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Ein Pullover voll Frau

Ein Pullover voll Frau

Inhalt

  1. Vorgeplänkel
  2. Fenk Schui (Die Kunst vom sehr guten Wohnen)
  3. Gedanken zum genetischen Fingerabdruck
  4. Nahrung mit I-KU
  5. Mein geheimes Tagebuch (I): Lästige Kykladenräude
  6. Wellness
  7. Frühling
  8. Sonntagsausflug nach Sigurd hin
  9. Interview BILD der Frau
  10. Horst (Reprise)
  11. Mein geheimes Tagebuch (II): Mannsuche
  12. Fitness
  13. Alle schreiben Bücher – dat kann ich auch
  14. Familienfeier
  15. Relativitätstheorie
  16. Mutter und der Callgirl-Ring
  17. Kochshows und Koteletttorten
  18. Die Erotik des Wartens
  19. Italiener
  20. Mein geheimes Tagebuch (III): Nordic Walking
  21. Sommer
  22. Pornojob
  23. Atomare Bedrohung
  24. Einstein
  25. Anarchie in Germany
  26. Cluburlaub
  27. Malewitsch und die Folgen
  28. Frauen und ihre Handtaschen
  29. Schönheit
  30. Schönheits-OPs
  31. Hässliche Menschen
  32. Schwänzchen klein
  33. Herbst
  34. Körperkult
  35. Knutschen (Gedanken über den Kuss)
  36. Ehefrauen verführen
  37. Couchtischliebe
  38. Mein geheimes Tagebuch (IV): Der Euro-Stuhl
  39. Kosenamen
  40. Orgasmus
  41. Supermodel
  42. Mein geheimes Tagebuch (V): Quickie
  43. Quizsendungen
  44. Partymuffelchen
  45. Weicheierlieder
  46. Partymuffelchen, die zweite
  47. Türsteher(in)
  48. Currywurst
  49. Noch mehr Deppenberufe
  50. Mein geheimes Tagebuch (VI): Haare
  51. Winter
  52. Fußballerehefrau
  53. Herr Kallischewsky
  54. Kranke Lieder
  55. Die Geschichte von Jürgen, dem Berliner Marabu
  56. Der Globus knittert
  57. Gute Manieren
  58. Abgang
  59. Zwei Zugaben
  60. Bildteil
  61. Danksagung

Vorgeplänkel

Hallo, liebe Leseratten von fröhlichen und ernsthaften Büchern. Mein Name ist Luise Koschinsky. Ich freue mich, dass Sie dieses Buch kennenlernen wollen und nicht davor zurückschrecken, dass es Geld kostet. Es befinden sich sehr viele Geschichten, Gedichte und Lieblingslieder von mir in ihm drin. Sie beschreiben das Leben und die Liebe in unterschiedlichen Worten.

Seit Jahren suchte ich eine geeignete Möglichkeit, mein Innenleben in die Welt zu tragen. Deshalb schrieb ich so lange an die Buch-Verlage eine Bewerbung mit meinen Daten und einem vollgeschriebenen Zettel, bis eine Firma zugeschlagen hat und mich einlud vorbeizukommen. Aber nun zu mir: Geboren wurde ich im letzten Jahrhundert um die Ecke von Meppen, und ich befinde mich jetzt in einem Alter, wo so manch einer sich umguckt und erstaunt fragt: Ja, wie hat die das denn hingekriegt, dass man das auch noch sieht, in welchem Alter sie sich befindet.

Nun denn, ich bin eine reife Frau in den besten Jahrzehnten. Ich habe zwar einen Kerl, aber der kann nicht mehr so, wie ich will. Er heißt Herbert, kurz Häbbät. Er ist ein Mensch und lebt ausgestopft und mit ohne Beine fröhlich bei mir zu Hause auf dem Sofa. Ich liebe Musik mit Pauken und Trompeten, von Pop, Volksrock bis zu klassischer Klassik und allem, was Krach macht. Hin und wieder latsche ich auch schon mal in die Oper und höre mir ein Konzert von Adagio und Allegretto an. Am Wochenende schalte ich gerne mal ab und gucke Action-Filme im Fernsehen, wo sie Leute kaputt oder auch am Leben lassen, egal, Hauptsache drauf auf die Ommel.

Ich liebe Fleisch in allen Varianten und werde zum Elch, wenn in meiner Wohnung nicht geraucht wird. Ich mag liebevoll gesteckte Blumenarrangschemongs und Betonmischen bei Kerzen, wenn sie an sind. Meine Hobbys sind Weggehen und Wiederzurückkommen. So, nun aber genug für jetzt von mir. Lasst endlich Buchstaben erscheinen. Lehnen Sie sich jetzt zurück zum Entspannen und lauschen Sie mir zu. Inzwischen verbleibe ich Ihnen mit Freundlichkeit – Ihre Luise Koschinsky.

Fenk Schui (Die Kunst vom sehr guten Wohnen)

Das Meiste, das Schlimmste, das Wahnsinnigste, was man sich überhaupt vorstellen kann, passiert in unseren Wohnungen. Wohnungen sind die Keimzelle des Terrorismus. Und so hoch wie die Mieten heutzutage sind, musst du echt deine ganze Energie ins Abwohnen stecken. Da ist es wirtschaftlicher Irrsinn, die Wohnung auch nur für einen Moment zu verlassen. Wohn, wohn, wohn, wohn, wohn – so klingt das, wenn ich zu Hause bin.

Neulich sind am helllichten Tag Polizei und Feuerwehr bei mir eingebrochen. Ohne zu klingeln, haben die mir mit Äxten die »Guten Tag, keiner zu Hause«-Tür eingeschlagen und sind reingekommen. Ich wusste erst gar nicht, was das für welche sind, weil die alle Gasmasken aufhatten. Nur weil mein Briefkasten ein bisschen voll war und der Fernseher ein bisschen zu laut, haben die gedacht, ich wäre verstorben und würde schon verwesen. Deswegen hab ich mich jetzt vor kurzem zu Hause total neu eingerichtet. So total gesund. Weil, ich hab zu mir gesagt ... äh, na ..., äh ..., Dings, ... äh, ... also Luise, hab ich dann zu mir gesagt, wenn schon dein Astralleib nicht so richtig gesund aussieht, dann musst du wenigstens gesünder wohnen. Das war dann eine ganz bewusste Entscheidung von mir. Ich hab ja so ’ne Wohnung mit Flur, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Gästezimmer, Fitnessraum, Küche, Bad, WC, Speisekammer und Kinderzimmer für Häbbät, aber alles in einem Raum auf 24 Quadratmetern. Also nix für Anfänger. Das ist nur was für Expertinnen: Schneller wohnen für Fortgeschrittene. Eigentlich wollte ich ja ausziehen und mir was Besseres suchen. Aber dann hat der Vermieter das Ding einfach zur Toplage erklärt und die Miete um 30 Prozent erhöht. Jetzt wohne ich auch so viel besser und muss nicht mal umziehen. Hab ich dann ’ne Freundin von mir gefragt, die Walli, ob die mir vielleicht beim Einrichten helfen kann. Weil, ich bin da einfach nicht so drauf spezialisiert gewesen. Ich war ja bis dato immer nur eingerichtet mit dem Möbelprogramm der Meppener Straße, einschließlich Nebenstraßen. Also, was man da halt so auf dem Sperrmüll gefunden hat. Ich finde, das ist auch irgendwie gemütlicher, wenn die Möbel so ’n bisschen angewohnt sind. Das hat dann auch so richtig ’n bisschen Atmosphäre. In dem abgeranzten Ledersofa, wat ich dann hatte, hab ich in so ’ner Ritze sogar noch ’ne fast volle Tüte Salzletten gefunden. Das fand ich richtig knorke von dem Vorbesitzer, dass er da noch was dringelassen hat. Hab dann auch gleich meine bucklige Verwandtschaft zu ’ner kleinen Party eingeladen. Also, die haben richtig gestaunt, als sie erfahren haben, wo die Salzletten her waren, die sie mir dann hinterher auffen Teppich gekotzt haben.

Die Walli hat mich dann gefragt, ob ich Fenk Schui kenne. Da hab ich gesagt: Nee, beim Chinesen esse ich immer nur die 39, das sind die süß-sauren Fischstäbchen, die schmecken total lecker. Die Walli hat jedenfalls total Ahnung vom gesunden Wohnen, weil: Die hat sich da jetzt voll drauf spezialisiert. Die hat da mit ’ner Freundin mal so ’n Buch drüber gelesen. Direkt in der Buchhandlung, weil, die sind ja richtig teuer, diese Schwarten. Und jetzt ist sie Expertin für Fenk Schui. Die kann dir voll die ganze Wohnung da drauf abchecken. Fenk Schui, das ist irgendwie chinesisch und heißt soviel wie ... wie ... Fenk Schui, also da hat jedes Wort ganz genau ’ne eigene Bedeutung. Da kannste jeden Chinesen danach fragen, der versteht das. Aber du kannst auch 39 sagen, das versteht der auch. Fenk Schui, das ist eigentlich nichts weiter als so ’ne Art Möbelrücken, nur viel bewusster. Ganz wichtig beim Fenk Schui ist, dass man die vier Grundenergien berücksichtigt. In jeder Wohnung gibt’s nämlich vier Grundenergien, die auf dich einwirken tun. Und die musste total berücksichtigen. Das sind ... äh ... also Feuer, Wasser, Luft – und die Nebenkosten! Die müssen total im harmonischen Einklang stehen. Das heißt praktisch, dass du in deiner Wohnung nur so viel Feuer haben darfst, wie du Wasser hast zum Löschen. Oder du musst zum Beispiel immer dann frische Luft ins Zimmer lassen, wenn das Kondenswasser am Fenster nicht mehr verdunsten kann. Die sind da richtig schräg drauf, die Chinesen. Und alle Energien müssen frei fließen können. Die Walli war dann bei mir zu Hause, und wir haben uns bei mir im Wohnküchen-Ess-Schlaf-Arbeitsbereich mittenrein gestellt. Also, wir haben uns aufs Bett gestellt, die Beine gespreizt und Arme nach oben gestreckt. Und die Walli sagte dann zu mir, dass ich jetzt die Arme zu Antennen machen soll, damit wir von oben die positive Energie einfangen können, um sie dann durch mein Chakra hindurchzuleiten, bis die Energien ganz langsam über die Stampfer nach unten wieder aus meinem Astralkörper rausstrahlen. Gaaaanz laaaangsam, gaaaanz sanft. Ja, und da hab ich auch gleich direkt diese Energie gespürt, wie die aus meinem Chakra gaaaanz langsam so nach unten abgestrahlt ist. Ich hab jedenfalls ein ganz nasses Bein bekommen, und die Walli hat dann gemeint, ich wär‘ ein Ferkel und hätte ruhig vorher aufs Klo gehen können. Es wurde dann aber noch ein ziemlicher Stress, bis ich meine ganze Wohnung nach Fenk Schui eingerichtet hatte. Die Walli meinte nämlich: »Lulu, wenn du deinen Körpergeruch loswerden willst, musst du auch deine Bibliothek umstellen!« Ich gleich auf Hundertachtzig: »Bist du bekloppt? Die ganze Bibliothek? Weisste eigentlich, was das für ’ne Scheißarbeit ist?« Na gut, wir haben uns dann noch ’n bisschen angeschrien, aber dann hab ich halt mein Buch aus dem Regal rausgenommen und woanders hingestellt. War eigentlich ganz einfach und im Nachhinein ’ne gute Entscheidung. Das war nämlich vorher total ungesund für mich, weil das Regal direkt vor dem Waschbecken stand. Da konnte ich mich ja gar nicht mehr waschen mit dem scheiß Regal davor.

Bei mir umme Ecke wohnen wir jetzt alle nach Fenk Schui. Ein Bekannter von mir, der Sigurd, der hat so ’ne eigene kleine Werkstatt. Der hat sich auch die Walli kommen lassen. Die hat dann beim Siggi so ’ne unheimlich starke Strahlung festgestellt. Na ja, der Siggi ist ja auch Radio- und Fernsehtechniker, aber jetzt arbeitet er wieder vorwiegend im Freien, seit er das Werkstattdach hat abdecken lassen, damit die Strahlungsenergie nach oben ziehen kann. Und ’ne andere Freundin von mir, die Uschi, die hatte jahrelang auch so wahnsinnig Probleme mit dem Wohnen gehabt. Die hatte da am ganzen Körper immer so ’n komischen Ausschlag, so ganz komische grüne und blaue Flecken. Na ja, der Zlatko – also der, wo ihr Mann ist – der ist ja arbeitslos, und in seiner Freizeit war der eben zum Ausgleich ein aktiver Alkoholiker. Der versuchte dann auch nur irgendwie seine Energien an der Uschi loszuwerden, weil, – die wohnen ja zusammen. Da hat die Walli dann die Wohnung durchgecheckt und gleich rausgefunden, dass die Uschi im Wohnzimmer praktisch nur die Schrankwand um 180 Grad verschieben muss. Und ob ihr es glaubt oder nicht, aber seitdem ist das bei der Uschi viel besser mit dem Ausschlag. Die kann zwar jetzt nicht mehr aus dem Wohnzimmer raus, weil der Schrank direkt vor der Tür steht – aber dafür kommt der Zlatko auch nicht mehr zu ihr rein. Also, ich kann Fenk Schui nur weiterempfehlen. Ihr könnt mich ja mal besuchen, wenn ihr Lust habt. Ihr müsst nur nach dem vollen Briefkasten Ausschau halten und dann immer dem Geruch nachgehen.

Gedanken zum genetischen Fingerabdruck

Heute gibt es ja ganz neue Methoden der Verbrechensbekämpfung, habe ich kürzlich gelesen. Früher z.B. war jeder Polizist mit einem geladenen und entsicherten Schnauzbart ausgestattet. Heute gibt es da eine neue Wunderwaffe, den sogenannten genetischen Fingerabdruck. Wenn ich das richtig verstanden habe. und ich denke, dass ich das getan habe, heißt das im Klartext … Wie soll ich euch das nun wieder erklären? Wenn, also nur mal hypostehtisch, zum Beispiel die Polizei nach einem Banküberfall irgendwo Spermaspuren am Tresor findet, dann kann sie den Spitzbuben, der da dran war, sofort zweifelsfrei identfizieren. Das heißt, sie kann mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, dass der Täter zumindest schon mal keine Frau war. Schwieriger ist es, wenn Spuckeproben genommen werden müssen. Das ist deshalb schwieriger, weil die Polizei dann auch schon mal hin und wieder mit Missverständnissen zu kämpfen hat. Wenn, sagen wir mal, der Staatsknecht in Uniform zum Beispiel einen Tatverdächtigen im Zusammenhang mit Betäubungsmitteldelikten einkassiert hat, also einen Marokkaner, und diesem mitteilt: »So, Marokki, wir müssen jetzt eine Speichelprobe entnehmen.« Dann sagt der »Ey, krass, ey, kannst du sofort haben: chchr-pfft!« und platziert einen schmoddergelben Glibbergnubbel ins Antlitz des Beamten. So was gibt dann meistens Ärger für den Tatverdächtigen. Dagegen ist so ein Gentest ja meistens eine saubere Sache. Der genetische Fingerabdruck hat sich bisher also bewährt und ist natürlich ausbaufähig. Man könnte zum Bleistift (kleiner Gag – soll eigentlich »zum Beispiel« heißen) beim Fußballspiel die Abseitsfrage immer sauber klären. Der genetische Fußabdruck zeigt eindeutig, welcher Spieler zuletzt Ballkontakt hatte. Oder wenn das Klopapier mal wieder alle ist, weil keiner ’ne neue Rolle eingelegt hat: einfach die Polizei rufen, die findet dann raus, wer zuletzt drauf war. Und zwar mit dem genetischen Arschabdruck auf der Klobrille. Das ist doch super!

Nahrung mit I-KU

Zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählt zweifellos das sinnlose Fressen und In-sich-Hineinschaufeln von leckeren Lebensmitteln. Ich futtere alles, was es nicht schnell genug in den Mülleimer schafft. Manchmal weiß ich auch gar nicht mehr so genau, ob das Kribbeln im Bauch von der Liebe kommt oder vom vielen Spachteln. Schon als pubertierende Pickelschraube galt ich als heißhungrige Resteverwerterin und nimmersatte Reißwölfin. Und es ist kein Geheimnis, dass auch ich schon die eine oder andere Mettwurst vertilgt habe, für die keiner die Hand auf den Grill gelegt hätte, was Genießbarkeit und Zusammenstellung der inhaltlichen Ingredienzien für gesundheitliche Folgeschäden anging. Für mich waren leckere Krakauer oder Leberkäseeinheiten jahrelang Überlebensspender. Und seht mich an! Noch habe ich jeden gefüllten Darmfinger überlebt. Aber das, was sich da in den nächsten Jahren an Fressalien auf uns zubewegt, wird unser Leben – aber Hallo – völlig verändern. Ich las kürzlich bei einer gemütlichen Sammeltasse Rinderbrühe in einer Illustrierten, dass da bereits schlitzohrige Forscher und Forscherinnen in sogenannten Gen-Laboratorien an einer neuen Nahrung werkeln, die dann demnächst auf uns zumarschieren wird. Demnach soll es bald intelligente Nahrung geben. Also Nudeln, die mitdenken! Fischstäbchen mit Abitur! Früher, da hat man beispielsweise noch Fischfilets, die man nach zwei Jahren zufällig im Obstfach vom Kühlschrank entdeckt hatte, in zwei Lagen Bild-Zeitung eingewickelt und heimlich im Mülleimer vom Nachbarn versenkt. Heute zahlst du einen Haufen Kohle dafür, wenn dir ein verschlagen blinzelnder Asiate oder auch ein Japaner so einen Fisch in zwei Lagen Klebreis und Seetang einwickelt und dir das Ganze als Sushi-Spezialität serviert. Was die früher den Schweinen vorgesetzt haben, das wird heute von gerissenen Chinesen paniert, mit Kleister übergossen und heißt dann »Schweinefleisch süß-sauer«. Und wehrlose Konsumenten schaufeln sich das Zeug in die Verdauungsapparatur. Aber der Fortschritt ist wohl auch hier nicht mehr zu stoppen und geht weiter in eine gefährliche Richtung! Schon heute wiegt der Beipackzettel am probeidiotischen Joghurt schwerer als das, was im Becher persönlich drin ist. Bald werden diese quicklebendigen Joghurtkulturen so intelligent sein, dass sie dir selbst erzählen können, aus was sie bestehen tun. »Guten Tag, meine Name ist LC 3 PRO, ich bin ein probeidiotischer Low-Fat-Joghurt mit einen neuartigen rechtsdrehenden Heliobacter-Lactat-Bazillus mit 0 % Fett und einer 12 % Fruchtzubereitungsbeimischung. Mein Becherlein ist recycelbar, und ich komme in Frieden!«

Intelligentes Essen! Bald wird’s Brot geben, das von selbst weiß, wann es zu alt ist. Dann wird sich das von selbst mit so einer weißlich grünen Signalfarbe überziehen, die dem Feinschmecker sagen tut: »Zu spät, Kleiner! Mich kannst du an die Hühner verfüttern!« Schlaues Essen, das sogar eine Seele hat. Wie weibliche Milch, die immer mit Gefühl des Weges kommt. Muttermilch quasi. Wenn man die zu lange vernachlässigt, dann wird sie richtig sauer, die gesamte Mutter praktisch. Nahrung, die mitdenkt. Genmanipulierter Knoblauch zum Beispiel, der erst dann zu stinken anfängt, wenn dein Chef von dir wissen will, warum du in letzter Zeit montags noch häufiger krank bist als freitags. Oder Flüssignahrung. Endlich gibt es Bier, das mitdenken kann. Ein Export, das weiß, dass du schon elf Flaschen vorher hattest und sich deswegen von selbst wieder auskotzt. Bald brauchen wir gar nicht mehr selbst zu kochen! Wir machen einfach eine Tüte mit übelriechendem Pulver auf, rühren das in kochendes Wasser rein und schon entsteht vor unseren Augen ein ganzer Topf voll mit übelriechender Suppe. Aber das ist natürlich noch Zukunftsmusik. Amerikanische Wissenschaftler sind gerade dabei, endlich eine Nahrung zu entwickeln, die nicht mehr dick macht. Einen Prototyp gibt’s schon. Er heißt »Hamburger Royal Fettschwarte TS«, den brauchst du nur ankucken, dann hast du schon gegessen! Bong Appetit!

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MEIN GEHEIMES TAGEBUCH (I):

Lästige Kykladenräude

Heute juckt dat wieder besonders doll. Erst war´s ja nur die Achselgrotte, dann dat Kackloch, dann anne Maucken zwischen Großonkel und Partnerzeh. Jetzt sind die Arme und die Griffel befallen. Der Arzt meinte, so was nennt man Neurodimitris – oder auch Kykladenräude. Muss ich mir vom letzten Gyrosteller in »Costas Kreta Grill« geholt haben. Hat mich eh gewundert, dat die Dinger so unruhig auf ’n Teller lagen. Jetzt ham wa den Salat. Häbbät meinte, dass es sich hierbei um kleine stecknadelkopfgroße Krustentiere handelt, die sich unter der Haut angesiedelt haben, und wenn man gerade an nichts Böses denkt, marschieren die durch die Pelle ans Tageslicht. Der Schmergel am Hals wird auch immer bedrohlicher, wächst schon hinter den Löffeln zusammen. Wenn dat so weitergeht, dann sehe ich bald aus wie ein tasmanisches Gürteltier. Abkratzen, ich meine den Schorf beseitigen, bringt eh nix! Da kannste mit der Feile rangehen oder mit ’ner Flechs, dat kümmert die Viecher überhaupt nich. Dat juckt die schon mal gar nicht. Mein Unterarm sieht aus wie ’ne geräucherte Krakauer. Aber, wat willste machen? Muss man halt mit leben. Dat Schlimme is nur, wo soll der Arzt jetzt die Spritze reinjagen, gegen das, wat man sonst noch so mit sich rumschleppt. Nee, man hat’s aber auch nicht leicht.

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Wellness

Vor ein paar Jahren war ich mal wieder total urlaubsreif. Ich sag nur: Börn- äh … dings, ihr wisst schon. Vor meiner Reise hatte ja selbst der alte Joopi Heesters mit seinen 120 Jahren noch bessere Vitalfunktionen als ich. Na ja, hab dann ’ne Kur beantragt und bin dann mit Geron-Tours nach Bad Salzuflen gepilgert. Aber das war ein Höllentrip, sag ich euch, eine echte Zumutung. Vor allem die Nummer mit der Kneipp-Kur: Ich dachte, so ’ne Stunde Wassertreten ist gut für die Haxen. Bis mir einer verraten hat, dass das gar nicht der Kneipp-Parcours ist, sondern die Pinkelrinne für die Inkontinenten. Der Kurschatten war auch eine Zumutung. Was ’ne sinnliche Frau wie ich braucht, ist Temperament! Und der Kerl hatte eine sexuelle Aura wie ein halbes Pfund Einbauküche. Wir beide im Bett, meine Hormone sind bis in die hinterste Krampfader geschossen, und der lag da wie tot! Na gut, um ehrlich zu sein, war er’s auch. Aber das hätte er mir doch vorher sagen können. Nach einer Woche hat’s mir dann gereicht, und ich bin nach längerer Überlegung kurz entschlossen auf eine Wellness-Farm am Schlamützelsee gefahren – im ostdeutschen Brandenburg in die Nähe von Bad Saaarow. Und zwar für meine Visage und die Wampe. Das Hotel vor Ort war der Mercedes unter den Super-Hotels, es hatte auch einen Stern. Kaum angekommen, ging ich schnurstracks zur Anmeldung, denn ich wollte ja keine Zeit verlieren. »Guten Tach«, sagte ich freundlich: »Ich bin hier angemeldet für einmal Hornhaut rundrum nachschneiden lassen und den Kadaver in Schlamm reinstippen, bin ich hier richtig?«

Sagt die Tante an der Rezeption: »Guten Tag ebenfalls, und wie heißen Sie?«

»Koschinsky«, reagierte ich spontan.

»Aha, und wie schreibt man das?«

»Am besten mit Bleistift, Kugelschreiber oder Computer«, parierte ich keck. »Also ich buchstabiere: K O S C H I N S K Y – Katheter – Onanie – Syphilis – Cybersex – Hämorride – Inkontinenz – Nymphomanie – Sodomie – Koitus – Yukapalme«. Und schon ging bei der Dame ein Licht an: »Jawohl – einmal das Senioren-Wellness-Paket all inclusive. Unser Herr Jules erwartet Sie bereits in der Recreation-Lounge.«

»Wer is tot? Is dat ansteckend.«

Ich flotten Schrittes rein in den Massiersalon und rufe: »STUBENDURCHGANG! Hände aussem Ausschnitt, ihr alten Schlabberärsche. Wer von euch ist Jules?« Totenstille!

»Hallöchen, ich bin der J-u-l-e-s, und ich bin Ihr Personal-Wellness-Assistent«, zwitscherte es aus dem ranzigen Milchgesicht, das mich frech angrinste. Sag ich: »Ja, da musst du halt mit mir klarkommen, dann leg mal los.«

Zuerst ging’s ’ne halbe Stunde in die Sauna. Ich habe geschwitzt wie ’ne Pflaume im Speckmantel. Weil, dass war so heiß, als ich da rauskam aus der Tropenlaube, da musste ich erst mal die Klamotten wechseln. Danach haben sie mich auf eine Liege gepackt, und dann hat mir der J-u-l-e-s erst mal Gurkenscheiben auf die Ommel gelegt. Als ich die aufgefuttert hatte, hab ich gerufen: »Salat ist fertig, bring jetzt dat Schnitzel – aber diesmal auffen Teller und nicht wieder einfach inne Fresse rein«. Aber statt lecker Fleisch schmiss der mir so ein feuchtwarmes Handtuch über die Rübe, für die Entspannung. Man, das hat gerochen, so als hätte da gerade ein Iltis nach dem Konsum einer Flasche Ouzo reingekotzt. Dann kam Peeling dran, also Pickel ausdrücken hinten auf ’n Rücken. Die waren ja schon so groß wie lecker Erdbeeren. J-u-l-e-s hatte bloß die Hand aufgelegt, da kamen die Dinger raus wie Leuchtkugeln. Und dann hat er mir so ein Enthaarungspflaster um den Wanst gewickelt, das genau aussah wie der Doppelklebestreifen, der bei mir unter der Küchenlampe hängt, um die Schmeißfliegen von meinen Häbbät abzulenken. Damit eliminiert man die lästigen Fussel von den Keulen. Ich hatte ja Beine wie ein ausgewachsener Hobbit, da gab’s keine Chance für das lästige Ungeziefer wieder rauszufinden. Anschließend stand Mauckenmassage und Klauenpflege auffem Programm. Bei mir half da nur Flexen mit der Hilti, um die lästig gewordene Resopalbeschichtung loszuwerden. Dann ging’s ab in die Modderwanne. Haben Sie mal ein Moorbad gemacht? Bringt auch nicht viel, aber man gewöhnt sich schon mal an die feuchte Erde. Als es gerade gemütlich wurde in der Ackerpampe, kam J-u-l-e-s und sagte: »So Teuerste, fertig. Abspritzen!« Mir gefror das Wasser in den Stelzen: »Wie dat ’n, wir haben doch noch gar nicht angefangen, mein Schatz.« Zum Abschluss dann auf die Liegewiese. Bisschen die Plautze in die Sonne halten. Um die Zeit war’s da so heiß, da schmort dir die Pelle von der Rüstung. Nach ein paar Tagen sah ich aus wie ein Feuerwehrauto. Fehlte nur noch ein bisschen Senf an den Füßen, dann wäre ich die dickste Mettwurst von der Welt gewesen. Aber was tut man nicht alles für sein äußeres Aussehen. Das einzige Problem war das Hotel. Immer Ärger mit ’n Lokus. Der Kackomat funktionierte überhaupt nicht. Da passte gar nichts rein in die Schüssel. Zwei Tage und der Bottich war voll bis oben hin. Ich mich erst mal über Telefon mit der Kommserscherie verbinden lassen, um diesen unerhörten Zustand anzuklagen. Die freche Antwort von dem Grüßaugust machte meiner guten Kinderstube schwer zu schaffen. Meinte der doch tatsächlich, ich sollte auch mal spülen zwischendurch. »Hör mal, du Pimpf, stellst du deinen Geschirrspüler auch jedes Mal an für einen Teller?«, bellte ich zurück. Hab dann die Badewanne genommen. Da gehen zwei Wochen Erbsensuppe rein. Dann hab ich mir dreissig Rollen Klopapier gekauft und mir ein schönes Wochenende gemacht. Also, ich kann Wellness nur empfehlen.

Frühling

Ich bin ja immer froh, wenn der Winter sich wieder in die kalten Regionen zurück verzieht. Das ganze Zeug mit Weihnachten, Silvester, Karneval und Halloween macht mich total sensibel. Und so blühe ich jedes Jahr auf wie ein knospendes Weidekätzchen, wenn der Frühling plötzlich um die Ecke lugt. Der Frühling, auch die juckige Jahreszeit, wie ihn ein unbekannter Sexualtherapeut einmal sehr treffend genannt hat, macht sich immer zur gleichen Zeit des Jahres in unseren Gefilden und auch woanders bemerkbar. Mal früher, mal später, aber meistens kann man die Uhr danach aufziehen.

Manchmal kommt er auch schwuppdiwupp über Nacht. Du wachst auf, und die Sonne sendet mit erhöhter Temperatur ihre güldenen Strahlen über Felder, Wälder und Solaranlagen. Für mich ist Frühling immer dann, wenn bei mir zu Hause das Fenster von alleine aufgeht, weil das Wohnzimmer nach frischer Luft japst. Dann heißt es für mich erst einmal ab in den Garten, Maulwürfe erschlagen, verhungerte Kohlmeisen einsammeln und nachschauen, ob das Grab vom letzten Liebhaber eingesackt ist. Wie von Zauberhand wehen plötzlich linde Winde durch die vom Winterschlaf zerzauselten Zotteln, und in jeder Pfütze balzt sich mikroskopisch kleinstes Getier. Denn Frühlingszeit ist gleich Paarungszeit. Die Hormone tanzen Boogie-Woogie, und untenrum brummt der Biber das Lied von der Lenzpumpe. Selbst ich habe plötzlich wieder das Gefühl, mich sinnlos vermehren zu müssen. Frühling, das ist die Zeit, in der sich das scheue Reh wieder aus der Lichtung traut, um zitternd seine Flanke dem wilden Jägersmann zum Blattschuss frei zu legen. Wenn ihr versteht, was ich meine ... Knick Knack.

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