wohl sehr explizit werden.«

»Mir macht das nichts aus bei einem Mann wie Rhys«, schwärmt die junge Frau und fächelt sich mit der Hand Luft zu.

Soweit ich weiß, spielte der männliche Hauptdarsteller Rhys Kingston in einer Soap mit, die floppte.

Ich werfe einen Blick auf den Fragebogen in meinen Händen und beantworte zunächst die üblichen Fragen. Adresse, Alter, schauspielerische Erfahrungen …

Ich halte inne, blinzele mehrmals, weil ich glaube, mich verlesen zu haben, aber dort steht tatsächlich: Leiden Sie unter Genitalherpes?

Ernsthaft?!

Es folgen eine Menge Fragen zur Krankheitsgeschichte, die sich vor allem auf Geschlechtskrankheiten beziehen. Anschließend soll angekreuzt werden, welche Sexpraktiken man bevorzugt, die, je weiter die Liste voranschreitet, expliziter werden. Ich blättere zwei Seiten weiter, bis ich das Ende des Abschnitts finde. Das kann doch nicht wahr sein. Soll ich diese Liste tatsächlich ausfüllen? Im Kleingedruckten wird versichert, dass diese Daten nicht weitergegeben werden und ich außerdem einwillige, diese Angaben freiwillig zu machen.

Neugierig schiele ich zu den anderen Mädchen, die munter und mit viel Gekicher den Fragebogen bearbeiten. Viele von ihnen scheinen Jungschauspielerinnen zu sein, mit wenig Erfahrung und viel Hoffnung. Ich setze einige Kreuze, lasse manche Spalten aber bewusst aus. Meine persönlichen Vorlieben sollten doch keine Rolle spielen, immerhin bewerbe ich mich nicht als Pornodarstellerin. Ich hätte mehr Geschmack von Cage erwartet, allerdings … Wenn ich an unser Sexleben denke, das niemals langweilig war, weil wir viel experimentiert haben, passt es zu ihm. Seit ihm habe ich keinen Mann mehr getroffen, mit dem der Sex derart intensiv war.

Ich schüttele die Erinnerungen ab, als ich das vertraute Prickeln in meinem Schoß spüre, und konzentriere mich wieder auf die Fragen.

Würden Sie richtigem Geschlechtsverkehr vor der Kamera zustimmen?

Fassungslos starre ich die Frage an, setze den Stift an und überlege einen Moment. Vielleicht ist dies ein Test, um herauszufinden, wie weit die Schauspielerinnen gehen würden? Es ist nicht so, dass ich prüde bin oder noch nie zwanglosen Sex hatte – vor allem nach Cage –, aber über diesen Punkt müsste ich verhandeln. Deshalb lasse ich eine Lücke und beantworte nur die Fragen, bei denen ich mir hundertprozentig sicher bin.

Nervös kaue ich auf der Unterlippe, nachdem immer mehr Mädchen in den mysteriösen Raum hineingerufen werden. Schweigend kommen sie wieder heraus, verlieren kein Wort darüber, wie das Casting abgelaufen ist, ein paar von ihnen verlassen sogar weinend den Raum.

Als mein Name aufgerufen wird, atme ich tief durch, stehe auf und betrete erhobenen Hauptes den Castingraum. In der Mitte des Büros steht ein Tisch mit drei Stühlen. Tageslicht fällt durch die verglaste Wand, und man kann hinüber in das nächste Gebäude von Downtown Los Angeles blicken. Mein Blick wandert von den Requisiten zu den beiden Männern.

Zunächst blicke ich zu dem dunkelhaarigen Mann mit dem leichten Bartschatten, den sinnlich vollen Lippen und der sportlich-muskulösen Statur, der mich mit seinen blauen Augen geradezu verschlingt. Seine Lippen verziehen sich zu einem frivolen Lächeln, so als ob er entschieden hätte, dass ich ganz ansehnlich sei und seinen Geschmack träfe. Wenn ich mich nicht irre, handelt es sich um Rhys Kingston, den bereits feststehenden Hauptdarsteller.

Dann wandert mein Blick zu Cage, der gleichermaßen geschockt und überrascht wirkt, mich bei seinem Casting anzutreffen. Er sieht noch genauso attraktiv aus wie vor sechs Jahren, doch das Jungenhafte an ihm ist markanteren, raueren Züge gewichen. Das dunkelblonde Haar trägt er im Nacken kürzer, weiter oben länger. Die dunkle Anzughose sitzt perfekt, die Ärmel des hellen Hemds hat er aufgekrempelt, sodass seine leicht gebräunte Haut und die sehnigen Unterarme zum Vorschein kommen. Sein Gesicht ist schön geschnitten, gerade Nase, schmale Lippen, und seine dunkelbraunen Augen ziehen mich in ihren Bann. Doch es ist nicht nur sein Äußeres, es ist seine ganze Präsenz, die mich einnimmt, das unverkennbare Charisma.

Sogleich schlägt mein Herz schneller, ein warmes Gefühl breitet sich in meinem Bauch aus, das im nächsten Moment von einem stechenden Schmerz verdrängt wird. Und ich besinne mich darauf, weshalb ich zum Casting gekommen bin – ich will diese Rolle. Sie ist eine Herausforderung, und ich möchte eine bessere Schauspielerin werden.

Die Schauspielerei gibt mir das Gefühl, mehrere Leben führen zu können. Ich liebe es, mich in unterschiedliche Menschen hineinzuversetzen, den Rollen Leben einzuhauchen, ihre Geschichte zu erzählen; zu fühlen, was sie fühlen. Dadurch habe ich vieles schon aus einer anderen Perspektive betrachtet. Bisher stand ich jedoch ausschließlich auf Theaterbühnen. Bei einer Filmproduktion dabei zu sein wäre eine vollkommen neue Erfahrung für mich, die mich reizt und von der ich heimlich immer geträumt habe. Diese provokante Rolle verspricht Publicity, und die braucht man, wenn man es heutzutage in Hollywood schaffen will.

»Jade«, kommt mein Name kratzig über Cages Lippen.

»Cage«, erwidere ich tonlos, froh darüber, meine Stimme nicht verloren zu haben.

Rhys zieht die Augenbrauen hoch, als ob er überrascht wäre. »Ihr kennt euch?«

Cage räuspert sich. »Kann man so sagen. Was willst du hier?«

»Ich bin hier, um für die Hauptrolle vorzusprechen«, antworte ich.

Er gewinnt die Fassung zurück. »Verstehe. Du schauspielerst also noch?«

Ich nicke.

»Jade?«, sagt Rhys zu Cage. »Die Jade, über die du mir immer die Ohren vollheulst?«

Er spricht mit ihm über mich?

Cages Kiefer mahlen, er antwortet nicht.

»Ich bin Rhys und übernehme die Rolle des Tyler«, stellt er sich vor, springt von seinem Platz auf und reicht mir die Hand. »Schön, dich kennenzulernen, Jade.« Gleich darauf reißt er mir den Fragebogen aus der Hand.

Ich vermeide es, Cage ins Gesicht zu sehen, und straffe unwillkürlich die Schultern.

Rhys studiert meinen Fragebogen und kneift die Augen zusammen. »Du hast den Bogen nicht ganz ausgefüllt«, wirft er mir in einem harschen Tonfall vor.

Ich verschränke die Arme vor der Brust. »Ich wüsste nicht, was meine sexuellen Vorlieben mit meinen schauspielerischen Qualitäten zu tun haben. Das ist privat«, antworte ich selbstsicher, und mein Blick huscht zu Cage, dessen Miene ungerührt bleibt.

»Wir suchen für den Film aber kein Mauerblümchen. Dir ist bewusst, dass es sich um einen erotischen Film handelt?«, erwidert er, und seine Mundwinkel heben sich leicht.

»Das weiß ich.« Ich habe einen Teil des Skripts eingehend geprüft und die eine oder andere Szene wie verlangt einstudiert. Den Text habe ich sicher drauf, und der Plot ist durchaus interessant, wenn auch provokant.

In dem Film geht es um eine junge Frau namens Jane, die vor ihrer Vergangenheit flieht und den reichen Sportler Tyler kennenlernt, der zusammen mit einem Freund in einer Wohngemeinschaft der besonderen Art lebt. Die Frau lässt sich auf ein erotisches Spiel mit beiden Männern ein, wohnt bei ihnen und erfährt nach und nach, dass beide ihre Geheimnisse haben, die sie in eine gefährliche Lage bringen. Doch bei dem zwanglosen Arrangement bleibt es nicht, und sie verliebt sich in Tyler.

Es ist eine heiße, aber auch spannende Liebesgeschichte, die mich reizt.

»Wenn du es nicht einmal schaffst, diese Fragen zu beantworten …«

»Es reicht, Rhys«, herrscht Cage ihn an. »Sie muss nicht alle Fragen beantworten. Die sind sowieso dämlich.«

Rhys sieht seinen Castingpartner empört an. »Sind sie nicht. Das war eine gute Idee von mir, um herauszufinden, wie die Frauen ticken«, erwidert er, doch Cage lässt sich nicht beirren. Er ist der Produzent. Auf seine Meinung kommt es an. »Okay, du musst ja wissen, worauf sie steht. Dann machen wir eben eine Ausnahme.« Er wendet sich wieder mir zu, und ich versuche, das nervöse Zittern meiner Finger zu verbergen. »Dreh dich einmal im Kreis«, befiehlt er und vollführt dabei eine entsprechende Handbewegung.

Widerwillig tue ich, was er verlangt, und spüre, wie sein raubtierhafter Blick an meinem Körper entlanggleitet.

»Gefällt mir. Kann man mit arbeiten«, meint er anerkennend. »Und jetzt zieh dein Oberteil aus.«

Ich habe mich wohl verhört. »Das werde ich nicht tun«, widersetze ich mich empört. »Wie unprofessionell verhaltet ihr euch eigentlich?«

»Auf eine Klage wegen sexueller Belästigung würde ich gerne verzichten, Rhys. Sie muss sich nicht vor uns ausziehen«, schaltet sich Cage ein und sieht mir direkt in die Augen. »Sie ist wunderschön.« Das sagt er ein wenig leiser, sodass ich beinahe glaube, mich verhört zu haben.

Verlegen wende ich den Blick von ihm ab.

Rhys starrt Cage mit offenem Mund an. »Mit dir macht das echt keinen Spaß«, mault er trotzig wie ein kleines Kind. Mit geschmeidigen Schritten kommt Rhys auf mich zu, dabei zeichnen sich seine definierten Brustmuskeln unter dem Shirt ab. Er überragt mich um mehr als einen Kopf, sodass ich zu ihm aufschauen muss. »Also, Jade, du glaubst, dass du perfekt für diese Rolle bist, und willst uns überzeugen?«

»Deswegen bin ich hergekommen.«

»Spielen wir eine Szene nach, und du beweist uns, dass du die Richtige bist«, fordert er mich heraus. »Wir werden uns während der Dreharbeiten sehr nahe kommen, das muss dir klar sein.«

»Das ist es«, versichere ich und halte seinem Blick stand. Nur noch ein paar Zentimeter trennen uns. Sein herber Duft nach Zedernholz mit einem Hauch Zimt umschmeichelt mich. Sollte ich diese Rolle ergattern, würde ich mit ihm intime Sexszenen drehen, ihn küssen und auf mir spüren – überraschenderweise macht mir das nichts aus, doch denke ich augenblicklich an Cage und daran, wie seine Küsse schmecken, wie er sich anfühlt.

»Nervös?«, fragt Rhys, und seine Mundwinkel zucken vor Belustigung. »Ich beiße nicht, außer du wünschst es dir. Und ich verspreche dir, dass ich ein hervorragender Küsser bin.«

Das kann ich mir vorstellen. »Bist du immer so …« Arrogant? Selbstherrlich? Anziehend? »… von dir eingenommen?«

Statt zu antworten, grinst er nur schief, fast verführerisch. Das hat er echt drauf.

»Du kennst das Skript?«, hakt er nach.

Ich nicke.

»Gut, dann spielen wir die erste Kussszene nach.«

Warum muss es ausgerechnet diese Szene sein? Erwartet er, dass ich ihn wirklich küsse?

»Vielleicht ist eine andere Szene, in der die Protagonistin …«, erwidere ich.

Rhys hebt eine Augenbraue. »Stellt die Szene ein Problem für dich dar?«

Hastig schüttele ich den Kopf, obwohl mir das Herz vor Aufregung aus dem Brustkorb springen will. Doch vor ihm will ich mir nicht die Blöße geben. »Selbstverständlich nicht.« Wie viele meiner Vorgängerinnen hat er heute schon abgeschlabbert? Ich starre auf seine Lippen, um zu prüfen, ob sie angeschwollen aussehen. »Ich hoffe, du hast dir zwischendurch die Zähne geputzt.«

»Gut«, sagt er lang gezogen und schenkt mir ein schiefes Lächeln. »Keine Sorge, ich bin auf alles vorbereitet. Zur Erinnerung: Tyler und Jane befinden sich allein im Penthouse. Er hat ihr soeben das erotische Arrangement eröffnet, dass sie zu ihm und seinem Mitbewohner unter der Bedingung ziehen kann, dass sie sich auf die beiden einlässt.«

Von einem Augenblick auf den anderen schlüpfe ich in die Rolle, verschmelze mit ihr und stelle mir vor, wie es ist, Rhys zu begehren. Er ist durchaus ein attraktiver Mann, weshalb es mir nicht schwerfällt, mich auf die Situation einzulassen. Rhys besitzt breite Schultern, eine starke Brust und schmale Hüften. Er setzt einen verwegenen Ausdruck auf, seine Augen funkeln dunkler, und ich stelle mir vor, wie es sich anfühlt, ihn zu küssen, mich an ihn zu schmiegen und von ihm berühren zu lassen. Allein bei dem Gedanken daran erwacht ein zartes Prickeln zwischen meinen Schenkeln. Es wäre definitiv schwieriger, diese Rolle zu spielen, wenn ich meinen Schauspielpartner völlig unattraktiv finden würde. Doch seine selbstherrliche Art verunsichert mich, und ich kämpfe mit aller Macht die Nervosität nieder. Schließlich ist er nicht der erste Mann, den ich küsse, aber der erste Schauspieler, mit dem ich einen Kuss inszeniere.

»Und Action«, ruft Cage, dessen Blick sich in mich brennt.

»Du bietest mir das Zimmer also nur an, wenn ich mit euch beiden schlafe?«, beginne ich die Szene und setze einen empörten Gesichtsausdruck auf. »Ich bin nicht käuflich!«

»So war das nicht gemeint«, verteidigt sich Rhys, der Tyler spielt.

Ich will an ihm vorbeigehen, aber er lässt es nicht zu, stellt sich mir in den Weg, und ich mache einen Schritt zurück, um Abstand zwischen uns zu bringen.

»Glaubst du, für dich wäre bei diesem Arrangement nichts drin? Hast du Erfahrungen mit zwei Männern?«

Für einen Moment überlege ich, ob das tatsächlich so im Skript steht, oder ob er diese Frage gerade an mich persönlich richtet. Ich bin so nervös, dass ich mich nicht erinnern kann.

»Nein, das habe ich nicht«, antworte ich stammelnd.

»Ich möchte dir gerne helfen. Aber wir haben unsere Regeln, die ich nicht umgehe. Wenn du dir also vorstellen könntest, bei uns zu wohnen und ein paar spaßige, leidenschaftliche Wochen mit uns zu verbringen …« Rhys kommt mir noch näher, sodass ich glaube, die Wärme seines Körpers wahrnehmen zu können, das spannungsgeladene Knistern, das plötzlich in der Luft liegt und mich unwillkürlich den Atem anhalten lässt.

»Ich kaufe doch nicht die Katze im Sack«, erwidere ich bissig und recke das Kinn vor.

Rhys grinst schelmisch. »Du willst also einen kleinen Vorgeschmack?« Seine Finger umfassen mein Kinn, und er beugt sich leicht zu mir herab. Sein feuriger Blick wandert zu meinen Lippen.

Ich zögere nur für einen Moment.

Küss ihn.

Schlagartig ist mir Cages Anwesenheit wieder bewusst, und ich zwinge mich, nicht in seine Richtung zu sehen.

»Küss mich. Zeig mir deine verführerische Seite, Jade«, raunt Rhys dicht vor meinen Lippen, sodass mich sein warmer Atem streift.

Vor meinem Exfreund mit Rhys zu knutschen, fühlt sich seltsam an – falsch und verboten, und gleichzeitig verschafft es mir eine gewisse Genugtuung, immerhin hat mich Cage damals sitzen gelassen. Dieser Kuss gehört zum Spiel dazu, rede ich mir ein und blende Cage vollkommen aus.

Trotzdem verstehe ich nicht, weshalb ausgerechnet Cage in meinen Gedanken herumspukt, als meine Lippen auf Rhys’ treffen.

Mit den Lippen streicht er über meine, erobert meinen Mund und tastet sich langsam vor. Er öffnet den Mund einen Spaltbreit, um meine Zunge hereinzulassen. Knabbert sanft an meiner Unterlippe und entlockt mir ein leises Stöhnen.

Der Kuss wird stürmischer, leidenschaftlicher. Rhys umfasst bestimmt meine Taille, zieht mich an sich, lässt mich seine beachtliche Erektion an meinem Bauch spüren. Himmel, geht der ran! Zwischen meinen Beinen erwacht ein verlangendes Pochen, und ich werde feucht. Es überrascht mich selbst, dass mein Körper derart intensiv auf den Kuss reagiert. Rhys kann definitiv gut küssen.

»Komm schon, du kannst das besser«, raunt er atemlos und fordert mich damit heraus.

Ich fahre mit den Händen durch sein seidiges Haar, ziehe ihn eng an mich und reibe mich an seinem harten Körper. Und ich liefere die beste Show meines Lebens.

 

2. KAPITEL

CAGE

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich Jade vergessen habe oder dass ihr unerwartetes Auftauchen mich nicht kalt erwischt hat. Ich würde auch lügen, wenn ich sagen würde, dass ich in den letzten sechs Jahren kein einziges Mal an sie gedacht habe.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich das sogar fast täglich getan. Und ich würde verdammt noch mal lügen, wenn ich sagen würde, dass ich sie nicht auf der Stelle küssen möchte, sie an mich ziehen und auf diesem gottverdammten Tisch vögeln will, bis ich nicht mehr weiß, wo ich anfange und sie aufhört.

Jade war meine beste Freundin und meine Geliebte. Wir waren jung, wir lachten, wir liebten, und wir lebten. Nie habe ich mich einer Frau so nahe gefühlt wie ihr, aber das war alles einmal. Sie wiederzusehen erinnert mich daran, was ich hätte haben können, wenn ich es nicht vermasselt hätte. Es ist, als würde ich in die Vergangenheit katapultiert. Jade ist noch genauso schön wie damals. Ihre grünen Augen, die von goldenen Punkten durchsetzt sind, leuchten und haben diesen ganz bestimmten Ausdruck. Das mittellange Haar, das an den Spitzen wie von der Sonne geküsst heller ist, glänzt und liegt ihr in seidigen Wellen über den Schultern. Sie ist nicht sehr groß, doch sie besitzt Rundungen an den richtigen Stellen und schlanke Beine. Sogleich denke ich daran, wie weich sich ihre Haut unter meinen Fingerspitzen angefühlt hat.

Als wir uns vor knapp acht Jahren kennenlernten, träumte sie von einer Schauspielkarriere. Nach unserer Trennung habe ich ihren Werdegang verfolgt. Leider hatte sie nie besonders viel Glück, obwohl ich weiß, dass sie hervorragend schauspielen kann. Dass sie ausgerechnet bei meinem Casting auftaucht, damit habe ich nicht im Entferntesten gerechnet, schließlich war ihr Metier bisher die Bühne. Eigentlich dachte ich, dass ich sie nie wiedersehen würde. Und dann das …

Ein eifersüchtiger Stich zuckt durch meine Brust, während ich beobachte, wie Rhys Jade vor meinen Augen küsst. Es ist kein keuscher Kuss, sondern ein leidenschaftlicher – so wie wir uns immer geküsst haben.

Zugegeben, sie spielt die Rolle souverän, gibt sich ihm hin, und ich kann sie mir tatsächlich in dem Film vorstellen. Die beiden würden ein schönes Paar abgeben, und da ich weiß, wie heiß Jade nackt aussieht … Obwohl mir die Vorstellung gar nicht gefällt, dass Rhys und andere Männer sie sehen, wie ich sie gesehen habe – halb nackt in eindeutigen Posen, sich vor Lust windend und laut stöhnend.

Meine Hose wird plötzlich eng, und ich besinne mich wieder auf das Wesentliche.

Als die beiden auch noch anfangen, sich vor meinen Augen zu befummeln, räuspere ich mich, damit sie endlich voneinander ablassen.

»Das war gar nicht so schlecht, aber das kannst du sicherlich besser«, meint Rhys, als er sich von Jade gelöst hat.

»Gar nicht so schlecht?«, wiederholt sie empört.

Er will sie mit seinem Kommentar nur aufstacheln.

Selbstbewusst greift sie ihm in den Schritt.

»Ich wusste doch, dass in dir ein wildes Kätzchen schlummert«, raunt Rhys.

Sie massiert ihn vor meinen Augen durch den Stoff, und dann drückt sie zu. Jetzt hat sie ihn bei den Eiern gepackt, was er bei seinem unangebrachten Verhalten verdient hat, und ich muss mir ein Lachen verkneifen.

Rhys verzieht das Gesicht und stößt ein Keuchen aus.

»Wenn wir zusammen arbeiten wollen, muss dir klar sein, dass ich nicht dein Filmsetbunny bin, mit dem du deinen Spaß haben kannst, wann immer dir danach ist«, faucht Jade und funkelt ihn mit einem siegessicheren Ausdruck an. »Verstanden?«

Genauso schlagfertig wie früher, und dabei auch noch süß. Ihre Einlage hat mir bewiesen, dass in ihr noch immer dasselbe Feuer brennt, in das ich mich verliebt habe.

»Verstanden«, gibt Rhys nach. »Du kannst meine Kronjuwelen wieder loslassen, bevor du noch etwas kaputt machst, Süße.«

Mit einem zufriedenen Lächeln lässt sie von ihm ab. Doch sie kennt Rhys schlecht, wenn sie glaubt, dass sie ungeschoren davonkommt. Im nächsten Moment ergreift er ihre Handgelenke, drängt sie weiter gegen die Tischkante und befördert sie rücklings auf den Tisch. Er pinnt ihre Arme fest und drückt seinen Unterleib herausfordernd gegen ihren.

Bevor er Jades Mund erneut erobern kann, gehe ich dazwischen. »Ich denke, wir wissen jetzt, dass ihr eine Kussszene zusammen spielen könnt.«

»Ich hätte dir noch ganz andere Dinge gezeigt«, sagt er zu ihr. Knurrend lässt er von Jade ab, die wiederrum triumphierend schmunzelt. Sie richtet ihr Oberteil, das leicht hochgerutscht ist, und sieht mich erwartungsvoll mit ihren katzenhaften Augen an, die von dunklen Wimpern umrahmt werden.

»Das war in Ordnung«, sage ich, um sie zu testen, sie nicht in Sicherheit zu wiegen. Obwohl ich sie kenne und weiß, was sie kann und wo ihre Schwächen liegen, sollte ich sie wie jede andere Schauspielerin bei diesem Vorsprechen behandeln.

Und plötzlich sehe ich diesen kleinen Funken Selbstzweifel aufglimmen, die sie offenbar immer noch mit sich herumträgt. Unsicher streicht sie sich eine Haarsträhne hinters Ohr und kaut auf der Unterlippe.

»Ich möchte gerne, dass du noch eine andere Szene vorspielst«, füge ich hinzu.

»Wie wäre es mit einer erotischeren Szene?«, quatscht Rhys dazwischen, der unverkennbar Gefallen an ihr gefunden hat.

Obwohl Rhys die beste Besetzung für die männliche Hauptrolle und seine Meinung mir wichtig ist, ist es nicht optimal, ihn bei den Vorsprech-Terminen dabei zu haben. An jeder Frau beginnt er herumzumeckern; glaubt, Einfluss auf meine Entscheidung zu haben. Er macht das heutige Casting zwar amüsanter, aber dafür auch umso anstrengender.

»Nein, keine erotische Szene«, widerspreche ich in einem harten Tonfall, denn ich will sehen, ob Jade sich mit der Hauptfigur identifizieren kann, ob sie sie lebt und fühlt und mit ihr verschmilzt. Ob sie sie sein kann.

Ich stelle die Kamera um, mit der ich das Casting aufnehme, damit ich mir in Absprache mit Co-Produzenten im Nachhinein ein Bild von den Schauspielerinnen machen und die Erinnerungen auffrischen kann.

Jade beginnt die nächste Szene zu spielen, die ich ausgesucht habe, und ich beobachte genau, wie das Zusammenspiel mit Rhys rüberkommt. Registriere jede Bewegung, jeden Gesichtsausdruck, ihre Haltung, ihre Art, miteinander umzugehen. Achte darauf, ob das gewisse Etwas zwischen ihnen herrscht und ob sie es für die Zuschauer transportieren können. Denn dieser Film ist mehr als pure Erotik. Die Details sollen es perfekt machen.

Nach kurzer Zeit bin ich überzeugt davon, dass die beiden die optimale Besetzung sind. Mit jedem Wort hallt ihre Leidenschaft füreinander wider. Irgendwann bin ich so vertieft, dass ich nur noch den Klang von Jades Lachen wahrnehme, die Bewegungen ihrer sinnlichen Lippen und das begeisterte Funkeln in ihren tiefgrünen Augen.

Bei ihr weiß ich zudem, dass es ihr nicht nur ums Geld oder den Ruhm geht, sondern dass sie es mit jeder Faser ihres Seins liebt, zu schauspielen, etwas zu kreieren, zu erschaffen, das die Zuschauer in Begeisterung versetzt und fesselt. Ich glaube, dass sie eine Frau wäre, mit der sich die Zuschauerinnen identifizieren können.

Manchmal spürt man einfach, dass es das Richtige ist, und das ist gerade so ein Moment. Aber kann ich mit Jade zusammenarbeiten, nach dem, was zwischen uns war?

 

RHYS

Cage baut sich vor mir auf, während ich mich entspannt auf dem Stuhl zurücklehne.

»Ich möchte deine Meinung hören. Mit welcher der Frauen kannst du dir vorstellen, in dem Film zu spielen?«, fragt er und breitet vor mir auf dem Tisch die Bewerbungsbögen aus, die die Bewerberinnen ausgefüllt haben, inklusive der Fotos, die sie beigefügt haben.

Mit dem Finger tippe ich auf ein Foto, auf dem eine junge Blondine abgebildet ist, die sehr freizügig gekleidet ist. »Die hier hat fantastische Brüste, und sie hat sich sofort für mich ausgezogen«, sage ich schelmisch grinsend.

Cage rollt genervt mit den Augen. »Okay, ich weiß um deine Vorliebe für große Brüste, aber darum geht es nicht«, weist er mich zurecht.

Ich weiß, wie viel Cage dieses Filmprojekt bedeutet, dass er Tag und Nacht dafür arbeitet und seine ganze Hoffnung darin setzt, dass dieser Film ein Erfolg wird. Und ich bewundere ihn dafür. Dennoch sollte er lernen, auch mal locker zu lassen, ansonsten werden die Dreharbeiten sehr mühselig und der Spaß geht verloren.

»Versteh mich nicht falsch, ich will, dass du mit deiner Filmpartnerin auskommst. Immerhin müsst ihr ein Liebespaar spielen, und ich will, dass die Chemie stimmt. Aber ich halte sie als Schauspielerin für diesen Film nicht für geeignet.« Cage verzieht die Lippen zu einem schmalen Strich und wirkt angespannt.

»Ich gebe dir recht«, stimme ich ihm zu und taxiere noch einmal das Bild der Frau. »Du müsstest mindestens die Hälfte ihres Textes streichen lassen und mehr Gestöhne einbauen, dann könnte es mit ihr funktionieren.«

»Das wird sicher nicht passieren«, presst er hervor. Er nimmt den Stapel und legt die meisten Unterlagen auf einen Haufen, von dem ich annehme, dass diese Schauspielerinnen nicht infrage kommen.

Nachdenklich kratze ich mich am Kinn. »Warum wolltest du eigentlich plötzlich doch noch ein Casting arrangieren? Ich dachte, Rachel sollte die Hauptrolle übernehmen?«, hake ich nach, weil Cage sich darüber ausschweigt. Ursprünglich sollte die Besetzung bereits feststehen, doch Cage änderte seine Meinung, und wir planten dieses spontane Casting. »Rhys und Rachel. Das wäre doch perfekt gewesen. Dazu hat sie viel Erfahrung, treue Fans und ist verdammt heiß.«

»Weil ich mir bei Rachel nicht sicher war. Sie passt nicht in diese Rolle.«

Rachel ist die Art Schauspielerin, die jeder Mann gern auf der Leinwand sehen würde – nackt versteht sich. Dunkles seidiges Haar, perfekte weibliche Kurven, Schmollmund.

»Ich erinnere mich noch an den Abend, als du ganz begeistert über sie gesprochen hast. Liegt es an meiner Kuppelaktion? Daran, dass du sie gevögelt hast?«

Da Cage in den letzten Monaten alles andere getan hat, als Spaß zu haben, habe ich ihm Rachel vorgestellt, die ich bei einem anderen Casting kennengelernt habe. Natürlich sind sie im Bett gelandet – worum ich ihn sogar beneide. Doch Cage geht es gegen den Strich, dass er seine oberste Regel, niemals mit einer Klientin zu schlafen, gebrochen hat. Keine Ahnung, wofür die überhaupt gut sein soll.

Er streicht sich durchs Haar, wie immer, wenn er ausweichen will und sich seine Worte sorgfältig zurechtlegt.

»Hattest du ihr die Rolle nicht sogar zugesagt?«, bohre ich nach.

»Es gibt keinen bindenden Vertrag. Die Zusage habe ich ihr in einem schwachen Moment mündlich angedeutet.«

»Als du zwischen ihren Schenkeln lagst oder sie auf dir geritten ist?«

Er funkelt mich an, und ich hebe abwehrend die Hände.

»Darf man nicht einmal einen Witz machen?«, verteidige ich mich.

»Rachel mag eine erfolgreiche Schauspielerin sein …«

»Die die Bekanntheit des Films enorm gesteigert hätte und mit der du einen Star gehabt hättest«, beende ich seinen Satz.

Eine steile Falte erscheint zwischen Cages Augenbrauen. »Das ist mir durchaus bewusst«, knurrt er. »Allerdings ist mir aufgefallen, dass sie ein eindeutiges Drogenproblem hat, mal ganz abgesehen von den anderen Schlagzeilen, die sie regelmäßig macht.«

»Oh.«

»Es wäre einfach keine gute Idee, wenn sie länger mit an Bord wäre.« Er macht eine Pause, bevor er weiterspricht. »Und zwar auch, weil ich mit ihr Sex hatte, und ich mich damit sicherlich nicht erpressen lasse. Ich habe von befreundeten Filmemachern gehört, wie anstrengend diese Frau sein kann, wenn sie nicht bekommt, was sie will.« Er senkt den Blick auf die Fragebögen der Schauspielerinnen. »Außerdem passt sie überhaupt nicht in das Bild, das wir mit der weiblichen Leitfigur rüberbringen wollen.«

»Und wie hat sie reagiert, als du ihr abgesagt hast?«, frage ich neugierig.

Cage antwortet nicht.

»Oh Mann, du hast es ihr noch gar nicht mitgeteilt?« Ich kann mir denken, wie sie reagieren wird, wie eine wildgewordene Furie, denn die Finger konnte sie von Cage nicht lassen, seitdem ich die beiden einander vorgestellt habe.

»Ich bleibe dabei: Rachel ist nicht die passende Besetzung für die weibliche Hauptrolle.«

Ich lehne mich weiter vor, schnappe mir eines der Dokumente, die noch auf dem Tisch liegen und das Cage absichtlich zu ignorieren versucht. »Du willst meine ehrliche Meinung wissen?«

»Natürlich«, bestätigt er und stützt sich vor mir mit den Händen auf dem Tisch ab.

»Jade Creswell wäre die richtige Besetzung.«

Er verzieht nicht eine Miene, wartet darauf, dass ich ihm die passenden Argumente liefere, damit auch er zustimmen kann.

»Sie ist hübsch, hat einen gut proportionierten Körper und wirkt ein wenig wie das Mädchen von nebenan. Mit ihr könnten sich Frauen identifizieren. Sie ist natürlich, sie hat Feuer … und sie küsst verdammt gut. Verdammt, ich bin sofort hart geworden. Das ist eine gute Voraussetzung.« Prompt handele ich mir einen wütenden Blick von Cage ein. Das letzte Argument hätte ich wohl auslassen sollen. »Außerdem schauspielt sie sehr gut. Es wundert mich, dass sie noch keinen großen Job an Land gezogen hat bei ihrem Talent. Sie hat diesen gewissen Ausdruck im Gesicht, dieses Funkeln in den Augen. Das hatten die anderen Mädchen, wenn du mich fragst, nicht.«

Ich bin tatsächlich der Meinung, dass Jade perfekt für diese Rolle wäre – nicht nur, weil sie heiß ist. Aber bei ihr müsste ich die Anziehung zwischen uns garantiert nicht vorspielen. Zwischen uns hat es geknistert, auch wenn ich nicht so ganz einschätzen kann, wie sie mittlerweile zu Cage steht und ob ihre frühere Beziehung ein Problem darstellen könnte. Dieses Risiko muss Cage meiner Meinung nach eingehen. Die Dreharbeiten würden mit der Kleinen auf jeden Fall amüsant werden, und darauf will ich nicht verzichten.

Seufzend streicht sich Cage eine blonde Haarsträhne aus der Stirn. Er zögert, er grübelt, und anhand seines Gesichtsausdrucks erkenne ich die nagenden Zweifel. Aber ich kenne ihn gut genug, um zu wissen, dass Jade ihn nicht kalt gelassen hat, und er wäre blind, wenn ihm nicht aufgefallen wäre, wie gut wir uns zusammen auf der Leinwand machen würden.

»Du weißt, dass ich recht habe«, rede ich auf ihn ein. »Was auch immer zwischen euch vorgefallen ist, lass nicht zu, dass es dieses Projekt kaputt macht. Jade ist unsere Frau für diesen Job! Es gibt keine bessere Alternative.«

»Gut, wir laden sie für ein weiteres Gespräch ein«, entscheidet Cage mit grimmiger Miene, und ich jubele innerlich, weil ich mal wieder meinen Willen bekomme.

Bei dem Gedanken an die heißen Szenen, die wir zusammen spielen werden, grinse ich breit. Ich liebe meinen Job.

 

3. KAPITEL

JADE

Erleichtert streife ich mir die Schuhe ab und laufe über die knarzenden Holzdielen im Flur, nachdem ich vom Casting in Downtown Los Angeles zurück nach Riverside gefahren bin. Für ein paar Tage wohne ich übergangsweise bei Lilah, meiner besten Freundin, die in der Nähe von Los Angeles wohnt, aber immer noch zu weit weg, um die Fahrt zum Set jeden Tag anzutreten, falls ich die Rolle bekommen sollte. Ganz abgesehen davon, dass ich aufgrund meiner Katzenhaarallergie nicht lange bei ihr wohnen kann. Meine Wohnung in New York habe ich nach einem Rohrbruch gekündigt und es als ein Zeichen gesehen, es ein letztes Mal in Hollywood zu versuchen. Die Aussicht, auf Lilahs Sofa zu schlafen, ist auf Dauer auch nicht verlockend. Ich muss eine andere, möglichst günstige Unterkunft finden, denn mit meinen mickrigen Ersparnissen durch die Kellner- und Aushilfsjobs komme ich nicht lange über die Runden. Dies ist mein letzter Versuch, im Showbusiness Fuß zu fassen. Wenn es diesmal nicht klappt, werde ich meinen Traum von der Schauspielkarriere endgültig an den Nagel hängen, vielleicht ein solides Zweitstudium aufnehmen und mir einen festen Job suchen. Ich werde schließlich nicht jünger, auch wenn mir der Gedanke, meinen großen Traum aufzugeben, gar nicht gefällt.

»Und wie war das Casting?«, fragt Lilah mit einem begierigen Funkeln in den Augen, als ich die Küche, die mit dem angrenzenden Essbereich verbunden ist, betrete. Als sie den Kopf bewegt, wirbelt ihr das platinblonde Haar mit den rosa gefärbten Strähnen in großen Locken um die Schultern. Sie hat keine Scheu vor Experimenten, als Friseurmeisterin mit einem eigenen Salon trägt sie immer die ausgefallensten Frisuren.

Ich setze mich zu ihr an den Esstisch. »Es war … ungewöhnlich.«

Lilah schüttet sich eine weitere Tasse Kaffee ein. »Kaffee?«, fragt sie und hebt die Kanne hoch.

»Kaffee, obwohl ein Glas Wein auch nicht verkehrt wäre.«

»Erzähl mir alles«, drängt sie mich.

Ich berichte vom Casting, den unseriösen Fragen und dem Kuss mit Rhys. Cages Namen nehme ich dabei kein einziges Mal in den Mund.

Als ich von Rhys erzähle, atmet sie scharf ein. »Ich beneide dich. Kommen wir zu der wichtigsten Frage: Wie war es, Cage wiederzusehen?«

Ich zucke mit den Schultern, weil ich nicht weiter über das Gefühl in meiner Magengegend nachdenken möchte, das seine Anwesenheit in mir ausgelöst hat.

»Dir muss man auch alles aus der Nase ziehen«, quengelt sie. »Ich habe sowieso keine Ahnung, wie du auf die Idee gekommen bist, ausgerechnet für seinen Film vorzusprechen.« Lilah war für mich da, als Cage mir das Herz gebrochen und sich unerwartet von mir getrennt hat. Sie verfluchte ihn.

All die Jahre über habe ich regelmäßig nach ihm Ausschau gehalten, weil ich ihn nicht vergessen konnte. Und genau das war tödlich für mich, weil ich dadurch nie abschließen konnte. So vieles blieb meiner Meinung nach zwischen uns ungeklärt, und das hat an mir genagt. Insgeheim habe ich immer mit der Nachricht gerechnet, dass Cage heiraten würde oder eine Familie gründet. Das hätte mir zwar das Herz erneut gebrochen, aber vielleicht hätte ich endlich loslassen können. Weil ich mir so hätte sicher sein können, dass es für uns keine Zukunft geben wird.

Ständig drehte ich mich auf der Straße um, suchte sein Gesicht auf Partys oder beim Einkaufen. Obwohl ich versuchte, unsere Plätze zu meiden, zog es mich unwillkürlich dort hin. Um ihm vielleicht ein letztes Mal zu begegnen. Es war eine Spirale aus unerträglicher Sehnsucht und Herzschmerz, in die ich geraten bin. Und es dauerte seine Zeit, bis ich das wahrhaben wollte. Letztendlich zog ich aus Los Angeles weg, was auch für meine Karriere nicht förderlich war.

»Ich bin über ihn hinweg«, beharre ich. So lange hat er meine Gedanken und Gefühle regiert. Ich will wieder zu mir selbst finden, und wenn ich es nur auf die harte Tour lerne, werde ich das.

»Wer’s glaubt, wird selig«, murmelt Lilah in die Kaffeetasse hinein.

»Was hast du gesagt?«, hake ich spitz nach.

»Nichts«, winkt sie ab.

Plötzlich klingelt mein Smartphone, und ich krame es aus der Handtasche. Eine unbekannte Nummer blinkt im Display auf.

Ich nehme ab. »Jade Creswell.«

»Hey, ich bin’s, Cage.«

Mein Herz pocht schneller. »Hallo, ich habe nicht mit einer so schnellen Rückmeldung gerechnet.« Er macht es definitiv kurz und schmerzlos, wenn er mir die Rolle absagen möchte.

Lilah zieht fragend die Augenbrauen in die Höhe, und ich forme Cages Namen lautlos mit den Lippen.

»Die Entscheidung war nicht allzu schwer. Du hast gut gespielt. Bist du noch an der Rolle interessiert?« Er klingt angespannt.

»Ja, das bin ich«, antworte ich etwas zu schnell.

»Gut, Rhys und ich erwarten dich morgen um zehn in meinem Büro. Wir möchten gerne einige Details mit dir besprechen. Wenn du danach noch Interesse hast, hast du die Rolle.«

»Ich werde da sein. Danke, Cage. Ich freue mich sehr.«

»Das denke ich mir. Bis morgen.«

»Und?«, fragt Lilah mit großen Augen, nachdem wir das Telefongespräch beendet haben.

»Wir besprechen noch ein paar Kleinigkeiten, aber wie es aussieht, habe ich die Rolle«, quietsche ich überglücklich und vollführe einen Freudentanz durch die Küche.

Sie beglückwünscht mich und drückt mich. »Ich freue mich für dich, ehrlich, aber denkst du wirklich, dass du dem gewachsen bist? Ihn jeden Tag zu sehen?«, äußert sie ihre Bedenken und verpasst mir einen Dämpfer.

»Du weißt, dass es immer mein Traum war, in einem Hollywoodfilm mitzuspielen. Das ist meine Chance.«

Zweifelnd beißt sie sich auf die Lippe. »Es ist ein gefährliches Spiel, das du da spielst«, warnt mich meine Freundin.

Ich senke den Blick. »Das weiß ich«, murmele ich. Aber was habe ich noch zu verlieren? Mein Herz habe ich schon vor langer Zeit an Cage verloren, und ich glaube, dass ich es nie ganz von ihm zurückbekommen habe.

»Nach der Trennung hast du in einem ziemlich tiefen Loch gesteckt«, erinnert sie mich.

»Mach dir nicht zu viele Sorgen. Unser Verhältnis wird rein professionell sein. Ich kann das trennen.«

Ich denke an unsere gemeinsame Zeit, an das, was Cage in mir ausgelöst hat. In seinen Armen war ich Feuer, ich schmolz unter seinen Händen dahin, fühlte mich lebendig und glühte förmlich vor Leidenschaft. Wenn ich ehrlich bin, vermisse ich dieses Gefühl. Mich jemandem ganz hinzugeben mit Körper und Seele, mit allem, was ich bereit bin zu geben. Wenn ich jetzt mit einem Mann zusammen bin, ist da nichts, nur Leere, ein Funke dessen, was sein könnte. Aber ich will wieder brennen, zurück zu mir finden.

Mir ist bewusst, dass der Dreh eine Herausforderung wird, denn es wird intime Augenblicke geben, die mich an meine Grenzen bringen, aber ich will mich dem stellen. Ich werde Cage und mir selbst beweisen, dass ich über unsere gemeinsame Vergangenheit hinweg bin.

 

CAGE

Vor mir ausgebreitet liegen die Finanzierungspläne für das Filmprojekt und die ellenlangen Rechnungen für die Renovierung meines Anwesens, das durch eine Gasexplosion im Nachbarhaus stark beschädigt wurde. Die komplette Verglasung, die Terrasse und das Dach müssen erneuert werden, weil es Hausfassadenteile nur so geregnet hat an jenem Tag vor ein paar Monaten, der für mich alles verändert hat.

Panisch bin ich auf das Nachbargrundstück gerannt, nachdem ich Tylers Wagen in der Auffahrt gesehen habe. Mein jüngerer Halbbruder wohnte zu der Zeit bei mir, und ich glaubte schon, er wäre bei der Explosion ums Leben gekommen. Zum Glück haben er und seine Freundin Jenna überlebt, und von da an habe ich mir geschworen, meinen Traum zu leben und das Filmprojekt anzugehen, das ich schon lange mit mir herumtrage. Ich bin zwar stolz darauf, dass ich die Ford Agency für Künstler und Schauspieler aufgebaut und mir einen Ruf als exzellenter Agent hart erarbeitet habe, aber das war nie genug. Denn es war der Traum meines Vaters, den ich erfüllt habe. Seinetwegen habe ich die Filmhochschule, wo ich Regie studiert habe, frühzeitig verlassen.

»Du machst ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter«, ertönt Rhys’ Stimme, der sich mit einem Handtuch die Schweißperlen vom Gesicht wischt und auf meine Unterlagen schielt. Unter seinem Shirt blitzt das Maori-Tattoo hervor, die schwarzen, wirbelartigen Formen und Muster, die seinen Oberarm und die halbe Brust bedecken.

»Die Arbeiten an meinem Anwesen sind kostspieliger als erwartet. Ich bin am Überlegen, ob es sinnvoll wäre, das Anwesen zu verkaufen«, kläre ich ihn auf und sortiere die Unterlagen.

»Willst du dir wie dein Bruder ein gemütliches Häuschen am Meer gönnen?«, fragt er stirnrunzelnd.

Ich zucke mit den Schultern. Eigentlich weiß ich nicht, was ich will. Aber das Anwesen fühlt sich für mich nicht wie ein richtiges Zuhause an, seitdem Tyler ausgezogen und mit Jenna in ein Haus am Meer gezogen ist. Außerdem ist das Anwesen für eine einzelne Person viel zu groß und für mich eher zu einem einsamen Ort geworden, wobei ich die meiste Zeit sowieso im Büro verbringe.

»Der Verkauf des Anwesens würde ein paar Millionen einbringen, und ich überlege, ob ich das Geld in das Filmprojekt investieren sollte, da die Kosten mit jedem Tag weiter wachsen.«

»Und wo willst du dann wohnen?«

»Ein Hotelzimmer ist zu unsicher, da stehen dann ständig hoffnungsvolle Schauspieler vor meiner Tür.«

Rhys winkt ab. »Du kannst bei mir bleiben, so lange du willst. Auf jeden Fall bis zur Premiere des Films. Danach werden wir eh in Geld schwimmen. Unsere Männer-WG ist doch klasse, oder nicht?«

Er scheint sich da ziemlich sicher zu sein. Ich versuche, mir meine Bedenken und Zweifel nicht anmerken zu lassen. Mit der Produktion dieses Films riskiere ich finanziell viel. Zu viel, wo ich sonst eher der sicherheitsliebende Typ bin. Doch ich sage mir immer wieder, dass es das wert ist.

»Danke für das Angebot. Aber wie vereinbart werde ich nur vorübergehend in deiner Wohnung bleiben.«

»Wie du meinst, aber ich helfe dir gern. Du hast immerhin diese vier Wände erst für mich möglich gemacht.« Er klopft mir freundschaftlich auf die Schulter. »Die Hauptrolle in deinem Film ist die größte Chance für mich, endlich richtig Fuß in Hollywood zu fassen.«

Als Agent habe ich Rhys seinen allerersten Job in einer Hollywood-Produktion vermittelt – das Serienprojekt floppte zwar, aber seitdem hält er sich mit kleineren Jobs in Werbespots über Wasser.

»Ich vertraue darauf, dass du deinen Job gut machst«, erwidere ich ernst.

»Das werde ich. Ich bin in Topform. Du dagegen wirkst total abgespannt. Ich dachte, die Kleine letztens hätte dafür gesorgt, dass du mal wieder runterkommst.«

Ich werfe ihm einen genervten Blick zu. »Du redest schon wie mein Bruder.«

»Wo er recht hat«, meint Rhys. »Wenn die heißen Dreharbeiten erst einmal beginnen, dann wirst du bestimmt lockerer.«

Mit Rhys zusammenzuleben ist definitiv ein Abenteuer. Manchmal erinnert er mich an meinen jüngeren Bruder – dickköpfig, aufbrausend und mit einem beachtlichen Frauenverschleiß. Zudem färbt sein Lebensstil auf mich ab. Erst letztens habe ich wegen ihm meine wichtigste Regel über Bord geworfen, niemals mit einer Kundin ins Bett zu steigen. Im Rausch habe ich Rachel auch noch die Hauptrolle angeboten. Auf ein klärendes Gespräch bin ich nicht besonders scharf, aber ich werde es professionell hinter mich bringen und unsere kurze Liaison damit abhaken. Mich auf sie einzulassen, war nicht meine beste Idee, und ich hoffe, ich werde es nicht bereuen. Denn das Filmprojekt will ich unter keinen Umständen gefährden. Und Rachel ist dafür bekannt, Regisseuren die Hölle heiß zu machen, wenn es nicht nach ihrem Kopf geht. Ich war zu euphorisch, als sie Interesse an dem Film bekundete. Denn trotz meiner guten Kontakte in die Branche ist es als Neuling gar nicht so einfach, jemanden für einen Erotikfilm dieser Art zu gewinnen, der auch noch meinen Vorstellungen entspricht. Viele erfahrene Schauspieler scheuen sich davor, da das Risiko nicht unbeträchtlich ist, dass der Film floppt und sie damit verbrannt sind. Und auch unbekannte Schauspieler denken zweimal darüber nach, ob sie ihre gesamte Karriere hindurch mit diesem Film in Verbindung gebracht werden wollen oder riskieren, für immer in diesem Genre festzustecken.

Allerdings musste ich mal wieder Dampf ablassen, und eine unverbindliche Bettgeschichte kam mir gerade recht. Durch das Filmprojekt arbeite ich Tag und Nacht und das schon seit Wochen. An so etwas wie ein Privatleben, gar eine richtige Beziehung, ist nicht zu denken. Und nach Jade gab es sowieso keine Frau mehr, mit der es dauerhaft funktionierte. Meistens scheiterte es an unterschiedlichen Vorstellungen. Die Frauen verstanden meine Leidenschaft für die Filmkunst nicht und waren mehr an meinem Bankkonto interessiert. Bei Jade war das anders, und doch habe ich die Beziehung beendet, weil ich glaubte, dass das, was wir hatten, für eine gemeinsame Zukunft nicht reichen würde. Ich entschied mich für eine Karriere als Hollywood-Agent. Habe ich mich damit gegen mein eigenes Glück entschieden?

Alle Welt glaubt, ich hätte ein untrügliches Gespür fürs Geschäft und für Frauen, aber offenbar bin auch ich nicht unfehlbar, wie ein paar meiner Entscheidungen zeigen. Und die ungeklärten Geschichten mit Jade und Rachel sind nicht die einzigen Sachen, die mir noch im Kopf umgehen …

 

SECHS MONATE ZUVOR

CAGE

Ich betrete das Lokal, in dem Christo und ich uns treffen. Das Licht ist gedimmt, und eine anregende Musik spielt im Hintergrund. Die männlichen Gäste stecken in teuren, maßgeschneiderten Anzügen, die Frauen in engen Kleidern – ebenso wie die Bedienungen, von denen es heißt, dass sie für ein großzügiges Trinkgeld nicht nur Drinks servieren, sondern im Hinterzimmer auch noch Blowjobs anbieten. Ein Laden, den ich unter normalen Umständen niemals betreten würde, aber der ganz Christos Geschmack entsprechen zu scheint.

Er wartet bereits auf mich. Sein langes, dunkles Haar trägt er im Nacken zusammengebunden, und seine tiefbraunen Augen fixieren mich wie ein Jäger seine Beute. Mit der Hand kratzt er sich über den Dreitagebart, die vollen Lippen verziehen sich zu einem breiten Grinsen, das aufgesetzt wirkt. Seine lange Nase mit der leichten Erhebung verleiht ihm zudem etwas Hartes. Er erhebt sich von seinem Platz, um mich zu begrüßen.

»Cage Ford, verdammt, wie lange ist es her?«, sagt er und klopft mir auf die Schulter.

»Christo, schön, dich zu sehen. Ich glaube, nach dem Studium sind wir uns nur drei-, viermal begegnet. Es ist also lange her.«

»Wie die Zeit vergeht«, fügt er hinzu und bedeutet mir, ihm gegenüber Platz zu nehmen.

Eine Kellnerin auf hohen Hacken, mit viel zu viel Schminke im Gesicht und einem weiten Ausschnitt kommt zu uns, um meine Bestellung aufzunehmen.

»Scotch?«, frage ich Christo, der bereits bestellt hat.

»Verzeih, dass ich nicht gewartet habe. Es war ein langer Tag, aber der hier ist der beste.«

»Ist in Ordnung. Für mich auch einen, bitte«, sage ich zur Kellnerin, die auffällig mit den Wimpern klimpert und möglicherweise darauf hofft, mehr Trinkgeld zu kassieren.

»Dein Anruf hat mich überrascht«, beginne ich das Gespräch.

»Das kann ich mir denken. Was glaubst du, wie überrascht ich war, als ich hörte, dass der erfolgreiche Agenturbesitzer Cage Ford Investoren für einen Erotikfilm sucht.«

Vor unserem Treffen habe ich mich über ihn informiert und festgestellt, dass er genau darauf achtet, was er nach außen hin preisgibt. Christo Holt ist ein Geschäftsmann, der in vielen Bereichen die Finger im Spiel hat und einige Millionen verdienen müsste. Die Filmbranche scheint ihn immer noch zu interessieren, obwohl er sich nach seinem Filmmanagementstudium anderweitig umgesehen hat, nachdem seine Agentur pleiteging.

Christo und ich waren nie enge Freunde, eher Kommilitonen, die sich ab und an auf Partys über den Weg gelaufen sind und die die Karriere des anderen weiterverfolgt haben.

Was mich allerdings stutzig werden ließ, sind die Äußerungen eines Freundes über Christo, den ich letztens erst wiedergetroffen habe. Er sagte, Christo hätte seine Hände in dreckigen Geschäften – illegaler Waffenhandel war nur eines, das er benannt hat.

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