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Ein November in Irland

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Ein Cottage zum Schreiben

Was hat uns hierher gezogen?

Blick auf einen Novembertag in meiner Kindheit

Unser erster Winter in Irland

Märchenzeit

Lust auf Garten

Zurück im November

Meditation

Nachrichten aus Deutschland

Allerheiligen - Allerseelen - Totensonntag

Träume vom Tod in meinem Leben

Abenddämmerung

Gedanke an Gott

Eine Atemübung aus dem Qigong

Morgendämmerung

Meditation der Schafe

Meditation of the Sheep

Gini

Novembersonne

Atembilder

Der keltische Steinkreis

Aufziehende Wolken

Eine alte Farm

Nachbarschaftshilfe

Sturm über Irland

Die andere Welt

Wir wollten etwas verändern

Zum achten Mal November

Herzensmeditation

Eine gastfreundliche Farmersfamilie

Celtic Tiger

Die heutigen Feen

Sichtbare und unsichtbare Welten

Zusammenstoß der Kräfte

Irland, die rettende Insel

Kirche in Irland: heute und gestern

Die Freude der Iren

Irische Musik

Keltische Mystik

Eine der ältesten Meditationen

Soziale Bereiche

Das Innere eines Cottages

Großgrundbesitzer

Wer war vor uns da?

Gartenruhe

Noch eine Art von Meditation

For ever young

November

Nachwort

Literaturverzeichnis

Widmung

Dieses Büchlein ist zuallererst meinem Mann Christian gewidmet, aber auch meiner Familie in Deutschland. Ich danke Christian für seine Unterstützung und einfühlsamen Anregungen bei der Bearbeitung des Textes.

Eine wertvolle Rückmeldung bei einer Leseprobe kam auch von drei Lehrerinnen aus Deutschland: Claudia, Eva und Heidrun.

Nicole ist eine gute deutsch-irische Freundin aus meiner Nachbarschaft. Ihr sage ich „Danke“, dass sie die von mir dürftig übersetzte „Schafsmeditation“ in ein verständliches Englisch übertragen hat.

Auch Birte sei Dank für ihr hilfreiches feedback bei den englischen Texten.

Nicht zuletzt danke ich Mary und Michael, weil sie mir ihr zauberhaftes Cottage zum Schreiben und Meditieren zur Verfügung gestellt haben. Sie sind unsere Wochenend- und Feriennachbarn. Es ist immer wieder eine Freude, sie hier zu treffen.

November-Reflektionen November-Reflections
Du stehst vor mir You are standing in front of me
im Nebel in the fog.
Die Linien Deines Körpers The lines of your body
sind klar zu sehen. are clear to see.
Hinter Dir sind Büsche Behind you there are bushes
und ein Baum, and a tree,
strecken ihre Äste stretching their branches
zum Himmel, to heaven,
nicht gerade, sondern not straight, but
gerundet, als ob sie rounded, as if
die Luft umarmen. embracing the air.
Im Raum dahinter sehe ich Some space behind I see
einen anderen Baum, another tree,
der seine schwarzen, drawing his black
dünnen Zweige thin branches
in die nebelige Luft streckt. into the foggy air.
Hinter diesem Baum Behind this tree
ist nichts zu sehen. is nothing to see.
Der Nebel bedeckt The fog covers
die Landschaft, the landscape,
den Horizont vollkommen. the horizon, completely.
Waren sie je gesehen? Were they ever seen?
Und was könnte And what could
der Nebel sonst noch the fog
bedecken? cover too?
Die Wurzeln in der Erde, The roots in the soil,
die Käfer im Gras, the beetles in the grass,
und die Feen and the fairies
unter den Hügeln? under the hills?
War da irgendeine Gottheit Were there any Deity
zu sehen am Himmel? to see at the heaven?
Was ist sonst noch bedeckt What else is covered
von dem Nebel behind the fog
in unserem Kopf? in our head?

Einführung

In dieser Niederschrift reflektiere ich mein Erleben in Irland, nachdem wir die letzten acht Jahre weitgehend hier verbracht haben. Beim Schreiben lasse ich mich davon leiten, was mir in diesen Novembertagen alles in den Sinn kommt.

Meine Schilderungen des Traumlandes Irland mag dem wirklichen Irland wohl nahe kommen, wollen aber nicht den Anspruch erwecken, die Situation auf der grünen Insel umfassend darzustellen. Ich gehe von meinem subjektiven Empfinden aus, ohne mich allzu sehr auf die reale politische oder soziale Situation einzulassen.

Ein besonderes Interesse gilt der mythologischen Vergangenheit des Landes, die meine Phantasie anregt.

Daneben geht es mir aber auch um die Beschreibung ganz realer Aktivitäten wie das Instandsetzen des Hauses und das Kultivieren des Gartenlandes. Von dem verlassenen Farmhaus, dem überwucherten Gelände und nicht zuletzt der malerischen Landschaft, die es umschließt, fühlten wir uns wie magisch angezogen. Unsere Gedanken kreisten um die Gestaltung der Haus- und Gartenräume, die wir nach und nach in die Tat umsetzten.

Eine wichtige Rolle spielen die Begegnungen und Freundschaften, die hier entstanden sind. Ich habe mich einer Frauengruppe und einem Gartenclub angeschlossen, die meine Interessensgebiete ansprechen und Gelegenheit für geselliges Zusammensein bieten.

Besonders liegt mir daran, mein inneres Erleben, Gedanken, Träume und Meditationen darzustellen, die jedoch nicht als genaue Anleitungen zur Meditation verstanden werden sollen. Über das Qigong, das man als Bewegung in der Stille und Stille in der Bewegung bezeichnen kann, kam ich zur Meditation. Wie in allen östlichen Bewegungskünsten spielt der Atem eine zentrale Rolle. Schon wenn wir unserem Atem lauschen, beruhigt und energetisiert er uns. Darüber hinaus gibt es unzählige Atemübungen, die eine spezielle Schulung erfordern, damit es nicht zu einem schädlichen Eingriff in ein lebendiges Geschehen kommt.

Es gibt Meditationsgruppen in Irland, die jedoch in ländlichen Gebieten nicht von vielen angenommen werden, da Meditation, Qigong und Taichi hier noch zu fremd sind. Aber immer finden sich Menschen, die sich über längere Zeiträume regelmäßig treffen. In den Sitzungen entwickelt sich eine tragfähige meditative Energie. Dabei habe ich wertvolle Erfahrungen gesammelt, die mir hilfreiche Anleitungen und Anregungen für meine eigene Meditation gaben.

Schreiben empfinde ich ebenfalls als Meditation.

Ein Cottage zum Schreiben

Dem November wird nachgesagt, dass er ein trauriger Monat sei. Er kann Leute in den Selbstmord treiben oder in den Suff - besonders in Irland, wo das trübe, nasskalte Wetter mit seinen nicht selten heftigen Winterstürmen auf das Gemüt drücken kann. Aber heute zeigt er sich von einer anderen Seite.

Ich habe mich in ein Nachbarcottage zurückgezogen, weil ich in diesem November ungestört schreiben möchte. Es ist ein Ferienhaus, das ich für einen Monat benutzen darf. Unser eigenes Haus liegt, durch Bäume und Hecken geschützt, dahinter.

Nachdem ich den Ofen angeheizt habe, mache ich es mir in dem jetzt behaglichen, warmen Cottage gemütlich. Ich sitze an einem Tisch und schaue aus dem Fenster durch die acht Kassetten der weiß gestrichenen Fensterrahmen. Sie lassen die Außenwelt nur in rechteckigen Teilen herein. Die acht einzelnen Bilder fügen sich jedoch zu einem ganzen Landschaftsbild zusammen. Sanfte Hügel malen sich den Horizont entlang. Die sich ausbreitenden und bis auf die Höhen hinaufziehenden Wiesen schimmern im verblichenen gelblichen Grün des Novembers. Doch es

gibt noch sattgrüne Nadelbäume und auch das bräunliche Gestrüpp der Laubbäume und Sträucher mit den letzten bunten Blättern. Darüber breitet sich ein herrlich blauer Himmel mit weißen Schäfchenwolken.

Der November kann auch noch Geschenke verteilen. Zwischen dem sprühenden und nieselnden und schüttenden Regen gibt es noch schöne Sonnentage. Dann lässt er wieder Sturmwinde los, langsam ansteigend bis zu heftigem Rütteln und Heulen. Aber heute wird das Herbstlaub von einem sanften Lüftchen bewegt. Die Blätter, die sich bis jetzt gehalten haben, glitzern im Sonnenschein.

„Reingelegt“, sagt der November, und schon trübt sich die Landschaft ein. Ich lege lieber ein weiteres Stück Torf auf das Feuer. Von neuem nieselt es. Trotzdem setzt sich die Sonne noch einmal durch, lässt aber den Nieselregen eine Zeitlang gewähren. Ein Regenbogen erscheint, die Elemente zu versöhnen.

Was hat uns hierher gezogen?

Christian, “my spouse“, mit dem ich nun schon seit fast 30 Jahren verheiratet bin, hat zuerst seine Leidenschaft für Irland entdeckt. Ein Schlüsselerlebnis war ein beruflicher Aufenthalt in Dublin, wobei er auch das irische Pub-Leben kennen lernte. Die Iren nahmen ihn in ihre Mitte, behaupteten, sein Englisch sei so gut wie ihres, er könne ein Ire sein. Dieser feuchtfröhliche Abend gab ihm das Gefühl, dazu zu gehören. Pubmusik, eine Stimmung voller Sympathie, der Genuss von reichlich Guinness und Whiskey, und schon verstand man sich. Lange Haare und Rauschebart störten keinen. Vielleicht ist er hier in seiner Identität bestärkt worden. Die „Dubliner”, die berühmte irische Band, kamen seinem Idealbild sehr nahe.

Danach dauerte es aber noch ein paar Jahre, bis wir zum ersten Mal gemeinsam nach Irland reisten. Mein Traum war es, Muße zu haben, endlich die schönen Dinge zu tun, für die mir in Deutschland neben meiner beruflichen Tätigkeit zu wenig Zeit blieb: einen schönen Garten zu gestalten, schreiben, lesen und meditieren. Neuen Impulsen wollte ich nachspüren und weiterhin meinen Weg gehen, begleitet von Christian und vielen anderen Weggefährten, die mir nahe sind und die ich neu kennen lernen werde. Auch Bücher sind Gefährten. Für meinen Ruhestand hatte ich mir sehr viel vorgenommen.

In einem Reisebericht las ich, dass viel mehr Leute in Irland Bücher lesen als anderswo. Aber noch mehr Leute in Irland sollen wohl Bücher schreiben - an all den langen, trüben Wintertagen, wenn es draußen stürmt und regnet. Man brauche dafür nur einen Stift, Papier und viel Phantasie und eine vertiefte Wahrnehmung dessen, was ist und war: im Zeitalter vor dem Internet. ”One cannot throw a stone over a wall, without hitting a poet”, behauptete „See you” (Zeitschrift zum Lernen der englischen Sprache): ein gutes Klima zum Schreiben also.

Bücher waren es auch, die Irland für Deutsche interessant machten. „Das Irische Tagebuch“ von Heinrich Böll stand ganz vorn. Es wird gesagt, damit soll er mehr Leute nach Irland gelockt haben als es die Sonderkonditionen von Stena-Line, eine Fährgesellschaft, schaffte, die Leute kostenlos nach Irland brachte und nur die Rückreise in Rechnung stellte. Das „Irland Journal“ half bei der Logistik und bot schon damals informative Berichte, was Irland betraf. Auch der Themenschwerpunkt „Irland“ auf der Frankfurter Buchmesse 1996 trug nicht unwesentlich zur Beliebtheit der Insel bei.

Uns selbst hat noch ein anderes Buch angezogen und inspiriert.

Den irischen Autor John O`Donohue lernten wir in Dresden kennen, als er auf seiner Lesereise sein Buch „Anam Cara“ vorstellte. Als ehemaliger katholischer Priester, Philosoph, Dichter und Schriftsteller brachte er seinen Lesern die „Keltische Weisheit” näher. Das Buch wurde ein Bestseller und ist im deutschen und englischen Sprachraum weit verbreitet.

Auch die Bücher von Alice Taylor, in denen sie über die alte irische Zeit schrieb, sind zu Bestsellern geworden. Neben dem Schreiben hat sie noch einen Supermarkt und eine Poststelle betrieben. Sie beschrieb den Wandel der Zeit, den sie in ihrer Kindheit im ländlichen Irland erlebte, als das elektrische Licht die alten Geister und den alten Glauben wegfegte und die Feen unter die Erde scheuchte.

Blick auf einen Novembertag in meiner Kindheit

Mitten im November habe ich Geburtstag - ein guter Grund, mich auf diesen Monat zu freuen. Es war der November 1945, als ich an meinem Geburtstag von der Schule nach Hause ging. Dieser Tag war ein eiskalter Tag. Ich fror entsetzlich, aber die Freude auf die warme Stube, die Erwartung auf die Geburtstagskerzen, den Kuchen und nicht zuletzt all die Geschenke, von Mutter und Tante Annie liebevoll präsentiert, beschleunigten meine Schritte. Meine Erwartungen wurden voll erfüllt. Geschenke, die es in der Kriegszeit gar nicht gab, fehlten mir auch nicht. Wer uns allen aber fehlte, war mein Vater, der noch im Krieg war. Trotzdem feierten wir fröhlich meinen Geburtstag.

Anschließend zog ich mich wieder zurück, um mich nach meinem Vater zu sehnen. Meine Mutter weinte still für sich, wenn sie sich Sorgen um ihn machte und befürchtete, er könne nicht mehr rechtzeitig zurückkommen, bevor sie sterbe.

Zwar wusste ich, dass sie krank war, daran war ich gewöhnt, aber dass sie auch sterben könne, das konnte und wollte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Mutter und ich, Tante Annie, die ihre Schwester bis zu ihrem Tod liebevoll betreute, meine Großeltern und all die noch im Hause lebenden Onkel und Tanten waren keine trauernde Gemeinschaft. Es gab zwar eine gewisse Besinnlichkeit, aber Freude und Spaß gehörten auch zu unserem Leben.

„Verdirb dem Kind die Freude nicht“, hörte ich oft von meiner Mutter.

Als mein Vater noch im Krieg war, lebten meine Mutter und ich weitgehend im Haus der Großeltern. Gegen Ende ihres Lebens kehrte meine Mutter mit mir und Tante Annie wieder in unsere Wohnung zurück, wo wir meinen Vater erwarteten, der am Nikolaustag 1945 zurückkehrte.

Der kindliche Drang nach Freude und Spiel löste immer wieder die Traurigkeit und Furcht ab. In den Wintermonaten genoss ich es, in der Wohnung zu spielen; entweder mit Freundinnen oder für mich allein. Einmal drängte es mich, ein richtiges Fest zu feiern. Ein Anlass war bald gefunden. Mein Teddybär - rosarot, Alfred war sein Name - heiratete meine Puppe Lilo. Meine Mutter überließ mir alles aus dem Haushalt, was ich zur Festgestaltung brauchte. Das Wohnzimmer wurde festlich geschmückt, und Tante Annie backte für uns den Hochzeitskuchen.

Überhaupt war ich recht einfallsreich beim Spielen und Gestalten. Wenn mir gar nichts mehr einfiel, dachte ich mir Geschichten aus. Das Novemberwetter schreckte mich nicht, solange ich die Wärme im Hausgenießen und mit mir selbst und vielleicht auch einer Freundin spielerischen Einfällen nachgehen konnte. Im Sommer spielte ich mit den Nachbarskindern auf der Wiese vor unserem Haus und im angrenzenden Wald.

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