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Ein Königreich für deine Küsse

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1. KAPITEL

Zitternd vor Erregung trat Emily Fielding aus dem Fahrstuhl, der direkt in das Penthouse von Rafael Montoro IV. führte.

Vor Jahrzehnten war die königliche Familie Montoro nach Florida geflüchtet und hatte sich in Miami niedergelassen. Ein Aufstand hatte sie aus ihrem Heimatland Alma vertrieben, einem kleinen europäischen Inselstaat, der dann lange unter der Herrschaft eines Diktators gestanden hatte. Nach dem Tod des Diktators hatte die Bevölkerung von Alma entschieden, wieder die parlamentarische Monarchie einzuführen.

Mit Rafael Montoro IV. als König.

Jeder war glücklich darüber. Mit Ausnahme von Emily, die Rafael in Harry’s Bar kennengelernt hatte und nun mit seinem Kind schwanger war. Das sagten ihr zumindest drei Schwangerschaftstests. Sie hatte es einfach nicht glauben wollen.

Sollte sie es Rafe sagen? Darüber hatte sie lange nachgedacht, sich schließlich aber dafür entschieden. Da sie selbst aufgewachsen war, ohne zu wissen, wer ihr Vater war, wollte sie ihrem Kind dieses Schicksal ersparen. Der Zeitpunkt war ein bisschen ungünstig, denn Rafe hatte vor der Krönung unglaublich viel zu tun, aber es musste sein.

Um überhaupt in dieses Luxusapartment zu gelangen, hatte sie ein paar Tricks anwenden müssen. Durch eine ihrer Freundinnen war sie an den Schlüssel des Reinigungsdienstes gekommen. Ihre Ziele auf nicht ganz ehrliche Weise zu verfolgen, war normalerweise nicht Emilys Stil. Aber die ganze Situation war alles andere als normal.

Vorsichtig sah sie sich in dem Flur mit dem Marmorfußboden um. Genauso edel hatte sie sich Rafes Wohnung vorgestellt. Seine Familie hatte Alma vor Jahren zwar bei Nacht und Nebel verlassen müssen. Aber sie waren entschlossen gewesen, sich in den USA eine neue Existenz aufzubauen, und das war ihnen sehr gut gelungen.

Rafe war Geschäftsführer von Montoro Enterprises, einem weltweit operierenden blühenden Unternehmen. Allerdings hatte er hart dafür gearbeitet, und das hatte Emily sehr beeindruckt. Denn das entsprach auch ihrem Lebensmotto.

Unwillkürlich wollte sie sich über den Bauch streichen, ließ dann aber schnell die Hand sinken. Nur keine Aufmerksamkeit auf das lenken, was ihr Leben total verändert hatte. Seit sie das immer gleiche Ergebnis der Schwangerschaftstests gesehen hatte, war nichts mehr so wie vorher.

Doch es konnte keine Zukunft für sie und Rafe geben. Wenn er nur ein reicher Geschäftsmann wäre, dann vielleicht. Aber als König? Nein.

Dennoch …

Sie hatte Fotos von Alma gesehen. Bilder von weißen Stränden, hohen Bergen, Schlössern und Burgen, es musste ein wunderschönes Land sein. Als kleines Mädchen hatte sie davon geträumt, in so einem Land zu leben. In einem Königreich wie aus dem Märchen mit einem jungen König. War es nicht absolut perfekt?

Allerdings war Rafael IV. eigentlich ein ganz normaler Mann, mit dem sie nur eine kurze Affäre gehabt hatte. Genauer gesagt war es ein Wochenende gewesen, an dem sie nicht aus dem Bett gekommen waren. Es war unglaublich schön gewesen …

Kurz schloss sie die Augen, rief sich aber sofort wieder zur Ordnung. Sie durfte sich jetzt nicht in Träumereien verlieren, sondern musste das durchziehen, was sie sich vorgenommen hatte. Schnell ging sie den Flur hinunter und blieb vor der offenen Schlafzimmertür stehen.

Ein Anflug von Übelkeit ließ sie schlucken. Sie musste sich zusammennehmen. Immer noch war sie sich nicht sicher, wie sie Rafe die Nachricht überbringen sollte. Aber keinesfalls indem sie sich hier auf seinen Marmorfußboden übergab …

Sie räusperte sich leise, als sie Rafe sah.

Rafe, der gerade seinen Koffer packte, hörte sie bei dem lauten Rap allerdings nicht. Er bewegte sich weiter im Rhythmus der Musik.

Emily betrachtete ihn wehmütig lächelnd. Wenn er doch nur kein Montoro wäre. Dann könnten sich ihre Träume erfüllen. Denn sie sehnte sich nicht nach einem Mann mit einem Titel und einem Schloss, sondern nach einem Mann, der sie liebte, und mit dem zusammen sie ihre Kinder aufziehen konnte.

Aber so sexy und charmant Rafe auch war, das Schicksal hatte für ihn etwas anderes vorgesehen. Er war der zukünftige König von Alma. Und sie würde nach Key West zurückkehren. Mit einem König wollte sie keine Affäre haben, und eine andere Beziehung kam für sie beide wohl nicht infrage. Denn Könige durften nur Frauen mit einem makellosen Ruf heiraten.

Als Rafe sehr gekonnt zur Musik mitrappte, konnte sie nicht anders, sie applaudierte.

Er fuhr herum. „Was machst du denn hier?“

Süß, er wird richtig rot! Wahrscheinlich war es ihm peinlich, beim Rappen erwischt worden zu sein. „Ich wünsche auch Ihnen einen wunderschönen guten Morgen, Majestät. Muss ich jetzt einen Hofknicks machen? Ich bin leider mit den Regeln nicht so vertraut.“

„Ich auch nicht“, gestand er. „Juan Carlos wäre entsetzt, dass mich jemand bei etwas so Amerikanischem wie Rap ertappt hat.“

„Keine Sorge, ich schweige wie ein Grab“, versicherte sie schnell. „Aber wer ist Juan Carlos?“

„Mein Cousin Juan Carlos Salazar, der Vermögensverwalter der Montoros und so etwas wie ein inoffizieller Haushofmeister.“

„Das hört sich spießig an. So jemandem würde ich bestimmt nicht gefallen.“

„Emily, weshalb bist du hier? Und wie bist du überhaupt reingekommen?“

„Ich habe so meine Methoden.“

„Und die wären?“

„Mein Charme.“ Sie schüttelte lächelnd den Kopf. „Aber wichtiger war der Schlüssel, den ich über deinen Reinigungsdienst bekommen habe.“

„Auch noch kriminell? Also wirklich …“ Rafe grinste kurz. „Aber ernsthaft, warum bist du gekommen? Wolltest du dich, äh … angemessen von mir verabschieden?“

Er kam lächelnd auf sie zu. Trotz seiner Größe von über eins achtzig bewegte er sich sehr geschmeidig. Das war ihr gleich aufgefallen, als sie ihn in der Bar gesehen hatte.

Er trat dicht vor sie hin. „Du hast mir doch schon goodbye gesagt und gemeint, das sei endgültig.“

Ja, das stimmte. Denn er war einer dieser Reichen, die nur aus einem ganz bestimmten Grund nach Key West kamen. Sie suchten eine kurze Affäre, und wenn sie die gehabt hatten, verschwanden sie wieder.

„Das ist auch so“, bestätigte sie.

„Aber warum bist du dann hier?“

Er sah sie mit seinen schönen grünbraunen Augen ratlos an, und sie senkte schnell den Blick. Er war einer der attraktivsten Männer, die sie je gesehen hatte, sämtliche Filmschauspieler eingeschlossen, und sie durfte jetzt nicht schwach werden. „Ich bin schwanger“, stieß sie hastig hervor.

Er stolperte ein paar Schritte rückwärts und starrte sie an, als hätte er sie noch nie gesehen.

Schwanger?!

Rafe drehte sich um, ging zur Anlage und stellte die Musik ab.

Ein Baby?!

So wie er Emily kennengelernt hatte, als toughe Bedienung in einer Bar, hatte sie auf ihn ernsthaft und geradeheraus gewirkt. Ganz bestimmt hätte sie ihn nicht aufgesucht, wenn er nicht sicher der Vater wäre. Zu seiner eigenen Überraschung empfand er so etwas wie Freude.

Ein Kind!

Bisher hatte er nie über Kinder nachgedacht. Er kannte Emily nicht gut genug, um zu wissen, was sie mit ihrem Besuch bezweckte. Wollte sie Geld? Oder etwas anderes? Aber dass sie mit seinem Kind schwanger war, löste Empfindungen in ihm aus, die ihm neu waren. Er bekam ein Kind …

Vielleicht fühlte er so, weil es ihn von der Entscheidung ablenkte, zu der er sich mehr oder weniger gezwungen gefühlt hatte. Seine Reise nach Alma stand kurz bevor. Einerseits war er stolz darauf, dass das Land, das seine Familie vertrieben hatte, ihn nun als König zurückrief. Andererseits war er hier in Florida aufgewachsen. Und bei dem Gedanken an steife Hofregeln wurde ihm ganz elend. Die Vorstellung war grauenhaft, dass ihm die Paparazzi überallhin folgen würden, nur um ihn bei etwas zu ertappen, was peinlich für das Königshaus wäre.

„Rafe?“

„Ja?“

„Hast du gehört, was ich gesagt habe?“

Allerdings. Ein Baby.

Sein Vater war weiß Gott nicht der beste aller Väter gewesen. Und so war er selbst nie sehr daran interessiert gewesen, eigene Kinder zu haben.

„Ja. Bist du sicher?“, fragte er schließlich.

Sie warf ihm einen wütenden Blick zu. „Sonst wäre ich doch wohl nicht hier!“

Beschwichtigend hob er die Hände. „Reg dich nicht auf, Emily. Ich bezweifle ja nicht, dass es mein Kind ist, falls du schwanger bist. Aber bist du wirklich schwanger?“

„Das kann man wohl sagen! Ich konnte es ja selbst nicht glauben. Aber nach drei Schwangerschaftstests und der Bestätigung durch den Arzt blieb mir nichts anderes übrig.“

„Verrückt …“ Er schüttelte verwirrt den Kopf.

„Ich weiß“, sagte sie, nun etwas sanfter. „Ich weiß auch, dass du nicht einfach deine Verpflichtungen Alma und deiner Familie gegenüber vergessen kannst, um mich zu heiraten. Ich denke gar nicht an eine Heirat, denn wir kennen uns ja überhaupt nicht. Aber ich will nicht, dass mein Kind aufwächst, ohne zu wissen, wer sein Vater ist.“

„Ich auch nicht.“

Sie sah ihn überrascht an, und auch Rafe war über seine Antwort verblüfft. Aber ein Kind hatte das Recht, seinen Vater zu kennen. Und sein Kind sollte an allem teilhaben, was die Montoros betraf. Nicht unbedingt, wenn es um Alma und die Thronfolge ging, aber wenn es das betraf, was er selbst in Miami aufgebaut hatte, das weltweite Familienunternehmen. „Wieso erstaunt dich das so?“

„Du hast ja nun wirklich genug um die Ohren. Da kannst du nicht noch die Sorge um ein Kind gebrauchen.“

Einerseits hatte sie recht. Aber diese ganze Königsgeschichte war ihm eigentlich suspekt. Seine Geschwister und er waren nicht wie Königskinder aufgewachsen, sondern wie ganz normale Amerikaner. Sie hatten zwar Geschichten von Alma gehört, doch nie damit gerechnet, dorthin zurückzukehren. „Aber ich treffe immer noch meine eigenen Entscheidungen“, stellte er fest.

„Ich weiß.“ Sie strich sich das kastanienrote Haar zurück. „Ich bin nur ziemlich durcheinander, seit ich herausgefunden habe, dass ich schwanger bin. Und das ohne Mann. Weißt du, meine Mutter hat mich auch allein aufgezogen …“

Rafe ging zu ihr und nahm sie sanft in die Arme. Dass Emily ohne Vater groß geworden war, hatte er nicht gewusst. An ihrem leidenschaftlichen Wochenende hatten sie anderes zu tun gehabt, als sich über ihre Vergangenheit auszutauschen … „Ich weiß, das ist alles sehr schwer für dich“, sagte er leise.

Sie sah zu ihm hoch. In ihren Augen standen Tränen, die sie verzweifelt zu unterdrücken versuchte. Es war klar, wie sehr sie diese Situation verunsicherte.

„Danke“, flüsterte sie. „Ich brauche nur … Ich meine, ich weiß nicht … Ein Kind … Damit habe ich nie gerechnet. Wir haben doch verhütet.“

„Das dritte Mal nicht. Ich hatte keine Kondome mehr, und wir …“

Sie wurde rot, senkte den Kopf und lehnte sich an ihn, während sie ihm die Arme um die Taille legte. Und er, der es normalerweise hasste, sich eingeengt zu fühlen, genoss die Umarmung.

„Meine Mom hatte recht“, sagte sie leise.

„Inwiefern?“ Rafe blickte über ihren Kopf hinweg und betrachtete sie beide im Spiegel, der im Flur hing. Ihm fiel auf, dass er anders aussah, ernster, gesammelter. Da wusste er, dieses Baby würde sein Leben verändern.

„Sie hat immer gesagt, dass nicht viel dazugehört, schwanger zu werden. Ein charmanter Mann und einmal Sex …“

Er lachte kurz. „Kluge Frau.“ Dann wurde er wieder ernst. „Was machen wir nun?“ Heiraten, das wäre die anständige Lösung. Doch Emily und er waren sich eigentlich fremd. Erst müssten sie sich besser kennenlernen.

Emily löste sich von ihm und trat ans Fenster. „Ich möchte nur, dass du es weißt. Mehr will ich nicht. Eines Tages wird das Kind nach dir fragen und …“

„Eines Tages? Ich will an seinem Leben teilhaben.“

Sie drehte sich um und schüttelte traurig den Kopf. „Wie soll das gehen? Du ziehst nach Alma und übernimmst da den Thron. Ich lebe hier mit dem Baby.“

Nervös rieb er sich den Nacken. Was für eine vertrackte Situation. Aber Emily konnte er keine Vorwürfe machen.

Das Wochenende mit ihr war für ihn wie eine Flucht gewesen. Die neue Verantwortung machte ihn fertig. Er war der älteste Sohn. Er war Rafael IV., der zukünftige König von Alma. Er sollte sich der Aufgabe gewachsen zeigen. Aber Tatsache war, dass er sich vollkommen verloren fühlte.

Er wollte über sein eigenes Leben bestimmen können und nicht von Regeln und Vorschriften eingeengt werden, denen ein König nun mal unterworfen war. Wenn er die Entscheidung aus freien Stücken getroffen hätte, würde er anders dazu stehen. Aber er war mehr oder weniger in diese Position gedrängt worden. Da war er nach Key West geflohen und hatte in Emilys Armen etwas gefunden, wonach er sich gesehnt hatte. Was genau es war, wusste er selbst nicht …

Emily hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte. Immerhin hatte sie Rafe erzählt, dass sie schwanger war. Und nun? Was hatte sie erwartet? Dass er sie an sich zog, ihr ewige Liebe schwor, sie in seinem Privatjet mit nach Paris nahm und sich dort mit ihr verlobte?

Nein, die Wirklichkeit war anders. Sie stand vor ihm und sah ihn nur an. Ob sie wohl das letzte Mal mit ihm allein war? Und trotz aller Mädchenträume und der Tatsache, dass sie nackt in seinen Armen gelegen hatte, waren sie doch zwei Fremde füreinander.

„Warum siehst du mich so merkwürdig an?“, fragte Rafe.

Sollte sie offen zu ihm sein? Lieber nicht. Wenn sie ihm sagte, dass sie zwar mit ihm geschlafen hatte, aber nicht gewusst hatte, wie er auf die Nachricht von dem Kind reagieren würde, verriet sie ihm, wie unsicher sie sich fühlte. Also lächelte sie nur und meinte: „Ich habe dich noch nie rappen hören. So was habe ich dir gar nicht zugetraut.“

„Ich habe eben viele Talente.“

„Das habe ich mir schon gedacht.“

„Wirklich?“

Als sie nickte, trat er auf sie zu und blickte sie mit seinen grünbraunen Augen aufmerksam an. Als sie das letzte Mal zusammen waren, hatte sie schnell erkannt, dass er in ihren Armen einfach vergessen wollte, was auf ihn zukam. Diesmal stand er als der Mann vor ihr, der er wirklich war.

„Was hast du dir denn sonst noch so gedacht?“, fragte er mit seiner dunklen, samtigen Stimme, die sie innerlich erbeben ließ.

Was für eine Stimme!

Sie wusste, dass er seine Fehler hatte, aber rein körperlich war nichts an ihm auszusetzen. „Dass du es gewohnt bist, das zu bekommen, was du willst.“

„Und wenn schon. Das ist nichts Besonderes.“

„Vielleicht nicht. Aber ist dir eigentlich klar, dass ich auch meist das erreiche, was ich mir vorgenommen habe?“ Plötzlich wusste sie, dass sie ihr Leben wieder in die eigene Hand nehmen konnte. Dass sie schwanger war, hatte sie kurz aus der Bahn geworfen, weil sie an ihre eigene einsame Kindheit gedacht hatte. Aber das war jetzt vorbei.

Er lachte leise. „Oh ja. Das war mir von dem Moment an klar, als ich Harry’s Bar betrat und dich hinter dem Tresen stehen sah.“

„Tatsächlich? Ich dachte, es war eher mein enges T-Shirt, das Eindruck auf dich gemacht hat.“

„Das auch. Und deine Beine. Du hast tolle Beine.“

Kurz blickte sie an sich hinunter. Völlig durchschnittlich, fand sie. Trotzdem nett, das Kompliment. „Und du hast einen tollen Hintern.“ Sie warf ihm einen vielsagenden Blick zu.

Er zwinkerte ihr zu und drehte sich um.

Es stimmte. Was für ein hübscher muskulöser Po, dachte Emily. Das war auch in dem schmal geschnittenen Anzug gut zu erkennen. Sicher ein Maßanzug. Der stand einem zukünftigen König ja auch zu. Sie seufzte leise. Hier hatte sie nichts mehr zu suchen. Und Flirten kam schon gar nicht infrage. „Entschuldige.“

„Wofür entschuldigst du dich denn?“

Sie zuckte nur mit den Schultern. Um nichts in der Welt würde sie zugeben, dass sein zukünftiger Titel sie einschüchterte.

„Der Anzug sitzt nicht gut, oder? Ich hatte Gabe gefragt, ob ich in der Hose dick wirke, aber er sagte Nein.“

Emily hatte Bilder von den Montoros in der Zeitung gesehen. Und so wusste sie, dass Gabe Rafes jüngerer Bruder Gabriel war. „Die Hose steht dir sehr gut.“ Sie lachte etwas gezwungen. „Aber ich muss jetzt gehen.“

Erstaunt sah er sie an. „Warum denn? Habe ich etwas Falsches gesagt?“

„Nein. Aber mir ist gerade wieder eingefallen, dass du nicht nur einfach einer dieser reichen Typen aus Miami bist, die ein Wochenende nach Key West kommen, um etwas zu erleben. Du kannst nicht über dein Leben bestimmen, wie du willst, und für mich ist kein Platz darin.“

Er presste kurz die Lippen zusammen und wandte sich dann wieder seinem Bett zu, auf dem sein sicher teurer Lederkoffer aufgeklappt lag. Emily betrachtete Rafe nachdenklich. Sie hatte ihn beim Packen unterbrochen. Wahrscheinlich war er sogar unter Zeitdruck. Sie sollte nun wirklich gehen.

„Du hast gesagt, dass du ohne Vater aufgewachsen bist“, fing er plötzlich an und warf ihr über die Schulter einen ernsten Blick zu.

„Ja, und?“

„Ich nicht. Ich hatte Vater und Großvater und Urgroßvater. Von Geburt an war es mir bestimmt, in ihre Fußstapfen zu treten. Ich habe mich immer bemüht, ihre Erwartungen zu erfüllen. Ich war sogar stolz darauf, als Rafael Montoro IV. den Namen fortzuführen, und wollte meiner Schwester und meinem Bruder ein Vorbild sein.“

„Warum erzählst du mir das? Soll ich dich bedauern? Auch wenn man viel von dir erwartete, so hast du doch auch eine Menge Chancen in deinem Leben gehabt. Und jetzt wirst du auch noch König.“

„Mein ganzes Leben habe ich getan, was man von mir wollte. Ich bin der Chef von Montoro Enterprises und bald der König von Alma.“ Er drehte sich zu ihr um. „Aber jetzt an diesem Nachmittag, Emily, möchte ich nur Rafe sein.“ Er sah sie bittend an. „Nicht der Mann, dessen Zukunft feststeht, sondern dein Geliebter, der Vater deines Kindes.“

Er trat auf sie zu, ließ sich auf die Knie nieder und legte ihr die Arme um die Hüften. Dann drückte er ihr einen Kuss auf den Bauch und flüsterte: „Ich möchte so gern, dass du voller Freude mit mir über unser Kind sprichst. Und nicht mit Bedauern.“

Sie blickte auf ihn hinunter. Während sie ihm die Finger in das dichte schwarze Haar schob, wusste sie, dass dies ihre letzte Gelegenheit war, mit ihm zusammen zu sein. Und sie wollte diese Gelegenheit nutzen, auch wenn die Schwangerschaft all ihre großen Lebenspläne zunichtegemacht hatte.

Doch daran wollte sie jetzt nicht denken. Zwar wusste sie, dass sie sich hinterher umso mehr nach ihm sehnen würde, aber das konnte sie nicht davon abhalten, wenigstens noch einmal in seinen Armen zu liegen.

2. KAPITEL

Rafe schob alle belastenden Gedanken beiseite und konzentrierte sich ganz auf Emily. Erstaunlich, dass sie ihn gefunden hatte. Dass sie ihn hatte finden wollen. Sie war eine starke, unabhängige Frau und hätte das Baby durchaus vor ihm verheimlichen können. Die Vorstellung, dass er nie von seiner Vaterschaft erfahren hätte, wenn sie nicht gekommen wäre, war seltsam.

Er hatte sich in letzter Zeit nur noch mit seinen neuen Pflichten beschäftigt und damit, wie er allen Erwartungen gerecht werden konnte. Besonders denen der Bürger von Alma, die er gar nicht kannte. Und statt sich um sein weltweites Unternehmen zu kümmern, hatte er sich um so etwas Albernes wie ein Hofprotokoll Gedanken machen müssen.

Aber solange Emily hier war, wollte er all das vergessen und nur noch Mann sein. Er hielt sie fest, als er aufstand, und hob sie hoch. Ihren Körper an seinem zu spüren, war ein wunderbares Gefühl. Sie war zierlich und wohl proportioniert, und als er sie neben dem Bett wieder auf die Füße stellte, sah er sie erwartungsvoll an. Würde sie …

Sie lächelte ihn zärtlich an, stellte sich auf die Zehenspitzen und legte ihm die Arme um den Hals. Als sie mit den Lippen sanft seinen Mund berührte, fühlte er, wie sich in ihm etwas löste, als schmelze ein Stück Eis. Denn sie küsste ihn nicht stürmisch wie eine Frau, die einfach eine Affäre erleben und zur Sache kommen wollte. Sondern wie eine Frau, die sich vorgenommen hatte, jede Sekunde mit dem Geliebten zu genießen.

Auch ohne es auszusprechen, wussten sie beide, dass diese Situation einmalig war. Sie hatten diesen Nachmittag, das war alles. Rafe wollte wenigstens die Erinnerung an diese Stunden in ein Leben mitnehmen, das er nicht mehr selbst bestimmen konnte.

Er schob ihr die Finger in das dichte rote Haar und erwiderte ihren Kuss, intensiv und voller Leidenschaft. Emily strich ihm über den Rücken, während sie sich fest an ihn schmiegte. Ja, er wollte jede Sekunde mit ihr auskosten, jede Geste, jede Berührung. Er spürte, wie sehr auch sie ihn begehrte, und gab sich ganz seinem wachsenden Verlangen hin.

Rafe küsste sie auf den schlanken Hals. Ihr Puls raste, sie hatte die Augen halb geschlossen, und er nahm ihren Duft wahr, ein Duft nach Orangenblüten und Meer. Noch hielt er sie in den Armen, aber bald würde sie aus seinem Leben verschwunden sein.

Langsam ließ er die Hände über ihren Rücken gleiten, dann umfasste er sie bei der Taille und hob sie hoch. Sofort schlang sie ihm die Beine um die Hüften und hielt sich an seinen Schultern fest. Dann sah sie ihn voll Sehnsucht an, und er hatte das Gefühl, in ihren tiefblauen Augen zu versinken.

Als sie spielerisch in seine Unterlippe biss, wurde er augenblicklich hart. Wahnsinn, wie schnell das geht, dachte er. Er musste raus aus dieser Hose, er wollte Emily …

Er griff nach seinem Reißverschluss, aber sie stieß seine Hand beiseite und drückte sich gegen seine Erregung. Die Knie wurden ihm weich, er stolperte und fiel mit ihr zusammen aufs Bett. Neben seinen Koffer, den er mit einer Hand hastig zuklappte und vom Bett schob.

Emily lachte nur, warf sich auf ihn und küsste ihn wild.

Oh Mann, sie war wie ein Wirbelwind, von dem er sich nur zu gern mitreißen ließ. Mit ihr fühlte er sich so lebendig wie schon lange nicht mehr. So war es auch an dem Wochenende in Key West gewesen. Wenn sie zusammen waren, wurde die Welt um sie herum blass und unwichtig. Dann gab es nur sie zwei.

Rafe wurde heiß. Er wollte nackt sein. Emily sollte nackt sein. Er wollte sie fühlen, Haut an Haut.

Ungeduldig schob er ihr T-Shirt hoch, zog es ihr über den Kopf und warf es beiseite. Wieder hatte sie dieses hautfarbene Nichts von BH an, das sie auch das letzte Mal getragen hatte. Er schob den Zeigefinger darunter, sah, wie ihre Brustwarzen hart wurden, und löste schnell den Verschluss. Diese runden Brüste, die aufgerichteten rosa Spitzen …

Er küsste ihre Brüste, nahm eine Brustwarze zwischen die Lippen.

Emily lachte leise und dunkel, knöpfte ihm schnell das Hemd auf und schob es ihm über die Schultern. Da sie aber die Manschettenknöpfe nicht löste, war er in seinem eigenen Hemd gefangen und konnte die Hände nicht bewegen.

„Nimm die Manschettenknöpfe raus“, bat er lachend.

„Noch nicht. Im Augenblick habe ich das Kommando.“ Langsam strich sie ihm mit den Fingernägeln über die Wangen, dann über den Hals, schließlich ließ sie die Hände auf seiner nackten Brust liegen.

Er warf den Kopf zurück. Einerseits fühlte er sich wie im Himmel, aber es war auch eine süße Qual. Sonst ließ er es nie zu, dass jemand ihm die Kontrolle aus der Hand nahm. Aber mit Emily war alles anders. Ihr überließ er sich gern.

Als sie sich vorbeugte, sodass ihn ihr langes Haar kitzelte, erzitterte Rafe vor Lust und versuchte, sie auf den Mund zu küssen. Aber sie richtete sich wieder auf und sah lächelnd auf ihn hinunter. Diese Augen, sie waren voller Geheimnisse, und Rafe wusste, dass er sie nie ganz entschlüsseln würde.

Jetzt strich sie ihm mit einem Zeigefinger langsam über die Brust, über den Bauchnabel, dann folgte sie weiter der dunklen Haarspur …

Als sie ihn durch den Stoff seiner Hose umfasste, bäumte Rafe sich stöhnend auf. „Emily …“

Lachend bewegte sie die Hüften, beugte sich dann wieder vor, biss ihn leicht ins Ohr und flüsterte ihm zu, was sie alles mit ihm machen wollte. Dann kitzelte sie ihn mit ihrer schnellen heißen Zunge, und er lieferte sich ihr vollkommen aus und fühlte sich gut dabei. Vor allem, als sie ihn wieder mit ihrer kleinen, aber kräftigen Hand umfasste, ihn massierte.

Vergebens versuchte er, sich von dem Hemd zu befreien.

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