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Ein Kuss wie ein Feuerwerk

Alison Leigh

Ein Kuss wie ein Feuerwerk

1. KAPITEL

„Guten Rutsch, Deanna. Amüsier dich gut heute Abend.“

Deanna Gurney stieß einen leisen Seufzer aus, als die letzten drei Kollegen das Trendforschungsbüro Fortune Prognosen verließen. Sie schaute auf ihre Armbanduhr.

Es war fast acht Uhr. In vier Stunden konnte sie einen Schlussstrich unter das alte Jahr ziehen.

Zerstreut klopfte sie mit dem roten Kugelschreiber auf ihren Schreibtisch und starrte blicklos auf den Artikel, den sie korrigieren musste.

Das Klopfen klang wie das Ticken einer Uhr.

Bedeutete ein neues Jahr nicht den Beginn von etwas Neuem?

Gut möglich aber auch, dass das Neue noch schlimmer als das Alte war.

Deprimiert schüttelte sie den Kopf und konzentrierte sich wieder auf den Artikel. Ihr Chef hatte sich in den Kopf gesetzt, dass er alles erledigt haben musste, bevor das Büro um den Jahreswechsel für ein paar Tage schloss.

Wenn Andrew Fortune einen kreativen Schub hatte, nahm er keinerlei Rücksicht auf seine Angestellten. Die mussten dann eben Überstunden machen.

Deanna korrigierte einen Rechtschreibfehler und sah hoch. Ihr Blick fiel auf die offene Tür, die zum Büro ihres Chefs führte.

Drew saß nicht an seinem Schreibtisch. Stattdessen lief er auf und ab und blieb nur gelegentlich stehen, um einen Blick aus dem Fenster zu werfen, von dem man tagsüber einen atemberaubenden Blick auf fast ganz San Diego hatte – manchmal sogar bis zur Küste.

Im Moment gab es allerdings außer dem nächtlichen Himmel und den Lichtern der Stadt nicht viel zu sehen.

Jetzt lief er schon wieder an der offenen Tür vorbei. Den ganzen Tag über – genauer gesagt, seit er verkündet hatte, dass er dieses Projekt vor dem langen Wochenende um den Jahreswechsel abschließen wollte – schien er über irgendetwas nachzugrübeln.

Die Schirmmütze, die er über die braunen Haare gestülpt hatte, saß tief in seiner Stirn. Ein sicherer Hinweis auf seine schlechte Laune – ebenso wie sein verbissener Gesichtsausdruck.

Wenn er gut drauf war, setzte er die Kappe nämlich andersherum auf. Dann zeichneten sich auf seinen Wangen kleine Grübchen ab, und seine dunkelbraunen Augen blitzten spitzbübisch. Manchmal hatte er einen Golfschläger in der Hand und übte Abschläge auf dem dicken beigefarbenen Teppichboden seines Büros. Im Moment umklammerte er allerdings einen Baseballschläger.

Deannas Handy auf dem Schreibtisch summte. Sie griff danach und schaute aufs Display.

Gigi.

Seufzend legte sie das Telefon beiseite, ohne das Gespräch entgegenzunehmen.

Ihre Mutter hatte sie heute schon mehr als ein halbes Dutzend Mal angerufen.

Deanna hatte keine Lust, mit ihr zu reden. Nicht schon wieder. Die Unterhaltungen mit ihr waren in letzter Zeit ziemlich unerfreulich gewesen. Am Ende war sie jedes Mal wütend, ratlos und frustriert. Es gab also genügend Gründe für Deanna, nicht in festlicher Stimmung zu sein.

Im Gegensatz zu Drew Fortune. Der hatte doch keinen Grund zum Jammern. Er war vierunddreißig – acht Jahre älter als sie – und sah verflixt gut aus. Außerdem würde er bald die Leitung der äußerst erfolgreichen Firma übernehmen, die sein Vater vor einigen Jahrzehnten gegründet hatte und die sich mit Trendanalysen beschäftigte. Wenn er an diesem Tag nicht nach Texas fliegen würde, hätte er Silvester bestimmt mit einer seiner umwerfend aussehenden Blondinen verbracht, die ihm gewiss einen unvergesslichen Jahreswechsel beschert hätte.

Energisch strich Deanna einen überflüssigen Satz rot durch.

„Himmel, Dee, die Seite sieht ja aus, als würde sie bluten.“

Sie schaute ihren Chef nicht an. „Dafür bezahlen Sie mich ja.“ Sie korrigierte einen weiteren Fehler.

Intelligent war er zwar, aber mit der Rechtschreibung stand er auf Kriegsfuß.

„Genau wie gewisse andere Leute, die eigentlich noch hier sein müssten.“ Drew setzte sich auf die Kante ihres Schreibtischs und griff wie selbstverständlich nach ihrem Handy. Dabei klopfte er mit dem Baseballschläger gegen seinen Schuh.

„Sie haben ihre Arbeit getan. Warum also sollten Sie noch bleiben?“ Jeder hatte seinen Teil zu dem Bericht beigetragen, und ihr blieb es nun überlassen, ihn zu korrigieren und per E-Mail an ihre zahlreichen Kunden und die Zeitung zu schicken, die ihn in der Samstagsausgabe des neuen Jahres veröffentlichen wollte.

Missbilligend schnalzte er mit der Zunge. „Und Sie haben sie eigenmächtig nach Hause geschickt?“

„Hätten Sie etwa bleiben sollen, um mir beim Korrekturlesen zuzusehen?“

Missbilligend verzog er das Gesicht.

„Außerdem ist Silvester“, erinnerte Deanna ihn. „Da haben die Kollegen etwas Besseres zu tun, als hier herumzuhängen.“

Drew verlor das Interesse an ihrem Handy und widmete sich dem Tacker. „Sie dagegen haben nichts vor?“

Seufzend legte sie den Kugelschreiber beiseite und faltete die Hände auf dem Schreibtisch. „Doch.“

„Ein Date, nehme ich an.“ Seine dunklen Augen waren unter der heruntergezogenen Baseballkappe kaum zu sehen. Mit dem Schirm nach vorn trug er sie immer, wenn er schlecht drauf war. „Wie heißt er doch gleich? Mike?“

Deanna blieb gelassen. Nach vierjähriger Tätigkeit als seine Assistentin ließ sie sich nicht mehr von Drew Fortune provozieren. Außerdem war sie Gigis Tochter. Das erforderte fast noch mehr Geduld und Nachsicht. „Mark“, korrigierte sie ihn. Drew wusste es ganz genau, denn er hatte den Mann, mit dem sie neun Monate lang zusammen gewesen war, schon ein paar Mal getroffen. „Und wir haben Schluss gemacht.“

Er zog die Augenbrauen zusammen. „Wann?“

Als es meiner Mutter nicht mehr passte. Doch sie verkniff sich die verbitterte Antwort. Ihre Probleme mit Gigi gehörten nicht hierhin. „Vor ein paar Monaten.“

Drew verzog die Lippen. „Es geht doch nichts über wahre Liebe“, frotzelte er, stellte den Tacker zurück und stieß sich von der Schreibtischkante ab. „Und wer ist heute der Glückliche?“

Warum interessierte er sich plötzlich für ihr Liebesleben? Aber bei ihm wusste man nie. Am einen Tag war er unnahbar, und am nächsten strich er ständig um ihren Schreibtisch herum, als wollte er etwas von ihr, das nichts mit ihrer Arbeit zu tun hatte.

„Die Glücklichen“, verbesserte sie ihn mit einem zuckersüßen Lächeln.

Erstaunt riss er die Augen auf.

„Es sind drei Freundinnen“, fügte sie hinzu. „Sie brauchen also gar nicht so beeindruckt auszusehen. Wir wollen ein Wellnesswochenende machen.“

Wieder klingelte ihr Handy, und sie schaltete es auf stumm. „Also keine Männer.“ Und keine nervenden Anrufe von Gigi.

Wie üblich erwartete ihre Mutter von ihr, dass ihre kleine Deedee alles stehen und liegen ließ und sich um sie kümmerte – sogar an Silvester. Oft genug hatte sie ihrer Tochter klargemacht, dass sie es als Hochverrat empfand, wenn Deanna andere Dinge wichtiger waren. Ihre Tochter war dazu da, die Bedürfnisse ihrer Mutter zu befriedigen.

Gigi hatte schon immer einen Hang zum Melodramatischen gehabt.

„Wo soll’s denn hingehen?“

„Nach La Jolla.“ Sie nannte ihm den Namen des Hotels. „Eigentlich wollten wir schon vor zwei Stunden zusammen losfahren. Aber das hat ja nicht geklappt.“ Sie rechnete nicht mit einer Entschuldigung von Drew. Das war nicht seine Art. Und so weit entfernt war La Jolla auch nicht. Gerade einmal ein paar Meilen. „Jetzt treffen wir uns eben dort.“

Mit ausdrucksloser Miene drückte Drew den Baseballschläger in den weichen Teppichboden. Sein dichtes braunes Haar wirkte immer ein bisschen zerzaust. Nur bei wichtigen Konferenzen kämmte er es zurück und sah dann noch besser aus als sonst. Breite Schultern, hochgewachsen, tadellos sitzende Anzüge – im Büro war er genauso beeindruckend wie mit nacktem Oberkörper am Strand, wohin er seine Kunden manchmal führte, wenn der geschäftliche Teil der Unterredung vorüber war.

Ja, Drew Fortune war wirklich ein stattlicher Anblick.

Aber nicht zum Anfassen, wisperte eine leise Stimme in ihrem Ohr.

Deanna hütete sich davor, Privates und Geschäftliches zu vermischen. Was daraus werden konnte, hatte sie oft genug bei ihrer Mutter erlebt. Und sie erlebte es immer noch.

Nicht, dass sie befürchten musste, Drew könnte sie so einschätzen. Sie erledigte ihren Job, und sie machte ihn gut. Das war das Einzige, worauf es ihm ankam.

Und genauso wollte sie es. Niemals würde sie den Respekt, den sie sich im Beruf erworben hatte, für einen heißen Flirt oder gar eine Affäre aufs Spiel setzen.

Die Arbeit bei Fortune Prognosen gefiel ihr, und normalerweise machte es ihr auch Spaß, für Drew Fortune zu arbeiten. Angesichts von Gigis jüngsten Fluchtversuchen aus der Realität brauchte sie diese Ablenkung sogar dringender denn je.

Sie nahm ihren Kugelschreiber und konzentrierte sich wieder auf die Seite. „In zehn Minuten bin ich fertig“, versprach sie. „Dann können Sie auch gehen.“ Und sie konnte sich endlich mit ihren Freundinnen treffen und versuchen, ihre Mutter für ein paar Tage zu vergessen.

Seit dem Fiasko an ihrem letzten Arbeitsplatz hatte Gigi noch immer keinen neuen Job. Daher wurden ihre finanziellen Mittel langsam knapp, und sie nahm es Deanna übel, dass sie sie nicht unterstützte.

„Halleluja“, sagte Drew. Seine Bemerkung kam ihr vor wie ein Kommentar zu ihren Gedanken. „Dann sehen Sie mal zu, dass Sie fertig werden.“

Gereizt presste sie die Lippen zusammen. Was, glaubte er wohl, tat sie denn da?

Erneut klingelte ihr Handy. Sie zog die oberste Schreibtischschublade auf, warf es hinein und knallte sie zu.

„Warum stellen Sie das verdammte Ding nicht einfach aus, wenn Sie ohnehin nicht rangehen?“

Gute Frage. „Dann würde sie die Büronummer wählen.“

Er schwang den Baseballschläger über die Schulter. „Sie?“

„Gigi.“

„Offenbar will Ihre Mutter dringend mit Ihnen sprechen. Das war doch mindestens schon der sechste Anruf.“

Er hatte also auf das Display ihres Handys geschaut. „Sie ist sauer, weil ich Silvester nicht mit ihr verbringe.“ Energisch strich Deanna einen weiteren Satz aus. Dabei hätte sie um ein Haar das Papier zerrissen. „Ist Ihnen klar, dass Sie die Kurserholung bei Decker zweimal erwähnt haben?“

Drew setzte sich erneut auf die Kante ihres Schreibtischs, zog ihr das Papier unter dem Stift weg und warf einen flüchtigen Blick darauf. „Gut, dass es Ihnen aufgefallen ist.“

Rechtschreibfehler waren für ihn nichts Ungewöhnliches. Wiederholungen schon.

Schnell las sie weiter, aber aus irgendeinem Grund fiel es ihr schwerer als sonst, die Ausbuchtung zu ignorieren, die sich unter der anthrazitfarbenen Hose auf seinem Schenkel abzeichnete.

Dabei betrug der Abstand zwischen ihnen mindestens einen Meter.

„Haben Sie denn schon für Texas gepackt? Ihre Maschine geht schließlich in zwei Stunden.“

Sie hatte den Firmenjet für ihn reserviert, mit dem er nach Red Rock fliegen wollte, wo sein Vater William am nächsten Tag heiraten würde.

„Wie ist eigentlich das Wetter da unten um diese Jahreszeit?“ Sie hatte auf der Karte nachgesehen. Red Rock war etwa zwanzig Meilen von San Antonio entfernt.

„Ziemlich stürmisch“, murmelte er mürrisch.

Sie sah ihn forschend an. „Ich weiß, dass Sie kein Freund von Hochzeiten sind.“ Das machte er irgendwann jeder Frau klar, mit der er ein Verhältnis anfing. „Aber es ist schließlich Ihr Vater, der heiratet. Freuen Sie sich denn nicht für ihn?“ William Fortune hatte seine Frau – Drews Mutter – vor vier Jahren verloren.

Zur gleichen Zeit hatte Deanna ihre Stelle bei Drew angetreten. Damals war er am Boden zerstört gewesen. Es war das erste und letzte Mal gewesen, dass sie ihn so erlebt hatte.

Es war auch das einzige Mal gewesen, dass sie beinahe den Fehler begangen hätte zu vergessen, dass er ihr Chef war.

In einem unbedachten Moment hatte er sie geküsst. Wenn sie manchmal daran dachte, wurde ihr immer noch ganz heiß.

Vier Jahre war das jetzt her, aber ihr kam es vor, als sei es erst gestern gewesen.

Eine Weile hatte sie geglaubt, dass er ihr den Kopf verdreht hatte.

Darüber war sie längst hinweg. Gott sei Dank! Niemals würde sie es sich verzeihen, in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten.

„Nein, ich freue mich nicht“, entgegnete er knapp.

„So, das wär’s.“ Noch einmal überflog sie die letzten Sätze. Zufrieden legte sie den Kugelschreiber beiseite und den Artikel neben die Tastatur ihres Computers. „Haben Sie etwas gegen die Frau, die Ihr Vater heiratet?“

„Lily? Sie ist die Witwe seines Cousins.“ Er beugte sich über ihren Schreibtisch, öffnete die Schublade und holte das Handy heraus, das schon wieder summte.

Hastig riss Deanna es ihm aus der Hand, da sie befürchtete, dass er das Gespräch annehmen wollte, und steckte es in ihre Jackentasche. Nicht auszudenken, wenn ihre Mutter jetzt auch noch mit ihrem Chef sprach! „Und?“

„Ich weiß nicht, warum Sie es auf einmal so eilig haben. Wäre es nicht besser, Sie würden mit Ihrer Mutter reden?“

Sie lachte leise. Ihre Finger flogen über die Tastatur, als sie die Korrekturen eingab. „Wenn Sie Angst vor der Hochzeit Ihres Vaters haben, brauchen Sie mir keine Ratschläge zu erteilen, wie ich mit meiner Mutter umgehen soll.“

Abrupt stieß er sich von der Schreibtischkante ab. „Es geht nicht nur um die Hochzeit“, murrte er.

War er etwa eifersüchtig auf die neue Frau seines Vaters? Deanna hatte hautnah mitbekommen, wie tief ihn der Tod seiner Mutter getroffen hatte. „Ihre Brüder sind doch auch da“, tröstete sie ihn. „Wie lange haben Sie sie nicht gesehen?“ Von seinen vier Brüdern lebten nur er und Jeremy nicht in Texas.

„Ist schon ein paar Jahre her, dass wir alle in Red Rock waren.“

Sie selbst hatte keine Geschwister. Wie oft hatte sie sich welche gewünscht. Dann hätte sie sich nicht so allein gefühlt. „Freuen Sie sich nicht auf sie?“

Er schwenkte den Baseballschläger wie einen Golfschläger. „Was spielt das für eine Rolle?“

„Wahrscheinlich gar keine“, entgegnete sie gereizt. „Allmählich kriege ich aber das Gefühl, dass dieser Artikel, den Sie unbedingt noch im alten Jahr fertig haben wollten, nur eine Ausrede dafür ist, später nach Texas zu fliegen – oder vielleicht sogar gar nicht, wenn Sie mich jetzt noch länger von der Arbeit abhalten.“

Drew glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Seine Assistentin war ja richtig aufsässig. Ihre smaragdgrünen Augen blitzten angriffslustig, und ihre Wangen hatten sich gerötet.

Normalerweise war sie die Ruhe in Person. Dass sie so reagierte, berührte ihn … seltsam. „Das Wellnesswochenende mit Ihren Freundinnen ist Ihnen wohl verdammt wichtig“, blaffte er zurück.

Sie presste die Lippen zusammen. „Wissen Sie, Drew, manchmal sind Sie ein richtiger …“ Sie unterbrach sich und schüttelte so energisch den Kopf, dass ihr die kastanienbraunen Locken über die Schultern flogen. Dann wandte sie sich wieder ihrem Computer zu und tippte weiter. Es klang lauter als zuvor.

„Was denn?“

„Nichts.“ Ihre Finger flogen über die Tastatur.

„Sagen Sie es ruhig, Dee.“ Dass er sie noch mehr provozierte, war allein seinem Vater zu verdanken. William begnügte sich nämlich nicht damit, sein eigenes Leben mit seinen Heiratsplänen zu ruinieren, sondern machte auch noch Drew das Leben schwer. Aber das konnte Deanna natürlich nicht wissen. „Warum auf einmal so zurückhaltend?“

Sie warf ihm einen strengen Blick zu, der ihn merkwürdigerweise an seine Mutter erinnerte. An sie hatte er in den vergangenen Tagen öfter denken müssen – ganz im Gegensatz offenbar zu seinem Vater. Das machte ihn verbittert.

„Warum setzen Sie sich nicht einfach in Ihr Büro und lassen mich das hier in Ruhe zu Ende bringen?“ Ohne die rechte Hand von der Tastatur zu nehmen, deutete sie mit der linken auf die Tür. „Überlegen Sie sich, wie Ihre neuen Visitenkarten aussehen sollen, wenn Sie demnächst die Geschäftsführung von Ihrem Vater übernehmen. Vielleicht hebt das Ihre Laune.“

„Vielleicht hebt es Ihre zu hören, dass ich die Geschäftsführung nicht übernehme.“

Abrupt hörte das Klappern der Tasten auf.

Verdutzt starrte sie ihn an. „Wie bitte?“

Er umklammerte den Baseballschläger. Am liebsten hätte er das Ding aus dem Fenster geworfen. „Ich werde die Geschäftsführung nicht übernehmen.“ Er klang gereizt.

„Wieso nicht? Will er das Büro etwa …“ Sie ließ die Frage in der Luft hängen.

„Soweit ich weiß, hat er nicht vor, sein Büro zu schließen. Stattdessen will er mich ausschließen.“

Sie wurde blass. „Aber Sie machen hier doch einen ausgezeichneten Job.“

„Nicht ausgezeichnet genug für ihn.“

Sie schüttelte den Kopf, sodass die Locken wieder flogen. „Ihr Vater schien doch immer sehr stolz auf Ihre Leistungen zu sein. Als er hier war, hat er mir sogar gesagt, Sie seien ganz wie er.“

„Genau das ist das Problem. Da er glaubt, erst nach der Heirat mit meiner Mutter und der Gründung einer Familie richtig erfolgreich geworden zu sein, erwartet er von mir das Gleiche.“

Unversehens flog der Baseballschläger durchs Zimmer und prallte gegen einen Stuhl, der neben der Tür zu seinem Büro stand.

Deanna zuckte zusammen.

Fluchend kehrte Drew in sein Büro zurück.

Sie folgte ihm, die Hände an die Revers ihres schlichten braunen Blazers gelegt, der zu ihrem knielangen braunen Rock passte. „Ihr Vater ist der Meinung, dass Sie heiraten sollten?“

Sein Schädel dröhnte. Am liebsten hätte er einen Drink genommen und eine Zigarette geraucht. Zu dumm, dass er damit vor sechs Monaten aufgehört hatte.

Er ließ sich auf seinen Schreibtischstuhl fallen und riss sich die Baseballkappe vom Kopf. „Er ist nicht nur der Meinung“, meinte er müde. „Er erwartet es von mir. Andernfalls kann ich die Beförderung vergessen.“

Langsam sank sie auf einen der Stühle, die vor dem Schreibtisch standen. Sie war verblüfft – was womöglich auch der Grund dafür war, dass sie ihren Rock nicht wie sonst sorgfältig über die hübschen Knie zog. „Übertreiben Sie da nicht etwas? Haben Sie ihn möglicherweise missverstanden? Vielleicht hat er nur das Wort ‚Heirat‘ erwähnt, und bei Ihnen sind sämtliche Sicherungen durchgebrannt.“

Er stieß ein freudloses Lachen aus. „Oh nein, er wusste genau, was er sagte. Mein Leben sei nicht ausgeglichen, hat er behauptet. Ich würde mich zu viel mit der Firma beschäftigen.“

Wütend schlug er mit der Faust auf den Tisch. Ein Kugelschreiber rollte zu Boden. „Was zum Teufel soll ich denn sonst tun? Diese Firma bedeutet mir alles, und er weiß das ganz genau. Aber jetzt hat mein Vater beschlossen, dass ich erst wieder heiraten muss, bevor ich einen guten Geschäftsführer abgeben kann.“

Deanna riss die Augen auf. „Wieder?

Das Pochen in seinem Schädel wurde langsam unerträglich. „Ansonsten wird er jemand anderen einstellen, der nicht einmal zur Familie gehört.“ Mehr noch als die Schnapsidee mit Williams Hochzeit hatte Drew diese Neuigkeit, die ihm erst am Silvestermorgen eröffnet worden war, einen Schlag versetzt.

Daraufhin hatte Drew das Telefonat so schnell wie möglich beendet. Noch immer fühlte er sich wie betäubt von der Nachricht. „Ich werde den Teufel tun und in dieser Firma unter jemand anderem arbeiten.“

Über ihrer Nase bildete sich eine steile Falte. „Sie geben also einfach auf?“ Mit einer Hand schob sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Und lassen alles hinter sich, für das Sie ein Leben lang geschuftet haben?“

„Ich habe nun mal keine Frau an der Hand, bei der mir auch nur der Hauch eines Gedanken käme, dass ich sie heiraten möchte. Mein Vater hat wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank.“

„Ich bin fassungslos“, sagte Deanna. „Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.“

Drew rieb sich das Gesicht und lehnte sich in seinen Stuhl zurück. Mit zusammengekniffenen Augen betrachtete er seine Assistentin.

Sein Vater hatte sogar die Stirn gehabt, Drews Mutter Molly für seine Argumente ins Feld zu führen. Sie würde sich im Grab umdrehen, wüsste sie vom flatterhaften Lebensstil ihres Sohnes, hatte William behauptet.

Das war der härteste Schlag gewesen.

Er hatte mit gleicher Münze zurückgezahlt. Wenn ihm Molly so viel bedeutete, wieso zum Teufel heiratete er dann eine andere Frau?

Drew schloss die Augen. Er konnte die verletzenden Worte seines Vaters nicht vergessen. „Als ob ein Trauschein irgendetwas mit beruflichem Erfolg zu tun hätte“, murmelte er. „Das ist verrückt.“ Er schaute Deanna an.

Stocksteif saß sie ihm gegenüber, die Hände im Schoß gefaltet. „Ich nehme an, dass eine Ehe für Sie überhaupt nicht infrage kommt.“

Die Idee seines Vaters war wirklich absurd. Drew war ein ausgezeichneter Geschäftsmann. Das Unternehmen war unter seiner Leitung noch erfolgreicher geworden. Er hatte seine Führungsqualitäten hinreichend unter Beweis gestellt. Und das alles sollte er aufgeben, wenn er sein Junggesellendasein nicht beenden wollte?

Plötzlich schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf. „Das wäre eine Möglichkeit“, murmelte er. Warum war er nicht schon früher darauf gekommen?

Vielleicht hatte Deanna recht gehabt. Er hatte das Wort Heirat gehört, und bei ihm waren die Sicherungen durchgebrannt.

Deanna zog die Augenbrauen hoch. „Wovon reden Sie?“

„Von einem Geschäft.“ Er setzte sich aufrecht hin. Zum ersten Mal an diesem Tag sah er fröhlich aus. „Und ich brauche nur einen gültigen Trauschein, um es über die Bühne zu bringen.“

„Dem geht aber in der Regel eine Trauung voraus“, erinnerte sie ihn und lächelte schief. „An der Sie, wie Sie bereits gesagt haben, nicht interessiert sind.“

„Bin ich auch nicht“, bestätigte er. „Aber wenn man heiratet, kriegt man eine Urkunde. Dafür brauche ich nur eine Frau.“

Sie hob die Hände. „Genau.“

„Ich könnte mir eine Frau kaufen.“

Der Mund blieb ihr offen stehen. „Das ist nicht Ihr Ernst.“

„Wenn die richtigen Leute am Tisch sitzen, ist es ganz einfach, zu einer Einigung zu kommen und einen Vertrag abzuschließen. Ich brauche nur eine Frau, die sich mit den Bedingungen einverstanden erklärt.“

„Die da wären?“

„Den Wisch zu unterschreiben, Ja zu sagen und sich eine Zeit lang wie meine Ehefrau zu benehmen – lange genug, damit mein Vater sich wieder beruhigt, aufs Altenteil zurückzieht, wie er es geplant hat, und mich zu seinem Nachfolger ernennt. Und dann kann sie wieder gehen.“

Sie schnaubte verächtlich. „Muss ich Sie daran erinnern, dass die Frauen, mit denen Sie für gewöhnlich ausgehen, bis sie das Haltbarkeitsdatum von drei Monaten überschreiten, etwas mehr erwarten als ein paar Klunker?“

Am Ende einer Affäre erhielt seine Verflossene ein Schmuckstück. Deanna wusste so gut darüber Bescheid, weil sie es für Drew besorgte.

„Ich brauche jemanden, der überzeugend ist“, sinnierte er. Mit den Fingern trommelte er auf den Schreibtisch, während er nach einer Lösung suchte. Dann schaute er seiner Assistentin direkt in die Augen. „Jemanden wie Sie.“

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