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Ein Mann wie ein Traum

Robyn Grady

Ein Mann wie ein Traum

1. KAPITEL

Phoebe Moore bekam weiche Knie, als sie den Anblick der sonnengebräunten, leicht angewinkelten Arme vor dem muskulösen Oberkörper, der sich unter dem T-Shirt deutlich abzeichnete, in sich aufsog, und beobachtete, wie die großen, männlichen Hände nach dem Saum griffen.

Ohne zu wissen, dass er nicht allein war, zog der Mann das T-Shirt über den Kopf. Phoebe stockte der Atem, und ihr Mund wurde trocken. Nachdem er einen perfekten Waschbrettbauch und breite Schultern enthüllt hatte, knüllte er das T-Shirt zusammen und begann seinen aufregenden Körper damit abzureiben.

Phoebe seufzte. Wie passend doch der Slogan von Brodricks Prestige Cars war! „Der Kick Ihres Lebens.“

Energisch, charmant und mit dem Körper eines Sexgottes ausgestattet – all das war Matt Davis, Brodricks leitender technischer Berater und Chefmechaniker. Dieser Oberkörper, diese Jeans … Allein seine Erscheinung reichte aus, um Phoebe dahinschmelzen zu lassen.

Doch das Beste – und zugleich das Schlimmste – an ihm war eindeutig seine mysteriöse Ausstrahlung. Die drei Male, die sie sich begegnet waren, hatte sich Matt sehr für Einzelheiten über Phoebes Leben interessiert, aber nichts von sich selbst preisgegeben.

Und sie ahnte, warum.

Am anderen Ende der ansonsten menschenleeren Werkhalle rieb sich Matt mit dem T-Shirt die kräftigen Arme trocken. Als er noch einmal über seinen feuchten Oberkörper wischte, schien er zu spüren, dass er nicht allein war, sah zu ihr hinüber und schenkte ihr ein Lächeln – oder genauer gesagt: Er verzog den Mund zu einem verführerischen Grinsen.

Seufzend atmete Phoebe aus, als er auf sie zukam und mit der Hand sein pechschwarzes Haar verstrubbelte. So muss er morgens aussehen, dachte sie und klammerte sich an ihren Unterlagen fest. Ein wenig zerzaust und äußerst sexy.

Ihr wurde heiß. Nimm dich zusammen, ermahnte sie eine innere Stimme. Sie durfte nicht vergessen, wie lange sie gestern wach geblieben war, nur um ihre Liste zu vervollständigen. Die ehrliche, ausführliche Liste ihrer Wünsche. Den ersten Punkt hatte sie rot unterstrichen: Den richtigen Mann für eine heiße Affäre finden!

Einerseits war Matt Davis genau der Richtige dafür. Das Knistern zwischen ihnen würde sich in einer regelrechten Explosion entladen, wenn sie ihre gegenseitige Anziehung im Bett ausleben würden. Doch es war unmöglich, diesen Schritt mit Matt zu wagen, und zwar aus drei guten Gründen.

Phoebe versuchte, sich an diese Gründe zu erinnern, während Matt im Näherkommen den Blick seiner unglaublich blauen Augen über ihren Körper wandern ließ und schließlich dicht vor ihr stehen blieb.

„Wenn das nicht Phoebe Moore ist“, sagte er mit seiner tiefen Stimme und zog die Brauen zusammen. „Aber Moment mal … irgendetwas ist heute anders an dir.“

Sie wurde rot. Anders? War es der Pickel an ihrem Kinn?

„Du hast da etwas in deinem Blick“, fuhr er grinsend fort. „Endlich ist es so weit. Du hast es dir noch einmal überlegt und willst mich nun doch.“

Vielleicht war es die raue und dabei doch so sanfte Stimme oder sein intensiver Blick, was sie aus der Fassung brachte, vielleicht aber auch der Umstand, dass an dem, was er eben gesagt hatte, durchaus etwas Wahres war. Genau genommen lag es an allen drei Dingen gleichzeitig – doch das würde sie ihm auf keinen Fall sagen.

Der erste Grund dafür, dass sie nichts mit Matt anfangen würde, war, dass sie sich über die Arbeit kannten. Nach einer missglückten Affäre mit einem Kollegen war sich Phoebe der Gefahren, die es mit sich brachte, Berufsleben und Liebesleben zu vermischen, nur allzu bewusst.

Solche Vorbehalte schien Matt Davis nicht zu haben. Als sie sich auf einer Abendveranstaltung für Sponsoren zum ersten Mal begegnet waren, hatte er einen Smoking getragen und nichts anderes im Sinn gehabt, als sie herumzukriegen. Mit Blicken und subtilen Gesten hatte er ihr zu verstehen gegeben, dass er sie wollte. Mehr noch, dass er sie haben würde. Es war nur eine Frage der Zeit.

Das dachte er zumindest.

Phoebe hob den Kopf. „Nein, ich habe es mir nicht anders überlegt, Matt“, sagte sie. „Ich glaube nicht, dass du das bist, was ich jetzt brauche.“

„Würde es dir keinen Spaß machen, das herauszufinden?“

Sie ließ sich nicht anmerken, wie sehr sie sich von ihm angezogen fühlte, und rief sich den zweiten Grund dafür, dass sie nichts mit diesem nahezu unwiderstehlichen Mann anfangen würde, ins Gedächtnis zurück.

Nicht genug damit, dass Brodricks Prestige Cars und Goldmar Studios, die Produktionsfirma, bei der sie arbeitete, geschäftliche Verbindungen miteinander hatten. Obendrein war Matt ein Frauenheld. Als Phoebe ihn kennengelernt hatte, war er von einer ganzen Horde Bewunderinnen umgeben gewesen.

Sie war sicher, dass der einzige Grund dafür, dass er das Interesse an den anderen Frauen verloren hatte, der Umstand war, dass sie ihm nicht auf der Stelle erlegen war. Bei ihrer zweiten Begegnung im Rahmen einer ähnlichen Veranstaltung war es dasselbe gewesen.

Mehrere Frauen hatten an seinen Lippen gehangen. Matt war ganz in seinem Element gewesen. Weitere Beweise brauchte sie nicht.

Selbstverständlich wusste sie nicht, ob sie den Mann fürs Leben traf, wenn sie das tat, was auf ihrer Liste stand: Den richtigen Mann für eine heiße Affäre finden. Aber wenn sie ihr Schicksal in die Hand nehmen wollte, durfte sie keinesfalls eine von vielen Eroberungen eines notorischen Playboys werden. Das ähnelte dem Fehler zu sehr, den ihre Mutter gemacht hatte und für den sie teuer bezahlen musste.

Und nicht nur sie, sondern auch ihre kleine Tochter.

Andererseits … auf alle Fälle war Matt unterhaltsam, und ein kleiner Flirt konnte nicht schaden.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass es Spaß machen würde, das herauszufinden“, gab sie zu, und als seine blauen Augen aufleuchteten, fügte sie hinzu: „Wenn ich es mir anders überlege, bist du der Erste, der es erfährt.“

Diesmal lächelte er nicht. Stattdessen trat er noch dichter an sie heran. Als sie zurückwich, folgte er ihr und kam ihr gefährlich nahe. Seine Wärme brannte sich in ihre Haut, die zu prickeln begann, und Phoebe fühlte sich überfordert.

„Weißt du, was ich an dir liebe, Phoebe?“, fragte er mit betörender Stimme, die ihren Körper und ihre Sinne schwirren ließ. „Deine Fähigkeit, dem Unvermeidlichen aus dem Weg zu gehen.“

Hitze schoss durch ihre Glieder, in ihre Brüste, über ihre Schenkel und zwischen ihre Beine. Matt war ihr in diesem Moment so unglaublich nah, dass sie kaum atmen konnte. Nur wenige Sekunden – nur wenige Zentimeter –, und seine Lippen lägen auf ihren. Sie musste sich zusammenreißen, sonst wäre das letzte bisschen Widerstand dahin, und sie würde sich Matt ergeben.

Tief einatmend machte sie einen Schritt zurück – genug, um einen ausreichenden Abstand zwischen ihnen zu schaffen und die knisternde Verbindung zu unterbrechen. „Am Empfang hat man mir gesagt, dass ich dich hier finden würde“, sagte sie, froh darüber, dass ihre Stimme nicht belegt klang. „Ich bin gekommen, um meinen Wagen abzuholen.“

Seine Augen hellten sich ein wenig auf, bevor er einen Schritt beiseite machte. Lässig bewegte er sich zu einer Reihe von Spinden. Das Spiel war vorbei … fürs Erste. „Ach ja“, sagte er, stopfte sein schwarzes T-Shirt in einen der Spinde. „Dein neues 6er Coupé. Zeitgemäße Schönheit, in der Kräfte schlummern, die nur darauf warten, erweckt zu werden.“

Als sie über die Andeutung lächelte, warf er ihr einen herausfordernden Blick zu und zog ein frisches weißes T-Shirt aus dem Spind. Nachdem er sich das Shirt über den Kopf gezogen und seinen imposanten Oberkörper damit bedeckt hatte, spähte Phoebe nach draußen.

Wo mochte der BMW sein? Sie sah auf die Uhr. Im Vertrag stand, dass die Übergabe um fünf Uhr sein sollte. „Ich irre mich doch nicht im Datum, oder?“

„Keine Sorge“, antwortete er. „Wir halten uns an den Vertrag. Der Chef besteht darauf, dass zusätzlich zu den Werbegeldern, die an Goldmar Productions gehen, der Star der Sendung mit der höchsten Einschaltquote für ein Jahr einen Wagen von Brodricks zur Verfügung gestellt bekommt.“ Doch dann legte er den Kopf schief. „Leider haben wir heute Nachmittag erfahren, dass der Wagen erst am Montag geliefert wird.“

Phoebe erschrak.

Na toll. Wegen dieses Deals hatte sie ihren eigenen Wagen zum Verkauf angeboten – und heute Morgen hatten die neuen Besitzer ihn abgeholt. Wenn sie den Wagen aus dem Werbevertrag nicht bekam, würde sie ohne Auto sein. Normalerweise hätte das nichts ausgemacht, aber dieses Wochenende war es ein Problem.

Ein großes Problem.

Sie atmete tief durch. „Um wie viel Uhr am Montag?“

Er hob die Brauen. „Wolltest du dieses Wochenende eine ausgedehnte Testfahrt unternehmen?“

„Ich muss morgen in meine Heimatstadt.“ Sechs Stunden hin und zurück von Sydney.

Ihre Tante Meg kam von ihrem jährlichen Überseetrip zurück, und das Haus, in dem Phoebe nach dem Tod ihrer Mutter mit ihr gelebt hatte, bevor sie vor acht Jahren nach Sydney gezogen war, hatte dringend einige kleine Reparaturen nötig.

Ihre Tante konnte mühelos eine zweimonatige Asienreise planen, aber ihr fehlte jedes Interesse an der Organisation belangloser Haushaltsangelegenheiten. So war sie beispielsweise nicht in der Lage zu verhindern, bei Minustemperaturen im ungeheizten Haus sitzen zu müssen.

Morgen würde der einzige brauchbare Handwerker der Stadt vorbeikommen, um ein Ersatzteil in den Boiler einzubauen. Die Abende waren bereits ziemlich kühl. Wenn Phoebe sich nicht darum kümmerte, bevor es ernsthaft kalt würde, würde es niemand tun.

Matt lehnte sich an die Tür eines Alfa Romeos und verschränkte die Arme vor der Brust. „Kein Problem“, sagte er. „Ich besorge dir einen Ersatz.“

„Wirklich?“, fragte Phoebe erleichtert. „Könnte ich ihn morgen gegen Mittag abholen?“

Er zwinkerte ihr zu. „Ich kümmere mich darum.“

Nachdem sie sich bei ihm für seine Mühe bedankt hatte, wandte sie sich um und ging in Richtung des Werkstatttors, das zum Hautgebäude und zum Ausgang führte.

„Moment. Warte mal.“

Phoebe drehte sich um.

„Soll ich dich nach Hause bringen?“, fragte er und öffnete die Wagentür. „Ich fürchte, um diese Tageszeit wirst du kein Taxi finden.“

Als sie an eine gemeinsame Fahrt mit ihm dachte, zog sich ihr Magen sehnsuchtsvoll zusammen, doch sie widerstand der Verlockung und lächelte Matt kühl an. „Danke, aber ich komm schon klar.“

Lächelnd machte er einen Schritt auf sie zu. „Wir könnten auf dem Weg irgendwo einen Kaffee trinken. Du dürftest es nicht besonders eilig haben.“ Seine Augen glänzten begehrlich. „Oder bist du heute Abend schon verabredet?“

„Nur mit meinem Lhasa Apso.“

„Glücklicher Hund.“ Vielleicht war da eine Spur von Eifersucht in seinem verschmitzten Grinsen. „Aber ich bin sicher, dass das gute Tier Verständnis dafür hätte, wenn du ein paar Minuten später nach Hause kämst.“

Obwohl es sie nahezu übermenschliche Anstrengung kostete, schaffte Phoebe es, ein unverbindliches Lächeln aufzusetzen und auf dem Absatz kehrtzumachen. „Morgen komme ich vorbei, um den Wagen abzuholen!“, rief sie beim Hinausgehen.

Sie war stolz darauf, Matts Avancen auszuweichen. Obwohl eine ausführliche Erkundung dieser unter der Oberfläche schwelenden Leidenschaft es vielleicht wert war, sich die Finger daran zu verbrennen. Besonders nach der letzten, eher enttäuschenden Erfahrung mit einem Mann.

Als sie ihrem Chef vor einem Jahr zum ersten Mal begegnet war, hatte sie sich sofort von ihm angezogen gefühlt. Steve Trundy war groß, blond und gut gebaut, und Phoebe kannte keine Frau bei Goldmar, die nicht gern mit ihm ausgegangen wäre. Als er sie um ein Treffen gebeten hatte, war Phoebe dahingeschmolzen und hatte Ja gesagt.

Ihr erstes intimes Zusammentreffen hatte nach Feierabend in einem unbesetzten Regieraum stattgefunden. Aber es war eine Enttäuschung gewesen. Phoebe hatte es auf ihre Angst geschoben, dass jeden Moment jemand hereinkommen und sie überraschen könnte. Als Steve vorgeschlagen hatte, übers Wochenende zu verreisen, hatte sie daher begeistert zugesagt. Doch auch diesmal fehlte etwas, genau wie in der ersten Nacht im Regieraum.

Das hatte sie verunsichert. Steve war intelligent und attraktiv. Also konnte es nicht an ihm liegen. Beim nächsten Mal würde sicher alles anders sein.

In der Hoffnung, dass alles besser werden würde, hielt Phoebe durch. Sagte ihm, was sie mochte, und bemühte sich, auch ihm Befriedigung zu verschaffen. Doch nichts änderte sich, und sie begann Situationen aus dem Weg zu gehen, in denen sie sich näherkommen konnten. Sie hatte geglaubt, in ihn verliebt zu sein, doch wieso machte sie dann jedes Mal, wenn er sie berührte, einen Rückzieher?

Nach neun Monaten, zwei Wochen und drei Tagen konnte sie nicht mehr und hatte errötend zugegeben, dass etwas Wichtiges fehlte. Das Verlangen nach ihm, das sie hätte empfinden sollen, war einfach nicht da. Sie hatte sich elend gefühlt und Steve beschworen, die Schuld nicht bei sich zu suchen.

Was er auch nicht tat. Stattdessen sagte er ihr unumwunden, dass es ihm auch keinen sonderlichen Spaß bereitet hätte, mit ihr zu schlafen. Sie sei so verkrampft und leidenschaftslos gewesen. Auch das Wort langweilig war gefallen. Es täte ihm leid, dass sie sexuelle Probleme hätte.

Als Phoebe sich verteidigen wollte, hatte er ihr auf sehr unfreundliche Weise zu verstehen gegeben, dass es wohl kein Feuer gäbe, das stark genug sei, die Leidenschaft in ihr zu entzünden.

Diese Kränkung, die offensichtlich das Resultat seines verletzten Egos war, hätte sie schnell vergessen, wäre sie Steve nicht tagtäglich im Studio begegnet. Sobald sie sich im selben Raum befanden, dachte sie daran, wie er sie als frigide bezeichnet hatte, und das Blut gefror ihr in den Adern. Aber mit ihr war alles in Ordnung. Sie hatten einfach nicht zueinandergepasst. So etwas konnte vorkommen.

Doch mit der Zeit begann Phoebe sich zu fragen, ob an dem, was Steve gesagt hatte, nicht doch etwas Wahres dran sein könnte. Sie hatte Beziehungen gehabt, wenn auch nicht viele, aber sie hatte nie einen solchen ekstatischen, berauschenden Liebesakt erlebt, von dem sie wusste, dass es ihn geben musste.

Gestern Abend hatte sie beschlossen, dass sie sich nun lange genug damit gequält hatte. Es wurde Zeit, endlich zu handeln! Sie musste die Zweifel loswerden. Mit sechsundzwanzig wollte sie wissen, ob sie in der Lage war, von jenem betörenden Fieber ergriffen zu werden. Sie hatte darüber gelesen und sogar schon davon geträumt. Andere Frauen erlebten es.

Warum sie nicht?

Doch so verlockend es auch schien, Matts Charme zu erliegen war nicht die Lösung. Nicht nur, dass bei einem Frauenhelden wie ihm der Liebeskummer so gut wie vorprogrammiert war, obendrein konnte auch noch das Unsägliche passieren. Was, wenn Steve recht hatte und sie nicht in der Lage war, sich fallen zu lassen und jenes Feuerwerk der Sinne zu erleben? Dass es mit Steve nicht geklappt hatte, war schon unangenehm genug gewesen, aber sie war damit klargekommen.

Mit Matt wäre es anders.

Wann immer er sie ansah, fühlte sie sein unverhohlenes Verlangen. Es knisterte, er zog sie an und gab ihr das Gefühl, angebetet zu werden. Wenn sie mit ihm ins Bett ginge und dabei keinen ersehnten Rausch erlebte, dann würde sie Matts Enttäuschung oder sogar sein Mitleid spüren.

Erschaudernd beschleunigte Phoebe ihren Schritt.

Auf keinen Fall. Nicht mit Matt. Die Demütigung wäre zu groß. Das war der dritte und wichtigste Grund, warum sie die Finger von ihm lassen musste.

Phoebe durchquerte den Ausstellungsraum, in dem Bentleys, Ferraris und Rolls-Royces glänzten. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, wie hoch das Autohaus versichert war. Was war das wohl für ein Gefühl, steinreich zu sein? Wie die meisten Menschen würde sie es nie erfahren.

Draußen war es bereits kühl, und Herbstlaub lag auf dem Boden. Fußgänger eilten umher, und der dämmrige Himmel kündigte die Nacht an.

Sie winkte einem herannahenden Taxi. Im dichten Feierabendverkehr fuhr es an ihr vorüber. Bei den beiden nächsten Taxis war es dasselbe. Als sie fünf Minuten später ein weiteres Taxi die Botany Road hinunterfahren sah, versuchte sie es noch einmal.

Das Taxi wurde langsamer. Lächelnd ging sie zum Straßenrand. Dabei sah sie das Motorrad nicht, das an dem Taxi vorbeigefahren war und davor hielt. Sie erkannte auch den Mann auf dem Motorrad nicht … bis dieser mit eisernem Griff ihren Arm packte.

Wütend funkelte sie ihn an. Was zum Teufel …? „Finger weg!“, knurrte sie und befreite ihren Arm. „Was soll das?“

Als sie das weiße T-Shirt unter der Lederjacke hervorblitzen sah, ahnte sie es bereits. Und als er das Visier hochklappte und sie sein verlockendes Lächeln sah, war sie sich fast sicher. Nachdem sie dann noch seine Stimme hörte, waren alle Zweifel ausgeräumt.

Matt Davis lehnte sich zurück. „Ich dachte, dass du es dir vielleicht anders überlegt hast und ich dich nach Hause bringen soll.“

„Du?“, fragte sie verblüfft. „Ich wusste gar nicht, dass du Motorrad fährst.“

Nachdem er den Helm abgenommen hatte, rieb er sich das Kinn und lächelte schief. „Doch … seit ein paar Jahren.“ Er rückte ein Stück nach vorn. „Komm … steig auf.“

„Ich … ich fahre nicht auf Motorrädern mit.“

„Heißt das, dass du nie fährst, oder nur, dass du es noch nicht gemacht hast?“

Hitze durchfuhr sie, und einen Moment lang stellte sie sich vor, wie sie sich mit den Schenkeln an das Metall schmiegte, wie sie Matts kraftvollen Körper umfasste und ihre Brüste sich gegen seinen warmen Rücken pressten. Allein der Gedanke daran, sich derartig weit in verbotenes Terrain vorzuwagen, ließ ihren Atem stocken.

„Wie auch immer. Das Taxi wartet“, sagte sie und wies auf die Stelle, wo das Taxi gehalten hatte. Es war nicht mehr da.

Als sie den Blick auf die Straße richtete, sah sie ihr Taxi mit einem anderen Fahrgast im Verkehr verschwinden. So würde sie hier nie wegkommen. Sie wandte sich wieder Matt zu. Sein durchdringender Blick ließ ihr Herz schneller schlagen.

Zögernd schüttelte sie den Kopf. „Das ist keine gute Idee.“

„Stell dich nicht so an“, neckte er sie. „Ich garantiere, dass es dir Spaß machen würde. Ja, ich wette sogar um meinen besten Schraubenschlüssel.“

Ihr wurde ganz schwindlig, als ihre Gedanken an das beste Werkzeug dieses Mannes ein wenig abirrten.

Phoebe überdachte ihr Outfit. Sie trug ein cremefarbenes, knöchellanges Schlauchkleid und Sandalen mit zwölf Zentimeter hohen Absätzen. Wie um alles in der Welt sollte sie sich in diesem Aufzug auf das Motorrad setzen?

„Denk nicht lange nach, mach es einfach, Phoebe“, sagte er lächelnd.

Ihr Blick wanderte von seinen verwirrend blauen Augen zu seinem verführerischen Mund. Der Geruch von Motoröl, vermischt mit einer schwachen Aftershave-Note, holzig und einzigartig, umfing Phoebe. Matt hatte recht. Sie sollte sich nicht so anstellen. Wenn sie sein Angebot annähme, dann wäre das nichts weiter als eine gute Mitfahrgelegenheit.

Trotzdem musste sie sich eingestehen, dass sie sich darauf freute, dicht an ihn gedrängt hinter ihm zu sitzen und sich an ihm festzuhalten.

Als könnte er ihre Gedanken lesen, strahlte Matt sie zufrieden an, nahm ihr die Mappe ab und ließ sie in ein Fach an der Seite des Motorrads gleiten.

Phoebe griff nach dem Beifahrerhelm und setzte sich hinter Matt. Als er den Motor aufheulen ließ, schloss sie den Riemen des Helms.

„Halt dich fest“, sagte er, sobald sie das Visier heruntergeklappt hatte. „Sehr fest.“

Das tat sie, und als sie losfuhren, jauchzte sie vor Freude laut auf.

Phoebe Moore ist unglaublich sexy.

Das dachte Matt wieder einmal, als er sich in eine Kurve legte und Phoebe sich eng an ihn schmiegte. Ihre warmen Schenkel umschlossen ihn, und ihre festen Brüste waren an ihn gedrückt.

Keine Frage – diese Frau wurde mit jedem Mal, das sie sich sahen, anziehender. Sie war süß, aber nicht dumm. Kess, doch gleichzeitig auch schüchtern. Und offen, ohne vereinnahmend zu sein. Verdammt, sie war so vieles. Anders ausgedrückt: Er begehrte sie. Und obwohl sie ihn mit all diesen Ausreden in den Wahnsinn trieb, stand ihr ins Gesicht geschrieben, was wirklich Sache war.

Sie wollte ihn auch.

Matt folgte Phoebes Armbewegungen, mit denen sie die Richtung wies, und fuhr in eine Parklücke vor dem Wohnblock in guter Lage. Er hatte die Beine ausgestreckt, um das Motorrad aufrecht zu halten, und spürte, wie sein Herz schneller zu schlagen begann, als Phoebe hinter ihm abstieg.

Sie strich das Kleid glatt, das an ihren himmlischen Hüften hochgerutscht war, nahm den Helm ab und schüttelte ihr glänzendes blondes Haar. Das Haar, das er heute berühren würde. „Danke, dass du mich mitgenommen hast.“ Lächelnd gab sie ihm den Helm zurück. „Ich muss zugeben, dass es mir Spaß gemacht hat.“

Als Matt daran dachte, wie viel mehr Spaß sie haben könnten, breitete sich ein warmes Gefühl in ihm aus.

Er sah sich um. Zwischen holzverkleideten Einfamilienhäusern und modernen Wohnkomplexen ragten gewaltige Eukalyptusbäume empor. Graffiti waren nicht zu sehen, dafür aber viele Kinder. „Nett hier“, sagte er und wandte ihr wieder den Blick zu.

„Ich hatte großes Glück, etwas zu finden, das so zentral liegt und trotzdem bezahlbar ist.“ Phoebe nickte in Richtung des angrenzenden Parks. „Dort gibt es Spielplätze und Grillgelegenheiten. Und Restaurants zum Draußensitzen. Und am Ende der Straße ist ein Einkaufszentrum. Ich fühle mich hier sehr wohl.“

Matt wurde erregt. Um Fassung bemüht, sah er hinter sich. „Auf dem Weg hierher sind wir an einem japanischen Restaurant vorbeigekommen.“

Phoebes Augen leuchteten auf. „Da esse ich oft. Sie haben das beste Sushi der Stadt. Die Rainbow Roll dort ist köstlich, und …“ Sie hielt inne, als würde sie sich schämen. „Sushi ist nicht jedermanns Sache.“

„Mir kommt es auf die Atmosphäre an“, antwortete er. „Wenn der Service stimmt, die Beleuchtung angenehm ist und die Begleitung jemand Besonderes …“ Er stellte sich vor, wie sie sich in einer schummrigen Ecke küssten und berührten, und grinste. „Es ist gar nicht so schwer, mich zufriedenzustellen.“

Sie sah ihn skeptisch an. „Das kann ich mir vorstellen.“

Matt runzelte die Stirn. Das Leuchten verschwand aus ihrem Blick, und die übliche Reserviertheit verdüsterte ihre grünen Augen. Als sie mit ihren aufregenden Beinen einen Schritt nach hinten trat, fiel er fast vom Motorrad. „Du gehst schon?“

„Ich habe dich lange genug aufgehalten.“ Lächelnd wandte sie sich zum Gehen. „Danke, dass du mich mitgenommen hast.“

Als sie die Stufen hinauflief und, ohne sich noch einmal umzusehen, in dem Gebäude verschwand, lächelte Matt in sich hinein. Wenn sie so tun wollte, als sei sie nicht zu haben, musste er sich etwas ausdenken. Er liebte die Herausforderung. Schon seit Kindesbeinen.

Und er bekam immer, was er wollte.

Zumindest fast immer.

Als er gerade losfahren wollte, klingelte sein Mobiltelefon.

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